Die Debusgasse in Holzhausen

Aus Genealogen im Hinterland
Zur Navigation springenZur Suche springen

Autor: Helmut Mankel

Name und Lage der Straße

Straßenkarte von Holzhausen

1939, als man von der Häuserkennzeichnung nach Dorfreihe, in der die Häuser des Dorfes durchgehend nummeriert waren, zur Straßen-Nummerierung überging, entstand in Holzhausen amtlich die „Debusgasse“. Schon zuvor wurde sie im Volksmund so benannt, denn die Häuser wurden ab den 1860ern von Debus-Familien gebaut. Hier setzte sich sozusagen ein „Debus-Klüngel“ fest. Heute finden wir allerdings keinen einzigen Debus mehr in diesen Häusern vor.

Debus-Familien waren allerdings nicht die ersten, die an diesem Weg bauten: Die ältesten Ansiedelungen in der Debusgasse waren: Haus 1 (um 1800, ein Bergmann namens Happel), Haus 6 (um 1820, ein Leineweber namens Wagner) und Haus 2 (um 1826, ein Kuhhirt und Schäfer namens Mankel).

Die Debusgasse zweigt von der Haupt- und Durchgangsstraße des Dorfes ab, der man den Namen Hinterlandstraße gegeben hat. Nach dem Durchstoßen des „Stockkippels“, einer der drei Erhebungen innerhalb des Dorfgebietes, um 1800 an seinem linken Randbereich wurde die Hinterlandstraße nun die Hauptverbindung nach Gladenbach und dann wurde auch dieser Bereich bebaut (man nennt diesen Bereich noch heute im Volksmund „am Stuß“). In diesem Bereich (Hinterlandstr. 38) baute um 1836 (1. Erwähnung im Brandkataster) Johann Peter Debus (Lieneschreinisch) sein erstes Haus. Im Jahre 1861 baute er in der Debusgasse 7 neu; das alte Haus wurde verkauft (Hausname: Pirrisch am Stuß).

Die Debusgasse führt südwärts weiter in die Martin-Luther-Straße, am rechten Rand des Stockkippels. Im Gegensatz zur Debusgasse hat in der Martin-Luther-Straße nie der Namensgeber gewohnt. Zu Ehren von Martin Luther (400. Wiederkehr seines Geburtstages) wurde dort am 10.11.1883 ein Baum gepflanzt, der sogenannte „Lutherbaum“. Nordwärts mündet die Debusgasse in die Elisabethenhofstraße. Ihr Name geht auf frühe Besiedlung zurück: Bei der Erstbesiedlung im Talbereich von Holzhausen wurden nach mündlicher Überlieferung vier Bauernhöfe (relativ weit auseinanderliegend) gegründet. Im Bereich Debusgasse/Elisabethenhofstraße stand der „Elisabethenhof“.

Die Namensfindung für Straßen in 1939 und danach geschah für einige umliegende Straßen nach lokalen Gesichtspunkten: Die Eckernstraße führte zu den Äckern (im Dialekt „Eckern“). Die Bebauung in dieser Straße fand im unteren Bereich schon vor 1800 statt. In dieser Straße haben Johannes Debus (Kottreis, Eckerstraße 11) um 1838 ein neues Haus gebaut. Die beiden anderen Debus-Familien (Hofs, Eckerstr. 8 und Janches, Eckerstr.12) sind über Einheiratung in vorhandene Wohnhäuser gelangt.

Die Debusgasse in Holzhausen ist eine relativ kurze und steile Straße mit insgesamt zur Zeit (im Jahr 2010) 8 Wohnhäusern (Hausnummern: links à 1, 3, 7 und rechts à 2, 4, 6, 8, 10). Auf der linken Seite stand bis 1950 noch das Haus mit der Hausnummer 5. Es wurde wegen Baufälligkeit abgebrochen (Fläche wird weiter als Gartenland genutzt) und durch einen Neubau mit der Hausnummer 8 an der gegenüberliegenden Straßenseite ersetzt. Nur die Häuser 3, 5 und 7 links und 4 und 10 rechts waren von Debus gebaut.

Die Debus-Häuserbauer

Der erste Debus, der sich hier 1861 ansiedelte, muss Johann Peter Debus (1806-1873) gewesen sein. Er stammte aus dem Liene-Haus. Drei weitere nachfolgende Debus-Hausbauer waren Neffen von ihm. 1925 wagte ein weiterer aber nicht oder sehr sehr weit entfernt verwandter Debus, sich ein Haus in diese Gasse zu setzen.

Zu Johann Peter Debus gibt es nur spärliche Hinweise auf seinen Beruf als Zimmermann. Im Buch von Elsa Blöcher (1975) „Der Zimmermann im Hinterland und seine Balkeninschriften“ wird er nicht aufgeführt. Eine eigene Werkstatt hat er nach dem Brandkataster weder in seinem ersten Haus in der Hinterlandstraße, noch im zweiten Haus in der Debusgasse (Haus Nr. 7) gehabt. Im ersten Haus soll es einen Balken mit der Inschrift „erbaut im Jahre 1835 von Johann Peter Debus“ gegeben haben.

Wo Johann Peter Debus als Schreiner gearbeitet hat, kann man nicht mehr feststellen. Er hat aber zeitweise als Zimmermeister bei der Zimmerei Neuhaus in Holzhausen gearbeitet. Der letzte Besitzer dieses Betriebes Joh. Jakob Neuhaus (geb. 1824 in Herzhausen, gest.1903 in Holzhausen; Zimmermann; Blöcher, Nr. 349) war im Unterschied zu seinem Vater Karl Neuhaus (1803–1853; Blöcher Nr. 348) kein Zimmermeister und musste so nach der Handwerksordnung einen Meister beschäftigen und dieses war zeitweise Joh. Peter Debus. Ein Zeugnis hierzu gibt es in einer vor einigen Jahren freigelegten Balkeninschrift an einem Hausanbau in Holzhausen (Unter der Linde 15). Dort heißt es: „Der Zimmermeister war Johan Peter Debus und sein vers Jakob Neuhaus 1864“.

Die Debusgasse – einmal rauf und einmal runter

Schreiten wir die Debusgasse von der Hinterlandstraße aus ab. Beginnen wir mit einem Blick aus der Eckerstraße über die Hinterlandstraße hinweg in die Debusgasse hinein.

Das graue Haus zu Beginn gehört zur Hinterlandstraße, also nicht zur Debusgasse.

Links sehen wir in der Reihenfolge:

  • Haus 3 (weiß, Debus Weiets),
  • Haus 5 (abgerissen, Debus Berg) und
  • Haus 7 (Debus Lieneschneirersch) weiter oben, davon ist nur das Dach zu sehen

Das Hinweisschild zum Waldschwimmbad weist in die Eckerstraße. Zusammen bilden Hinterlandstraße, Debusgasse und Eckerstraße keine richtige Kreuzung, weil die Seitenstraßen von der Dorfmitte kommend versetzt im spitzen Winkel ansetzen.

Rechts beginnt es mit dem Haus an der Hinterlandstraße (mit Scheune), dann

  • Haus 2 (Fachwerk zur Straßenseite, s. auch Bild rechts),
  • Haus 4 (weiß, verdeckt, Liene, siehe dazu Bild rechts),
  • Haus 6 liegt zurück und hier nicht zu sehen,
  • Haus 8 (das neue Berghaus, Berg, roter Backstein) und
  • Haus 10 (Kleppes)
Einblick in die Debusgasse von oben (Richtung Hinterlandstraße)

Das letzte Bild gibt Einblick in die Debusgasse von der höher gelegenen Elisabethenhofstraße:

Rechts

  • Haus 7 (Debus – mit Scheune)

Links

  • Haus 8 (Backsteinbau),
  • Haus 4 (Debus – weiß mit rotem Dach)
  • Haus 2 (mit Fachwerk).
  • Haus 10 (Debus – liegt auf der linken Seite weiter nach oben zurück (hier nicht zu sehen)

Übersicht über die Häuser

Übersicht über die Debus-Häuser der Debusgasse mit Angabe des Hausnamens, des Baujahrs und des Erbauers[1]

  • Hausnummer 7; Hausname: Lieneschreinisch; Baujahr: ~ 1861; Erbauer: Debus, Johann Peter (* 1806; † 1873) aus Liene; Beruf: Schreinermeister, Zimmerermeister, Nebenerwerbslandwirt
  • Hausnummer 5; Hausname: Berg); Baujahr: ~ 1867; Erbauer: Debus, Johannes (* 1843; † 1896) aus Kottreis, Neffe von J.Peter Debus; Beruf: Bergmann, Tagelöhner, Nebenerwerbslandwirt
  • Hausnummer 3; Hausname: Weiets; Baujahr: ~ 1871; Erbauer: Debus, Weigand (* 1846; † 1904) aus Kottreis, Bruder von Johannes; Beruf: Bergmann, Tagelöhner, Nebenerwerbslandwirt
  • Hausnummer 4; Hausname: Liene; Baujahr: ~ 1867; Erbauer: Debus, Johann Jakob (* 1841; † 1893) aus Liene, Neffe von J. Peter Debus; Beruf: Bergmann, Tagelöhner, Nebenerwerbslandwirt
  • Hausnummer 10; Hausname: Kleppes; Baujahr: ~ 1925; Erbauer: Debus, Wilhelm (* 1901; † 1978) aus Kleppes, Vater aus Eckelshausen; Beruf: Maurer

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Unterlagen: a.) Artur Kraft: Familienbuch Holzhausen; b.) Hess. Staatsarchiv Marburg: Brandkataster von Holzhausen aus dem Jahre 1828 und aus dem Jahre 1863