Unternehmerfamilie Henkel

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Eckhard Henkel

Einleitung

Der Nachname Henkel (in Frühformen: Henckel) ist in Wallau an der Lahn weit verbreitet. Prominentester Vertreter ist Fritz Henkel, der Begründer des bekannten Waschmittel- und Konsumgüter-Unternehmens. Er wurde nicht in Wallau geboren, aber seine Eltern. Dieser Artikel widmet sich seiner Familie und deren Vorfahren.

Fritz Henkel (1848–1930)

  • Johann Jost Henkel (1809–1874) ⚭ Johannette (Henriette) Jüngst (1807–1881)
    • Wilhelm Henkel (1838–1916) ⚭ 1879 Auguste von den Steinen (1848–1921)
    • Fritz Henkel (1848–1930) ⚭ 1873 Elisabeth von den Steinen (1852–1904)

Friedrich („Fritz“) Karl Henkel (* 20.03.1848 Vöhl; † 01.03.1930 in Rengsdorf) ist in dem Wikipedia-Artikel Friedrich Karl HenkelWikipedia-logo.png beschrieben; eine gekürzte Nachfahrentabelle befindet sich unter Henkel (Unternehmerfamilie)Wikipedia-logo.png.

Vater Jost Henkel (1809–1874)

Johann Jost Henkel (* 14.11.1809 in Wallau; † 26.12.1874 in Vöhl) war Lehrer in Vöhl und Begründer einer Darlehenskasse für die Landwirtschaft.[1] Er galt als Förderer auf dem Gebiet neuzeitlicher Landwirtschaft. Die Gemeinde Vöhl war die erste Gemeinde im Großherzogtum Hessen, die auf seine Veranlassung die Flurbereinigung einführte und durch Kalkdüngung und Wechsel des Saatkorns große Erfolge erzielte.[2]

Von den beiden Vornamen Johann Jost wird im Hessischen Geschlechterbuch keiner als Rufname hervorgehoben. In der „Wallauer Chronik“ wird er durchgängig als Jost Henkel bezeichnet, z. B. im Seminarabgangszeugnis der Großherzoglich evangelischen Landesschullehrerschule zu Friedberg vom 10. April 1828 oder dem Prüfungsprotokoll des Konsistoriums in Gießen vom 28. April 1829.[3]:S. 366

Mutter Henriette Jüngst (1807–1881)

Johannette (Henriette) Jüngst (* 09.08.1807 in Wallau; † 25.02.1881 in Vöhl)

Bruder Wilhelm Henkel (1838–1916)

Elberfeld um 1855
  • August von den Steinen ⚭ Alwine Schlieper († 1921)
    • Auguste von den Steinen (1848–1921) ⚭ 1879 Wilhelm Henkel (1838–1916)
    • Elisabeth von den Steinen (1852–1904) ⚭ 1873 Fritz Henkel (1848–1930)

Wilhelm Henkel (* 25.01.1838 in Vöhl; † 21.08.1916 in Elberfeld) heiratete am 14. August 1879 in Elberfeld die Auguste von den Steinen (* 6. Mai 1848 in Elberfeld; † 10. August 1921 ebd.).

Wilhelms um zehn Jahre jüngerer Bruder Fritz Henkel (1848–1930, s. o.) hatte sechs Jahre zuvor am 4. Oktober 1873 Augustes jüngere Schwester Elisabeth von den Steinen (* 23. Januar 1852 in Elberfeld; † 5. November 1904 in Düsseldorf) geheiratet.

Die Eltern der beiden Schwestern waren der Kaufmann August von den Steinen und Alwine Schlieper († 10. August 1821 in Elberfeld).

Wilhelm wurde Kaufmann in der Firma seines Schwiegervaters August von den Steinen – einer Krawattenfabrik, die von 1901 bis 1953 im Handelsregister eingetragen war.[4]

Schwester Emma Henkel (1842–1902)

„Matermühle“ in Viermünden (2011)

Caroline Marie Emma Henkel (* 09.10.1842 in Vöhl; † 15.04.1902 in Viermünden) heiratete am 29. November 1868 in Vöhl den Mühlenbesitzer Ludwig Mater aus Viermünden (* 26.04.1835 in Viermünden; † 27.07.1906 ebd.).

Emma gebar im Zeitraum 1869 bis 1883 acht Kinder, alle in Viermünden:

  • Ludwig Mater (1835–1906) ⚭ Emma Henkel (1842–1902)
    • Anna Mater (* 22. November 1869)
    • Elisabeth Mater (* 23. Juni 1871)
    • Heinrich Mater (* 22. Dezember 1872)
    • Martha Mater (* 20. Juli 1875)
    • Wilhelm Mater (* 5. Juni 1877)
      • Marlies Mater ⚭ N.N. Gerlicher
    • Clara Mater (* 19. Mai 1878)
    • Carl Mater (* 15. April 1880)
    • Emma Mater (* 7. März 1883)

Das Geschwisterpaar Martha und Wilhelm stiftete im Jahr 1934 der Petrus-Kirche in Viermünden ein „Petrus-Fenster“ – eine farbige Glasmalerei des Marburger Künstlers Erhardt KlonkWikipedia-logo.png. Das Fenster befindet sich an prominenter Stelle hinter dem Altar.[5] Das Motiv wird wie folgt beschrieben:

„Dramatische Wellenkämme drohen den sinkenden Petrus zu verschlingen, doch Christus in rotem Gewand breitet die Arme aus und ruft ihm, wie ein Spruchband über der Szene aussagt, zu: ‚O du Kleingläubiger, warum zweifelst du?‘[6] In einer Blickachse begegnen sich die Augenpaare der beiden Männer, suchende und helfende Hände bewegen sich scheinbar aneinander vorbei.“

Karl-Hermann Völker[7]

Wilhelm übernahm die „Matermühle“ von seinem Vater Ludwig, eröffnete im August 1907 eine Bäckerei und statte die Mühle im Sommer 1913 mit elektrischer Energie aus, die durch eine eigene Turbinenanlage am Mühlengraben gewonnen wurde. Der Betrieb der Mühle wurde bis zum Tod Wilhelms im Jahr 1951 aufrecht gehalten. Die Mühle ging in das Eigentum der Tochter Marlies über, die den Mühlenkomplex am 1. November 1958 an Hermann Radeloff aus Essen verkaufte. Der Frankenberger Bäckermeister Walter Wenk übernahm die Mühle zehn Jahre später.[7]

Henkel und Bagel, zwei Düsseldorfer Unternehmer-Familien

Unternehmerfamilie Henkel

Das Düsseldorfer Unternehmen HenkelWikipedia-logo.png wurde vom Kommerzienrat Fritz HenkelWikipedia-logo.png begründet. Auch heute noch steht die Düsseldorfer Unternehmerfamilie HenkelWikipedia-logo.png in enger Verbindung zu dem Unternehmen und der „Henkel-Clan“ hält 52,57 Prozent der Stammaktien (Stand 2009).[8] So ist beispielsweise Simone Bagel-TrahWikipedia-logo.png derzeit Aufsichtsratsvorsitzende und Vorsitzende des Gesellschafterausschusses des Henkel-Konzerns. Sie ist eine Ur-Ur-Enkelin des Firmengründers Fritz Henkel. Ihr Großvater Carl August Bagel (1902–1941) brachte sich durch die Heirat mit Ilse Elisabeth Henkel (1908–1991) in die Henkel-Unternehmerfamilie ein.

Über ihren Vater Fritz Bagel ist in einem Zeitungs-Artikel zu lesen:

„Fritz Bagel, Enkel des Großindustriellen Fritz Henkel, ist neuer Träger der Ehrennadel der Stadt Unkel. […]

Fritz Bagel und seine Familie verbinde eine lange Geschichte mit Unkel, die bis ins Jahr 1915 zurückreiche, berichtete der Stadtbürgermeister. Damals erwarb Henkel das große Gelände nebst Anwesen an der Bahnhofstraße zwischen Rheinpromenade und Siebengebirgsstraße, das er später zum Landsitz ‚Haus Henkel‘ umbauen ließ. ‚Viele Geschäftsleute aus Düsseldorf und Köln hatten Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts die Idee, rheinaufwärts Grundbesitz in der landschaftlich reizvollen Umgebung zu erwerben.‘

Für die Familie Henkel sei Tradition ein hohes Gut, vor allem das sorgsame Bewahren und Behüten sowie Pflegen. Das habe Unkel zuerst durch Fritz Henkel erfahren, dem die Stadt den Fußballplatz am ehemaligen Freibad verdankt, während der Unkeler Löschzug von ihm nicht nur seine erste Motorpumpe, sondern auch ein Feuerwehrfahrzeug erhielt. ‚Diese Tradition setzt Fritz Bagel fort, wobei ich nicht alle Details seines Engagements auflisten möchte‘, erklärte Hausen. Er erinnerte beispielhaft daran, dass die Carl-Loewe-Musiktage des Geschichtsvereins nach dem Ausfall der Unkeler Burg als Veranstaltungsort im sogenannten Palmenhaus der Villa Henkel eine Bleibe gefunden haben, die Konzertmoderator Konrad Beikircher liebevoll als ‚Unkeler Philharmonie‘ bezeichne.

Als weiteres Beispiel führte der Bürgermeister die Unterstützung von Bagel beim Ausbau und bei der Renovierung des Unkeler Kindergartens an. ‚Begeistert sind wir alle auch von der Restaurierung der historischen Stadtmauer an der Rheinpromenade. Ein Glanzstück als Investition in unsere Zukunft‘, schwärmte Hausen. Den Dreiklang aus Bewahren, Behüten und Pflegen könne er sich als Verfeinerung des Unkeler Leitbildes vorstellen.

Der neue Ehrennadel-Träger berichtete aus seiner Vita. Gegen Ende des Krieges sei er mit seiner Mutter aus Bayern nach Unkel gekommen, berichtete Bagel. Zwei Tage lang habe er die Schule besucht, bis diese geschlossen worden sei, so dass er Privatunterricht erhalten habe. Dann seien die Amerikaner in Unkel einmarschiert. Ihn und seine Mutter Ilse Elisabeth, die 1941 nach dem Tod seines Vaters, Carl August Bagel, mit 37 Jahren Familienoberhaupt geworden sei, warfen die Amerikaner aus der Villa, um sich dort einzuquartieren.“

Horst-Dieter Küsters: Ehrennadel der Stadt für Fritz Bagel – In guter Familientradition. In: General Anzeiger Bonn. 4. Januar 2016, abgerufen am 16. August 2016.

Mit dem „Großindustriellen Fritz Henkel“ ist nicht der Kommerzienrat Fritz Henkel gemeint, sondern dessen Sohn Fritz (* 25. Juli 1875 in Aachen; † 4. Januar 1930 in Unkel). Beide werden gelegentlich verwechselt. „Fritz junior“ hatte UnkelWikipedia-logo.png als Altersruhesitz gewählt und sich dort u. a. sozial engagiert. Beide, „Fritz senior“ und „Fritz junior“ sind übrigens im selben Jahr 1930 verstorben, der Sohn 54-jährig, zwei Monate vor dem Vater.

Adolf Menges über Fritz Henkel

Adolf Menges, im Jahr 1936 Rektor im Ruhestand, würdigte Fritz Henkel in seinem Werk Geschichte und Kulturkunde des Dorfes Wallau an der Lahn,[3] oft salopp als „Wallauer Chronik“ bezeichnet, im Kapitel „Kommerzienrat Fritz Henkel“ (S. 445 f.):

Kommerzienrat Fritz Henkel

Die Vorfahren sind echte Bauern und Hofpächter von Wallau gewesen, von denen einige als Kirchensenioren, als Hauptmann des Grundes Breidenbach, als Bürgermeister segensreich gewirkt haben. Der Stammbaum der Familie Henkel weist ein weitverzweigtes Geschlecht nach, von dem die Henkel „Auf dem Hof“ (Howe) die Stammeltern des Herrn Kommerzienrats waren. Der Vater Fritz Henkels war der Lehrer Johann Jost Henkel, geboren am 14. November 1809; dessen Eltern waren Johannes Henkel und Maria Elisabeth Weigel, eine Tochter des Schultheißen Johann Jakob Weigel aus Schoppmanns Haus. Aus dem „Howe-Haus“ wurde Johann Jost Henkel Lehrer in Vöhl. Von seiner Frau Johannette geb. Jüngst aus der Papiermühle (geboren am 9. August 1807), seit 11. November 1832 vermählt, wurde als fünftes Kind Fritz Henkel am 20. März 1848 geboren. Die Schulausbildung erhielt er in Corbach, und mit 17 Jahren verließ er das Elternhaus, um als Lehrling in die chemische Fabrik Gebrüder Gessert in Elberfeld einzutreten; er wurde innerhalb von neun Jahren Prokurist und Direktor. Dann wurde er selbständig in der Aachener Großhandlung für Lacke und Farben von Henkel u. Strebel. Am 4. Oktober 1875 gründete er mit Elisabeth von den Steinen einen Hausstand, dem drei Kinder entsprossen; eines starb früh.

In der Gründerperiode eröffneten sich für die chemische Industrie reiche Zukunftsmöglichkeiten. Er löste sich von Strebel und gründete 1876 die eigene Firma Henkel u. Cie.; ein Jahr später ging sie in seinen alleinigen Besitz über. Er brachte „Henkels Bleichsoda“, das neue Waschmittel heraus, dann „Henko“, später „Persil“, „Ata“ und anderes. Bei seinem Wappen verwandte er den hessischen Löwen in treuem Gedenken an seine Heimat. Das neue Waschmittel war nicht nur ein Segen für die Frauen bei ihrer Wäsche, sondern brachte auch dem Fabrikanten reichen Gewinn ein. Der Betrieb wurde durch eine vielseitige Reklame unterstützt und gefördert. Der Besitzer widmete sich bis in sein hohes Alter mit unermüdlichem Fleiße und großer Pflichttreue dem geschaffenen Werke.

Die Gemeinde Wallau, unter Leitung von Bürgermeister Christian Hainbach, trat an den reichen Sohn unseres Dorfes heran und lenkte in Darstellungen des Verfassers dieser Zeilen den sozialen Sinn auf den Geburtsort der Ahnen. Er stiftete 50 000 RM. zur Errichtung des Fritz-Henkel-Hauses in den Birken. Zugleich wurde auch die Verbindung mit den nächsten Verwandten angebahnt und diese mit Renten ausgestattet. Herr Kommerzienrat Henkel stattete dem Dorfe einen Besuch ab, und es gelang ihm, von seinen Verwandten, dem Schuhmachermeister Heinrich Henkel XII., das Stammhaus mit Scheune im Jahre 1928 zu erwerben, als er 80 Jahre alt wurde. Das Nachbarhaus von Christian Blöcher sen. (Josts) wurde angekauft, dann abgebrochen und in nächster Nachbarschaft des Stammhauses das neue stattliche Geschäftshaus von Heinrich Henkel XII. mit dem mit modernen Waren ausgestatteten Schuhladen errichtet und daran die Reparaturwerkstätte für Autos und für elektrische Anlagen von Schneider u. Blöcher angegliedert. Christian Blöcher jun. ist der Schwiegersohn von Heinrich Henkel XII.. Auch ihm wurde ein neues Haus in dieser Zeit an dem Wege nach den Birken gebaut. Das Haus von Ludwig Debus, das früher den Namen „Lampartushaus“ führte, wurde angekauft und zur Scheune für Heinrich Henkel XII. umgestaltet. Das Stammhaus erhielt der junge Jost Henkel von Düsseldorf; heute dient es als Aufenthaltsort für die Jugendbewegung. Außerdem wurden viele Ländereien angekauft und im „Weiden Tal“ im Hainbach eine Hühnerfarm moderner Art mit Wohnhaus dabei angelegt. Christian Blöcher sen. siedelte sich mit einer schönen Bauernhofreite im Wiesenweg an; dort baute sich auch Dachdecker Ludwig Debus ein Haus. Ein reicher Geldstrom floß ins Dorf. Der soziale Sinn und die Liebe zur Heimat des Herrn Kommerzienrats spielten ursächliche Rolle. Doch wurde ihm durch die vielen Eingaben das Geben verleitet. Als er am 1. März 1930 als einundachtzigjähriger Greis die nimmermüden Augen schloß, versiegte die reichfließende Quelle. Die Anverwandten zeigten nicht das Interesse für Wallau; wohl blieb das Stammhaus im Besitze von Jost Henkel, auch das erworbene Land. Dagegen wurde die Hühnerfarm für einen entsprechenden Preis an Heinrich Henkel XII. verkauft, der die Leitung seinem fleißigen und sparsamen Schwiegersohne Christian Thome aus Spenglers Haus übertrug.

Die hilfreiche und fürsorgliche Gestalt des Wohltäters schwebte wie ein leuchtender Meteor über Wallau, der mit seinem Tode erlosch. Mögen unter seinen Nachkommen sich Männer mit gleichem sozialem Sinn finden, welche der Urheimat, dem armen Arbeiterdorfe Wallau, mit gleichen Vorteilen für das Allgemeinwohl gedenken, wie das Fritz-Henkel-Haus sich als Heimstätte für alle Veranstaltungen so segensreich erwiesen hat! In den Herzen aller Einwohner hat sich Herr Kommerzienrat Fritz Henkel ein bleibendes Denkmal gesetzt. Die Gemeinde hat die Straße vom Einfluß des Erisbachs in den Hainbach bis zum Beginn der Verzweigung der Bahnhof- und Alten Straße, in der das Stammhaus liegt, „Fritz-Henkel-Straße“ genannt.

Requiescat in pace!
Er ruhe in Frieden!

Adolf Menges lobt also Fritz Henkels soziales und finanzielles Engagement in Wallau und erwähnt, dass ihm sein Geben von den vielen Eingaben der Wallauer verleitet wurde. Das Kapitel „Kommerzienrat Fritz Henkel“ ist nicht die einzige Stelle in Menges Orts-Chronik, das sich Fritz Henkel widmet. Fritz Henkels Vater Johann Jost Henkel (* 14. November 1809 in Wallau; † 26. Dezember 1874 in Vöhl) wird von Menges als „Jost Henkel“ bezeichnet; offenbar war „Jost“ der Rufname des Vaters.

  • Das Kapitel „Bewerbung um eine Lehrstelle durch Jost Henkel 1829“ umfasst drei Seiten (S. 365–367)
  • Auf Seite 416 f. wird ein ganzseitiges Porträt des Fritz Henkel dargestellt.
  • Vor der Seite 385 wird ganzseitig eine Reproduktion einer Grafik dargestellt, die anlässlich des Todes von Fritz Henkel erstellt wurde. Sie hat die Bildunterschrift „Abbildung 57. Unserem großen Toten (Lomberg). (Seite 446.)“. Mit „Seite 446“ ist ein Verweis auf das o. g. Kapitel „Kommerzienrat Fritz Henkel“ gemeint. „Lomberg“ wird in Bildunterschriften des Werks mehrfach genannt, offenbar handelt es sich um einen Bild-Autor; es gibt in Menges Werk keinen Bildnachweis. Im Fußbereich der Grafik ist eine Datierung vorhanden: „5. März 1930 – Düsseldorf-Holthausen“ – also vier Tage nach dem Tod des Fritz Henkel. Zentrales Element der Grafik ist der Text:
„Unser aller Seniorchef, der Gründer unserer Firma, ist von uns gegangen. Gegenwärtig ist sein Geist, mit dem er die Firma aufbaute und das Bild seiner Persönlichkeit. Er ist gegangen – die Firma muß und wird weiterleben! Wir alle fühlen sein Wirken und seinen Geist in uns, und dies gibt uns den Willen und die Kraft, sein Werk weiterzuführen. Das ist unsere feste Zuversicht!“
Dem Text folgt eine handschriftliche Signatur, die Fritz’ Sohn Hugo HenkelWikipedia-logo.png zuzurechen ist. Die Bordüre der Grafik ist mit Eicheln und Eichenblättern verziert, das dürfte nicht ungewöhnlich gewesen sein. Jedoch: Vierfach ist ein Anker-Symbol dargestellt und am Kopf ist ein liegender Löwe zu sehen. Die Semantik dieser Symbole ist bislang unbekannt. In welchem Kontext die Grafik publiziert wurde, erklärt Menges nicht. Nicht verwunderlich ist, dass die Grafik ein paar Tage nach dem Tod des Fritz Henkel datiert ist: Die Produktion dürfte mit einem Aufwand verbunden gewesen sein, der ein paar Tage nach der Todesnachricht in Anspruch genommen hat.

Unternehmerfamilie Bagel

Das Düsseldorfer Unternehmen A. Bagel blickt auf eine über 200-jährige Geschichte zurück.[9] Derzeit hat das Unternehmen die Rechtsform „GmbH & Co. KG“ und ist Teil der „Bagel-Gruppe“.[10] In den Jahren 1921 bis 1937 hatte das Unternehmen die Rechtsform einer Aktiengesellschaft.[11] Wenn man sich die Einträge bzgl. des Unternehmens im Online-Verzeichnis der Deutschen Nationalbibliothek[12] anschaut, sind es über wiegend Werke aus den 1980er Jahren, Lehrbücher und Audio-Medien des Verlags.

Über die Familie Bagel erfahren wir mehr in einem Wikipedia-ArtikelWikipedia-logo.png und in einem Eintrag in Karl Friedrich Pfau: Bagel. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 185 f.

Was verbindet die beiden Düsseldorfer Unternehmer-Familien?

Mir sind drei Werke aufgefallen, die von A. Bagel, Düsseldorf gedruckt wurden und in Verbindung zur Unternehmerfamilie Henkel stehen:

  • Die Beiträge zur Geschichte der Familie Henkel[13] des Carl vom Berg wurde 1924 von „A. Bagel, Düsseldorf“ gedruckt. Das Werk ist nicht im Handel erschienen.[14] Es kann davon ausgegangen werden, dass die Unternehmer-Familie Henkel (Fritz Senior, Fritz Junior, Hugo und Emmy) oder der Unternehmensgründer Fritz Senior den Genealogen Carl vom Berg mit der Erforschung der Familiengeschichte beauftragt hatte und dass das Werk nur zur Verbreitung innerhalb der Familie gedacht war. Fritz Senior ist sechs Jahre nach dem Druck des Werks im Jahr 1930 verstorben, kurz vor Vollendung seines 82. Lebensjahres.
  • Die sogenannte „Wallauer Chronik“[3] wurde 1936 von „A. Bagel AG, Düsseldorf“ gedruckt.
  • Es gibt eine Unternehmens-Broschüre des Unternehmens Henkel, die im Jahr 1951 von A. Bagel gedruckt wurde:
Henkel und Cie GmbH (Hrsg.): Eine Bilderfolge zum Gedenktage des 75jährigen Bestehens der Henkel & Cie GmbH Düsseldorf, Fabrik chemischer Produkte am 26. September 1951. Henkel und Cie GmbH, Druck: A. Bagel, Düsseldorf 1951.

Im Rahmen meiner persönlichen Ahnen- und Familienforschung hatte ich mich u. a. mit Forschungen zur Düsseldorfer Unternehmerfamilie Henkel gewidmet. Die dabei gewonnen Erkenntnisse habe ich im Jahr 2013 der Wikipedia im Artikel Henkel (Unternehmerfamilie)Wikipedia-logo.png zur Verfügung gestellt. In der Nachkommentafel ist zu sehen, dass in der Generation III.1Wikipedia-logo.png erstmalig der Nachname Bagel in die Familie Henkel Einzug hält: Es handelt sich um Carl August Bagel (* 9. Juni 1902 in Düsseldorf; † 13. Juli 1941 ebenda). Seit 2014 gibt es in Wikipedia auch einen Artikel zur Unternehmer-Familie BagelWikipedia-logo.png. Bislang fehlt dort eine Einordnung des Carl August Bagel.

In anderen Worten: Es ist bislang nicht erwiesen, ob Carl August Bagel ein Mitglied der Unternehmer-Familie Bagel ist. Der Verdacht liegt nahe, jedoch fehlte mir bislang ein Beleg. Den einzigen Beleg, den ich dazu finden konnte, ist ein Online-Artikel des Manager Magazins:

„Simone Bagel-Trah wird am 10. Januar 1969 als Tochter von Fritz Bagel in Düsseldorf geboren. Sie ist eine Ururenkelin des Firmengründers Fritz Henkel. Ihre Großmutter Ilse Henkel, Tochter von Fritz Henkel jr., heiratete Carl August Bagel, dessen Vorfahren Hugenotten waren. Deshalb spricht sich Bagel französisch aus (Bahschel). Die Familie Bagel besitzt in Ratingen ein Druckerei- und Verlagsunternehmen mit Standorten in der Schweiz und Skandinavien.“

Simone Bagel-Trah – Ohne Schaum. In: Manager Magazin. 9. Dezember 2009, abgerufen am 17. August 2016.

In dem Artikel wird also ein Bezug hergestellt zwischen den beiden Unternehmer-Familien Henkel und Bagel. Dieser „Manager Magazin“-Artikel allein ist mir ein schwacher Beleg. Wünschenswert wäre es, wenn es gelingen könnte, Carl August Bagel (1902–1941) in die Genealogie der Unternehmer-Familie BagelWikipedia-logo.png einzuordnen.

Ein weiterer Hinweis aus der Online-Presse:

„Die Bagels wie die Henkels sind aus Düsseldorf nicht wegzudenken. August Bagel gehörte einst zu den Finanziers der Oberkasseler Brücke und der Besiedelung von Oberkassel.

1929 heiratete dessen Sohn Carl August Bagel Fritz Henkels Tochter Ilse. Die Bagel-Gruppe ist noch heute in den Bereichen Etikettendruck, Rollen-Offset-Druck und Tiefdruck europaweit tätig. Wie ihre Schwester scherte jedoch Friderike Bagel aus, die Mutter eines fünfjährigen Sohnes arbeitet als Rechtsanwältin bei KPMG.“

Helga Meister: Stabwechsel bei den Freundinnen der Kunst – Friderike Bagel ist die neue Vorsitzende der Freunde der Kunstakademie. In: Westdeutsche Zeitung. 8. Februar 2011, abgerufen am 17. August 2016.

Ich werde mich etwas mit der Genealogie der Familie Bagel vertraut machen. Eine interessante Quelle scheint mir dieses Werk zu sein:

  • Sandra Zeumer: Die Nachfolge in Familienunternehmen: drei Fallbeispiele aus dem Bergischen Land im 19. und 20. Jahrhundert. Steiner, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-515-09940-0.

Ein Inhaltsverzeichnis des Werks ist hier verfügbar. Kapitel 6 widmet sich der Familie Bagel, im Anhang auf Seite 357 ein Stammbaum der Familie. (Signatur in der Universitäts- und Landesbibliothek BonnULB BonnWikipedia-logo.png: 2012/3365)

Elsa Blöchers Forschungen zum Familiennamen Henkel

Elsa BlöcherWikipedia-logo.png hatte sich u. a. dem Thema „Familienname Henkel“ gewidmet, sie hatte dazu in den Kirchenbüchern von Wallau und Breidenbach recherchiert. Ihre Forschungen sind in handschriftlichen Notizen erhalten. Fotokopien dieser Notizen waren im Besitz von Günter BäumnerWikipedia-logo.png. Günter hatte mir einen Satz dieser Kopien zur Verfügung gestellt, jedoch hatte ich bislang noch keine Gelegenheit gefunden, diese Aufzeichnungen auszuwerten.

Literatur

  • Carl vom Berg: Beiträge zur Geschichte der Familie Henkel. Auf Grund des „Stammbaum der Henkel 1470–1912, Manuskript von C. Adolf Stattmann Stuttgart 1912“. Druck: A. Bagel, Düsseldorf 1924, DNB 361818572.
  • Adolf Menges, Rektor i. R.: Geschichte und Kulturkunde des Dorfes Wallau an der Lahn. Die Gemeinde Wallau, Druck: A. Bagel AG., Düsseldorf, 1936, DNB 579485757. Von dem Werk gibt es ein FaksimileWikipedia-logo.png aus dem Jahr 1982, das als „2. Auflage“ deklariert wurde; Druck und Einband: Kahm GmbH, Frankenberg (Eder).
  • Liesel und Franz Konrad: Familienbuch Wallau (Lahn) und Weifenbach. In: Schriften der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung e. V. Nr. 34. Hessische Familiengeschichtliche Vereinigung, Darmstadt 2001, DNB 96319920X.

Anmerkungen und Quellen

  1. Siehe Henkel im Hessischen Geschlechterbuch
  2. Siehe Endnote 17 in Henkel im Hessischen Geschlechterbuch
  3. a b c Siehe Menges 1936
  4. Handelsregister am Amtsgericht Wuppertal, siehe August von den Steinen, Krawattenfabrik, Wuppertal-Elberfeld. In: Handelsregisterakte im Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland. Deutsche Digitale Bibliothek, abgerufen am 17. September 2016.
  5. Anita Lorenz: Petri Kirche. In: http://www.viermuenden.com/. Dr. Mike Schwarz, abgerufen am 17. September 2016.
  6. Siehe Mt 14,31 LUT
  7. a b Karl-Hermann Völker: Früh mit elektrischer Energie – Viermündener Müllerfamilie Mater stiftete ein Petrus-Fenster. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. Verlag Dierichs GmbH & Co KG, 10. Januar 2010, abgerufen am 17. September 2016.
  8. Henkel: Wie die Familie ihr Erbe verwaltet. In: Manager Magazin. 9. Dezember 2009, abgerufen am 16. August 2016.
  9. Ein Unternehmen mit Tradition auf der Website des Unternehmens A. Bagel
  10. Siehe Website der Bagel-Gruppe und Wikipedia-Artikel Bagel-GruppeWikipedia-logo.png
  11. Siehe A. Bagel AG, Düsseldorf auf einer Website der Deutschen Digitalen Bibliothek, Datengeber ist das Bundesarchiv.
  12. Bagel Verlag im Katalog der Deutschen NationalbibliothekWikipedia-logo.png
  13. Siehe vom Berg 1924
  14. Siehe DNB 361818572