Hennerfealds unne in Schlierbach

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: erzählt von Reimar Debus und recherchiert von Helmut Mankel

Standort und Baugeschichte des Hauses

Das Haus wurde 1735 erbaut, nach nur 44 Jahren abgebrochen und 1779 neu erbaut (siehe unten).

  • 1775–1870: Ortsstraße Nr. 12
  • Flurkarte von 1830: Flurstück I/26
  • um 1935: Ortsstraße Nr. 6
  • heute: Schlierbacher Straße 91

Hennerfealds unne vor Debus

Adam Donges (1711–1767)

Donges, Adam (* 28.09.1711; † 16.09.1767) ⚭ 20.02.1732 Adam, Elisabetha (* 15.01.1717; † 06.12.1783) aus Hartenrod

Anmerkung: Sein Vater war Jacob Donges in Feldes, ihr Vater Daniel Adam.

Konfirmierte Kinder waren:

  • Gertraud * 23.08.1735, übernahm das Großelternhaus Feldes, ⚭ 16.08.1761
  • Adam * 21.10.1737 ⚭ 01.05.1766 nach Wommelshausen
  • Catharina * 18.12.1739, ⚭ 11.08.1765 nach Bottenhorn
  • Anna Margaretha * 12.03.1743, ⚭ 03.01.1773 nach Günterod
  • Anna * 21.01.1753 ?
  • Elisabetha * 05.02.1756, ⚭ 15.03.1778 nach Bottenhorn

Es blieb kein Kind zuhause. Nach Angaben in den Häuserlisten war die Familie sehr arm. Im Jahr 1750 wird berichtet, dass das Haus leer stand und keine Steuern erhoben wurden. Das Haus muss sehr klein und einfach gebaut worden sein, da es bereits im Alter von ca. 44 Jahren durch den Nachfolger (Johannes Donges) abgebrochen wurde und im Jahr 1779 ein neues Gehöft errichtet wurde (siehe Brandkataster 1777).

Das Haus wurde von Johannes Donges (ebenfalls aus Feldes, der Bruder von Adam Donges) im Jahr 1770 übernommen.

Johannes Donges (1727–1880)

Donges, Johannes (* 15.10.1727; † 17.05.1800) aus Feldes ⚭ 13.02.1757 Wißmann, Elisabetha (* 18.04.1724; † 30.08.1785) aus Dernbach

Anmerkung: Seine Eltern waren Jacob Donges und (⚭ 11.10.1707) Else Kuntz (aus Hartenrod) in Feldes, ihre Eltern waren Johann Georg Wißmann und (⚭ 20.09.1727) Catharina Feller aus Dernbach

Das Ehepaar nahm ihren Großneffen Johannes Wißmann aus Weidenhausen zu sich als Hoferben. Dessen Vater war Johannes (Hans) Wißmann aus Weidenhausen, Cousin der Elisabeth Wißmann (1724–1785).

Konfirmierte Kinder: keine

Johannes Wißmann (* ca. 1754; † 1828)

Wißmann, Johannes (* ca. 1754 in Weidenhausen; † 01.10.1828 in Schlierbach) ⚭ 11.12.1773 Bongard, Anna (* 21.02.1755; † 07.01.1825) aus dem Bongarten-Haus in Schlierbach, später Plocks.

Anmerkung: Sein Vater war Johannes (Hans) Wißmann in Weidenhausen, ihre Eltern Johann Daniel Bongart ⚭ 23.10.1727 Catharina Müller

Konfirmierte Kinder waren:

  • Elisabetha * 14.10.1778, übernahm das Haus
  • Johann Daniel * 17.03.1784; † 27.08.1853, ⚭ 01.12.1816 Anna Schreiner (* 12.03.1751; † 19.04.1845) aus Hartenrod, sie haben nach Liste 1825 in der Ortsstraße Nr. 20 ein neues Wohnhaus gebaut

Hennerfealds unne mit Debus

Johann Jacob Debus (1767–1844)

Wißmann, Elisabeth (* 14.10.1778; † 22.04.1853) ⚭ 14.04.1800 Debus, Johann Jacob (* 19.05.1767; † 01.09.1844) aus Goarde

Anmerkung: Seine Eltern waren Adam Debus und (⚭ 14.04.1800) Elisabeth Donges (Feldes) aus Goarde. Er wurde „Wißmanns Eidam“ (Schwiegersohn) genannt.

Konfirmierte Kinder waren:

  • Johannes * 29.11.1803, übernahm das Haus
  • Margaretha * 25.02.1809, † 09.11.1856, ⚭ 1828 Adam Müller aus Schnairesch, bauten Schatzjes
  • Johann Jacob * 22.02.1812, weiteres nicht bekannt
  • Johann Daniel * 1815,[1] spätere Hausübernahme

Johannes Debus II (1803–1849)

Debus, Johannes (* 29.11.1803; † 25.11.1849) ⚭ 21.12.1827 Scheld, Margaretha (* 18.01.1801; † 21.06.1834) aus Oarems hinten in Schlierbach

Ihre Eltern waren Bernhard Scheld ⚭ 22.01.1791 Elisabeth Schmitt aus Holzhausen.

Konfirmierte Kinder waren:

  • Adam * 16.11.1825 ⚭ 1858 Anna Elisabeth Reubold aus Steinbach/Michelstadt, wohnte zeitweise in Schlierbach
  • Johann Georg * 07.12.1829, gründete Hennerfealds owe 1855
  • Johannes * 26.01.1833, wanderte nach Amerika aus

Die Kinder wurden nicht als Erben eingesetzt. Nach dem Tod von Johannes Debus (1849) – seine Frau war bereits 15 Jahre zuvor gestorben – übernahm sein Bruder Johannes Daniel das Haus:

Hauseigentümer Bruder Johannes Daniel Debus (1815–1885)

Debus, Johann Daniel (1815–1885) ⚭ 14.03.1841 Aßmann, Elisabeth (* 1816; † 18.02.1888) aus Günterod

Ihre Eltern waren Adam Aßmann und Elisabetha, geb. Albert.

Konfirmierte Kinder waren:

  • Margaretha * 23.06.1842
  • Johann Jacob * 13.05.1846, übernahm das Haus
  • Johann Georg * 06.09.1850
  • Ludwig * 14.05.1853
  • Johann Daniel * 12.08.1856
  • Adam * 16.11.1859, Schäfer von Beruf, wohnte im Elternhaus

Ein Schafhirte aus Hennerfealds

Es war Adam Debus (* 16.11.1859; † 02.02.1937), der diesen Beruf ergriff. Er war ledig und gehbehindert. Nach Adams Tod hatten die Angehörigen auf seinem Grabstein einen Vers aus dem Johannes-Evangelium anbringen lassen: „Meine Schafe hören meine Stimme“, eine Aussage Jesu in Joh 10,27 Lut.

In Schlierbach gab es nachweislich bereits im 15. Jahrhundert eine Schäferei. Aufzeichnungen belegen, dass im 19. Jahrhundert die Anzahl der Schafe zwischen 230 und 330 schwankte. Die Gemeinde hatte neben dem Kuhhirten auch einen Schafhirten angestellt. In 1837 gab es eine neue Schäfereiordnung, die festlegte, dass jährlich reihum ein Saltzmeister bestimmt wird, der die Aufsicht über Pferch, Hütte und Saltzung führte und die Schafbesitzer anzuweisen hatte, auftretende Schäden am Pferch bei Androhung von 10 denar Strafe zu beseitigen, die Saltzmenge mit dem Hirten abzustimmen und zu kontrollieren, 6 denar für die Pferchnacht zu kassieren, die Kasse zu führen und vor Übergabe an den nächsten Saltzmeister Rechnung abzulegen.

Im 20. Jahrhundert hatte sich die Regelung durchgesetzt, dass der Besitzer des Ackers, auf dem der Schafspferch (die Pferchnacht) stand, den Schafhirten mit einem warmen Mittagessen zu versorgen hatte. Das brachten ihm in der Regel die Kinder in seine Schäferhütte draußen auf dem Feld, wo er sich dann mit seinen Schafen in der Nähe aufhielt.

An frühere Zeiten erinnern heute nur noch der „Schofstripp“, ein schmaler Pfad vom Talbach den Steilhang hinauf zum Hülsberg und der ehemalige „Schofsponz“ in der „Uhnhou“, wo die Schafe vor der Schur gewaschen wurden. Und alte Hutebäume, wie die ehemalige „Dicke Buche“ und die „Löns-Buche“, weisen darauf hin, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein die Hochfläche des Würgeloh eine große unbewaldete Weidefläche war.

Unterschrift des Johann Jakob Debus

Johann Jakob Debus V. (1848–1926)

Debus, Johann Jacob (* 13.05.1846; † 03.02.1926) ⚭ 31.03.1878 Debus, Margaretha (* 22.01.1854; † 30.08.1891) aus Hartenrod

Ihre Eltern waren Johann Georg Debus und Margaretha Aßmann in Hartenrod.

1888: Johann Jakob Debus (1846–1926) und Margarethe geb. Debus (1854–1891) aus Diwwes in Hartenrod mit den Kindern (von links:) Auguste, Elise und Theodor

Konfirmierte Kinder waren:

  • Theodor * 08.04 1879, er übernahm das Haus
  • Katharina Elisabeth (Elise) * 29.02.1884; † 31.05.1953, ledig und blieb im Elternhaus
  • Auguste * 16.03.1889, ⚭ 18.05.1913 nach Wommelshausen-Hütte (Ludwig Müller)

Versammlungen bei Hennerfealds

Hennerfealds hatten früher eine besondere Verbindung zur ortsansässigen Freien evangelischen Gemeinde. Zur Zeit von Johann Jakob Debus (1846–1926) war es eine Stubenversammlung, die sich in seinem Haus traf. Im Jahre 1910 wurde dann das Vereinshaus gebaut. So nannte man früher die Gemeindehäuser, die aber nur aus einem Saal bestanden. Gebaut wurde – so der Chronist – „weil der Kreis der Gläubigen durch des Herrn Gnade immer größer wurde. Der bisherige Versammlungsraum in einem Privathaus erwies sich als zu klein“. Johann Jakob Debus stellte auf seinem großen Grundstück den Bauplatz zur Verfügung. Deshalb ging der Zugang zum Vereinshaus über Hennerfealds-Hof bis in 1974 das neue Gemeindezentrum in Hartenrod entstand und die Gemeinde Schlierbach mit der Gemeinde Hartenrod zusammenging. Das Schlierbacher Vereinshaus wurde fortan nur noch für die Sonntagschularbeit genutzt, die aber in 2008 mangels fehlender Kinder eingestellt werden musste.

1926 – noch vor dem alten Haus, das 1927 abbrannte. Zu sehen sind fünf der sieben Kinder von Theodor Debus und Lina geb. Wetz: Martha (1912–1994), Walter (1924–2010), Herbert (geb. 1922), Willi (1913–2005) und Karl (1917–2003); es fehlt Otto (1914–2000), Hans ist noch nicht geboren (geb. 1927). Die Mutter starb 1927.

Theodor Debus I. (1879-1966)

Debus Theodor (* 08.04.1879; † 1966) ⚭ 1910 Wetz, Lina (* 11.06.1891; † 15.03.1927) aus Offenbach/Dillkreis

Ihre Kinder sind:

  • Martha (1912–1994)
  • Willi (1913–2005), wohnte in Goslar
  • Otto (1914–2000), Firmengründer: Bau und Montage von Gewächshäusern
  • Karl (1917–2003), Reifenhändler, Kreistagsabgeordneter
  • Herbert (* 1922), wohnt im elterlichen Haus
  • Walter (1924–2010), wohnte in Eisemroth/Dillkreis
  • Hans (* 1927), lebt in Wommelshausen-Hütte

1928 Hennerfealds-Hof brennt ab

Ein dramatisches Unglück traf die Familie Theodor Debus (1879–1966) im Jahr 1928, ein Jahr nach dem frühen Tod der Mutter Lina geb. Wetz (1891–1927). Wohnhaus und Scheune brannten bis auf die Grundmauern ab. Es war niemand zu Hause. Der Ortsdiener hatte den Brand entdeckt. Er war gerade mit der Schelle im Dorf unterwegs, um die gemeindlichen Bekanntmachungen auszurufen. Er stand beim Backhaus, als er die Flammen sah. So konnte er gleich Sturm läuten und die Feuerwehr alarmieren. Kurz zuvor hatte er noch vor Hennerfealds-Haus gestanden und nichts bemerkt. Ursache war vermutlich die aus dem Herd entnommene Glut. Deren Wärme sollte das Gehen des Brotteigs beschleunigen. Aus dem lichterloh brennenden Haus konnte nichts gerettet werden. Die große Familie wurde von den Nachbarn mit dem Nötigsten versorgt. Das Backhaus und das 1910 erbaute freikirchliche Vereinshaus konnten vorübergehend zum Wohnen genutzt werden. Es ist ein Wunder, dass es der Feuerwehr gelang, Lisbeths-Haus vor den Flammen zu schützen. Beide Häuser standen dicht beieinander. Die an Lisbeths angrenzende Grundmauer ist noch vorhanden. Bei der Renovierung des Lisbeths-Haus im Jahr 1980 musste Malermeister Donges aus Holzhausen die angekohlten Balken ausbessern. Hennerfealds bauten auf der anderen Seite des Hofes ein neues Haus und die quer stehende Scheune.

Nach dem Tod der Mutter Lina, geb. Wetz, die Kinder unter der Obhut von Tante „Lies’chen“

1927 Lies’chen umsorgt die Familie

Nach dem Tod der Mutter Lina, geb. Wetz, übernahm die ledig gebliebene Schwester von Theodor, Elisabetha (1884–1953), genannt „Lies’chen“, die Mutterrolle in der Familie.

Ein Müller aus Hennerfealds

Hans war sechs Wochen alt, als seine Mutter am 15. März 1927 starb. Die Schwester seines Vaters, Auguste geb. Debus, war in Wommelshausen-Hütte mit Ludwig Müller verheiratet und nahm den kleinen Hans zu sich und das kinderlose Ehepaar adoptierte ihn. Die Versorgung der Schlierbacher Familie hatte inzwischen Lieschen Debus übernommen, eine ledige Tante, die in Bad Lippspringe hauswirtschaftlich tätig gewesen war (1953 gestorben). Regelmäßig am Sonntagnachmittag ergriff Theodor Debus den Krückstock und ging mit seinen Söhnen Herbert und Walter nach Wommelshausen-Hütte, um seinen leiblichen Sohn und dessen neue Eltern zu besuchen. Hans war sich aber nicht bewusst, wer die regelmäßigen Besucher waren. Erst in der Schule erfuhr er das. Das Ehepaar Müller hatte wohl gemeint, es habe noch Zeit, Hans zu informieren. Als Hans den wahren Sachverhalt erfuhr, machte er sich nach der Schule – ohne nach Hause zu gehen – sofort auf den Weg nach Schlierbach, um bei seinem leiblichen Vater und seinen Brüdern zu sein. Leider waren sie zu diesem Zeitpunkt auf dem Feld. Rat- und hilflos stand er auf Hennerfealds-Hof herum und wartete, bis sie kamen.

Herbert Debus (* 1922)

Debus, Herbert (* 1922) ⚭ 1958 Martin, Hilde (* 1931) aus Eisemroth

Anmerkungen

  1. Kirchenbucheintragungen für Hartenrod, zu dem Schlierbach gehörte, wurde bis 1807 geführt, danach lückenhaft oder später ergänzt, deshalb fehlen Daten; siehe Die Kirchenbücher des alten Kreises Biedenkopf#Gladenbach