Matthäus Debus (1648–1712)

Aus Genealogen im Hinterland
Zur Navigation springenZur Suche springen

Als Müller in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg

Autoren: Helmut Mankel und Günter Debus

Einleitung

Matthäus Debus (1648–1712) ist ein erster Vertreter der Debus-Familie in Friedensdorf, über den einiges berichtet werden kann. Der Name Matthäus Debus ist mit mehreren Mühlen im Raum Friedensdorf verknüpft. Er selbst wurde Müller und Betreiber von Mühlen. Sein Lebensweg wird nach den verschiedenen Stationen – Elternhaus, das Stammhaus der Debus, – Ortmühle – Buntebergsmühle – nochmal Ortmühle – Neumühle – nachgezeichnet.

Herkunftsfamilie des Matthäus Debus

Jakob Debus
* ca. 1610; † zw. 1677 und 1682
 
Gertraud Bröster
* ca. 1608; † 1682
⚭ 1630
aus Herzhausen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johannes Debus
1632–1693
verh. in Friedensdorf
 
Paulus Debus
1635–1699
verh. in Katzenbach
 
Elisabeth Möller
1638–1695
verh. in Katzenbach
 
Jakob Debus d. J.
1639–1693
verh. in Friedensdorf
 
Andreas Debus
1643–1644
 
Matthäus Debus
1648–1712
verh. in Friedensdorf
 
Torothea Debus
* 1650


→ Zum detaillierten Stammbaum von Matthäus Debus

Station Debus-Stammhaus (1648–1670)

Matthäus Debus wurde 1648 geboren, im Jahr der Beendigung des Dreißigjährigen Krieges durch den Friedensvertrag in Münster und Osnabrück. Er wuchs mit seinen älteren Geschwistern im Stammhaus der Debus in Friedensdorf auf. Bevor er 1670 heiratete, hatten seine Geschwister bereits Familien gegründet: Der älteste Bruder Johannes heiratete 1653 und blieb im Haus. Paulus und Elisabeth heirateten 1656 nach Katzenbach, er in Pahles, sie in Enners ein. Jacob heiratete 1660 und baute das neue Diwes-Haus in der Nähe des Debus-Stammhauses. (Siehe zu dieser Biographie den Beitrag Graphik zu Debus-Familien in und um Friedensdorf vor und nach 1700.)

Der Lebenslauf von Matthäus Debus ist Teil der Mühlengeschichte im Raum Friedensdorf. Neben der heutigen Neumühle in Friedensdorf gab es früher eine ganze Reihe weiterer Mühlen im Umkreis. Die Lahn und ihr Zufluss Dautphe versorgten die Mühlen mit Wasser. Noch heute wird in der Neumühle über einen Mühlgraben Wasserkraft für Mahlen und Stromerzeugung genutzt.

Müller wurde man im väterlichen Betrieb oder nach Aufstieg aus der Arbeit als Mühlknecht in anderen Betrieben. Wie Matthäus Debus Müller wurde, wissen wir nicht. Er heiratete eine Müllerstochter und dies alleine konnte der Einstieg in den Müllerberuf sein.

Wie wir von Heinrich Debus in der Friedensdorfer Chronik erfahren:

„Seit dem Mittelalter entwickelte sich ein Vorrecht der Grundherren zur Errichtung von Mühlen und ein Mahlzwang für die im grundherrlichen Bereich lebenden Bauern. […] Den Müllern der herrschaftlichen Mühlen, die meist mit hohen Abgaben an den Grund- bzw. Landesherrn belastet waren, war durch den Mühlenbann ein fester Kundenstamm garantiert. Dazu gehörte die herrschaftliche Neumühle zu Friedensdorf, die seit ihrer Errichtung mit dem Vorrecht der Banngerechtigkeit ausgestattet war. Das bedeutete, dass die Bauern der [neun] Dörfer des Kirchspiels Dautphe (Holzhausen, Dautphe, Friedensdorf, Herz-, Hommerts-, Morns- und Damshausen, Allendorf und Silberg) ihr Getreide auf der Neumühle malen lassen mussten. Die einfachen Dorfmühlen (auch Pletsch- oder Plätschmühlen genannt), die kein Bannrecht hatten, dazu gehörte die Ortmühle und nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges auch die Schmelzmühle, waren in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt, da bei ihnen nur die sogenannten Einläuftigen, die Kleinstbauern und Tagelöhner, malen lassen durften, die weder Gespann noch Wagen hatten.“[1]:S. 260

Auch in den umliegenden Dörfern von Friedensdorf gab es Mühlen, so die für Matthias Debus wichtige Buntebergsmühle in Buchenau und die Mühle in Kombach.

Station Ortmühle, beim Schwiegervater (1670–1671)

Mit 22 Jahren – 1670 – heiratete Matthäus Debus die Tochter des Müllers in der Ortmühle in Friedensdorf. Seine Frau wurde die um drei Jahre ältere Anna Elisabeth Ortmüller. Deren Eltern waren Martin Ortmüller und Sophie, geb. Kleinhenn, die Betreiber der Ortmühle.

Im Gegensatz zur Friedensdorfer Neumühle als Bannmühle war die Ortmühle eine einfache Dorfmühle ohne Rechtsanspruch, auch für die Amtseinwohner mahlen zu dürfen.

Von der Ortmühle lesen wir in der Friedensdorfer Chronik, dass 1626 die Marburger Kammerräte in einem Rechtsstreit mit der Neumühle bestimmte:

„...und sollt der ortmüller sich pillig begnügen lassen, dass ihm der einläufftigen [Kleinbauern, Tagelöhner] frucht zu mahlen vergönnt wird.... da er jählich nur von einem Gange 4 Malter Korn gibt, aber kein Geld noch schweines auch von dem Schlagwerk, das er ohne Erlaubnis gemacht, nicht einen Heller gibt, dagegen der Neumöller jährlich von einem Gang 11 Malter korn geben und 5 schweine mesten muss, wegen diesen kosten, pfacht und zinses ihm dann das ganze Gericht Dautphe mit dem mahlen von Landgraf Philipp und Ludwig selig zugeordnet worden ist.“[1]:S. 261

Sein Schwiegervater Martin Ortmüller (* ca. 1620) hatte die elterliche Mühle im Jahre 1650, im Jahre der Heirat in Wallau, übernommen.

Da die Mühle im Dreißigjährigen Krieg erheblich beschädigt war und Martin Ortmüller wegen des Mühlenbanns nur wenige Mahlgäste hatte, war das Betreiben der Mühle unrentabel und die Familie versuchte vom Ackerbau zu leben. Der Ortmüller pachtete nun öfters die Neumühle, um überhaupt leben zu können. In dieser Zeit hatte er versucht, die Ortmühle an andere Müller abzugeben. Diese Müller gaben nach kurzer Zeit die Mühle wieder ab.

In der Zeit, als Johann Fuchs Bannmüller auf der Neumühle war kam es

„1661 […] abermals zu Streitigkeiten zwischen den beiden Müllern über die Mahlgäste. Dabei kam es auch zu tätlichen Auseinandersetzungen, wobei der Ort- dem Neumüller mit der Mistgaben ins Gesäß gestochen haben und dafür mit drei Goldtalern Strafe belegt worden sein soll.“[1]:S. 261

Auf Antrag von Martin Ortmüller im Jahre 1669 wurden ihm die gesamten Rückstände aus der Mühlenpacht von der Ortmühle erlassen und für die weiteren Jahre ein relativ geringer Mühlenzins auferlegt. Die Bedingung war, dass nun die Mühlengebäude wieder instandgesetzt wurden, was auch dann geschah.

Von Heinrich Debus erfahren wir in der Friedensdorfer Chronik:

„1669 schrieb ein Martin Ortmüller in einer Eingabe, er besitze die Orthmühle eigentümlich. Sie sei von seinen Vorfahren mit Einwilligung Landgraf Phillips 1557 […] gebaut und mit einem Erbzins belegt worden.“[1]:S. 263

Die Ortmühle war zunächst auch der Wohnort von Matthäus Debus und seiner Frau Anna Elisabeth. 1671 bekamen sie hier ihr erstes Kind, Gertraud. Ein Jahr darauf zogen sie schon nach Buchenau in die Buntebergsmühle.

Station Buntebergsmühle in Buchenau (1672–1677)

In den Jahren ca. 1672 bis ca. 1677 betrieb der Müller Matthäus Debus die Buntebergsmühle in Buchenau; vermutlich waren zu dieser Zeit keine männlichen arbeitsfähigen Personen auf der Mühle vorhanden.

Zur Geschichte der Buntebergsmühle bis 1672: Als Müller von der Buntebergsmühle wird Hartmann Kamm, der vor 1640 geheiratet haben muss (Magdalena NN) genannt († vor 1681; Müller auf der Buntebergsmühle).

Der 1641 geborene Sohn von Hartmann Kamm, Jost Kamm, verließ 1669 die Buntebergsmühle, denn er heiratete in die Holzhäuser Mühle ein und übernahm sie. Als Paten bei den Kamm-Nachkommen in Holzhausen befinden sich auch etliche Kamm-Bewohner aus der Buntebergsmühle in Buchenau; z. B.: Pateneintrag in Holzhausen im Jahre 1703: Johann Jacob Kamm aus Buchenau ist Pate für des Müllers Johann Jost Kamm’s Sohn. Das könnte der um 1675 geborene Johann Jacob Kamm (Familienbuch Buchenau) sein, verheiratet mit einer Magdalena (Familienbuch Buchenau).

Auf der Buntebergsmühle erweiterte sich die Familie von Matthäus Debus. Neben dem in Friedensdorf in der Orthmühle geborenen ersten Kind

  • Gerdraut, 1671

kamen weitere Kinder in der Buntebergsmühle in Buchenau hinzu

  • Johann Paulus, ~1674
  • Johann Jacob, ~1677

Nochmal Station Ortmühle, nun als verantwortlicher Betreiber (1677–1682)

Während seiner Zeit auf der Buntebergsmühle in Buchenau hatte Matthäus Debus wahrgenommen, dass seinem Schwiegervater im Jahre 1676 die Erbleihe der Ortmühle neu ausgestellt worden war, die übliche Laufzeit betrug 8 Jahre. Sein Schwiegervater dürfte zu diesem Zeitpunkt um die 55 Jahre alt gewesen sein.

Im Jahr 1677 (Salbuch, S. 235) wird die Familie Matthäus Debus als Mitbewohner auf der Ortmühle geführt. Danach war Matthäus Debus nun mit seiner Familie im Jahre 1677 wieder in die Ortmühle eingezogen und arbeitete dort als Müller. Vermutlich war zu diesem Zeitpunkt der Schwiegervater bereits erkrankt.

1679 übergab Martin Ortmüller kurz vor seinem Tode (er starb am 16.01.1679) die Erbleihe an seinen Schwiegersohn Matthäus Debus.

Als nun aber der älteste Sohn von Martin Ortmüller, Johann Debus Ortmüller, 1681 im Alter von 27 Jahren heiratete – und zwar Elisabeth Bößer aus Chrästs in Katzenbach (!) – , überließ 1682 Matthäus Debus ihm, seinem Schwager, auf dessen Bitten hin die Erbleihe von der Ortmühle, die immer noch auf den bereits verstorbenen Martin Ortmüller ausgestellt war (der Regel nach bis 1684).

So kam es zu einem neuen Wechsel. Wie es auf der Ortmühle unter der Leitung seines Schwagers weiterging, erfahren wir weiter unten. Zunächst ein Bericht zum Bemühen des zweiten Sohnes von Martin Ortmüller, seine Ansprüche geltend zu machen. Dabei wird Matthias Debus [Matthes] explizit erwähnt.

Matthes Debus wird genannt im „Untertänigsten Bericht“ des Fürstlich hessischen Rentmeisters zu Biedenkopf Johann Daniel Stamm, datiert Biedenkopf, den 11. März 1698, als Antwort auf das Bittgesuch von Andreas Ortmüller (1663–1718) nach dem Absterben seines älteren Bruders Johann Debus Ortmüller (1654–1692), Söhne des Martin Ortmüller (~1620–1679):

„Diese Mühl hat er [Martin Ortmüller] bey seinem Leben seinem Tochtermann Matthes Debussen [Matthäus Debus] überlassen, welcher dieselbe nachher des Supplikanten [Amdreas Ortmüller als Bittsteller] Bruder Debusses [Johann Debus Ortmüller, 1654–1692] per Transaktionen übergeben. Nach dessen Tod [1692] haben die Kinder Vormünder auf den eltesten Sohn in anno 1691 eine Erbleye ausgebracht. Sonst ist nichts ohne, dass die Mühle in dem die w. [Witwe] mit Knechten hausgehalten, auch dabei übel sich guberniret, bisher schlecht geführet worden, da dann der Supplikant [Bittsteller Andreas Ortmüller] wohlgetan hätte, dass er sich seines Bruders Kinder angenommen und die Mühl helfen in guten Stand erhalten …“[2]

Station Neumühle (1682–1712)

Vermutlich ab 1682 übernahm Matthäus Debus die Neumühle in Friedensdorf als Müller in Erbleihe und zog mit seiner Familie dort ein (siehe weiter unten den Bericht über den Streit in den Jahren 1682–1688 mit der Regierung in Darmstadt). Es ist hier festzuhalten, dass Matthäus Debus vor 1682 nie die Erbleihe von der Neumühle besessen hatte (siehe zuvor seinen dargestellten Lebensbericht).

Der vorhergehende Besitzer der Neumühle, der Bannmüller Johann Ludwig Pfeil, hatte im Jahre 1681/82 die Erbleihe an der Neumühle von der Behörde entzogen bekommen (siehe seinen Bericht weiter unten) und musste die Mühle verlassen. Nach den Unterlagen in den Amtsrechnungen und in den Kirchenbüchern zog dann die Familie des Johann Ludwig Pfeil im Jahre 1682 von Friedensdorf weg und vermutlich wieder in den Heimatort Biedenkopf.

Konfirmationen der Kinder fanden alle in Friedensdorf statt:

  • Gerdraut, konfirmiert 1682; siehe unten
  • Johann Paulus, des Neumüllers Sohn, konfirmiert 1686, in 1696 nach Eckelshausen verheiratet und dort 1716 gestorben
  • Johann Jacob, des Neumüllers Sohn, geboren in Buchenau (nicht im Familienbuch Buchenau aufgeführt), konfirmiert 1691, Müller in der Neumühle
  • Andreas, * 1686, geboren in der Friedensdorfer Neumühle (im Familienbuch Buchenau beim Sterbeeintrag 1751 dort mit Geburtsdatum aufgeführt), konfirmiert 1700, in 1720 verheiratet in die Buntebergsmühle in Buchenau, dort 1751 gestorben

Matthäus Debus (1648–1712; k 1659) war Bannmüller in der Neumühle in der Zeit von 1682 an, was aus einem Streit mit der Regierung in Darmstadt in den Jahren 1682 bis 1688 hervorgeht.

In der Friedensdorfer Chronik (2003, Seite 22–23) berichtet der Chronist Heinrich Debus u. a. hierüber (ein Dokumenten-Hinweis fehlt):

Von Maßnahmen, den Wasserstand zu regulieren […] hören wir bereits aus der Zeit von 1682 bis 1688 durch einen Streit zwischen dem damaligen herrschaftlichen Bannmüller auf der Neumühle, Matthias [Matthäus] Debus, [Einfügung vom Autor] und der Regierung in Darmstadt.“

Diese Angabe ist ein Beweis dafür, dass Matthäus Debus ab 1682 die Neumühle in Erbleihe besaß.

Der vorherige Bannmüller (vor 1682) war Johann Ludwig Pfeil. Er hatte die Hochwasser-Schäden an den Stauwehren der Mühle aus dem Unwetter im Jahre 1681 nicht repariert und die Mühle wurde ihm deshalb 1681/1682 aufgekündigt; später hat er dazu berichtet:

„Die fürstliche Herrschaft habe ihm den Stuhl vor die Tür gesetzt und die Neumühl uffgekündigt.“

Wegen der Beseitigung dieser Hochwasserschäden hat Matthäus Debus bei der Regierung in Darmstadt geklagt. In der Friedensdorfer Chronik lesen wir:

„Debus wurde jedoch ‚die Reparation und Aufräumung des durch die große Wasserfluth im Jahre 1681 entstandenen Schadens‘ anbefohlen, der bei der Besichtigung dieses Lahnabschnittes durch den Gießener Wasserbaumeister und den Biedenkopfer Rentmeister festgestellt worden war. Die Maßnahmen, die man damals zur Wasserregulierung durchführen wollte, beschränkten sich im wesentlichen auf die Anlage oder die Wiederherstellung von ‚Puschwehren‘ oder ‚Faschinen‘, also auf die Anlage von Wehren mittels mit Steinen beschwerter Reisigbündel. Solche Wehre befanden sich an der oberen Lahn bei Wallau und bei Friedensdorf.
Der ehemalige Bannmüller Johann Ludwig Pfeil weigerte sich hartnäckig, die Stauwehre wieder herzustellen, wozu er nach Auffassung der Darmstädter Regierung verpflichtet gewesen wäre. Er sei unter der Bedingung zur Ausbesserung bereit und zwar ‚ohne Zutun der herrschaftlichen Hilf und Frohnen, nur dass ihm das nötige Gehölze dazu forstfrey gegeben werde‘, wenn ihm bei der nächsten Verleihung die Neumühle wieder zugesprochen werde oder aber, wenn ihm die Genehmigung erteilt werde, oberhalb der Neumühle eine eigene Mühle anlegen zu dürfen. Das aber lehnte die Regierung mit der Begründung ab, dass ‚das gebannte Mahlwerk, wie es Herkommens sey, bei der Neumühl bleyben müsse‘.“

Der Biedenköpfer Amtmann Johann Daniel Stamm berief daraufhin die Bürgermeister der Dörfer des Banngebietes zusammen und forderte von ihnen die Übernahme der Instandsetzungsarbeiten. Aber auch sie verweigerten die Mithilfe, da ihr Betrag schon durch Zahlung von Frongeldern abgelöst sei. „Sie thäten es nicht und gingen davon“, wie das amtliche Protokoll besagt. Dem damaligen Müller Matthäus Debus blieb nichts anderes übrig, als den Schaden selbst auszubessern, wenn er sein Mühlrad nicht stehen lassen wollte.

Von neuen Hochwasserschäden „durch den Ende May erfolgten großen Wasserbruch“ melden die Akten des Gießener Wasserbauamtes vom Jahr 1688. Diesmal griff die landgräfliche Regierung energischer durch und erteilte kurzerhand den Befehl,

„Dass die Unterthanen zu Friedensdorff, auf deren Terminey die Neumühl liegt, sodann die Dorfschaften, welche das Mahlwerk auf solcher Mühl haben, dahin angewiesen werden, dass sie ein Puschwerk auf ihre Kosten anlegen und erhalten.“[1]

Das sei recht und billig, da auch die Wallauer im oberen Lahnabschnitt das Wehr in Stand halten müssten.

Bei der turnusmäßigen Neuvergabe im Jahre 1687 wurde dem bisherigen Bannmüller Matthäus Debus die Erbleihe auf die Neumühle wieder erteilt, mit der Zusatzbedingung, dass er für künftige Hochwasserschäden zur Mithilfe herangezogen wird.[1]:S. 22–23

Die älteste Tochter von Matthäus Debus, Gerdraut, wohnte nach ihrer Hochzeit im Jahre 1688 mit ihrem Ehemann Melchior Werner zuerst auf der Neumühle.

Melchior Werner wurde bei der Geburt der zwei ersten Kinder (* 1690 und * 1692) mit Müller auf der Neumühle bezeichnet. Bei den weiteren Kindern und bei den Sterbeeintragungen wird die Neumühle und Müllerberuf nicht mehr erwähnt. Daraus kann man schließen, dass die Familie nach 1692 die Neumühle verließ und im Ort wohnte (vermutlich im Elternhaus von Melchior Werner). Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit den Ereignissen in der Neumühle im Jahr 1693.

Am 24. Februar 1693 starb die Frau von Matthäus Debus im Alter von nur 42 Jahren. Noch im selben Jahr – am 17. Oktober – heiratete er Gertraud, geb. Heckenschmidt, die Witwe des Jost Altmüllers von der Mühle in Kombach. Für gemeinsame Kinder war seine Frau zu alt, er 45 und sie etwa 49 Jahre.

Nach den amtlichen Angaben in den Haferlisten (Häuserlisten) übergab im Jahre 1705 Matthäus Debus die Neumühle an seinen Schwiegersohn Melchior Werner, obwohl er nicht dort wohnte. Dieser behielt die Neumühle eigentümlich bis zu seinem Tode im Jahre 1725. In dieser Zeit betrieben angestellte Müller die Mühle.

Der auf der Buntebergsmühle in Buchenau geborene und auf der Neumühle als Müller arbeitende Sohn Johann Jacob Debus heiratete am 10. Juli 1704 Gerdraut Schäfer, geboren in Mornshausen/S. und aufgewachsen in Damshausen. Er wohnte mit seiner Familie auf der Neumühle. Er war jedoch kein Besitzer der Mühle. Seine Frau war die Tochter von Ludwig Schäfer und der Catharina Laatz aus Damshausen.

Ihre Kinder wurden auf der Neumühle in Friedensdorf geboren:

  • Anna Christina, * 01.04.1705; ⚭ 25.11.1732 mit Schmitt, Johannes (ein Witwer aus Friedensdorf); weiteres ist z. Z. nicht bekannt
  • Anna Elisabeth, * 02.09.1706; arbeitete auf dem Schloss in Marburg; sie hatte eine uneheliche Tochter von einem Schlossknecht:
    • Debus, Anna Gerdraut, * 25.09.1734
  • Kunigunda, * 09.03.1708; † 03.04.1709
  • Anna Gerdraut, * 21.03.1710; weiteres ist z. Z. nicht bekannt.
  • Kunigunda, * 07.01.1712; † 01.06.1767 in Friedensdorf; ⚭ 12.02.1734 in Friedensdorf mit Möller, Andreas (aus Friedensdorf, † 25.09.1738); ⚭ 05.01.1740 in Friedensdorf mit Bernhardt, Johannes (aus Eckelshausen, † 04.06.1767 in Friedensdorf)
  • Gerdraut, * 22.04.1713; weiteres ist z. Z. nicht bekannt.
  • Anna Margaretha, * 27.01.1715; † 24.01.1740 in Friedensdorf; unverheiratet

Von den 7 Töchtern erreichten 6 das Erwachsenenalter; diese wurden alle in Friedensdorf konfirmiert. Nach dem frühen Tode der Eltern – die Mutter 1716, der Vater 1719 – wuchsen die Kinder alle in Friedensdorf auf (vermutlich in der Neumühle, vielleicht im weiteren Verwandtenkreis).

Am 5. Mai 1712 starb Matthäus Debus im Alter von 64 Jahren. Seine zweite Frau, die vormalige Witwe des Müllers in Kombach, starb drei Jahre darauf am 28. Oktober 1715 in der Neumühle.

Als weiterer Müller auf der Neumühle arbeitete ein zweiter Sohn von Johann Debus Ortmüller: Johann Martin Ortmüller, geb. 1685, um zwei Jahre jünger als sein Bruder Jacob in der Ortmühle.

Er heiratete 31-jährig 1717 eine um zwei Jahre ältere Nichte von Matthäus Debus, seinem angeheirateten Onkel, dem Schwager seines Vaters, nämlich eine Tochter seiner in Enners in Katzenbach eingeheirateten Schwester. Dies zu einem Zeitpunkt, als Matthäus Debus’ Sohn Johann Jacob nach dem Tod seiner Frau 1716 mit 7 halbwaisen minderjährigen Kindern in der Neumühle lebte. Mit seiner Frau Gertraud, geb. Möller, hatte er mehrere eigene Kinder, für die bei der Geburtseintragung die Neumühle vermerkt ist.

Johann Martin Ortmüller übernahm im Jahre 1725 die Neumühle in Erbleihe. Vermutlich hatte Matthäus Debus diese Erbfolge festgelegt. Sein Schwiegersohn Melchior Werner hatte etliche männliche Nachkommen, die jedoch nicht berücksichtigt wurden.

Der Schwiegersohn von Johann Martin Ortmüller, Johann Ludwig Morherr (* 1715, † 1794, ⚭ 1740), übernahm dann um 1750 die Neumühle. So wurde über Debus in Katzenbach die Debus-Nachfolge in der Neumühle – wenn auch nicht mit dem Debus-Namen – gesichert.

Nachtrag zur Ortmühle

Die Ortmühle wurde nach dem Weggang von Matthäus Debus zur Neumühle nun von Johann Debus Ortmüller betrieben. Im Jahr 1684 bat er, weil sein Vater Martin Ortmüller verstorben sei, um die Erneuerung der erblichen Leihe für sich.

Im Jahr 1692 starb Johann Debus Ortmüller und hinterließ seine Ehefrau Elisabeth (aus Chrästs in Katzenbach stammend) mit fünf unmündigen Kindern. Die Ehefrau erhielt im Jahre 1692 für den ältesten Sohn Jacob (erst neun Jahre alt) die Erbleihe für die Ortmühle für die nächsten acht Jahre. Der Mühlenbetrieb wurde durch Mühlenknechte aufrecht erhalten. Es wird berichtet, dass die Mühle dadurch in einen schlechten Zustand geriet.

Die Ortmühle wurde nach der Heirat von Jacob Ortmüller (* 1683, † 1751) im Jahr 1699 (im Alter von 16 Jahren) von ihm eigenständig weiterbetrieben.

Andreas Ortmüller (* 1663; von Beruf Müller; nicht auf der Ortmühle tätig), der jetzt noch lebende älteste Sohn von Martin Ortmüller, legte dagegen Einspruch ein und beanspruchte das Erbe für die Ortmühle. Er bekam im Jahre 1698 sogar von der zuständigen Obrigkeit Recht zugesprochen. Seine noch lebende Mutter hatte ihn jedoch vom Erbe ausgeschlossen. Aus Verärgerung hierüber kaufte dann Andreas Ortmüller in den Jahren 1698/1699 die Gebäude der ehemaligen Kupferschmelze und baute sie zur dritten Mühle in Friedensdorf um, die sogenannte Schmelzmühle.

Am 29. Juli 1734 kam es noch einmal zu einer Heiratsverbindung zwischen Ortmühle in Friedensdorf und Pahles-Hof in Katzenbach: Es heirateten eine Enkelin der Schwester von Matthäus Debus in Katzenbach, Gertraud Möller (* 14.07.1702, Tochter des Johannes Möller) und Johann Debus Ortmüller (* nach 1681, † 23.05.1759), der Sohn von Johann Debus Ortmüller aus Friedensdorf und seiner Frau aus Chrästs-Hof in Katzenbach, Elisabeth Bößer, 1643 in Katzenbach geboren. Es war eine „angeheiratete“ Verwandtschaftsbeziehung.

Von Heinrich Debus in der Friedensdorfer Chronik erfahren wir zur Schmelzmühle:

„Von den drei Friedensdorfer Mühlen nahm die Schmelzmühle früher eine Sonderstellung ein. Sie existierte bereits im Mittelalter als Schmelze, in der Kupfer- und Eisenerze aus dem nahegelegenen Hohenfelsgebiet und auch aus den Gruben der umliegenden Gemarkungen verarbeitet wurden.“[1]:S. 265

Deshalb auch der Name Schmelzmühle. Debus zitiert eine Biedenkopfer Chronik von 1843, wo es heißt:

„Von hier kommen wir [aus Hohenfels kommend] auf die sogenannte Schmelzmühle, unweit davon wurde damals ein Kupferbergwerk betrieben, nach abgang desselben wurde aus ersagter Schmelze eine Mahlmühle gemacht wird deszfals gegenwärtig die Schmelzmühle genannt.“

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Heimat- und Verschönerungsverein Friedensdorf e. V. (Hrsg.): Chronik Friedensdorf. Dautphetal 2002
  2. Hinterländer Geschichtsblätter, 51 (1), 1973