Nachruf Anneliese Westmeier

Aus Genealogen im Hinterland
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„Menschen, die wir lieben, bleiben für immer, denn sie lassen Spuren in unseren Herzen.“

So beginnt die Traueranzeige der Familie für Anneliese Westmeier (* 1. Februar 1948; † 27. Februar 2019), Ehefrau des 2014 verstorbenen Jürgen Westmeier und Mutter von vier Kindern.

Mit der Familienanzeige erschien ein Nachruf:

„Der Arbeitskreis ‚Hinterländer Genealogen‘ trauert um seine langjährige Vorsitzende, Frau Anneliese Westmeier † 27.02.2019 (aus Buchenau). In ihrer liebevollen und besonnenen Art war Frau Westmeier der Zusammenhalt der Ahnenforschergruppe aus dem Hinterland. Sie hat in mehr als 20 Jahren die Zusammenkünfte organisiert und gestaltet. Frau Westmeier war auch für unsere Gruppe das Verbindungsglied zu den übrigen Ahnenforschergruppen in Hessen.“

Anneliese Westmeier, geb. Lücke, wurde 1948 in Eschwege geboren. Sie studierte in Marburg Zahnmedizin und lernte dort ihren Mann Jürgen, geb. 1944, kennen. In 1979 übernahmen beide zusammen die Praxis des bereits verstorbenen Vaters von Jürgen in Buchenau/Lahn. Jürgen hörte im April 2014 auf und starb drei Monate später plötzlich an einem Herzinfarkt. Anneliese hatte ihren letzten Patienten im Dezember 2018. Sie starb im Februar 2019 auf einer Rückreise plötzlich ebenfalls an einem Herzinfarkt. Beide, Jürgen und Anneliese, waren an Heimatforschung interessiert und federführend im Heimatverein Buchenau engagiert.

Über den Beginn ihrer Ahnenforschung berichtet Anneliese Westmeier selbst:

„Als ich vor über 25 Jahren (1982) das Hobby Familienforschung entdeckte, nachdem ich im Nachlass meiner verstorbenen Mutter einen arischen Ahnennachweis gefunden hatte, tat sich für mich ein neues Betätigungsfeld auf, denn ich wollte mehr über meine mir unbekannten Vorfahren erfahren als nur ihre Namen. Die Suche war sehr mühsam, denn meine Vorfahren hatten in der damaligen DDR, in Thüringen und dem heutigen Sachsen-Anhalt gelebt. So beschloss ich diesen Teil bis zu meinem Ruhestand zu verschieben und mich erst mit den Vorfahren meines Mannes zu befassen. Ohne Probleme konnte man damals die Kirchenbücher in Buchenau, Eckelshausen und Dautphe einsehen und Ahnenlinien anhand der Geburts-, Heirats- und Sterbedaten bis zum Beginn der Kirchenbücher 1629 einsehen und nachverfolgen, sofern diese vorhanden waren. Es war spannend herauszufinden, wie sesshaft viele Menschen über Jahrhunderte am gleichen Ort lebten.“

– aus Mitteilung AW, 2007

1997 erschien ihr Familienbuch Buchenau/Lahn mit Filiale Elmshausen. Dies ist auch das Jahr der Initiative zur Bildung des Arbeitskreises Hinterländer Genealogen.

Über die Entstehung des „Arbeitskreises Hinterländer Genealogen“ (1997) berichtete sie im Jahr 2007 im Rückblick nach 10 Jahren Bestehen:

„Genealogische Forschung zu betreiben war noch vor 10 Jahren, als es noch kein Internet gab und die kommunikationstechnischen Möglichkeiten viel geringer waren als heute, oft sehr mühsam. Da empfahl es sich zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch, aber auch für weitere Hilfestellungen wie z. B. beim Lesen schwer entzifferbarer Schriften sich einem genealogischen Verein anzuschließen. In Hessen gibt es drei größere Genealogische Vereine, die Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, die Familienkundliche Gesellschaft für Nassau und Frankfurt und die Hessische Familiengeschichtliche Vereinigung in Darmstadt. Ich trat dem Darmstädter Verein bei, da hier der Forschungsschwerpunkt auf dem ehemaligen Gebiet des früheren Großherzogtums Hessen Darmstadt liegt. Die Familiengeschichtliche Vereinigung unterstützte mich auch wesentlich 1997 bei der Herausgabe des Familienbuches „Buchenau mit Filiale Elmshausen“. Die Präsentation des Buches wurde im ev. Gemeindehaus Buchenau von einer Ausstellung zur Familienforschung begleitet, welche vom damaligen Vorsitzenden der Vereinigung, Herrn Pfarrer Gerd Gramlich aus Offenbach, betreut wurde. Aufgrund der großen Resonanz zur Ausstellung aber auch der großen Entfernung zur Geschäftsstelle nach Darmstadt schlug er vor, im Hinterland einen eigenen Arbeitskreis für Familienforschung zu errichten. Die nächsten familienkundlichen Arbeitskreise waren in Gießen und in Kassel. Mittlerweile gibt es noch weitere im Vogelsberg, im Solmser Land und in Wittgenstein.“

„Das Gründungstreffen für den Arbeitskreis der Hinterländer Genealogen fand am 26.10.1997 in der Landgrafenschänke in Biedenkopf-Katzenbach statt. 25 Teilnehmer waren versammelt. Es waren nicht nur Herr Gramlich aus Offenbach und der kürzlich verstorbene Heinrich Henkel aus Pohlheim, damals Leiter der Bezirksgruppe Oberhessen, die unsere Gruppe unterstützen wollten, anwesend, sondern Interessenten aus dem ganzen Hinterland, aus Siegen, Aßlar, Weimar, Schönstein, Schönstadt, Sterzhausen und Caldern. Seit jener Zeit trifft sich eine Gruppe von 20—25 Leuten regelmäßig alle drei Monate zum Gedankenaustausch, zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung und zur Information.“

– aus Mitteilung AW, 2007

Jetzt, im Oktober 2019, blickt man auf 22 Jahre Tätigkeit des Arbeitskreises zurück. Die Treffen finden jeweils am 2. Mittwoch im März, Juni, September und Dezember um 18:00 Uhr im Café des Dorfgemeinschaftshauses in Breidenbach-Oberdieten statt. Bei diesen Zusammenkünften werden neben der allgemeinen Diskussion genealogischer und heimatgeschichtlicher Themen meist auch kurze Referate von Mitgliedern des Arbeitskreises oder auch von anderen Referenten gehalten.

Für Anneliese Westmeier war Genealogie nicht nur die Kenntnis von Stammbäumen, sondern es ging um das Leben von Menschen:

„Für viele Genealogen stellen die Daten, die man im Familienstammbuch, auf dem Standesamt oder in den Kirchenbüchern findet, nur ein Skelett dar. Zum ganzen Menschen gehören noch Muskel, Bindegewebe, Blutgefäße, u.s.w. und zur Genealogie gehören zur Vervollständigung geschichtliche Kenntnisse, um die Daten in einen größeren Zusammenhang zu stellen, Heimatkunde, Heraldik, Kenntnisse von alten Maßen, auf dem Land auch von Flächenmaßen und Gewichten.“

– aus Mitteilung AW, 2007

Somit gehört das Skelett in einen Menschen mit Herz und Seele, der in einem sozialen und geschichtlichen Umfeld lebt. Die Erzählung dieses Menschen interessiert uns.

Der Arbeitskreis organisiert sich bewusst nicht als Verein, sondern als satzungsloses geregeltes Treffen interessierter Genealogen. Nach dem plötzlichen Tod von Anneliese Westmeier übernahmen drei Mitwirkende, Norbert Nossek aus Breidenbach, Hans G. Peter aus Ballersbach und Helmut Mankel aus Holzhausen, die Fortführung dieses Treffens. So bleibt die von Anneliese Westmeier geschaffene Hinterländer Gemeinschaft zum Kennenlernen und Austausch genealogischer Forschung erhalten und wird zielstrebig weitergeführt.

Die Genealogen im Hinterland danken Anneliese Westmeier für ihren langjährigen fachkundigen engagierten Einsatz für die Zusammenarbeit in der genealogischen Forschung im Hinterland. Und es geht weiter in ihrem Sinne. Danke, Anneliese!

Günter Debus, im Oktober 2019