Die Pfarrer zu Buchenau

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Peter Ihm[1]

Entstehung einer Patronatskirche

Wir wissen nicht, wann Buchenaus erste Kirche gebaut wurde. Vielleicht entstand sie als Filialkirche von Dautphe, das bereits im Jahre 791 urkundlich als Mark, später als Graf ­(Comicia) oder Hundertschaft (Cent) in Erscheinung trat. Ein Chorturm mit Kreuzgratgewölbe weist auf das späte 13. Jahrhundert hin, doch wird behauptet, ein sich in der Kirche befindlicher, nicht mehr auffindbarer Stein habe die Jahreszahl 1090 getragen. Die älteste erhaltene Urkunde, die Buchenau erwähnt, datiert von 1238, und es ist unwahrscheinlich, daß damals noch keine Kirche vorhanden war.

In Buchenau waren neben den Herren von Hohenfels die Geschlechter Linne (Lynne), Buchenau, Dernbach und Döring begütert. Als nassauisches Lehen besaßen die Herren von Linne das Patronat über die Kirche und damit vor allem das Vorschlagsrecht für das Pfarramt, aber auch die Unterhaltspflicht für die Kirche, wenn deren Einkünfte nicht ausreichten. 1395 fiel dieses Recht an die Herren von Dernbach, 1477 gemeinschaftlich an die von Breidenbach, Döring und Weitershausen, 1492 endlich an die von Döring allein, die es 1791 nach Aussterben des Geschlechtes im Mannesstamme an die von Breidenbach vererbten. Dort verblieb es jedoch nicht, sondern kam mit dem Elmshäuser Gut später in verschiedene Hände und gehört heute der Familie Ohm-Winter. Erlischt ein Patronat durch Verzicht, kann es nicht erneuert werden. Als historisches Erbe sollte man es beibehalten.

Die ersten Pfarrer

Buchenauer Pfarrer aus früheren Zeiten sind nur aus Urkunden bekannt. Erwähnt wurden 1265 Eckhard von Hohenfels, 1335 und 1340 Peter, sowie 1380 Gysen oder Eyse und 1485 Joachim Dume (beide zugleich Kämmerer des Dekanats Kesterburg), schließlich 1499 Dumel (identisch mit Dume?). Letzter katholischer Pfarrer war Philipp Strack, der das Amt von 1520 bis 1559 ausübte; er nahm 1527, ein Jahr nach Einführung der Reformation in Hessen, das lutherische Bekenntnis an. Von Dumel an – aber vielleicht auch schon vorher – müssen die Pfarrer auf Döringischen Vorschlag ernannt worden sein. Unterlagen hierüber sowie auch bezüglich einer Reihe ihrer Nachfolger sind bislang nicht bekannt geworden; erst von Pfarrer Marschall an (1728) liegen die Präsentationsschreiben vor. Dennoch ist einiges über Stracks Nachfolger bekannt. Zunächst hatte dessen Schwiegersohn Peter Faber (Fabri) von „Veiz“ das Priesteramt bis zu seinem Tod am 9. März 1620 inne; 1551 war er in Marburg immatrikuliert worden. Wie die Pfarrchronik von Buchenau berichtet, liegt er neben seinem Schwiegervater „in der hiesigen Kirche, wo der große Stein vor dem Altare liegt, begraben“.

Ludwig IV. von Marburg, zu dessen Landgrafschaft das Hinterland gehörte, war kinderlos und hatte in seinem Testament bestimmt, daß sein Land Oberhessen unter den beiden Neffen in Niederhessen (Hessen-Kassel) bzw. in der Grafschaft Katzenelnbogen (Hessen-Darmstadt) aufgeteilt werden sollte unter der Bedingung, daß das lutherische Bekenntnis erhalten bleibe. Der niederhessische Landgraf Moritz der Gelehrte hatte sich nämlich dem Kalvinismus zugewandt.

Nach dem Tode Landgraf Ludwigs von Marburg am 9. Oktober 1604 verstieß Moritz durch Einführung der „Vier Verbesserungspunkte“ gegen diese Bedingung, worauf der Darmstädter Ludwig V. ganz Oberhessen für sich beanspruchte. 55 Priester bzw. Professoren verließen das Land, und es kam 1607 zur Gründung einer lutherischen Universität in Gießen. 36 Kirchenmänner schworen dem Luthertum ab. Auch Faber war dabei, nicht so sein Diakonus (Gehilfe) Johannes Saur – Pfarrerssohn aus Münchhausen, immatrikuliert 1592 in Marburg; er blieb Lutheraner und mußte 1606 gehen, doch fand er eine Pfarrei in Udenhausen bei Lauterbach, wo er bis 1632 wirkte.

Auf Peter Faber folgte 1620 Melchior Vietor aus Biedenkopf, Sohn des Bürgers Jost Bender, 1603 in Marburg immatrikuliert und Stipendiat vom 1.7.1607 bis 1.4.1609. Er starb bereits 1622. Nachfolger wurde Philipp Räder aus Obereisenhausen, 1608 in Marburg immatrikuliert. Nachdem im Dreißigjährigen Krieg Tily 1624 Marburg für den mit dem Kaiser verbündeten lutherischen Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt erobert hatte, fiel der Kalvinist Räder 1624 einer „Säuberungswelle“ zum Opfer und mußte gehen; über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Einige Pfarrer traten jedoch zum lutherischen Bekenntnis über und wurden wiederverwendet. So auch Magister Paul Schlierbach, der zwar seine Pfarrei in Eckelshausen verlor, stattdessen aber in Buchenau Anstellung fand. Schlierbach war Sohn eines Marburger Bürgers gleichen Namens, wurde in dieser Stadt geboren, dort 1623 immatrikuliert und versah von 1613 bis 1623 in seiner Heimatstadt das Amt eines Stadtschulmeisters. Von 1623 bis 1624 war er dann Pfarrer in Eckelshausen, das er – wie gesagt – bei Wiedereinführung des lutherischen Bekenntnisses verlassen mußte. Schlierbach ist aus einem Visitationsbericht etwas besser bekannt als seine Vorgänger. Die Reformation hatte auch als Reaktion auf einen beklagenswerten Sittenverfall unter der Geistlichkeit starken Auftrieb erhalten. Hauptanliegen der frühen Reformatoren war dabei die Verbreitung frommer Tugend, die die Superintendenten durch regelmäßige Inspektionsreisen zu fördern suchten. Wie die erhaltenen Akten[2] offenbaren, wurden diese Inspektionen in der Folge oft zu einer Last für die Pfarrer. Sie beklagten sich darüber, daß sie die Superintendenten, die mehr und mehr vornehmlich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Pfarreien prüften, zu logieren und „traktieren“, d. h. zu beköstigen, hatten. Im Volksmund sprach man daher statt von Kirchen- respektlos von Küchen-Inspektoren und nannte die „welschen Hahnen“ respektlos Superintendenten-Vögel. Wie 1628 einer dieser Inspektoren bei Pfarrer Schlierbach traktiert wurde, ist nicht bekannt, jedenfalls berichtete er von dem Vorwurf der Gemeinde, „daß er in einem Monath wohl ein- oder zweymahl Bier brawe“, was „vielmehr einem Bierbrawer als einem Pfarrer anstehe“. Es galt übrigens schon im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts in der Landgrafschaft als unvereinbar mit dem geistlichen Stand, ein „offenes Würtshaus“ zu halten. Allerdings hatte dies auch nur ein einziger gewagt:

Pfarrer Wilhelm Eichenius aus Amönau. Paul Schlierbach hatte sein Amt in schwieriger Zeit übernommen. Im Winter 1640/41 marschierten kaiserliche Truppen durch das Amt Biedenkopf und richteten großen Schaden an. Auch Schlierbach war betroffen und mußte den Verlust von Büchern im Werte von 116 Gulden anmelden. Das Ende des Krieges erlebte er nicht mehr; er starb im Jahre 1644.

Die Dynastie Müller

Ab 1650 gehörten das Hinterland und Gebiete am Edersee zu Hessen-Darmstadt, wo es bis zur Annektion durch Preußen im Dezember 1866 blieb. Marburg kam endgültig zu Hessen-Kassel, und das Hinterland wurde kirchlich nicht mehr aus dieser Stadt verwaltet, sondern kam in die Zuständigkeit einer zweiten Gießener Superintendentur. Das Bekenntnis war hinfort lutherisch.

Als Schlierbachs Nachfolger wurde Johann Christoph Müller aus Schwabach bei Nürnberg am 26.1.1645 in das Buchenauer Pfarramt eingeführt. Wo er studiert hat, ist unbekannt. In seine Amtszeit fällt die Ausstattung der Kirche mit der jetzigen Kanzel (1660). Müller starb fünfundvierzigjährig 1686.

Auf den Vater folgte der Sohn, Andreas Müller, der bei der Ordination am 10. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1686 erst zwanzig Jahre alt war. Als 1709 Andreas Müller starb, übernahm dessen Sohn Wolrad Paul Müller das Amt. Er war am 15.3.1701 in Gießen immatrikuliert worden. Das Amt in Buchenau übte er bis 1727 aus, ging dann bis 1740 nach Hatzfeld, wurde 1740 Hofprediger in Butzbach, 1742 Pfarrer und Metropolitan in Nidda, 1748 in Echzell, wo er am 1. September 1749 starb.

Großvater, Vater und Sohn Müller hatten die Regierung von fünf Landgrafen erlebt: Georg II. (1626–1661), Ludwig VI. (1661–1678), Ludwig VII. (1678), Ernst Ludwig (1678–1739) und Ludwig Vffl. (1739–1768).

Ein Brand und seine Folgen

Nachdem Andreas Müller Buchenau verlassen hatte, schlug die Döringische Witwe Anna Maria geb. Krauß von Mörsch als „Vormünderin“ ihrer unmündigen Kinder am 1.5.1728 Landgraf Ernst Ludwig zwei Kandidaten zur Auswahl vor: Johann Christian Frech aus Wallau und Heinrich Marschall aus Marburg. Es ist dies das älteste erhaltene Präsentationsschreiben der Buchenauer Patrone. Frech war Sohn der Pfarrers Johann Sebastian Frech, der, 1686 in Gießen immatrikuliert, von 1693 bis zu seinem Tod 1718 Pfarrer in Wallau war. Die Gießener Superintendantur nahm mit Datum vom 18.6.1728 Stellung, befand Frech als noch zu jung und sprach sich für die Ernennung Marschalls aus. Über diesen findet sich in der Buchenauer Pfarrchronik folgender Eintrag:

„Heinrich Marschall, gebürtig von Marburg, wurde am 14. Sonntag nach Trinitatis 1728 eingeführt. Sein Amt hat er 17 Jahre dahier als rechter Seelenhirte verwaltet und würde sicher noch länger dahier mit Segen gewirkt haben, wenn nicht 1745 die Pfarrgebäude durch angebliches Verschulden seines 10jährigen Sohnes ein Raub der Flammen geworden wären. Er mußte deshalb allerhand harte und lieblose Reden hören – und da die frühere Liebe erkaltet war, mußte er sich nach einer anderen Herde umsehen, die er dann auch in demselben Jahr zu Ostheim bei Butzbach fand.“

Altes Buchenauer Pfarrhaus von 1747

Am 10.4.1745, einem Tag vor Palmarum, war das Unglück geschehen, dem auch noch zwei benachbarte Hofreiten je zur Hälfte zum Opfer fielen. In der Chronik der Gemeinde Elmshausen, begonnen 1907 vom damaligen Bürgermeister Andreas Damm, findet sich hierzu:

„Es gab keine Hilfe, da die Männer in Dautphe beim Gericht, die anderen sich auf dem Acker befanden. Die Salbücher und alle anderen Urkunden sind mitverbrannt.“

Nachdem die Pfarrer Christoph Theophil Raab von Dautphe und Johann Justus Kolb von Eckelshausen das Amt mitversehen hatten, wurde es von Johann Gottlieb Sartorius von 1747 bis 1753 provisorisch übernommen. Dieser, am 31.12.1709 in Hatzfeld als Sohn des dortigen Pfarrers Johann Heinrich Sartorius geboren, war am 18.6.1729 in Gießen immatrikuliert worden. Er legte ein neues Kirchenbuch an, in dem er fehlende Daten durch Befragen der Einwohner ergänzte. Ursprünglich hatte der Erbe des Patronats Johann Carl Heinrich von Döring,[3] den Kandidaten Köhler für das Amt vorgeschlagen, wurde aber von einem Geistlichen namens Strack der Simonie bezichtigt, d. h. des Verkaufs eines Kirchenamtes. Dies führte zu einem Prozeß Dörings, der bis zum Ober-Appellationsgericht in Darmstadt ging und die Besetzung der Stelle durch Köhler verhinderte. Wie in erster Instanz geurteilt wurde, ist nicht bekannt, jedenfalls wies Landgraf Ludwig VIII. in einem Schreiben an das Gießener Konsistorium vom 13.6.1749 auf die Berufung gegen das Urteil hin und fragte an, ob eine Fortführung des Prozesses ratsam sei. Die Antwort erfolgte am 9. Dezember des gleichen Jahres. Erst am 20.6.1752 ging in Darmstadt ein Brief von Dörings ein, in dem er um die Einstellung Köhlers bittet: Nachdem am 1.3.1752 die „… von dem durchgefallenen und dahero mißvergnügten Candidaten nunmehro Pfarrherrn Strack“ gegen ihn erhobene Simonie-Klage abgewiesen worden sei, stehe der Bestätigung des von ihm vorgeschlagenen Kandidaten Köhler zum Pfarrer von Buchenau nichts mehr im Wege. Offenbar war aber inzwischen das Problem aufgetreten, dem Pfarrvikar Saitorius eine andere Stelle besorgen zu müssen. Doch die Ereignisse überstürzten sich, denn der Landgraf teilte am 12. Oktober dem Gießener Konsistorium mit, da0 die Simonie-Klage zwar abgewiesen sei, doch, da Köhler inzwischen eine Pfarrei in Niederweidbach erhalten habe, der Herr von Döring den Candidatum Theologiae Johann Andreas Beisenherz von Gettenau, Amt Bingenheim, vorgeschlagen habe. Man solle entsprechend verfahren, außerdem mitteilen, wie „dem bisherigen Vicano Sartorius zu Buchenau zu helfen sein möchte“. Das Konsistorium wusste keinen Rat, doch bald fand Sartorius eine Pfarrei in Hausen bei Gießen, wohin er mit Gattin Maria Elisabeth geb. Zimmermann und Tochter Elisabeth Sophia Philippina (* 1750) übersiedelte; die 1748 in Buchenau geborene Tochter Ernestine Catharina Magdalena war bereits 1752 gestorben. Somit konnte Beisenherz das Amt übernehmen.

Was aber war mit Strack und Köhler geschehen? Unter den vielen hessen-darmstädtischen Pfarrern namens Struck gab es nur einen, der in der angegebenen Zeit eine Pfarrei übernommen hatte: Georg Friedrich Casimir Struck, * 17.2.1720 in Großen-Buseck als Sohn des dortigen Amtsverwesers, immatrikuliert in Gießen am 4.9.1737, 1750 bis 1771 Pfarrer in Wallau, 1771 bis 1793 zuerst Vikar, dann Pfarrer in Ofleiden, emeritiert 1793, † 8.3.1797. Wie er zu dem schweren Vorwurf der Simonie kam, ist unbekannt. Der andere war Heinrich Christian Peter Köhler, 1731 in Gießen immatrikuliert, 1752 bis 1793 Pfarrer in Niederweidbach, † 2.9.1794. Pfarrer im Siebenjährigen Krieg.

Sartorius’ Nachfolger Johann Andreas Christian Beisenherz (*?‚ † 25.12.1793 in Breidenbach) stammte aus einer weitverbreiteten Pfarrer- und Schulmeister-Familie. Großvater Emmanuel war Lateinlehrer gewesen, Vater Johann Caspar (* 1702, † 1759) von 1724 bis 1745 Konrektor in Biedenkopf und von 1745 bis 1759 Präzeptor[4] in Ciettenau. Pfarrer Beisenherz war ein gebildeter Mann, der auch ein guter Violinspieler gewesen sein soll. Aus seiner Feder stammt ein Bericht über die Buchenauer Ereignisse während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) im Salbuch der Kirche,[5] hier ein Auszug:[6]

„Die Franzosen und Preußen zogen mit ihren Armeen durch unser Hinterland. Die Dörfer wurden durch große Lieferungen bedrückt. Vieles hat man überhaupt nicht quittiert, und die Schadenstabelle stieg in den ersten beiden Kriegsjahren auf 14222 Gulden, das ergab eine große Teuerung im ganzen Land. … Am 18. Februar 1761 besetzten die Franzosen die Gegend und rissen alle Brücken ab, die über die Lahn führten. Am 21. Februar mußte auch die Brücke in Buchenau von Elmshäuser Einwohnern beseitigt werden. Zu diesem Elend kam noch ein Hagelwetter am 2. August, das einen großen Teil der Ernte vernichtete. Die französischen Besatzungstruppen deckten sogar das Stroh von den Dächern ab und nahmen es als Streu für die Pferde. Im Jahre 1763 standen sich die feindlichen Heere hier gegenüber, ohne daß es zu größeren Gefechten kam. Lediglich an der Brücke zu Buchenau gab es kleinere Attacken. Der Wald von Buchenau nach Brungershausen und Warzenbach hin war von Lucknerschen Husaren und Braunschweiger Jägern besetzt. Von der Burg bis zum Roßberg in Elmshausen verlief die Stellung des Freicorps Dauphiné, der Grenadiere de France und du Roi. Diese Stellung wurde sechs Wochen beibehalten. Buchenau verlor währenddessen die letzten Lebensmittel. Der Hafervorrat wurde durch die Soldaten von General Luckner in der Kirche zu Buchenau entdeckt und in sein Quartier in Warzenbach gebracht. Am 7. November setzten die Franzosen über die Lahn in Buchenau und verjagten die Posten im Dorf. Den Bürgermeister und die Gemeindeältesten nahmen sie mit nach Elmshausen und forderten von ihnen das Letzte. Luckner erwiderte diesen Vorstoß der Franzosen mit einem verwirrenden Gegenangriff. Dies war eine schreckensvolle Nacht, und umso größer war die Freude, als am nächsten Tage die langersehnte Friedensbotschaft erscholl. Freund und Feind sah man in Buchenau friedlich beisammen. Am 16. November trafen sich noch Luckner, Stainville und Prinz Condé. Der Schaden der Gemeinde betrug 73 633 Gulden.“

Beisenherz’ Frau Henriette geb. Staub gebar in Buchenau fünf Kinder; ein Sohn, Johann Friedrich Christian (* 1756; † 1839) wurde Pfarrer in Breidenbach. 1769, verließ Beisenherz Buchenau und war bis 1773 Pfarrer in Beuern, wo Frau Henriette noch zwei Kindern das Leben schenkte. Dann übernahm er die Pfarrei in Breidenbach.

Die Brüder Bierau

Auf Beisenherz folgte Jacob Cart Bierau (* 17.12.1771). Er stammte aus dem Pfarrhaus in Groß­-Bieberau, Amt Lichtenberg, im Odenwald. Die Wurzeln seiner Familie lagen in Oberhessen. Der Vater, Harttmann (I) Friedrich Bierau (immatrikuliert in Gießen 1707, † 1749) stammte aus Rodheim bei Gießen und war sechseinhalb Jahre Pfarrer in der zu Hessen-Darmstadt gehörenden Grafschaft Itter gewesen. Weil er nicht in Tal-, sondern Bergitter wirkte, wurde er der „Bergprediger“ genannt. Landgraf Ernst Ludwig, ein großer Jäger wie sein Sohn Ludwig VIII., hatte ihn 1723 nach Groß-Bieberau berufen, von wo er 1746 nach Trebur wechselte, Harttmann Friedrich Bieraus Gattin Johanette Christina gebar ihm mindestens zehn Kinder; eine Tochter, Johanette Ernestine, wurde zur Urgroßmutter des Dichters Georg Büchner. Woher Johann Carl von Döring Bierau kannte, ist nicht bekannt, im Buchenauer Kirchenbuch ist aber bei Vikar Sartorius’ Tochter Ernestine 1748 als Taufpatin „Herrn Pfarrer Bierauen zu Trebur Eheliebste“ eingetragen, Zurück zu Jacob Carl Bierau! Er wurde von Johann Carl von Döring präsentiert und mit Unterschrift von Landgraf Ludwig IX. am 16.12.1769 ernannt. Aber dem Pfarrer war kein langes Wirken beschieden. Am 24.10.1770 starb er „an einer auszehrenden Krankheit, mit Hinterlassung einer hochschwangeren Frau“.[7]

Nun präsentierte Johann Carl von Döring den Bruder des Verstorbenen, Christian Wilhelm Bierau:

„… die Pfarr zu Buchenau … vacant geworden, … habe ich dahero den Bruder von dem verstorbenen Pfarrer Bierau, den Candidatum Theologiac Wilhelm Christian Bierau von Rodheim als welchem die Praesentation zu erteilen, mich die Gemeinde Buchenau, wie das untertänigst angebogene Memoriale des mehreren besagt, ersuchet hat, teils in Absicht dessen beigebrachten guten Zeugnissen als insbesonderheit des der allzu früh verwittibten Pfarrer Bierau in hierdurch gereichendem Trost und befordert werdender avantage zu dieser vacanten Pfarrei untertänigst zu praesentieren und um gnädigste Confirmation untertänigst bitten sollen. …“

Das beigelegte Schreiben der Gemeinde spricht sich ähnlich aus, insbesondere, weil „… der Bruder … während der Schwächlichkeit unseres seel. Herrn Pfarrers, als nach dessen Ableben geschehene Verkündung des göttlichen Worts uns dergestalten erbauet hat“. Das Konsistorium befürwortet den Vorschlag und stellt Seiner Durchlaucht anheim, den Vorgeschlagenen, „deme übrigens das Zeugnis eines ohntadelhaften Lebenswandels beigeleget worden, zur consolation[8] der hinterlassenen Bierauischen Witwe“ zu bestätigen. Das geschieht unter dem Datum des 4. April 1771. Hofft man, daß Christian Wilhelm Bierau seines Bruders Witwe zur Frau nimmt und damit ein leidiges Versorgungsproblem aus der Welt schafft? Aber er heiratet sie nicht. Es wäre ihm auch wenig Zeit geblieben, denn wenig später mußte Metropolitan Happel aus Breidenbach zur Feder greifen und dem Konsistorium den Tod Bieraus „nach einer ausgestandenen hectischen Krankheit, … am 9. dieses Monats, im 28. Jahr seines Alters“ mitteilen. Was dann folgte, ist als der berühmte „Besuch der Buchenauer beim Großherzog“ in die Geschichte eingegangen.

Gemeinde gegen Patron: Pfarrer Johann Georg Starck

Patronatsherr von Döring präsentierte als Nachfolger Bieraus den Kandidaten Johann Georg Starck aus Gladenbach (* 14.03.1745). Mit dieser Entscheidung waren aber die Leute nicht einverstanden. Sie schickten eine Bittschrift an das Gießener Konsistorium, die im Original vorliegt. Hier ein Auszug:

„… wir haben sichere Nachricht, daß Herr v. Döring dem Candidat Starck die Praesentation … erteilet habe, welcher auch den ersten Sonntag nach Trinitatis eine Prob-Predigt bei uns und zu Elmshausen abgeleget hat. Als er das Evangelium vor dem Altar verlesen, und über die Epistel geprediget wir beobachtet haben, daß dieser Candidat Mangel an Atem hat, woraus wir vermuten, daß er auf der Brust nicht wohl verwahret sei, und wohl gar an der Schwindsucht laboriere, welches bei der ganzen Gemeinde einen Widerwillen gegen diesen Candidaten verursacht hat. … Die ganze Gemeinde hat dabero anliegende Vollmacht errichtet, um dem Hochfürstl. Consistono nachfolgendes untertänig vorzustellen, welchergestalten wir durch das binnen 3 Jahren erfolgte Absterben derer beiden Pfarrer Bierau, nicht nur große Kosten gehabt, sondern auch hauptsächlich im Christentum verwahrloset worden, maßen wir denen jeden der verstorbenen Bierau kaum 1/4 Jahr gesund gehabt haben, welches verursachet hat, daß kaum Kinderlehren gehalten, die Schule nicht visitieret, noch die Kinder im Christentum unterrichtet worden, die jungen Leute aber ihrer Üppigkeit nachgegangen sind.“

Die Bittschrift wurde von vielen Gemeindemitgliedern unterschrieben, darunter von Bürgermeister Johann Reitze Muth, Gerichtssaß Ludwig Schmitt, Kastenmeister Peter Bracht. Sie kam am 30. Juni in Gießen an.

Das Konsistorium schickte die Bittschrift an Herrn von Döring und forderte ihn zur Stellungnahme auf. Am 4. Juli schrieb er unter anderem:

„Auf die anbei wieder zurückgehende Vorstellung der Gemeinde Buchenau den anbefohlenen Bericht etwas gründlich zu erstatten, würde ein Gesundheits- und Naturkundiger geschickter sein als ich, der ich in dieser Wissenschaft meine Unerfahrenheit bekennen muß; Dann da gedachte Gemeinde meiner dem Candidato Starck zu Gladenbach erteilten Praesentation nur den einzigen Vorwand seiner mißlich aussehenden Gesundheits-Umständen entgegenzusetzen vermag; So würde, wenn dieses andre nach diesen geistlichen Rechten eine hinreichende Ursach seiner Verwerfung sein könnte, ein medicinisches Gutachten für beide Teile das beste Entscheidungsmittel sein. Ich habe bei dem Vorwurfe … mein Augenmerk nicht auf einen feisten Körper, sondern auf die von mir angerühmten guten Eigenschaften des Geistes, und sonstige Geschicklichkeit zu diesem Amte gerichtet … und die von ihm dahier abgehaltene Probepredigt den verdienten Beifall durchgängig erhalten hat. Und da es solchem nach das Ansehen gewinnet, als ob an der vorgeblichen Abneigung der Gemeinde gegen den Candidaten eine bloße Eigenwilligkeit, oder andere verdeckte Absicht, die eigentliche Grund-Ursach seie, derselben aber nachzugehen aber höchst bedenklich, und von einem bösen Exempel sein würde.“

Starck selbst kontert mit einem positiven ärztlichen Gutachten und schreibt:

„… daß ich in meiner Kindheit meine beiden Eltern verloren, mein Vermögen gänzlich darzu verwendet, um Gott und meinen Nebenmenschen zu dienen und meinen künftigen Lebensunterhalt zu finden.“

Daraufhin schlug das Konsistorium Starck zur Ernennung vor, die unter dem Datum vom 27. Juli auch erfolgte; das entsprechende Dokument lag aber erst am 18. August in Gießen vor. Die Buchenauer müssen von diesen Vorgängen offenbar Kenntnis erhalten haben, denn sie richteten nun eine Bittschrift an den Landgrafen, die am 10. August in Darmstadt einging, nach Gießen geschickt wurde, wo sie am 20. August 1772 einging und mit dem lakonischen Vermerk „ad acta“ versehen wurde.

So wäre der Vorgang tatsächlich zu den Akten gelegt worden, wenn die Überlieferung nicht duftende Blüten getrieben hätte. 1934 (?) nämlich veröffentlichte Lehrer Pez aus Brungershausen sein Büchlein Allerlei Gewispel über seltene Käuze, Sitten und Gebräuche aus Großvaters Tagen. Dort findet sich der Bericht Wie die Buchenauer wegen Besetzung der Pfarrstelle zum Großherzog reisen (Auf Grund einer mündlichen Überlieferung). Danach wurden drei Buchenauer nach Darmstadt geschickt, wo sie vom Landesfürsten in Audienz empfangen wurden. Sie legten erfolglos ihren Standpunkt dar, wurden grob und mußten einige Zeit zur Reinigung des Schloßgrabens dableiben. Abgesehen davon, daß erst Landgraf Ludwigs IX. Sohn 1806 als Ludwig I. Großherzog wurde, ist eine Audienz bei ersterem in Darmstadt eher unwahrscheinlich, denn er residierte in Pirmasens und drillte dort seine Truppe; unter den gegebenen Umständen hätte er die Buchenauer sofort unter seine Soldaten gesteckt. Aber es kann ja auch der Kanzler oder ein anderer höherer Beamter gewesen sein, der sie empfing. Jedenfalls dürfte Pez zu den damals in Wiesbaden lagernden Akten keinen Zugang gehabt haben, und wir müssen ihm glauben, daß es sich wirklich um eine mündliche Überlieferung handelte, die ja sicher einen realen Ursprung hatte, auch wenn sie dichterisch ausgeschmückt wurde.

Die Befürchtungen der Buchenauer Gemeinde traten übrigens nicht ein. Starck wirkte „29 Jahr als Lehrer und Prediger der hiesigen Gemeinde“ und starb am 15. April 1801. Er war mit Maria(nne) Philippina, Tochter des Metropolitans Stausebach, verheiratet. Sie hatten vier Kinder. Nachfolger Starcks wurde sein Sohn Johann Anton Leonhard Starck (* 20.10.1774), der aber schon am 5.6.1808 „in der Blüte seiner Jahre“ starb.

Tod in Porto Alegre

1791 war Johann Carl von Döring, der „letzte seines Stammes“, gestorben,[9] wonach das Präsentationsrecht an die Reichsfreiherren von Breidenbach übergegangen war. Von dieser Seite war bereits Leonhard Starck vorgeschlagen worden. Nach dessen Tod folgte Friedrich Christian Klingelhöffer (* 15. September 1784 in Battenberg), Sohn des Forstmeisters Ludwig Klingelhöffer und Verwandter des Amtmannes von Biedenkopf gleichen Namens. Er versah das Amt bis 1819. Seine Gattin Elise geb. Stapp schenkte ihm in Buchenau vier Kinder. Von 1819 bis 1825 war er Pfarrer in Bobenhausen, wo ein Bruder der Bieraus, Franz Christian Otto, Vorgänger war. 1825 wanderte er nach Brasilien aus und wurde bei einem der vielen Aufstände am 6. November 1838 in Porto Alegre von Aufständischen erschossen.[10]

Pfarrer Heinrich Ohly

Für die nach Klingelhöffers Weggang freigewordene Pfarrstelle hatte sich offenbar Pfarrer Soldan aus Simmersbach interessiert, dem die Kirchenleitung aber unter Hinweis auf eine fehlende Verbesserung abriet. Friedrich von Breidenbach seinerseits schlug Heinrich Ohly (* 15.10.1796) aus Hungen vor, von dem die Kirchenbehörde schrieb, „daß er gute Kenntnisse besitzt, auch ein guter Prediger ist, so dürfte der Landesherrlichen gnädigen Bestätigung nichts im Wege stehen“ (Gießen, 29. April 1819). Ohly war Sohn des Fruchtschreibers Christian Konrad Ohly aus Hungen. Er wurde am 7. Juli 1819 von Großherzog Ludewig 1. ernannt und am folgenden 24. vereidigt. Ohly hatte es nicht leicht. Ohne eigenes Vermögen und mit schmalem Gehalt versehen, war er zusätzlich auf die Einkünfte des Pfarrgutes angewiesen, hatte jedoch keine Erfahrung in der Landwirtschaft und mußte zudem noch Vieh und die notwendigen Geräte anschaffen. In einem Brief an den „Großherzoglich Hessischen Hochverordneten Kirchen und Schulrat in Gießen“ bat er um Erlaß eines Teils der Zahlungen in die geistliche Witwenkasse und wies auf seine schlechten materiellen Verhältnisse hin. Zu schaffen machte ihm ein Prozeß mit seinem Amtsvorgänger Klingelhöffer. Dieser hatte vor Ohlys Amtsantritt Getreide gesät und verlangte nun einen Teil der Ernte. Ohly verlor, aber – Ironie des Schicksals! – bei seinem Fortgang von Buchenau gewann sein Amtsnachfolger in der gleichen Angelegenheit einen Prozeß gegen ihn.

Ohly war in erster Ehe mit der 1800 geborenen Friederike geb. Freybe, einer Tochter des fürstlich Waldeckschen Kirchen- und Schulinspektors Christian Freybe († 06.01.1852 in Großen-Buseck) verheiratet. Von den sieben Kindern, denen sie in Buchenau das Leben schenkte, seien drei erwähnt: Georg Friedrich Christian Emil (* 06.08.1820; † 24.08.1890 in Ginsheim bei Mainz), Carl (Karl) Friedrich Christian Hermann (* 08.09.1825; † 1881 in Hamwell bei London) und Hans Friedrich Christian Carl Albrecht (* 27.12.1829; † 20.12.1891 in Darmstadt). Von Friederike Ohly besitzen wir ein Bild, das von einer Porträtzeichnung von Ludwig Emil Grimm (?) abgezeichnet wurde.

Die beiden erstgenannten Söhne studierten in Gießen Theologie. Emil wurde Pfarrer und ist Autor der beiden Erinnerungen an Buchenau, die in diesem Band abgedruckt sind. Karl ging in die Politik, nahm an der Revolution von 1848/49 aktiv teil, mußte in die Schweiz fliehen und siedelte später nach England über, wo er bald in geistige Umnachtung verfiel. Albrecht wurde nach einem Jurastudium in Gießen Rechtsanwalt in Darmstadt, gründete den Hessischen Evangelischen Kirchentag und wurde Oberbürgermeister von Darmstadt.[11] Er machte aus einer verschlafenen Residenz eine moderne Stadt. An seine karitative Tätigkeit erinnert noch das Ohlystift für Kinder aus sozial schwachen Familien. Karl und Albrecht Ohly wurden an anderer Stelle gewürdigt.[12]

1838 übernahm Heinrich Ohly die Pfarrei in Großen-Buseck. Dort starb am 6. Januar 1852 seine Gemahlin Friederike. 1852 heiratete er Wilhelmine Louise Ritter (* 1825 in Korbach; † 22.04.1900 in Bremen). Er starb am 12. Dezember 1862 nachts gegen 12 Uhr im Akademischen Hospital zu Gießen; sein Grab ist verschollen. Ohly ist der früheste Buchenauer Pfarrer, von dem wir ein Bild besitzen.

Pfarrer Klein und die Kirchenchronik von 1857

Ende 1838 wurde die Buchenauer Pfarrstelle zur Wiederbesetzung ausgeschrieben, wonach Freiherr von Breidenbach Georg Klein, Vikar bei Pfarrer Thomin in Herchenhain, präsentierte. Die Superintendentur in Gießen bezeichnete in ihrem Bericht an den Großherzog Klein als einen Kandidaten, der zwar mangelhafte Kenntnisse besitze, sein Amt aber bisher treu und gewissenhaft verwaltet und einen unbescholtenen Lebenswandel geführt habe, insgesamt aber für ein Pfarramt geeignet sei. Dieses Vertrauen hat Klein, wie die ihm von der Gemeinde entgegengebrachte Liebe und Anerkennung bezeugte, nicht enttäuscht.

Klein wurde am 2. September 1811 in Battenfeld als Sohn des Oberförsters Ludwig Wilhelm Klein geboren, bezog 1831 die Landesuniversität Gießen und legte dort 1834 die Abschlußprüfung ab, wurde aber erst 1837 zum kirchlichen Examen zugelassen. Am 7. April 1839 trat er sein Amt in Buchenau an.

Klein war ein leidenschaftlicher Obstbaum-Züchter, worüber er im Salbuch der Pfarrei ausführlich berichtete. 1857 legte er, einer Verordnung des Großherzogs entsprechend, eine Kirchenchronik an, die vieles über die Buchenauer Sitten und Gebräuche enthält.[13] Kleins Sohn August wurde Pächter des Döringschen Rittergutes, auf Sohn Ludwig geht die bekannte Bleistiftzeichnung der Buchenauer Sonntagstracht von 1860 zurück.

Pfarrer Klein verließ Buchenau nach 26 Amtsjahren am 23. November 1865 und übernahm in Romrod im Vogelsberg ein neues Betätigungsfeld. Dort war er aber nicht glücklich und versuchte, nach Buchenau zurückzukommen. Ein entsprechendes Schreiben an die Kirchenleitung ist erhalten geblieben, in dem er von einem in Romrod aufgetretenen „Gemütsleiden“ berichtet, das als Folge seiner Versetzung aufgetreten sei. Er hatte jedoch keinen Erfolg und mußte bis 1873 in Romrod bleiben. Dann kam er als Pfarrer nach Nieder-Modau und Gundernhausen bei Darmstadt, wo er 1881 pensioniert wurde; er „ist (am 22.07.1892) ganz kindisch verstorben“, wie die Elmshäuser Chronik berichtet.

Die Preußen kommen

Pfarrer Klein war, wie berichtet, am 23. November 1865 augeschieden. Bereits vorher unternahm das Oberkonsistorium Schritte zur Neubesetzung der Pfarrei. Wunschkandidat war Friedrich Seil, Sohn des Direktors des Friedberger Predigerseminars, der das Amt auch am 1. Dezember 1865 übernahm, welches vorher nur wenige Tage, vom 23. bis 30. November, Vikar Hermann Robert Schneider verwaltet hatte. Letzterer vermerkte in der Kirchenchronik, daß Prälat (Landesbischof) Zimmermann gerne die Präsentation Seils gesehen hätte. Das Recht hierzu war inzwischen der Familie Winter zugefallen, in deren Eigentum sich mittlerweile der Elmshäuser Gutshof befand. Seil wurde aber nicht präsentiert. Eine Bittschrift der Buchenauer und Elmshäuser Bürger an das Oberkonsistorium, unterzeichnet von den damaligen Bürgermeistern Schmitt bzw. Carl Dietrich Schwan und anderen, richtete sich, ohne Namen zu nennen, gegen einen „Geistlichen der orthodoxen Richtung“, mit dem wohl Seil gemeint war. 1866 brach der Preußisch-Österreichische Krieg aus, und das Hinterland wurde am 24. November 1866 von Preußen annektiert. Seil wurde zurückgerufen, verließ die Stelle aber erst, als am 1. Januar 1867 Vikar Schneider erschien, um die Pfarrei endgültig zu übernehmen.

Die Zeit bis heute

Hermann Robert Schneider war Sohn des 1861 in Maienhagen bei Vöhl verstorbenen Großherzoglich Hessischen Kreiswundarztes Friedrich Schneider und seiner Frau Johanetta geb. Beck, Pfarrerstochter aus Hatzfeld, wo Hermann Schneider während eines Besuchs am 19. Februar 1831 geboren wurde. Nach durch den Beruf des Vaters bedingten häufigen Ortswechseln ging der junge Schneider in Darmstadt zur Schule und erhielt 1849 ein Familienstipendium zum Studium in Gießen. Nach seiner Ordination am 6. April 1856 wurde er Pfarrassistent in Vöhl und Oberwerba, 1857 in Eckelshausen, bis er schließlich als Pfarrer nach Buchenau kam. 1892 erweiterte er dort die Pfarrkirche, 1895 weihte er die erneuerte Kapelle in Elmshausen ein. Er starb im April 1898 in Buchenau.

Nachfolger Schneiders wurde auf Vorschlag von Rittergutsbesitzer Gustav Winter Emil Philipp Louis Möhn. Dieser war am 13.3.1865 als Sohn des Lehrers Jakob Möhn in Hundstadt, Kreis Usingen, geboren worden. In Idstein besuchte er die Realschule, bezog 1879 das Realgymnasium in Wiesbaden, später das Kaiser-Wilhelm-Gymnasium in Montabaur und schloß die Schulzeit 1884 mit dem Abitur ab. Im Gegensatz zu den früheren Buchenauer Pfarrern studierte er in Berlin und Tübingen; er war ja auch kein Hessen-Darmstädter! 1890 bezog er während eines Manövers als Seconde-Lieutenant Quartier im Buchenauer Pfarrhaus. Als er dort Pfarrer geworden war, vermerkte er in der Chronik, daß er sich damals wohl nicht habe vorstellen können, dereinst hier Amtsinhaber zu sein.

Pfarrer Emil Möhn
Pfarrer Hermann Jüngst

Möhn übernahm zunächst (1. Januar 1891) eine Vertretung in Dillenburg, dann (1. Oktober 1892) in Dexbach, bevor er am 15. Juli 1898 Pfarrer in Buchenau wurde. Über die Grenzen des Hinterlandes hinaus wurde er durch einen Katechismus[14] bekannt. Am 1. April 1913 schied er aus, um die 2. Pfarrstelle in Dillenburg zu übernehmen.

Nachdem Pfarrer Möhn ausgeschieden war, verzichtete Frau Henriette Auguste Caroline Winter geb. Winter „für diesmal“ auf das Präsentationsrecht. Daraufhin ernannte das Konsistorium Hermann Jüngst, zweiten Pfarrer am Diakonissenmutterhaus Paulinenstift zu Wiesbaden.

Geboren am 1. Januar 1884 in Runkel, hatte er die Jugendzeit in Obereisenheim/Main, Kreis Unterfranken, verbracht, wo sein Vater Arzt war. Er besuchte von 1893 bis 1902 das Gymnasium in Schweinfurt, studierte von 1902 bis 1906 in Erlangen, Leipzig und Tübingen, besuchte das Predigerseminar in Herborn und kam 1908 zum Militär, wo er es nach eigenem Bekenntnis „leider nur bis zu dem ‚1. Grade der Gemeinheit‘“ brachte. Seine weiteren Stationen waren Paulinenstift in Wiesbaden, Dodenau (Vikar), Bottenhorn (Pfarrer) und wieder Paulinenstift (2. Pfarrer). Am 1. Mai 1913 übernahm er die Pfarrei in Buchenau. In der Kirchenchronik findet sich der Eintrag seines Nachfolgers: „Pfr. Jüngst hat sich am 6.4.1954 in Buchenau abgemeldet“. Viele Buchenauer haben Pfarrer Jüngst noch persönlich gekannt. Unter anderem war er 1925 als Tenorhornbläser Mitbegründer des Posaunenchors, dessen erster Dirigent er wurde.

Nachfolger war Pfarrer Karl Wilhelm Stiehl, der nach Anhörung einer Probepredigt in Simmersbach von Patronatsherr Wolf-Dietrich Ohm-Winter vorgeschlagen wurde. Geboren am 22. Juni 1911 in Löhnberg, hatte er nach dem Abitur am Weilburger Humanistischen Gymnasium in Gießen, Berlin, Heidelberg und Marburg studiert und das zweite Examen vor der Prüfungskommission der Bekennenden Kirche abgelegt. Die weitere Tätigkeit in Stichworten:

Vikar in Bauenfeld, Pfarrassistent in Nieder-Ohmen, Pfarrer der Bekennenden Kirche in Limburg, 1936 bis 1954 in Simmersbach. Am 1. Juni 1954 trat er sein Amt in Buchenau an. In seine Zeit fällt der Bau des neuen Pfarrhauses, bei dem die Gemeindemitglieder tüchtig mithalfen. Zum 1. Oktober 1973 wurde Pfarrer Stiehl pensioniert, anschließend jedoch für zwei Jahre als Pfarrer in Dodenau reaktiviert.

Auch der Nachfolger, Hermann Sames (* 21.03.1926), wurde von Patronatsherr Ohm-Winter präsentiert. Zur Theologie war er auf dem zweiten Bildungsweg nach Verwundung und dreijähriger russischer Kriegsgefangenschaft gekommen. Er trat sein Amt am 1. April 1974 an.

In seine Zeit füllt außer einer Renovierung des alten Pfarrhauses der Ersatz der nach dem ersten Weltkrieg angeschafften Stahlglocken durch neue Bronzeglocken. Die Stahlglocken wurden auf Anregung des Vereins für Heimatgeschichte mit seiner Zustimmung vor dem alten Pfarrhaus aufgestellt. Durch seine Erlaubnis zur Einsichtnahme in alte Unterlagen des Pfarrarchivs förderte Pfarrer Sames Arbeiten zur Buchenauer Kirchengeschichte und ermöglichte den Abdruck der Beschreibung der Buchenauer Sitten und Gebräuche in der Kirchenchronik Pfarrer Kleins von 1857. Ende Mai 1990 trat Pfarrer Sames in den Ruhestand.

1990 präsentierte Patronatsherr Wolf-Dietrich Ohm-Winter Michael Mehl, geb. am 2. April 1958 in Frankfurt am Main. Dieser haue in seiner Geburtsstadt die Schule besucht und 1981 das Abitur abgelegt. Ab Sommer-Semester 1981 studierte er evangelische Theologie in Frankfurt und Mainz und ging von 1983 bis 1985 in Edinburgh, Schottland, an das New College, die Theologische Fakultät der schottischen reformierten Kirche. Der Studienabschluß erfolgte 1988 in Marburg mit dem 1. Theologischen Examen. Hierauf wirkte Mehl als Vikar in Dautphe bei Pfarrer Debus und legte Ende 1989 das 2. Theologische Examen bei der Kirchenleitung in Darmstadt ab. Der Ruf nach Buchenau ereilte ihn während eines England-Aufenthaltes in Glasgow, Schottland, und Manchester, England, bei der Industrie-Mission. Seit Dezember 1990 ist Michael Mehl Vikar in Buchenau.

Quellen und Anmerkungen

  1. Die Darstellung ist eine teils gekürzte, teils erweiterte Fassung von: Peter Ihm: Wann waren die Buchenauer beim Großherzog? Kirchenpatronat und Pfarrbesetzung in Buchenau, Amt Biedenkopf. Herausg. zum Buchenauer Grenzgangsfest 1978. Eine weitere Fassung des Textes befindet sich auf der Website der Ev.-lutherischen Kirchengemeinde Buchenau mit Elmshausen.
  2. Visitationsberichte im Staatsarchiv Darmstadt
  3. Über Johann Carl Heinrich von Döring, dessen Geburtsdatum uns nicht bekannt ist, wird in einer Verfügung Landgraf Ludwigs VIII. vom 23.3.1741 gesagt: „… nach nunmehro erlangter Majorennität …“ (Familienarchiv Ohm-Winter)
  4. Hauslehrer
  5. Im Zentralarchiv der Ev. Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
  6. Nach einer Zusammenfassung von Karl Huth, Buchenau: Eine Wanderung durch Geschichte und Gegenwart. Buchenau 1972
  7. Dorothea Margaretha; sie schenkte am 14.11.1770 einer Tochter, Wilhelmina Sophia, das Leben.
  8. Tröstung
  9. Elmshäuser Chronik des Bürgermeisters Andreas Damm von 1907. Am Rande ist vermerkt: „Seine einzige Tochter vermihlte sich mit dein Freiherrn von Meierhof“.
    Über die Genealogle der von Dörings ist wenig bekannt. In das neue Buchenauer Kirchenbuch von 1747 ist ein unvollständiges Blatt des beim Brand fast völlig vernichteten vorhergehenden eingeklebt, das 1719 von der Geburt der Wilbelmina Eleonora Sophia berichtet; Eltern Job. Kasper von Döring u. Christina Maria eine geb. v. Gutaker. Der „Gotha“ von 1854 berichtet von Karl Friedrich Christian Reichsfreiherr von Breidenbach gen. Breidenstein zu Elmshausen und Bellingshausen (* 20.4.1717; † fl.6.1799), ⚭ mit Wilhelmina Eleonora Sophia (* 15.2.1719; † 11.11.1770), „Erbtochter des Wallrath Karl v. Döring zu Biedenkopf und Elmshausen und der Anna Maria geb. Kraus v. Mörach“. Patronatsherr Johann CarI von Döring muß ein Bruder von Wilhelmina von Breidenbach gewesen sein. (freundliche Mitteilung von Ministerialrat i.R. W. H. Sturt, Langenhagen).
  10. s. Farrapen-RevolutionWikipedia-logo.png
  11. s. Albrecht OhlyWikipedia-logo.png
  12. Peter Ihm, Jürgen Westmeier (Hrsg.): 750 Jahre Buchenau an der Lahn. Blick in die Vergangenheit. Buchenau 1988
  13. Abgedruckt in Peter Ihm, Jürgen Westmeier (Hrsg.): Buchenau an der Lahn. Geschichte und Geschichten in Wort und Bild. Buchenau 1985
  14. E. Möhn: Der kleine Katechismus Luthers nebst Sprüchen und einem Abriß der Kirchengeschichte. 2. Auflage, Biedenkopf 1911