Die Getreide-Mühlen in Hartenrod

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Helmut Mankel

Stand: 25. September 2020

Einleitung

Im gesamten Salzbödetal stellt man überraschend fest, dass es hier gegenüber anderen Gegenden sehr viele Getreidemühlen gab (siehe hierzu das Buch von Petra Burk-Wagner: Mühlen im Salzbödetal).

Im oberen Bereich des Salzbödetales waren im Zeitraum von 1600 bis 1900 zeitweise gleichzeitig 10 Mühlen in Betrieb (3 in Hartenrod, 4 in Endbach und 3 in Wommelshausen mit Hütte).

Hier drängt sich die Frage auf, wie alle diese Mühlen existieren konnten.

Übersicht der Mühlen in Hartenrod, Endbach und Wommelshausen mit Hütte (Die beiden Dernbacher-Mühlen, zur Burg gehörend, waren um 1650 nicht mehr vorhanden.)

Das Einzugsgebiet bezüglich der Mahlgäste war nicht groß, da in den umliegenden Nachbardörfern auch Mühlen vorhanden waren (zeitweise 5 in Weidenhausen, zeitw. 2 in Niederweidbach, 5 in Bischoffen, 1 in Übernthal, 2 in Eisemroth, 2 in Oberndorf und mind. 1 in Bottenhorn). Ein Grund bestand darin, dass es im Bereich des gesamten Salzbödetales keine Bannmühlen gab. Die Bauern (Mahlgäste) waren daher nicht an eine bestimmte Mühle (Bannmühle) gebunden und konnten frei entscheiden, in welcher Mühle ihr Getreide gemahlen wurde. So lag es an dem Müller selbst sich mit guter Arbeit um Kunden zu kümmern.

Eine Bannmühle war immer eine herrschaftliche Mühle, die mit einer besonderen Banngerechtigkeit ausgestattet war. Das bedeutete, dass die Bauern der umliegenden Orte (die betreffenden Ortschaften waren amtlich festgelegt) dort ihr Getreide mahlen lassen mussten. Die „einfachen“ Dorfmühlen (auch Pletsch- oder Plätschmüller genannt) waren in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt, da bei ihnen nur die sogenannten Einläufigen, die Kleinstbauern und die Tagelöhner, mahlen durften, die weder Gespann noch Wagen hatten. (In der jetzigen Großgemeinde Dautphetal war die herrschaftliche Neumühle in Friedensdorf eine Bannmühle.)

Die generelle Befreiung vom Mahlzwang im Salzbödetal war schon eine Ausnahme in unserer Gegend, obwohl es im Salzbödetal doch auch herrschaftliche Mühlen gab (z. B. die Schilingsmühle/Hüttner-Mühle in Womm./Hütte).

Im Jahre 1819 wurde der Mühlenbann in unserem Lande per Gesetz generell aufgehoben (siehe Anhang).

Zum Überleben der Mühlen hier im oberen Salzbödetal waren die Müller gezwungen noch eine Landwirtschaft nebenbei zu betreiben. Ein Grund waren die doch relativ wenigen Mahlgäste und dass oft in den Sommermonaten wegen Wasserknappheit die Mühlenräder still standen. Im Winter gab es Schwierigkeiten wegen Einfrierung der Zuläufe und der Mühlenteiche. Von den Nachkommen der Schmittsmühle wurde mir berichtet, dass die Müllerskinder in den strengen Wintern den Mühlengraben zur Salzböde (1 km lang) vom Eis befreien mußten. Das Eis wurde mit nachhause gebracht, aufgetaut und dem Mühlenteich beim anstehenden Mahlen zugefügt. Auch musste das Mühlrad vom Eis durch Abklopfen befreit werden (dieses war in der Regel die Arbeit der Frauen). Der Müller war dann unterwegs mit Ausfahren des Mahlgutes und gleichzeitiges Abholen von Getreide.

Einiges zu den Mühlenabgaben

In der Regel wurden die Mühlenrechte von der zuständigen Behörde alle 8 Jahre neu vergeben.

Die Abgaben für die Mühlenpacht und für die Wasserrechte wurden je nach der Mühlengröße von den Behörden in Mesten Korn festgelegt (1 Meste (Hohlmaß) enthält ca. 18,75 kg Korn).

In den Amtsrechnungen von Blankenstein wurden jährlich alle Mühlen mit ihren Abgaben erfasst und zwar unter dem Abschnitt: „Einnahmen Korn ständig“ (das sogenannte „Mühlenkataster“). Hier wurden auch die Mühlen aufgeführt deren Betrieb aus irgendwelchen Gründen Schwierigkeiten hatte bzw. eingestellt war (Sterbefälle, Brandschaden, Baufälligkeit, Zerstörung in den Kriegen, etc.).

In den Amtsrechnungen von Blankenstein folgte dann der Abschnitt: „Ausgaben Korn aus Gnaden nachgelassen“. Hier wurden für die betroffenen Mühlen die Abgaben wieder teilweise bzw. ganz gutgeschrieben, mit Angaben der Gründen. Hierdurch konnte man den Werdegang mancher Mühlen gut nachvollziehen.

Auf Antrag einiger Müller im oberen Salzbödetal wird im Jahre 1837 amtlich bewilligt, dass in Zukunft die Mühlenpacht in Geld (statt Getreide) gezahlt werden kann. Einig Müller hatten dieses schon früher privatrechtlich erreicht.

Die Getreide-Mühlen in Hartenrod

Allgemeine Übersicht über die Mühlen

In Hartenrod wurden insgesamt 4 Mühlen gebaut und betrieben.

Handskizze zur Lage der oberen und unteren Hahnkopfsmühle sowie der Schmittsmühle (Der Standort der vierten Mühle, um 1608/1609 demontiert, ist z. Zt. noch unbekannt.)

Die „obere Hahnkopfsmühle“

(sie wird auch „Runkelsmühle“ und auch „Danielsmühle“ genannt)

Sie stand in der Flur „Vor dem Hahnkopf“ und lag an der rechten Seite des Bachlaufes „Hülsbach“ (auch „Hilsbach“ genannt). Der „ Hülsbach“ entspringt oberhalb des Ortes Hülshof und mündet unterhalb des Ortes Hartenrod in die Salzböde. Der Bachlauf bildet in diesem Bereich die Grenze zwischen den Orten Hartenrod und Wommelshausen. Die Mühle stand somit in der Gemarkung Hartenrod. Da das Wasservorkommen relativ gering war, wurden oberhalb der Mühle zwei Weiher angelegt.

Die Mühle wurde vor 1586 erbaut und erhielt das Mühlen- und Wasserrecht im Jahre 1586 (siehe in den Amtsrechnungen II, Blankenstein Nr. 2, das Mühlenkataster; im Staatsarchiv Marburg). Diese Mühle stellte nach mind. 334 Jahren ihren Betrieb im Jahre 1910 ein. Ergänzender Bericht über diese Mühle → siehe unten.

Eine weitere Mühle in Hartenrod

(Name und Standort der Mühle sind z. Zt. unbekannt.)

Nach den Angaben im Mühlenkataster erhielt auch diese Mühle im Jahre 1586 das Mühlen- und Wasserrecht.

Als Eigentümer ist angegeben: „Mertens Jacob zu Hartenrod“; als Pacht muss er „2 ½ Mesten Korn“ abgeben (vermutlich ohne Wohnhaus).

Im „Mühlenkataster“ von 1608 und 1609 steht über diese Mühle sinngemäß geschrieben:

„Diese Mühle hat zu Hartenrod gestanden und hierfür wurden 2 ½ Mesten Korn abgegeben; ist daselbst abgebrochen worden und wurde in Friebertshausen wieder aufgebaut. Die Abgabe wurde dort auf 1 ½ Mesten Korn festgesetzt.“

Diese o. g. Mühle war somit bis 1607 in Hartenrod in Betrieb.

Die „untere Hahnkopfsmühle“

(Sie wird auch „Stimpersmühle“ genannt.)

Sie stand direkt unterhalb der „oberen Hahnkopfsmühle“ und lag auch an dem Bachlauf „Hülsbach“ (auch an der rechten des Bachlaufes). Hier wurde das gestaute Wasser aus der oberen Mühle nochmals zum Mahlen genutzt. Die „untere Hahnkopfsmühle“ besaß auch einen eigenen Mühlenteich.

Die Mühle wurde um 1649 erbaut. Das Mühlen- und Wasserrecht bestand aber schon vor 1600 (siehe in den Amtsrechnungen II, Blankenstein Nr. 2, das Mühlenkataster; im Staatsarchiv Marburg), obwohl noch keine Mühle gebaut worden war.

Diese Mühle stellte ihren Betrieb im Jahre 1890 ein.

Ergänzender Bericht über diese Mühle → siehe unten.

Die „Schmittsmühle“

„Schmittsmühle“ ist die ortsübliche Bezeichnung dieser Mühle; die amtliche Bezeichnung in der Topographischen Karte lautet „Schmitzmühle“.

Sie befand sich unterhalb der „Hahnkopfsmühlen“, auch am Bachlauf „Hülsbach“ (an der rechten Seite) und zwar im Talbereich kurz bevor der Einmündung des Hülsbaches in die Salzböde ist (Gemarkung Hartenrod).

Zusätzlich zum Wasser aus dem Hülsbach wurde auch das Wasser aus der Salzböde genutzt. Hierzu wurde ein Mühlengraben von ca. 1 km Länge bis in das Dorf angelegt; dadurch ergab sich ein ausreichendes Gefälle zum oberhalb der Mühle liegenden Mühlenteich (direkter Höhenunterschied zwischen Mühlenteich und der gegenüberliegenden Salzböde ca. 4,0 m).

Zusätzlich besaß diese Mühle auch zwei Weiher (1 am Hülsbach und 1 am Mühlengraben).

Die Mühle wurde um 1680 erbaut. Im Jahre 1695 brannte das Mühlengebäude ab und es wurde vorerst nicht wieder aufgebaut. Im Mühlenkataster von 1809 wird die „Schmittsmühle“ wieder aufgeführt, d. h. sie wurde im Jahre 1808/1809 wieder neu erbaut. Diese Mühle stellte den Mahlbetrieb für Mehl im Jahre 1939 ein und im Jahre 1960 wurde auch noch der Schrotmahlbetrieb eingestellt.

Ergänzender Bericht über diese Mühle → siehe unten.

Die Haus- und Personengeschichte der Mühlen

Grundlagen

  • Amtsrechnungen II, Blankenstein Nr. 2 (1600–1819), besonders das sogenannte Mühlenkataster, im Staatsarchiv Marburg.
  • Familien- und Personendaten aus den Kirchenbüchern in Hartenrod. (Die Kirchenbücher beginnen erst im Jahre 1648).
  • Petra Burk-Wagner: Die Mühlen im Salzbödetal. Lohra 1985
  • Thomas Rink, ehemals aus Niederurnen (Schweiz), etliche schriftliche Mitteilungen (bezüglich des Mühlenkataster im oberen Salzbödetal).

Anmerkung: Die Angaben in dem Mühlenkaster sind teilweise sehr unvollständig und auch sehr ungenau, daher werden die Angaben in den Kirchenbüchern in zweifelhaften Fällen zugrunde gelegt

Die „obere Hahnkopfsmühle“ und die „untere Hahnkopfsmühle“

(der Zeitraum des gemeinsamen Wirkens)

Zu der „oberen Hahnkopfsmühle“, die um 1586 erbaut wurde, gehörte auch ein Wohnhaus. Die Mühlenabgabe betrug 6 Mesten Korn. Eigentümer der „oberen Hahnkopfsmühle“:

  • 1586 bis vor 1600 → Velten Möller vom Hahnkopf gibt 6 Mesten Korn
  • 1600 bis 1602 → Velten Möllers Erben vom Hahnkopf gibt 6 Mesten Korn
  • 1603 bis 1648 → Velten Möllers Eidam (Schwiegersohn) vom Hahnkopf gibt 6 Mesten Korn

Im Zeitraum vor 1600 bis 1648 werden auch weitere Mühlenabgaben von 2 Mesten Korn für den Hahnkopf entrichtet, obwohl dort keine weitere Mühle stand. Folgende Bemerkung in den Amtsrechnungen von 1630 gibt hierfür den Grund an:

„Eine Mühle gehörte Velten Möller vorm Hainkopf Weg auf seinem eigenen Grund. Vom Wasserfall gibt er jährlich 6 Mesten Korn. Reinhardt Weißgerber besaß neben der vorbesagten Mühle eine Mühlenstatt. Es ist aber noch keine Mühle da, ist beabsichtigt, sie zu bauen. Er gibt jährlich 2 Mesten Korn.“

Also war Reinhard Weißgerber (aus Hartenrod) der Schwiegersohn von Velten Möller und bei der geplanten Mühle handelt sich um die spätere „untere Hahnkopfsmühle“.

Beim Beginn der Kirchenbücher im Jahre 1648 gab es eine generelle Festlegung der Nachnamen. Die Bewohner der Hahnkopfsmühle erhielten alle den Nachnamen „Hahnköpfer“.

Reinhard Weißgerber wird in den KB folgend erwähnt:

  • Der Witwer Reinhard Hahnköpfer heiratete am 18.02.1653.
  • Reinhard Hahnköpfer starb am 30.11.1661.

1649 – ca. 1661 → Jost Hahnköpfer zu Hartenrod am Hahnkopf gibt:

6 Mesten Korn für seine Mühle (obere) und
2 Mesten Korn für seine neue Mühle (untere).
Die „untere Hahnkopfsmühle“ wurde also um 1649 fertiggestellt. Sie bestand nur aus einem Mühlengebäude (kein Wohnhaus). Jost Hahnköpfer starb am 21.05.1673 und wurde 100 Jahre alt (* 1573; vermutlich war er ein Sohn von Velten Möller)

ca. 1660 – 1678 → Hans Steubing (aus Frechenhausen; † vor 1678);

er hatte im Jahre 1660 die Crein Hahnköpfer (vom Hahnkopf) geheiratet. Er entrichtete die Abgaben für beide Mühlen.

1679 – ca.1700 → Andreas Schanz (aus Schlierbach; * 1648, † 1705);

er hatte im Jahre 1678 die Witwe Crein Steubing, geb. Hahnköpfer (vom Hahnkopf) geheiratet. Er entrichtete die Abgaben für beide Mühlen. Die beiden Mühlen wurden um 1700 zusammen verkauft.

1700 – ca. 1720 → Philip (Henrich) Kraft (aus Schlierbach; * 1659; † 1722 );

er hatte im Jahre 1676 die Elsgen Herman (aus Günerod) geheiratet. Gemäß den Eintragungen im Geburts-Verzeichnis wohnte er mit seiner Familie bereits im Jahre 1690 auf der Hahnkopfsmühle. Er entrichtete die Abgaben für beide Mühlen → 6 Mesten Korn für die obere Mühle und 2 Mesten Korn für die untere Mühle.

ca. 1720 – 1737 → Johannes Kraft (* 1690 auf der Hahnkopfsmühle als Sohn von Philip Kraft; † 1758 in Endbach);

er hatte im Jahre 1711 die Elsa Adam (* 1695 in Schlierbach; † 1735) geheiratet.
2. Ehe in 1736 mit Anna Sybilla Burg (* 1709 auf der Heckenmühle; † 1766 in Endbach), die Witwe des Hans Ludwig Benner von der Heckenmühle, geheiratet.
Im Jahre 1737 verkaufte Johannes Kraft die „obere Hahnkopfsmühle“ an Johann Jacob Burk (aus der Heckenmühle in Endbach stammend → siehe hierzu den Bericht in den „Hinterländer Geschichtsblätter“; 64. Jahrgang, Nr.4, Seite 113–116 → Artur Burk: Er sitzet im Stockhaus zu Gießen ….).
Die „untere Hahnkopfsmühle“ übernahm im Jahre 1740 sein Schwiegersohn Johann Jacob Hinterlang (der Sohn des Johannes Hinterlang aus Hartenrod).

Johannes Kraft übernahm dann in Endbach die Mühle in Dorfmitte (der alte Name war: „Hecke-Daniels-Mühle“), die dann „Hohkäppersmühle“ genannt wurde. Diese Mühle hatte einen direkten Zugang zur Salzböde. Der Grund dieses Wechsels war wohl das größere und beständigere Wasservorkommen der Salzböde gegenüber des viel kleineren Hülsbaches.

Die „obere Hahnkopfsmühle“

(ab 1737; getrennt von der „unteren Hahnkopfsmühle“; sie wird auch „Runkelsmühle“ und auch „Danielsmühle“ genannt)

Die Mühlenabgaben betrugen nun 4 Mesten Korn.

Die Obere Hahnkopfsmühle (Daniels-Mühle) um 1900 (Foto: privat)

1737 – 1740 → Johann Jacob Burk (aus der Heckenmühle in Endbach; * 1697; † 1760 );

er hatte im Jahre 1722 die Gertraud Inderthal (von Hartenrod) geheiratet.
Er kaufte die Mühle im Jahre 1737 von Johannes Kraft. Aus finanziellen Gründen konnte Joh. Jacob Burk die obere Mühle nicht halten. Im Jahre 1740 vertauschte er sie mit Johann Jacob Hinterlang gegen die kleinere „untere Hahnkopfsmühle“.

1740 – ca. 1782 → Johann Jacob Hinterlang (aus Hartenrod; * 1718; † 1784; der Sohn des Johannes Hinterlang, ab 1740 zuerst eine kurze Zeit Müller auf der „unteren Hahnkopfsmühle“);

er hatte im Jahre 1740 die Elisabetha Kraft (die Tochter von Johannes Kraft, des früheren Besitzer der Hahnkopfsmühlen) geheiratet. Noch im Jahre 1740 übernahm er dann die „obere Hahnkopfsmühle“, siehe zuvor). Die Familie des Vaters, Johannes Hinterlang, zog auch auf diese Mühle um.
In den Kirchenbüchern von Hartenrod wird die „obere Hahnkopfsmühle“ auch verschiedentlich „Runkelsmühle“ genannt.

ca. 1782 – ca. 1811 → Wilhelm Hinterlang (der Sohn von Johann Jacob Hinterlang von der oberen Hahnkopfsmühle; * 1761; † 1807);

er hatte im Jahre 1782 die Eva Rau (aus Breidenbach) geheiratet.

ca. 1811 – ca. 1848 → Johann Jacob Hinterlang (der Sohn von Wilhelm Hinterlang von der oberen Hahnkopfsmühle; * 1790; † 1852);

er hatte im Jahre 1811 die Elisabeth Garth (aus Hartenrod) geheiratet.

ca. 1848 – ca. 1851 → Johann Georg Hinterlang (der Sohn von Joh. Jacob Hinterlang von der oberen Hahnkopfsmühle; * 1812; † 1851);

er hatte im Jahre 1848 die Elisabeth Ulrich (aus Erdhausen/Kuhrtsmühle) geheiratet.

Die Mühle übernahm dann nach 1851 die Schwester von Johann Georg Hinterlang; Anna Hinterlang mit ihrem Mann, den Müller Johannes Schmitt.

ca. 1851 – ca. 1890 → Johannes Schmitt (der Sohn von Marius Schmitt von der unteren Hahnkopfsmühle; * 1813 (Damm/Etzelmühle); † 1868);

er hatte im Jahre 1844 die Anna Hinterlang (die Tochter von Johann Jacob Hinterlang von der oberen Hahnkopfsmühle; * 1814; † 1872); geheiratet.
Das Ehepaar übernahm die „obere Hahnkopfsmühle“ mit der Landwirtschaft.
Es wird berichtet, dass in der müllerlosen Zeit (1868 – 1890) der Müller Daniel Lang (von der „unteren Hahnkopfsmühle“) auch dort tätig war.

1890 – 1910 → Daniel Lang (* 1847; † 1924),

der bisherige Müller auf der „unteren Hahnkopfsmühle“ erwarb in 1890 nun die größere „obere Hahnkopfsmühle“. Er wohnte nun mit seiner Ehefrau Elisa Kunz (* 1843; † 1915) und seinen Kindern dort.
Um 1910: Daniel Lang (* 1847) mit seiner Ehefrau Elisa, geb. Kunz (*1843) und die beiden Töchter Emilie (* 1889) u. Lina (* 1884)
Die Mühle wurde jetzt auch gelegentlich „Danielsmühle“ genannt. Er wird als Müller und Ackermann bezeichnet. Mit seiner Pferdekutsche führte er auch gelegentlich Personentransporte im ganzen Kreisgebiet aus. Der Mühlenbetrieb wird im Jahre 1910 eingestellt. Die Landwirtschaft wird nun als Haupterwerb weiter betrieben.
Im Jahre 1915 wurde das gesamte Anwesen von seinem Schwiegersohn übernommen: Gustav Jochem (* 1882 in Endbach; † 1964) heiratete im Jahre 1915 die Lina Lang (* 1884, die Tochter von Daniel Lang; † 1974). Das Ehepaar betrieb eine Landwirtschaft im Haupterwerb.
Der Sohn Walter Jochem mit seiner Ehefrau Maria, geb. Angsten lebten mit ihrer Familie auch dort.
Im Jahre 1964 wurden die Gebäude der ehemaligen „oberen Hahnkopfsmühle“ an die „Hartenröder Diabaswerke“ (jetzt Firma Hinterlang) verkauft. Daran schloss sich der Neubau eines Wohnhauses mit einem Stallgebäude an (außerhalb des Dorfbereichs, ca. 300 m von der ehemaligen Mühle entfernt in Richtung Endbach, in der Gemarkung Endbach). Das Haus wird noch von direkten Nachkommen bewohnt.
Nach Abbruch der alten Gebäude von der „oberen Hahnkopfsmühle“ wurde an dieser Stelle eine große Betonmischanlage erbaut.
Luftaufnahme vom Diabas-Steinbruch am Hahnkopf, der sich im Laufe der Jahre erheblich ausgedehnt hat. Daniels Mühle (links) ist gut zu erkennen; die Bebauung von Sonnenstraße, Wannenstraße und Hahnkopfstraße ist in den Anfängen begriffen; unten rechts die „Villa“. Der Weg auf der rechten Seite führt nach Wommelshausen.
Luftaufnahme vom Diabas-Steinbruch am Hahnkopf, Detail

Die „untere Hahnkopfsmühle“

(ab 1737; getrennt von der „oberen Hahnkopfsmühle“; sie wurde auch „Stimpersmühle“ genannt)

Es wurde ein Wohnhaus zur Mühle errichtet; die Mühlenabgaben betrugen nun 4 Mesten Korn.

1737 – 1740 → Johannes Kraft (siehe zuvor) hat diese Mühle noch weiter betrieben.

Im Jahre 1740 übergab er seine Mühle an seinen Schwiegersohn Johann Jacob Hinterlang, der dann durch Tausch im Jahre 1740 die „obere Hahnkopfsmühle“ übernahm (siehe die Angaben unter der „oberen Hahnkopfsmühle“).

1740 – ca. 1755 → Johann Jacob Burk (* 1697; † 1760, siehe dazu die Daten bei der „oberen Hahnkopfsmühle“).

Durch Tausch erhielt er im Jahre 1740 die „untere Hahnkopfsmühle“ gegen die „obere Hahnkopfsmühle“ (siehe zuvor).
Johann Jacob Burk (er hatte auf der elterlichen „Heckenmühle“ in Endbach den Müllerberuf erlernt), war bei seiner Ehe sehr begütert (gemäß den Angaben bei seinem „Weinkauf“). Er hatte aber einen kriminellen Weg (Wilddieberei, etc.) eingeschlagen und etliche Gefängnisaufenthalte hinter sich. Sein Vermögen war dadurch überwiegend durch bezahlte Kautionen (zur frühzeitiger Entlassung aus dem „Stockhaus“ in Gießen) und durch Geldstrafen verloren gegangen.
Nun hatte er sich mit einer Mühle selbstständig gemacht. Die Vergangenheit holte ihn jedoch bald wieder ein. Er musste wieder einen Gefängnisaufenthalt antreten und zwar von 1744 bis 1752 im „Stockhauß“ zu Gießen.
Hiernach lebte das Ehepaar in sehr großer Armut.
In dieser Zeit ruhte der Mühlenbetrieb. In den Steuerlisten wird angegeben, dass seine Frau betteln geht.
Sein zukünftiger Schwiegersohn, der Müller Peter Rink, übernahm dann die Mühlengeschäfte.

1755 – 1788 → Peter Rink (aus der Plockenmühle in Womm./Hütte; * 1731; † 1794);

er hatte im Jahre 1755 die Catharina Burk (* 1735; † 1811; die Tochter von Johann Jacob Burk von der untere Hahnkopfsmühle) geheiratet und die „untere Hahnkopfsmühle“ übernommen.

1788 – ca. 1800 → Johannes Rink (der Sohn von Peter Rink von der unteren Hahnkopfsmühle; * 1760; † 1795);

er hatte im Jahre 1782 die Anna Margaretha Schönheck (* 1759; † 1820; aus Hartenrod) geheiratet. Die Ehefrau lebte bis zu ihrem Tode auf der unteren Hahnkopfsmühle. Beim Sterbeeintrag wird diese Mühle jedoch als „Stimpersmühle“ bezeichnet.
Zustand der Mühle: Es ist mündlich überliefert, dass die Mühle aus einem baufälligen Haus bestand und weder Stallungen noch Land vorhanden waren. Vermutlich war das Mühlengebäude noch in Ordnung.

Gemäß den Angaben im Mühlenkataster übernimmt die Mühle:
ca. 1800 – ca. 1825 → Johann Georg Witzler (* 1776 in Bottenhorn; † 1831 in Bott.)

hatte die verschuldete Mühle vermutlich ersteigert, da keine verwandtschaftlichen Beziehungen mit den Vorbesitzer festzustellen sind.
Johann Georg Witzler war Ortsbürger und Ackermann in Bottenhorn und lebte mit seiner Familie auch dort. Da er kein Müller war, wurde die Mühle mit Lohnmüller betrieben bzw. wurde die Mühle unterverpachtet (einige dieser Müller sind in den Kirchenbüchern von Hartenrod erwähnt).
Um ca. 1825 überließ er die Mühle mit all ihren Schulden seinem Schwager Johannes Weigand, ein Ortsbürger und Ackermann aus Wommelshausen; dieser versuchte nun die Mühle zu verkaufen. Der Verkauf im Jahre 1828 an einen Müller aus Oberroßbach im Herzogtum Nassau scheiterte, da er das Hessische Staatsbürgerrecht und das Hartenröder Ortsbürgerrecht nicht erhielt (StaM. 110, Acc 1939/31, Nr. 497).
Dann erfolgte der Verkauf erfolgreich an den folgenden Müller:

ca. 1830 – 1849 → Marius Schmitt (* 1782 auf der Etzelmühle; † 1849).

Er kam mit seiner Ehefrau Anna Katharina Willershäuser († 1848) von der Etzelmühle in Damm und haben die „untere Hahnkopfsmühle“ übernommen.
Er hat das Wohnhaus neu erbaut. Eine Landwirtschaft betrieb er nicht, da er in den Kirchenbüchern nur als Ortsbürger und Müller bezeichnet wird.

1849 – 1876 → Jacob Schmitt (der Sohn von Marius Schmitt von der unteren Hahnkopfsmühle; * 1815 (Etzelmühle); † 1876 (Hüttner Mühle);

er hatte im Jahre 1844 die Gertraude Damm (* 1817 (Buchenau); † 1854 (untere Hahnkopfsmühle)); aus Buchenau geheiratet.
Bei seiner Heirat wird er auch als Ortsbürger und Müller bezeichnet (also auch kein Landwirt).
Nach dem Tode seiner Ehefrau heiratete er im Jahre 1856 die Tochter des verstorbenen Müllers Joh. Georg Lang von der „Hüttner Mühle“ (Margaretha Lang) in Womm./Hütte, wohnte nun dort und hat auch diese Mühle übernommen.
Vermutlich hatte er beide Mühlen (die „Hüttner Mühle“ in Womm./Hütte und die „untere Hahnkopfsmühle“ in Hartenrod) gleichzeitig betrieben.
Zeitweise hat er die „untere Hahnkopfsmühle“ jedoch an den Müller Balthasar Keller, ein Ortsbürger von Erdhausen, verpachtet.
Nach dem Tode von Jacob Schmitt im Jahre 1876 wurden die beiden Mühlen wieder getrennt geführt.
Sein Sohn Johann Jacob Schmitt (* 1844 auf der unteren Hahnkopfsmühle) erhielt die „Hüttner Mühle“ und sein Schwager Daniel Lang (siehe unten) erhielt die „untere Hahnkopfsmühle“; beide waren gelernte Müller.
Daniel Lang war der eigentliche Erbe der „Hüttner Mühle; bei dem frühen Tode seines Vaters war er erst 4 Jahre alt, so dass die wesentlich ältere Schwester einen Müller heiraten musste. Als Ausgleich hierzu erhielt Daniel Lang nun die „untere Hahnkopfsmühle“.

1876 – 1890 → Daniel Lang (der Sohn von Johann Georg Lang von der „Hüttner Mühle“ in Womm./Hütte; * 1847 auf der Hüttner Mühle; † 1924 auf der oberen Hahnkopfsmühle);

er hatte im Jahre 1874 die Elisa Kunz (* 1843; † 1915 auf der oberen Hahnkopfsmühle); von der Womm./Hütte geheiratet.
Im Jahre 1890 wurde hier der Mühlenbetrieb eingestellt und Daniel Lang übernahm nun die „obere Hahnkopfsmühle“ und zog mit seiner Familie auch dort hin.
Die Gebäude der „unteren Hahnkopfsmühle“ übernahm nun:
Johann Jacob Schmitt (* 1844 auf der unteren Hahnkopfsmühle, der Sohn von Jacob Schmitt, siehe oben), der auf der „Hüttner Mühle“ aufgewachsen ist und sie im Jahre 1876 als Müller übernommen hat. Im Jahre 1890 hatte er aus finanziellen Gründen diese Mühle in Womm./Hütte verkaufen müssen.
Er zog nun mit seiner Familie in sein Geburtshaus zurück und betrieb eine kleine Landwirtschaft. 1895 sollen dort noch 7 Personen gewohnt haben.
Im Jahre 1906 verstarben Johann Jacob Schmidt und seine Ehefrau in Endbach bei ihrem Sohn, dem Schlossermeister Ludwig Schmidt; sie hatten dort ihre letzten Lebensjahre verbracht.
Später wurde das Anwesen an den Steinbruch in Hartenrod verkauft.
Ergänzende Angaben: Das Wohnhaus zur „unteren Hahnkopfsmühle“ lag in der Wommelshäuser Gemarkung (an der linken Seite des Hülsbaches; das Mühlengebäude war gegenüber auf der rechten Bachseite, also im Hartenröder Gebiet).
Die Kinder von dieser Mühle mussten daher früher zeitweise in die Schule von Wommelshausen gehen.
Wie von Nachkommen aus dieser Mühle berichtet wird, wurden die Kinder dabei öfters in den Mühlenbetrieb eingebunden. Sie nahmen den mit einem Sack Mehl bepackten Esel mit nach Wommelshausen, lieferten die Ware ab und brachten wieder einen Sack Getreide mit nach Hause. In der Unterrichtszeit wurde der Esel im Bereich der Schule an dem Zaun angebunden.

Die „Schmittsmühle“

um 1670 – 1695 → Hans Daniel Clos (aus Hartenrod; * 1650; † vor 1727 ); er hatte im Jahre 1668 die Gela Hof (aus Schlierbach; * 1648; † 1688) geheiratet.

Hans Daniel Clos hatte die Mühle ca. im Jahre 1670 gebaut.
Ein Wohnhaus war vermutlich noch nicht gebaut, da die Mühlenabgaben mit 2 ½ Mesten Korn gering waren (siehe bei der „unteren Hahnkopfsmühle“).
Hans Daniel Clos heiratete zum zweiten Male: ⚭ 18.05.1692 die Enche Donges (aus Wallenfels; † 1727 als Witwe).
Im Jahre 1695 wird die Mühle durch einen Brand vollkommen vernichtet und wurde erst wieder im Jahre 1809 neu aufgebaut.
Im Mühlenregister werden jedoch weiter jährlich die Mühlenabgaben aufgeführt und an einer anderen Stelle in den Amtsrechnungen wieder teilweise erlassen. Dieses bedeutet, dass die Clos-Erben die Wasserrechte behielten.
Die „Schmittsmühle wurde im Jahre 1809 von Johann Jacob Seitz neu erbaut (gemäß Angaben im Mühlenkataster; ein Mühlengebäude mit Wohnhaus). Die Mühlenabgaben betrugen 4 Mesten Korn.

1809 – ca. 1832 → Johann Jacob Seitz (aus der Hartenrod; * 1772; † 1834);

er hatte im Jahre 1809 die Anna Elisabetha Rein (aus Gönnern; * 1770; † 1813) geheiratet.
Bei seiner Eheschließung wurde angegeben: ein angehender Ortsbürger, Ackermann und Müller, d. h.: zu der Mühle gehörte auch eine Landwirtschaft.
Johann Jacob Seitz heiratete zum zweiten Male: ⚭ 19.10.1817 die Anna Margaretha Müller (eine Witwe aus Endbach; * 1762; † 1827).
Es war eine zweigängige Mühle.
Ab 1812 wurde im Mühlenregister eine Doppelmühle erwähnt (vermutlich wurde innerhalb der bestehenden Mühle noch eine Ölmühle (Schlagmühle) eingebaut).
Die Mühlenabgaben betrugen nun: 4 Mesten Korn und 4 Mesten Gerste.

ca. 1832 – 1863 → Johannes Seitz (der Sohn von Johann Jacob Seitz von der Schmittsmühle; * 1810; † 1875);

er hatte im Jahre 1832 die Anna Margaretha Reichel (aus Steinperf; * 1806; † 1845) geheiratet.
Das Ehepaar war kinderlos.
Im Jahre 1863 übernahm Johann Georg Rink V die Mühle; er hatte vermutlich dort das Müllerhandwerk erlernt.
Johannes Seitz blieb auch weiterhin dort wohnen und verstarb auch dort.
Die Schmittsmühle um 1850 (Gemälde von Hans Herrmann, Endbach, 1986))

1863 – 1882 → Johann Georg Rink V (aus Hartenrod; * 1835; † 1882);

er hatte im Jahre 1863 die Anna Schreiner (aus Hartenrod; * 1840; † 1910) geheiratet.
Bei seiner Eheschließung wurde angegeben: ein angehender Ortsbürger, Ackermann und Müller.

1882 – ca. 1930 → Johann Georg Rink IX (der Sohn von Johann Georg V; * 1864; † 1935);

er hatte im Jahre 1893 die Anna Elisabeth Müller (aus Wommelshausen; * 1870; † 1933) geheiratet.
Er wird als Ackermann und Müller bezeichnet.

Nach dem Tode von Johann Georg Rink IX wurde das gesamte Anwesen von seinem Schwiegersohn übernommen:

Wilhelm Lachmann (* 1906 in Wölfersheim/Wetterau; † 1992) heiratete im Jahre 1927 die Louise Rink (* 1905, Tochter von Joh. Georg Rink IX; † 1961).

Der Mahlbetrieb für Mehl wurde im Jahre 1939 eingestellt.
Wilhelm Lachmann arbeitete nun als Bergmann in einer Grube bei Oberscheld.
Der Wohnhausteil des Hauptgebäudes wurde im Jahre 1951 durch ein neues massives Wohnhaus ersetzt, dabei wurde der Mühlenteich an dem Hülsbach mit dem Abbruchmaterial und dem Erdaushub verfüllt; der Mühlenbereich von dem Hauptgebäude blieb noch bestehen.
Die Schmittsmühle um 1952 (Foto: privat)
Das gelegentliche Mahlen von Schrot wurde im Jahre 1960 beendet.
Es erfolgte somit die Stilllegung des Mühlenbetriebes.
Der Schwiegersohn von Wilhelm Lachmann, Karl Haus, hat den Mühlenbereich und die übrigen alten landwirtschaftliche Gebäude abgebrochen und im Jahre 1968 durch Neubauten ersetzt (Scheune, Stallungen und Nebengebäude).
Bei der Flurbereinigung um 1964 wurden die Wasserrechte aufgehoben. Der noch bestehende Mühlengraben zur Salzböde einschließlich des dazugehörigen Mühlenteiches wurden zugeschüttet.
Karl Haus wohnt heute noch dort mit seiner zweiten Ehefrau.
Zusammengestellt: Holzhausen im März 2011, Helmut Mankel

Es folgen einige Ergänzungen zu den Mühlen im oberen Salzbödetal.

Anhang I: Übersicht über Wasser- und Mühlenzins für die Getreide-Mühlen im oberen Salzbödetal (Hartenrod, Endbach und Wommelshausen mit Hütte)

Mit weiteren ergänzenden Angaben; im Zeitraum von 1568 (Festlegung des Mühlenzinses) bis 1837 (Umstellung der Pacht von Getreide auf Geld)

Hartenrod (alles Mühlen auf eigenem Grund)

  • obere Hahnkopfsmühle: (Einstellung des Getreidemahlens in 1910)
von 1568 – 1737 → Abgabe jährlich von 6 Mesten Korn
von 1738 – 1837 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn
  • untere Hahnkopfsmühle: (Einstellung des Getreidemahlens in 1890)
von 1586 – 1737 → Abgabe jährlich von 2 Mesten Korn
von 1738 – 1837 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn
  • Schmittsmühle: (Einstellung des Getreidemahlens in 1939)
von 1670 – 1695 → Abgabe jährlich von 2 ½ Mesten Korn (Mühle wurde im Jahre 1695 durch einen Brand zerstört und vorerst nicht wieder aufgebaut.)
von 1696 – ca. 1780 (keine Mühle) → Abgabe jährlich von 2 ½ Mesten Korn und dann an anderer Stelle wieder gutgeschrieben
von 1809 (Mühlenneubau) – 1811 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn
von 1812 – 1837 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn und von 4 Mesten Gerste (für eine Doppelmühle → eine zusätzliche Ölmühle)

Endbach (alles Mühlen auf eigenem Grund)

  • Krebsmühle: (Einstellung des Getreidemahlens in 1988)
von 1568 – ca. 1620 → Abgabe jährlich von 3 Mesten Korn
von ca. 1620 – 1835 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn
  • Heckenmühle: (Einstellung des Getreidemahlens um 1900)
von 1568 – 1837 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn
  • Dörrmühle (vorher Dornmühle): (Einstellung des Getreidemahlens in 1910)
von 1568 – 1837 → Abgabe jährlich von 8 Mesten Korn
  • Hohkäppersmühle (vorher Hecke-Daniel-Mühle): (Einstellung des Getreidemahlens um 1910)
von 1568 – 1837 → Abgabe jährlich von 8 Mesten Korn

Wommelshausen mit Hütte

Mühle auf herrschaftlichen Grund

  • Schillingsmühle/Hüttner Mühle: (Einstellung des Getreidemahlens in 1992; diese Mühle wurde in 1495 bereits erwähnt)
von 1568 – 1837 → Abgabe jährlich von 2 Malter Korn (diese Abgabe entspricht 2 x 16 = 32 Mesten)
Diese Mühle war nicht größer als die übrigen Mühlen, war auch keine Bannmühle und musste trotzdem mind. das 4-fache als die anderen Mühlen abgeben. Es ist verständlich, dass diese hohen Abgaben von dem Mühlenpächter in der Regel nicht getragen werden konnten und daher aus verschiedenen Gründen ständig Minderungen beantragt und auch in der Regel gewährt wurden.
Beispiel aus den Amtsrechnungen im Jahre 1645

Mühlen auf eigenem Grund

  • Plockenmühle (auf der Hütte): (Einstellung des Getreidemahlens in 1965)
von 1568 – 1837 → Abgabe jährlich von 4 Mesten Korn
  • Hintermühle (in Wommelshs.): (Einstellung des Getreidemahlens in 1975; erbaut um 1698; genehmigt in 1704; alter Name: Junckersmühle)
von 1703 – 1837 → Abgabe jährlich von 3 Mesten Korn

Anhang II: Getreidemaße, Mehlausbeute und Lohn des Müllers

Getreidemaße

Die Getreidemenge wurde mind. ab dem Jahre 1820 in den Mühlen über Wiegen bestimmt (siehe die Mühlen-Ordnung für Hessen vom 29.12.1820; § 18). Vorher wurde die Getreidemenge über Hohlmaße bestimmt. Angewendet wurden die genormten Gefäße „Meste“, „Sefter“ und „Mäßchen“.

Meste
  • „Meste“ (Hohlmaß)
Durchmesser = 42 cm
Höhe = 19 cm
Volumen = 26,32 Liter
  • „Sefter“ (Hohlmaß)
(1 Sefter = 1/4 Meste)
Durchmesser = ca. 26,5 cm
Höhe = ca. 11,9 cm
Volumen = 6,58 Liter
  • „Mäßchen“ (Hohlmaß)
1 Mäßchen = 1/16 Meste = 1/4 Sefter
Volumen = 1,645 Liter

Zusammenhang der Getreide-Hohlmaße (nach Blume/Runzheimer: Bellnhausen im Hinterland. Seite 318):

1 Malter = 4 Mött = 16 Mesten = 64 Sefter = 256 Mäßchen = 421,12 Liter
1 Mött = 4 Mesten = 16 Sefter = 64 Mäßchen = 105,28 Liter
1 Meste = 4 Sefter = 16 Mäßchen = 26,32 Liter
1 Sefter = 4 Mäßchen = 6,58 Liter
1 Mäßchen = 1,645 Liter

Da das Raummaß gleich bleibt, ändert sich je Getreideart das Gewicht:

1 Malter = 300 kg Korn = 320 kg Weizen = 280 kg Gerste = 200 kg Hafer
1 Mött = 75 kg Korn = 80 kg Weizen = 70 kg Gerste = 50 kg Hafer
1 Meste = 18,8 kg Korn = 20 kg Weizen = 17,5 kg Gerste = 12,5 kg Hafer

Das Wiegen des Getreides in der Mühle (mind. ab 1820) erfolgte anfangs mit einer Balkenwaage und dann später mit einer Dezimalwaage. Nach der Mühlen-Ordnung wird gefordert, dass der Mahlgast beim Wiegen in der Mühle zugegen ist (war aber praktisch selten möglich).

Mehlausbeute

(nach Internet-Angaben)

100 % Korn ergeben nach dem Mahlvorgang ca.:

65 % Mehl
30 % Kleie
5 % Verunreinigungen

Mahllohn der Müller

In unserer Gegend konnte der Müller seinen Lohn (die „Molterfrucht“) beim Ausmahlen von 1 Mött (= 4 Mesten) Frucht bei Einheimischen (d. h. bei Anlieferung und bei Abholung durch den Mahlgast) von 2 Mäßchen und bei Auswärtigen (d. h. die Abholung und die Auslieferung erfolgt durch Müller) von 4 Mäßchen fordern.

Bei 4 Mesten Korn (75 kg):

→ Lohn (bei „Einheimischen“): 2 x 1,172 = 2,35 kg Korn
→ Lohn (bei „Auswärtigen“) = 4,69 kg Korn

(1 Mäßchen Korn = 75/64 = 1,172 kg)

(nach Artur Burk: Die Müller der Heckenmühle zu Endbach. In: Hinterländer Geschichtsblätter. 1974, Seite 168)

Karl Schlierbach, der ehemalige Müller von der Hüttner-Mühle, hatte folgenden Mahllohn bei einem Mahlgut von 50 kg (1 Zentner) erhalten:

1,50 RM (Reichsmark) in der Kriegs- und Nachkriegszeit (bis 1948)
2,50 DM zum Schluss seiner Tätigkeit im Jahre 1992

Die Müller holten in der Regel das eingesackte Getreide auf dem Speicher des Kunden ab und brachte dann das Mehl mit der Kleie wieder zurück. Der Transport erfolgte früher mit einem Esel, dann mit Pferdegespannen und zuletzt in den Nachkriegszeiten mit einem LKW (Hüttner-Mühle und Krebsmühle).

Anmerkungen: Es sind noch weitere Themen über die Mühlen als Anhang geplant (Aufhebung des Mühlenbanns, Mühlenärzte in Endbach, Beschreibung der Mühleneinrichtungen, etc.)