Hennerfealds owe in Schlierbach

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Reimar Debus und Helmut Mankel

Standort und Baugeschichte des Hauses

Hennerfealds owe (heute: Schlierbacher Str. 111) ist als Zweig des Stammhauses Hennerfealds unne auf der dort liegenden Flur „Auf dem Hinterfeld“ entstanden. Gründer dieses Zweiges war der im Stammhaus geborene Johann Georg Debus II (1829–1908). Das um 1855 erbaute Haus entstand neben Deutsches (um 1851 erbaut) auf dem Gelände des um 1850 abgebrochenen Hofes Oarms hinterst.

Adressen:

  • 1771–1861: Ortsstraße Nr. 32, erbaut um 1855
  • um 1935: Ortsstraße Nr. 33
  • heute (2016): Schlierbacher Straße 111

Einordnung der Familie

Hennerfealds unne Johannes Debus II ⚭ 21.12.1827 Margaretha Scheld in Hennerfealds unne

  • Johann Georg Debus II (* 07.12.1829) baute zusammen mit Katharina Koch aus Wommelshausen das Haus Hennerfealds owe.

Debus in Hennerfealds owe

Johann Georg Debus II (1829–1908)

Hennerfealds 1952

Debus, Johann Georg (* 07.12.1829, † 04.11.1908) ⚭ 01.01.1855 Koch, Katharina (* 04.07.1828, † 02.03.1866)

Ihre Eltern waren: Johannes Koch ⚭ 04.09.1808 Katharina Häußer aus Wommelshausen, Freresch

Konfirmierte Kinder waren

  • Elisabetha * 13.12.1853, heiratete nach Gladenbach, Schuhhaus Zacharias
  • Johann Georg * 01.04.1857, † 23.12.1882 (25 Jahre alt, ledig, Flurschütze)
  • Johann Jacob * 22.11.1859, † 18.06.1933 (73 Jahre alt, ledig, Dienstknecht bei Schmied Gustav Müller)
  • Margaretha * 12.10.1862, heiratete nach Burkhardsfelden bei Gießen
  • Carl * 22.02.1866, übernahm das Haus

Als das jüngste Kind Carl zehn Tage alt war, starb die Mutter am 2. März 1866.

Zweite Heirat:

Debus, Johann Georg (* 07.12.1829, † 04.11.1908) ⚭ 28.12.1873 Einloft, Katharina (* 09.01.1828, † 18.02.1902)

Ihre Eltern waren: Johann Georg Einloft und Elisabeth, geb. Garth aus Herzhausen, sie lebte seit 1866 in Schlierbach

Ihr Kind:

  • Katharina * 17.07.1867 (vorehelich, Geburtsort nach Heiratseinträgen: Schlierbach), heiratete am 8. Februar 1891 Adolf Ludwig Pfeifer in Hartenrod. Sie ist als Peifersch Oma mit ihrem großen Familienanhang für viele Hartenröder und Schlierbacher bis heute ein Begriff.
Peifersch Katharina geb. Debus und Adolf Ludwig Pfeifer mit ihren acht Kindern
Stehend von links: Anna, Lina, Frieda, Karl, Gustav, Emma, Adolf und Otto
Pfeifersch Katharina mit Mann Adolf

Karl Debus I (1866–1949)

Maurer, Bergmann und Landwirt

Karl Debus beim Militär: „mit Gott für König und Vaterland“

Debus, Karl I. (* 22.02.1866, † 14.03.1949) ⚭ 06.06.1892 Rink, Margaretha (* 06.08.1865, † 04.12.1947)

Anmerkung: In der Todesanzeige erschien: Karl Debus III., Schuhmacher; Maurer, Bergmann und Landwirt.
Ihre Eltern sind Johann Jakob Rink V. ⚭ 20.07.1851 Anna Margaretha, geb. Bück, in Koutse in Schlierbach.

Miliärzeit bei den Ulanen

Im Jahr seiner Geburt – 1866 – wurde das „Hessische Hinterland“ preußisch. Karl Debus ließ mit Stolz das Bild aus seiner Militärzeit bei den preußischen UlanenWikipedia-logo.png bewundern. Hier war er – vermutlich von 1886–1889 – in einer EskadronWikipedia-logo.png, der kleinsten taktischen Einheit der Kavallerie (ca. 150 Pferde und 5 Offiziere), im Dienst des Preußenkönigs „mit Gott für König und Vaterland". Er gehörte dem Thüringisches Ulanen-Regiment Nr. 6Wikipedia-logo.png an, das in der Liste der Infanterieregimenter der neupreußischen ArmeeWikipedia-logo.png aufgeführt ist. Stationierungsort war Hanau.

Als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, war Karl Debus bereits 48 Jahre alt und wurde deshalb nicht mehr zum Kriegsdienst eingezogen.

Bild um 1905: Karl und Margarethe mit Kindern v. li. Karl, Otto, Gustav, Julie und Emilie, Emma war noch nicht geboren oder in der Wiege
Bild um 1910, Hennerfealds owe 1910: Eltern Karl Debus und Margarethe, geb. Rink, mit den Kindern auf dem Hof des Hauses: Gustav (1903–1991), Otto (1901–1923), Emma (1905–1957), Julie (1896–1989); es fehlen Karl (1894–1979) und Emilie (1892–1953)
Karl Debus und Margaretha, 1940, sie wurde 75 Jahre alt

Ihre Kinder nach Konfirmationseintragung:

  • Emilie * 06.12.1892, k. 1906, heiratete Gustav Müller aus Schnaresch, beide übernahmen das Anwesen Koutse.
  • Karl * 24.09.1894, k. 1908, wurde Schuhmachermeister, heiratete Karoline Debus aus Feldes und übernahm das Haus.
  • Julie * 20.09.1896, k. 1910, wirkte ein Leben lang als Diakonisse (zu sehen auf dem Hochzeitsbild zu Ahlhoobs in Schlierbach).
  • Gustav * 31.01.1903, k. 1917, ⚭ 1928 Toni Debus aus Goarde in Schlierbach und gründete mit ihr Ahlhoobs.

weitere Kinder:

  • Emma (1905–1957), verheiratete sich nach Hartenrod (Trenk)
  • Otto (1901–1923), verunglückte tödlich im Bergwerk (s. unten)

Der Bergmann Karl Debus

Karl Debus war Bergmann, so auch seine beiden Söhne Otto und Gustav. Er war sogar Steiger, wie wir aus dem Zeitungsbericht zum Unglückstod seines Sohnes Otto erfahren (s. u.). Zu ihrer Arbeitsstätte, der Spatgrube „Bismarck“ in Hartenrod (Abbau von Spat – Baryt) gingen sie zu Fuß. In der dunklen Jahreszeit abends nach der Spätschicht leuchtete ihnen die Karbidlampe vor der Brust den Weg nach Hause. Es soll vorgekommen sein, dass ängstliche Gemüter im Dorf ein Gespenst vermuteten, wenn sie das schwankende Licht kommen sahen. Im hohen Alter – ganz gekrümmt – konnte er sich nur noch mit zwei Stöcken bewegen. Die „Hou“ (Hute), das hinter dem Haus am Steilhang des Steinbergs liegende Grundstück, erreichte er nur noch, wenn er rückwärts ging. Dort standen seine Obstbäume: Hier pflanzte, beschnitt, pfropfte und erntete er. Seine Enkelin Hilde erinnert sich noch heute an seine Erzählungen abends während der Dämmerstunde – wenn die Familie nach getanem Tagwerk in der Küche beieinander war – oder wenn er in der Stube saß und aus Birkenreisern Besen band.

Unglückstod 1923

Am 19. Juni 1923 wurden Hennerfealds owe von einem schweren Schicksalsschlag getroffen. Der 22-jährige Otto Debus kam bei einem Arbeitsunfall in der Spatgrube "Bismarck", Hartenrod, ums Leben. Der Hinterländer Anzeiger veröffentlichte am 22. Juni 1923 den folgenden Bericht:

Zeitungsartikel
Otto Debus
Einblick in die Spatgrube
Karte mit Marierung der Grube (G) und der Mühle (M)
Skizze des Bergbaus in der Grube Bismarck

Bei einem Unglück stellt sich die Frage, warum es passieren konnte und ob es vermeidbar gewesen wäre. Wie kam es, dass die beiden Bergleute bei Arbeitsbeginn auf Sprengstoffgase stießen? Ehemalige Bergleute berichten, dass normalerweise am Ende der letzten Schicht gesprengt würde, sodass sich die Gase am anderen Morgen verzogen hätten. Warum damals vor Beginn der Spätschicht um 14 Uhr gesprengt wurde, bleibt unklar. Die Frischluftversorgung unter Tage war ohnehin schon problematisch genug. So konnte es passieren, dass die Karbidlampe, die Lichtquelle der Bergleute, bei Arbeitsbeginn normal brannte und im Laufe der Schicht wegen Sauerstoffmangels nur noch als kleines Flämmchen glimmte.

Um diese Mangelerscheinung zu verbessern, baute man im Stollen sog. Überbrüche. Das sind senkrecht nach oben bis über Tage führende Schächte. In den Jahren nach dem Unglück wurden im Zuge des weiteren Ausbaus des Bergwerks einige solcher Überbrüche von der 90m-Sohle bis über Tage getrieben.

Eine weitere Frage ist, an welcher Stelle im weit verzweigten Stollensystem der Hartenröder Spatgrube „Bismarck“ das Unglück geschah. Nach der Abbildung müsste das Unglück entweder auf der 30m-Sohle (beim Förderturm ca. 75 m tief) oder auf der 90m-Sohle (Stollentiefe beim Förderturms ca. 135 m) geschehen sein. In diesen beiden Stollen wurde um das Jahr 1923 Spat abgebaut (in der Skizze gelb markiert). Es ist anzunehmen, dass Otto Debus und sein Kamerad auf der 30m-Sohle arbeiten wollten. Die Spatlagerstätte befand sich aber oberhalb vom Stollen. Um dort abbauen zu können, wurde ein etwa 10 m hoher Schacht mit der sog. „Fahrt“ und der sog. „Rolle“ angelegt. Über die „Rolle“, ein mit Holz verbauter Schacht, „rollte“ der abgebaute Spat in die im Stollen bereitstehenden Loren. In der „Fahrt“ stand die 10 m hohe Leiter, über die die Bergleute nach oben kletterten, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Dort müssten sie auf die Gase gestoßen und wegen Ohnmacht in die Tiefe gestürzt sein.

Karl Debus III (1894–1979)

Debus, Karl (* 24.09.1894) ⚭ 26.09.1920 Debus, Karoline (* 07.06.1892, † 1982) aus (Feldes in Schlierbach)

Karl Debus III mit Frau Karoline, geb. Debus, aus Feldes am Tag ihrer Goldenen Hochzeit 1976

Sie hatten drei Kinder:

  • Ernst (1922–1992), der langjährige Bürgermeister; er heiratete 1953 Edith Rink (geb. 1930)
  • Hilde (* 1926)
  • Erika (1929–2006); sie heiratete 1954 Ernst Heck (* 1929)

Der Schuster Karl Debus

Reimar Debus erinnert sich: Die Erinnerung an Karl Debus III, Hennerfealds Schuster, mein Onkel väterlicherseits, ist eng mit der Schusterwerkstatt verbunden. Sie befand sich in einem separaten Gebäude, dem Wohnhaus gegenüber, unten die Waschküche und oben die Werkstatt. Eine überdachte Außentreppe führte hinauf. Gerne bin ich als 10-Jähriger zu ihm hinaufgestiegen, habe bei ihm gesessen, ihm bei der Arbeit zugesehen und ihm zugehört. Besonders mochte ich den Geruch des frischen Leders, der Gummilösung und die Geräusche der großen Nähmaschine und der laufenden Schleif- und Poliermaschine. Die Regale waren gefüllt mit Leisten, von klein bis groß, ein beeindruckender Anblick. Er hatte immer Zeit, strahlte eine heiter entspannte und wohltuende Atmosphäre aus. Damals trugen wir Jungs hohe genagelte Schuhe (die „Genäälde“). Die hatte er selbst hergestellt, besohlte sie neu, ersetzte verlorengegangene Nägel und Eisen an Absatz und Sohlenspitze. Im Winter machte er die Riemchen für die „Schnäischou“ (= Schneeschuhe = Skier) und im Sommer reparierte er den Fußball. Ich kann mich nicht erinnern, dass er dafür auch nur einen Pfennig verlangt hätte.

Ernst Debus (1922–1992)

Kinder:

  • Hans Hennig *1954
  • Renate *1959, heiratete (Starck) und wohnt in Wallau


Ernst Debus wurde am 12. Mai 1922 in Schlierbach geboren, besuchte die Volksschule in Schlierbach und erlernte bei seinem Vater das Schuhmacherhandwerk. Während des Krieges diente er von 1941 bis 1945 bei der Marine. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft am 13. Juli 1945 wählte ihn die Schäfereigenossenschaft Schlierbach zu ihrem Vorsitzenden.

Jüngster Bürgermeister im Kreis

Im März 1951 wurde er von der Gemeindevertretung zum Bürgermeister gewählt. Das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters in seiner Heimatgemeinde trat er am 1. April 1951 an. Damals war er mit 28 Jahren der jüngste Bürgermeister im Landkreis Biedenkopf.

Die ehrenamtliche Tätigkeit als Bürgermeister bot neben der kleinen Landwirtschaft nicht die wirtschaftliche Grundlage zur Ernährung einer Familie. Somit arbeitete er etliche Jahre an den Vormittagen bei dem ortsansässigen Betrieb Otto Debus aus Hennerfealds unne, der Gewächshäuser produzierte.

Ernst Debus
Ernst Debus als Landwirt
Ernst Debus (Mitte) und MdB Gerhard Jahn (links)

Posthalter war er von 1967 bis zur Schließung der Poststelle 1972, danach Verwaltungsangestellter bei der neu geschaffenen, Schlierbach integrierenden Gemeinde Hartenrod, ab 1974 Amtsleiter im Rathaus der Großgemeinde Bad Endbach. Wegen plötzlicher Erkrankung musste er zum 1. Juli 1982 frühzeitig in den Ruhestand gehen. Nebenher war er Ortsgerichtsvorsteher, Jagdvorsteher, Vorsitzender des Forstbetriebsverbandes und Vorsitzender der Tiefgefriergemeinschaft.

Ernst Debus wurde vielfach geehrt: 1971 Ehrenplakette des Landkreises, 1973 Ehrenbrief des Landes Hessen, 1974 Bundesverdienstkreuz am Bande, 1984 Ehrenbürgermeister.

Hans Henning Debus (* 1954)