Geschichte von Allendorf am Hohenfels

Aus Genealogen im Hinterland
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Aus: Festschrift zum 75-jährigen Bestehen des SSV (Sport- und Spielverein) Allendorf/Hohenfels[1]

Autor: Reinhold Schmidt, Vorsitzender des Burgvereins Hohenfels e. V.

Zur Ersterwähnung unseres Dorfes und Besitzverhältnisse

Von der Entstehung bis zur urkundlichen Ersterwähnung eines Ortes ist es manchmal schon ein langer Weg. Diese urkundlichen Erwähnungen fanden zur dieser Zeit meist nur bei Besitzwechsel statt. So ist es bei unserem Heimatort im Jahr 1307 auch der Fall. Im diesem Jahr bitten die Brüder Heldenreich und Krieg v. Buchenau Graf Johann v. Nassau-Dillenburg, ihre beiden Anteile am Zehnten zu Allendorf ihren Vettern, denen v. Breidenbach, zu Lehen geben zu dürfen, ohne dadurch den Lehensverband mit dem Grafen aufgeben zu müssen. 1363 bekennen die von Buchenau, zweidrittel des Zehnten zu Allendorf von Nassau-Dillenburg zu Lehen zu tragen. Die erste urkundliche Erwähnung der Hohenfelser in Verbindung mit unserem Ort, stammt aus dem Jahre 1367. Hier verkaufen die Witwe des Ritters Gumbracht von Hohenfels und ihr Sohn Dietrich Ihre Zinsen, Gefälle und Rechte im Grunde Breidenbach, sowie in Dilschhausen und Allendorf an Ludwig von Breidenbach. Siegler dieser Urkunde sind Craft Döring und Ellung von Breidenbach.

Später erfahren wir von Zehntansprüchen des Geschlechtes von Linne, die in enger Verbindung mit denen von Buchenau standen.

Am 4. Oktober 1448 verkauften die Johanniterbrüder des Klosters Wiesenfeld (heutiger Kreis Waldeck-Frankenberg, dieses Kloster wurde 1231 von den Grafen von Battenberg gegründet) dem Frühmesser zu Biedenkopf ihren Hof zu Allendorf auf Lebenszeit.

Auch „Die Brüder vom gemeinsamen Leben“,[2] dem Kugelherrnkloster zu Marburg, werden im Jahr 1493 als Besitzinhaber in Allendorf genannt. So vertauscht der Schöffe Gabriel Breitrück von Marburg seine Hälfte an einem Gut zu Weiershausen u. a. gegen Besitzrechte der Kugelherrn in Allendorf.

Aus Allendorf erhalten in dem Jahr 1577 der Deutsche Orden, die Universität Marburg und der Hofmeister Johann von Linsingen Einkünfte aus Güterbesitz.

Als in Hessen am 25. Mai 1811 mit Ablauf des Monats Juni 1813, die Aushebung der Leibeigenschaft verordnet wurde, besaßen der Freiherr von Breidenstein, der Freiherr von Dörnberg zu Marburg und der Fürst Alexander zu Sayn/Wittgenstein-Hohenstein Anspruch auf den Zehnten oder Grundrente für Gehöfte in unserem Dorf. Dieser dadurch entstandene Verlust von Einnahmen für Leibherrn und Staat wurde durch eine Verordnung reguliert. Diese Verordnung besagt, dass der Leibeigene oder die Gemeinde eine Entschädigung in Höhe des Durchschnittsertrages der letzten 20 Jahre dem früheren Leibherrn zu zahlen habe. Die Gemeinden konnten anstatt des Geldbetrages auch Gemeindegüter in Zahlung geben. Das dies eine schwere finanzielle Belastung für Bauern und Gemeinden war, kann man sich vorstellen. So dauerte diese Regulierung laut Aktenlage bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Der Zehnte war eine Naturalabgabe, die der Inhaber eines zehntpflichtigen Grundstückes an den Zehntberechtigten jährlich entrichten musste. Beim Getreide wurde der Zehnte mit der 11. Garbe, sonst mit der 11. Rute oder dem 11. Korb gezogen.

So wie ein ständiger Wechsel der Besitzer, zu denen es bestimmt noch eine Reihe mehr zu nennen gibt, hat sich auch die Schreibweise unseres Heimatortes über die Jahrhunderte in den Urkunden geändert. So hieß Allendorf beispielsweise: 1307 Aldendorf, 1367 Aldindorf, 1448 Aldentroff, 1630 Alindorf und nach 1630 in der heutigen Schreibweise.

Weltliche Gerichtsbarkeit und Verwaltung

Die Hohenfelser, die die Cent Dautphe inne hatten, werden die Gerichts- und Verwaltungstätigkeit wohl bis zum Eingriff im Jahr 1238 durch die Thüringischen Landgrafen[3] uneingeschränkt ausgeübt haben. Durch ihre Verzichtsurkunde im Jahr 1249 erhielten die hessischen Landgrafen in der „centurio Dautphe“ die Oberhoheit. Zu ihr zählen 1374 die Dörfer Mornshausen und Silberg, 1395 Mornshausen, Silberg, Hommertshausen, Kombach, Buchenau und Elmshausen, die zu diesem Gericht Schöffen entsandten. Allendorf wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1448 in diesem Gerichtsbezirk genannt. An der Spitze des Gerichtes stand der Schultheiß, der mit zwölf Schöffen bei Dautphe Recht sprach. Die peinlichen Urteile wurden zu dieser Frühzeit auf dem Galgenberg bei Dautphe vollstreckt. War Biedenkopf bis Mitte des 13. Jahrhunderts als Bestandteil der Cent Dautphe und seiner Gerichtsbarkeit zuzuordnen, so ging mit dem Ausbau Biedenkopfs zur Stadt und der Erweiterung zum Amt Biedenkopf die ursprüngliche zustehende Blutgerichtsbarkeit des Gerichts Dautphe zu dessen Gunsten verloren. Im Jahr 1524 wird Dautphe nur noch als Untergericht bezeichnet. Somit lag der Verwaltungsmittelpunkt für Allendorf nach Ausgang der Cent Dautphe in Biedenkopf. Dies änderte sich auch durch kurze Umgliederungen bis zur Neuschaffung des Landkreises Biedenkopf nicht. Die Gerichtsbarkeit wurde von 1821–1853 vom Landgericht Gladenbach, ab 1853 bis 1867 vom Landgericht Biedenkopf ausgeübt. Seit 1867 ist das Amtsgericht Biedenkopf zuständig.

In der Gemeinde Allendorf waren am Anfang die sogenannten Heimberger, Schultheis oder Dorfschulze, später die Bürgermeister, für Recht und Ordnung zuständig. Nach der Gebietsreform von 1974 endete diese Selbstständigkeit. Die Interessen unseres Dorfes vertritt nun der Ortsvorsteher bei der Gemeindeverwaltung in Dautphe.

Die Kirchengeschichte

Die erste Mitteilung der kirchlichen Zugehörigkeit Allendorfs zu Dautphe wird uns aus dem Jahr 1495 genannt. Zu dieser Zeit bestand das Kirchspiel Dautphe aus Allendorf, Dautphe, Damshausen, Friedensdorf, Mornshausen, Herzhausen, Holzhausen, Hommertshausen und Silberg. Die Send- und Pfarrkirche Dautphe[4] ist wohl zu den ältesten in unserer näheren Umgebung zu zählen. Sie war in früher Zeit dem Dekanat Kesterburg (Christenberg) zugeordnet.

Die Bindung zwischen Allendorf und dem Kirchspiel Dautphe hatte bis 1952 Bestand. Ab diesem Zeitpunkt sind Allendorf und Damshausen dem Kirchspiel Friedensdorf angeschlossen.

Der erste ev. Pfarrer trat im Jahr 1529 seinen Dienst in Dautphe an. Die Stellung der Kirche früher kann man mit der heutigen nicht mehr vergleichen. Ihre Machtausübung im weltlichen Bereich wie sie sich in früheren Jahrhunderten darstellte, ist weitgehend verloren gegangen. Die Stellung der Kirche in den ländlichen Gemeinden ist bis in die Mitte unseres Jahrhunderts als zentral anzusehen. Hier traf man sich und tauschte sich aus. Information über diese frühere Zeit liefern uns, gerade von kleinen Gemeinden, die Kirchenbücher. Sei es über das Wetter, die Kriege oder Vergehen gegenüber der Kirchenordnung. Hierzu nun einige Beispiele betreffend Allendorf:

  • 1692 – Henne B. von Aldendorf hat auf ein Sonntagmorgen gebacken, Frau und Magdt geschmissen, verjagt, dass keines in die Kirche kommen konnte.
  • 1718 – Die Dautpher und Hommertshäuser haben fast alle Sonntags gekegelt. Ebenso die Hertzhäuser, die Friedensdörfer, die Allendörfer und Sylberger. Geben Strafe.
  • 1723 – Joes Engeisbachs Hausfrau, Joes Debus Stieftochter Elisabeth und Enche, Joes Obergärtners Hausfrau haben auf einen Sonntag Michael Blanks Hausfrau von Aldendorf Garn zum Tauschen geliefert. Gibt jedes 2 Albus Strafe.
  • 1861 – Die Ernte war, wahrscheinlich als Folge der lang andauernden Frühjahrsfröste und nachteffiger Nebel „unter mittelmäßig“. Es herrschte allgemeine Geldknappheit.

Kirchliche Angelegenheiten wurden auch von der gesetzgebenden Seite festgelegt, z. B. die Verordnung und allgem. Verfügung zur Durchführung und Gestaltung von Sonn-, Fest- und Bettagen. Ein Aktenvorgang beschäftigt sich hier mit Jugendlichen aus Allendorf, Damshausen und Kombach, die im Jahr 1839 die Sonntagsruhe auf dem Karlshof gestört haben.

Die Kapelle zu Allendorf

Mitteilung aus dem Kirchenbuch des Jahres 1780 in der Pfarrei Dautphe:

„Sie wird von der Gemeinde gebaut und auch von derselben unterhalten, sie ist im Jahre 1652 ganz neu von Holz erbaut worden, ist dermalen in sehr schlechteren Stand, mitten im Dorf gelegen.

Sie ist 16 Schuh[5] hoch, 20 Schuh breit und 23 lang, mit einem Hübchendach von Ziegeln und Schiefem gedeckt, hat eine Tür mit Gestell von Eichenholz, mit Angeln, Banden, Handgriff, schlechtem Schloss und Schlüssel versehen.

Vier kleine Fenster, deren Gestelle von Eichenholz sind, das das Futter derselben aber von Tannen, von eckigen Scheiben. Ein gemauerter Altar. Ein Stand für den Schulmeister und 2 Bänke für die Schüler, fünf Weiberbänke 14 Schuh lang und 13 Schuh breit von Eichenholz. Eine Treppe von Eichenholz von 10 Stufen führt auf die Emporebühne, welche 20 Schuh lang und 3 Schuh breit ist, auf welcher sich eine Bank von Eichenholz befindet.

Der Turm, welche die Gemeinde ebenfalls baut, unterhält, ist von Holz, mit Schiefer gedeckt und ist mit dem Dach der Kapelle, worauf er sich befindet, 18 Schuh hoch, der Turm selbst aber 8 Schuh breit, auf demselben befindet sich eine Glocke, welche ungefähr 1 1/2 Zentner schwer ist.“

– Abschrift von Martin Nassauer: Dautphe. 1986

Diese Fachwerkkirche stand zwischen Bass und Pirisch und wurde 1950 abgerissen. Die Glocke hängt heute in unserer neuen Kirche, die am 28. September 1952 feierlich eingeweiht wurde. Laut Auskunft von Erwin Klingelhöfer zerbrach der alte Taufstein bei den Ausräumungsarbeiten. Die alte Kirche wurde von dem Zimmermann Jacob Metzler aus Roth erbaut (laut Dr. Elsa Blöcher). Um die gesamte Kirchengeschichte aufarbeiten zu können, müsste man schon ein ganzes Buch schreiben. Hierzu kann nur ein kurzer Einblick gegeben werden.

Bevölkerungsstatistik 1577–1999

Die ersten Einwohnerzahlen werden uns im Jahre 1577 mit 16 Hausgemeinschaften angegeben (M. Nassauer gibt sie in seinem Buch Dautphe mit 80 Personen an). 1677 waren es 15 Hausgemeinschaften, 2 Witwen, 8 ledige Personen; 1885: 278 Personen und 1925: 353 Personen. Der jetzige Einwohnerbestand beläuft sich auf 680 Personen. Im Jahr 1630 werden auch Angaben über die Tätigkeit unserer Vorfahren gemacht. So gab es hier 1 dreispännige, 5 zweispännige und 4 einspännige Ackersleute (Pferde wurden kaum gehalten, man bediente sich zur Feldarbeit meistens der Kühe). Von den Erwerbspersonen im Jahre 1867 waren 59 Personen in der Landwirtschaft und 2 Mann im Bergbau und Hüttenwesen beschäftigt.

Berufsbild unserer Vorfahren

Es war ein hartes Leben, das unsere Vorfahren führten, um ihr täglich Brot zu verdienen. In unserer landschaftlich schönen Umgebung ohne große technische Hilfsmittel seine Äcker und Wiesen zu bestellen, muss schon ein hartes Stück Arbeit gewesen sein. Vom Ertrag der Böden liegt unser Landstrich wahrscheinlich am unteren Tabellenende. Die Weiden wurden stückweise, in Abständen von 15, 18 und 20 Jahren bearbeitet. Im ersten Jahr der Ackernutzung wurden sie mit dem Mist der weidenden Schafe gedüngt und dann mit Roggen, im zweiten und dritten Jahr mit Hafer oder Heidekorn besät, im vierten wurden Kartoffeln gepflanzt. Hiernach ruhte der Boden wieder, bis ausreichend Rasen, der zur späteren Düngung dienen musste, gewachsen war. Mit Zunahme der Bevölkerung kam es dann zu einer regelmäßigen Bewirtschaftung der Böden. Erschwerend bei dieser heimischen Arbeit waren die Dienste, die die Bauern noch nebenher den Grundherrn zu leisten hatten. Der Kartoffelanbau setzte sich im Hinterland Mitte des 18. Jahrhunderts durch. Ab diesem Zeitpunkt fehlte die Knolle auf keinem Tisch und war manchmal auch die Hauptmahlzeit. Die Kleidungsstücke stellten die Bewohner alle selbst her. Das mit Mühe gemästete Schwein wurde verkauft, um sich mit dem erlösten Geld Dinge zu kaufen, die man nicht selbst herstellen konnte. Dies änderte sich erst mit den Agrarreformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Angesichts dieser wirtschaftlichen Zustände kann man sich vorstellen, unter welchen ärmlichen Bedingungen die meisten unserer Vorfahren lebten.

Die Mehrzahl unserer Vorfahren war in der Landwirtschaft beschäftigt. Andere Einnahmequellen waren die Tätigkeit als Köhler, auf die in unserer Gemarkung die Flurnamen Gebrannter Weg oder Am Köhler hinweisen. Der Abbau von Erzvorkommen wurde in unserer Gemarkung bereits von 1615 bis 1648 betrieben. Flurnamen wie Silberg, Auersberg oder Rotenberg weisen darauf hin. In der Fachliteratur wird auch auf eine Kupferschmelze in der Gemarkung Allendorf hingewiesen. Auf mittelalterlichen Bergbau am Hohenfels deuten die alten Stollen und Schlackehalden am Westhang hin. Ab 1780 begann der Bergbau am Hohenfels erneut. Als 1844 die Carlshütte erbaut wurde, erwarb ihr Besitzer Klein die unmittelbar hinter seinem Hochofen gelegenen Bergwerke. Die Ausbeute war aber nur sehr gering, so dass der Betrieb der Grube Clara 1880 zum Erliegen kam. In einem neuen Anlauf im Jahr 1907 versuchte man dort, Manganerz abzubauen. Im 1. Weltkrieg nahmen wiederum 21 Leute den Betrieb in der Grube Clara auf, unter ihnen auch Allendorfer Bergleute. Der Bedarf an derartigen Erzen ging mit Ende des 1. Weltkrieges soweit zurück, dass der Betrieb des Bergbaus eingestellt wurde.

Andere Möglichkeiten des Broterwerbs waren als Fruchtschneider, Drescher oder Wollscherer in der Wetterau Geld zu verdienen. Mit Öffnung der Grenzen 1803 zwischen Hessen und Westfalen waren sicherlich auch viele unserer Vorfahren als Saisonarbeiter im Bergbau des Siegerlandes beschäftigt.

Ahnen- und Familienforschung

Im Urkundenverzeichnis des Pfarrers Heldmann aus Michelbach über die Hohenfelser wird am 24.07.1402 ein Arnold Johann von Allendorf genannt. Ob es sich hier um einen Vorahnen aus unserem Dorf handelt, muss erst noch eindeutig geklärt werden. Großen Verdienst um die Stammbaumforschung in unserem Dorf hat sich Martin Nassauer aus Dautphe erworben. Die Stammbäume von Paffe, Schneiders und Schmerre hat er schon in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. Seine neueste Arbeit befasst sich mit dem Stammbaum von Hense. In diesem noch nicht fertiggestellten Stammbaum treffen wir am Anfang auf einen Johannes Keßler, geb. vor 1629, gest. 1661.

Anmerkungen der Redaktion

  1. Der Verein nennt sich auch „SSV 1924 Allendorf/Hohenfels“. Demnach dürfte die Festschrift im Jubiläumsjahr 1999 erstellt worden sein.
  2. Siehe Brüder vom gemeinsamen LebenWikipedia-logo.png
  3. Siehe Liste der Herrscher ThüringensWikipedia-logo.png
  4. Siehe Martinskirche (Dautphe)Wikipedia-logo.png
  5. Ein Schuh = knapp 29 Zentimeter, siehe Schuh (Einheit)Wikipedia-logo.png – später waren es 25 cm, siehe Alte Maße und Gewichte (Hessen)Wikipedia-logo.png