Die Geschichte der Auswanderung von Johann Jost Michel aus Breidenbach

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Norbert Nossek

Als sich die Bewohner des Hauses Perräschgehans vor fünf Generationen noch Michel schrieben, wohnte in diesem Haus in zweiter Generation Johannes Michel II. Sein Vater Johann Jakob war ein gebürtiger Wiesenbacher und heiratete 1811 Eva Elisabeth Seibel, eine Tochter in Perräschgehans Haus. In den 32 Jahren, die Johann Jakob mit Eva Elisabeth verheiratet war, wurde ihre Ehe mit sechs Kindern gesegnet. Das erste Kind und gleichzeitig die einzige Tochter heiratete Georg Blöcher II. in Fäldes. Der erste Sohn verstarb einjährig. Der zweite Sohn Johannes wurde 1816 geboren und als ältester Sohn auch Hauserbe. (rechtes Bild, rechts sitzend)

Fam. Johannes Michel um 1890 (Breidenbach)

Für die nachgeborenen drei Söhne war die Ausgangssituation nicht besonders rosig. Denn trotz der im Breidenbacher Grund herrschenden Realteilung (jedem Kind stand der gleiche Erbanteil zu), war man immer wieder bestrebt, dieses Gesetz zu umgehen. Wir wissen nicht, wie die Familie Michel dieses Problem löste, jedoch wäre für jedes der fünf jüngeren Kinder die Luft nach der Teilung sehr dünn geworden. Somit zog es den dritten Sohn Johann Henrich, im Jahr 1819 geboren, schon früh in die neue Welt nach Amerika. Nachdem er dort Fuß gefasst hatte, heiratete er Berta Elvira Wiesler. Der nächste, 1823 geborene Sohn Johann Jakob, heiratete 1851 Anna Krug in Niederdieten. Der jüngste Sohn Johann Jost, geboren 1825, erlernte den Beruf des Schmiedes und leistete seinen Militärdienst in dem Großherzoglichen Hessischen I. Infanterie-Regiment ab. Johann Jost war während seiner Militärzeit Teilnehmer am ersten deutsch-dänischen Krieg und nahm auch am Feldzug nach Schleswig (1848–1850) teil. Auch ihn zog es unmittelbar nach seiner Entlassung aus dem Militär im April 1852 in die neue Welt. Der ausgezahlte Wehrsold und sein Erbteil sicherten ihm die Passage und einen Neuanfang in Amerika. Erwähnenswert ist, dass Christian Runkel, Chronist der Runkelschen Chronik, nur drei Generationen später einige Berichte zu der Auswanderungsbewegung im 19. Jahrhundert verfasste, aber mit keinem Wort die Situation der eigenen Familie in seiner Chronik beschrieb.

Fam. Just Michel um 1875 (USA)

Es lässt sich nicht nachvollziehen, ob Johann Jost schon vor der Überfahrt mit seinem älteren Bruder in Kontakt getreten war, oder erst nach seiner Ankunft. Wir wissen aber, dass er in Amerika seinen Bruder aufsuchte und Kontakt mit ihm pflegte. Eine Ungereimtheit gibt es dennoch zu berichten: Johann Jost gab bei seiner Ausreise ein falsches Geburtsdatum an, er machte sich 8 Jahre jünger. Den Grund dafür können wir nicht mit Sicherheit nachvollziehen. Wollte er seine Spuren verwischen? Dafür spräche, dass seine Angehörigen in der Heimat nach seiner Auswanderung nie ein Lebenszeichen von ihm erhielten. Wahrscheinlicher scheint es aber, dass er sich durch diese Falschangabe zum Jugendlichen machen wollte, um dadurch eine günstigere Passage oder sonstige Vergünstigungen zu erhalten.

Heute würde man Johann Jost als einen Pionier der frühen Siedlerzeit bezeichnen. Er durchquerte den amerikanischen Kontinent von der Ostküste durch die Prärie in den Bezirk Walla-Walla im Bundesstaat Washington. Dort heiratete er 1858 die fünf Jahre jüngere Martha Jane Dodge, mit der er sieben Kinder hatte. Bedenkt man, dass er sich bei der Überfahrt acht Jahre jünger gemacht hatte, war er in Wirklichkeit 13 Jahre älter als seine Ehefrau. Johann Jost wurde am 9.12.1825 in Breidenbach geboren, als seinen Geburtstag gab er jedoch den 9.12.1833 an. Er starb am 07.09.1894 und hinterließ sieben Kinder, die zwischen 1859 und 1879 geboren wurden und alle zwei Vornamen hatten: einen amerikanischen und einen deutschen. Seinen jüngsten Sohn nannte er Otto Bismarck. Dies lässt erkennen, dass er seine deutsche Heimat nicht vergessen hatte.

Ein Grabstein der Familie Michel

Ebenso wie viele andere amerikanische Familien, forschte auch die Familie Kwiram-Michel, direkte Nachkommen des Johann Jost, nach ihren Vorfahren in Deutschland. Einige Jahre vergeblicher Suche, bedingt durch das falsche Geburtsdatum und die spärlichen Gebietsangaben, hatte die Familie bereits hinter sich. Der einzige sichere Anhaltspunkt war die Herkunftsbezeichnung „Breidenbach in Hessen Darmstadt“. Die Familie wandte sich schließlich an den Marburger Genealogen Dr. Thomas Friedrich Heldt, der mich anrief und um Auskunft bat. Zunächst stutzte ich, denn der Name „Michel“ war in Breidenbach nicht geläufig. Nachdem mir Dr. Heldt jedoch sagte, dass dieser Jost oder „Just“ Michel, wie er sich in den USA genannt hatte, Schmied gewesen sei, klärte sich für mich seine Herkunft auf: Es konnte sich nur um einen Bewohner von Perräschgehans handeln, denn sie schrieben sich vor der Einheirat des Jost Runkel „Michel“ und hatten eine Schmiede im Haus. Einen Sohn mit dem oben genannten Geburtsdatum fanden wir aber nicht. Alle anderen Beschreibungen stimmten überein. Um sicher zu gehen, suchten wir einen männlichen direkten Nachkommen im Stammbaum Michel. Den fanden wir mit Hilfe von Erich Pfeifer, der die Wiesenbacher Verwandtschaftsverhältnisse bestens kennt. Erich Pfeifer verwies mich an Wilfried Michel in Wiesenbach, den er als letzten männlichen Nachkommen dieser Linie ausgemacht hatte. Nach einem erfolgten DNA-Test wurde die Abstammung bestätigt und Frau Verla Kwiram-Michel war eine der glücklichsten Frauen Seattles, denn sie hatte ihre Wurzeln gefunden.

(Norbert Nossek)

Justus Michel und Ehefrau

In der „W.D.Lyman’s History of Old Walla Walla County“ Erstausgabe 1918 (als Kindle-Taschenbuch erhältlich) findet man auf Seite 399 einen Abschnitt über JUSTUS MICHEL:

Justus Michel (verstorben) war ein sehr früher Pionier sowie ein fleißiger und sparsamer Landwirt. Der Mann, dessen Name die Überschrift für dieses Kapitel gibt, war ein verdienstvoller Repräsentant mit einem liberalen Charakter. Gemeinsam mit seinen Partnern arbeitete er sein Leben lang für die industrielle Entwicklung des Landes. Er war immer daran interessiert, Projekte gemeinsam mit anderen durchzuführen, die sein Ansehen erhöhten.

Wie viele andere ehrenwerte Leute im Westen auch, wurde er in Deutschland geboren (am 9. Dezember 1833). Er besuchte die Volksschule und erfüllte seine Wehrpflicht. Unmittelbar danach segelte er in die neue Welt.

In Baltimore, Maryland, arbeitete er als Böttcher und erlernte das Gewerbe des Zigarrenmachers. Justus Michel übte diesen Beruf mehrere Jahre lang in Missouri und Iowa aus. 1865 durchquerte er die Plains (Prärie) und kam, wie es zu dieser Zeit üblich war, in das Walla Walla Country. Er lebte ca. vier Meilen südöstlich von Dixie und erwarb ein Stück Land, welches an Eisenbahnland angrenzte. Justus lenkte seine Energie auf landwirtschaftliche Ziele und die Erhöhung des Lagerbestandes. Von Anfang an war er sehr erfolgreich und wurde einer der führenden Rancher in diesem Bereich.

Mr. Michel heiratete am 24. Oktober 1858 in Missouri Miss Martha Jane Dodge aus Illinois. Sie bekamen sieben Kinder: Aurora Anna (* 1862), (die spätere Ehefrau von John w. Burkhardt), Ella Jane (* 1864), (sie heiratete Orville France aus dem Withman Country), Justus Irvin (* 1866), (er war wohnhaft in Sunset), Charles Hermann (* 1870), Alice M. (* 1875) und Otto Bismark (* 1879) (alle drei noch lebend) und der erstgeborene Thomas Justus (* 1859), der bereits verstorben ist. Justus arbeitete bis zu seinem Tode am 7. September 1894 als Rancher. Verla Rae Michel ist die Enkelin des Justus Irvin und seiner Ehefrau Mary Josephine Seaman.

Der Vater von Justus Michels Frau Martha, Herr Thomas E. Dodge, war ein früher Pionier aus Illinois. Er war der zweite weiße Mann, der in St. Charles siedelte. Die Mutter von Martha Michel war Mitglied einer alten und respektierten Familie, deren Vorfahren im sechszehnten Jahrhundert nach Amerika kamen.