Graffiti-Lebenszeichen im Krieg 1914–1918 – Recherchen von heute, 100 Jahre danach

Aus Genealogen im Hinterland
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Diese Seite ist ohne Mitwirkung vieler beteiligter Personen nicht denkbar,[1] sie wird beim Eingang weiterer Recherche-Ergebnisse immer wieder ergänzt werden. Stand: 12. 02. 2021
Autoren sind Günter Debus, Siegfried Palm und Eric Marchal.

Berichtet wird über Graffiti in einer Tunnelanlage in der Champagne (Frankreich), die im Jahr 1915 des Ersten Weltkrieges von Deutschen gebaut und nach dem leitenden Bergmann, Karl Debus, „Debus-Tunnel“ benannt wurde. Teile des Debus-Tunnels wurden gegen Kriegsende zerstört, Teile sind heute nur für Militär zugänglich. 2017 wurden dort Graffiti entdeckt und fotografiert. Vergleichbar gibt es Graffiti in anderen – von Alliierten gebauten – Tunnelanlagen jener Zeit, so in Arras[2] und in Naours.[3] Die Graffiti im Tunnel in der Champagne stammen von deutschen Soldaten, die in den Tunneln von Arras und Naours von alliierten Soldaten. Gilles Prilaux (2018) berichtet über Graffiti im Krieg.[4]

Wenn doch Debus Tunnel.jpg

Geschützt, gefangen und gefährdet im Kreidefelsen

Der Debus-Tunnel liegt im Bereich der Westfront 1915/16,[5] und zwar in der Champagne östlich von Reims in der Nähe von Tahure, Ripont und dem Bergmassiv Massiges. Fährt man über die A4 nach Reims, dann liegt das Gebiet nördlich vor Reims.

Nach dem Ende der Winterschlacht in der ChampagneWikipedia-logo.png 1915, am 20. März, wurde auf deutscher Seite der Start zum Bau von Tunnelanlagen gegeben. Unmittelbar vor Beginn der Herbstschlacht in der ChampagneWikipedia-logo.png 1915, am 25. September, ist der Debus-Tunnel so weit fertiggestellt, dass er von Truppen bezogen werden kann.

Zum Bau und zu den Vorgängen im Tunnel während des Ersten Weltkrieges siehe das Manuskript von Karl Debus und den Roman von Peter SchmitzWikipedia-logo.png, Golgatha. Ein Kriegsroman (1937, 2014).[6] Peter Schmitz gehörte zum Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 29, dem auch Hubert Jungbluth aus Hergenrath (Belgien), der Stellvertreter von Karl Debus, angehörte.

Die Aussage „wenn nur jemand käme und mich mitnähme“ am Kreidefelsen im Debus-Tunnel, entstanden in der Zeit zwischen 1915 und 1918, ist unser Einstieg in die Darstellung und Einschätzung der Graffitis als Lebenszeichen im Krieg. Sie machen uns das Erleben von Menschen als Soldaten im Einsatz an der Front gegenwärtig. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit weg von unserer sachlichen historischen Betrachtung der damaligen Kriegsereignisse hin zu den Menschen, ihrer Lebenswirklichkeit am Tatort des kriegerischen Geschehens.

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Ein Blick in einen Tunnelgang - (Foto von 2017) - macht die räumliche Enge und die Kühle der felsigen Kreidewände erlebbar. Damals, im Tunnel unter der Erde sicher, wenn nicht entdeckt oder verraten, über dem Tunnel die Frontlinien zwischen Deutschen und Franzosen. Ja, zum Teil lag der Tunnel jenseits der Frontlinie unterhalb des feindlichen Gebietes. Der Tunnel war über 800m lang. Er lag, granatengeschützt, wenigstens 13m unter der Erdoberfläche, bei der Untertunnelung der Anhöhe, sogar 21m unter dem Boden. Von Seitengängen aus ging es zu zentralen Räumen, wie Maschinenraum, Wasserhochbehälter, Unterständen, Schlafräumen, Sanitärräumen, Küchen. War der Tunnel voll belegt, schliefen die Soldaten in Hängematten auch in den Gängen.

Wieviele Soldaten sich im Tunnel zu einem bestimmen Zeitpunkt aufhalten konnten, kann nur geschätzt werden. Eine Angabe des Tunnelbauers Karl Debus gibt ungefähren Aufschluss:

„Vielen hunderttausenden von Soldaten bot diese unterirdische Anlage Schutz und Unterkommen und der Tunnel bildete den Eckpfeiler bei allen Angriffen, die sich hier auf der Höhe 196 abgespielt haben. […] Viele Truppenmassen hatten hier Stellung genommen und so überlebte der Debus-Tunnel auch die nachfolgenden Kriegsjahre 1916–1917 und 1918 – dann aber war auch das Ende für den Debus-Tunnel gekommen. […] Es kam der Waffenstillstand [Compiègne, 11. November 1918] und […] wurde auch der uns allen so lieb gewordene ‚Debus-Tunnel‘ von den 28. Pionieren, auf deutschen Befehl, gesprengt.“

– Debus 1941, S. 49
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Bevor die Graffiti-Zeichner im Tunnel besprochen werden, seien die Menschen vorgestellt, von denen Graffiti im Tunnel zu erwarten sind.

Es sind insbesondere die Soldaten derTruppenteile, die im Tunnel untergebracht waren. Dazu gehören nachweislich Soldaten des Westfälischen Pionier-Bataillons Nr. 7 und des Badischen Pionier-Bataillons Nr. 14 sowie Soldaten der Reserve-Infanterie-Regimenter (R.I.R.) 28, 29, 65, 68, 234, 236, 238, 239.

Weiterhin gehören dazu die für den Bau und Betrieb des Tunnels Verantwortlichen: der Unteroffizier/Vizefeldwebel Karl Debus (1887-1946) vom 1. Westfälischen Pionier-Bataillon Nr. 7, sein Stellvertreter Hubert Jungbluth (1886-1952) vom Reserve Infanterie Regiment Nr. 29[7], Bauleiter Hauptmann Alexander Karcher (1884-1956) von der 1. Landwehr-Kompanie des 7. Pionier-Bataillons, Unteroffizier Erich Asbach von der 1. Landwehr, Pionier Kompanie des 7. Pionier-Bataillons des 7. Armee Korps, Unteroffizier Heinrich Piepenbreier (1886-1970) aus Essen von der 1. Landwehr-Kompanie des 7. Pionier-Bataillons, Domprobst Franz Heinrich Paul Sander (1862-1946).


Die 2007 im Tunnel aufgenommenen Graffiti sind Lebenszeichen, hier geordnet nach Namen, Texten und Figuren. Innerhalb dieser Gruppen gibt es keine geordnete Reihenfolge. Innenaufnahmen vom Tunnel veranschaulichen den Kreidefelsen, in die die Graffiti eingezeichnet wurden. Die innere Ausstattung von damals[8] existiert nicht mehr. Wir wollen die Graffiti aus ihrer Anonymität herausholen, Menschen zuordnen und menschlich verstehen. Eine erste Recherche war im Juni 2020 erfolgreich, sie galt: Karl Höge aus Eppingen.

Namen

Karl Debus

Karl Debus selbst schrieb seine Signatur auf den Kreidestein. Das K des Vornamens Karl gerade noch erkennbar, deutlich lesbar der Nachname Debus.

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Als Bergmann war Karl Debus (1887–1946) beauftragt worden, den Tunnel zu bauen, einen solchen, wie er selbst ausdrückte, „gigantischen“ Bau, anzulegen.[9] Er selbst war stolz über seine Leistung, schrieb deshalb auch das Manuskript über den Bau des nach ihm benannten Debus-Tunnels. Als das Manuskript nach Fertigstellung 1941 nicht zum Druck kam[10] und er wegen der beginnenden Bombardierungen im Ruhrgebiet nach Thüringen zog, brachte er das Manuskript mit Fotos und Dokumenten in einem Koffer zu seinem Stellvertreter 1914/15 Hubert Jungbluth[11] im belgischen Hergenrath. Dort wurde der Koffer aufbewahrt und - Karl Debus starb 1946 in Thüringen - nach dem Krieg nicht mehr abgeholt. Erst 2013 gelang es, über Internetrecherchen den Koffer an Verwandte von Karl Debus[12] zu übergeben.

Fotos und Angaben zum Lebenslauf von Karl Debus gibt es im Beitrag zum Debus-Tunnel.

Die oberhalb der Signatur von Karl Debus zu sehenden Zeichen sind nicht zuzuordnen.

Karl Höge Eppingen

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Felsplatte mit dem Namen „Karl Höge Epingen“

Klar erkennbar die Schrift „Karl Höge Epingen“, links daneben und darunter figurale Strukturen im Kalkfelsen. Dies irgendwo am Kalkstein eingeschrieben, von uns nicht näher im Tunnel lokalisierbar. Über dem Namen steht in Sütterlinschrift "Zweistiefel", offenbar dem Namen zugeordnet. Wie dies zu deuten ist, wird zur Aufgabe. Auch ist nicht klar, ob die zwei Kerben rechts und das Figurale darüber hinaus etwas mit dem Namen zu tun haben. Ein Unterschied besteht: Der Name wurde geschrieben, das Figurale eingeritzt. Wer war Karl Höge?

Auf der Verlustliste des Ersten Weltkrieges finden wir einen Karl Höge aus Eppingen: Verlustliste 1. Weltkrieg - Name: Karl Höge - Ort: Eppingen Heidelberg - Liste :Preußem 1277 - GOV Id: object 320489 - Ausgabe: 1918-10-25 - Seite: 27188 - Höge, Karl – 15.11. Eppingen schwer verwundet.

Dank des Stadtarchivs Eppingen[13] wurde ein Karl Höge ausfindig gemacht, auf den die Angaben im Tunnel zutreffen.

Karl Höge (1896-1957) aus Eppingen als Soldat

Ein Karl Höge wurde am 15. November 1896 in Eppingen als Sohn von Karl Höge (1876-1954) geboren. Da in der Verlustliste das Geburtsdatum für Tag und Monat – 15. 11. - angegeben ist, war die Zuordnung eindeutig. Es handelt sich um den jüngeren Karl Höge (1896-1957). Er war der älteste Sohn unter den 12 Kindern. Er wurde wie sein Vater Maurer. Bei Kriegsbeginn, August 1914, war er 17 Jahre alt, erst im November wurde er 18. Zu Kriegsende 1918 – im Alter von 22 Jahren wird er als schwer verletzt registriert. Verheiratet war er mit Johanna geb. Geiger aus Sulzfeld und hatte zwei Töchter (geb. 1919 und 1921).[14]

Karl Höge (1896-1957) engagierte sich nach den Berichten in der Freiwilligen Feuerwehr, war aber nicht vergleichbar politisch aktiv wie sein Vater. Dieser war für die SPD bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges und später wiederholt im Stadtrat und gehörte in den 50er Jahren der KPD an.

Karl Höge (1896–1957) verstarb nur wenige Jahre nach seinem Vater am 15. September 1957 an den Folgen eines Unfalls.[15]

Wo Karl Höge (1896–1957) im Ersten Weltkrieg war, lässt sich aus den vorhandenen Quellen im Stadtarchiv nicht eruieren. Ein Dankesbrief für sogen. „Liebesgaben“ der Stadt an die Soldaten ist mit „Landsturmmann Höge“ unterzeichnet. In diesem Brief lässt er Grüße an den Vater ausrichten. Der Brief ist jedoch nicht von der Westfront, sondern unter dem Datum 18. Nov. 1917 aus Warschau geschrieben worden. Es gibt im Stadtarchiv keine Angabe zum Regiment. Hierzu gilt es zu klären, wann Karl Höge von der West- zur Ostfront kam.

Nach der Heimat möcht ich wieder steht über dem Namen.

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An einem Kreidefelsen – nah bei dem Namen "Karl Höge" – liest sich ein Name als Karl Häge. Auf der Verlustliste zum Ersten Weltkrieg gibt es einen Eintrag: Häge, Karl – Sulzfeld/Eppingen – Preußen 756 – GOV Id: SULELDJN49KC – Ausgabe: 1917-2-10 – Seite 17520 – H.K. – 26.4.94 Sulzfeld/Eppingen gefallen 21.1.15. Dieser Karl Häge kann nicht als möglicher Insasse im Debus-Tunnel in Frage kommen, weil der Bau des Tunnels erst im März 1915 gestartet wurde. So scheint es wahrscheinlich, dass es sich hier auch um Karl Höge (1896–1957) handelt.

Links vom Namen steht – offenbar mit dem gleichen Stift geschrieben – T Jule. Name eines Soldaten oder einer Frau?

Einige Dokumente geben Einblick in seine Familie und seinen Einsatz in der Freiwilligen Feuerwehr von Eppingen.

Besonderer Dank heute – 16. Juli 2020 – an Herrn Kobol und die Enkelin und Verwandten von Karl Höge in Eppingen, die in kurzer Zeit engagiert nachgeforscht, ein Foto von Karl Höge gefunden haben und dieses zur Verfügung stellen.


Pionier Ernst Kalina, geb. 1882

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An den Debus

In deinen langen Hallen

hat mir es nicht gefallen[16]

Kalina 1/16

in freier Anlehnung an Goethe in Faust:

Mephistopheles.

   "Da seyd ihr eben recht am Ort."

Schueler.

   "Aufrichtig, moechte schon wieder fort:
   In diesen Mauern, diesen Hallen,
   Will es mir keineswegs gefallen."

Mit dem Adressaten Debus ist wohl gemeint: der Tunnelbauer Karl Debus (1887–1946).

Beim Unterzeichner „Kalina“ handelt es sich nach der Verlustliste des Ersten Weltkrieges[17] um den Pionier Ernst Kalina, dort zweimal registriert: 1915 im I. Pionier Bataillon 16, 2. Feldkompagnie, bei den Gefechten am 20. bis 30. Januar 1915 als leicht verwundet und am 27.07.1917 als leicht verwundet. Er stammte aus Soldahnen im Kreis Angerburg in Ostpreußen, heute Sołdany [sɔu̯ˈdanɨ], ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Als Geburtsdatum wird der 13. Juli 1882 angegeben.

Ernst Kalina (* 1882) muss noch vor der Winterschlacht (16.02. bis 20.03.1915) in Kämpfen (20. bis 30.01.1915) beteiligt gewesen sein und danach wahrscheinlich den Bau des Debus-Tunnels miterlebt haben. Sein Graffiti-Lebenszeichen kann frühestens vor der Herbstschlacht im September 1915 (Beginn 25.09.1915) angebracht worden sein.

Ergänzung: 1/16 unter der 28. Reserve-Division

17.07.1916 – 04.10.1917: Stellungskämpfe in der Champagne


Pionier Kasper aus Köln-Ehrenfeld

Pionier Kasper aus Köln-Ehrenfeld
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Kasper gehörte der Reserve Pionier Kompagnie (RPK) 52 an.


Gustav von dem Stamm aus Remscheid / Rhld

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Peter Brunner

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Gefreiter 9. Reserve
Peter Brunner
1/14

Einsätze der Badischen Pioniere 1/14:

21.06.1915 – 21.09.1915: Stellungskämpfe in der Champagne
22.09.1915 – 03.11.1915: Herbstschlacht in der Champagne 1915
04.11.1915 – 31.12.1915: Stellungskämpfe in der Champagne 
01.01.1916 – 04.10.1916: Stellungskämpfe in der Champagne 

Peter Brunner stammte aus Ziegelhausen bei Heidelberg (Verlustliste Ausgabe 07.07.1915, Seite 5454), er wurde am 04.06.1889 geboren und starb am 04.03.1955 im Alter von 65 Jahren (Stadtarchiv Heidelberg). 1915 in der Zeit im Debus-Tunnel war er 26 Jahre alt.

Fragt man in Heidelberg, zu dem Ziegelhausen heute gehört, nach Peter Brunner aus Ziegelhausen, dann kommt die prompte Antwort, hier kenne man „Ursel Brunner“ aus Ziegelhausen, berühmte Freistilschwimmerin, weltbekannt durch ihre Erfolge bei Deutschen Meisterschaften und der Olympiade 1960 in Rom. Bei der Kontaktaufnahme mit ihr schloss sie aus, dass der von uns gesuchte Peter Brunner zu ihrem engeren Verwandtschaftskreis gehört.

Todesanzeige Peter Brunner.png

Dank des Stadtarchivs Heidelberg[18] haben wir am 21.12.2020 die Todesanzeige von Peter Brunner (1889–1955), für die Familie aufgegeben von seiner Frau, Elise Brunner, geb. Hartmann, erhalten. Daraus geht hervor, dass Peter Brunner 1955 als Vater und Großvater gestorben ist. Folglich bestand die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es heute ansprechbare Nachkommen gibt. Die Familie wohnte in Ziegelhausen im Neuer Moselbrunnenweg 4, bestattet wurde Peter Brunner auf dem Friedhof in Ziegelhausen.

In einem Brief an die Redaktion der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) in Heidelberg baten wir um Unterstützung bei der Suche nach Nachkommen von Peter Brunner. Die Redaktion bot einen Aufruf in der RNZ an und beauftragte mit dieser Aufgabe Herrn Manfred Bechtel.[19]

Am 20. Januar 2021 wurde unter dem Titel

Tunnel unter Trommelfeuer

in der Rhein-Neckar-Zeitung berichtet:

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Noch am Tag des Erscheinens des Aufruf-Berichtes meldet sich Frau Rottermann, jüngste, einzig noch lebende Tochter von Peter Brunner. Im Alter von 93 Jahren berichtet sie über ihre lebhaften Erinnerungen an ihren Vater. Frau Hildegund Rottermann, geb. Brunner, gilt unser besonderer Dank für ihre sofortige Bereitschaft, Auskunft zu geben und detailliertes Wissen und Erinnern weiterzugeben.

Manfred Bechtel schreibt darüber in seinem zweiten Bericht, erschienen in der RNZ am 29. Januar 2021:[20]

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Zum Lebenslauf von Peter Brunner
Porträtphoto Peter Brunner
Peter Brunners Werkzeuge

Wenn Hildegund Rottermann[21], jüngste Tochter von Peter Brunner, heute (Februar 2021) im Alter von 93 Jahren von ihrem Vater erzählt, beginnt sie mit den Anfängen seiner innigen Lebensgemeinschaft mit ihrer Mutter. Beide – gleich alt – hätten sich schon in der Grundschule kennen gelernt. Beide seien Halbwaisen gewesen – ihre Mütter waren früh verstorben – und sie hätten sich von Beginn an gut verstanden. 1910 wurde geheiratet. Als gelernter Zimmermann – im Bild rechts einige im Haus aufbewahrte Werkzeuge, z. T. mit Monogramm „PB“[22] – habe er damals bei den Großbetrieben der chemischen Industrie (BASF – Umkreis von Mannheim und Ludwigshafen) gearbeitet. 1910 sei Sohn Alfred geboren, 1912 Willi und 1913 Fritz. Als Familienvater von drei Kindern wurde er in den Krieg eingezogen. Nach dem Krieg habe er 1921 für die Familie ein Haus mit Garten gebaut. Wichtig sei für ihn gewesen, im Haus für seine Frau eine Wäscherei einzurichten, in der sie unter bescheidenen Lebensbedingungen mit einer Angestellten etwas dazu verdienen konnte.

Sie, Hildegund Rottermann, sei das elfte und jüngste Kind, 1928 geboren. Sie sei im Elternhaus aufgewachsen und habe immer ein großes Einvernehmen mit ihrem Vater gehabt. Vom Krieg habe er kaum gesprochen. An eine Situation erinnere sie sich, wo er grausame „unsagbare“ Erlebnisse angedeutet habe: „das Trommelfeuer“ und „Marokkaner in den französischen Truppen hätten Deutschen die Kehle durchschnitten“, Hinweise, dass Peter Brunner die Herbstschlacht 1915 im Debus-Tunnel[[1]] erlebt hat. Nein, so Hildegund Rottermann, Positives hat er nicht berichtet, Krieg war bei ihm mit Entsetzen verbunden.

Ihr Vater, so Hildegund Brunner, habe nach dem Krieg weitere dramatische Erfahrungen machen müssen. Bei der Spanischen Grippe 1918 seien zwei seiner Kinder gestorben. Nah erlebte er 1921 die Explosion im Düngemittel-Werk Oppau (heute Stadtteil von Ludwigshafen) mit über 500 Toten und 2000 Verletzten.[23] Er selbst habe sich auf seiner Arbeitsstelle in der Nähe aufgehalten, überlebte unverletzt. Die Zeit der Arbeitslosigkeit während der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre habe auch ihren Vater getroffen, die Familie lebte unter sehr eingeschränkten Verhältnissen.

Auch der Zweite Weltkrieg traf seine Familie bitter. Alle fünf Söhne wurden im Zweiten Weltkrieg eingezogen, zwei – Fritz und Willi – starben an der Ostfront. Arthur wurde an der russischen Front schwer verwundet, kam nach 2-jährigem Lazarettaufenthalt wieder zum Einsatz und wurde schließlich aus der bekannt schlecht versorgten Gefangenschaft in den Rheinwiesenlagern bei Mannheim Ostern 1945 entlassen. Der jüngste Bruder Reinhold (geb. 1925) überlebte vier Jahre russische Kriegsgefangenschaft in Leningrad. Der älteste Bruder Alfred (geb. 1910) wurde 1941 in Russland sehr schwer verwundet und lag über zwei Jahre in Lazaretten. 1944 wurde er wieder eingesetzt und kam 1945 in Bayern vor ein deutsches Kriegsgericht, weil er sich weigerte, kurz vor Kriegsende Brücken sprengen zu lassen. Die Amerikaner „platzten“ mitten in die Verhandlungen und ihr Bruder war sofort frei.

Gleich nach Kriegsende 1945 nahm Peter Brunner das Angebot eines ihn in seinem Haus aufsuchenden amerikanischen Offiziers an, auf die Stelle in der Wehrmachtskaserne zurückzukommen, in der er bereits seit Anfang der 30er Jahre als Zimmermann und Hausmeister gearbeitet hatte, nun im Dienst des amerikanischen Militärs. 1955 sei er im Alter von 66 Jahren gestorben. Das Elternhaus übernahm Sohn Arthur und heute wohnt dessen Sohn Peter, Peter Brunners Enkel, im Haus.


Karl Steidel

Revier der III Inf. Pion. Comp. 14
Sch. Karl Steidel 1/14

Er gehörte wie Peter Brunner dem Badischen Pionier-Regiment 1/14 an. Er stammte aus Wiesloch im Kreis Heidelberg (Verlustliste zum Ersten Weltkrieg, Seite 7).

In der Verlustliste zum Ersten Weltkrieg taucht der Name „Karl Steidel aus Wiesloch“ fünfmal auf, mal mit, mal ohne Geburtsdatum. Es gibt zwei Geburtsdaten. Anhand der Meldekarten von Wiesloch[24] überprüften wir die Angaben von fünf Personen mit dem Namen „Karl Steidel“ im Zeitraum 1880–1900. Für drei von ihnen war die militärische Einheit 1914–1918, zweimal die Einheit „Leib-Garde Infanterie-Regiment 115“ und einmal „Pion.Batl. 14“ angegeben. Dazu passte aus der Meldekarte „Karl Steidel“ mit dem Geburtsdatum „01.10.1890“, 1914 im Pio.Btl 15 (richtig: 14) im Jahr 1914, im Leib-Garde-Infanterie-Regiment 115 in 1915 (01.11) und 1916. In 1914 war er vermisst, in 1915 leicht verletzt, im März 1916 verletzt.

Karl Steidel war 23 Jahre alt, als er zu Beginn des Krieges eingezogen wurde. Er war von Beruf Zimmermann und von daher in seiner Pioniereinheit geeignet für die Mitwirkung im Tunnelbau. So ist anzunehmen, dass er sehr früh beim Start des Tunnels mit dabei war.

Kriegsbeginn war der 28. Juli 1914. Einen Monat zuvor – am 23. Mai 1914 – heiratete Karl Steidel. Seine Frau wurde Marie Bürkle (* 02.12.1894) aus Menzingen (Bretten). Schon am 18. August wurde das erste Kind geboren, Lisbeth (18.08.1914 in Heidelberg). Weitere in Wiesloch geborene Kinder sind Maria (22.02.1917), Werner Georg (11.09.1918) und Eva (14.01.1920). Am 28.02.1921 starb seine Frau Marie im frühen Alter von erst 26 Jahren. Die Kinder waren im Alter von vier bis einem Jahr. Wie aufgrund des Ortsfamilienbuchs von Wiesloch anzunehmen, heiratet Karl Steidel im darauffolgenden Jahr 1922 zum zweiten Mal. Der Name ist Maria Hofstätter (* 23.01.1891). Die Heirat erfolgte in Heidelberg.

Auf seiner Meldekarte in Wiesloch finden wir unter „Abmeldung“

10.07.22 Ehemann nach Amerika
28.10.22 Familie nach Amerika

Die Auswanderung wird im Ortsfamilienbuch bestätigt: „Die Familie ist 1922 nach Argentinien ausgewandert.“

Vielleicht gibt es in Wiesloch jemanden, der nach der Auswanderung Kontakte zur Familie von Karl Steidel hatte, oder wir finden einen Nachfahren in Argentinien oder sonstwo in der Welt. Er hatte zwei Schwestern, beide heirateten, die eine, Elisabetha (* 09.03.1889) starb 1918 in Wiesloch, die andere, Katharina (* 30.06.1893), starb 1970 in Heidelberg.

Als Karl Steidel unter Kriegsbedingungen im Tunnel in der Champagne war, was fühlte und dachte er, als er seinen Namen auf den Kreidestein schrieb?


Ferdinand Schmidt

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Ferdinand Schmidt geboren 1876


O. Heise

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O. Heise

geb. 25.2.1884

Vorsfelde[25]



Marg Sprenger

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Marg Sprenger

geb. 1874 14. März


Timpel

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Andenken vom 26.10.15 bis 30.10.15 Timpel


Joseph Amann

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Schweer

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Hermann Schweer (?)

Pion. Batl. 16

Reserve Kompagnie

aus Duisburg Meiderich

Rheinland

23. 04. 1917 (?)

Text (?)


Verlustlisten Erster Weltkrieg

Kandidat(en) (?)

(1) Hermann Schweer aus Meiderich-Duisburg, Liste Preußen 246, Landwehr-Infanterie-Regiment 39, 15-06-11, Seite 6880

(2) Hermann Schweer aus Duisburg-Meiderich, Liste Preußen 88, Infanterie-Regiment 144, 1914-11-28, Seite 3059



P. Tlusty

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In den Verlustlisten des Ersten Weltkrieges findet sich

(1) Paul Tlusty aus Fürstenberg a.O., III Pionier Bataillon 28, 1915 03 05

(2) Paul Tlusty geb. 16.03. aus Fürstenberg Guben 06.07.1918 Liste Preußen 1157

   (Gubin (deutsch Guben) ist eine Stadtgemeinde und Sitz der gleichnamigen Landgemeinde im Powiat Krośnieński („Landkreis Crossen“) in der polnischen Woiwodschaft)

Im Adressbuch von Fürstenberg (Oder) 1923 gibt es nur eine Adresse (S. 36):

Franz Tlusty, Arbeiter

Prinz Carolathstraße 23
Fürstenberg/Oder


Tränkle aus Triberg

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In der Verlustliste des Ersten Weltkriegs wird unter der Ausgabe 1914 11 07 auf Seite 2371 aufgeführt: Tränkle, Mathias - Ort: Jack (richtig: Yach), Waldkirch - Liste: Preußen 71 - Reg. o.ä: Infanterie Regiment 113, Feststellung „leicht verwundet“. Unter der Ausgabe 1916 11 17 auf Seite 16345 wird er aufgeführt mit Ort: Fach Freiburg i.B. (richtig: Yach) - Liste Preußen 638 - Infanterie-Regiment 169. Im Eintrag 1916 wird festgestellt: „schwer verwundet“.

Auf einer Ehrentafel in Yach, seit 1974 Ortsteil der Stadt Elzach nah bei Triberg im Schwarzwald, erscheint „Mathias Tränkle“ mit Namen.

Ehrentafel[26] der Gemeinde Yach

Kriegsteilnehmer

1914 1918

Abgehoben von dem Feld mit Namen und Bildern der Soldaten ist das Teilfeld oben mit Namen und Bildern der Gefallenen.

Den Namen „Mathias Tränkle“ findet man im unteren Teilfeld mit ausschließlich Namen, dort unten Mitte.

Ehrenbuch von Yach – Titelseite
Namensliste im Ehrenbuch mit Eintragungen Tränkle

Die Ehrenchronik von Yach[27] gibt uns Auskunft über die Beteiligung von Mathias Tränkle aus Yach am Ersten Weltkrieg.

In der Namensliste ist unter der Nummer 154 der Name „Mathias Tränkle“ aufgeführt. Zum Zeitpunkt des Kriegsbeginns war Mathias Tränkle (geb. 1891) 23 Jahre alt. Unter den weiteren Namen findet sich „Josef Tränkle“ (Nr. 152), dies ist der ältere Bruder von Mathias. Der Name „Josef Tränkle aus Yach – Waldkirch“ wird in den Verlustlisten des Ersten Weltkriegs 7mal aufgeführt, aber kein Genannter ist zuzuordnen, bei zwei stimmen die Geburtsdaten nicht, bei den anderen fehlen sie. Auch findet sich in der Namensliste der Name "Pius Tränkle" zweimal (Nr. 155, 156). Einer davon ist der jüngste Bruder, geboren 1893. Er ist in der Verlustliste, Ausgabe 1916 12 21 aufgeführt.

Der Vater der drei Brüder war der Bauer Xaver Tränkle (1860-1928) in Yach, die Mutter, Helena Disch (1859-1895), war die Tochter des Bauern und Müllers Franz Josef Disch in Yach. Sie heirateten 1887. Der gemeinsam bewirtschaftete Hof war der Singlerhof, benannt nach der Großmutter väterlicherseits, eine geborene Singler. Der frühe Tod der Mutter an Lungenentzündung im Alter von nur 35 Jahren brachte schon sehr früh Leid in die junge Familie. Der Vater starb nach Aktenlage am 01. Oktober 1928 an Krankheit. Von Pius Tränkle wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt (15.11.2020) aus der Familientafel mehr: er heiratete am 15.01.1921 Maria Disch. Sein Leben endete tragisch: er verunglückte am 01.10.1928 tödlich – am gleichen Tag, an dem auch der Vater starb. Pius hatte den Singlerhof übernommen. Seine Frau Maria führte dann den Hof weiter, bis ihr ältester Sohn Xaver (geb. 1921) den Hof nach dem 2. Weltkrieg übernahm. Der Singlerhof ist bis heute in Familienbesitz.

Nun zu Mathias Tränkle

Ehrenurkunde: Mathias Tränkle geb. am 31.01.1891 zu Yach war Mitkämpfer im Weltkriege 1914–1918

Truppenteile: aktiv 1912-1914 Bad.Inf.Reg. 113/ Eing. 31.07. 14

U-Offizier i. Inf.Reg. 113 und 169

Mitgemachte Schlachten und Gefechte: Sennheim / Mühlhausen / Lothringen / Nancy / Epinal / Flirey / Arras / Flandern / Baupaume / Serre Artois / Somme ~ Marinewerft Wilhelmsh. ~ weg. Verwundung entlassen 10. 07. 17

Auszeichnungen: E.K.I.Kl. / E.K.II.Kl. / Bad.s.Verd.Med. / EhrenPr.Front.P.

Verwundungen: l. Hand r. Knie

Ehrenurkunde für Mathias Tränkle

Zum Lebenslauf von Mathias Tränkle

Man weiß heute (November 2020) in Yach[28] einiges über den Lebenslauf von Mathias Tränkle. Er soll nach dem Krieg nach Essen im Ruhrgebiet gegangen sein und dort bei Thyssen-Krupp gearbeitet haben. Er habe dort geheiratet und einen Sohn gehabt, der tödlich verunglückt sei. Nach dem Tod seiner Frau habe er sich - in der 70er Jahren - eine Zeitlang in Yach aufgehalten und zwar auf dem Schneiderhof. Kurz nach seiner Rückkehr nach Essen sei er dort verstorben. Es müsse um 1975/76 gewesen sein.


Texte

Auf dem Berge stand die Kapelle

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Auf dem Berge stand die Kapelle, die der Jungfrau einst geweiht,

ungezählte Pilger suchten Tröstung dort von ihrem Leid.

Eine Stätte tiefsten Friedens blühend an des Waldes Saum

Vorm Altare gläubge Beter [unter einem Ahornbaum[29]]

[nun ist Krieg im ganzen Land, von Rußland bis nach[29]] England hin

Das mit deinem teuren Blute, sich berechnet der Gewinn.

Frankreichs schwarz gelockte Söhne, Deutschlands schönste Jugendkraft

Messen täglich hier die Waffen, morden sich mit Leidenschaft

Oh Maria voll der Gnaden, man hat hier dein Haus zerstört.

Deine Kinder schmerzbeladen bitten durch dich, dass erhört,

Gottes Sohn das leise Flehn, nimm den Feinden nun den Sieg

und dass dieser Streit auf Erden endlich sei der letzte Krieg.

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Den Namen des katholisch gläubigen Soldaten, der sein Erleben in diesen sich reimenden Worten ausdrückt, kennen wir nicht. Er überlässt uns allgemeingültig das Vermächtnis, Krieg so zu verstehen, wie er real ist. Er scheut sich nicht, Töten als Morden zu begreifen und zu benennen.

In der Unterwelt des Tunnels mit dem Gefühl, dass 13–17m über dem Kreidefelsen das kriegerische Morden geschieht, in Intervallen, manchmal unerwartet, manchmal mit „Trommelfeuer“ sich ankündigend. Es wechseln Tage angespannter Stille in der Unsicherheit, was kommen wird, mit Tagen aufgeregter Unruhe und Betriebsamkeit in Erwartung eines Ereignisses. Bei der Vorbereitung auf die Abwehr einer sich ankündigenden Attacke des Gegners oder bei Planung eines eigenen Angriffs sind Räume und Gänge voller Soldaten. Dicht an dicht erlebt man die Gedanken und Gefühle der anderen. Die zwischenmenschliche Enge lässt gemeinsames Schicksal erleben, aber auch panische Ängste spüren.


Wir fürchten

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Wir fürchten Gott und die schwere Artillerie
Der Feind horcht mit
   Ruhe

Was hat der Pionier vom Krieg

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Was hat der Pionier vom Krieg

Undank


Der Gott, der Eisen wachsen ließ

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Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte

Das sogenannte „Vaterlandslied“ wurde von Ernst Moritz Arndt 1812 geschrieben, als Antwort auf die von Napoleon erzwungene Beteiligung deutscher Heere an seinem Russlandfeldzug 1812. In den anschließenden Befreiungskriegen und in national orientierten Kreisen (Studentenverbindungen, Gesangvereinen) wurde es populär und im Ersten Weltkrieg zum Kampflied. Auch hier im Tunnel fand es Einzug.

Hier die erste Strophe:

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
der wollte keine Knechte,
drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
dem Mann in seine Rechte;
drum gab er ihm den kühnen Mut,
den Zorn der freien Rede,
dass er bestände bis aufs Blut,
bis in den Tod die Fehde.


Marmelade und Heldentod

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Marmelade 
ißt der Pionier
alle Tage 
auf zwei Tage ein
Stückchen Brot – ja so
stirbt der Pionier sein 
Heldentod

Figurales

Erotik und Liebe

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Die Tunnel-Welt ist eine reine Männerwelt. Von morgens bis abends und nachts zusammen mit Männern. Dies auf engstem Raum. Eine unnatürliche unsoziale Ausnahmesituation, und dies für eine lange Zeit. Vielleicht ein Brief nach Hause hin und her, aber unterwegs für Tage und manchmal Wochen. Kaum noch nachvollziehbar – 2020 – in unserer gegenwärtigen Welt der digitalisierten Kommunikation.

In dieser männlichen Tunnel-Welt bleibt die Frau in ihrer erotischen Anziehungskraft und der bindenden Liebe im Bewusstsein der Soldaten. Bilder und Gedanken aus der Welt mit Frauen wecken Gefühle und Bedürfnisse nach Kommunikation mit Frauen, nach Nähe und Intimität. Erinnerungen an beglückende oder aber auch enttäuschende Erlebnisse mit Frauen in der Heimat – die Ehefrau, die Verlobte, die Freundin im vertrauten Umfeld – und anderen Lebensstationen – die zufällige Begegnung mit einer fremden Frau – werden wach. Erotische Phantasien faszinieren und plagen zugleich das soldatische Leben. Träumerische Bilder und Gedanken leiten in den Schlaf. Der Traum schafft seine eigene Bewältigung und im Wachen tauchen seine Bilder wieder auf.

So verwundert es nicht, erotische Graffitis im Kreidefelsen des Debus-Tunnels zu finden. Wir können ahnen, was sie ausdrücken. Wir stellen die Bilder kommentarlos zusammen.



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ganz links:

Frauenkopf, darüber "Gretel"

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Muffel noch ein bissel, wenn

auch nichts mehr kommt. Er .....

..... so schön !!!

Duscher – Duscher – Trallala'

Trallala

7 x – bong !!!

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    rechts
    Erotisches Bild mit den Namen: 
    Georg Spitzler, Albert Berg und Gen... Müller

Erhobenen Hauptes

Schon das vorletzte Bild – klein die Frau links und groß zentral der Männerkopf. Es gibt einige Männerbildnisse.

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Beim Bild links stellen wir uns vor, wie der Soldat handwerklich geschickt sein Antlitz in den Stein meißelt. Sein rechtes Ohr hat er perfekt gestaltet. Wenn auch seine Augen nicht ausgearbeitet sind, strahlt er eine innere Stille und Gelassenheit aus.

Im Bild rechts kommt uns ein „fröhlicher Rheinländer“ entgegen, die Lanze mit dabei, als ginge es zu einem Festumzug.

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Die beiden Herren – links und rechts – sind beide in Uniform. Währende der linke Herr, sich seines Ranges bewußt, mit erhobenem Haupt gemäß der Statur eines Feldherrn zur Seite in die Ferne – dem Feind trotzend – blickt, schaut der rechte Herr – ohne Mütze unvollständig gekleidet – bescheiden vor sich hin.



Formen

Fußnoten

  1. Liste der Mitwirkenden: (1) Diejenigen, die an den Recherchen zu einzelnen Personen mitgewirkt haben; unser Dank an sie wird an den jeweiligen Stellen ausgesprochen. (2) Den Personen, die an der Entzifferung der Schriften beteiligt waren, vor allem Herrn Willems und seinem Mitarbeiterstab bei „Engagiert älter werden“, Evangelische Kirche Aachen, sei an dieser Stelle für die Transkription von Dokumenten in Sütterlinschrift herzlich gedankt. (3) Herrn Eckhard Henkel danken wir, dass er wie bei all unseren Beiträgen im Netz uns bei der informationstechnischen Umsetzung unterstützend – beobachtend, korrigierend, wegweisend – zur Seite stand.
  2. Angelika Franz: Erster Weltkrieg: Tunnelstadt unter der Hölle. In: Spiegel Online. 16. April 2008, abgerufen am 5. Januar 2021.
  3. David Crossland: Erster Weltkrieg: Erinnerungen im Tunnel. In: Deutsche Welle Online. 5. Januar 2020, abgerufen am 5. Januar 2021.
  4. G. Prilaux (2018). Graffitis et bas-reliefs de la Grande Guerre. Archives souterraines de combattants
  5. Map of the Western Front (World War I), 1915–1916 In: commons.wikimedia.org
  6. Golgatha. Ein Kriegsroman. Paul Kaiser Verlag, Eupen 1937. – Golgatha. Ein Kriegsroman, Neuauflage mit einer Einleitung von Philippe Beck, mit einem Nachwort von Helmut Donat, Donat Verlag, Bremen 2014
  7. Er war vom 2.8.1914 bis 21.11.1918 im Kriegseinsatz.
  8. Siehe Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915
  9. Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Bauleiter Karl Debus
  10. Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Buchmanuskript von Karl Debus 1941
  11. Großonkel des Mitautors Siegfried Palm
  12. dem Neffen Fritz Debus (1927–2020, Nachruf) aus Bochum und Großneffen Hans Jaeckel in Bielefeld, Autor von Berichten über Reisen nach Frankreich an Orte kriegerischer Ereignisse in Zusammenhang mit dem „Schicksalsbrief“, sowie dem sehr weitläufig verwandten Günter Debus aus Aachen
  13. Frau Binder im Stadtarchiv sei herzlich gedankt. Auch Dank an Herrn Kobold in Eppingen für seine Mithilfe bei der Suche nach zielführenden Kontakten
  14. Quelle: Karl Diefenbacher, Ortssippenbuch Eppingen im Kraichgau , … , Lahr/Dinglingen ²1998, Nr. 3016 / Klaus Rössler, Ortsfamilienbuch Sulzfeld, 1638–1957, …, Sulzfeld 2003, Nr. 3342
  15. Quelle: Eppinger Zeitung, 17./19. Sept. 1957
  16. „hat“ könnte auch „Gott“ heißen? H/G wie bei „Hallen“, Deutung nicht eindeutig
  17. https://des.genealogy.net/eingabe-verlustlisten/search/index
  18. Herrn Archivar Michael Braun danken wir herzlich für seine Hilfe.
  19. Der Redaktion der RNZ in Heidelberg und insbesondere Herrn Manfred Bechtel danken wir für die Unterstützung und die hervorragende Umsetzung des Berichtes.
  20. Unser großer Dank geht an Herrn Manfred Bechtel und seine Redaktion, dass sie es zu ihrem Anliegen machten, auch über den Erfolg des Aufrufes zu berichten.
  21. Frau Hildegund Rottermann unseren herzlichen Dank für die Schilderung des Lebenslaufs ihres Vaters
  22. Dank an Enkel Peter Brunner für das Foto
  23. Etwa 400 Tonnen Ammoniumsulfatnitrat – so ist nachzulesen – explodierten. Die Detonation beschädigte Gebäude im Umkreis von 75 km und sei an so entfernten Orten wie Göttingen und München spürbar gewesen.
  24. Ein herzlicher Dank an die Gemeinde Wiesloch für die Zusendung der digitalisierten Dokumente
  25. Unser Dank gilt Dr. Meinhard Leopold und Jörg Blüm vom Heimatverein Vorsfelde, die auf der Suche nach Informationen über den weiteren Lebensweg von O Heise sind.
  26. Wir danken Herrn Prof. Dr. Heike Haumann, Uni Basel, und dem Heimatverein in Yach/Elzach für die Zusendung des Fotos.
  27. Für die Auffindung der Dokumente und Zusendung der Fotos sowie die zielführenden Hinweise danken wir ganz herzlich Herrn Prof. em. Dr. Heiko Haumann, Universität Basel.
  28. Wir danken dem Ortsvorsteher von Yach, Herrn Hubert Disch, und Herrn Hubertus Disch vom Schneiderhof in Yach für Ihre berichteten Erinnerungen an Mathias Tränkle.
  29. a b Versuch einer Ergänzung