Die Debus-Schmiede in Wallau: Karl Debus

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Willy Welsch und Günter Debus

Die Wallauer historische Schmiede

Am Samstag, dem 1. Juni 1994, weihten die Wallauer „ihre historische Schmiede“ ein: Mit Worten von Willy Welsch als Vorsitzendem des Heimatvereins, von dem Wallauer Heimat- und Familienforscher, dem Lehrer Franz Konrad, von Bürgermeister Karl-Hermann Bolldorf und von Ortsvorsteher Helmut Feuring wurde die Dorfschmiede in dem historischen Gebäude von 1756 der Öffentlichkeit übergeben. Mehrere Zeitungen berichteten darüber, u. a. der Hinterländer Anzeiger am 3. Juni 1994.

Die Familie des Karl Debus (1879–1951)

Die Schmiede-Einrichtung stammt von Karl Debus (1879–1951), in Wallau Dewes Karl genannt. Karl Debus war das siebte Kind, der sechste Sohn des Dachdeckers Johann Jost Debus (1838–1912), siehe Die Wallauer Debus-Dachdecker: sechs Generationen – zweihundert Jahre. Als Schmied nahm er eine Sonderstellung in der Generationenfolge von Dachdeckern ein. Wie er wurde keiner seiner Brüder Dachdecker. Von einem weiß man, dass er auch Schmied wurde: der jüngste Bruder Christian, der nach Niedereisenhausen heiratete und dort eine Kettenschmiede betrieb (siehe Niedereisenhausen Hotmanns Christian). Sein Bruder Jakob (1877–1914) wurde Holzschneider, dieser verunglückte tödlich bei der Inspektion einer neuen Holzschneidemaschine (siehe auch Niedereisenhausen: Hotmanns Christian). Zwei Brüder, Ludwig (geb. 1868) und Jost (geb. 1874), wanderten nach Übersee aus. Der älteste Bruder, Heinrich (geb. 1865) wurde Former.

Karl Debus und die Geschichte seiner Schmiede

Der Schmied Karl Debus bei der Arbeit, links von ihm Karl Wagner (Bullersche) als Lehrling, Katharina Debus (verh. mit Christian Schwarz) und Gustav Debus, Neffe von Karl Debus; rechts von ihm Ehefrau Lieschen und Tochter Frieda (später verehel. Schwarz)

Karl Debus wurde zu einem Wallauer Original: Der Bauchredner und Allerweltskünstler begann sein Schmiedehandwerk im Jahre 1899 in der oberen Hainbachstraße, wo auch sein Wohnhaus stand. Anfangs wurden die Schmiedearbeiten überwiegend noch im Freien getätigt. Später wurde – nach Auskunft seines Großneffen Gustav Debus Jr. – eine Schmiedewerkstatt im Kellergeschoss des Hauses eingebaut.

Der Bedarf an Schmiedearbeiten entstand in der Landwirtschaft: Schmieden und Aufziehen von Eisenreifen für Wagenräder, Schärfen von Sicheln, Sensen, Hacken und Pflügen und vor allem auch das Hufbeschlagen von Pferden und Kühen. Das Bild zeigt Karl Debus mit Lehrling und Familie bei der Schmiedearbeit vor seinem Haus. Zu Dewes Karl kam man auch zum „Weißkrauthobeln“.

1925 erfolgte der Umzug der Schmiede in das jetzige „Museums-Haus“. Ab jetzt arbeitete sein aus Friedensdorf stammender Schwiegersohn Hermann Weber in der Schmiede mit (siehe auch Angabe von Menges, 1936[1]). Der Schwiegersohn erwarb das alte in 1756 erbaute Kreislersche Haus in der „namenlosen Straße“ auf Abriss und erbaute an gleicher Stelle ein Wohnhaus mit der noch vorhandenen Schmiedewerkstatt. Der alte Scheunenteil ist noch als Relikt des alten Kreislerschen Hauses vorhanden. Hier arbeitete Karl Debus weiter. Ab 1935 übernahm der Schwiegersohn die Schmiede.

Nach dem Tod von Karl Debus im Jahre 1951 wurde die Schmiede noch bis in die 70er Jahre vom Schwiegersohn Hermann Weber weitergeführt. Der 1927 geborene Enkelsohn Karl Weber, der bereits eine Lehre als Schmied absolviert hatte, sollte als Nachfolger den Schmiedebetrieb übernehmen. Doch er starb als Soldat kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges bei Wien.

Quellen

  1. Adolf Menges: Geschichte und Kulturkunde des Dorfes Wallau an der Lahn. Bagel, Düsseldorf 1936, DNB 579485757.