Pfeddersheim 1841 – Der Mord an Johannes Debus (1799–1841) aus Mornshausen

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Günter Debus und Felix Zillien

Ein Bericht von Felix Zillien aus dem Jahr 2003 nach handschriftlichen Erinnerungen des Enkels Jakob Debus (1863–1950) und Angaben des Ururenkels Peter Debus (1930–2009)[1] informiert uns über das Schicksal des in Scheffersch in Mornshausen geborenen Johannes Debus.

Einordnung in die Debus-Linie

Mornshausen: Scheffersch
(0) Johannes Debus (1768–1822), siehe Debus und das Scheffersch-Haus in Mornshausen: ab Johann Theiß Debus (1744–1775)

Alzey
(1) Johannes Debus (* 1799 in Mornshausen; † 1841 in Pfeddersheim), Gendarm zu Pferd

Nachfolgend:
(2) Friedrich Karl Debus (1836–1902), Kaufmann in Alzey; siehe dessen Biographie

Andere Orte
(3) Jakob Debus (1863–1950), Bahnbeamter u. a. in Frankfurt, siehe dessen Biographie
(4) Fritz Debus (1899–1981), Redakteur, verschiedene Stationen, siehe dessen Biographie
(5) Peter Debus (1930–2009), Pfarrer, verschiedene Stationen, siehe dessen Biographie

Heirat und Familie

Debus, Johannes (1799–1841) ⚭ 10.04.1834 Anhäußer, Katharina (* 1813) aus Kreuznach

Aus der Chronik des Enkels Jacob erfahren wir:

„Lange hatte sich die Familie Anhäuser der Verbindung widersetzt, war er doch um vier Jahre jünger als sie, nur Bauernsohn und zudem Gendarm, während sie aus einer angesehenen Kreuznacher Bürgerfamilie stammte. Ihr Vater war Bäckermeister und hatte sein Geschäftshaus in der Hauptstraße von Kreuznach. Am 10. April 1834 wurden beide in der Johanniskirche zu Mainz getraut.“

Ihre Kinder waren

  • Heinrich, * 1832 in Niederingelheim
  • Valentin, * 1834 in Bingen
  • Friedrich Karl, * 1836 in Wöllstein; siehe Biographie
  • Juliane Amalie, * 1838 in Alzey
  • Luise, * 1840 in Alzey

Der Mord

Der Wormser Dom in einer Ansicht aus dem Jahre 1824 (Eugen Neureuther) als „Zeuge“ des schrecklichen Geschehens

Johannes Debus stammte aus dem Schäfers-Haus in Mornshausen. 1820 wurde er gemustert und in die großherzogl.-hessische Kavallerie aufgenommen. Seine 8-jährige Militärzeit erbrachte ihm die anschließende Anstellung beim Großherzoglich-Hessischen Staat: Er wurde Gendarm im damaligen Rheinhessen. Sein Leben endete abrupt in Pfeddersheim in der Nähe seines letzten Wohnortes Alzey und Worms.

Ein verhängnisvoller Gefangenentransport von Alzey nach Worms vor 162 Jahren
Von Felix Zillien

Genealogische – also familiengeschichtliche – Forschungen fördern nicht selten bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage. Da gibt es schöne und froh stimmende Kenndaten aus dem Leben von „Altvorderen“, aber es können auch ausgesprochen traurige und leidvolle Schicksale entdeckt werden, welche die Frage aufwerfen, warum und wie konnte so etwas geschehen. Ein „genealogischer Trauerfall“ im wahrsten Sinne des Wortes soll nachfolgend geschildert werden.

Johannes Debus wurde am 20. Dezember 1799 in Mornshausen a.d. Dautphe, Kreis Biedenkopf, geboren. Er diente über eine Dauer von mehr als acht Jahren in einem hessischen Reiter-Regiment zu Darmstadt, bevor er zur Gendarmerie überwechselte. Ab dem Jahre 1832 war er als „Großherzoglich-Hessischer Gendarm zu Pferd“ in Mainz, sodann in Bingen, Wöllstein und schließlich in Alzey stationiert. Seine Frau, Katharina Anhäußer, die er am 10. April 1834 in Kreuznach heiratete, hatte er bei ihrem Vetter im „Gasthaus zum Hirsch“ in Nieder-Ingelheim kennen gelernt. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, drei Jungen und zwei Mädchen. Ihre Geburtsorte waren zugleich die Stationierungsorte des „Gendarmen zu Pferd“ Johannes Debus: Die Söhne Heinrich, Valentin und Friedrich Karl Debus wurden in Nieder-Ingelheim (1832), Bingen (1834) und Wöllstein (1836) geboren. Die Töchter Juliane Amalie und Luise Debus erblickten 1838 und 1840 in Alzey das Licht der Welt. In Alzey, der wohl letzten beruflichen Station des „Gendarmen zu Pferd“, sollte sich das weitere Leben der kinderreichen Familie im Sinne der örtlichen Beständigkeit entfalten.

Der Schicksalstag: 20. März 1841

Johannes Debus erhielt am 20. März 1841 den Auftrag, einen „Dienstgang“ in Vertretung eines Kollegen auszuführen: Er musste einen wegen Diebstahls verdächtigten Gefangenen, nämlich den 19-jährigen Küfergesellen Valentin Braun, von Alzey nach Worms transportieren. Der Weg führte über die Orte Flomborn, Oberflörsheim, Dalsheim, Niederflörsheim und Pfeddersheim. In Worms sollte der „Dienstgang“ enden. Aber es kam anders!

Unterwegs, vermutlich bei einer kurzen Rast in Niederflörsheim, löste Johannes Debus die Handfesseln des Gefangenen Valentin Braun, weil dieser über große Handschmerzen klagte. Offensichtlich wurden die Handfesseln auf der restlichen Wegstrecke nicht wieder angelegt, jedenfalls nicht sehr eng anliegend, um erneute Handschmerzen des Gefangenen Valentin Braun zu vermeiden. Dies wurde Johannes Debus, dem wohl etwas zu gutmütigen „Gendarmen zu Pferd“ zum Verhängnis:

Auf der Straße von Niederflörsheim nach Pfeddersheim, dort, wo von dem Höhenrücken nordwestlich vor der Ortslage Pfeddersheim bereits die Türme des Wormser Doms zu sehen sind, durchstach Valentin Braun mit einem versteckt mitgeführten Küfermesser den Hals von Johannes Debus, so dass dessen Schlagader durchschnitten wurde. In einem Bericht der Wormser Zeitung vom 25. März 1841 heißt es hierzu kurz und bündig: „Schon nach einer halben Stunde gab der Gendarm den Geist auf!“

In der Sterbeurkunde No. 14 des Pfeddersheimer „Civilstandesbeamten“ Tobias Schiffer vom 22. März 1841 ist unter anderem dokumentiert: „Am letzten Samstag, ungefähr um ein Uhr des Nachmittags, wurde Johann Debus, Großherzoglich Hessischer Gendarm in Alzey stationiert, auf dem Kleeacker von Conrad Walter, Ackermann in Pfeddersheim, in der Gemarkung von Pfeddersheim, in der Gewann Mühlweg, tot aufgefunden.“

Der ermordete Johannes Debus wurde am 24. März 1841 auf dem Pfeddersheimer Friedhof beerdigt. Hierzu heißt es in einer handschriftlichen Aufzeichnung von Jakob Debus, dem am 24. Februar 1863 in Alzey geborenen Enkel von Johannes Debus: „Es war ein sehr schwerer Gang von Alzey nach Pfeddersheim für die Großmutter mit ihren Kindern!“ Und der Enkel vermerkt weiter: „Sehr schwer und kummervoll war das Leben für sie mit 5 Kindern ohne Pension. Infolge des Dienstvergehens (Nichtanlegung der Fesseln nach der Rast), das Großvater sich zu Schulden kommen ließ, wurde ihr die Pension entzogen.“

Todesurteil für den Mörder

Unmittelbar nach der Tat hatte Valentin Braun die Flucht ergriffen. Er konnte jedoch bereits einen Tag später – also am 21. März 1841 – in Armsheim gefasst werden. In der Mainzer Zeitung (Ausgabe Nr. 158) vom 9. Juni 1841 wurde wie folgt berichtet: „Nach zweitägiger Verhandlung ist heute nach 12 Uhr Valentin Braun, 19 1/4 Jahre alt, Küfergeselle, gebürtig und wohnhaft in Kreuznach angeklagt der vorbedächtigten Tödtung des Gendarmen Debus, nachdem die Herren Geschworenen ihn nach einstündiger Berathung für schuldig erklärt hatten, durch den Assisenhof[2] zum Tode verurteilt worden. Er vernahm die Verkündigung seines schrecklichen Looses mit einer empörenden, fast stumpfsinnigen Gleichgültigkeit.

– Quelle: Kreisverwaltung Alzey-Worms (Hrsg.): Heimatjahrbuch 2004[3]

Zwischen der Tat des Mörders und seiner Verurteilung zum Tode lagen nur zweieinhalb Monate: Eine im Vergleich zu heutigen Strafprozessen kurze Zeitspanne!

Die Familie nach dem Tod des Ehemanns und Vaters

Aus den Lebenserinnerungen des Jakob Debus über die Familie nach dem Tod seines Großvaters im Jahre 1841:

„Nach dem Tod des Großvaters haben die Verwandten Prinz in Kreuznach meinen Vater Fritz Debus – damals fünf Jahre alt – zu sich aufgenommen. Er hielt aber dort nicht lange aus und kehrte zu seiner Mutter zurück. – Die Buben Heinrich, Valentin und Fritz mussten ein Handwerk erlernen. Die Mädchen wurden in Frauenberufen ausgebildet.

  • Heinrich wurde Metzger, er wanderte Anfang der 1860er Jahre aus. Der Aufenthaltsort ist mir nicht bekannt; er scheint seiner Mutter und seinen Geschwistern auch nicht geschrieben zu haben.
  • Valentin wurde Kürschner und war bei Kürschner Fischer in Alzey tätig. In Friedberg musste er bei seinem hessischen Regiment dienen. Während seiner Dienstzeit hat er sich Geld erspart und ist zum Unteroffizier vorgerückt. Er verheiratete sich mit einer Witwe – Katharina Heimerle, geb. Link aus Framersheim, die ein Spezerei- und Tuchwarengeschäft, gelegen auf dem Obermarkt in unmittelbarer Nähe unserer beiden Häuser, betrieb. Onkel Valentin verband später mit seinem Geschäft einen Branntweinausschank. Geschäftlich hatte er sich ein schönes Vermögen erworben. Er war sehr mäßig und arbeitsam. Als geachtete Persönlichkeit bekleidete er mehrere Ehrenämter und gehörte dem Kirchenvorstand an.
  • Fritz Debus, mein Vater, erlernte in Alzey das Schuhmacherhandwerk. Nach seiner Verheiratung am 19. März 1862 mit Margarethe Weick aus Framersheim machte er sich in Alzey selbständig.
  • Juliane Amalie verheiratete sich mit Schreinermeister Jakob Seemann, einem sehr geschickten Handwerker, der lange in Paris gearbeitet hat und gut französisch sprach.
  • Luise ist nach Nordamerika ausgewandert. Der Name der Stadt ist mir entfallen.“

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Siehe Biographie zu Peter Debus
  2. Assisenhof: ein Geschworenengericht, s. AssisenWikipedia-logo.png
  3. Zitiert aus: Kreisverwaltung Alzey-Worms (Hrsg.): Heimatjahrbuch, Bd. 39 (2004), DNB 010126627, S. 57–58 (s. Scan); Quellen dort:
    • Peter Debus, Bad Homburg v.d.H. (Schreiben vom 19.7.2002 mit Abschriften der zitierten Zeitungsberichte und der Sterbeurkunde)
    • Jakob Debus (* 24.2.1863 in Alzey, † 15.5.1950 in Bad Homburg v.d.H.) handschriftliche Erinnerungen