Von den Anfängen bis zur Umsetzung des DeFa-Projektes

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Günter Debus, Gönnern/Aachen

In unserem Ferienaufenthalt 1988 in Gönnern – dort wurde ich im Elternhaus[1] im Wiesenweg am 1. September 1939 geboren und dort wuchs ich auf – suchte ich Pfarrer Jörg Debus in Dautphe mit der Bitte auf, mir Einsicht in die Kirchenbücher von Dautphe zu gewähren. Endlich wollte ich nachprüfen, ob die Annahme meiner Verwandtschaft in Gönnern stimmte, dass unsere Vorfahren Hugenotten seien. Es war bei Handeis in Gönnern sogar die Rede davon, dass es dazu ein Dokument gäbe. Dies schien aber verloren gegangen zu sein. Die Antwort von Jörg Debus verblüffte mich: „Meine Vorfahren kommen aus dem Hinterland.“ Er öffnete eine Schublade seines Schreibtisches, holte einen dicken Aktenstapel heraus und übergab mir diesen mit der Bemerkung: „Hier ist alles drin. Das können Sie einsehen.“ Stunden später wusste ich, dass wir beide, Jörg Debus und ich, gemeinsame Vorfahren in Mornshausen/Dautphetal haben und unsere Linie zum Pahles-Hof nach Katzenbach führt und von dort nach Friedensdorf. Die in meiner Familie uns faszinierende Vorstellung, in der Nachfolge von bekenntnisstarken Hugenotten zu stehen, brach in sich zusammen.

Bei meinen ersten Besuchen in Katzenbach erhielt ich die Kopie eines Briefes von Wilhelm Völkel, den er am 13. September 1974 von seinem damaligen Wohnort Saarbrücken aus an Wilhelm Muth in Katzenbach geschrieben hatte:

„Lieber Onkel Wilhelm! – Ich nehme Deinen Geburtstag zum Anlaß, Dir zu sagen, dass mir der Katzenbach immer noch sehr am Herzen liegt, und ich auch heute noch gerne an vergangene Stunden und Tage dort zurückdenke. […] Nun nehme ich Deinen anstehenden Geburtstag zum Anlaß, um einmal wegzudiktieren, was ich von unserer gemeinsamen Familie noch auskundschaften konnte.“

Es folgt eine Darstellung der Generationen-Abfolge in Katzenbach.

Katzenbach in seiner idyllischen Lage am Ende des langgestreckten Seitentals der Lahn reizte mich damals zu Kurzbesuchen, doch fehlte aus beruflichen Gründen die Zeit, sich mit der Familiengeschichte zu befassen. Zudem kam die Beanspruchung durch die Erstellung der Chronik für Gönnern 1996 hinzu.

Im Dezember 1998 wandte ich mich mit einem Brief an Friedhelm Debus in Schierensee/Kiel mit der Frage, ob und wie seine Familie in die Katzenbacher Linie einzureihen sei. Die Frage eines Aachener Kollegen, ob ich denn mit dem Sprachwissenschaftler Debus aus Kiel verwandt sei, verneinte ich, räumte aber zugleich meine Unwissenheit ein. Die Antwort aus Kiel war eindeutig. Der Vater von Friedhelm Debus stammte aus dem Howe-Hof in Friedensdorf und einige Generationen zuvor kam ein Vorfahre aus dem Pahles-Hof in Katzenbach. Damit war die Verbindung geknüpft. Noch vor Weihnachten fertigte ich eine erste Übersicht über die Verbindung der Linien von Heinrich Muth in Katzenbach, Jörg Debus in Dautphe, Wilhelm Völkel (zu der Zeit) in Laubach, Friedhelm Debus in Kiel und mir an. Diese wurde später Ausgangspunkt für weitere Kontaktaufnahmen.

Im Jahr 2001 unternahm ich eine Fahrradtour von Aachen aus ins Hinterland. Dort suchte ich, nachdem ich das wunderschöne Buch über das Kloster Caldern eingesehen hatte, Heinz Loth in Caldern auf. Beim Museumsbesuch fiel mir auf einer Karte von Caldern der „Debus-Hof“ am Ortseingang links vor der Lahnbrücke auf. Dadurch angeregt, ging ich in den nächsten Tagen auf Spurensuche. Die offenen Fragen gingen mir nicht mehr aus dem Kopf, auch nicht, als ich wieder in Aachen war.

Schon wenige Tage nach Rückkehr, August 2001, schrieb ich an Wilhelm Völkel einen Brief, in dem ich ihn über meine bisherigen Recherchen und offenen Fragen informierte. Das war der Beginn eines regen Briefwechsels und einer engen Freundschaft.

Einem Hinweis in einem Antwortschreiben aus Worms folgend, ging ein weiterer Brief (Januar 2002) an den pensionierten Pfarrer Peter Debus in Bad Homburg, dem Bruder von Jörg Debus in Dautphe. Dieser passionierte Familiengeschichtler antwortete mir umgehend mit der Anrede „mein lieber Vetter Günter“ und es begann mit ihm ein reger Austausch von Recherche-Ergebnissen und Dokumenten.

Im April 2002 kam Wilhelm Völkel zu uns nach Aachen. Wir machten einen Rundgang durch die Hochschule, an der er studiert hatte und ich arbeitete, und vertieften uns in die Geschichte Katzenbachs.

Unmittelbar nach dem Besuch von Wilhelm Völkel in Aachen wandte ich mich am 14. April 2002 mit einem Brief an Anneliese Westmeier. In diesem Brief bedankte ich mich zunächst für die zuvor erstmalig zugesandte Einladung zum Treffen der Hinterländer Genealogen. Ich berichtete über meine Gespräche mit Wilhelm Völkel in Aachen: unsere gemeinsame Herkunft, Pahles-Hof in Katzenbach, seine Arbeiten zu Erndtebrück, Arbeit zu Gönnern und andere geschichtliche Themen. Wörtlich schrieb ich:

„Sie müssen, wie aufgrund Ihres Buches [Familienbuch Buchenau, 1997[2]] zu erwarten und wie mir Herr Völkel anhand seiner Unterlagen von Ihnen gestern demonstrierte, eine unglaublich gute Dokumentation haben. Ich vermute, dass Sie auch etwas zum Debus-Hof sagen können. – Warum mich der Debus-Hof interessiert? In Zusammenhang mit der Frage, wo es Debus vor Katzenbach gab. Das war Friedensdorf, aber wo in Friedensdorf (Neue Mühle?, welcher Hof) und wo auch in der Umgebung? – Eine zweite Frage konnte auch Wilhelm Völkel nicht beantworten: Die Vorfahren des Raketenforschers Debus müssen aus Katzenbach stammen, wie ich von den Muths gehört habe. Kennen Sie die Verbindung?“

Die Hoffnung bei uns, sehr schnell etwas über Katzenbach auf die Beine zu stellen, war groß, wie aus einem Schreiben von Wilhelm Völkel im Mai 2002 hervorgeht:

„Inzwischen habe ich einige Katzenbach-Interessierte so motiviert, dass ich hoffe, bald die Bewohner von Katzenbach komplett zu haben. In Verbindung mit dem Hinterländer Geschichtsverein ist es nicht ausgeschlossen, daraus eine Broschüre über den Katzenbach werden zu lassen.“

Auch bei Peter Debus war die Begeisterung groß, gedacht war an ein Debus-Treffen im Katzenbach.

Berufliche Arbeiten, auch nach der Pensionierung in 2004, nahmen mich weiterhin so in Anspruch, dass Katzenbach erst nachrangig im Blickpunkt war.

Am 9. Februar 2009 starb Peter Debus nach längerer Krankheit. Wilhelm Völkel starb nach kurzer Erkrankung am 31. Januar 2011.[3] Beide konnten die weitere Planung und Umsetzung der Veröffentlichungen zur Geschichte der Debus-Familien nicht mehr erleben. Zu Peter Debus hat sein Bruder Jörg Debus, jetzt in Kombach wohnend, eine Biographie geschrieben. Zu Wilhelm Völkel setzen wir einen Beitrag von Anneliese Westmeier und mir zu seinem 80. Geburtstag 2009 in die Sammlung ein.[4]

2009 wurde das DeFa-Projekt von Anneliese Westmeier und mir gestartet. Dafür waren inzwischen die Voraussetzungen gut. In Helmut Mankel, Holzhausen, hatten wir einen kompetenten und effizienten Familienforscher mit Zugriff auf Kirchenbücher gefunden. Weitere Debus-Vertreter waren als Mitwirkende gewonnen worden, so z. B. Lienhard Müller aus Blaubeuren, der eine riesige Bilder- und Datendatei zu Debus angelegt, und Friedrich Debus in Bochum, der über Jahre Material über seine Familie und Vorfahren aus dem Hinterland gesammelt hatte.[5] Auch gehört dazu Reimar Debus aus Schlierbach, der für seinen Ort die Vielzahl von Debus-Familien in ihrer Verflechtung und Geschichte dargestellt hat.

Ein erstes Planungstreffen fand 2009 – wie nicht anders zu erwarten – in Katzenbach statt, natürlich beim „Katzenbächer“, in Chrästs Gaststube. Anneliese Westmeier und ich hatten eingeladen, dabei waren einige Debus-Familienvertreter und Interessierte. Das erste Rundschreiben wurde am 8. Juni 2009 versandt. In ihm wird das Ziel des Projekts skizziert und um Mitwirkung geworben.

Die Redaktion wurde in 2012 um Stefan Debus aus Rachelshausen erweitert. Zum einen kennt er den Hartenroder Debus-Zweig und forscht hierzu nach deren Anfängen. Zudem verspricht er als junger Familienforscher, dass das Projekt auf dem neuesten informationstechnischen Stand umgesetzt und weitergeführt wird.

Helmut Mankel aus Holzhausen gehört aufgrund seiner Erfahrung im Umgang mit Daten aus Kirchenbüchern und Steuerlisten zur Redaktion, er hat keine verwandtschaftlichen Beziehungen zu Debus-Familien. Bereits zu Vorarbeiten des Projekts hat er mitgewirkt und gewährleistet die ständige Kontrolle und Absicherung der Daten. Seine engen Kontakte zu Arthur Kraft in Holzhausen, Autor des Familienbuches zu Holzhausen,[6] erlauben ihm, dessen Daten-Sammlung mitzuverwenden. Für Wallau steht das Familienbuch von Liesel und Franz Konrad zur Verfügung.[7] Wichtig ist auch die von Freddy Kothieringer angelegte Personen-Datei, die wir mit Dank an ihn genutzt haben.

Zur Planungsgeschichte des Projektes gehört die Erfahrung, dass wiederholt auch erfolglos Debus-Familienvertreter angesprochen und um Mitwirkung gebeten wurden. Unsere Hoffnung ist, dass mit dem Gang durch die Debus-Familiengeschichte auf der Internetseite von „Geschichte im Hinterland“ entlang der eingestellten Beiträge das Interesse wächst, sich selbst zu beteiligen und Ergänzendes beizutragen.

Die Tatsache, dass seit dem ersten Rundschreiben Mitte 2009 bis zum Beginn der Veröffentlichung Ende 2012 eine so lange Zeit verging, hängt unter anderem damit zusammen, dass vielfach zeitaufwendige Recherchen durchgeführt werden mussten und zunächst nicht klar war, in welcher Form die Beiträge publikationsfähig sind. Einige Beiträge liegen deshalb schon lange in der Redaktions-Schublade. Ich hoffe auf Nachsicht.

Die Beiträge stellen Menschen in unterschiedlichen familiären Einbindungen und unter verschiedenen Lebensbedingungen in den vergangenen vier Jahrhunderten ins Zentrum der Darstellung. Dabei haben wir die Würde eines jeden einzelnen Menschen im Blick. Daten spielen nur eine untergeordnete Rolle. Anteilnehmen an Lebensläufen, das ist unser Motiv.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Der Vater war Heinrich Debus (1898–1963) aus Handeis, Sohn des Jakob Debus (1869–1916)
  2. Westmeier, Anneliese (1997). Familienbuch Buchenau/Lahn mit Filialort Elmshausen. Schriften der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung e. V. Nr. 24. Darmstadt: Hessische Familiengeschichtliche Vereinigung. Herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Frankfurt am Main, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe B, Band 149
  3. Nachruf: Burkardt, Johannes (2011). Wilhelm Völkel (Schmette). In Wittgenstein, Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e. V., Band 70, Heft 1
  4. Der Beitrag steht unter dem Ort Laubach
  5. Von ihm gibt es auch ein Video über seine „Spurensuche im Hinterland“, bei der Redaktion vorhanden.
  6. Kraft, Artur (2004). Familienbuch Holzhausen/Hünstein mit Filialort Damshausen. Schriften der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung e. V. Nr. 38. Darmstadt: Hessische Familiengeschichtliche Vereinigung. Herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Frankfurt am Main, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe B, Band 306, ISBN 3-00-013910-9
  7. Konrad, Liesel, und Konrad, Franz (2001). Familienbuch Wallau (Lahn) und Weifenbach. Schriften der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung e. V. Nr. 34. Darmstadt: Hessische Familiengeschichtliche Vereinigung. Herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Frankfurt am Main, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe B, Band 238