Juden in Breidenbach: Feldfrevel und Strafen

Aus Genealogen im Hinterland
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Text von Norbert Nossek, im Juni 2006.

Siehe auch Die Juden in Breidenbach


Auszüge aus den Unterlagen über Feldfreveldelikte in den Jahren 1842 bis 1857, in denen jüdische Ortsbürger involviert waren.

Allgemeines: Der Feldfrevel war in Zeiten bitterer Armut ein ernstes Thema. Man sollte bedenken, daß die Menschen, besonders in unserer unfruchtbaren Gegend, auf jede Kartoffel und auf jedes Büschel Gras angewiesen waren. So wurden, wie wir heutzutage meinen, auch die kleinsten Verstöße in Strafe gestellt und hart geahndet. Zur Anzeige kamen die unterschiedlichsten und kuriosesten Vergehen, von denen ich hier einige Auszüge aus dem Großherzoglichen Ministerium des Inneren und der Justiz vorbringe. In der Regel ist die Eintragung der Schadenshöhe in “kr.” Kreuzer angegeben. Der besondere Umstand bei jüdischen Bürgern war der, daß ihr Sabbad am Samstag war und sie trotzdem an dem christlichen Sonn- und Feiertagen die Sonntagsruhe einhalten mußten. Mit scharfen Augen überwachte dies der Flurschütz, der die Sünder, wenn er sie auf frischer Tat ertappte, sofort stellte und zur Anzeige brachte.

5.5.1842 Jonas Suntheim Sohn Jacob wurde betroffen, daß er am Himmelfahrtstag auf der Elschenwiese einen halben Korb voll Kraut zum Salat gerupft hat, auf Senner Müllers Wiese. Friedrich Senner, Schaden 2 kr.

12.9.1842 Jost Seibel 2. Tochter Charlotte hat auf dem Hofacker tags in den Gelbrüben des Daniel Herzberg ¼ Last Unkraut gerupft. Daniel Herzberg Schaden 2 kr.

13.4.1843 Katharina Weigershaußen, Magd des Daniel Herzberg, ist der Christian Feurings Witwe durch die Wiese gegangen. Christian Feurings Witwe Schaden 6 kr.

13.8.1843 Moses Sonneborn seine zwei Söhne, Keiner und Maier, sind unter dem Gottesdienst vor dem Geweidige dem Bürgermeister Schmidt in Erbsen gewesen. Haftbar Vater. Schaden 15 kr.

15.9.1843 Herz Frank von Lahnhausen, Königreich Preußen, hat mittels durch treiben einer Herde Vieh an der Frucht und Kartoffeln durch zwei Stück Rindvieh Schaden thun lassen. Der Schaden ist durch ein Taxator abgeschätzt worden, für den Herz Frank zu 2 fl. (Gulden) 20 kr. und da er ein Ausländer war, so hat man die Strafe nach § 59 des Feldstrafengesetzes mit 2x , also 4 fl. 40 kr. deponieren lassen, das Pfandgeld und Gerichtskosten ist aber übersehen, der Schütz steht auch davon ab, die übrigen Kosten für Taxator und Gendarmen sind gleich berichtigt. Schaden Johs. Schmidt 2. 45 kr., Bgmstr. Schmidt 25 kr., Johs. Achenbach 1. 15 kr., Christian Becker 30 kr.,

31.3.1844 Moses Sonneborn Sohn, Heinemann, hat auf den Sonntag Palmarum mit einer Ziege in dem Garten des Heinrich Reitz 2. gehütet und 2 Zwetschen Bäumchen abfressen lassen. Der Vater haftbar. Schaden 15 kr.

7.8.1844 Joseph Sonneborn sind in seinen Erbsen am Hintal 5 Stück Wucherblumen gefunden worden. Pfarrer Beisenherz desgleichen 4 Stück in der Wallstadt. Daniel Sonneborn in der Wallstadt 6 Stück Wucherblumen auf seinem Acker gefunden worden. Friedrich Sinner desgleichen 5 Stück auf dem Acker vorm Hausberg.

22.7.1845 Isack Löwenstein seinem Acker am Reibertsloh wurden 3 Stück Wucherblumen gefunden. Feist Sonneborn seinem Acker vor der Ubricht 4 Stück Wucherblumen.

24.7.1845 Herz Stern auf dessen Acker hinterm Altweg wurden 9 Stück Wucherblumen gefunden.

Eine Erklärung zu dem Begriff “Wucherblumen”, denn was hat das Aufkommen dieser Pflanzen mit anzeigewürdigem Feldfrevel zu schaffen ? Bei diesen Anzeigen muß unterstellt werden, daß eine natürliche Ansiedlung der Pflanzen auf den bestellten Saatgrundstücken durch Wind, Wild und Vögel, in jedem Fall ausgeschlossen wurde. Als Urheber des Aufkommens konnte nur ein Zeitgenosse in Frage kommen, der durch Ausbringen von “Wucherblumen” (Pflanzen oder Samen) dem Besitzer des betroffenen Grundstücks spürbaren Schaden zufügen wollte.

5.10.1845 Aron Sonneborn seine Magd hat auf Sonntag um 2 Uhr 5 Stück Kohlrabe im Feld geholt und öffentlich durch den Ort getragen.

2.9.1849 Meier Sonneborn hat am Sonntag unter der Predigt im Garten Bohnen gepflückt. Eine Strafe ist hier nicht verzeichnet, ob das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wurde?

Die Aufzeichnungen enden am 31.7.1857 mit dem Eintrag: Lövi Herzberg Tochter und Magd haben in der Niemandswiese Kirschen zum Essen entwendet. Georg Thomä Schaden 6 kr.