Handeis und die Chaussee

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Günter Debus

Herkunft und Generationen-Nachfolge im Haus

Hommertshausen: Pitzers
(0) Hans Henrich Debus (1770–1834)

Gönnern: Handeis (Jo han Theiß)
(1) Debus, Johann Theiß (1802–1876) ⚭ 1833 Theiß, Anna Margaratha (1808–1882) aus Hanshannes in Gönnern
(2) Debus, Heinrich (1833–1896) ⚭ 1867 Krötz, Katharina (1835–1906) aus Hanshannes
(3) Debus, Jakob (1869–1916) ⚭ 1897 Haffer, Elisabeth (1871–1938) aus Christans gegenüber
(4) Debus, Walter (1907–1963) ⚭ 1933 Schmidt, Anna (1911–1940) aus Schäds; ⚭ Kretz, Frieda (1912–1987) aus Majes

Handeis

Heinrich Debus (1833–1896) war Straßenwärter an der 1875–1879 neu erbauten Schelde-Lahn-Straße, damals und noch heute „die Schossee“ genannt. Seine Enkelin, Handeis Gote wusste:

„Main Großvodda had beim Militär gedehnt un sich fer noi Joarn verpflicht. Desweeje had dea Ohspruch of e Staatsstell. Uscht sollt dea wu anerscht hi, ewer dann hu se ihm ohgebirre, Stroßeofseher ze wean. Do het dea sich göut gestahne, hed Geald kreit un sich noh un noh Grondstecker gekäaft.“

In drei Häusern an der Chaussee haben sich – vermutlich mit seiner Unterstützung – Familienangehörige sesshaft gemacht.

Handeis-Haus mit Spritzenhaus dahinter. Vor dem Haus von links: Elisabeth Debus (Gote), Frieda Debus, Herrmann Haffer (Christians), Walter Debus

Heinrich Debus selbst wohnte in dem um 1840 von seinem aus Hommertshausen stammenden Vater, der seinen eigenen Namen noch nicht schreiben konnte, am Eingang der alten Dorfstraße gebauten Handeis-Haus und nahm wie sein Vater seine Frau aus Hanshannes, Nachbarn im damals übernächsten Haus in Richtung Dorfmitte. 46 Jahre alt war er, als die Straße fertig erstellt war. Zur Zeit des Johann Theiß Debus war die alte Dorfstraße noch die Durchgangsstraße von Breidenbach nach Lixfeld. Wenn man von Niedereisenhausen kam, dann waren Handeis das erste Haus rechts der Straße, gleich hinter dem Aufgang zum alten Friedhof (heute bis zur Straße ausgeweitet).

Heute erscheint es uns – allerdings unprüfbar – so, als habe der Straßenwärter Heinrich Debus viele seiner Familienangehörigen an die neue Straße platziert. Nur er, sein Sohn Jakob und nachfolgend der Enkel Walter, mein Onkel (GD), blieben im Handeis-Haus. Hier ging das Leben mit anderen Nachkommen weiter. Heinrichs ältester Sohn Christian (1866–1928) blieb ledig im Haus, damals im Dorf als „Handeis Pädda“ bekannt. Sohn Jakob (1869–1916) wurde Hauseigentümer, er holte seine Frau aus dem gegenüberliegenden Nachbarhaus Christians. Als 1898 am Nachmittag des 3. September die Häuser in der Dorfstraße vom Backhaus bis zur Kirche brannten, rief ihm der Besitzer des gerade noch verschont gebliebenen kleinen Schäefekons-Häuschens zu: „Jokob, win-ma euer Häuscher do nof drah?“ Während die Geschädigten sich neue große Häuser bauten, blieben die anderen in ihren kleinen Häuschen sitzen. So auch Heinrichs Sohn Jakob, der als Maurer sogar Häuser an der neuen Chaussee baute, wie z. B. das Orhelljersch-Haus (1914).

Die neue Chaussee und ihre Häuser

Der Bau der Schelde-Lahn-Straße war damals für die Region ein Großprojekt. Der Streckenabschnitt zwischen Lixfeld und Niedereisenhausen wurde in der Zeit zwischen 1975 und 1979 gebaut. 1980 wurde eine Fahrpost von Breidenbach über Gönnern nach Dillenburg eingerichtet. Sie hielt zunächst noch beim Bürgermeister (Christians) an der alten Straße, später am Gasthof Thomas an der Chaussee!

Anfangs war die Empörung in Gönnern groß. Denn die Umgehung

„rief in Gönnern eine sehr große Unzufriedenheit hervor, weil der Ort unberührt blieb und die Straße nebenher ging und dazu das beste Gelände wegnahm. Der Unwille der Einwohner war sehr groß!“

– so die Worte des damaligen Bürgermeisters. Doch als die Straße fertig war, hatte sich der Proteststurm gelegt. Wer etwas auf sich hielt, baute nun an der neuen Chaussee.

Die meisten neuen Häuser an der das alte Dorf umgehenden Schelde-Lahn-Straße wurden um 1890 gebaut.

Schreinersch

Familie Schreinersch: (hinten) Kinder Ernst, Adolf, Heinrich, Karl und Vater Johannes Paul, (vorne) Kinder Luise, Lina, Margarethe und Mutter Elisabeth Paul, geb. Debus, zweite Frau des Johannes
Schreinersch-Haus am Ausgang des Dorfes nach Frechenhausen mit alten Chaussee-Steinen

Heinrichs Schwester Elisabeth (1850–1919) heiratete den 1894 verwitweten Schreiner Hanjerjes Johannes Paul, der bereits 1873, also schon vor Beginn des Straßenbaus – offenbar in weiser Voraussicht – sein Haus an der zukünftigen Chaussee oberhalb des Dorfes gebaut hatte, das Schreinersch-Haus. Neben den fünf Kindern aus erster Ehe wuchsen dann noch vier eigene Kinder auf. In der nächsten Generation kamen die Handeis wieder ins Spiel. Den ältesten Sohn aus erster Ehe heiratete 1900 seine Tochter Emilie (das war aber schon vier Jahre nach dem Tod des Heinrich Debus).

Jerjes-Haus

Jerjes

Für Heinrich Debus stand sein um 22 Jahre jüngerer Bruder Georg Debus als Wegewärter vermutlich in seiner Nachfolge, siehe Biographie.

Wen wundert es, wenn sich der Wegewärter Georg Debus ein Haus an die neue Chaussee baute und damit Jerjes begründete?

Hier entwickelte sich auch der Installateurbetrieb von Sohn Gustav und Enkel Günter Debus (Jerjes Günter zur Unterscheidung vom Autor Handeis Günter).

Reins

Nicht weit von Jerjes wohnte schon eine Verwandte. Das übernächste Haus in Richtung Eisenhausen, Reins, war 1892 von der nicht-ehelichen Tochter seiner Schwester Katharina (* 1836), zusammen mit ihrem Mann aus Kochs, Jakob Rein VII gebaut worden.

Kretz

In all den genannten Häusern wohnen heute noch Debus-Nachkommen, wenn auch z. T. mit anderen Nachnamen. Anfang des neuen Jahrhunderts – vermutlich vor 1910 – wurde ein weiteres Haus an der Chaussee gebaut, in die eine Debus-Nachfahrin einzog: die Tochter Elisabeth (1884–1981) des Georg Debus (Jerjes). Ihr Mann war Adolf Schneider (1883–1918) aus Kretz. Es wurde das modernste Haus an der neuen Chaussee: ganz aus Stein gebaut!