Thiele Thebes und seine Söhne – Ein Leben im Schatten des Dreißigjährigen Krieges

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Stefan Debus

Anmerkung (gd): Nach neuesten Recherchen von Helmut Mankel und Reimar Debus im Jahr 2016 ist eine Überarbeitung des folgenden Beitrages hinsichtlich der Eltern vom Schlierbacher Thiel Debus erforderlich.

Ich Thebes Thiele, seshafft zue Hartenrode, bekenne und thue kundt, … – So beginnt der Pachtvertrag des Thiele Thebes aus Hartenrod vom 1. Oktober 1596.

Die ersten Zeilen des Vertrages zwischen Thiele Debus und dem Deutschen Orden vom 1. Oktober 1596

Wer war dieser Thebes Thiele, den wir heute wahrscheinlich Thiel Debus nennen würden? Thiel Debus bewirtschaftet ab dem 1. Oktober 1596 offiziell ein Gut des Deutschen Ordens, das seine Familie schon seit mehr als 100 Jahren vom Deutschen Orden gepachtet hatte. Diese Pachtverträge wurde für neun Jahre geschlossen und mussten immer wieder verlängert werden. Der Pachtvertrag von 1596 stellt die erste Erwähnung von Thiel Debus in einem Dokument dar. Laut diesem Pachtvertrag bewirtschaftete Thiel Debus insgesamt sieben Äcker und zwei Wiesen. Genannt wurden die Äcker (Flurnamen): Die Ruffelsscheide, Am Orberge, Am Herborner Wege, Am Schönstadt, Am Eisenberge, Das Möln … und In der Weißen Grube. Die zwei Wiesen hießen: die Lange Wiese und die Setzlingswiese.

In diesem Pachtvertrag wird auch der Vater von Thiel erwähnt: Hans Debus. Er ist zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Die erste Erwähnung von ihm stammt aus dem Jahr 1557, wo er in einer Zinsmeisterrechnung Abgaben an den Deutschen Orden zahlen muss.[1] In einer Beedeliste[2] aus dem Jahr 1570 wird Hans Debus zusammen mit seiner Frau Elsa (heute Elisabeth genannt) erwähnt.

Auszug aus der Beedeliste von 1570 für Hartenrod

Da es sich bei Beedelisten um immer sehr aktuell gehaltene Listen handelt, kann man davon ausgehen, dass er zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben muss. Im Jahr 1582 wird das Gut auf seine Frau Elisabeth übertragen.[3] Somit ist davon auszugehen, dass er irgendwann im oder vor dem Jahr 1582 verstorben sein muss. Da Ehefrauen in aller Regel nur in Beedelisten erwähnt werden, welche erst wieder ab dem Jahr 1628 erhalten sind, stellt dieser Eintrag aus dem Jahr 1582 ihre letztmalige Erwähnung dar. Elisabeth ist somit irgendwann nach dem Jahr 1582 verstorben.

Vor- und Nachfahren von Thiel Debus

Da Thiel Debus den Hof seines Vater im Jahr 1596 übernahm, kann man davon ausgehen, dass er um das Jahr 1575 geboren sein muss. Vermutlich hat er um das Jahr 1600 geheiratet. Den Namen seiner Ehefrau erfährt man aber erst in einer Beedeliste aus dem Jahr 1630.[4] Sie hieß Eva. Woher Eva kam und welchen Familiennamen sie vor der Hochzeit trug, lässt sich leider nicht ermitteln, da die hierzu nötigen Unterlagen nicht mehr vorhanden sind.

Der 1618 begonnene Krieg machte sich in den ersten Jahren nur wenig bemerkbar. Ab 1619 kam der Rentbeamte zweimal jährlich ins Dorf, um das Vermögen zu schätzen und 1,5 % davon als Kriegssondersteuer einzunehmen. Die ersten Plünderungen und Schäden sind für das Jahr 1633 belegt. Thiel Debus gab hierbei Schäden in Höhe von 29 ¼ Reichstalern an.

Thiel Debus starb im Jahr 1633 im Alter von ca. 60 Jahren. Seine Frau Eva starb 1635.[5] Da Mitte der 1630er Jahre im Amt Blankenstein die Pest wütete, ist anzunehmen, dass beide an deren Folgen starben.

Thiel Debus und seine Frau Eva hatten zwei Söhne. Der wahrscheinlich erstgeborene Sohn Hans heiratete vor 1630 eine Margaretha. Mit ihr übernahm er den Hof seiner Eltern in Hartenrod. Margaretha starb bereits 1637. Schon ein Jahr später war er wieder mit einer Frau zusammen. Es handelt sich um Magdalena, die Witwe von Georg Gaßen. Im Kriegsschadensregister von 1640 gibt er einen Schaden von 59 Reichstalern an. Dieser Hans Debus ist der Vorfahre aller Debus-Familien in den Orten Hartenrod, Gladenbach und Bellnhausen bis ins Jahr 1800 (weiter wurden die Linien noch nicht verfolgt). Da ab 1648 im Kirchspiel Hartenrod ein Kirchenbuch geführt wurde, ist es möglich, die genauen Sterbedaten zu ermitteln. Hans Debus starb am 2. Mai 1658, seine zweite Frau Magdalena am 22. November 1679.

Eintrag von „Deweß“ im Verzeichnis der Männer im Amt Blankenstein 1502

Thiel Debus’ zweiter Sohn bekam den gleichen Namen wie sein Vater: Thiel. Thiel heiratete im Jahr 1634 eine Elisabeth Wagner aus Schlierbach. Er zog nach Schlierbach und übte dort den Beruf des Schmieds aus.[6][7] Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges suchten auch Thiel Debus heim. Er hatte 1640 mit einem Schaden von 143 Reichstalern den dritthöchsten Verlust in Schlierbach zu beklagen. Des weiteren wurde ihm sein Schmiedewerkzeug entwendet.

Thiel Debus wird zum Vorfahre aller Debus-Familien in Schlierbach, Bad Endbach und Römershausen bis ca. 1800 (weiter wurden die Linien noch nicht verfolgt). Des weiteren ist er der Stammvater von mehr als 80 % aller Debusfamilien in Dautphetal-Holzhausen bis ins Jahr 1870. Thiel Debus starb am 7. April 1681, seine Frau Elisabeth, geb. Wagner, bereits am 17. September 1648.

Noch heute existiert in Hartenrod der Hausname Diwwes[8] in der Schlierbacher Straße 2, welcher auf den Nachnamen Debus zurück geht. Einer der ältesten ähnlichen Einträge findet sich in einem Verzeichnis der Männer im Amt Blankenstein aus dem Jahr 1502.

Thiel Debus und seine beiden Söhne Hans und Thiel lebten in einer der wechselhaftesten Zeiten, welche unsere Region erleben musste. Sie war geprägt durch Krieg, Plünderungen und immer neue Pest-Epidemien, welche die Bevölkerung stark dezimierten. Trotz aller Schwierigkeiten schafften sie es zu überleben und den Nachnamen Debus an viele darauffolgende Generationen weiterzuvererben.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Quelle: STAM, Bestand 106b, Abt. 53, Jg. 1557 Hartenrod
  2. Zum Begriff „Beede“ siehe BedeWikipedia-logo.png
  3. Quelle: STAM, Bestand 106b, Abt. 53, Jg. 1582, Hartenrod
  4. Quelle: STAM, Rechnungen II, Amt Blankenstein, Jg. 1630
  5. Quelle: STAM, Rechnungen II, Amt Blankenstein, Jg. 1635
  6. Quelle: HSTAD, Kriegsschäden im Amt Blankenstein und Grund Breidenbach 1640
  7. Quelle: Kirchenbuch Hartenrod, Verstorbene, Jg. 1681
  8. Kristin Aßmann, Sabrina Arnold: Hausnamen in der Großgemeinde Bad Endbach-Hartenrod. Hausarbeit im Einführungsseminar in die Sprachwissenschaft, Institut für deutsche Sprache und mittelalterliche Literatur an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Sommersemester 2000, S. 12