Der Postraub in der Subach

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Eckhard Henkel (2020)

Einleitung

Der Postraub in der Subach war ein Kriminalfall im Jahre 1822 im Hessischen Hinterland, seinerzeit im Großherzogtum Hessen.

„Kein Ereignis der Geschichte des Hinterlandes ist so häufig beschrieben worden, zwischen 1825 und 1993 neunmal.“

Ulrich MayerWikipedia-logo.png (1996): Der Postraub in der Subach in der Gemarkung von Lohra[1]

Der Kriminalfall ist überliefert durch die Publikation des Gerichtssekretärs Carl Franz und wurde durch den Autorenfilm Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach (1970/71) von Volker Schlöndorff bekannt.

Dieser Artikel widmet sich einer bibliographischen Auflistung der bekannten Publikationen. Viele Werke sind vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich.

Primärquelle

Carl Franz 1825

Die Primärquelle

Carl Franz: Der Post-Raub in der Subach begangen von acht Straßenräubern von denen fünf am siebenten October 1824 zu Giessen durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht worden sind. Heinrich Hasse, Gießen 1825.

ist mittlerweile schwierig in Bibliotheken und Antiquariaten zu finden. Das Projekt Google Books erstellte einen Scan des Buches, eine Kopie ist hier bzw. hier.

Dem „Criminalgerichtssekretär zu Giessen“ Carl Franz waren die Ermittlungs- und Prozess-Akten des Kriminalfalls bekannt, der am 25. März 1824 vor dem „Criminalgericht Giessen“ verhandelt wurde. Die Gerichts-Akten sind im Hessischen Staatsarchiv MarburgWikipedia-logo.png archiviert.

Bemerkenswert ist der frühe Zeitpunkt der Publikation: Kaum, dass die verurteilten Täter im Oktober 1824 öffentlich hingerichtet wurden, erschien im Jahr 1825 die Schilderung des Gerichtssekretärs.

Zum Inhalt: Acht arme Bauern und Tagelöhner aus Kombach, Wolfgruben und Dexbach überfielen am 19. Mai 1822 ein „Geldkärrnchen“, das an diesem Tag von Gladenbach nach Gießen fuhr. Der Überfall fand in der Subach statt, einem Hohlweg in der Nähe von Mornshausen bei Gladenbach. Nach sechs abgebrochenen Versuchen glückte der Überfall. Die Beute betrug 10.466 Gulden.

Ihr plötzlicher Reichtum wurde den Tätern zum Verhängnis, denn sie wurden durch ihre Ausgaben auffällig. Das führte dazu, dass man sieben der acht Täter ermittelte und fasste. 1824 wurden fünf von ihnen in einem Gerichtsverfahren in Gießen zum Tode durch das Schwert verurteilt. Zwei Täter entzogen sich durch Suizid, ein Täter konnte fliehen.

Über den Autor und dessen Intention heißt es:

„Carl Christian Franz, um 1780 in Lich geboren und seit 1811 Kriminalgerichtssekretär (ein Titel, den er bis zu seiner Pensionierung 1833 behalten sollte) in Gießen, hat 1825 die Vorgänge in einem kleinen Buch beschrieben, das den Titel trägt »Der Post-Raub in der Subach begangen von acht Straßenräubern von denen fünf am siebenten October 1824 in Giessen durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht worden sind«. Gedacht war es zum Lobe des Kriminalrichters Danz, der die Untersuchung geführt hatte. Franz zitierte deshalb ausführlich aus den Verhören. Er wollte dokumentieren, wie es Danz gelang, die Täter in Widersprüche zu verwickeln und dadurch geständig zu machen. Herausgekommen ist dabei ein erschütterndes Dokument, wie Menschen, die aus der Not heraus Räuber geworden waren, mit immer neuen Lügen und letztlich erfolglos um ihr Leben kämpfen …“

Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz (Hrsg.): Hessens große Räuberbanden. Räuberbanden zwischen Weser und Neckar, S. 213

Nachdrucke und Adaptionen

Der Text wurde mehrfach nachgedruckt und adaptiert:

  • 1909: Carl Franz: Der Post-Raub in der Subach begangen von acht Straßenräubern von denen fünf am siebenten October 1824 zu Giessen durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht worden sind. In: Vereinsblatt des Geschichtsvereins für den Kreis Biedenkopf. Jg. 3, Nr. 9, 6. November 1909, DNB 012724769. – Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Teilabdruck.
  • 1933: Carl Franz: Der Postraub in der Subach – Nach d. aktenmäßigen Auszug v. Kriminalgerichtssekr. Franz. Hrsg.: Wilhelm Well. Bauer, Marburg 1933, DNB 578292955.
Der Herausgeber Wilhelm Well (* 1885 in Neukirchen-RiebelsdorfWikipedia-logo.png; † 1969) war vom 1. April 1922 bis 1950 Hauptlehrer des Gesamtschulverbandes Lohra.[2]
  • Jonas 1978
    1978: Carl Franz: Der Postraub in der Subach begangen von acht Straßenräubern von denen fünf am siebenten Oktober 1824 zu Gießen durch das Schwert vom Leben zum Tode gebracht worden sind. Aktenmäßig ausgezogen und bearbeitet von Carl Franz, Criminalsekretär Gießen 1825. Illustriert mit zehn Abbildungen nach Linolschnitten von Johannes Nawrath. Hrsg.: Elmar Altwasser, Dieter Mayer-Gürr, Claudia Gabriele Philipp. Jonas Verlag, Marburg 1978, DNB 790143143.
Auf der Rückseite wird Volker Schlöndorff (Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach) zitiert:

„Wir müssen versuchen, unsere Geschichte kritisch zu lernen und zu verstehen. Deshalb ist es wichtiger und aufschlußreicher, eine solche Episode aus unserer Vergangenheit in ihrer Zeit zu belassen, sie streng historisch darzustellen, als sie zu aktualisieren, ein Gleichnis, eine Parabel oder ähnliches daraus zu machen. … Es genügt, den Text des ‚aktenmäßigen Berichts‘ zu lesen, um zu verstehen, wie eine gewisse Struktur der Gesellschaft es den Benachteiligten unmöglich macht, ihre Lage zu durchschauen und diese zu verändern.“

Dies war der erste Titel des Jonas Verlags, in einer handwerklich anspruchsvollen Ausgabe. Dieter Mayer-Gürr war bei Recherchen für seine Dissertation auf das Werk von Carl Franz gestoßen. Elmar Altwasser, Dieter Mayer-Gürr und Claudia Gabriele Philipp waren drei Studenten der Kunstgeschichte, die den Verlag im Jahr 1978 gründeten, um Literatur und kunstwissenschaftliche Titel zu veröffentlichen, die sie auf dem Buchmarkt vermissten.[3]
Der Herausgeber Dieter Mayer-Gürr, geb. 1952, studierte Kunstgeschichte und leitete von 1978–2016 den von ihm gegründeten Jonas Verlag für Kunst und Literatur. Er arbeitete außerdem an verschiedenen Fotoprojekten zur historischen Architektur (Imbissbuden, Autobahnruinen, frühe Hochhäuser, Tunnel, Denkmaltopografie Marburg).[4]
Dieser Ausgabe ließ der Jonas Verlag in den Jahren 1986 und 2015 weitere Ausgaben folgen, die sich insbesondere beim Thema Illustration unterscheiden.
  • Rowohlt 1980
    1980: Ulrike Haß: Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach. Reihe rororo rotfuchs. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-499-20242-5.
Keine Reproduktion, sondern eine Jugendbuch-Adaption des Stoffs. Mit Illustrationen von Winfried Meyer.
Einleitend heißt es:

„Angeregt zu diesem Buch wurde Ulrike Haß durch den 1970 entstandenen gleichnamigen Film von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta. Ihr Buch ist jedoch keine Nacherzählung des Films, vielmehr hat Ulrike Haß den historischen Stoff frei abgewandelt und zu einer selbständigen, von dem Film unabhängigen Geschichte gestaltet.“

Der Klappentext lautet:

„Am liebsten würden Katrin, Joss und Jockel auswandern, heimlich mit dem Schiff nach Amerika fahren. Tagsüber Arbeit, abends Schule und fast immer ein hungriger Magen – in solcher Armut und Unfreiheit wollen die Kinder von Kombach und ihre Eltern jedenfalls nicht länger leben. Doch wo ist ein Ausweg? Ist der Postwagen mit den Steuergeldern die Rettung? Der Überfall gelingt – und dennoch kommt alles ganz anders, als es sich die armen, reichen Leute von Kombach erträumt haben …
Die Geschichte vom Postraub in der Subach hat sich vor über 150 Jahren wirklich ereignet. Angeregt durch den gleichnamigen Film von Volker Schlöndorff machte Ulrike Haß daraus ein spannendes Jugendbuch.“

  • 1986: Carl Franz: Der Post-Raub in der Subach begangen von acht Straßenräubern von denen fünf am siebenten October 1824 zu Giessen durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht worden sind. Aktenmäßig ausgezogen und bearbeitet von Carl Franz, Criminalgerichtssekretär zu Gießen. Giessen 1825. Mit Illustrationen von Wilhelm M. BuschWikipedia-logo.png. Jonas Verlag, Marburg 1986, ISBN 3-922561-49-7.
Nach der Ausgabe aus dem Jahr 1978 ist dies die zweite Ausgabe des Jonas-Verlags. Nun illustriert von Wilhelm M. Busch, nicht mehr von Johannes Nawrath.
  • 1986: Rainer Brämer: Der Postraub in der Subach, Sonderheft aus der Schriftenreihe Mitteilungen des Vereins für Geschichte & Volkskunde Lohra, Lohra 1986.
  • Eichborn 1995
    1995: Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz (Hrsg.): Hessens große Räuberbanden. Räuberbanden zwischen Weser und Neckar. Eichborn, Frankfurt am Main 1995, ISBN 978-3-8218-1168-0, S. 212–260.
Hierbei handelt es sich um einen Nachdruck mit zeitgenössischen orthographischen Korrekturen.
Die Exekutionen der Verurteilten endeten mit der Hinrichtung des Hans Jacob Geiz. Der Text schließt mit:

„Jetzt bestieg Hans Jacob Geiz das Blutgerüst. Mit schrecklichem Schaudern sah er auf den Stuhl, wo seine Kinder sich verblutet, und ließ sich dann halb ohnmächtig auf ihn nieder. Ein Schwertstreich trennte sein Haupt vom Rumpfe.“

Dem schließt sich folgender Abschnitt der Herausgeber an:

„Dieser Hans Jacob Geiz soll es auch gewesen sein, der ein Räuberlied verbreitet hatte, das um 1830 in Oberhessen sehr populär wurde. Von dem Gießener Studenten August Becker lernte es Georg Büchner, der die letzten vier Zeilen in »Dantons Tod« übernahm. Dort wird es von revolutionär gestimmten Bürgern gesungen, die einen angeblichen Adligen an eine Laterne knüpfen wollen. Den Text und den Hinweis auf Geiz/Büchner entnahmen wir dem von Hans-Jürgen Fuchs 1985 herausgegebenen »Hessischen Liederbuch«.“

Es gibt doch kein schöner Leben
In der ganzen weiten Welt,
Als das Straßenräuberleben,
Morden um das liebe Geld!
In den Wäldern umzustreichen,
Große Leute zu erreichen,
Fehlt es uns an Geld oder Kleid,
Bringen’s uns die Wandersleut.

Kommt ein Herr dahergegangen,
Greifen wir ihn herzhaft an.
Mit sei’m Geld darf er nicht prangen,
Denn wir sind ein’ Räuberband’.
Kommt eine Kutsche oder Wagen,
Tun wir sie nicht lange fragen,
Hauen, stechen, schießen tot:
Ist das nicht ein schön Stück Brot?

Sehn wir Galg’ und Räder stehen,
Bilden wir uns herzhaft ein:
Einmal muß es doch geschehen,
Einmal muß gehangen sein.
So steigen wir aus dem Weltgetümmel
auf eine Leiter gegen Himmel.
Lassen uns vom Wind schwenken aus und ein,
Bis wir abgefaulet sein.

Wenn wir an den Galgen gehen,
Kommt uns gleich das Lachen an:
Wenn wir die dort oben sehen,
Einmal müssen wir auch dran.
Die da liegen in der Erden,
Von de’ Würm’ gefresse’ werden.
Besser hangen in der Luft,
Als verfaulen in der Gruft!

  • 2008: Lohra-Wiki[5] – Offenbar auf der Basis eines Scans, da einige Scan-typische Fehler vorhanden sind.
  • Subach 2011 (E-Book)
    2011: Carl Franz: Der Post-Raub in der Subach – Aktenmäßig ausgezogen und bearbeitet von Carl Franz. Kindle E-Book. Hrsg.: Eckhard Henkel. Subach, Königswinter 2011 (amazon.de).
Bei dieser E-Book-Ausgabe handelt es sich um einen Nachdruck mit unveränderter Orthographie (wie auch die drei Ausgaben des Jonas Verlags).
Dies war der erste Titel des Subach-Verlags. Der Titel war namensgebend für den Verlag, der 2011 begründet wurde und überwiegend gemeinfreie Texte als E-Book publiziert.
  • Jonas 2015
    2015: Carl Franz: Der Post-Raub in der Subach. Jonas Verlag, Marburg 2015, ISBN 978-3-89445-510-1 (Taschenbuch).
Nach den Ausgaben aus den Jahren 1978 und 1986 ist dies die dritte Ausgabe des Jonas-Verlags. Nun ohne Illustrationen, weder von Wilhelm M. Busch (1986), noch von Johannes Nawrath (1978).

Forschung

  • Ulrich MayerWikipedia-logo.png: Der Postraub in der Subach in der Gemarkung von Lohra. Vortrag beim Oberhessischen Geschichtsverein in Gießen am 17. Januar 1996. Hrsg.: Oberhessischer Geschichtsverein Gießen. (= Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen. Nr. 81). Gießen 17. Januar 1996, S. 277–297 (geb.uni-giessen.de [PDF; 6,5 MB; abgerufen am 8. Mai 2020]). – alternativ hier

Weitere Artikel zum Thema

Weblinks

Eine Reihe, die derzeit (Stand Mai 2020) aus den Bänden 1 (1985) bis 12 (2018) besteht. Die Bände 1 bis 7 (1999) sind nur noch antiquarisch erhältlich.

Quellen und Anmerkungen

  1. Ulrich MayerWikipedia-logo.png: Der Postraub in der Subach in der Gemarkung von Lohra. Vortrag beim Oberhessischen Geschichtsverein in Gießen am 17. Januar 1996. Hrsg.: Oberhessischer Geschichtsverein Gießen. (= Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen. Nr. 81). Gießen 17. Januar 1996, S. 277–297 (geb.uni-giessen.de [PDF; 6,5 MB; abgerufen am 8. Mai 2020]). – alternativ hier
  2. DNB 132679728, Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  3. Jonas VerlagWikipedia-logo.png auf Wikipedia
  4. Dieter Mayer-Gürr. In: wartberg-verlag.de. Abgerufen am 17. Mai 2020.
  5. Der Postraub in der Subach. In: Lohra-Wiki. Abgerufen am 8. Mai 2020.