Pacta dotalia 1792 Ehevertrag

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Friedrich Debus (Bochum), Günter Debus (Gönnern/Aachen) und Gerald Bamberger (Hartenrod)

Im Jahre 1792 wurde die Doppelhochzeit zwischen den Geschwistern Johannes und Elisabeth Debus aus Mornshausen mit Johannes und Magdalena Werner aus Wolfgruben vertraglich vorbereitet und am 11. Januar 1793 gefeiert.

Dieser Vertrag ist ein weiteres schönes Beispiel für die Darstellung der „Ehe- und Übergabeverträge in Hessen“ von Gerald Bamberger (1988).[1]

Das Original ist in den Händen von Friedrich Debus, Bochum.

Das Dokument

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Im Nahmen der Heiligen Dreyfaltigkeit.
amen!
Kund und zu wissen seye andurch Jedermann, insonderheit aber denen, welchen es zu wißen nöthig ist, was gestalten anheute zu Ende ersagten
Dato Gott dem Allmächtigen alß Stiefter der Heiligen Ehe zu Lob und Ehren, zu Mehrung der christlichen Kirche wie Fortsetz- und Erhaltung guter Freundschaft, mit Consens Rath und unter Beistand, deren theils lebenden Eltern, bestellten Vormündern wie erbetenen, am Ende unterschriebenen Freunden wie Beyständen, zwischen
Johannes Debuß, Theiß Debus hinterbliebenem ehelichen Sohn zu Morntzhausen alß Bräutigam an Einem, sodann Magdalena, Johannes Werners ehelichen Tochter zu Wolfgruben, alß Braut am andern Theil, eine christliche Heurath alß folget einmüthig verabredet und gerichtlich bestättiget worden; alß

1tens
wollen und sollen bemeldte Verlobten einander zu heiliger Ehe nehmen, haben und behalten

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behalten und sich die Zeit ihres Lebens alle eheliche Liebe und Treue erzeigen und beweißen.

2tens So nimt des Bräutigams verwibte Mutter Sie die Verlobten bey und zu sich in ihr Hauß, Hof wie fahrende Haabe, wie in sämtliche beym Hof vor Mortzhausen gelegene Güther, und das zwar dergestalten und alßo, daß sämtliche Güther beym Hof verbleiben sollen. Wobeneben des Bräutigams Mutter sich dahin erkläret, denen Verlobte alsobalden nach vollzogener Hochzeit die Haußhaltung und das häußliche Regiment abzutretten
Wogegen
3tens
die Verlobte versprechen, Sie des Bräutigams Mutter nach dem 4ten Geboth zu respectieren, ihr die Haußmans Kost zu verabreichen, derselben jährlich statt Lohn 5 fl. an Geld zu geben, ½ Meste Lein zu säen, ein Schaaf zu füttern, weniger nicht das ihr leinene Tuch zu verferttigen, nächst diesem derselbe zum Verbesserungsmahl jährlich 4 lb. Butter, 3 lb. Speck und 3 lb. Käse auf Begehren zu verabreichen.

4tens
Sind die Verlobte schuldig und versprechen, an des Bräutigams Bruder statt Hochzeit Haußsteuer wie Bräutelgabe und vor dem gantzen Abstand seines elterlichen

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elterlichen Hauß, Hofes wie Güther 350 fl. sage Dreyhundert und Fünfzig Gulden Frankfurther Wehrung zu geben und zu bezahlen.

5tes
Und da zwischen des Bräutigams Schwester alß jetziger Braut und deren Bruder Joh. Jost Werner wie deßen Schwester eine Tausch Heurath getrofen worden, alß dienet zur Nachricht, daß zwischen beyderseits Verlobten mit deme Vermögen auch dergestalten getauschet worden, so daß die Braut von Wolfgruben nichts nach Morntzhaußen, dahingegen die Braut von Morntzhaußen nichts an Vermögen nach Wolfgruben bey und zu bringet. Jedoch aber ist der Braut Bruder Joh. Jost Werner schuldig und verspricht, Einhundert Gulden sage 100 fl. Frankfurter Wehrung alß stipulirte Herauß- und Zugieft an seine nach Morntzhaußen verheurathete Schwester a Dato in Zeit 3 biß 4 Jahren zu geben und zu bezahlen.
Endlich

6tens
Die Sterbfälle über kurtz oder lang zwischen beyden Verlobten betrefend, so ist dahin Abrede genommen

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(Sechtens)
genommen und einander versprochen worden, daß wann deren Verlobte Eines ohne vorhandene Leibes Erben verstürbe, der letztlebende Theil solchenfalß der Universalerbe vom Verstorbenen seiner gantzen Verlaßenschaft seyn und bleiben, mithin Schleier bey Hut und Hut bey Schleier gesetzet seyn solle.

Deßen zu wahrer Uhrkund haben Braut und Bräutigam sich hier nicht nur eigenhändig unterschrieben, sondern sofort auch das fürstlich hochverordnete Amt um Confirmation dieser Ehepackte geziemendt ersuchet.
So geschehen Biedenkopf, den 26. July 1792.

Beistände und Zeugen hier bey sind, und zwar

Heiratsvertrag Seite 5

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Auf Seitte des Bräutigams

Jo ho hannes Debus [der Bräutigam Mornshausen]
Johannes Werner [der Bräutigam Wolfgruben]
Johann Reitze Muth
Johannes Debus [Onkel in Katzenbach]
Hans Gorge Debus [Onkel in Eckelshausen]
Johan Jost ???
Andreas Debus [Onkel * Katzenbach/Vetter Buchenau]
Hans Henrich Debus [Bruder des Bräutigams]
Johann Jost Lotz
Johann Adam Jochum [Verw. der Mutter]
Hans Jacob Jochum [Verw. der Mutter]

+++ Maria, Theiß Debus [Mutter des Bräutigams, Mornshausen] hinterlaßene Witwe, [geb. Jochum]

welche Schreibens unerfahren,
hat vorstehende 3 X
eigenhändig unterzogen.

Nachdeme die beide Verlobten, deren Eltern, nächsten Anverwanten und Beyständen diese ihnen deutlich vorgelesene pacta dotalia ihres gantzen Inhalts genehmiget und die Interessenten solche in allen Stücke getreulich zu erfüllen mit Hand und Mund versprochen haben; alßo wird die gebethene Confirmation hiermit von Amts wegen ertheilet.
So geschehen Biedenkopf am 3. Oktober 1792
Fürstlich Hessisches Amt daß.
… Klingelhöfer

Auf seite der Braut

+++ Magdalena, Johannes Werner Tochter, welche Schreibens unerfahren, hat vorstehende 3 X eigenhändig unterzogen.

Johannes Werner
Johannes Muth
Johannes Jacoby
Johannes Breul
Johan Paul Jacoby

+++ Katharina, Johannes Werner Ehefrau, welche Schreibens unerfahren, hat vorstehende 3 x eigenhändig unterzogen.

Erläuterungen

Johannes Debus war 1768 geboren, Elisabeth 1766. Ihr jüngerer Bruder Hans Henrich (geb. 1770) war bereits 1791 nach Hommertshausen verheiratet. Ihr aus Katzenbach stammender Vater Johann Theiß Debus war bereits im Alter von 31 Jahren (1744–1775) gestorben, die etwas ältere Mutter war zur Zeit des Ehevertrags 54 Jahre alt und lebte bis 1805.

Quellen

  1. Gerald Bamberger: Ehe- und Übergabeverträge in Hessen. Ein Überblick über Geschichte, Aufbau und Funktion. Jonas-Verlag, Marburg 1998, DNB 95443711X