Die Dörrmühle in Endbach in der Zeit der Debus-Müller (1759–1808)

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Helmut Mankel

Vorbemerkung

Die folgende Darstellung ist ein Auszug aus der geplanten Veröffentlichung über die Mühlen in Endbach.[1]

Die Mühlen im oberen Salzbödetal

Allgemeine Angaben

Im gesamten Salzbödetal stellt man überraschend fest, dass es hier gegenüber anderen Gegenden sehr viele Getreidemühlen gab (siehe hierzu Petra Burk-Wagner: Mühlen im Salzbödetal).

Im oberen Bereich des Salzbödetales waren im Zeitraum von 1600 bis 1900 zeitweise gleichzeitig 10 Mühlen in Betrieb (drei in Hartenrod, vier in Endbach und drei in Wommelshausen mit Hütte).

Auszug aus der Topographischen Karte 1:25000 (Ausgabe 1961) mit den ehemaligen Gemeindegrenzen und mit handschriftlichen Eintragungen der Mühlen-Standorte

Hier drängt sich die Frage auf, wie alle diese Mühlen existieren konnten.

Das Einzugsgebiet bezüglich der Mahlgäste war nicht groß, da in den umliegenden Nachbardörfern auch Mühlen vorhanden waren: zeitweise fünf in Weidenhausen, zeitweise zwei in Niederweidbach, fünf in Bischoffen, eine in Übernthal, zwei in Eisemroth, zwei in Oberndorf und mindestens eine in Bottenhorn.

Ein Grund bestand darin, dass es im Bereich des gesamten Salzbödetales keine Bannmühlen gab. Die Bauern (Mahlgäste) waren daher nicht an eine bestimmte Mühle (Bannmühle) gebunden und konnten frei entscheiden, in welcher Mühle ihr Getreide gemahlen wurde. So lag es an dem Müller selbst, sich mit guter Arbeit um Kunden zu kümmern.

Eine Bannmühle war immer eine herrschaftliche Mühle die mit einer besonderen Banngerechtigkeit ausgestattet war. Das bedeutete, dass die Bauern der umliegenden Orte (die betreffenden Ortschaften waren amtlich festgelegt) dort ihr Getreide mahlen lassen mussten. Die „einfachen“ Dorfmühlen (auch Pletsch- oder Plätschmüller genannt) waren in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt, da bei ihnen nur die sogenannten Einläufigen, die Kleinstbauern und die Tagelöhner, mahlen durften, die weder Gespann noch Wagen hatten.

Die generelle Befreiung vom Mahlzwang im Salzbödetal war schon eine Ausnahme in unserer Gegend, obwohl es im Salzbödetal doch auch herrschaftliche Mühlen gab (z. B. die Schilingsmühle/Hüttner-Mühle in Wommelshausen-Hütte).

Zum Überleben der Mühlen hier im oberen Salzbödetal waren die Müller gezwungen noch eine Landwirtschaft nebenbei zu betreiben. Ein Grund waren die doch relativ wenigen Mahlgäste und dass oft in den Sommermonaten wegen Wasserknappheit die Mühlenräder still standen. Im Winter gab es Schwierigkeiten wegen Einfrierung der Zuläufe und der Mühlenteiche.

Die Mühlen in Endbach

Das Dorfbuch des Oberfürstentums Hessen und der Grafschaft Katzenellenbogen 1629/30 im Staatsarchiv Marburg (S 50 I und II) gibt auf S. 293–297 Auskunft über die Mühlen im Amt Blankenstein, darunter die vier Mühlen von Endbach:

„8. Johann Wagner daselbst hat ein Eigenmühl von einem Gang gibt […]: Dorn-/Dörrmühle (Mühlenabgabe 8 Mesten Korn)[2]
9. Hans vor der Ohellen Wittib hat ein Mühl daselbst von einem Gang in ihren Gütern, gibt […]: Heckenmühle (Mühlenabgabe 4 Mesten Korn)
10. Krebs Jacob zu Endbach hat ein Mühl von einem Gang, an Merten Ohellers Acker, unterm Dorf gelegen, gibt […]: Krebsmühle (Mühlenabgabe 4 Mesten Korn)
11. George Burck et Consorten haben die Mühl daselbst von einem Gang, […] geben […]: Hecke Danielsmühle[3] [ab 1737: Hohkäppersmühle] (Mühlenabgabe 6 Mesten Korn)“

Beim kritischen Betrachten der Lage der Heckenmühle bezüglich des Abstandes zur Grenze von Hartenrod (Bild links) und im Vergleich zur heutigen Topographischen Karte (Bild rechts) stellt man eindeutig fest, dass die beiden Mühlen – Heckenmühle und Dorn-/Dörrmühle – von Merian vertauscht wurden.

Diese Vertauschung der beiden Mühlen hat in den bisherigen Veröffentlichungen zu falschen Aussagen bezüglich der „Dörrmühle“ geführt. U. a. sind die Aussagen bei Ulrich Reuling: Historisches Ortslexikon des Landes Hessen. Heft 4, Biedenkopf, ehemaliger Landkreis Biedenkopf, Seite 40, wie folgt zu korrigieren:

  • Die Dornmühle ist identisch mit der Dörrmühle (spätere Namensänderung).
  • Die Dornmühle/Dörrmühle wurde durchgehend von 1586 bis 1910 als Mühle betrieben und ist heute noch von den Müller-Nachkommen bewohnt. Die Annahme, dass dort eine Wüstung bestand, ist also nicht richtig.
  • Die „Dörrmühle“ und die „Hecke Daniels Mühl“ (ab 1737 „Hohkäppersmühle“) sind zwei verschiedene Mühlen.

Die Dörrmühle

Geschichte der Mühle

Lageplan zur Dörrmühle

Die Dörrmühle in Endbach (siehe zuvor, eine der vier Mühlen im Ortsbereich Endbach) war eine Getreidemühle und zeitweise mit Öl- und Schlagmühle. Sie bestand von ca. 1586 – erste Verleihung der Mühlen-/Wasserrechte – bis zur Stilllegung des Mahlbetriebes ca. 1910. Einige Jahre danach wurde der Mühlenbereich abgebrochen und dieser Bereich zum Wohnhaus hinzugefügt. Das Gehöft der ehemaligen Dörrmühle ist heute noch von Nachkommen der ehemaligen Müller bewohnt.

Die Mühle lag am rechten Ufer der Salzböde (in Flussrichtung gesehen) in der Flur „Dörrwiese“. Auch die drei weiteren Mühlen in Endbach lagen am rechten Ufer der Salzböde.

Das Mühlrad hatte einen Abstand zur Salzböde von ca. 40 m und das Gelände war höher als der Bachlauf. So war ein direkter Zugriff zum Wasserlauf nicht möglich. Zur Versorgung der Mühle mit Wasser (auch zum Füllen des Mühlenteiches) wurde hier ein Mühlengraben angelegt, der nicht zur Salzböde führte, sondern zum Ablauf der oberhalb liegenden Heckenmühle. So wurde das gesammelte Wasser der Heckenmühle direkt noch einmal zum Betrieb der Dörrmühle genutzt.

Recherchen

Die Besitzer der Dörrmühle im 17. Jahrhundert waren

  • Johann Wagner († um 1660)
  • Christ Wagner (Sohn; † 1648, 30 Jahre alt)
  • Henrich Becker (Schwiegersohn von der Plockenmühle; † 1695)
  • Adam Becker (Sohn; † 1730)

Die Recherchen zum Zeitraum um 1800 gestalteten sich sehr mühsam. Die aufwändig ermittelten Daten aus dem Mühlenkataster im Staatsarchiv Marburg sind nur mit Vorbehalt verwertbar. Sie dienen nur als Richtwerte, die mit den Daten aus den Kirchenbüchern abgeglichen werden müssen. Z. B. findet sich im Mühlenkataster die Angaben

  • Mahlmühle: Johann Adam Müller von 1769 und bis 1788 (modo an Hans Jacob Debus)
  • Ölmühle: Johann Adam Müller von 1767 und bis 1788 (modo an Hans Jacob Debus)

Johann Adam Müller starb jedoch 1766 und er war nie Besitzer der Dörrmühle.

Die Müller: Vorgänger – Debus – Nachfolger

  • Adam Becker († 1730) übergab die Mahl- und Ölmühle vor 1730 an seinen Schwiegersohn Adam Schmitt. Im Mühlenkataster wird die Übergabe im Jahre 1753–1757 (Mahlmühle) und 1733–1742 (Ölmühle) aufgeführt.
  • Adam Schmitt († 1769) hatte vor, die Mahl- und Ölmühle an seinen Schwiegersohn Johann Adam Müller, Ehemann der Tochter Anna († 1758), zu übergeben, der aber im Jahre 1766 verstarb. Dieser hatte – vermutlich ab seiner Heirat im Jahre 1738 – in der Mühle (nicht als Besitzer) mitgearbeitet. Nach dem Tod von Adam Schmitt († 1769) und dem des vorgesehenen Erben Johann Adam Müller († 1766) übernahm der Schwiegersohn des Johann Adam Müller, Hans Jacob Debus, die Mühle.
  • Hans Jacob Debus († 1800) lebte seit seiner Heirat mit Elisabeth Müller († 1800, die Tochter von Joh. Adam Müller) im Jahre 1759 mit seiner Familie auf der Dörrmühle, alle Kinder wurden hier geboren. Er übergab die Mahl- und Ölmühle im Jahre 1800 an seinen Sohn Johannes Debus.
  • Johannes Debus († 1808) führte ab 1802 nur noch die Mahlmühle.

„Johannes Debus hat im Jahre 1802 seine seitherige Schlagmühle ganz eingehen lassen, und das fürstliche Schlaggeschirr an einen Müller nach Diedenhausen verkauft, welcher noch keine Schlagmühle aufgebaut hat.“

Nach dem Tod von Johannes Debus ging die Mahlmühle im Jahre 1809 an seinen Schwiegersohn Johann Jacob Müller, der 1809 die Tochter Elisabeth geheiratet hatte.
  • Johann Jacob Müller Wwr. († 1842) war zuvor Müller an der Meerbach-Mühle in Niederweidbach. Er übergab die Mühle im Jahre 1842 an seinen Schwiegersohn Adam Peter II, der im Jahre 1831 seine Tochter Elisabetha heiratete.
  • Adam Peter II († 1870) übernahm die Dörrmühle im Jahre 1842. Bis heute ist die Peter-Familie auf der Dörrmühle noch präsent. Die weiteren Besitzer der Mühle (Söhne der Vorbesitzer) waren:
  • Johann Jacob Peter IV (* 1842; † 1897)
  • Jakob Peter (* 1876; † 1935)

Jakob Peter war der letzte Müller auf der Dürrmühle. Aus wirtschaftlichen Gründen hat er den Mühlenbetrieb im Jahre 1910 aufgegeben. Zu dieser Zeit wurden in den Mühlen statt der Mühlensteine nun Walzenstühle eingeführt, evtl. mit motorischem Antrieb. Diese enorme Kosten waren für die Dörrmühle nicht tragbar.

Bereits ab dem Jahre 1902 hat Jakob Peter den Mühlenbetrieb als Nebenbetrieb betrieben und arbeitete dann 33 Jahre auf der Spatmühle in Hartenrod. Er wurde daher im Volksmund „der Spatmüller“ genannt.

Auch weitere Mühlen in Endbach stellten in dieser Zeit den Mahlbetrieb ein (Heckenmühle um 1900 und Hohkäppersmühle um 1910). Nur die Krebsmühle modernisierte die Mühle und betrieb die Mahlmühle bis zum Jahre 1988.

Lebensdaten der Familien

Becker, Adam († 1730), „Müller auf der Dörrmühle“

Becker, Christine (1695–1729) ⚭ 1715 Schmitt, Adam (1692–1769) aus Günterod, Sohn des Ackermanns Georg Schmitt

Schmitt, Adam heiratete nach dem Tod seiner ersten Frau 1769 noch zweimal

  • ⚭ 1729 verwitwete Rink, Elsa, Witwe des Ackermanns Conrad Rink aus Endbach († 1734 auf der Dörrmühle)
  • ⚭ 1736 Bangart, Elsa aus Endbach († 1778 auf der Dörrmühle)

Seine Tochter aus erster Ehe Anna Schmitt blieb nach der Heirat in der Mühle.

Schmitt, Anna (1720–1758) ⚭ 1738 Müller, Johann Adam (1707–1766) aus Endbach, der Sohn des Ackermanns Georg Müller

1759 heiratete Johann Adam Müller nach dem Tod seiner Frau 1758 ein zweites Mal

  • ⚭ 1759 Müller, Katharina († 1762) aus Lixfeld

Die Tochter Elisabeth Müller, aus der ersten Ehe von Johann Adam Müller, blieb nach der Heirat in der Mühle.

Müller, Elisabeth (1743–1800) ⚭ 1759 Debus, Hans Jacob (1736–1800) aus Günterod

Hans Jacob Debus aus Günterod ist der Sohn des Ackermanns Johann Georg Debus.

Debus, Johannes (1769–1808) ⚭ 1791 Kraft, Elisabeth (1762–1811) aus Wommelshausen, Tochter des Ackermanns Jacob Kraft

Debus, Elisabeth (1792–1840) ⚭ 1809 Müller, Johann Jacob (1778–1842), Witwer und Müller aus der Meerbach-Mühle in Niederweidbach

Das heutige Gesicht der Dörrmühle

Das Gehöft der ehemaligen Dörrmühle im Jahre 2013[4]

Anmerkungen und Nachweise

  1. Zur Veröffentlichung in den Hinterländer Geschichtsblättern vorgesehen
  2. Die Höhe der Mühlenabgabe sagt etwas über die Größe der Mühle aus.
  3. Die „Hecke Danielsmühle“ war zeitweise eine Genossenschaftsmühle
  4. Foto von Helmut Mankel; derzeitige Bewohner: Familie Heini Peter (der Enkel des letzten Müllers Jakob Peter) und die Familie des Sohnes Holger Peter