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Aus Genealogen im Hinterland
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Schweinen begegnen bringt Unglück, wenn man nicht rechts ausweicht. Ein über den Weg laufender Hase bedeutet Unglück. Elfen, allerlei Unholde und Hexen verwandeln sich in Hasen. Wenn viele Vögel, besonders Raben, miteinander fliegen, bedeutet das Krieg. Der Kuckuck, der zu den Göttervögeln gehört, gilt als weissagend. Wenn er im Frühling das erste Mal ruft und man hat Geld in der Tasche, dann hat man das ganze Jahr Geld, hat man Hunger, dann hat man das ganze Jahr Hunger. So oft er mal ruft, so viele Jahre hat man noch zu leben.  
 
Schweinen begegnen bringt Unglück, wenn man nicht rechts ausweicht. Ein über den Weg laufender Hase bedeutet Unglück. Elfen, allerlei Unholde und Hexen verwandeln sich in Hasen. Wenn viele Vögel, besonders Raben, miteinander fliegen, bedeutet das Krieg. Der Kuckuck, der zu den Göttervögeln gehört, gilt als weissagend. Wenn er im Frühling das erste Mal ruft und man hat Geld in der Tasche, dann hat man das ganze Jahr Geld, hat man Hunger, dann hat man das ganze Jahr Hunger. So oft er mal ruft, so viele Jahre hat man noch zu leben.  
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Singvögel, die zu früh singen, fängt die Katze. Weiße Spatzen oder Finken bedeuten schlechte Jahre. Wenn sich ein Marienkäfer auf die Hand setzt, bedeutet das Glück, soviel Punkte er auf den Flügeln hat, so viel kostet das Korn nach der Ernte. Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen. Spinnen am Mittag bringt Glück für den andern Tag. Spinnen am Abend ist erquickend und labend. Wenn die Kreuzspinne mit dem Rücken nach oben im Netz sitzt, gibt es gutes Wetter, umgekehrt schlechtes Wetter.  
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Singvögel, die zu früh singen, fängt die Katze. Weiße Spatzen oder Finken bedeuten schlechte Jahre. Wenn sich ein Marienkäfer auf die Hand setzt, bedeutet das Glück; soviel Punkte er auf den Flügeln hat, so viel kostet das Korn nach der Ernte. Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen. Spinnen am Mittag bringt Glück für den andern Tag. Spinnen am Abend ist erquickend und labend. Wenn die Kreuzspinne mit dem Rücken nach oben im Netz sitzt, gibt es gutes Wetter, umgekehrt schlechtes Wetter.  
    
Eine Kuh bekam Beulen an dem Euter, kein Mittel half. Da riefen sie den Puderbacher Hirten. Der sagte: Hole drei Kornähren mit langen Stielen und wickele sie zu einem Kranze zusammen. Den hielt er unter das Euter und sagte seinen Spruch. Dann gab er den Kranz der Frau und sagte: Lege ihn unter die Dachtraufe, damit er fault. Sie tat es, das Euter heilte und blieb gesund.
 
Eine Kuh bekam Beulen an dem Euter, kein Mittel half. Da riefen sie den Puderbacher Hirten. Der sagte: Hole drei Kornähren mit langen Stielen und wickele sie zu einem Kranze zusammen. Den hielt er unter das Euter und sagte seinen Spruch. Dann gab er den Kranz der Frau und sagte: Lege ihn unter die Dachtraufe, damit er fault. Sie tat es, das Euter heilte und blieb gesund.
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Am Johannistag soll man nicht auf einen Baum steigen. Wenn am Silvestertag um 5 Uhr zum letzten Male im alten Jahre der Sonntag eingeläutet wird, muss man, so lange es läutet, Strohseile um die Obstbäume binden. Dann tragen sie im nächsten Jahre gut. Der vernünftige Sinn in dieser Handlungsweise ist, dass sich das Ungeziefer im warmen Stroh festsetzt und im Frühjahr, wenn die Strohseile abgenommen werden, mit verbrannt werden. Aber es braucht nicht gerade beim Dreiuhrläuten zu geschehen.  
 
Am Johannistag soll man nicht auf einen Baum steigen. Wenn am Silvestertag um 5 Uhr zum letzten Male im alten Jahre der Sonntag eingeläutet wird, muss man, so lange es läutet, Strohseile um die Obstbäume binden. Dann tragen sie im nächsten Jahre gut. Der vernünftige Sinn in dieser Handlungsweise ist, dass sich das Ungeziefer im warmen Stroh festsetzt und im Frühjahr, wenn die Strohseile abgenommen werden, mit verbrannt werden. Aber es braucht nicht gerade beim Dreiuhrläuten zu geschehen.  
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Man glaubt auch, die im Aufgrünen der Sträucher zutage tretende Lebenskraft durch den Schlag mit der Lebensrute auf Acker, Vieh und Menschen übertragen zu können. Beim Flachssäen muss man lange Schritte machen, dann wird der Flachs lang. In manchen Gegenden wird er am 12. Mai, am Pankratiustag, gesät, es sollte Mittag zwischen 11 und 12 Uhr geschehen. In Breidenbach war es Brauch in den Flachsacker eine lange Haselrute zu stecken, so lang wurde der Flachs und es wurde bester Flachs.
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Man glaubt auch, die im Aufgrünen der Sträucher zutage tretende Lebenskraft durch den Schlag mit der Lebensrute auf Acker, Vieh und Menschen übertragen zu können. Beim Flachssäen muss man lange Schritte machen, dann wird der Flachs lang. In manchen Gegenden wird er am 12. Mai, am Pankratiustag, gesät, es sollte Mittag zwischen 11 und 12 Uhr geschehen. In Breidenbach war es Brauch in den Flachsacker eine lange Haselrute zu stecken, so lang wurde der Flachs und es wurde bester Flachs.
    
Auf heilkräftiges Wasser wurde viel Wert gelegt. Heilkräftig war es nicht durch die Substanzen die es enthielt, sondern man glaubte, dass es heilkräftig dadurch wurde, dass es zu bestimmten Zeiten und Stunden geschöpft wurde. So erhielt der Nachtwächter oft den Auftrag nachts zwischen 12 und 1 Uhr fließendes Wasser gegen den Strom zu schöpfen. Entzündete Augen, mit diesem Wasser gewaschen, sollten geheilt sein. Eine Großmutter nahm als ihr Enkelkind an Mundfäule erkrankte, drei Eichenblätter und das erkrankte Kind mit an fließendes Wasser. Sie wusch unter Anrufung des Namens Gottes mit den drei Eichblättern und dem fließendem Wasser den Mund aus und er heilte. Wenn man ein neugeborenes Kind zum ersten Male über fließendes Wasser trägt, muss man einige Krümmelchen Brot ins Wasser werfen. Dann sind die Wassergeister dem Kinde gut. Der Wasserspiegel wurde viel benutzt. Als der Puderbacher Hirte zu einer kranken Kuh ins Dorf gerufen wurde habe er, nachdem er der Kuh geholfen hatte, eine Bütte mit Wasser gefordert, um darin die Frau zu sehen, die der Kuh den Schaden zugefügt hätte. Wirklich hätten sie im Wasser das Bild der Frau gesehen, der sie die Kuh noch nicht ganz bezahlt hatten.
 
Auf heilkräftiges Wasser wurde viel Wert gelegt. Heilkräftig war es nicht durch die Substanzen die es enthielt, sondern man glaubte, dass es heilkräftig dadurch wurde, dass es zu bestimmten Zeiten und Stunden geschöpft wurde. So erhielt der Nachtwächter oft den Auftrag nachts zwischen 12 und 1 Uhr fließendes Wasser gegen den Strom zu schöpfen. Entzündete Augen, mit diesem Wasser gewaschen, sollten geheilt sein. Eine Großmutter nahm als ihr Enkelkind an Mundfäule erkrankte, drei Eichenblätter und das erkrankte Kind mit an fließendes Wasser. Sie wusch unter Anrufung des Namens Gottes mit den drei Eichblättern und dem fließendem Wasser den Mund aus und er heilte. Wenn man ein neugeborenes Kind zum ersten Male über fließendes Wasser trägt, muss man einige Krümmelchen Brot ins Wasser werfen. Dann sind die Wassergeister dem Kinde gut. Der Wasserspiegel wurde viel benutzt. Als der Puderbacher Hirte zu einer kranken Kuh ins Dorf gerufen wurde habe er, nachdem er der Kuh geholfen hatte, eine Bütte mit Wasser gefordert, um darin die Frau zu sehen, die der Kuh den Schaden zugefügt hätte. Wirklich hätten sie im Wasser das Bild der Frau gesehen, der sie die Kuh noch nicht ganz bezahlt hatten.
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Als Alljosts Haus brannte, halfen die Leute die Sache heraustragen. Nachher fehlte ein Betttuch. Da man nicht herausbekam wer es gestohlen hatte, fragte man den Puderbacher Hirten um Rat. Der zeigte ihnen im Wasserspiegel die Frau, die es genommen hatte. Sie hatte es auch wirklich gehabt. Die Gesundheit erhält man sich, wenn man sich mit Osterwasser wäscht. Das muss vor Sonnenaufgang stillschweigend gegen den Strom geschöpft werden. Dieses Wasser verdunstet nicht, verdirbt nicht und heilt alle Wunden. Die es mir im Dorfe erzählte fügte hinzu: „Ist die Wahrheit“. Dass der Mond Einfluss auf das Geschehen der Erde und auf Mensch und Tier hat, ist ja bekannt durch Ebbe und Flut, durch das Anbellen des Vollmondes durch Hunde und durch Nervenkrankheiten der Menschen, die während der Vollmondzeit schlimmer werden. Wenn eine alte Bauernregel sagt, dass man bei zunehmenden Mond die Gewächse sähen soll, die die Frucht über der Erde tragen, bei abnehmenden Mond diejenigen, die die Frucht unter der Erde bringen, so kann man das ja ausprobieren, ob es Unsinn ist oder ob es uraltes Väterwissen ist. Ebenso dass man sich bei zunehmenden Mond die Haare schneiden lassen soll, dann wachsen sie besser. Unsinn wird schon sein, dass man sich bei abnehmendem Mond nicht wiegen oder messen lassen soll, sonst schwindet man dahin.  
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Als Alljosts Haus brannte, halfen die Leute die Sache heraustragen. Nachher fehlte ein Betttuch. Da man nicht herausbekam, wer es gestohlen hatte, fragte man den Puderbacher Hirten um Rat. Der zeigte ihnen im Wasserspiegel die Frau, die es genommen hatte. Sie hatte es auch wirklich gehabt. Die Gesundheit erhält man sich, wenn man sich mit Osterwasser wäscht. Das muss vor Sonnenaufgang stillschweigend gegen den Strom geschöpft werden. Dieses Wasser verdunstet nicht, verdirbt nicht und heilt alle Wunden. Die es mir im Dorfe erzählte fügte hinzu: „Ist die Wahrheit“. Dass der Mond Einfluss auf das Geschehen der Erde und auf Mensch und Tier hat, ist ja bekannt durch Ebbe und Flut, durch das Anbellen des Vollmondes durch Hunde und durch Nervenkrankheiten der Menschen, die während der Vollmondzeit schlimmer werden. Wenn eine alte Bauernregel sagt, dass man bei zunehmenden Mond die Gewächse sähen soll, die die Frucht über der Erde tragen, bei abnehmenden Mond diejenigen, die die Frucht unter der Erde bringen, so kann man das ja ausprobieren, ob es Unsinn ist oder ob es uraltes Väterwissen ist. Ebenso dass man sich bei zunehmenden Mond die Haare schneiden lassen soll, dann wachsen sie besser. Unsinn wird schon sein, dass man sich bei abnehmendem Mond nicht wiegen oder messen lassen soll, sonst schwindet man dahin.  
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Die wichtigste Schicksalszeit war die der heiligen 12 Nächte von Weihnachten bis zum Dreikönigstag am 6. Januar. Diese verhängnisvolle Zeit der Wintersonnenwende gehörte in das Gebiet des Wotandienstes, diese Zeit „zwischen den Jahren“. Schon die Alt -Inder feierten diese Zeit. In dieser Zeit haust der wilde Jäger. Je eifriger er jagt d.h. je gewaltiger der Sturm tobt, umso fruchtbarer wird das Jahr. Jeder der 12 Tage ist eine Vorbedeutung für einen Monat des neuen Jahres. Die häuslichen Arbeiten sollen ruhen. Es darf nichts umgehen, d.h. kein Rad soll sich drehen. Es darf nicht gesponnen werden, sonst spinnen die Hexen weiter und der Teufel dreht Ketten daraus. Dass kein Rad sich drehen soll, wurde in Beziehung gesetzt zu der jetzt scheinbar ruhenden Sonne. Das Rad, das Feuerrad war das Sinnbild der Sonne. Der Sonne geweiht war das Gold, das goldige Haar, der Flachs, von „Strahl“ kommt strählen. Ebenso waren das Spinnrad und die stechende Spindel der Sonne geweiht. Wahrspruch: Die Sonne bringt es an den Tag.  
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Die wichtigste Schicksalszeit war die der heiligen 12 Nächte von Weihnachten bis zum Dreikönigstag am 6. Januar. Diese verhängnisvolle Zeit der Wintersonnenwende gehörte in das Gebiet des Wotandienstes, diese Zeit „zwischen den Jahren“. Schon die Alt-Inder feierten diese Zeit. In dieser Zeit haust der wilde Jäger. Je eifriger er jagt, d. h. je gewaltiger der Sturm tobt, umso fruchtbarer wird das Jahr. Jeder der 12 Tage ist eine Vorbedeutung für einen Monat des neuen Jahres. Die häuslichen Arbeiten sollen ruhen. Es darf nichts umgehen, d. h. kein Rad soll sich drehen. Es darf nicht gesponnen werden, sonst spinnen die Hexen weiter und der Teufel dreht Ketten daraus. Dass kein Rad sich drehen soll, wurde in Beziehung gesetzt zu der jetzt scheinbar ruhenden Sonne. Das Rad, das Feuerrad war das Sinnbild der Sonne. Der Sonne geweiht war das Gold, das goldige Haar, der Flachs, von „Strahl“ kommt strählen. Ebenso waren das Spinnrad und die stechende Spindel der Sonne geweiht. Wahrspruch: Die Sonne bringt es an den Tag.  
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Wenn in der Weihnachtszeit der Mond scheint, soll es ein fruchtbares Jahr werden. Am Silvestertag legte man einen Holzklotz ins Herdfeuer. Wenn am letzten Tag das Dreiuhrläuten beendet war, nahm man den Klotz aus dem Feuer, löschte ihn und trug ihn auf den „die Läwe“ (Speicher). Er sollte das Haus vor dem Blitz behüten. Diese Sitte ist schon 1184 im Münsterland erwähnt. Hier wurde er aber am 1. Weihnachtstag angebrannt. An der Mosel heißt er „Winnachtsploch“, in Bayern „Mottenblock.“ Von den Gebräuchen in der Neujahrsnacht ist am bekanntesten das Bleigießen, Tischrücken, Kartenlegen, das Losziehen, das Wahrsagen nach dem Punktiertüchlein und das Stechen und Aufschlagen von Büchern, am liebsten von alten Erbbibeln und Gesangsbüchern.  
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Wenn in der Weihnachtszeit der Mond scheint, soll es ein fruchtbares Jahr werden. Am Silvestertag legte man einen Holzklotz ins Herdfeuer. Wenn am letzten Tag das Dreiuhrläuten beendet war, nahm man den Klotz aus dem Feuer, löschte ihn und trug ihn auf „die Läwe“ (den Speicher). Er sollte das Haus vor dem Blitz behüten. Diese Sitte ist schon 1184 im Münsterland erwähnt. Hier wurde er aber am 1. Weihnachtstag angebrannt. An der Mosel heißt er „Winnachtsploch“, in Bayern „Mottenblock.“ Von den Gebräuchen in der Neujahrsnacht ist am bekanntesten das Bleigießen, Tischrücken, Kartenlegen, das Losziehen, das Wahrsagen nach dem Punktiertüchlein und das Stechen und Aufschlagen von Büchern, am liebsten von alten Erbbibeln und Gesangsbüchern.  
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Die zweite wichtige Schicksalszeit ist das heidnische Frühlingsfest, das christliche Osterfest. Alles was ein Bild neu ersprießenden Lebens ist, gehört in diesen Kreis: Eier, Wasser (Osterwasser), Sonne. Gründonnerstagseier sollen sich das ganze Jahr frisch halten: man legt sie einfach nur auf den Schrank. Die durch ganz Deutschland gehende Sitte der gefärbten Ostereier, die der Osterhase legt, ist unzweifelhaft heidnischen Ursprungs. Rot und gelb sind die Sonnenfarben. Der Hase, das Sinnbild der Fruchtbarkeit, gehörte der Frühlingsgöttin Ostera, ihre Herde bestand aus lauter Hasen. Manche wollen auch die Ostereier auf christlichen Ursprung zurückführen: man aß Ostereier zum Zeichen, dass die Fastenzeit vorbei war.  
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Die zweite wichtige Schicksalszeit ist das heidnische Frühlingsfest, das christliche Osterfest. Alles was ein Bild neu ersprießenden Lebens ist, gehört in diesen Kreis: Eier, Wasser (Osterwasser), Sonne. Gründonnerstagseier sollen sich das ganze Jahr frisch halten: Man legt sie einfach nur auf den Schrank. Die durch ganz Deutschland gehende Sitte der gefärbten Ostereier, die der Osterhase legt, ist unzweifelhaft heidnischen Ursprungs. Rot und Gelb sind die Sonnenfarben. Der Hase, das Sinnbild der Fruchtbarkeit, gehörte der Frühlingsgöttin Ostera, ihre Herde bestand aus lauter Hasen. Manche wollen auch die Ostereier auf christlichen Ursprung zurückführen: Man aß Ostereier zum Zeichen, dass die Fastenzeit vorbei war.  
    
Die Nacht von Gründonnerstag (an diesem Tag soll man was Grünes essen) auf Karfreitag ist günstig für sympathetische Kuren. Der Karfreitag als Leidenstag hat alle Freitage zu Unglückstagen gestempelt. Das am Karfreitag vor Sonnenaufgang oder um Mitternacht schweigend im Namen Gottes geschöpfte Wasser (das stille Wasser) soll große Heilkraft haben. Karfreitagseier, am Ostermorgen nüchtern gegessen, geben große Kraft und behüten vor Bruchschaden. Regnet es am Karfreitag, so versengt der Rasen im Jahre sieben Mal.  
 
Die Nacht von Gründonnerstag (an diesem Tag soll man was Grünes essen) auf Karfreitag ist günstig für sympathetische Kuren. Der Karfreitag als Leidenstag hat alle Freitage zu Unglückstagen gestempelt. Das am Karfreitag vor Sonnenaufgang oder um Mitternacht schweigend im Namen Gottes geschöpfte Wasser (das stille Wasser) soll große Heilkraft haben. Karfreitagseier, am Ostermorgen nüchtern gegessen, geben große Kraft und behüten vor Bruchschaden. Regnet es am Karfreitag, so versengt der Rasen im Jahre sieben Mal.  
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Am Himmelfahrtstag macht die Sonne drei Freudensprünge und geht schöner auf als an anderen Tagen. Kräuter an diesem Tage vor Sonnenaufgang schweigend und nüchtern gepflückt, haben, besonders für das Vieh, große Heilkraft. Kürbisse soll man pflanzen beim Einläuten des Festtages am Abend vorher. Der Johannistag ist besonders verhängnisvoll, da die übernatürlichen Mächte mit besonderer Stärke walten. Die guten Mächte sind den Menschen dienstbar, gegen die finsteren Mächte sucht man sich zu schützen, indem man an Türen und Fenstern ein Kreuz macht, überall im Hause zauberkräftige Blumen und Kräuter hinstellt und einen alten Besen vor die Tür legt. Man soll an diesem Tage keine Gartenarbeit tun, kein Gewächs berühren, sonst verkümmert es. Keinen Baum besteigen, nicht aufs Wasser gehen. Wo man in der Nacht blaue Flämmchen sieht, liegen Schätze verborgen. In dieser Nacht soll man 9 Kräuter pflücken, darunter müssen Kamille und Flieder sein. Zum Kranz gewunden und im Hause aufgehängt schützen sie das Haus bei Gewitter und gegen die bösen Mächte. Johanniswasser ist heilkräftiger als neun andere Bäder.  
 
Am Himmelfahrtstag macht die Sonne drei Freudensprünge und geht schöner auf als an anderen Tagen. Kräuter an diesem Tage vor Sonnenaufgang schweigend und nüchtern gepflückt, haben, besonders für das Vieh, große Heilkraft. Kürbisse soll man pflanzen beim Einläuten des Festtages am Abend vorher. Der Johannistag ist besonders verhängnisvoll, da die übernatürlichen Mächte mit besonderer Stärke walten. Die guten Mächte sind den Menschen dienstbar, gegen die finsteren Mächte sucht man sich zu schützen, indem man an Türen und Fenstern ein Kreuz macht, überall im Hause zauberkräftige Blumen und Kräuter hinstellt und einen alten Besen vor die Tür legt. Man soll an diesem Tage keine Gartenarbeit tun, kein Gewächs berühren, sonst verkümmert es. Keinen Baum besteigen, nicht aufs Wasser gehen. Wo man in der Nacht blaue Flämmchen sieht, liegen Schätze verborgen. In dieser Nacht soll man 9 Kräuter pflücken, darunter müssen Kamille und Flieder sein. Zum Kranz gewunden und im Hause aufgehängt schützen sie das Haus bei Gewitter und gegen die bösen Mächte. Johanniswasser ist heilkräftiger als neun andere Bäder.  
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Von den Wochentagen gilt der Sonntag als Glückstag. Der Montag gilt als Unglückstag, da darf nichts unternommen werden, was Dauer haben soll, denn es wird, wie der Mond, nicht wochenalt. Da aber der Mond bei fast allen Völkern als Förderer der Fruchtbarkeit gilt, ist der Montag gut für alles was wachsen soll, also zum Säen und pflanzen. Der Dienstag, schwäbisch Ziustag, war dem Kriegsgott Ziu geweiht, Tag des Schwertes, des Gerichtes. Günstig zum Antreten eines Dienstes und für Verträge. Am Mittwoch soll Judas seinen Herrn verraten haben, Unglückstag, da darf nichts Wichtiges unternommen werden. Donnerstag unheilvoll, „des wilden Donars Tag“. Keine Hochzeit, sonst donnert es in der Ehe. Aber auch der Tag der rechtlichen Ordnung, Gerichtstag, auch Tag der Gesellschaften, daher der Ausdruck: Aufgedonnert. Dem Donar waren die Erbsen geweiht, also am Donnerstag Erbsen aussäen. Vom Freitag war schon die Rede. Bei den Heiden war er ein Glückstag, alle Zaubereien gelangen, man sollte da zum ersten Male anspannen bei zunehmendem Mond. Man soll sich die Haare und Nägel schneiden lassen, dann wachsen sie gut und man bewahrt sich vor Zahnschmerzen. Freitagskinder am Sonntag getauft, sind den Sonntagskindern gleich. Freitag die Ernte beginnen. Aber kein Obst abnehmen, sonst trägt der Baum im nächsten Jahre nicht. Man Darf nicht von Hexen reden, sie hören es und rächen sich. Man darf auch nicht „Hexen“ sagen, sondern „böse Leute“. Man darf ihnen nicht dreimal antworten, auch nicht mit „ja“ oder „nein“ antworten, sonst bekommen sie Gewalt über einen, man muss sie zuerst anreden, dann können sie einem nichts tun.
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Von den Wochentagen gilt der Sonntag als Glückstag. Der Montag gilt als Unglückstag, da darf nichts unternommen werden, was Dauer haben soll, denn es wird, wie der Mond, nicht wochenalt. Da aber der Mond bei fast allen Völkern als Förderer der Fruchtbarkeit gilt, ist der Montag gut für alles was wachsen soll, also zum Säen und pflanzen. Der Dienstag, schwäbisch Ziustag, war dem Kriegsgott Ziu geweiht, Tag des Schwertes, des Gerichtes. Günstig zum Antreten eines Dienstes und für Verträge. Am Mittwoch soll Judas seinen Herrn verraten haben, Unglückstag, da darf nichts Wichtiges unternommen werden. Donnerstag unheilvoll, „des wilden Donars Tag“. Keine Hochzeit, sonst donnert es in der Ehe. Aber auch der Tag der rechtlichen Ordnung, Gerichtstag, auch Tag der Gesellschaften, daher der Ausdruck: Aufgedonnert. Dem Donar waren die Erbsen geweiht, also am Donnerstag Erbsen aussäen. Vom Freitag war schon die Rede. Bei den Heiden war er ein Glückstag, alle Zaubereien gelangen, man sollte da zum ersten Male anspannen bei zunehmendem Mond. Man soll sich die Haare und Nägel schneiden lassen, dann wachsen sie gut und man bewahrt sich vor Zahnschmerzen. Freitagskinder am Sonntag getauft, sind den Sonntagskindern gleich. Freitag die Ernte beginnen. Aber kein Obst abnehmen, sonst trägt der Baum im nächsten Jahre nicht. Man darf nicht von Hexen reden, sie hören es und rächen sich. Man darf auch nicht „Hexen“ sagen, sondern „böse Leute“. Man darf ihnen nicht dreimal antworten, auch nicht mit „ja“ oder „nein“ antworten, sonst bekommen sie Gewalt über einen, man muss sie zuerst anreden, dann können sie einem nichts tun.
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Freitags ändert sich das Wetter. Am Sonnabend soll nicht gesponnen werden, jede Spinnerin soll ihre Kunkel leer gesponnen haben, sonst spinnen die Hexen. An diesem Tage soll nicht gesät und gedüngt werden. Soll keine Arbeit begonnen werden. Nach dem 5 Uhr läuten soll keine Wiese gewässert werden, sonst muss man es nach dem Tode tun. An den Tagen, die eine 7 haben, soll man nicht säen (7, 17, 27), sonst hat man eine schlechte Ernte.
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Freitags ändert sich das Wetter. Am Sonnabend soll nicht gesponnen werden, jede Spinnerin soll ihre Kunkel leer gesponnen haben, sonst spinnen die Hexen. An diesem Tage soll nicht gesät und gedüngt werden. Soll keine Arbeit begonnen werden. Nach dem 5-Uhr-Läuten soll keine Wiese gewässert werden, sonst muss man es nach dem Tode tun. An den Tagen, die eine 7 haben, soll man nicht säen (7, 17, 27), sonst hat man eine schlechte Ernte.
    
Man sieht, der unglücklichen Tage sind es mehr als die glücklichen und der abergläubische Mensch wird seines Lebens nicht recht froh.
 
Man sieht, der unglücklichen Tage sind es mehr als die glücklichen und der abergläubische Mensch wird seines Lebens nicht recht froh.
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Beim Essen und Trinken werden auch allerlei Gebräuche beachtet. Das Brot darf nicht verkehrt auf dem Tisch liegen, sonst gibt man bösen Menschen Macht über das Haus Während dem Begräbnisläuten darf man nicht essen, sonst bekommt man hohle Zähne. Wem Messer oder Gabel während des Essens hinfällt, darf nicht weiter essen, sonst verdaut er nicht. Mit Salz darf man nicht spielen, auch es nicht verschütten, sonst muss man für jedes vergeudete Körnchen Salz einen Tag vor der Himmelstür stehen. Hat man Salz umgeworfen, muss man ein wenig davon zum Fenster hinauswerfen, sonst gibt es Streit. Das Messer darf nicht mit der Scheide nach oben liegen, sonst müssen die armen Seelen barfuß darüber gehen; auch dürfen Messer und Gabel nicht kreuzweise auf dem Teller liegen, das nimmt den Segen fort. Die Gesundheit erhält man sich, wenn man sie nicht beruft. Langes Leben hat man, wenn man viel Suppe isst, langsam isst, nicht neugierig ist und keine Totenblumen abpflückt. Kraft erhält man, wenn man Knoblauch in der Morgensuppe isst. Schönheit erlangt man, wenn man sich mit Märzschnee, Osterwasser oder Maientau wäscht, einen Hasen isst und kalten Kaffee trinkt.
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Beim Essen und Trinken werden auch allerlei Gebräuche beachtet. Das Brot darf nicht verkehrt auf dem Tisch liegen, sonst gibt man bösen Menschen Macht über das Haus. Während dem Begräbnisläuten darf man nicht essen, sonst bekommt man hohle Zähne. Wem Messer oder Gabel während des Essens hinfällt, darf nicht weiter essen, sonst verdaut er nicht. Mit Salz darf man nicht spielen, auch es nicht verschütten, sonst muss man für jedes vergeudete Körnchen Salz einen Tag vor der Himmelstür stehen. Hat man Salz umgeworfen, muss man ein wenig davon zum Fenster hinauswerfen, sonst gibt es Streit. Das Messer darf nicht mit der Scheide nach oben liegen, sonst müssen die armen Seelen barfuß darüber gehen; auch dürfen Messer und Gabel nicht kreuzweise auf dem Teller liegen, das nimmt den Segen fort. Die Gesundheit erhält man sich, wenn man sie nicht beruft. Langes Leben hat man, wenn man viel Suppe isst, langsam isst, nicht neugierig ist und keine Totenblumen abpflückt. Kraft erhält man, wenn man Knoblauch in der Morgensuppe isst. Schönheit erlangt man, wenn man sich mit Märzschnee, Osterwasser oder Maientau wäscht, einen Hasen isst und kalten Kaffee trinkt.
    
Gegen Berufen schützt man sich indem man sagt: „Unberufen“ und drei Mal unter den Tisch klopft. In jedem Dorfe gab es Menschen, die als Zauberer gescheut wurden. Ohne Zweifel haben viele unter diesen Verdächtigungen schwer zu leiden gehabt. Wenn es beim Buttern keine Butter gab, stach man mit einer Gabel in den Rahm. Dann hätte es nicht lange gedauert, dann sei die Frau, die den Rahm verhext hatte, hereingekommen und habe gesagt: „Was macht ihr denn da, wollt ihr wohl aufhören!“ Sie fühlte sich ins Fleisch gestochen. Nachher habe es aber Butter gegeben.  
 
Gegen Berufen schützt man sich indem man sagt: „Unberufen“ und drei Mal unter den Tisch klopft. In jedem Dorfe gab es Menschen, die als Zauberer gescheut wurden. Ohne Zweifel haben viele unter diesen Verdächtigungen schwer zu leiden gehabt. Wenn es beim Buttern keine Butter gab, stach man mit einer Gabel in den Rahm. Dann hätte es nicht lange gedauert, dann sei die Frau, die den Rahm verhext hatte, hereingekommen und habe gesagt: „Was macht ihr denn da, wollt ihr wohl aufhören!“ Sie fühlte sich ins Fleisch gestochen. Nachher habe es aber Butter gegeben.  
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Eine große Rolle spielte im Hinterländer Aberglauben auch der Koppelring, das ist der Ring, der der Kuh um den Hals geschnallt wird. Lieschen erzählte, es sei selbst mit seiner Mutter auf der Wiese gewesen um Heu aufzuladen. Vor dem Wagen hätten sie ihre 2 Kühe gehabt. Da habe es plötzlich laut aufgeschrien, denn die eine Kuh habe mit im Koppelring der anderen gesteckt, habe schon die Zunge heraushängen gehabt und sei am Ersticken gewesen. Auf ihr Schreien seien die Leute von den anderen Wiesen herbeigelaufen, aber auf einmal sei die Kuh wieder aus dem Koppelring heraus gewesen. Der Koppelring sei so eng, dass eine Kuh nicht von selbst in den Ring hineinkommen könne. Eine andere erzählte: eine Frau habe Mist auf einen Acker ganz nahe beim Dorf gefahren und auf einmal habe sie laute Schreie getan. Als die Leute hingekommen seien, habe sie bei der Kuh im Koppelring gesteckt und sei schon ganz blau gewesen.
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Eine große Rolle spielte im Hinterländer Aberglauben auch der Koppelring, das ist der Ring, der der Kuh um den Hals geschnallt wird. Lieschen erzählte, es sei selbst mit seiner Mutter auf der Wiese gewesen, um Heu aufzuladen. Vor dem Wagen hätten sie ihre 2 Kühe gehabt. Da habe es plötzlich laut aufgeschrien, denn die eine Kuh habe mit im Koppelring der anderen gesteckt, habe schon die Zunge heraushängen gehabt und sei am Ersticken gewesen. Auf ihr Schreien seien die Leute von den anderen Wiesen herbeigelaufen, aber auf einmal sei die Kuh wieder aus dem Koppelring heraus gewesen. Der Koppelring sei so eng, dass eine Kuh nicht von selbst in den Ring hineinkommen könne. Eine andere erzählte: Eine Frau habe Mist auf einen Acker ganz nahe beim Dorf gefahren und auf einmal habe sie laute Schreie getan. Als die Leute hingekommen seien, habe sie bei der Kuh im Koppelring gesteckt und sei schon ganz blau gewesen.
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Lieschen erzählte weiter mit heißen Backen, glänzenden Augen und ganz von der Wahrheit überzeugt: Früher konnten sich die Leute verwandeln. Das verstanden die, heute kann man’s nicht mehr. Da war eine Frau, die immer Gras rupfte, wo sie nicht durfte. Wenn der Förster sie erwischte, verwandelte sie sich schnell in einen Strauch. Wenn aber der Förster, der Bescheid wusste, sagte: Strauch, ich hacke dir die Füße ab, verwandelte sie sich schnell wieder in einen Menschen. Die Füße wollte sie doch nicht abgehackt haben.
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Lieschen erzählte weiter mit heißen Backen, glänzenden Augen und ganz von der Wahrheit überzeugt: früher konnten sich die Leute verwandeln. Das verstanden die, heute kann man’s nicht mehr. Da war eine Frau, die immer Gras rupfte, wo sie nicht durfte. Wenn der Förster sie erwischte, verwandelte sie sich schnell in einen Strauch. Wenn aber der Förster, der Bescheid wusste, sagte: Strauch, ich hacke dir die Füße ab, verwandelte sie sich schnell wieder in einen Menschen. Die Füße wollte sie doch nicht abgehackt haben.
   
Aber eine andere Frau aus N. verwandelte sich immer in einen Hasen und stahl den Leuten auf dem Feld die Brote. Die schlugen dann nach ihr und dann ging sie am nächsten Tage mit ganz zerschundenem Gesicht herum.
 
Aber eine andere Frau aus N. verwandelte sich immer in einen Hasen und stahl den Leuten auf dem Feld die Brote. Die schlugen dann nach ihr und dann ging sie am nächsten Tage mit ganz zerschundenem Gesicht herum.
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Nun noch ein Wort über den bösen Blick. Es ist scheinbar die geistigste, am wenigsten äußerlich vermittelte Art des Zauberers nur durch den Blick zu wirken, aber immer zu bösen Zwecken. Daher „der böse Blick“. Entstanden ist er unzweifelhaft durch die unheimliche Gewalt eines boshaften Blickes bei Menschen und manchen Tieren, z.B. Schlangen. Er kommt schon bei den alten Indern und im klassischen Altertum vor. Er ist nun nicht immer der Ausdruck eines starken, seines Zweckes sich bewussten Willens, sondern mehr ein ungeistiges magisches Wirken ohne Willen des Menschen. Er gilt also als angeboren, während andere Menschen trotz ihres Willens keine Wirkung durch ihren Blick ausüben können. Wenn gute Menschen den bösen Blick haben, so können sie durch ein zweites Hinsehen den Schaden wieder gut machen. „Berufen“ ist der in Worte ausgedrückte „böse Blick“.  
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Nun noch ein Wort über den bösen Blick. Es ist scheinbar die geistigste, am wenigsten äußerlich vermittelte Art des Zauberers nur durch den Blick zu wirken, aber immer zu bösen Zwecken. Daher „der böse Blick“. Entstanden ist er unzweifelhaft durch die unheimliche Gewalt eines boshaften Blickes bei Menschen und manchen Tieren, z. B. Schlangen. Er kommt schon bei den alten Indern und im klassischen Altertum vor. Er ist nun nicht immer der Ausdruck eines starken, seines Zweckes sich bewussten Willens, sondern mehr ein ungeistiges magisches Wirken ohne Willen des Menschen. Er gilt also als angeboren, während andere Menschen trotz ihres Willens keine Wirkung durch ihren Blick ausüben können. Wenn gute Menschen den bösen Blick haben, so können sie durch ein zweites Hinsehen den Schaden wieder gut machen. „Berufen“ ist der in Worte ausgedrückte „böse Blick“.  
    
„Weissagung“ ist unmittelbare göttliche Gnadengabe dazu Berufener. „Wahrsagung“ ist eine durch menschliche Anstrengung erlernbare Kunst, die sich durch eine meist geheim gehaltene Überlieferung fortpflanzt. Sie sind also keine Inspirierte, sondern Betrüger. Erben einer überlieferten Weisheit. Ein Gesicht hat der wachende, einen Traum der schlafende Geist, das ist der ganze Unterschied. Erstere werden nur wahrgenommen von dazu Befähigten oder nur von denen, die es angeht. Derjenige, an den der Sterbende zuletzt denkt, erhält ein Zeichen, fühlt es.  
 
„Weissagung“ ist unmittelbare göttliche Gnadengabe dazu Berufener. „Wahrsagung“ ist eine durch menschliche Anstrengung erlernbare Kunst, die sich durch eine meist geheim gehaltene Überlieferung fortpflanzt. Sie sind also keine Inspirierte, sondern Betrüger. Erben einer überlieferten Weisheit. Ein Gesicht hat der wachende, einen Traum der schlafende Geist, das ist der ganze Unterschied. Erstere werden nur wahrgenommen von dazu Befähigten oder nur von denen, die es angeht. Derjenige, an den der Sterbende zuletzt denkt, erhält ein Zeichen, fühlt es.  
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Der durch Zaubersprüche und Beschwörungsformeln geübte Zauber ist nur scheinbar ein geistiges Mittel. In Wahrheit sind diese Formeln voll Sinnlosigkeit, und darauf legt der Aberglaube geradezu Wert. Eine Zauberformel soll eben anders klingen als eine sonstige verständige Rede. Sie werden auch selten laut gesprochen, sondern nur „gepispert“.  
 
Der durch Zaubersprüche und Beschwörungsformeln geübte Zauber ist nur scheinbar ein geistiges Mittel. In Wahrheit sind diese Formeln voll Sinnlosigkeit, und darauf legt der Aberglaube geradezu Wert. Eine Zauberformel soll eben anders klingen als eine sonstige verständige Rede. Sie werden auch selten laut gesprochen, sondern nur „gepispert“.  
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Die gebräuchlichste Besprechungsformel ist die erzählende. Das sind meist Knittelverse, der Reim spielt auch eine Rolle dabei. Sie enthalten meist etwas, das in gleichlautender Beziehung steht, in der kirchlichen oder natürlichen Wirklichkeit oder auch der dichtenden Phantasie. Einige Beispiele: „Um das Blut zu stillen“: In Gottes Garten stehen drei Rosen; die eine heißt Gottes Güte, die andere Gottes Geblüte, die dritte Gottes Wille, Blut, ich gebiete dir, stehe stille! Im Namen Gottes etc.
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Die gebräuchlichste Besprechungsformel ist die erzählende. Das sind meist Knittelverse, der Reim spielt auch eine Rolle dabei. Sie enthalten meist etwas, das in gleichlautender Beziehung steht, in der kirchlichen oder natürlichen Wirklichkeit oder auch der dichtenden Phantasie. Einige Beispiele: „Um das Blut zu stillen“: In Gottes Garten stehen drei Rosen; die eine heißt Gottes Güte, die andere Gottes Geblüte, die dritte Gottes Wille; Blut, ich gebiete dir, stehe stille! Im Namen Gottes etc.
    
Gegen Entzündungen: Brand fall’ in den Sand, fall in den Grund, mach’ alles kranke Fleisch gesund. Das hilft auch bei Zahnweh, Gicht, Mundfäule und allen anderen Leiden. Ein Soldat macht sich „fest“ gegen Kugeln indem er spricht, damit die Hl. 3 Könige ihn beschützen: „Heiliger Caspar, sei ober mir, Hl. Melchior sei vor mir, Hl. Balthasar sei hinter mir und wendet alle Kugeln ab von mir.“  
 
Gegen Entzündungen: Brand fall’ in den Sand, fall in den Grund, mach’ alles kranke Fleisch gesund. Das hilft auch bei Zahnweh, Gicht, Mundfäule und allen anderen Leiden. Ein Soldat macht sich „fest“ gegen Kugeln indem er spricht, damit die Hl. 3 Könige ihn beschützen: „Heiliger Caspar, sei ober mir, Hl. Melchior sei vor mir, Hl. Balthasar sei hinter mir und wendet alle Kugeln ab von mir.“  
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