Nachruf Fritz Debus

Aus Genealogen im Hinterland
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Fritz Debus 2015


Wir trauern um unseren Freund und historisch und genealogisch interessierten Familiengeschichten-Erzähler

Fritz Debus (1927–2020) aus Bochum-Wattenscheid mit Vorfahren-Wurzeln im hessischen Hinterland.

Am Donnerstag, dem 12. März 2020, verstarb Fritz im Alter von 93 Jahren.

Fritz Debus war einer der wichtigsten Autoren und Mitgestalter im DEFA-Projekt. Einen Hinweis von Helmut Mankel in Holzhausen, den Fritz Debus schon 2004 in einem Brief um Hilfe bei seinen Recherchen gebeten hatte, nahm ich 2009 zum Anlass, Fritz Debus anzuschreiben.

Aus seinem Antwortbrief vom 15.03. 2009 an mich zitiere ich:

„Sehr geehrter Herr Günter Debus, ich darf Sie wohl in unserem großen Familienkreis so ansprechen. Ich habe mich riesig über Ihren Brief gefreut, endlich einmal werde ich angeschrieben, im Allgemeinen bin ich immer der Briefschreiber, Bittsteller und Anfragender.

Wie ich aus Ihrem Brief ersehe, ist Johann Theiß Debus * 1744 Ihr sowie mein Vorfahre, also unser gemeinsamer „Alturgroßvater“. Von diesem Zeitpunkt an habe ich alle Unterlagen bis zum Johannes Debus + 24.08.1645 in Friedensdorf für Sie zusammengestellt. Eine DVD mit unserer Familienchronik und eine DVD mit Orten und Häusern, die für meine Familienforschung von großer Wichtigkeit sind, habe ich beigefügt.

Seit einiger Zeit fahre ich regelmäßig jedes Jahr für einen Tag ins Dautphetal, um einer Spur nachzugehen, die ich aus den Urkunden für sehenswert halte, z.B. das Schäfers-Haus in Mornshausen, es wird in vielen Urkunden erwähnt. Mit vier Personen sind wir ausgeschwärmt von Haus zu Haus, gefragt wurde jede Person auf der Strasse, bis wir fündig geworden sind. Eine Frau Rosemarie Müller bat uns ins Haus, nach einem längeren Gespräch holte sie ein altes Album hervor und zeigte mir ein vergilbtes Foto, ihr Kommentar dazu: „Schon 1932 war ein Debus aus Bochum zwecks Ahnenforschung in unserem Hause.“ Es war mein Patenonkel Dr. Fritz Debus mit seiner Tochter Elisabeth… Mein Patenonkel hat während seiner Studienzeit in Marburg schon sehr früh mit der Familienforschung begonnen und besaß auch viele Original-Urkunden, leider sind diese während des Krieges in einem Banktresor in Bochum verkohlt. P.S. zu meiner Person; Maschinenbaumeister im Ruhestand 82 Jahre.“

Im Jahr 2012 wurde das DeFa-Projekt mit der von Eckhard Henkel betreuten Internetseite begonnen. Nun sind wir im Jahr 2020. In diesen acht Jahren hat sich rund um Fritz Debus und seine Familie eine Welt zeitgeschichtlicher Ereignisse aufgrund unerwartet aufgefundener Dokumente aufgetan, deren Auffindung wir als einzigartig erleben.

Fritz Debus wurde konfrontiert mit zeitgeschichtlichen Ereignissen der Familie seines Großvaters, Als Steiger an Ruhr und Saar: Carl Friedrich Debus (1860–1934) – Vater von zwölf Kindern. Dessen Söhne gaben wiederum Anlass zu biographischen Beiträgen: Es sind die Onkel von Fritz: Dr. Fritz Debus, Carl Debus, Walter Debus und Gustav Debus. Sein Vater Wilhelm Debus spielt in seinen eigenen biographischen Darstellungen eine Rolle.

Sein Patenonkel Fritz Debus war für ihn Vorbild in Sachen Familienforschung. Der Beitrag über diesen Onkel Ein Lebensumbruch 1943–1945: Geograph und Handelslehrer Dr. Fritz (Friedrich Wilhelm) Debus aus Bochum gibt die Störungen eines Lebenslaufs vor und nach dem Nazi-Regime wieder. Sein Onkel Carl Debus ist der Autor des Buchmanuskripts über den Bau von Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg in der Champagne. Das Manuskript ist erwähnt im Beitrag über den Großvater von Fritz: Als Steiger an Ruhr und Saar: Carl Friedrich Debus (1860–1934) – Vater von zwölf Kindern. Dort findet sich die Aussage: „Karl Friedrich leitete als Bergbau-Experte in einer Pionier-Kompanie eine Untertunnelung der feindlichen Linien, darüber schrieb er später das Buch Der Debus-Tunnel.“ Doch für Fritz galt das Manuskript bis 2013 als verloren. Das Buchmanuskript mit dem Titel "Der deutsche Bergmann im Weltkriege – Champagne 1915" mit Schwerpunkt in der Darstellung des nach ihm benannten Tunnels, Debus-Tunnel, wurde 2013 entdeckt und 2014 dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum übergeben. Wie aus den Unterlagen zum Buchmanuskript hervorgeht, war das Buchmanuskript zum Druck freigegeben, wurde jedoch wegen Absage der vorgesehenen Druckerei 1942 angesichts der Kriegssituation nicht mehr gedruckt. Nach dem Beginn der Bombardierungen im Ruhrgebiet übergab Carl Debus einen Koffer mit Manuskript und Dokumenten auf dem Weg nach einem sicher geglaubten Ort in Thüringen seinem damaligen Stellvertreter in der Champagne, Hubert Jungbluth, in Hergenrath in Belgien. Carl Debus verstarb in Thüringen, der Koffer wurde nicht abgeholt und die Familie von Hubert Jungbluth suchte über Jahre die Familie des Carl Debus, um den Koffer zurückzugeben. Siegfried Palm und seine Schwester Charlotte, 2013 Internet nutzend, stießen bei Eingabe des Stichworts „Debus-Tunnel“ auf die Internetseite Als Steiger an Ruhr und Saar: Carl Friedrich Debus (1860–1934) – Vater von zwölf Kindern und nahmen direkt Kontakt mit Fritz Debus und mir auf. Aus der Auswertung des Manuskripts und der Dokumente entstanden Beiträge zu den Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg: Debus-Tunnel, Ditfurth-Tunnel, Hertzberg-Tunnel, Mont-Cornillet-Tunnel und andere Tunnel. Zwischen Fritz Debus, Siegfried Palm und mir entwickelte sich eine intensive freundschaftliche Zusammenarbeit.

Der Tod seines Onkels Walter Debus 1918 an der französischen Front war der Anlass eines Briefes seines Großvaters an dessen Sohn Gustav an der Westfront. Der Brief ging verloren und tauchte in einem Militärarchiv in Tasmanien auf, geriet 2018 als Lernhilfe zum Deutschlernen in die Hände eines pensionierten Justizbeamten in Hobart, Colin Baldwin, wurde von ihm übersetzt und mit unermüdlichem Engagement durch monatelange Recherchen - letztlich über unsere Internetseite - der Großvaterfamilie von Fritz zugeordnet. Eindrucksvoll 2018 die Aussage von Fritz Debus: „Das ist der Brief meines Opas!“

Seitdem gibt es vom Enkel des Gustav Debus, Hans Jaekel, Fachleiter und Lehrer für Philosophie in Bielefeld, Recherchen zu den damaligen militärischen Geschehnissen an der Westfront. Wo waren die Australier im Einsatz? Wo ist das Grab von Walter? Seine Frau stammt aus Frankreich, wenn sie in der Nähe sind, setzen sie ihre Recherchen im Kontakt mit Menschen vor Ort fort. Ein Bericht liegt bereits vor und wird demnächst auf der Internetseite erscheinen.

Fritz Debus war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Von 1942 bis 1982 war er als Maschinenbaumeister und Leiter der Gießerei bei der Firma Blum am Watermannsweg in Bochum-Wattenscheid beschäftigt. Über seinen Beruf hinaus war er interessiert an Technik und Geschichte, engagiert in Familienforschung und Zeitgeschichte. Vor Computern hatte er bis ins hohe Alter keine Scheu, mit Videokamera suchte er Industrieanlagen und Herkunftsorte seiner Vorfahren, z.B. im hessischen Hinterland, auf.

Fritz Debus wurde in eine große Familie hineingeboren und engagierte sich für den Zusammenhalt der Großfamilie. Mit Stolz erzählte er von seinem Großvater, dem an Ruhr und Saar tätigen Steiger Carl Friedrich Debus. Ein Schatz für ihn war die goldene Uhr des Großvaters, die dieser für seine Verdienste auf der Zeche Holland 1923 erhalten hatte, nachdem er als Betriebsführer den legendären Schacht VI gleichzeitig vom Tage und von der siebten Sohle abteufen ließ. Sein Vater Wilhelm Walter war bei der Zeche Rhein-Elbe-Alma in Gelsenkirchen. Fritz Debus kannte die Welt der Zechen in Wattenscheid, deren Lebenshöhepunkte und auch deren allmähliches Sterben. Er sammelte Dokumente und bastelte selbst Modelle von Schachtanlagen.

In der Familienforschung setzte Fritz Debus die schon in den 20er Jahren begonnene Familienforschung seines Patenonkels, des promovierten Geographen Fritz Debus, fort. Aus der vertrauten Heimat des Ruhrgebiets wollte man doch Einblick in die Idylle des hessischen Heimatlandes der Vorfahren bekommen. Bis in seine letzten Tage war Fritz Debus mit der Aufarbeitung der Familiengeschichte befasst. Mitwirkende und Interessierte am DEFA-Projekt haben Fritz Debus viel zu verdanken. Wichtige Beiträge sind erst durch seine Mitarbeit möglich geworden.

Fritz, Du hast unser Leben bereichert. Wir danken Dir.

Günter Debus

Aachen, 16.03.2020