Peter Debus (1930–2009) – Evangelischer Pfarrer im Westerwald und in Afrika

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Jörg Debus, Kombach

Einordnung in die Linie der Familie

Mornshausen: Scheffersch
(-4) Johannes Debus (1768–1828), siehe Debus und das Scheffersch-Haus in Mornshausen: ab Johann Theiß Debus (1744–1775)

Alzey
(-3) Johannes Debus (1799–1841), siehe Pfeddersheim 1841 – Der Mord an Johannes Debus (1799–1841) aus Mornshausen
(-2) Friedrich Carl Debus (1836–1902), siehe Der wohlhabende Alzeyer Bürger Fritz Debus (1836–1902)

Frankfurt
(-1) Jakob Debus (1863–1950)
(0) Friedrich (Fritz) Carl Debus (1899–1981)

Bad Homburg
(1) Fritz Peter Debus (1930–2009)

Familie, Zeitumstände und Lebensplan

Vorfahren

Durch den Gendarmen Johannes Debus (1799–1841) war ein Zweig der Debus-Familie aus dem Hinterland ins Rheinhessische gekommen, das damals zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt gehörte. Die Familie wohnte in Alzey, südlich von Mainz. Im Jahr 1899 wurde in Frankfurt ein Urenkel des Johannes Debus, der Redakteur Friedrich (Fritz) Karl Debus, geboren. Fritz Debus studierte in Frankfurt und erwarb den Doktortitel (rer. pol.). Er heiratete am 4. Januar 1930 Elisabeth, geb. Weniger, deren Familie aus dem Elsaß stammte. Von den vier Söhnen der Eheleute, Peter (13.09.1930), Eduard (1932), Gert (1934) und Jörg (1937), soll uns hier der älteste besonders beschäftigen.

Studium

Peter hatte – wie alle anderen seiner Generation – in Kriegs- und Nachkriegszeit eine harte und schwere Jugend. Das mag der auslösende Faktor gewesen sein, dass er sich nach dem Abitur (1950 in Bad Homburg) entschloss, Theologie zu studieren. Er hatte im Zusammenbruch des sog. 3. Reiches schon als Jugendlicher die Erfahrung gemacht, dass ein Mensch feste moralische Werte haben muss, um dem Bösen widerstehen zu können und in einer schwankenden Welt festen Halt zu haben. Seinem Vater fiel es unter den damaligen Zeitumständen schwer, einem studierenden Sohn den Lebensunterhalt zu finanzieren. So war es selbstverständlich, dass Peter als Werkstudent arbeitete, vorwiegend im Kohlebergbau im Ruhrgebiet.

Peter Debus studierte evangelische Theologie in Göttingen und Marburg. Im Jahr 1955 legte er vor der Prüfungskommission der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau das erste theologische Examen ab. Die zweijährige Vikariatszeit führte ihn nach Bad Nauheim und in die Predigerseminare von Herborn und Friedberg.

Heirat und Kinder

Im Jahr 1957 heiratete er Inge, geb. Hammerschmidt, aus Bad Homburg. Den Eheleuten wurden die Kinder Christian (1958), Esther (1959), Johannes (1960), Klaus Benedikt (1964) und Martin (1966) geschenkt.

Berufliche Stationen

Peter Debus

Hadamar

Die erste berufliche Station war dann die Pfarrvikarstelle in Hadamar bei Limburg. In der vorwiegend katholischen Region hatte man nach dem Zweiten Weltkrieg als Gegenstück zu dem großen katholischen Konvikt ein kleines evangelisches Schülerheim gegründet. Die dort wohnenden 15 Schüler besuchten das Hadamarer Gymnasium. Ursprünglich war das Haus für Schüler gedacht, deren Eltern zu weit entfernt von einem Gymnasial-Ort wohnten; aber damals (1957) hatten sich die Verkehrsbedingungen schon so weit verändert, dass diese Begründung nicht mehr trug. Vielmehr waren im Hadamarer ev. Schülerheim inzwischen nur noch Schüler, die aus dem einen oder anderen Grund nicht bei der eigenen Familie leben konnten.

Schloss Hadamar vom Herzenberg aus

Für die Heimeltern keine leichte Aufgabe. Sie sollten den Schülern das ersetzen, was sie „zu Hause“ nicht finden konnten. In diese schwierige Situation kam Peter Debus als 27-Jähriger mit seiner jungen Frau.

Aber nicht nur die Leitung des Schülerheimes (einschließlich der Finanz-Verwaltung) lag auf seinen Schultern, vorwiegend sollte er neben dem Inhaber der Ersten Pfarrstelle als Pfarrvikar in der großen Gemeinde tätig sein. Zur Ev. Kirchengemeinde Hadamar zählten damals 26 Filial-Orte. Nach dem Krieg waren viele evangelische Familien in die ursprünglich rein-katholische Gegend gekommen. Diese Menschen suchten sehr stark den Kontakt und die Hilfe ihrer evangelischen Kirche – für die Pfarrer ein riesengroßes, nie ganz zu bewältigendes Arbeitsfeld.

Die Gottesdienste in der Hadamarer Schlosskapelle, die man den Evangelischen zur Verfügung gestellt hatte, in Schulsälen und Gemeinderäumen der zahlreichen Filial-Orte, waren oft überfüllt. Aber es ging ja nicht nur um Gottesdienste, um Schul- und Konfirmanden-Unterricht. Wichtiger noch waren die Besuche, die Beratungen und Hilfen für die vielen aus Schlesien oder Ostpreußen Entwurzelten, die nun hier eine neue Heimat finden sollten.

Peter Debus war unermüdlich unterwegs. Auf Inge Debus lag die Hauptlast der Leitung des Schülerheimes. Dass sie sich voll und ganz in den Arbeitsalltag ihres Mannes einbrachte, wurde als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, sie war ja die „Pfarrfrau“. Die Zeit des Pfarrvikariats in Hadamar dauerte bis 1960. Dann wurde Peter Debus auf die Pfarrstelle in Montabaur berufen. Wieder eine Diaspora-Gemeinde, nur entfiel diesmal die Last des Schülerheimes.

Montabaur

Pauluskirche in Montabaur

Die Pauluskirche war das Zentrum seiner Pfarrertätigkeit.

In Montabaur ist Peter Debus bis heute unvergessen.

Er war ein herzlicher und fröhlicher Mensch. Sein Glaube, seine seelsorgerliche Aufgabe, sein Verkündigungsauftrag als Prediger des Evangeliums – das waren ihm Herzensanliegen.

Besondere Freude hatte er an der Kirchenmusik. In allen Gemeinden, in denen er tätig war, gründete er Posaunenchöre, in denen er selbst mit Begeisterung mitspielte. In späteren Jahren war er der Erste Vorsitzende des Posaunenwerkes der Ev. Kirche in Hessen und Nassau.

Namibia

Inge und Peter Debus mit Kindern
Lage Namibias
Landkarte Namibias

Im Jahr 1966 trat eine entscheidende Wendung ein. Inge und Peter Debus gingen mit ihren inzwischen vier Kindern für sechs Jahre nach Namibia, um dort in der evangelisch-lutherischen Kirche tätig zu sein. Die Reise dorthin wurde nicht etwa mit dem Flugzeug zurückgelegt, sondern mit dem Schiff. Fünfzehn Tage war die junge Pfarrfamilie auf der Capetown Castle unterwegs bis nach Walvis Bay in Namibia.

In Namibia, dem ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika war Peter Debus vorwiegend für die deutsche Gemeinde zuständig. Der Dienst war nicht konfliktfrei, wie er selbst schreibt: „Ich habe Schwierigkeiten, mich in die Rolle eines ‚Ortsgruppenleiters für das Deutschtum im Ausland’ hineinzufinden. Ich verstehe mich halt nur auf das Evangelium, und das gilt aller Welt, allen Rassen und Völkern in gleicher Weise und ohne Unterschied. Wenn dabei dann noch etwas für die ‚Kultur’ der eigenen Volksgenossen abfällt, soll’s mir recht sein. Man darf bloß nicht die Rangfolge umkehren und sein Deutschtum über das Evangelium stellen!“ (In einem Rundbrief „An die Lieben in der Heimat“ aus dem Jahr 1967).

Aber schließlich hat gerade diese konsequente Haltung, die Peter Debus auch viel Achtung und Zuneigung bei der Ovambo-Bevölkerung einbrachte, die Gemeinde überzeugt. Als die Familie im Jahr 1972 wieder nach Deutschland zurückkehrte, hätte der Kirchenvorstand in „Südwest“ es viel lieber gesehen, sie dort zu behalten. Aber Inge und Peter Debus hatten einen Vertrag für 6 Jahre geschlossen, mehr sollte es – vor allem im Interesse der Kinder – nicht werden. Die Verbindung nach Namibia blieb aber bestehen, es gab einen regen Briefwechsel und viele Besuche in beiden Richtungen.

Hadamar

In welchen Dienst sollte Peter Debus nun gehen? Es kam ein dringender Ruf nach Hadamar. Dort hatte er fünfzehn Jahre vorher als Pfarrvikar gewirkt. Gerne erinnerte man sich noch an seine engagierte Arbeit. Das Schülerheim existierte nicht mehr, aber die erste Pfarrstelle war vakant – mit großer Freude berief man ihn in dieses Amt.

In Hadamar wirkten Inge und Peter Debus mit viel Segen bis zum Jahr 1984. Aus gesundheitlichen Gründen – es zeigten sich die ersten Anzeichen einer Parkinson’schen Krankheit – übernahm Peter Debus dann die Stelle des Krankenhaus-Seelsorgers in den Krankenhäusern und Kurkliniken von Bad Homburg.

Erlöserkirche Bad Homburg

Bad Homburg

Seinem energisch-zupackendem Charakter entsprechend, betrachtete er auch dieses Amt nicht als Sinekure. In der Zuwendung zu Patienten und Krankenhaus-Personal, in Vertretungsdiensten in Stadt- und Landgemeinden war er unermüdlich tätig. In besonderer Erinnerung ist auch seine Senioren-Arbeit, die er über den vorgeschriebenen Dienst hinaus durchführte. Solange es gesundheitlich nur irgend ging, führte er jährlich Freizeiten und Fahrten für Bad Homburger Senioren durch.

Hier, im Heimatort seiner Frau, blieb das Ehepaar Debus auch im Ruhestand (1993).

Peter Debus ist am 9. Februar 2009 verstorben. Auf dem Evangelischen Friedhof am Untertor in Bad Homburg fand er seine letzte irdische Ruhestätte.