Hotmanns Christian

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Günter Debus und Irene Regge (geb. Debus)[1]

Einordnung in die Linie der Familie

Wallau

(0) Johann Jost Debus (1838–1912)

Niedereisenhausen

(1) Christian Debus (* 1883)

(2) Heinrich Debus (1906–1972)

Von Wallau nach Niedereisenhausen

Der Wallauer Christian Debus heiratete 1906 nach Niedereisenhausen. Seine Frau wurde Lina Hartmann, die Tochter von Jacob Hartmann und Margaretha, geb. Becker. Sie wohnten in Hotmanns (Hartmanns) im Dorf direkt an der Schelde-Lahn-Straße.

Hotmanns

Ortsplan von Niedereisenhausen um 1830 mit dem Hotmann-Grundstück (links oben: schmales gefärbtes Dreieck links von der Straße, Borchs gegenüber[2]:771

Man erreicht Hotmanns, von Wallau kommend, an der Abzweigung nach Gönnern links ins Dorf hineinfahrend an der rechten Seite der Schelde-Lahnstraße, direkt hinter der nach rechts abbiegenden Bergstraße, mit Blick auf die Verzweigung Obereisenhausen und Hommertshausen. Das Hotmanns-Haus ist ein parallel zur Straße langgestreckter Bau, der damals Werkstatt, Wohnraum, Stall und Scheune umfaßte (siehe Bild). Dieser Bau ist von Christian Debus nach seiner Heirat 1906 an das alte kleine Hotmanns-Häuschen nach links angebaut worden.

Die Ortskarte von Niedereisenhausen zeigt die Lage des alten Hotmanns-Hauses rechts auf dem dreieckigen Grundstück. Nach mündlicher Überlieferung hat das alte Hotmannshaus früher woanders gestanden, wurde dort abgerissen und hier wieder aufgebaut. Das Haus war 1859 in den Händen von Elisabeth Reichel (* 07.10.1830), davor 1828 auf den Namen ihres Vaters, Georg Reichel, eingetragen, er war verheiratet mit Eva Rein. Mit der Übernahme des Hauses von Jacob Hartmann und seiner Frau Margaretha, geb. Becker, nach deren Heirat 1876, bekam das Haus den Hausnamen Hotmanns. Das alte Haus hat bis in die 1980er Jahre gestanden (auf dem Bild aus den 50er Jahren zu sehen).

Im Biedenkopfer Adressbuch 1895 ist unter Niedereisenhausen Jacob Hartmann, Tagelöhner, zu finden. Um die Jahrtausendwende wurde der von Christian Debus gebaute Gebäudeteil modernisiert, hat aber seine Struktur beibehalten; in ihm wohnt jetzt ein Urenkel von Christian Debus.

Im Jahr 1899 meldete Margaretha Hartmann beim Standesamt für ihre Tochter Lina die Geburt eines unehelichen Sohnes an. Damit beginnt die Vorgeschichte des Christian Debus aus Wallau.

Hartmann, Jacob ⚭ 1876 Becker, Margaretha (* 07.02.1857)

Jacob Hartmann stammte aus Silberg. Margaretha Becker war die Tochter von Jacob Becker V. und Margaretha Lenz.

Die Kinder von Jacob Hartmann aus Silberg mit Margaretha Becker sind:

  • Lina * 24.09.1876, blieb im Haus, siehe unten
  • Karoline * 04.05.1882, heiratet nach Gönnern: Ernst Teutsch (Schalersch), eine Schwiegertochter ist aus Handeis: Frieda Debus
  • Margarethe * 16.11.1887, verheiratet mit Jacob Rein aus Zofmanns, sie bewohnten das alte Hotmanns-Haus, später die Tochter Irmgard, verheiratete Schönemann, und danach Emmi Debus, eine Tochter von Christian Debus (siehe unten).

Lina Hartmann (* 24.09.1876) bekam 1899 – „als Dienstmagd im Hause wohnend“[3] – einen Sohn.

  • Willi Hartmann, * 17.01.1899. Unterschrieben ist der Eintrag, wie damals nicht unüblich, von „Frau Jacob Hartmann“

Die Familie des Christian Debus

Sieben Jahre später, 1906, heiratete der Wallauer Christian Debus Lina Hartmann, die Tochter des Hauses. Der unehelich geborene Sohn Willi wurde in die Familie aufgenommen. Im Januar 1907 finden wir den standesamtlichen Eintrag, dass nach behördlicher Genehmigung (Ortsgericht Biedenkopf) Willis Nachname Hartmann in Debus umgewandelt wird.

Christian Debus und Frau Lina mit den Kindern Heinrich, Anna und Emmi

(1) Debus, Christian (* 1883) ⚭ 13.05.1906 Hartmann, Lina (* 24.09.1876)

Zur Familie gehört

  • Willi Debus (1899–1967), vormals Hartmann, er heiratete 1930 und baut direkt neben Hotmanns an der Ecke zur Bergstraße ein eigenes Haus: "Hotmanns Willi", siehe unten

Kinder aus der Ehe sind:

  • Heinrich Debus (1906–1972), er übernahm das Hotmanns-Haus
  • Anna Debus (1908–1979)
  • Emmi Debus (1909–1978)
Hotmanns-Haus: Kettenschmiede Christian Debus

Christian Debus als Heitzer

Über die berufliche Tätigkeit von Hotmanns Christian vor der Heirat wissen wir (noch) nichts. 1906, im Jahr der Heirat finden wir im Kirchenbuch die Eintragung „Tagelöhner“.[4] 1908 gibt der Eintrag im Kirchenbuch[5] den Beruf "Heitzer" wieder. Wo Heizer? Auf großen Meeresdampfern? Das behauptet die Nachbarin Borchs Toni, gestützt auf ihre Erinnerung an damalige Erzählungen bei abendlichen Tischrunden im Haus oder auf der Bank vorm Haus. Auf Bildern sieht man ihn auch mit einer Schiffsmütze, eindeutig als Seefahrer ausgewiesen. Vielleicht werden verschiedene Erinnerungen vermengt. War er Heizer auf einer Lokomotive bei der Bahn? Und die Seefahrt hat mit seinem späteren Kriegseinsatz bei der Marine zu tun? Nicht bekannt ist bislang, wo er seinen damals zwei Jahre dauernden Wehrdienst (1901-1903) abgeleistet hat, möglicherweise schon bei der Marine. Das würde sein späterer Einsatz bei der Marine erklären.

Eines ist jedoch belegt:

Kettenschmiede und Haushaltswaren

Das Bild vom Haus um 1910 weist Christian Debus als Kettenschmied aus. Hier in Eisenhausen hat er sich sesshaft gemacht, übt sein Handwerk aus und betreibt einen kleinen Eisen- und Haushaltswarenladen. Seinen adoptierten Sohn Willi bezieht er offenbar in der Werkstatt ein, denn dieser gibt später als Beruf ebenfalls „Kettenschmied“ an. Kettenschmiede waren wichtig für die Bauern, die für ihr Kuhgespann Ketten brauchten.

Dreschen bei Kohlebeckersch in Niedereisenhausen mit Hotmanns Christian und seinen Kindern Anna und Emmi und Heinrich (im Hintergrund) vor einer fahrbaren Maschine links im Bild, um 1919

Christian Debus Maschinenbesitzer

1913 finden wir im Kirchenbuch[6] unter Beruf: Maschinenbesitzer. Das kann konkretisiert werden.

Im Unterschied zu vielen Debus-Männern in Wallau, die über Generationen als Dachdecker weit und breit bekannt waren, arbeiteten die Brüder der Jost-Debus-Familie in anderen handwerklichen Berufen. Bruder Karl hatte einen Schmiedebetrieb (siehe Beitrag zu Wallau) und Bruder Jacob ein Sägewerkbetrieb. Borchs Toni (* 1928), Nachbarin von Hotmanns, meint sich an Erzählungen zu erinnern, dass Christian und sein Bruder Jakob mit fahrenden Strohdreschern von Dorf zu Dorf gezogen seien und beide damit dem „altertümlichen“ Dreschen mit Flegeln den Garaus gemacht hätten. Ein Bild zeigt Christian beim Dreschen auf dem Hof von Kohlebeckersch in Niedereisenhausen.

Anfang 1900 hielt auf dem Land, solange es noch keinen Strom gab (in Nierdereisenhausen erst ab 3. Januar 1921) die Dampfmaschine Einzug als Antriebsmaschine für Dreschen und Herstellen von Brettern, so in Niedereisenhausen offenbar durch die aus Wallau stammenden Brüder Christian und Jakob Debus. Die Maschine, vor der Christian Debus auf dem Bild steht, ist offenbar eine solche dampfbetriebene Antriebsmaschine. Die Übertragung der Energie von der Antriebsmaschine zur Dreschmaschine erfolgte über das große Schwungrad mittels eines breiten ledernen Antriebsriemens. Auf dem Bild sieht man diesen Riemen zwischen Antriebsmaschine und Dreschmaschine in der Scheune.

Dass die „moderne“ Technik auch mit Gefahren verbunden ist, wird erschreckend klar, als der Bruder 1914 zu Tode kommt.

Tödlicher Unfall

Das Jahr 1914 wurde zu einem harten Schicksalsjahr: Bruder Jakob (*1877), Vater von sechs Kindern, verunglückte tödlich. Wie wir im Hinterländer Anzeiger[7] im April 1914 erfahren, war Jacob von seiner Arbeitsstätte in Niedereisenhausen mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Wallau. Bei Breidenstein trifft er den Breidensteiner Sägewerkbesitzer mit einer fahrbaren Säge. Als Jacob sich der Säge nähert, explodiert der gefüllte Benzinbehälter und er wird vom brennenden Benzin übergossen. Das Krankenautomobil bringt ihn in die Marburger Klinik. Dort erliegt er seinen Verletzungen.

Der Erste Weltkrieg

Im August 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. Auch Christian wird schon am 2. 8. einberufen und kommt im Juli 1915 ins Feld. Auch sein Sohn Willi wird noch im November 1917 einberufen und kommt im Januar ins Feld.[2] Beide kommen heil zurück. In diesem Kriegseinsatz, darin sind sich seine Enkelinnen heute sicher, war er als Sanitäter auf Kriegsschiffen eingesetzt. Noch heute ist im Dorf bekannt, daß er im Bedarfsfall immer schnell sein Rotes-Kreuz-Köfferchen zur Hand hatte. 1925 gehörte Christian Debus zusammen mit seinen Söhnen Willi und Heinrich zu den Gründungsmitgliedern der Freiwililligen Feuerwehr in Niedereisenhausen.[2]:882

Christian Debus als Müller in Dexbach

Dexbach mit den Mühlen Eiferts-Mühle, Teis-Mühle und Lage einer dritten Mühle, mit ▶ markiert

1923 finden wir im Kirchenbuch[8] als Beruf den Eintrag „Müller“. Das klingt zunächst unglaubhaft. Aber in den Hinterländer Geschichtsblättern finden wir dafür den Beleg. Dort lesen wir, dass Christian Debus von 1919 bis 1924 Müller der Jeuden- oder Eiferts-Mühle in Dexbach am Lauterbach oberhalb des Ortes war:

„Im Jahre 1919 erwarb Christian Debus aus Niedereisenhausen die Mühle. Die alten Wasserräder für den Mahl- und den Schlaggang wurden durch eine Pelton-Turbine ersetzt, um die Wasserkraft besser ausnutzen zu können. Des Weiteren erhielt die Mühle einen Walzenstuhl. Den Schlaggang zur Rübölgewinnung benötigte man sowieso nicht mehr wegen neuer Öl- und Fettprodukte auf dem Markt. Die kleinen Ölmühlen gingen aber auch ein, weil sie sich auf die Dauer nicht gegen die größeren Ölmühlen behaupten konnten. Trotz der Investitionen verkaufte Christian Debus 1924 die Mühle an einen Mühlenbesitzer namens Penning aus Germete bei Warburg (Diemel).“

– Karl-Heinz Achenbach: Die Dexbacher Mühlen. Ende des 16. Jahrhunderts speiste der Lauterbach drei Wasserräder. S. 163[9]

1932 wurde die Mühle abgebrochen, sie bestand bereits seit Beginn des 16. Jahrhunderts.

Willi Debus

Von den beiden Halbbrüdern heiratet als erster Willi. Seine Frau ist aus Silberg und deren Bruder heiratet Willis Stiefschwester Emmi. Sie schreiben sich Velte.

(2a) Debus, Willi (1899–1967) ⚭ 28.04.1930 Dautphe[10] Velte, Elisabeth (1903–1944)

Ihre Kinder sind:

  • Hannelore, verh. Zufall
  • Manfred

Nach dem Tod seiner Frau heiratete Willi Debus 1948 ein zweites Mal: die verwitwete Maria Jacobi, geb. Weimar, aus Ockershausen (Marburg). Sie starb 1990.

Willi Debus wurde zwar als Kettenschmied (1935[11] und 1938[2]:194 als Beruf genannt) ausgewiesen, arbeitete aber überwiegend in der Molkerei von Mornshausen/D., die im Jahre 1939 ihre Arbeit begann.

Blick auf den gesamten Gebäudekomplex, 50er Jahre

Heinrich Debus

Heinrich Debus im von Christian Debus erbauten Hotmanns-Haus führte Schmiede und Geschäft weiter.

(2b) Debus, Heinrich (1906–1972) ⚭ 27.04.1935 Kieper, Lina Auguste (* 18.11.1911; † 24.12.1956)

Ihre Kinder sind:

  • Irene, verh. Regge, im Neubau oberhalb von Hotmanns in der Bergstraße
  • Christel, verh. in Hagen
  • Ute, verh. in Heljes (Becker) in Niedereisenhausen

Das Bild zeigt Hotmanns-Haus in den Fünfziger Jahren. Heute - in neuem Glanz - erkennt man es sofort wieder, besonders reizvoll das gegliederte Tor.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Die Autoren bedanken sich bei Robert Klau, Niedereisenhausen, für wertvolle Hinweise.
  2. a b c d Orts-Chronik 900 Jahre Dorfgeschichte Niedereisenhausen, Obereisenhausen, Steinperf 1103–2003, siehe Literaturliste
  3. Laut standesamtlichem Eintrag
  4. Geburtseintrag des Heinrich Debus
  5. Geburtseintrag der Tochter Anna
  6. Konfirmationseintrag für Willi Debus
  7. Hinterländer Anzeiger, Ausgabe vom 30. April 1914 in der Rubrik Aus Biedenkopf und dem Kreise
  8. Konfirmationseintrag für Tochter Emmi
  9. Karl-Heinz Achenbach: Die Dexbacher Mühlen. Ende des 16. Jahrhunderts speiste der Lauterbach drei Wasserräder. Aus: Hinterländer Geschichtsblätter. Band 91, Heft 1, 2012, S. 162–166
  10. Nach Angabe des Standesamts Obereisenhausen, im Kirchenbuch Dautphe nicht zu finden
  11. Beim standesamtlichen Heiratseintrag für Heinrich Debus wird Willi Debus, Kettenschmied, als Trauzeuge aufgeführt.