Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Günter Debus, Friedrich Debus und Siegfried Palm

Inhaltsverzeichnis

Der Kofferfund 2013

Es ist der 18. November 2013, als die Großnichte von Hubert Jungbluth in Hergenrath[1] zum wiederholten Male im Internet nach einem Debus recherchiert, dem sie den Koffer überreichen kann, den ein Carl Friedrich Debus aus Essen, geboren 1887, im Kriegsjahr 1942 bei ihrem Großonkel in Hergenrath zur sicheren Aufbewahrung abgegeben hatte und der bislang nicht abgeholt wurde. Nach dem Tod ihres Großonkels gelangte der Koffer in ihr Elternhaus und wurde sorgfältigst als Schatz vom Vater gehütet.

Nur wenige Minuten der Suche im Internet reichten diesmal, um in „Geschichte im Hinterland“ unter „Familienforschung Debus“ den Beitrag Als Steiger an Ruhr und Saar: Carl Friedrich Debus (1860–1934) – Vater von zwölf Kindern zu finden und darin den Sohn Carl Friedrich Debus (* 1887) als Autor des geplanten Buches über den Debus-Tunnel erwähnt zu finden. Ein Anruf in Bochum bei Friedrich Debus und eine Mail (wegen Abwesenheit) an Günter Debus im nahen Aachen verschafften die Gewissheit, dass eine Lösung des Kofferrückgabe-Problems in Sicht war. Am Montag, 26.11., besuchte Günter Debus den Palm-Hof in Hergenrath und bekam von den beiden Geschwistern, Charlotte Dupuis, geb. Palm, und Siegfried Palm, den Koffer überreicht.

Der Koffer – inzwischen selbst ein Museumsstück – enthält, bestens geordnet, das akzeptierte druckfähige Manuskript des geplanten Buches Der deutsche Bergmann im Weltkriege. Champagne 1915, Vorversionen, den Briefwechsel mit Verlagen und Freunden, Bilder und Zeichnungen. Ein Schatz, in den man sich gleich – alles um sich herum vergessend – vertieft.

Buchmanuskript von Karl Debus (1942) Der deutsche Bergmann im Weltkriege. Champagne 1915.

Vorderansicht des Buches

Wesentliche Inhalte des Buchmanuskriptes werden im folgenden Beitrag dargestellt:

Zielsetzung

Das Vorwort (S. 3) zum Buch fängt mit den Worten an:

„Mit diesem Buch will ich ein Bild geben von der großen, harten Arbeit und den gigantischen Leistungen der Bergleute, die im Weltkriege ihr Letztes hergaben und jederzeit als Vorbild an Opfermut, Kühnheit und treuster Pflichterfüllung galten, dieses ist allein der Zweck, weshalb ich dieses Buch geschrieben habe. Ich will keine Heldentaten schildern, sondern ich lasse das tägliche Erleben unserer Bergleute sprechen.“

– Seite 3

Das Vorwort schließt mit Worten im Geiste der damaligen Zeit:

„Für uns gab es damals, ebenso wie [1940] heute, nur die Parole: ‚Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!‘  Glück auf!

In der Einleitung (S. 4–8) beschreibt Karl Debus die Landschaft der Champagne aus seiner bergmännischen Sicht:

„Über den mächtigen Kreidehügeln liegt eine kaum 10 Zentimeter hohe Erdschicht. Ferner sind in dieser Gegend nur wenig kleine Ortschaften anzutreffen. Es ist ein hügeliges Gelände und besteht neben dem Kreideboden noch aus Ton, Mergel und Kalkstein. […] Dieser Kalkstein ist sehr hart und fast überall reich an versteinerten Muscheln und Schnecken, welche vor Jahrzehntausenden, als die Wogen eines gewaltigen Meeres hier noch über das gesamte Pariser Becken hinrollten, ein beschauliches Dasein führten. Jedenfalls war hier im gesamten Gelände der Champagne für den Stellungskrieg eine sehr harte Pionierarbeit zu leisten, denn mit dem Spaten konnte fast gar keine Arbeit geleistet werden. Nur allein die Spitzhacke drang in den Kreideboden ein. Allgemein dienen die Abhänge des plateauartigen Kreidekalkgebietes der Champagne nur als Weideland.“

– Seite 4–5

Zur besseren Übersicht werden die nachstehenden Orte in der Champagne genannt, wie Vouziere, Savigny, St. Morel, Moithois, Challerange, Liry, Aure, Marvaux, Ardeuil, Sèchault, Grateuil, Ripont […]. Zur Landschaft gehörten

„die Schluchten und Höhen, wie: Elster-Schlucht, Schlucht la Coutte, Storch-Schlucht, Hasen-Schlucht, Jäger-Schlucht […] und Wäldchen, wie Troilo-Wald, Kibitz-Wald, Habicht-Wald […]“

– Seite 5

Beiträge und Anlagen

Tunnelanlagen

Es folgen Beiträge zu Einzeldarstellungen von Tunneln:

  • Debus-Tunnel maschinenschriftlich (S. 9–54) mit Namensverzeichnis der Belegschaft des Debus-Tunnels (S. 55–57)
  • Ditfurth-Tunnel maschinenschriftlich (S. 58–62)
  • Fürst-Anton-Tunnel (S. 37 erwähnt, sonst keine Angaben dazu)
  • Hertzberg-Tunnel maschinenschriftlich (S. 63–73)
  • Altrock-Tunnel handschriftlich
  • Kipsdorf-Tunnel handschriftlich
  • Mont-Cornillet-Tunnel handschriftlich
  • Tunnel im Argonner Wald handschriftlich

Zu allen Bauten gibt es Karten und Bilder.

Eine ausführliche Darstellung aller Tunnel gibt der Beitrag Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915.

Speziellen Themen

weiterhin maschinenschriftliche Beiträge zu Einzelthemen:

  • Das Wasserwerk Ripontmühle (S. 74–83)
  • Das Pariser Ferngeschütz (S. 84–87)
  • Der deutsche Stahlhelm (S. 88–90)
  • Zufallstreffer (S. 91)
  • Die große Armee (S. 92–93)
  • Wiedersehen nach 23 Jahren (S. 94)
Anlagen

Neben Fotos vom Tunnelbau, Karten, Fotos der Kameradentreffen 1938–1941 und einem privaten Fotoalbum gibt es Briefe von Erich Asbach (Sömerda, Thüringen) des Briefwechsels mit Karl Debus (Essen). Hauptthema der Briefe ist die Buchpublikation neben privaten Anmerkungen.

Einsatz von Karl Debus

Am Bau aller Tunnel war Karl Debus beteiligt, als Bauleiter beim Debus-Tunnel und vor allem auch verantwortlich beim Bau des Mont-Cornillet-Tunnels. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der Darstellung des nach ihm benannten Debus-Tunnels. Zur Frage, wie es zu der Namensgebung kam, findet sich keine Aussage. Es war die erste Tunnelanlage in der Champagne und diese war unter seiner Bauleitung entstanden. Sie hatte, wie Karl Debus oft herausstellt, mehr Soldatenleben geschützt als vernichtet, wie etwa beim Mont-Cornillet-Tunnel.

Im Einzelnen lassen sich folgende Zeitabschnitte für den Einsatz von Karl Debus bestimmen:

  • März 1915 bis September 1915 Debus-Tunnel[2]
  • März 1916 bis Oktober 1916 Hertzberg-Tunnel[3]
  • Oktober 1916 bis April 1917 Mont-Cornillet-Tunnel[4]

Teilnehmend beteiligt war er wahrscheinlich:

  • April 1915 bis September 1915 Ditfurth-Tunnel[5]
  • April 1915 bis September 1915 Wasserwerk Ripontmühle[2]

Die Akteure beim Tunnelbau

Im Folgenden werden die an Bau und Betrieb beteiligten Personen und Truppen vorgestellt. Der Bau des Tunnels ist im Beitrag Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915 näher beschrieben.

Debus-Tunnel

Karl Debus betont in seinem Buchmanuskript wiederholt die kameradschaftliche Bindung zu den Soldaten seines Kommandos. Besonders herausgestellt werden dabei die Kameraden, die an den Treffen in Essen 1938 und 1941 teilnahmen und zu den Erinnerungen beitrugen. Sie werden hier erwähnt.

Bauleiter Karl Debus

Lebenslauf 1887–1946

Carl Friedrich Debus – so sein standesamtlich beurkundeter Name – wurde am 25. Mai 1887 in Laer bei Bochum geboren. Er war das erste von insgesamt zwölf Kindern der Eheleute Carl Friedrich Debus (1860–1934) und Karoline, geb. Kleff (1863–1938). Sein Großvater war der aus Mornshausen im Hessischen Hinterland stammende Hans Henrich Debus (1834–1884). Wie sein Vater wurde Carl Debus Steiger. Er selbst nannte sich Revier-Steiger. Die wenigen Informationen zu seinem Leben sind den Erinnerungen des Neffen Friedrich Debus (Mitautor) und dem Briefwechsel zwischen Karl Debus und seinem Kriegskameraden Erich Asbach in Sömmerda/Thüringen entnommen.

Seine Wohnadresse in Essen war bis 1942 Essen-West, Helmholtzplatz 10. Mit seiner Frau Lina hatte er einen Sohn, Karlheinz, und eine Tochter, Marta. Karlheinz wurde im Zweiten Weltkrieg im Flieger abgeschossen. Über das Leben seines unehelich geborenen Sohnes ist nichts bekannt. Auch über den Lebenslauf des Kindes der Tochter Marta, Ursula, wissen die entfernten Verwandten nichts.

Karl und Lina Debus, 1943 in Sömmerda, Thüringen

Im Ersten Weltkrieg war Karl Debus von 1914 bis 1918 im Einsatz. Er war Vizefeldwebel bei der 1. Landwehrkompanie der 7. Pioniere des VII.A.K.[6] und eingesetzt in der Champagne im Raum südöstlich von Reims. Dort wurde unter seiner Bauleitung und dem Stellvertreter Unteroffizier Hubert Jungbluth der sogenannte „Debus-Tunnel“ gebaut.

Ein Wiedersehen der Kriegskameraden aus der Zeit des Tunnelbaus 1915 gab es in 1938, also 23 Jahre danach. Der Kontakt zu den damaligen Kameraden war, wie Karl Debus im Abschnitt „Ein Wiedersehen nach 23 Jahren“ (S. 94) schreibt, durch Aufrufe im Rundfunk, „Kamerad, wo bist Du“, zustande gekommen. An diesem Treffen nahm auch Erich Asbach aus Sömmerda in Thüringen teil, der wesentlichen Anteil an dem Zustandekommen des Buchmanuskriptes hatte. Er hatte die handschriftlichen Aufzeichnungen – wahrscheinlich von Mitarbeitern der von ihm geleiteten Munitionsfabrik – in Maschinenschrift umsetzen lassen und den Kontakt zur Druckerei hergestellt. Hubert Jungbluth nahm erst an einem Treffen 1941 in Essen teil. (Bilder zu diesen Treffen siehe unten)

Als am 19. April 1942 Erich Asbach im Brief an Karl Debus mitteilte, dass die Bearbeitung des Manuskriptes für den endgültigen Druck unterbrochen worden sei, war die Enttäuschung groß. Die vorgesehene Druckerei gab es nicht mehr. Er schrieb:

„Erst wollten sie in Polen eine solche eröffnen, aber dieses wurde von der Wehrmacht abgelehnt, denn alle Druckereien, die jetzt eröffnet werden, müssen nur Frontzeitungen drucken, anders geht es nicht. Also so hat sich noch nichts getan und er hat mir daher auch Deine sämtlichen Unterlagen restlos zurück gegeben und ich habe mir dann selbige mit nach Hause genommen. […] Dein Buch ist auch ein Opfer des Krieges geworden und sobald diese Herren wieder eine Druckerei eröffnen, erhalte ich Bescheid, dann möchte ich ihnen die Unterlagen wieder zustellen, damit dann das Buch gedruckt werden kann.“

Es war im Jahr 1942, offenbar unter dem Eindruck der Bombardierungen im Ruhrgebiet, dass Karl Debus seine Buchunterlagen in Sicherheit brachte. Dafür wählte er den Standort nahe Aachen. In Hergenrath, zu dieser Zeit ins „Großdeutsche Reich“ wieder eingegliedert, wohnte sein damaliger Stellvertreter beim Bau des Debus-Tunnels, Hubert Jungbluth. Er selbst zog nach Sömmerda in Thüringen, wo sein Freund Erich Asbach wohnte. Wie Friedrich Debus, sein Neffe, sich erinnert, hatte seine Familie aus dessen Wohnung Möbel für sich geholt, weil die eigene Wohnung bereits zerstört war. Aber nur wenige Monate danach war auch die Wohnung von Karl Debus durch Bombardierung völlig zerstört.

Karl Debus starb am 5. Juli 1946 in Sömmerda in Thüringen. Seine Frau kam später mit Tochterfamilie nach Essen zurück.

Vor dem Eingang des Debus-Tunnels (von links): Dortmann, Spierts, Debus, Schmitz und Jungbluth
Bauleitung 1915

„Am 27. April 1915 erhielt der damalige Unteroffizier Karl Debus von seinem Hauptmann Karcher der 1. Landwehr-Komp. des 7. Pionier-Batl.[6] den Befehl, alle technischen Vorbereitungen und Unterlagen zum Bau eines Tunnels zu treffen und zu schaffen und dieses berichtmäßig niederzulegen. Am nächsten Tage bereits legte Hauptmann Karcher im Beisein des Utffz. Debus dem Divisionsgeneral die technischen Unterlagen vor und der Bau des Tunnels wurde sofort genehmigt. Mit der technischen Leitung zur Durchführung des Baus vom Tunnel wurde nun der Verfasser dieses Buches, der damalige Utffz. Debus bestimmt, denn es lag auf der Hand, dass diese Aufgabe des Tunnelbaues dem erfahrenen und oft bewährten Reviersteiger Debus in keiner Weise schwer fiel, denn seit Jahren hatte dieser in treuester Pflichterfüllung sein Amt als Reviersteiger im Bergbau ausgefüllt.“

– Seite 9

So selbstbewusst beginnt der Anfang des Kapitels über den Debus-Tunnel.

Im Kapitel über „das ruhmreiche Ende des Debus-Tunnels“ resümiert Karl Debus:

„Im Jahre 1915 entstand das gewaltige und gigantische Bauwerk, der ‚Debus-Tunnel‘, errichtet durch die harte Hände-Arbeit der rheinisch-westfälischen Bergleute, die wirklich im Schweiße ihres Angesichts den Bau begonnen und auch beendet hatten. Meter an Meter reihte sich zu der gewaltigen und stattlichen Länge weit über 800 Metern und es war ein stolzes Denkmal der Geschichte, die im Weltkriege bestanden hatte. Vielen Hunderttausenden von Soldaten bot diese unterirdische Anlage Schutz und Unterkommen und der Tunnel bildete den Eckpfeiler bei allen Angriffen, die sich hier auf der Höhe 196 abgespielt hatten. Dieser Bau bot allen Trotz und war einfach unüberwindlich. An diesem Debus-Tunnel rannten sich die Franzosen den Kopf ein. Viele Truppenmassen hatten hier Stellung genommen und so überlebte der Debus-Tunnel auch die nachfolgenden Kriegsjahre 1916–1917 und 1918 – dann aber war auch das Ende für den Debus-Tunnel gekommen! […] wurde auch der uns allen so lieb gewordene ‚Debus-Tunnel‘ von den 28. Pionieren auf deutschen Befehl gesprengt. Es war ein ganz gewaltiges Dröhnen in der Luft, die Erde erschütterte, dicke Rauchschwaden zogen durch die Luft und ein unübersehbares Feld von Geröll und Kreidesteinen bedeckte unendliche Flächen der Höhe 196.“

– Seite 49

Stellvertreter Hubert Jungbluth

Lebenslauf 1886–1972
Hubert Jungbluth als Angehöriger des Musikkorps 1908 (Tambour)

Hubert Jungbluth aus Hergenrath (Belgien) wurde 1915 zum Stellvertreter von Karl Debus ernannt. Er war am 30. Januar 1886 in Wahlhorn bei Eupen geboren. Tiefbau hatte er in den Jahren 1899–1906/1908–1912 als Arbeiter beim Tiefbauunternehmen Edmund Jungbluth, Hergenrath, gelernt. Von 1906 bis 1908 leistete er seinen Militärdienst in Charlottenburg. Dort gehörte er dem Musikkorps des Füselier-Bataillons Königin Elisabeth-Garde Gren.-Regt. No.3.[7] 1908 als Trommler und (TambourWikipedia-logo.png) an. In den Jahren 1912–1914 arbeitete er als Schachtmeister im Eisenbahnoberbau, Baal.

Hubert Jungbluth inmitten seiner verwundeten Kameraden im Lazarett St Raphael in der Soers, Aachen

Vom 2.8.1914 bis 21.11.1918 war er im Kriegseinsatz. Er gehörte dem Res.Inft.Regt. Nr. 29 an.[8][9] Zu Beginn des Krieges wurde er verwundet und hielt sich vom 17.11.1914 bis 11.01.1015 in einem Lazarett in Aachen auf (Eintrag im Soldbuch, Privatbesitz). Dort entstand das Bild unten rechts. Hubert Jungbluth starb am 30. April 1972 in Moresnet (Belgien).

Wie die Todesanzeige ausweist, war Hubert Jungbluth – seine früher verstorbene Schwester Anna Katharine[10] war die Großmutter vom Mitautor Siegfried Palm – ein sehr aktiver Mensch. Er war „umtriebig“, so in vielen Vereinen tätig. An seinem Lebenslauf kann man aber auch beispielhaft erläutern, dass die Menschen in OstbelgienWikipedia-logo.png, der deutschsprachigen Region Belgiens mit den Orten Eupen, St. Vith und Malmedy, oft auf der „falschen“ Seite standen. Die Kreise Eupen und Malmedy waren nach der Entscheidung auf dem Wiener Kongress 1815 von 1816 bis 1920 Landkreise im Regierungsbezirk Aachen der preußischen Rheinprovinz. So marschierten die deutschsprachigen Ostbelgier im Ersten Weltkrieg für Kaiser, Gott und Vaterland durch das neutrale Belgien nach Frankreich. Als sie 1922 wieder zu Belgien gehörten, waren sie die ehemaligen Feinde, so auch in der Wahrnehmung von Hubert Jungbluth. Was er in der Champagne getan hatte, hatte er für den Feind getan, der für den Durchmarsch nach Frankreich das neutrale Belgien überfallen hatte. Als im Zweiten Weltkrieg nach der Eroberung Belgiens das Gebiet Eupen-Malmedy am 18. Mai 1940 wieder zurückgegliedert wurde ins Deutsche Reich, wurde das vorherige „deutsch-patriotische“ Verhalten kritisch befragt. Hubert Jungbluth hatte an einer Friedenstagung teilgenommen, Anlass, seine „deutschnationale“ Zuverlässigkeit anzuzweifeln. Grassestes Beispiel nationalsozialistisch-deutscher Gesinnungskontrolle ist das Vorgehen gegen die Erinnerung an den Pazifisten Peter Schmitz[11] Im Briefwechsel zwischen Karl Debus und Erich Asbach 1941[12] werden Probleme – aus Vorsicht ohne nähere Angaben – angedeutet und ihm Beistand zugesichert. Nach dem Sieg über Hitler-Deutschland kam 1945 die Region Eupen-Malmedy wieder nach Belgien. Jedes Engagement für das nationalsozialistische Deutschland zuvor war jetzt wieder Anlass für feindselige Behandlung. Hubert Jungbluth hat viele kritische Zeitabläufe durchgestanden. Gerne wird in seiner Familie das Bild von Hubert Jungbluth zusammen mit Königin Fabiola (Fabiola Mora y AragónWikipedia-logo.png) bewahrt, das bei einem Besuch der Königin in Ostbelgien entstand.

Todesanzeige Hubert Jungbluth
Königin Fabiola (links) und Hubert Jungbluth (rechts)
Kameradschaftliche Bindung

Im Januar 1941 traf Hubert Jungbluth sich mit Karl Debus in Essen zusammen mit anderen Kameraden (Bild rechts), Hubert Jungbluth im Bild rechts, Karl Debus links und in der Mitte Ludwig Kriska. Dieses Treffen erfolgte nach der Wiedereingliederung des deutschsprachigen Ostbelgiens ins Deutsche Reich. Bei dem Treffen zuvor, 1938 (Bild links), war Hubert Jungbluth noch nicht dabei.

Treffen in Essen 1938, von links nach rechts: Heinrich Piepenbreier, Fritz Hölling, Karl Debus, Hermann Peters, Heinrich Asbach (Vater von Erich Asbach), Ludwig Kriska, Erich Asbach, Fritz Krusenbaum
Treffen in Essen 1941, von links nach rechts: Karl Debus, Ludwig Kriska, Hubert Jungbluth

Zwischen Bauleiter Karl Debus und seinem Stellvertreter Hubert Jungbluth war offenbar eine sehr enge freundschaftliche Bindung entstanden. Sie wurde auch durch besondere Ereignisse gestärkt, wie der Vorfall am 24. September 1915, als Hubert Jungbluth Karl Debus das Leben rettete:

„Als Bauleiter hatte ich die Pflicht, mehrmals am Tage alle Ein- und Ausgänge des Debustunnels zu kontrollieren. Vor einem der Tunnelausgänge bemerkte ich eine Unordnung, um diese zu entfernen, trat ich einige Schritte ins freie Gelände, dabei kam ich in Gaswolken des feindlichen abgeblasenen Gases und kehrte sofort um. Es war schon zu spät, die Sinne schwanden und ich wurde bewußtlos. Gasvergiftet brach ich zusammen und schon nahte mein Lebensretter Hubert Jungbluth, der mich sofort von diesem Platze trug und für ärztliche Hilfe sorgte. So dankte ich ihm für seine Tat und Kameradschaft, denn dadurch war ich dem sicheren Tode entronnen.“

Bauleiter Erich Asbach: Wasserwerk Ripontmühle

Bauleitung und Betrieb

Karl Debus berichtet (S. 23): „Auf Veranlassung des Hptm. Karcher erbaute der Utffz. Erich Asbach von der 1. Ldw.Pion.Komp. des 7. Pion.-Btl. des 7.A.K.[6] im Ripontmühltal, etwa 2400 Meter hinter der Front, ein großes Wasserwerk.“ Zum Wasserwerk gibt es ein eigenes Kapitel (S. 74). Hier heißt es: „Bauleiter war Uffz. Asbach vom 4. Pion.Btl.Magdeburg. Am 1. Mai 1915 wurde mit dem Bau begonnen und das Kommando wurde aus allen dort liegenden Truppenteilen zusammengesetzt. […] Asbach leitete als Fachmann den Ausbau dieser Anlage und war er der jüngste Kamerad unserer Ldw.-Komp. mit seinen 24 Jahren“ (S. 24). Utffz. Asbach und 8 Mann begannen nun mit dem Bau dieses Werkes. Die Gesamtaufsicht hatte der Artillerie-Oberlt. Weiß vom Baukommando Karcher. […] Der damalige Pionier [Asbach] war in seinem Beruf Maschineningenieur. […] Die Bohrversuche mit der Wünschelrute hatten eine ergiebige Quellader ergeben, somit stand dem Bau nichts mehr im Wege. Zwei Quelladern flossen an diesem Punkte zusammen, wie es sich später bei der Freilegung dieser beiden Adern herausstellte. Jetzt wurden dem Kommando täglich 100 Leute zur Verfügung gestellt. […] Die erste Probefahrt am 4. Juli 1915 [… Anbindung des Wasserwerks an die Versorgungsstellen im Stellungsgraben und Tunnel …] lief anstandslos und in der Stellung gab es das erste Wasser.“ (S. 74) „Am 8. August 1915 wurde der technische Leiter Erich Asbach zum Unteroffizier befördert und erhielt auch noch das Eiserne Kreuz II. Klasse.“ (S. 79)

Erich Asbach wird nur in Zusammenhang mit dem Debus- und dem Ditfurth-Tunnel erwähnt, nicht mehr bei späteren Tunnelbauten, die weiter entfernt liegen.

Korrespondenz zum Buchmanuskript

Zwischen Karl Debus und Erich Asbach entwickelte sich nach dem ersten Zusammentreffen in Essen 1938 ein reger Briefwechsel.[13] Erich Asbach wohnte in der Fichtestraße Nr. 10 in Sömmerda. Er leitete in Sömmerda eine Munitionsfabrik. Er hatte offenbar die Ressourcen, die handschriftlichen Manuskriptteile in maschinenschriftliche Form bringen zu lassen und die gesamte Organisation der Publikationsgenehmigung und des Drucks zu übernehmen. Er ermunterte Karl Debus wiederholt zum Aufschreiben seiner Erinnerungen und fand vor dem Hintergrund der ersten militärischen Erfolge Hitlers siegessichere national-patriotische Worte. Der Stil seiner Brief änderte sich schlagartig mit dem Tod seines einzigen Sohnes an der Front in Russland. Dies geht einem Brief an einen Herrn Ehrlich vom 12. April 1942 hervor, in dem er nach den Aussichten eines Drucks des Manuskriptes fragt:

„Es interessiert mich zu wissen, wer nun über das Manuskript weiter verfügt. – Leider bin ich von meinem Vorhaben abgehalten worden, da uns die traurige Nachricht zuging, dass unser einziger Sohn am 28. Februar in Rußland gefallen ist. Durch einen Bombensplitter bei einem Bombenangriff starb derselbe den Heldentod, denn dieser Splitter traf ihn ins Herz und er war auf der Stelle tot. – Heil Hitler – Erich Asbach.“[14]

Mit seinem Brief vom 19. April 1942 an Karl Debus endet der Briefwechsel. Er sei hier in Auszügen wiedergegeben:

„Lieber Karl und Frau! – Euren lieben Brief mit den tröstenden Worten haben wir dankend erhalten. Damit Du ersiehst, dass ich trotz der tieftraurigen Lage auch nicht geruht habe, Dich wegen Deinem Buch zu bemühen, habe ich Dir die Briefabschrift mit beigefügt, den ich an Herrn von Ehrlich geschrieben hatte. […] Dein Buch ist auch ein Opfer des Krieges geworden und sobald diese Herren wieder eine Druckerei eröffnen, erhalte ich Bescheid, dann möchte ich ihnen die Unterlagen wieder zustellen, damit dann das Buch gedruckt werden kann. – Wie Du aus Deinem Abschnitt der Post ersiehst, hast Du mir genau vor einem Jahr dasselbe Paket zugeschickt. – Ich kann heute nicht mehr schreiben und grüßen wir Euch in stummer Trauer – Erich und Marti“

1944 erfahren Karl Debus und seine Frau – inzwischen in Sömmerda evakuiert – den Tod auch ihres einzigen Sohnes an der Westfront.

Weitere Kameraden

Heinrich Piepenbreier

Karl Debus berichtet:

„[Es] wurde am 15. Mai [1915] der Utffz. Heinrich Piepenbreier [aus Essen] von der 1. Landw.-Komp. des 7. Pion.-Batl.[6] von dieser Baustelle [Debus-Tunnel] abkommandiert, um etwa 700 Meter weiter östlich einen ähnlichen Tunnel [den Ditfurth-Tunnel] zu bauen.“

– S. 13
Hermann Peters

Hermann Peters aus Rheinhausen ist beim Treffen 1938 in Essen mit dabei.

Fritz Krusenbaum
Karl Debus und Frau Lina (rechts) zu Besuch bei Fritz Krusenbaum und Frau (links) in Dortmund 1938, von dort wurde das Bild nach Hubert Jungbluth in Hergenrath geschickt
Rückseite der Karte

Zum Pferdebetrieb des Tunnelbaus schreibt Karl Debus:

„Diese große Geduldsarbeit [im Umgang mit den Pferden beim Abräumen des Kreideschutts zur Halde] hatte der Reserve-Infanterist Fritz Krusenbaum [aus Dortmund-Schnee] vom R.I.R. 29 glänzend gelöst. Mit vieler unendlicher Mühe, zugleich mit großer Liebe und Hingebung zu seinen 4 Pferden verstand Fritz Krusenbaum es geradezu meisterhaft, diese guten Tiere anzulernen und anzuleiten. […] Nach Beantragung weiterer Pferde] wurden diese ebenfalls vom Kameraden Fritz Krusenbaum betreut. Diese Aufgabe hat er zur größten Zufriedenheit gewissenhaft erfüllt. Falls Pferde durch die schwere Arbeit oder beim Ausfahren des Kreideschutts auf die Halde lahmten, wurden diese sofort ausgetauscht. Mehrere Male wurden Pferde durch Minen- oder Granatsplitter verletzt, dann wurden diese vom Pferdepfleger Krusenbaum verbunden und gepflegt. […] S. Exz. Dumrath stellte größere Grasflächen bei dem Dorf Ripont dem Kameraden Krusenbaum zur Verfügung. Das Einholen des Grünfutters wurde dann auch durch diesen besorgt und es entwickelten sich diese Pferde zu guten Bergmannspferden.“

– S. 12
Fritz Hölling
Karl Debus mit seiner Mannschaft, Bild auf der Karte, die er Weihnachten 1915 nach Hause schickte. Karl Debus in der Mitte mit Mantel über dem Arm

Im Kapitel zum Wasserwerk erwähnt Karl Debus

„unseren treuen und braven Kameraden Fritz Hölling aus Recklinghausen, vom R.I.R. 29 […], denn dieser kam täglich zu unserem Wasserwerk Ripontmühle, brachte die Post von Savigny aus der Heimat und die Befehle von Hptm. Karcher. Nach Erledigung dieses ging er unentwegt weiter in die Feuerstellung zum Debustunnel, um auch für diese Kameraden die Post abzuliefern. Nach erfolgter Postverteilung trat der Kamerad Hölling wieder allein den Rückweg an. Ob vorn die Hölle offen war, unser getreuer Hölling erfüllte restlos seine Pflicht und brachte im tollsten Artilleriefeuer ruhig und gelassen seine Post und Befehle, und nicht nur am Tage sondern auch in der Nacht.“

– S. 78–79
Ludwig Kriska

Karl Debus:

„Am 15. September erfolgte nunmehr der erwartete Durchbruch der Nord-Süd-Linie und die Meldung ging sofort weiter an das Generalkommando und somit war der Tag heran gekommen, an denen die ersten wackeren Bergleute in Urlaub fahren konnten. […] Sie fuhren 14 Tage heim zu ihren Angehörigen und zwar die Kameraden, welche sich besonders bei dem Bau hervorgetan hatten, es waren Utffz. Wille vom R.I.R 29 mit einem unserer Getreuesten, Wehrm. Ludwig Kriska. Beides waren Kameraden, wie man dieselben selten wieder findet. Mit voller Hingabe und Pflichterfüllung standen sie zu den Kameraden bis in den Tod, hilfreich aus reinster Seele. Kriska hatte mehrfach mit dem Verfasser des Buches während einiger Sturmangriffe der Franzosen mehrere Verwundete aus dem Niemandsland geholt und in die Sanitätsunterstände geschleppt unter Verachtung des eigenen Lebens.“

– S. 29

Besonders erwähnenswerte Personen

Domprobst Sander (1862–1946)

Wiederholt wird Domprobst Sander genannt, z. B. bei Weihnachtfeiern im Debus- und Ditfurth-Tunnel.

Domprobst Sander, Lennartz (1938), Tafel 42

24.12.1916:

„Der gute Domprobst Sander hat es sich nicht nehmen lassen, am Weihnachtsabend zu der Truppe in vorderster Linie zu kommen, um im Debustunnel eine kleine Feier zu halten.“

– Regimentsbericht R.I.R. 238, S. 106

„Das Weihnachtsfest wurde in der bei uns im Krieg üblichen Form gefeiert. Besonders eindrucksvoll war die von Domprobst Sander abgehaltene Weihnachtsandacht im Ditfurthtunnel unter brennendem Weihnachtsbaum.“

– Regimentsbericht R.I.R 240, S. 209

Kämpfe um die Höhen südlich Ripont (15.2.–31.3.1917):

„An dieser Stelle soll aber noch eines Mannes gedacht werden, der, wenn auch nicht zur kämpfenden Truppe gehörend, sich eng mit unserem Regiment [R.I.R. 240] verbunden fühlte, des allerbeliebten Domprobstes Sander. Er war nicht nur Seelsorger, sondern auch Soldat vom Scheitel bis zur Sohle. Er wollte, wie so oft bei den ersten Schlachten in Flandern, den Angriff bei der kämpfenden Truppe miterleben und hatte sich zu diesem Zwecke nach vorne zu den Angriffstruppen begeben.“

– Lennartz (1938), S. 221

Doppelschlacht Aisne-Champagne (30.4.–27.5.1917):

„Für die Truppe wurde in Vieux les Asfeld durch Divisionspfarrer Sander ein Regimentsgottesdienst abgehalten. Uns allen sind die zu Herzen gehenden soldatischen Worte des ehrwürdigen Domprobstes noch in lebhafter Erinnerung.“

– Lennartz (1938), S. 253

Aus einer Zeitungsnotiz (1956) über das Schicksal der Diözese Ermland nach dem Einmarsch der Russen (1944):

„der greise Domprobst Sander mußte mit seinen 82 Jahren in einem Pferdeschuppen buchstäblich verhungern. Er betreute zur Kaiserzeit als Domherr die Schätze der Kathedrale (Frauenburg). Im 1. Weltkrieg war er als Feldgeistlicher tätig. Mit seinem Domkapitel gab er schließlich im höchsten Alter noch sein Leben für das deutsche Ostland hin, dem die Liebe seines Lebens gegolten hatte …“

– Regimentsbericht R.I.R. 238, Fußnote zu 20, S. 25

Literatur zu Sander:

  • H. Schmauch, Sander, Franz Heinrich Paul. In: Krollmann, Forstreuter, Gause: Altpreußische Biographie II, 589.

Militärische Hierarchie

Baukommando

Bei Start:

„Dieses setzte sich aus den Infanterieregimentern der 16. Reservedivision zusammen. Es waren Kameraden der 28er, 29er, 65er und 68er. Debus als Bauleiter führte diesen regulären Bergmannstrupp und bekam zur Unterstützung noch den Utffz. Heinrich Piepenbreier von der 1. Komp. des 7. Pion.-Batl. sowie den Gefreiten Paul Gerber und Wehrmann Adolf Zaroka hinzu.“

– S. 9
Leitung des Baukommandos – Hptm. Karcher

Hauptmann Karcher war von der 1. Ldw.Pion.-Komp.d.7.A.K. (S. 21, Lichtbeschaffung) und Leiter des Baukommandos.

Hptm. Karcher hatte seinen Sitz in Savigny. Er wird genannt im Bericht über Die Geschichte des 1. Westf. Pionier-Bataillons Nr. 7 von W. Buhr (1938):[15]

  • 22. März 1914 – 26. Okt. 1914 Karcher (unter „Adjutanten“, nach „Offiziere beim Stabe“, unter „Kommandeure des Pionier-Bataillons 7“ (von 1816 bis 1919) (S. 19–21)
  • ab 26. Mai 1915 übernimmt Hptm. Karcher, Führer der 1. Landw.Pi.Komp. VII. A.K. die Bauleitung und untersteht dem Generalkommando unmittelbar. (S. 292)
  • 23.10. 1915 „wird der Führer der Kompanie Hptm. Karcher durch Verleihung des E.K. I. Klasse ausgezeichnet.“ (S. 292)

Zu Karcher erfährt man im Regimentsbericht von Buhr danach nichts mehr. Es heißt:

„In der Folgezeit bis zum 20.4.1917 wurde die Kompanie in kleine und kleinste Kommandos aufgeteilt und bei den verschiedenen Bauabteilungen und Kommandostellen mit Erfolg verwendet.“

– S. 293

Von Karl Debus erfahren wir:

  • Im November 1916 erteilt Hptm. Karcher den Befehl, zusammen mit Emil Brüggeney die Tunnelanlage am Mont Cornillet zu bauen.
  • Im April 1917 werden Karl Debus und Emil Brüggeney dort abgezogen.

Aus dem Regimentsbericht von Buhr (1938)[15] ist zu entnehmen, dass die 1. Ldw.Pion.-Komp-d.7.A.K. 1917 aus der Champagne abgezogen wurde:

  • 20.04.1917 Hptm. Coutelle wird neuer Führer der Kompagnie (Zeitpunkt, zu dem Karl Debus am Mont Cornillet abgezogen wird)[16]
  • 22.04.1917 Verlegung in die Argonnen
  • 20.05.1917 Abtransport per Zug an die Ostfront (Karl Debus und Hptm. Karcher waren offenbar nicht dabei, wohl aber Heinrich Piepenbreier)
Biographie Alexander Karcher
Passbild von Alexander Karcher im Meldebogen 1946

Die Recherchen zu Hauptmann Karcher waren aufwendig, weil Personen mit unterschiedlichen Vornamen infrage kamen.[17] Die Biographie von Alexander Karcher (1884-1956) passte sehr gut, obwohl auch zu ihm Fragen zu den Angaben in den Verlustlisten des Ersten Weltkrieges ungeklärt sind.

Aus der Einwohnermeldekarte Aschaffenburg[18] entnehmen wir folgende Angaben: Alexander Philipp Ferdinand Karcher wurde am 23.09.1884 in Weisenau/Mainz geboren.[19]Seine Eltern sind Hermann Philipp Joseph Karcher, geb. 10.09.1851 zu Geislautern (Stadtteil von Völklingen im Saarland), ev., Fabrikant, gestorben am 17.09.1917 in Didingen (Settinge)/Lothringen, und Marie Hedwig Pauline, geb. Richter, geb. 15.10.1859 zu Oppeln, kath. Alexander Karcher heiratete (Datum unbekannt) Irmgard, geb. Schaedtler, gesch. van Stolk., geb. am 02.08.1894 in Rotterdam/Holland. Als Familienstand wird 1939 „geschieden“ angegeben. Ihr Sohn Hans Hermann Karcher wurde am 10.11.1919 in Rotterdam geboren, in 1939 [Datum des Eintrages] ist er kaufmännischer Lehrling und lebt in Antwerpen.

Sein Kennkartenantrag 1946 enthält ein Passbild. Als früherer Beruf wird angegeben: Offizier der Wehrmacht, zuletzt Oberst. Über seine Aufenthaltsorte der letzten Jahre wird berichtet: Breslau (1929–1935), Ludwigsburg (1935–1937), Pirmasens (1937–1939), Aschaffenburg (1939–1956). Er starb am 28.01.1956 in Aschaffenburg.

Nach den Angaben der Verlustliste gehörte er 1919 dem „Inf.Regt. Nr. 13 Münster in Westfalen“ an. Obertsleutnant Alexander Karcher wurde am 04.03.1939 Kommandeur des Festungs-Pionier-Stab 14 und wurde im November 1944 zum Oberst befördert.[20] Die im Meldebogen genannten Aufenthaltsorte stimmen mit der Verlegung des Festungs-Pionierstabes 12 überein: aufgestellt am 1. März 1936 in Ludwigsburg. 1937 wurde der Stab nach Pirmasens verlegt und dem Festungs-Pionier-Kommandeur V unterstellt.[20][21]

Durch Entscheid der Spruchkammer Aschaffenburg vom 4. Februar 1948 wurde er in die Gruppe der Mitläufer eingestuft und hatte einen Sühne-Betrag von 500 RM zu zahlen.

Drei Eintragungen zu Hptm. Karcher in der Verlustliste:

  • I. Pionier-Bataillon Nr. 7 – Gefechte am 25.1. und 2. Und vom 11.2. bis 12.3.15 – 3. Feldkompagnie – Alexander Karcher – Weißenau, Mainz – vermißt – Seitenzahl 5486 – Ausgabe 417 – Liste Preußen 183 – Rgt. 1. Pionier-Bataillon 7
  • Hptm. Karcher, Alexander (3. Komp.) 23.09.84 Weißenau-Mainz – war in Holland, jetzt Ersatzbatl.Inf.Regt. Nr. 13 Münster in Westfalen – Seitenzahl 30585 Ausgabe 2458 – Datum 1919-07-10 Liste zurückgekehrter preuß. Kriegsgefangener – Reg. Pionier-Bataillon 7
  • Alexander Karcher (3. Feld-Komp.) – Weißenau – bisher vermißt, lt. Meldung aus Engl. Verw. In Gefgsch. – Seitenzahl 7428 – Ausgabe 574 – Datum 1915-07-06 – Liste Preußen 267 – Reg. 1. Pionier-Bataillon 7

Diese Eintragungen sind nach den Angaben von Karl Debus nicht nachvollziehbar.

Bauaufsicht Wasserwerk – Oltn Weiß

Artillerie-Oberlt. Weiß hatte vom Baukommando Karcher die Gesamtaufsicht für den Bau des Wasserwerks Ripontmühle (S. 24).

Tunnelkommandant

Es wurden keine Angaben darüber gefunden, ob es einen Tunnel-Kommandanten gab und wer diese Funktion innehatte. Karl Debus berichtet jedoch vom Hauptmann Nottebrock, dem er unterstellt war und der in Fotos zusammen mit ihm abgebildet ist. Dort stellt sich Nottebrock in einer Aufsichtsfunktion dar. Hauptmann Nottebrock gehörte dem 1. Rheinischen Pionier-Bataillon Nr. 8 an. Recherchen ergaben, dass es sich um Urban Nottebrock handelt. Seine Biographie ist unter Erstes Rheinische Pionier-Bataillon Nr. 8 dargestellt.

Brigade-Kommandeur – Konrad Dumrath

Brigade-Kommandeur Konrad Dumrath war von der 29. Infanterie-Brigade. Am Anfang des Tunnelbaues kam er zusammen mit Korps-Kommandeur Fleck und Divisions-General Ditfurth öfters vorbei und besichtigten den Stand des Fortschritts (S. 13). Auch nahm er an der Besichtigung des Baustands des Debustunnels vor Aufnahme der Truppen teil (S. 28).

Regimentsarzt

Karl Debus berichtet über Dr. Fehres:

„Dr. Fehres, welcher als Regimentsarzt den Verwundeten die Verbände anlegte und angestrengt arbeitete, freute sich über die große Opferbereitschaft der getreuen Helfer, die immer wieder Verwundete brachten und gab dieses auch in einem Bericht an die höhere Dienststelle weiter, mit dem Vorschlag, daß beide [Kriska und Debus] zum E.K.II.Kl.[22] eingereicht werden sollten.“

– S. 29 f.

[Debus hatte dieses bereits]. Dr. Fehres kam öfters zur Besichtigung des Tunnels, lobte und gab Anregungen.

Regimentskommandeur R.I.R. 29

„Am 4. April (Ostersonntag) [1915] übernahm Oberstlt. Müller die Führung des Regiments.“

– S. 54

Tage später:

„Oberstlt. wird zum Oberst befördert.“

– Regimentsbericht, S. 55

Er war in den entscheidenden Monaten des Tunnelbaus und der Herbstschlacht Zeuge des Geschehens, wie aus dem Regimentsbuch hervorgeht.

„Im Oktober flaute das Artilleriefeuer etwas ab. Es lag hauptsächlich auf Scherkweg, Brigadestellung, Tunnel-Eingang, Artilleriebeobachter auf Höhe 199, Pionierpark, Sappe 3b, Prinz-Karl-Weg, Altrockstellung und Sprungstellung. Die Brigadestellung war Kampfgraben geworden, nachdem das Schiffchen und die alte Stellung des Res.Inf.Rgt. 68 geräumt war.“

Am 13. Oktober 1915 wurde das Regiment endlich von einem Bataillon 19er Bayern und einem Bataillon Inf.Regiments 73 abgelöst. Am 15. Oktober war die Ablösung beendet. Die Bataillone bezogen Unterkunft in Vandry und Brizy, am 18. Oktober wurden sie verladen und über LaonWikipedia-logo.png nach Landricourt AisneWikipedia-logo.png befördert. Sie marschierten nach Brancourt (I. und II. Bataillon) und Pinon (III. Bataillon). (Regimentsbericht, S. 73)

„Am 10. September [1916] wurde Oberst Müller zum Kommandeur des Pionier-Regiments 19 ernannt. […] dessen Fortgang von allen Regimentsangehörigen schmerzlich empfunden wurde. Sein Nachfolger wurde Oberstlt. Toepfer, bisher Kommandeur des Pionier-Regiments 31.“

– Regimentsbericht, S. 95

Dieser wurde am 19. September 1917 abgelöst. (Regimentsbericht, S. 125)

Divisionskommandeur 16. R.I.D.

Am 4. Januar 1915 übernahm Constantin von AltrockWikipedia-logo.png die Führung der Division. (Regimentsbericht R.I.R. 29, S. 43)

„In der Führung der Division trat am 29. Mai [1915] zu allseitigem Bedauern ein Wechsel ein, indem Genlt.v. Altrock als Kommandeur die 14. Division übernahm und durch Gen.Maj. Kurt v. Ditfurth ersetzt wurde.“

– Regimentsbericht R.I.R. 29, S. 58

General Kurt v. DitfurthWikipedia-logo.png, General der 16. R.I.D., nahm an der Besichtigung des Baustands des Debustunnels teil. (Debus, S. 28)

Korpskommandeur der 8. R.K.

Generalleutnant Paul FleckWikipedia-logo.png nahm an der Besichtigung des Baustands des Debustunnels teil. (S. 28)

Armeeführer der 3. Armee

Generaloberst Karl von EinemWikipedia-logo.png war General der 3. Armee, er kam zur Besichtigung des Stands des Tunnelbaus vor Einzug der Truppen (S. 28). Im Vorfeld der Herbstoffensive:

„Generaloberst von Einem ließ viele Beobachtungen anstellen und einwandfrei ergaben diese eine auffallende Tätigkeit des Feindes, ebenso begann das große Einschießen der feindlichen Artillerie auf unsere Artilleriestellungen, Haupt- und Nebengräben. Alles dieses gab dem Armeeführer die berechtigte Annahme, daß der Feind einen großangelegten Durchbruchsversuch beabsichtige […]“

– S. 32

Ditfurth-Tunnel

Bauleiter Heinrich Piepenbreier

Heinrich Piepenbreier in Uniform


Heinrich Piepenbreier und seine Verlobte


Dank eines Kontaktes zwischen Siegfried Palm und der Familie Piepenbreier 2016[23] kann der Lebenslauf von Heinrich Piepenbreier nach deren Vorgaben ausführlicher dargestellt werden. Er wurde am 23. Juli 1886 in Heidhausen geboren, nach seiner Schulentlassung 1900 erhielt er eine dreijähringe Ausbildung zum Bergknappen auf der Zeche Pörtingsiepen in der Nähe des elterlichen Kottens, wo sein Vater Ludger einfuhr bis, wie bei vielen, ihn eine „Staublunge“ zum Invaliden machte. Heinrich Piepenbreier diente als Freiwilliger bei den Deutzer Pionieren; 1907 endete der Militärdienst. Anschließend begann die Ausbildung zum Steiger auf der Bergschule in Borbeck.

Er verlobte sich mit Gertrud Kleine-Möllhoff aus Schönebeck, aber es wurde eine lange Verlobungszeit, denn der Erste Weltkrieg begann und

„Er heiratete nicht. Heinrichs westfälischer Charakter läßt nicht zu, dass er, falls ihm im Krieg etwas zustoßen würde, eine junge Frau mit Kindern als Witwe hinterlassen würde, auch keinen Krüppel.“

Im Krieg war Heinrich Piepenbreier zunächst im Westen (Champagne) und später im Osten (Russland). Am 13. September 1918 schickte er aus dem Lazarett der Königlichen Wilhelm-Heilanstalt Wiesbaden eine Postkarte: Kniedurchschuss, Grund für eine geringe Kriegsversehrtenrente. Am 17. Oktober 1918 – vier Wochen vor dem Waffenstillstand – heiratete er seine Verlobte Gertrud in der Notkirche St. Antonius in Schönebeck. Als Steiger arbeitete er in Hamborn bei August Thyssen. Bilder vom Treffen der Kriegskameraden am 15. September 1937 sind im Familienbesitz. Heinrich Piepenbreier starb am 13. April 1970.

Foto von Andreas Kitz

Im Erinnerungsbuch der Familie Piepenbreier[24] ist Folgendes festgehalten:

„Wie viele andere Begeisterte hatte auch er [sein Bruder Robert] sich freiwillig gemeldet. Er kämpfte in Sedan, kam in französische Gefangenschaft. Für seinen Vater eine ‚Schmach‘. ‚Wer he mol do geblewen‘ soll er gesagt haben, als er es erfuhr. Lieber tot als vom Erzfeind gefangen genommen zu werden!?? Was für ein falscher Ehrbegriff.“

Es folgt das Zitat:

„Patriotisches Denken ging so weit, dass es eine Schande war, gefangen genommen zu werden.“

Wie Karl Debus in seinem Buchmanuskript berichtet (S.13), wurde am 15. Mai [1915] der Utffz. Heinrich Piepenbreier [aus Essen] von der 1. Landw.-Komp. des 7. Pion.-Batl.[6] von der Baustelle Debus-Tunnel abkommandiert, um etwa 700 Meter weiter östlich einen ähnlichen Tunnel, den Ditfurth-Tunnel, zu bauen. Es ist aufgrund der kameradschaftlichen Verbindung beider von einer engen Zusammenarbeit beim Bau beider Tunnel auszugehen.

Baukommando

Das Baukommando bestand aus Angehörigen der 16. Reserve-Division, dazu gehörten 28er und 68er Offiziere und Mannschaften.

Hertzberg-Tunnel

Tunneloffizier Heinrich KostWikipedia-logo.png

Karl Debus berichtet:

„Im Februar 1916 wurde Leutnant Heinrich Kost zum General befördert [… Es war] bekannt, daß der Leutnant Kost aus der Bergmannslaufbahn stammte und vor dem Kriege bereits als Bergreferendar tätig gewesen ist. […] Somit wurde beschlossen, daß sich dieser Lt. vorerst die beiden bereits seit längerer Zeit fertiggestellten Tunnel besichtigen sollte, ehe hier das Werk in Angriff genommen wurde, ferner wurde zugleich die große Anlage des Regiments 80 der 21. R.Div. auf dem Kanonenberg überprüft, um eine gemeinsame Parallele zu ziehen. Dann suchte sich dieser Lt. Kost eine wohlgeeignete Stellung innerhalb seines Kampfabschnittes aus, welche am günstigsten für den Bau einer solchen unterirdischen Festung ist.“

– Seite 63

Aus der Korrespondenz zwischen Karl Debus und Erich Asbach geht hervor, dass die Kameradengruppe zur Zeit der Planung und Erstellung des Buchmanuskriptes Kontakt mit Heinrich Kost aufnahm, dieser aber nicht reagierte. 1932 wurde Heinrich Kost in der Nachfolge seines Schwiegervaters zum Generaldirektor der Haniel-Zechen Rheinpreußen und Neumühl ernannt. 1944 verweigerte er die Umsetzung des Befehls „Verbrannte Erde“ und stellte sich damit gegen das NS-Regime. Möglicherweise war die Nichtreaktion auf die Bitte der Kameradengruppe um Mitwirkung am Buchprojekt auf eine Distanz zum Regime zurückzuführen. Der Grund kann aber auch darin liegen, dass er sich mit dem Vorhaben der Gruppe, einen Erinnerungsbericht zu verfassen, nicht identifizieren konnte.

Techniche Bauleitung

Karl Debus
Gefreiter Brüggeney
Gruppe mit Emil Brüggeney und Karl Debus rechts
Gruppe im Arbeitsraum, Karl Debus 2. v. links, Emil Brüggeney rechts sitzend[25]
Im Unterstand: links Emil Brüggeney, 3. v. links Karl Debus[25]

Emil Brüggeney war – wie Karl Debus – von der I. Landw. Pion. Komp. VII.A.K. (Hauptmann Karcher). Beide haben in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Beim Bau des Debus-Tunnels war er wahrscheinlich schon dabei, genannt ist er jedoch nicht. Gesichert ist, dass er – auch namentlich genannt – beim Bau des Hertzberg-Tunnels und des Mont-Cornillet-Tunnels mit dabei war.

Das Gruppenbild mit beiden rechts, sich umarmend, zeigt, wie eng sie miteinander verbunden waren.

Recherchen zu seiner Person führten im März 2017 zu Wolfgang Kleine-Brüggeney in Schwelm, einem Enkel des Emil Brüggeney. Aus der aufbewahrten Fotosammlung von Emil Brüggeney erhielten wir weitere Bilder, die im Beitrag aufgenommen wurden. Wolfgang Kleine-Brüggeney ist Autor einer Familienchronik des Hauses Brüggeney.[26] Aus dieser Chronik werden einige Angaben zum Lebenslauf von Emil Brüggeney entnommen.

Emil Brüggeney gehört einer Familie an, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden konnte.

„Für die Familie Brüggeney namengebend war das als isenburgisches und später märkisches Lehen vergebene Haus Brüggeney in der Ruhraue bei Stiepel (Bochum)Wikipedia-logo.png, heute ein südlicher Stadtteil von BochumWikipedia-logo.png. Es war wohl ein typisch niederdeutsches Hallenhaus, umgeben von einer Kräfte (Wassergraben), und muss bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts existiert haben […]“

– Seite 6

Zu den ermittelten Personen mit Namen Brüggeney schreibt W. Kleine-Brüggeney:

„Alle mir bekannten Familien, die heute den Namen Brüggeney tragen, lassen sich auf gemeinsame Vorfahren, die seit vielen Generationen in Bochum-Stiepel lebten, zurückführen.“

– Seite 10

Die Ergänzung des Namens zu Kleine-Brüggeney wurde Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt, wahrscheinlich zur Unterscheidung von Familienzweigen, aber offenbar nicht durchgängig angewendet.[27]

Auch Emil Brüggeney wurde in Stiepel geboren: am 1. September 1879. Seine Eltern waren der Bergmann Heinrich Friedrich Wilhelm Kleine-Brüggeney (1847–1927) in Stiepel und Johanetta Catharine geb. Altenhain (1852–1900) aus AselWikipedia-logo.png. Er hatte drei Schwestern und einen älteren Bruder.

Als Beruf von Emil Brüggeney wird in den amtlichen Eintragungen „Rohrbieger“ (RohrbiegenWikipedia-logo.png) genannt.

Emil Brüggeney heiratete (Datum unbekannt) Anna Hagebusch (1887–1911). Aus dieser Ehe stammt die 1910 geborene Tochter Luise (1910–2001). Nach dem Tod der ersten Frau heiratete er nach Rückkehr aus dem Krieg am 22. Mai 1919 die Schwägerin Johanna Clara Hagebusch aus Stiepel-Brockhausen (1895–1975). Mit ihr hatte er zwei weitere Kinder: Gertrud (1921–2005) und Horst Emil (1928–1992).

Emil Kleine-Brüggeney, so der amtliche Name, starb am 4. September 1948 in Blankenstein (Hattingen)Wikipedia-logo.png. Seine Frau starb 1975 in Witten.

Mont-Cornillet-Tunnel

Siehe Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Mont-Cornillet-Tunnel

Technische Bauleitung

Bauleiter Karl Debus

Von Karl Debus gibt es den Bericht als Teil des Buchmanuskriptes (1941).

Gefreiter Brüggeney

Tunnelkommandant

Wintterlin

Siehe Brief des Majors Georg Wintterlin

Altrock-Tunnel

Bahn-Tunnel

Truppen in Kontakt mit Tunnelanlagen

Hier werden die Truppenteile benannt, die im Kontext der Tunnelanlagen eine Rolle spielten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass während des ganzen Krieges wiederholt Truppenteile umgebaut und neu zugeordnet wurden. Grundlage sind Aussagen von Karl Debus selbst über die beteiligten Truppen, Regimentsberichte und andere Quellen. Einige Regimentsberichte nennen namentlich die hier aufgeführten Tunnel, andere nicht, dennoch werden letztere dann mit einbezogen, wenn sie offensichtlich Hinweise darauf geben. Statt Tunnel wird auch von Stollen gesprochen.

Übersicht

Westfälisches Pionier-Bataillon Nr. 7

Regimentsbericht von Buhr (1938)

Das Bild rechts gibt wahrscheinlich eine Gruppe des Regiments wieder. Es stammt aus der Sammlung von Karl Debus. Als einziger identifiziert ist Emil Brüggeney, zweitoberste Reihe, zweiter von rechts.

Soldaten, vermutlich der Pionier-Kompanie VII, am 23. September 1915, zu Beginn der Herbstschlacht

Eine Einheit dieses Bataillons war die 1. Landwehr-Pionier-Kompanie VII AK.[6] Zu ihr gehörten viele der für die Tunnelbauten Verantwortlichen:

Das Buch Die Geschichte des 1. Westfälischen Pionier-Bataillons N.7, bearbeitet und zusammengestellt von W. Buhr (1938),[28] enthält zwei Beiträge, aus denen hier referiert wird.

Hubmann in Buhr (1938)

Organisation

Über den Ursprung dieses Bataillons erfahren wir im ersten Kapitel des Buches von Hans Hubmann:

„Der Ursprung der Geschichte des 1. westfälischen Pion.-Batl. Nr. 7 fällt mit dem Niedergang der französischen Gewaltherrschaft und der beginnenden Erhebung Preußens zusammen. 1810 zählte die preußische Armee drei Festungs-Pionier-Kompanien, die preußische, die brandenburgische (märkisch-pommersche) und die sächsische. Jede dieser drei Kompanien hatte für den abenteuerlichen Zug Napoleons nach Rußland eine Feld-Pionier-Kompanie aufzustellen. Mit einem Stamm der schlesischen Festungs-Pionier-Kompanie wurde im März 1812 durch den Stabskapitän Stein die 3. Feld-Pionier-Kompanie zusammengestellt, aus der später die 1. Kompanie unseres Bataillons hervorging.“

Buhr (1938): S. 11 ff.

Kauw in Buhr (1938)

Der Beitrag von Studienrat Dr. Kauw (S. 287–300) behandelt explizit die 1. Landwehr-Pionierkompanie (VII. A.K.):

„Die 1. Landw.Pi.K. VII. A.K. trat am 6. 8. 1914 im Pi.Batl. in Köln-Riehl zusammen in einer Verpflegungsstärke von 2 Offizieren, 1 Oberarzt, 2 Offizier-Stellvertretern, 1 Unterzahlmeister, 205 Unteroffieren, Mannschaften und 13 Pferden. Nach Einkleidung und Ausrüstung bezog die Kompanie am 9.8. Massenquartier in der Volksschule Auguststraße 1 in Köln-Nippes. Bis zum 31.8.1914 fanden Übungen in allen Zweigen des Infanterie- und Pionierdienstes statt.

Am 1.9.1914 rückte die Kompanie ins Feld in einer Stärke von 1 Hauptmann (Karcher), 1 Leutnant (Langs), 1 Oberarzt (Dr. Bierhoff), 2 Offizierstellvertreter (Sporn und Seidel), 1 Unterzahlmeister (Overbeck) und 200 Unteroffizieren und Mannschaften.

Am 2.9.1914 7 Uhr vorm kam die Kompanie in Libramont an, von wo sie nach Fays les Veneurs marschierte.

Am 3.9.1914 fand der Weitermarsch über La Chapelle, Bouillon und Givonne nach Sedan statt.“

– S. 287
Champagne

Ab dann verzweigt sich die Kompanie für verschiedene Aufgaben an verschiedenen Orten. Erst im Februar 1914 gelangt ein Zug der Kompanie in die Region Ripont-Tahure:

„Am 19.2. erhält der 2. Zug den Befehl […] sich zum sofortigen Abmarsch an die Front vorzubereiten. Um 7.30 abends marschierte der Zug in Stärke von 5 Unteroffizieren und 48 Mann unter Führung von Ltn. Lange ab, um in der Reservestellung Schanzarbeiten auszuführen. […] Der Zug marschierte bei schlechtem Wetter von 2 Pionieren de 8. Res.Pi.Komp. geführt, über Ripont bis zum Gefechtsstand der 29. I.B. Nach schwierigem Suchen gelangte der Zug 1.45 nachts zu einer vorher festgelegten Stellung für stehende Schützen in der 1. Reservestellung. Ein Graben sollte ausgehoben werden, und zwar sollte die Verbindung nach ‚Rechts‘ zu einemwichtigen Annäherungsweg, Schreckweg genannt, und nach ‚Links‘ zu einem Laufgraben, Mittelweg genannt, hergestellt werden.“

– S. 290

„Vom 10.3. an ist der 1. Zug vollständig der 16. I.D unterstellt […] Sie arbeiten hauptsächlich im Stellungsbezirk der 16. Res.D. und später der 50. I.D. Die 15. und 16. Res.D. bildeten das 8. Res.K., dessen K.H.Qu. [Kompanie-Haupt-Quartier] sich in Monthois befand. Zeitweilig waren auch noch andere Divisionen, so die 50. und 54. I.D. im Juli 1915 dem Generalkommando VIII A.K. unterstellt, das dann nach dem Kommandierenden General die Benennung führte Armeegeneral Fleck. Der 1. Zug war im März 1915 mit einem Lagerbau zwischen Manres und Tahure beschäftigt, außerdem mit Inbetriebsetzung von Pumpwerken, Aufstellen von Tief- und Saugpumpen. Diese Arbeiten erstreckten sich bis in den Juli.“

– S. 291

Der 2. Zug baute in der Nähe von Ardeuil und Montsauxelle ein Pferdelazarett und ein Lager auf, fällte Bäume und stellte Pumpen auf. Der 3. Zug verstärkte die 1. Res.Pi. VIII, baute einen Gefechtsstand für die 16. Res.D. und einen Artilleriebeobachtungsstand sowie einen Weg zwischen Ripont und Ripontmühle.

Debus-Tunnel

„Am 23.5. wird die Tätigkeit der 1. Landw.Pi.Komp. VII A.K. neu geregelt. Die betr. Bestimmung lautet: Vom 26. d. M. (Mai 1915) ab übernimmt Hptm. Karcher, Führer der 1. Landw.Pi.Komp. VII A.K. die Leitung des gesamten Wege- und Brunnenbaues, der Anlage von Beleuchtung und allen anderen technischen Einrichtungen sowie die Überwachung des Lagerbaues im Bereich des VIII. Res.K. Hptm. Karcher bezieht Quartier in Monthois. – Die Landw.Pi.Komp., früher der 50. I.D. und 16. Res.D. zugeteilt, untersteht vom gleichen Tage an (23.5.15) dem Generalkommando unmittelbar. Unterkunftsort für den 1. Zug ist Manre, für den 2. und 3. Zug Montfauxelle. Die Kompanie soll der Division zu schwierigen Arbeiten in den Res.-Stellungen oder in den Lagern zur Verfügung gestellt werden.“

– S. 291 f.

„Im Juni, Juli und August sind die Züge beschäftigt mit Lagerbau, Stellungsbau, Wasserversorgungsanlagen, Aufstellen und Montieren von Maschinen in Bäckereien, Schlächtereien und Molkereien, im Korpssägewerk, in der Korpsdruckerei und beim Bau einer Selterwasserfabrik in Manre.“

– S. 292

Aus den Berichten wird deutlich erkennbar, dass der Bau der Tunnelanlagen höchster Geheimhaltung unterlag und deshalb nicht in den Tagesberichten genannt werden durfte. Diese Arbeiten waren dem GeneralkommandoWikipedia-logo.png unterstellt. Der Befehlshaber des Generalkommandos ist der Kommandierende General Generalleutnant Paul FleckWikipedia-logo.png.

Im Frühjahr 1917 folgen Führungswechsel, Abzug aus der Champagne und Verlegung an die Ostfront:

„In der Folgezeit bis zum 20.4.1917 wurde die Kompanie in kleine und kleinste Kommandos aufgeteilt und bei den verschiedenen Bauabteilungen und Kommandostellen mit Erfolg verwendet.“

– S. 293

„Am Tage vorher [20.4.1917] war hier der Kompanieführer Hptm. Coutelle von Vouziers angekommen, der durch Verfügung des A.O.K.3 vom 7.4.1917 zum Führer der 1. Landw.Pi.Komp. VII A.K. ernannt worden war.“

– S. 293

„Am 22.4.1917 setzt sich die Kompanie auf Befehl der 227. I.D. nach dem Stellungslager Jägerthal in den Argonnen in Marsch, wo sie Quartiere bezieht.“

– S. 294

„Dort [im Aronnenwald] bleibt sie bis 20.5.1917 und macht sich fertig zum Abtransport auf den östlichen Kriegsschauplatz. Am 20.5. 17 wird die Kompanie in Grandprè verladen und über Carignan, Gerolstein, Gießen, Posen, Königsberg, Tilsit nach Radziwiliczki an der Bahnstrecke Schawli – Ponewiesk – Dünaburg befördert.“

– S. 294
Mont-Cornillet-Tunnel

1. Landw. PI Komp.VII AK[6]

Es gehörte dem Westfälischen Pionier-Bataillon Nr. 7 an (Buhr, 1938). Zuvor war es für den Hertzberg-Tunnel zuständig.

Erstes Rheinische Pionier-Bataillon Nr. 8

Regimentsbericht von Rückbeil (1926)

Günther Rückbeil: Das 1. Rheinische Pionier-Bataillon Nr. 8 und seine Kriegsverbände im Weltkriege 1914/1918. Stalling, Oldenburg 1926, DNB 362200513.

Organisation und Einsatz

Die Anfänge des Regiments beginnen in der napoleonischen Zeit:

„Für Napoleons Feldzug gegen Rußland 1812 hatten […] drei Stammkompagnien je eine Feld-Pionier-Kompagnie in Stärke von zwei Offizieren, 81 Mann zu stellen. Die 2. dieser Feld-Pionier-Kompagnien […] wurde in der Folge die 1. Kompagnie der 8. Pionier-Abteilung. [Der] 27. März 1816 […] ist als Gründungstag des späteren 1. Rhein. Pionier-Bataillons Nr 8 festgesetzt.“

– Seite 11

Das Regiment lag für längere Zeiten in der Champagne.

Genannt werden die Bataillonsstäbe

  • I.Pi.8 General-Kommando VIII A.K. (Armee Korps)
  • II.Pi.8 General-Kommando VIII R.K. (Reserve Korps)

Von Interesse ist Kap. II mit den Unterkapiteln:

  • 13 I. und II. Pion. Batl. 8 in der Champagne 1914/1915 (S. 35–45)
  • 17 Aufstellung der 5. und 6. Pi. 8; I. und II. Pi. 8 im Frühjahr 1915
  • 21 II. Pi. 8 und die Herbstschlacht in der Champagne 1915 (S. 66–72)
  • 31 Res. Pi. Komp. 52, M.W.Kp 252 und 16, I. und II. Pi. 8 in der Somme-Schlacht (S. 104–109)
  • 35 An neuer und alter Front 1916/1917 (S. 119–120)
Debus-Tunnel

Für den Debus-Tunnel von Bedeutung ist der Führer der 2.Res.Pi.8 Kompagnie Hauptmann Nottebrock (s. S. 120) II.Pi.8, unterstellt der 16. R.D. (bis 1917, danach Pi.Batl.316). Er ist auf einigen Fotos vom Debus-Tunnel zusammen mit Karl Debus abgebildet, siehe Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915.

Hauptmann Nottebrock

Recherchen erzielten Kontakt mit Nachkommen des Hauptmanns Nottebrock,[29] die die Identität des Hauptmanns mit Urban Nottebrock (1872–1953) anhand von eigenen Familiensammlungen bestätigten. Die Familie stellte uns Angaben zu seiner Biographie zusammen.

Maria und Urban Nottebrock
Urban Nottebrock mit Söhnen Ernst und Fritz
Urban Nottebrock, Foto aus der Sammlung seiner Familie
Dokument aus dem Stadtarchiv Duisburg[30]

Urban Nottebrock wurde am 10. Mai 1872 in Köln geboren und wuchs dort auf. Er war zunächst als „Technischer Hilfsarbeiter“ beim Städtischen Wasserwerk in Aachen beschäftigt, wo er am 1 Dezember 1896 zum Ingenieur befördert wurde, weil er seine Arbeit „mit Umsicht und Fleiß geführt“ ausgeübt hatte. Der Oberbürgermeister der Stadt Aachen belobigte ihn am 11. Juli 1898 „in Anerkennung Ihrer Leistungen und Ihres Fleißes“ mit „einer besonderen Zahlung von 300 Mark.“ Im Adreßbuch von Aachen und Umgebung von 1899 ist er in der Friedrichstr. 27 verzeichnet. Beim Verlassen des Städtischen Wasserwerks stellte ihm der Oberbürgermeister der Stadt Aachen 1901 ein ebenfalls erstklassiges Zeugnis aus.

1892 wurde er Soldat des 1. Rheinischen Pionier Bataillons No. 8 im Landwehr-Bereich Aachen und stieg schnell zum Vizefeldwebel auf. Seine Königliche Majestät von Preußen befördert ihn am 22. März 1897 vom Vizefeldwebel des 1. Rheinischen Pionier Bataillons No. 8 im Landwehr-Bereich Aachen per Offizierspatent zum Secondleutenant der Reserve.

Die Gas-, Wasser- und Electricitätswerke der Stadt Duisburg, Telegramm-Kürzel „Gasanstalt Duisburg“, stellten ihn am 1 August 1901 als ersten Ingenieur ein. Am 1. Januar 1905 wechselte er als Oberingenieur zu den Gas-, Wasser- und Electricitätswerken Cöln. Der Direktor der „Gasanstalt Duisburg“ stellte ihm ein erstklassiges Zeugnis aus.

Der kommandierende General des 1. Rheinischen Pionier Bataillons No. 8 verlieh ihm als Leutnant der Reserve am 4. März 1905 die Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse. Das Offizierspatent als Oberleutnant der Reserve des 1. Rheinischen Pionier Bataillons No. 8 überreichte ihm Seine Königliche Majestät von Preußen am 20. Juli 1907. Die Landwehr-Dienstauszeichnung I. Klasse wurde ihm am 11. März 1913 verliehen. Am 19. Juli 1913 erhielt er von „Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen etc.“ als Oberleutnant des 1. Rheinischen Pionier Bataillons No. 8 das Offizierspatent zum Hauptmann der Reserve.

Am 9. August 1911 heiratete er in Langerwehe (bei Aachen) Maria Raisin, geboren am 06.10.1889 in Aachen, standesamtlich in Köln. Die kirchliche Trauung fand in der Jakobskirche in Aachen statt, dem Geburtsort seiner Frau.

Der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg verlieh ihm am 19. März 1915 das Eiserne Kreuz 1 Klasse. Am 14. Juni 1917 wurde ihm „Auf Befehl seiner Majestät des Königs“ das Kreuz der Ritter des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern verliehen. Im gleichen Jahr wurde er zum Major befördert und zum Kommandanten des 1. Rheinischen Pionier Bataillons No. 8 ernannt.

Im Regimentsbericht von Rückbeil (1926) lesen wir unter

März 1915:

„‚Voll unauslöschlichen Dankes für die geleistete Waffenbrüderschaft‘ trennte sich die 2. G.I.Br. von der Kompagnie Nottebrock, und ein Kriegstagesbefehl teilte ein Paket Liebesgaben Seiner Majestät des Kaisers für Truppenteile, die sich in den letzten Kämpfen besonders hervorgehoben hatten, dem R.I.R 65 und der 2.Res.Pi. 8 zu.“

– Seite 43

April 1917:

„In harter Trennungsstunde verabschiedete sich dort auch der überaus verdienstvolle Führer der 2. Res. Pi. 8 Hptm. d. Res. Nottebrock, von seiner Kompagnie, die er in 2 ½ Jahren zu Ruhm und Ehren geführt hatte.“

– Seite 120

Nach dem Krieg ging Urban Nottebrock wieder nach Duisburg, wo er Generaldirektor der Gas- und Wasserwerke und beigeordneter Bürgermeister wurde. In Duisburg lebte er mit seiner Familie in der Prinzenstraße 43.

Er war – wie seine Nachkommen schreiben – ein erklärter Gegner des Nazi-Regimes, was Mitarbeiter, Nachbarn und vermutlich auch Familienmitglieder zum Anlass nahmen, gegen ihn Intrigen und unwahre Behauptungen über Unregelmäßigkeiten und Verschwendung in seiner Geschäftsführung in Umlauf zu bringen. Tief enttäuscht von diesen Diffamierungen kündigte er seine Stelle in Duisburg und ging mit seiner Familie 1938 – im Alter von 66 Jahren – nach Köln zurück. Hier lebte er in der Belfortstr. 9 und der Hermann-Löns-Str. 1, zuletzt im Seniorenstift in Bad Godesberg, Turmstr. 2, wo er 1953 im Alter von 81 Jahren verstarb. Seine Frau starb am 19.05.1945 in Elzach.

Stellung in der Champagne

Rückbeil (1926): 1914

„Als allgemeine Linie, in der das VIII.A.K. und VIII. R.K. endgültig Front machen und sich eingraben sollten, wurde am 13. [September 1914] die Linie Souain – Perthes-lesHurlus – Höhen nördlich Massiges bestimmt und die Kommandeure der Pioniere mit deren genaueren Erkundung beauftragt. Im Verlaufe des 13. und 14. September rückten die Divisionen in die angewiesenen Abschnitte, um sich in ihnen sofort einzugraben. Zeit war nicht zu verlieren, denn schon drängte der Feind lebhaft vorwärts. Wie aber in den bröcklichen Kreidefelsen, den nur eine ganz flache Humusschicht verdeckte, hineinkommen? Infanteriespaten und Beilpicke waren dazu kaum imstande, und das große Schanzzeug der Pioniere, das z.T. von den Regimentern in den aufgegebenen Zwischenstellungen zurückgelassen war, reichte kaum zu, um die Befehlsstände der Stäbe und die allernötigsten Unterstände in der Stellung auszuschlachten. Die wenigen armseligen Ortschaften lieferten trotz allen Suchens nur wenig Handwerkzeug, und ausreichender Nachschub aus der Etappe gelang erst nach Wochen und Monaten. […] Während [der] Kämpfe lagen die Kompagnien des I. und II. Pi. 8 tagsüber als Divisionsreserve unmittelbar hinter den Stellungen, nachts arbeiteten sie mit aller Kraft an deren Ausbau, während der S.Zug in vorderer Linie eingesetzt war. Erst vom 17. September ab konnten 2. und 3. Pi. 8 höchst armselige Unterkunft in Tahure, 1. und 2. Res.Pi. 8 in Ripont beziehen, das bald mit den ersten Fliegerbomben und Artilleriefeuer bedacht wurde.“

– Seiten 23–24

Rückbeil (1926): Nach dem Kampf in der Winterschlacht um die Höhe 196 im März 1915:

„Voll unauslöschlichen Dankes für die geleistete Waffenbrüderschaft trennte sich die 2. G.I.Br. von der Kompagnie Nottebrock, und ein Kriegstagesbefehl teilte ein Paket Liebesgaben Seiner Majestät des Kaisers für Truppenteile, die sich in den letzten Kämpfen besonders hervorgehoben hatten, dem R.I.R 65 und der 2.Res.Pi. 8 zu.“

– Seite 43

„Mit dem 20. März fand die Winterschlacht ihr Ende, ohne daß die großen Erwartungen der Franzosen auch nur im entferntesten in Erfüllung gegangen waren. Die Champagne-Mauer stand trotz aller wuchtigen Stöße noch fest, wenn auch an einigen Stellen einzelne Steine zerbröckelt waren.“

– Seite 45

Erstes Bataillon Badischen Pionier-Bataillons Nr. 14

Im Buch von Ernst Eggeling und Otto Doberg (1927) Die badischen Pioniere im Weltkriege[31] wird mehrfach über Einsätze in der Champagne berichtet und der Debus-Tunnel genannt.

Dazu gehören

  • Pioniere des XIV Armeekorps
  • Die Pioniere der 28. Infanterie-Division
  • Die Pioniere der 29. Infanterie-Division

R.I.R. 28

Infanterie-Regiment „von Goeben“ (2. Rheinisches) Nr. 28Wikipedia-logo.png

Bericht Peters 1927

Aus dem Bericht von Peters (1927)[32][33] sind eine Reihe von Darstellungen zu entnehmen, die für das Verständnis der Ereignisse in der Champagne 1914–1915 hilfreich sind.

Organisation

Im August 1914

„wurde das 1. und das 2. Batl.- Res.-Inf.-Reg. 28 in Köln, das 3. Batl. in Neuß aufgestellt.“

– S. 11

„Der Abtransport des Regiments in einer Gesamtverpflegungsstärke von 65 Offizieren, 2820 Mann und 211 Pferden fand in den Morgengrauen des 13. August [1914] statt.“

– S. 13

„Das Korps war 1914 für den Aufmarsch im Westen innerhalb der 6. Armee (Herzog Albrecht von Württemberg) bestimmt. Die 4. Armee [zu der das 8. Armeekorps gehörte] versammelte sich im Raume St. Vith. Zu ihr gehörten das 6., 8. und 18. Armeekorps und das 8. [mit den Reserve-Infanterie-Regimentern 28, 29, 65 und 68] und 18. Reservekorps.“

– S. 13

„Am 14. August 8 Uhr vormittags trat die 31. RIB (Kommandeur Generalmajor von Ditfurth), den friedensmäßigen[34] Marsch an. Res.Inf-Reg. 28 als Vorhut rückte […] im Moseltal über Issel […] nach Wasserbillig und von dort auf dem westlichen Sauerufer in nördlicher Richtung.“

– S. 13
Champagne

Nach der Schlacht an der Marne im September 1914 (S. 21–23) erfolgte der

„Übergang zum Stellungskrieg im Westen (September 1914). […] Das 8. Reservearmeekorps hielt die Höhen zwischen Perthes-les-Hurlus und Massiges und sperrte die Linie Perthes-Cernay und die Übergänge über die von Südwest nach Nordost zur oberen Aisne fließende Dormoise. Die 16. RID stand im Raume von Tahure und Ripont, und zwar lag die 29. RIB rechts, die 31. RIB links. Die beiden Gefechtsbataillone Res.-Inf-Reg. 28 hatten ihre Verteidigungsstellung auf der Butte de Mesnil. Es war einer jener charakteristischen Hügel der Champagne poilleuse. Leicht gewölbt, bis zu 199 m ansteigend, öde, nur von dürrer Grasnarbe überzogen, zwischen welcher der Kreidestein durchschimmerte.“

Peters (1927): S. 24

„Die neue Fronteinteilung unterstellte am 12. Oktober das 8. RAK mit dem 4. AK, 12. RK und 8. A.K. der 3. Armee (von Einem). Nach Eintreffen des zweiten Ersatzes […] wurden im Regiment wieder 2 Gefechtsbataillone zu je 3 Kompagnien formiert. Das Regiment hatte eine Gefechtsstärke von 27 Offizieren, 1462 Mann.“

Peters (1927): S. 27

Im Bericht über den Einsatz dieses Regiments im Ersten Weltkrieg von Erich Peters (1927) wird auch die Winterschlacht (S. 42–49) und die Herbstschlacht in der Nähe von Ripont und Tahure dargestellt (S. 69-79). Erwähnt wird dort der Ditfurth-Tunnel, nicht aber der Debus-Tunnel.

Ditfurth-Tunnel

In der Zeit zwischen Winterschlacht und Herbstschlacht wurden viele Arbeiten zum Ausbau der Stellungen durchgeführt.

„Das Reservebataillon wurde nur zum Arbeitsdienst verwendet. Einerseits bestand dieser in Anlage von Unterschlupfen, Stollenbau (‚Santitäts- und küchenstollen‘, Unterstände im ‚Sachsenlager‘, ‚Ditfurthtunnel‘, Überbrückung des Schanzzeugsgrabens […], Anlage der Feldbahn und Wasserleitung, Materialtransporten von Ripont und zur Stellung pp. [und nun ein besonderes Lob, gd] Die mustergültige Arbeit an den großen Stollen und im Tunnel auf der Ditfurthhöhe lag besonders in den Händen der I.-Pion.-Komp., deren Leiter Oberltn. d. Res. Breisig war. Beste Unterstützung fand das R. 28 durch die 2. Pion 8 (Ltn. d. Res. Froitzheim), welche auch in den Wintermonaten treffliche Dienste geleistet hatte.“

Peters (1927): S. 55 f.

Aussagen von Karl Debus

Debus-Tunnel

Zur Mannschaft des Tunnelbaus „Debus-Tunnel“ gehörten nach der Namensliste von Karl Debus (S. 55–57) fünf Wehrmänner des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 28.

R.I.R. 29

Bericht Hillebrand und Krauß (1933)

Organisation

Der Regimentsbericht über das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 29, herausgegeben von Hillebrand und Krauß (1933), beginnt mit:

„Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 29 bildete bei der Mobilmachung 1914 mit dem Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 65 die 29. Reserve-Brigade (Kommandeur Gen.Lt. Schumann); diese gehörte zur 16. Reserve-Division (Kommandeur Gen.Lt. Mootz) des VIII. Reserve-Korps, das im Verbande der 4. Armee (Oberbefehlshaber Gen.Oberst Herzog v. Württemberg) bei Trier aufzumarschieren hatte. – Das I. Bataillon des Regiments und die Maschinengewehr-Kompanie wurden in Aachen, das II. in Montsoie [Monschau], das III. in Bonn aufgestellt. […] Am 12. August 1914 morgens standen Regimentsstab und I. Bataillon zum Abtransport am Güterbahnhof Rote Erde [Aachen] bereit.“

Champagne

Am 31. August 1914 bekam das R.I.R 29 den Befehl zum Marsch zur Marne (S. 30), dort Teilnahme an der Marneschlacht (S. 30–32), dann Rückzug (S. 32–34)

„Am Nachmittag des 13. September [1914] erteilte die Division den Befehl, über Hurlus, Souain-Perthes-lès-HurlusWikipedia-logo.png, nach Mesnil zurückzugehen.[35] Beim Antritt der Bewegung platzten einige wirkungslose Schrapells über uns; das erste Anzeichen seit dem 10. September, daß der Feind mit Kavallerie und Begleitgeschützen aufzuklären begann. Von Mesnil ging es weiter auf die Höhen nordöstlich des Ortes. Hier wurde den vorgerittenen Kommandeuren die Stellung ihrer Regimenter angewiesen mit dem Befehl, diese zur nachhaltigen Verteidigung einzurichten. Das Regiment bekam den Ostabhang der Höhe 196 zugewiesen und begann gleich nach dem Eintreffen mit dem Ausheben der Stellung, in der es monatelang die Stellungskämpfe mit allen ihren Schattenseiten gründlichst kennen lernen sollte.“

– Regimentsbericht, S. 34
Debus-Tunnel

Über diese Zeit dort, im Bereich des Debus-Tunnels, wird ausführlich berichtet (Regimentsbericht S. 35–74).

Mont-Cornillet-Tunnel

Bericht Karl Debus

Debus-Tunnel

Das Reserve-Infanterie-Regiment 29 wird für die Zeit 1915 im Bereich Tahure wiederholt genannt. Viele Soldaten des R.I.R 29 gehören der Mannschaft des Tunnelbaukommandos an (siehe Auflistung der Namen, S. 56–57). Einige Zitate:

Während des Trommelfeuers, 22.–24. September:

„Während der Herbstoffensive und des 75-stündigen Trommelfeuers wurde der Regimentsunterstand zusammengeschossen, daraufhin fand der Oberst Unterkunft im Bataillonsunterstand, aber auch dieser wurde durch einen Volltreffer vernichtet und stürzte in sich zusammen und so kam dann nach der Rettung dieser Oberst mit dem Bataillonskommandeur in den Debus-Tunnel. Oberst Müller vom R.I.R. nahm Unterkunft im Baderaum und wurde dieser Baderaum zum Regimentskommandeurstand erhoben.“

– Debus, S. 53–54

Am Tag des gegnerischen Angriffs, 25. September:

„Von rückwärts wurde der Feind durch das R.I.R 29 angegriffen und vernichtend geschlagen.“

– Debus, S. 41

Roman Peter Schmitz (2014)

In der Einleitung zum Kriegsroman, seinem 1931/1937 erschienenen, 1940 von den Nazis verbotenen und vernichteten, 2014 wieder neu aufgelegten Buch Golgatha heißt es:

„Der am 27. Dezember 1887 in Eupen geborene Peter Schmitz begann im naheliegenden Aachen ein Volksschullehrerstudium, bevorzugte schließlich aber eine Lehre bei dem in seiner Heimatstadt ansässigen Bildhauer Christian Stüttgen. Ebendort war er vor dem Krieg als freischaffender Künstler und Kunsthändler tätig und trug zur Förderung der Kunstinteressen im Grenzland bei. […] Neben zahlreichen anderen meldete sich der 27jährige „Pé“ Schmitz – wie man ihn in der Stadt nannte – im Sommer 1914 als Freiwilliger für ein Jahr. Schon im September befand er sich als Mitglied des 29. Reserve-Infanterie-Regiments (RIR) an der Westfront in der Champagne, wo er mit der schrecklichen Realität des Schützengrabenkrieges in Nordfrankreich konfrontiert wurde. Anfang 1915 musste der Gefreite Schmitz aufgrund einer Typhus-Erkrankung ins Lazarett Illertissen. – Der Horror nahm kein Ende, und das Jahr 1916 traf das RIR 29 besonders hart. Von Februar bis Ende Dezember war es in der Schlacht von Verdun eingesetzt, wo die Marneschlacht (5.–9. September) und die Schlacht an der Somme (1. Juli–18. November) wohl an den schwierigsten Kampfhandlungen zählten.“

Schmitz (2014): Philippe Beck in der Einleitung, S. 10–11

R.I.R. 65

siehe Jürgen Fritsche: Reserve-Infanterie-Regiment 65 (Res-IR 65). In: genealogie-fritsche.de. Abgerufen am 28. Oktober 2019.

Regimentsbericht von Liedgens (1938)

Karl Liedgens: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 65 im Weltkrieg 1914–1918. Kameradschaft Köln ehem. 65er, Köln 1938, S. 106.

Mobilmachung und Vormarsch

2. August bis 7. September 1914

„Und gleich allen anderen, die im Frieden des Königs Rock getragen, zogen auch die, die in ihrem Mobilmachungsbefehl ‚Reserve-Infanterie-Regiment 65‘ lasen, ihren Gestellungsorten zu. In Siegburg sammelte sich das 1., in Bonn das 2. mit dem Regimentsstabe und in Köln-Deutz das 3. Bataillon. – In zehn Tagen angestrengter Arbeit ist aus den Reservisten eine kriegsstarke, feldmarschmäßig ausgerüstete Truppe geworden: Das Reserve-Infanterie-Regiment 65. Oberstleutnant von Buddenbrock ist sein erster Kommandeur.“

– Seite 5

„RIR. 65 gehört mit RIR. 29 zur 29. R.I.-Brigade und mit der 10. RI.-Brigade zum 8. RAK. Dieses ist der 4. Armee zugeteilt, die sich im Raume Trier-Luxemburg versammelt.“

– Seite 6

„Am Morgen des 11. August beginnt der Abmarsch des Regiments. Die Bataillone werden an ihren Standorten verladen.“

– Seite 6

Die Fahrt geht über Koblenz bis Trier, dann weiter zu Fuß durch Luxemburg nach Frankreich. Nach einem Gefecht bei Matton – 24. August 1914 – geht der Marsch weiter in die Champagne:

Champagne

„Über Laval sur Tourbe, das von der großen Bagage schon erreicht worden war, und le Mesnil les Hurlus wird am 13. September die Stelle erreicht, in der das Regiment in der Folgezeit mit kurzen Unterbrechungen ein Jahr, einen Monat und einen Tag gelegen hat, die Höhe 196, etwa 3 Kilometer nördlich von Mesnil. Die große Bagage fährt weiter nordwärts, zuerst nach Ripont, dann nach Ardeuil, wo sie dauernd Quartier nimmt.“

– Seite 18

„Am 10. Oktober verläßt Oberleutnant von Buddenbrock das Regiment. Er kehrt krank in die Heimat zurück. Die Führung des Regiments übernimmt zuerst Hauptmann Duckwitz, dann Major von Felgenhauer. Eine willkommene Verstärkung der Kampfkraft ist die MGK., die am 14. Oktober von Köln aus in Ripont eintrifft und sofort in Stellung geht.“

– Seite 21

R.I.R. 68

Es gibt keinen Regimentsbericht. Unter reserve-infanterie-regiment-68.de[36] finden sich Hinweise.

Siehe Reserve-Infanterie Regiment Nr. 68. In: genealogy.net. Abgerufen am 28. Oktober 2019.

Tagebuchaufzeichnungen des Sanitäters Clemens Bedbur

Sanitäter Clemens Bedbur mit seinem Sani-Wagen, Bärendorf, aus Kiegelmann (2012), Bild 38, Seite 128

Der Bäckermeister Clemens Bedbur (1883–1936) aus Jülich war als Soldat des RIR 68 in der Champagne. Von ihm gibt es handschriftliche Aufzeichnungen über seine Erlebnisse als Sanitäter an der Front. Diese wurden auf Anregung seiner Enkelin, Maria Bedbur, 2012 veröffentlicht. Der Herausgeber dieser Tagebuchaufzeichnungen, Franz-Joseph Kiegelmann,[37] gibt im Vorwort (S. 6–8) einige Daten seines Lebenslaufs wieder:

Clemens Bedbur war verheiratet und hatte drei Kinder. Er war von Beginn des Weltkrieges bis zum Ende als Krankenträger an der Westfront (Champagne), dann in Rußland und in Flandern eingesetzt. Er wurde der 6. Kompanie, II. Bataillon des Reserve Infanterie-Regiments Nr. 68, das in Jülich und Rheydt aufgestellt wurde, zugeteilt. Kompaniechef war Hauptmann Bressem aus Jülich. Er gehörte also dem RIR 68 an, das 1914 bis 1915 an den Kämpfen in der Champagne in unmittelbarer Nähe der Tunnel eingesetzt war. Am 13.03.1915 wurde Clemens Bedbur in Anerkennung seiner Tapferkeit als Sanitätssoldat mit dem Eisernen Kreuz II ausgezeichnet.

Nach Einschätzung des Herausgebers:

„Die vorliegenden Erinnerungen sind wahrscheinlich unmittelbar nach 1918 aufgrund von unmittelbaren Aufzeichnungen und aus der Erinnerung entstanden.“

– Vorwort, Seite 5

„[…] diese Erinnerungen sind eine ganz persönliche Antwort auf die Frage: Was ist Krieg? Wenn es auch an wissenschaftlichen und militärhistorischen Veröffentlichungen über den Ersten Weltkrieg nicht mangelt, fasziniert hier die andere Sicht des Krieges: nicht die fragwürdigen offiziellen Kriegsberichte der Kriegsparteien, die den Kriegsalltag verharmlosten oder heroisierten, wo in Wahrheit bloß krepiert wurde und die Wahrheit das erste Opfer des Krieges wurde, sondern die persönliche Wahrhehmung eines einfachen Soldaten, der den Krieg täglich unmittelbar als ein grauenvolles und menschenverachtendes Ereignis bar jeder glatten Moral erfuhr.“

– Seite 5

„Clemens Bedbur mußte mit den Bildern von schrecklich zugerichteten Körpern und mit verstümmelten Leichen fertig werden, sowie mit seiner Hilflosigkeit angesichts der Masse der Schwerverwundeten und hilflosen Zivilisten.“

– Seite 5

Den Erinnerungen vorangestellt:

„Meinen Kindern gewidmet zum Nachdenken“

– Seite 9

Aus den Aufzeichnungen selbst erfahren wir:

Ab Düren (13.8.) über Köln, Koblenz, Trier, Wasserbillig (Luxemburg), Belgische Grenze (21.8.), Bastnach, St. Hubert, erste Erfahrung auf einem Schlachtfeld vor Faumont (Frankreich) (22./23.8.), Rubecourt, Givonne, Sedan (26.8.), Champagne Ferme–Ripont (14.9.). Bis Oktober 1915 (Ende der Herbstschlacht) verblieb das RIR 68 in der Champagne.

Zu Ripont schreibt Clemens Bedbur:

„Ripont ein kleines Dörfchen im Tal gelegen mit nur ärmlichen Häuschen und verschiedenen Gehöften. Schlechte Wege und wenig Brunnen. Die kleine Kirche ist nicht gepflegt. Um den Ort treibt ein kalkiger Bach, überhaupt ist es sumpfig. Wir haben uns in ein kleines Häuschen eingenistet, weil nur ein kleiner Teil der Krankenträger in Stellung zu gehen braucht. … Unser Häuschen hat keinen hölzernen Fußboden, alles nur Lehm – Ofen gibt es nicht, nur Kaminfeuer – die Kessel werden an Haken über das Feuer gehängt, während die Bratpfanne auf einem Rost gesetzt wird. Die Brunnen des Ortes sind bald versiegt…Das Wasser des Baches ist ungenießbar. … Ripont wird ab und zu beschossen. … In der Kirche ist sonntags Gottesdienst und hl. Kommunion, in der Woche einmal Feldgottesdienst. Wir Krankenträger gehen nun mit in Stellung. In Stellung haben wir nun auch primitive Unterstände, 1 ½ m tiefe Löcher oben drüber auf alten Gewehren oder Äste etwas Grüntannenlaub und Blätter und darauf Laub – andere haben Zeltplanen gespannt.“

– Seite 33 f.

Im Oktober 1915:

„Typhus: Ripont ist ein Typhusherd – das Wasser ist verseucht – viele Kameraden sind an Typhus erkrankt.“

– Seite 37
Ditfurth-Tunnel

In der Herbstschlacht 1915 findet der Einsatz vorwiegend im Bereich des Ditfurth-Tunnels, ohne Nennung des Namens, statt. Die Ereignisse dort werden an entsprechender Stelle berichtet: Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915

Debus-Tunnel

Auch der Debus-Tunnel, als „29er Tunnel“ bezeichnet, ist im Einsatz mit einbezogen. Die zugehörigen Schilderungen werden unter Ditfurth-Tunnel berichtet.

RAFR 51

Regimentsbericht von Riemann und Vogt (1932)

Heinrich Riemann, Fritz Vogt (Hrsg.): Das Res.-Feldart.-Regt. 51 im Weltkriege. Bearbeitet nach amtlichen Unterlagen und Berichten von zahlreichen Mitkämpfern in 4 Teilen. Vereinigung ehem. Angehöriger d. Res.-Feld.-Art.-Regts 51, Kassel 1932, DNB 575798815.

Geleitwort

Von Kleinschmit, Kommandeur des Regiments bis 4. Mai 1916, beginnt mit:

„Der Inhalt dieses Buches soll öffentlich Kunde geben von der ruhmreichen Tätigkeit und den Heldentaten des am 1. September 1914 aufgestellten Truppenteils, der nach Formierung und kurzer beschleunigter Ausbildung schon am 19. Oktober in den Kämpfen vor Ypern bei Langemarck einem an Erfahrung und Können überlegenen Gegner entgegen geworfen wurde und während des Weltkrieges ununterbrochen auf dem westlichen Kriegsschauplatz Verwendung fand. – Der überströmende wundervolle Geist der Truppe …“

– Seite IX
Organisation

Teilbericht von Winterfeld (1932)

Der Teilbericht IV von Winterfeld (1932), Regimentskommandeur 1916/1918. „Die Kämpfe des Res.-Feldart.-Regt. Nr. 51 an der Westfront von Mitte Oktober 1916 bis zur Demobilmachung.“ enthält mehrere Kapitel zu Geschehnissen in der Champagne im Bereich der Tunnelanlagen:

Champagne

Im X. Kapitel wird über den ersten Einsatz in der Champagne berichtet:

  • Abschnitt Ripont – Oktober 1916 bis Februar 1917 (S. 313–340)

XI. Kapitel:

  • Kämpfe um die Höhe 185 – Februar 1917 bis Juni 1917 (S. 341 ff.)

XIII. Kapitel:

  • Abschnitt Tahure – Juni 1917 bis August 1917 (S. 391 ff.)

XV. Kapitel:

  • Abschnitt Ripont – Oktober 1917 bis März 1918 (S. 419 ff.)
Hertzberg-Tunnel

Da es vorwiegend um Geschehnisse im Bereich des Hertzberg-Tunnels geht, werden diese dort berichtet: Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Hertzberg-Tunnel

5. Rheinisches I.R. 65

Regimentsbericht von Piedmont et al. (1927)

Der Regimentsbericht des 5. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 65 (Piedmont, Pieper und Krall, 1927) berichtet wiederholt von Einsätzen in der Champagne, jedoch mehr westlich von der Region der Tunnelanlagen. Es gibt keine hinweise dazu. Das Regiment ist nicht identisch mit dem R.I.R. 65, aus dem Angehörige zur Mannschaft des Tunnelbaus „Debus-Tunnel“ gehörten.

Geleitwort

In seinem Geleitwort – ein typisches Stimmungsbild der damaligen Zeit wiedergebend – schreibt Generalmajor von Beyer, letzter Komdr. des I.R. 65 vor seiner Auflösung:

„Acht Jahre sind vergangen, seit der Weltkrieg für uns sein schmerzliches, für viele Frontkämpfer sein völlig überraschendes, katastrophales Ende fand. Vor sieben Jahren hat der Feindbund im Diktat von Versailles den größten Betrug verübt, den die Weltgeschichte kennt, indem er dem Gegner gegenüber, der freiwillig im Vertrauen auf die gegebenen Zusicherungen die Rüstung ablegte, sein Wort brach, ihn beraubte, knebelte und fesselte, seine Ehre besudelte und dem Haß und der Rache ungebändigten Ausdruck gab.“

– Seite 7

Aus dieser Perspektive des völligen Unverständnisses für die Entstehungsgeschichte des Krieges sollen nun im Regimentsbericht die ruhmreichen Taten festgehalten werden:

„Und so begleiten wir denn unsere 65er auf ihren Ruhmeswegen! Sie waren oft dornig und blutig, entbehrungsreich und voll harter Strapazen. Sie zeigen aber auch, wie gewaltig und innig die gemeinsame Not und Gefahr die Herzen verband und einte, einen heiligen Opferwillen erzeugte und zu stürmischer Begeisterung fortriß.“

– Seite 7 f.
Champagne

Folgende Abschnitte berichten unmittelbar von der Front in der Champagne:

  • Stellungskrieg in der Champagne 15.09. – 30.10.1914
  • Die Winterschlacht in der Champagne 16.02. – 20.03.1915
  • Ablösung und Ruhewochen 1. – 25.04.1915
  • Wieder in der Champagne 11. – 29.08.1916
Erwähnungen von Tunnelanlagen

Der Einsatz des Regiments erfolgte in der Region um St. Marie à Py, Somme-Py – Tahure, also westlich von den Stellungen im Bereich der Tunnelanlagen. Insofern ist kein Hinweis auf Tunnelanlagen zu finden.

6. Rheinisches I.R. 68

Das Regiment war früh zu Beginn des Weltkrieges in der Champagne und war in der Winterschlacht 1915 eingesetzt. Im Regimentsbericht von Pafferath (1930) wird die Situation vor Ort vor Beginn des Baues der Tunnelanlagen dargestellt.

R.I.R. 233

Regimentsbericht von Brendler (1929)

Am 1.9.1914 wird das neu gebildete Regiment

„unter dem Namen Reserve-Infanterie-Regiment 233 zusammengestellt. Ihm gehören zum größten Teile Kriegsfreiwillige an, nur wenige Landwehr- und Reserveleute sind eingegliedert. Während das I. und II. Bataillon in Meiningen gebildet werden, wird das III. Bataillon in Gotha aufgestellt. Im II. stehen viel Göttinger.“

– Brendler (1929), Seite 2

Das Regiment gehört der 51. Infanterie-Division an. In der Champagne wird es jedoch nicht eingesetzt.

R.I.R. 234

Regimentsbericht von Knieling und Bölsche (1931)

Das Regiment wurde aufgestellt in Kassel und Göttingen. Es bestand zu 75% aus Kriegsfreiwilligen, insbesondere aus Göttinger Studenten und höheren Schülern.[38]

Champagne 1917 und 1918

Im Kapitel „Champagne“ (S. 247–323) wird über Einsätze am Kanonenberg 1917, im Kapitel „Lausechampagne“ (S. 335–364) über die Stellung nahe Ripont in 1918 berichtet.

Tunnelerwähnungen

Erwähnt werden

und der Prinz-Heinrich-Stollen, er

„verlief unterhalb des rechten Bataillons-Abschnittes quer durch den Berg hindurch bis zu dem K-Graben des Prinz-Heinrich-Stollen, in der ein Teil der Bereitschaftskompagnien und Lebensmittel- und Munitionsdepots ihren Platz hatten.“

Knieling & Bölsche (1931): S. 258 f.

R.I.R. 235

Regimentsbericht von Hennig (1931)

Vorwort

Weil abweichend von den üblichen Einleitungen, seien hier Ausschnitte wiedergegeben:

„Für uns Frontkämpfer sind es vornehmlich zwei Blickpunkte, unter welchen wir den Weltkrieg betrachten. Einmal ist es das historische Weltgeschehen, wie ein solcher Kampf der Völker, durch unbekannte Kräfte entfesselt, periodisch immer wieder in der Menschheitsgeschichte in die Erscheinung tritt, wobei die Ursachen und die Schuldfrage stets problematisch bleiben. Ihre Klärung ist Sache der Geschichtsforschung. Der Mensch aber, der ein Atom einer solchen dämonischen Welterschütterung war, steht ihr gegenüber wie einer gewaltigen Naturkatastrophe. […] Das Fronterlebnis war ferner nicht nur ein Schauen und ein Erbeben vor der Geißel des Kriegsgottes, es war auch für uns Kämpfer ein Durchringen zur Mannhaftigkeit, eine Schicksalsgemeinschaft mit Kameraden und eine Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens und des Todes.“

– Seite 9
Organisation

„Das Reserve-Infanterie-Regiment 235 wurde am 30. August 1914 [...] als Truppenteil der 51. Reserve-Division (Generalleutnant Wänker von Dankenschweil) und des XXVI. Reserve-Armeekorps (General der Infanterie Freiherr von Hügel) aufgestellt. Einen besonders großen Anteil an Mannschaften des Regiments stellten die Kriegsfreiwilligen und unter ihnen die Studenten der Bonner Universität.“

– Seite 12
Champagne

Im Kap. IV wird über den ersten Einsatz in der Champagne berichtet:

  • Stellungskämpfe – Oktober 1916 bis Januar 1917 (S. 109–117)
  • Kämpfe um die Höhe 185 – Januar bis März 1917 (S. 118–138)
  • Stellungskämpfe am Kanonenberg, an der Butte de Tahure und der Wetterecke – März bis Mai 1917 (S. 139–153)
  • Erneut Stellungskämpfe an der Wetterecke – Juni bis August 1917 (S. 154 f.)

Im Kapitel VI über den zweiten Einsatz:

Tunnelerwähnungen

R.I.R. 236

Regimentsbericht von Mayer und Görtz (1938)

Arthur Meyer, Joseph Görtz: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 236 im Weltkriege (= Aus Deutschlands großer Zeit. Band 112). Sporn, Zeulenroda 1938, DNB 580678520.

Gefechtschronik

Nach der Gefechtschronik[39] gab es Einsätze in der Champagne:

  • 1916: Oktober bis Dezember (Stellungskämpfe)
  • 1917: Februar bis April (Stellungskämpfe, Höhe 185, Höhen südlich Ripont)
  • 1917: Mai (Schlacht), Juni–August, ab Dezember (Stellungskämpfe)
  • 1918: bis Februar (Kämpfe zwischen Tahure und der Butte du Mesnil)

Tunnel-Erwähnungen

Es werden Aussagen gemacht zu:

R.I.R. 238

Regimentsbericht von Herbrechtsmeier (1966)

Im Regimentsbericht von Herbrechtsmeier (1966)[40] wird die wiederholte Stellung des RIR 238 in der Champagne in den Jahre 1916 bis 1918 dargestellt und es wird mehrfach der Debus-Tunnel genannt.

Organisation

„Eine Verfügung des Preußischen Kriegsministeriums vom 16. August 1914 ordnete die Aufstellung von 3 neuen Armeekorps an (XXII – XXVI. Reservekorps). […] Im Gebiet des Stellvertretenden XIV Armeekorps (Karlsruhe) waren, als Teile des XXVI. Res. Korps, die Reserve-Infanterieregimenter 238 (Karlsruhe), 239 (in Mannheim) und 240 (in Rastatt) aufzustellen. Für unser RIR. 238 stellten die Ersatzbataillone des Badischen Leibgrenadierregiments 109 (Karlsruhe) und der Infanterieregimenter 112 (Mühlhausen s. Zt. In Müllheim) und 142 (Müllheim) die Stammtruppe und die Ergänzungsmannschaften. Mehr als 75% der neuaufgestellten Truppe bestand aus Soldaten, die nicht aktiv gedient hatten. ¼ der Mannschaften waren Landwehrleute und Ersatzreservisten, ¾ Kriegsfreiwillige und Rekruten, die im Oktober zur Ableistung ihrer aktiven Dienstpflicht hätten einrücken müssen.“

– Seite 13

„Am 8. Oktober – 6 Wochen nach Aufstellung des Regiments – […] erklärte [ein General] die Truppe für einsatzbereit. Schon am folgenden Tage traf bei den Stäben der Befehl zur Marschbereitschaft ab 10. Oktober 1914 ein, am nächsten Tage kam der Befehl zur Abreise ins Feld und am 11. Oktober begann mit dem Bahntransport nach Westen die Kriegsfahrt des Regiments.“

– Seiten 15 f.

Stellungskämpfe in der Champagne

  • 04.10.1916 – 18.04.1917 (S. 101–128)
  • 05.08.1917 – 08.01.1918 (S. 145–149)
  • 15.02.1918 – 23.04.1918 (S. 151)

R.I.R. 239

Regimentsbericht von Schatz (1927)

Das Reserve-Infanterie-Regiment 239 war zweimal in der Champagne im Stellungsbereich Tahure-Ripont. Von dort berichtet der Regimentsbericht von Josef Schatz (1927).[41] Über die Aufenthalte des Regiments 239 in der Lausechampagne wird im Beitrag Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915 in den Kapiteln Debus-Tunnel und Bahn-Tunnel berichtet.

Geleitwort

Im Regimentsbericht schreibt Kaether, Oberst a.D., Kommandeur des Res.-Inf.-Regts. 239 vom Februar 1917 bis Dezember 1918, an seine

„Kameraden vom Reserve-Infanterie-Regiment 239!

Fast 13 Jahre sind vergangen, seit das junge Res.-Inf.-Regt. 239 freudig auszog zur Verteidigung der geliebten Heimat. Gezeigt hat es in schweren Kämpfen, daß es voll und ganz erfüllt hat, was es beim Ausrücken gelobt. Stolzen Hauptes, unbesiegt, ruhmvoll kehrte es in die Heimat zurück.“

– Geleitwort

Organisation

Am 23. August wurde die Aufstellung der Regimenter 238–240 angeordnet.

„Der Stamm, auf dem das neue Regiment 239 sich aufbaute, traf bis zum 28. August in Mannheim ein, wo das Ersatzbataillon des Gren.-Regts. 110 die Aufstellung dann zu leiten hatte. Aus 3 badischen Regimentern setzte sich die Stammmannschaft zusammen: Ersatzbataillon Gren.-Regt. 110 gab 422 Unteroffiziere und Mannschaften dazu ab, Ersatzbataillon Inf.-Regt. 113 in Freiburg 498 und Ersatzbataillon Inf.-Regt. 170 in Offenburg 365. Dazu wurden vom Ersatzbataillon Gren.-Regt. 110 noch 1532 Rekruten des Jahrgangs 1914 überwiesen, eben die, die am 28. August morgens im Mannheimer Schloßhof standen.“

– Seite 2

Zunächst erfolgte Ausbildungstraining und Bewaffnung. Am 10. September traf in Mannheim bereits der Oberst z.D. Freiherr von Beaulien-Marconnay ein, um als erster Regimentskommandeur das Kommando zu übernehmen. Spätestens am 10. Oktober sollte der Einsatz möglich sein.

Nach der Einnahme von Antwerpen am 9. Oktober und von Lille am 11. Oktober entstand

„eine Lücke, die […] nach Westen weit offen klaffte […]. Jetzt schob die Oberste Heeresleitung auch hierher stärkere Truppenmassen: es waren junge, neu formierte Verbände, die den Umfassungsversuchen der Gegner hier entgegentreten sollten. Sie wurden zu einer neuen 4. Armee zusammengestellt unter Führung Herzog Albrechts von Württemberg. In der Mitte dieser neuen Stoßtruppe was das XXVI. Reservekorps, also auch das Res.-Regt. 239, eingesetzt. [… Das Rgt. 239 fuhr] bis Grammont und trat erst von da aus den Vormarsch an. Es war der 14. Oktober 1914.“

– Seiten 6 f.

Am 15. Oktober begann der Aufmarsch. Das Regiment war eingesetzt in der ersten und zweiten Schlacht von Ypern (Okt./Nov. 1914; April/Mai 1915) und in der Sommeschlacht (Sept. 1916).

Champagne

Abschnitt IX (S. 92–107) „Die Lausechampagne“

  • von Oktober 1916 bis April 1917 in der Lausechampagne,
  • von April bis Juni 1917 in der Doppelschlacht Aisne-Champagne, (im Juli/August 1917 in der 3. Schlacht von Ypern),

Abschnitt XIII (S. 132–143) „Nochmals in der Lausechampagne“

  • von August 1917 bis April 1918 erneut in der Lausechampagne.

Tunnelerwähnungen

Badisches (später rheinisches) Reserve-Infanterie-Regiment 240

Regimentsbericht von Lennartz (1938)

J. Lennartz: Geschichte des badischen (später rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 240. Sporn, Zeulenroda 1919, DNB 1028839537.

Organisation

Der Parolebefehl des Ers.Btl. Füsilier-Regiments Fürst Karl Anton von Hohenzollern (Hohenz.) Nr. 40 in Rastatt in Baden vom 26.8.1914 lautete:

„Am 28. August, vorm. 9 Uhr, findet auf dem Platze vor der Leopoldkaserne I die Formierung des R.I.R. Nr. 240 statt.“

– Seiten 5 f.

„Am 16.9. 8.25 Uhr vorm. erfolgte die Abfahrt der 3 Bataillone nach dem Sennelager. [in der Nähe von Lippspringe …] Am 13.10. vormittags erfolgte der Abtransport des Regiments in 3 Zügen. Die Züge wurden über Elberfeld, Köln, St. Vith, Luxemburg, Namur, Charleroi nach Flandern geleitet und kamen schließlich am 15.10. nachmittags und abends in Sotteghem (Ost-Flandern) an.“

– Seiten 9 f.
Champagne

Berichtet wird in Kapiteln über:

  • 6. Stellungskämpfe in der Champagne, 5.10.1916 bis 29.4.1917 (S. 190–242)
  • 7. Doppelschlacht Aisne Champagne, 30.4. bis 27.5.1917 (S. 243–270)
  • 11. Abermals in der Champagne (S. 308–317)
Tunnelerwähnungen

Besonders erwähnt wird der Ditfurth-Tunnel.

Fünftes Badisches Infanterie-Regiment Nr. 113

Regimentsbericht von Von Rundstedt (1933)[42]

Champagne

Das Regiment hielt sich vom 1. November 1915 bis 4. Oktober 1916 in der Champagne auf. Der dortige Stellungskrieg wird in Kapitel XIX beschrieben (Rundstedt, 1933, Seiten 124–143).

Ditfurth-Tunnel

Erwähnt wird explizit der Ditfurth-Tunnel.

Ein weiterer Tunnel wird genannt: der Donndorf-Tunnel.

Württembergisches Infanterie-Regiment Nr 476

Regimentsbericht von Nick (1921)

Organisation

Das Kapitel „Die Aufstellung des Regiments und der Abtransport“ (S. 2–5) beginnt mit den Worten:

„Unser engeres Vaterland, das Königreich Württemberg, hatte im Oktober 1916 das 25jährige Jubiläum der Regierung seines vielgeliebten Königs Wilhelm II. festlich begangen. König Wilhelm, im Jahre 1848 geboren, hatte als junger Prinz den siegreichen Feldzug gegen Frankreich im Jahre 1870–71 mitgemacht […] Als Veteran jener großen Zeit, in der die Württemberger im Verein mir den andern deutschen Truppen in einer fortlaufenden Kette aufeinander folgender Siege bis Paris marschiert waren […] hatte der König, ein treuer Freund und Bundesgenosse des Kaisers, bei Ausbruch des Krieges 1914 seine Truppen unter dessen Oberbefehl gestellt.“

– Seite 2

„Unser württ. Inf.-Reg. 476 hatte 3 Batl. Zu je 4 Inf.-Kompagnien und je einer Maschinengewehrkompagnie. Die Stärke eines Bataillons betrug 840 Gemeine (einschließlich Gefreite, Spielleute und Radfahrer). Die Bataillone setzten sich zusammen zur Hälfte aus Rekruten des Jahrgangs 1898 […]; zu einem Viertel in der Heimat befindlichen Genesenen […] und zu einem Viertel aus dem Feld zurückzuziehender Leute.“

– Seite 2
Offiziersstellenbesetzung März 1917

Am 10./11. März 1917 ging die Fahrt durch die Pfalz nach Lothringen. Anfang Mai kam das Regiment in die Champagne. Im Kapitel „Am Cornillet“ (Seiten 11–30) wird über die dortigen Kämpfe und Verluste bei der feindlichen Eroberung der Tunnelanlage am 20. Mai berichtet.

Das Buch enthält eine Auflistung der „Offiziersstellenbesetzung des Württ. Infanterie-Regiments 476 bei seinem Ausmarsch ins Feld im März 1917“,[43] davon Auszüge:

  • Rgts-Stab, Kommandeur: Major Diez
  • 1. Batl., Kommandant: Major Wintterlin
  • 2. Batl., Kommandeur: Hauptmann Graf v. Rambaldi
  • 3. Batl., Kommandeur: Hauptmann Winter
Mont-Cornillet-Tunnel

Einen Auszug aus dem Bericht über den Einsatz des Regiments findet sich unter http://www.wuerttemberger-im-weltkrieg.de/

Brief des Majors Georg Wintterlin

Mit Dank an Renate und Thomas Reisner wird hier der Brief des Majors Georg Wintterlin an seine Tante wiedergegeben, verfasst am Mont Cornillet wenige Tage vor seinem Todestag, dem 20. Mai 1917.

Seite 1
Seite 2
Seite 3
Grabstein des Majors Georg Wintterlin

Grabstein des Majors Georg Wintterlin auf dem Friedhof bei Nauroy

Der Grabstein für Major Wintterlin befindet sich auf dem Soldatenfriedhof in Warmériville. (http://www.volksbund.de/kriegsgraeberstaette/warmeriville.html)

Die Kreise des Mont Cornillet von Arne Schumacher

Das Buch bietet eine Gesamtdarstellung der Ereignisse um den Tunnel 1917: Arne Schumacher: Die Kreise des Mont Cornillet. Pro Business, Berlin 2011, ISBN 978-3-86805-936-6.

Literatur

Sortiert nach Nachnamen der Autoren

  • Clemens Bedbur, Franz-Joseph Kiegelmann: Der Krieg 1914–1918 wie ich ihn erlebte. Tagebuchaufzeichnungen des Sanitätsunteroffiziers Clemens Bedbur. Vindobona, Neckenmarkt 2012, ISBN 978-3-85040-162-3.
  • W. Buhr: Die Geschichte des I. Westf. Pionier-Bataillons Nr. 7 und seiner Kriegsverbände im Weltkriege 1914/1918. Stalling, Oldenburg 1938.
  • Karl Debus: Der deutsche Bergmann im Weltkriege. Champagne 1915. 1941 (Unveröffentlichtes Buchmanuskript, 2013 entdeckt und seit 2014 im Bergbau-Museum BochumWikipedia-logo.png archiviert).
  • Ernst Eggeling, Otto Doberg: Die badischen Pioniere im Weltkriege. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Der Schriftenfolge 191. (= Badisches Pionier-Bataillon. Band 14). Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362043744.
  • Otto Hennig: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 235 im Weltkriege. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Der Schriftenfolge 344. (= Reserve-Infanterie-Regiment. Band 235). Stalling, Oldenburg 1931, DNB 580154122.
  • Georg Herbrechtsmeier: Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments 238. Selbstverlag „Kameradschaft ehem. 238er“, Karlsruhe 1966.
  • Kurt Hillebrand, Gustav Krauss (Hrsg.): Königlich Preußisches Reserve-Infanterie-Rgt. Nr. 29 im Weltkriege 1914/1918. Bernard & Graefe, Berlin-Charlottenburg 1933, DNB 362144044.
  • Lutz Knieling, Arnold Bölsche: R.I.R. 234 (= Aus Deutschlands großer Zeit – Heldentaten deutscher Regimenter. Band 31). Sporn, Zeulenroda 1931, DNB 580402037.
  • J. Lennartz: Geschichte des badischen (später rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 240. Sporn, Zeulenroda 1919, DNB 1028839537.
  • K. Liegens: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 65 im Weltkrieg 1914–1918. Kameradschaft Köln ehem. 65er, Köln 1938, DNB 57461267X.
  • Nick: Die Geschichte des württembergischen Infanterie-Regiments Nr 476 im Weltkrieg 1914–1918. Chr. Belsersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1921, DNB 366940112.
  • Arthur Mayer, Joseph Görtz: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 236 im Weltkriege (= Aus Deutschlands großer Zeit. Band 112). Sporn, Zeulenroda 1938, DNB 580678520.
  • Erich Peters: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 28 im Weltkrieg 1914–1918. Nach den amtlichen Kriegstagebüchern. Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362024847.
  • Leo von Pfannenberg, Robert Riedel: Das Ulanen-Regiment Großherzog Friedrich von Baden (Rheinisches) Nr. 7 im Weltkrieg 1914–1918. Stilke, Berlin 1923, DNB 577323903.
  • Claus Piedmont, Hugo Pieper, Paul Krall: Geschichte des 5. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 65 während des Weltkrieges 1914–1918. Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362040818.
  • Heinrich Riemann, Fritz Vogt (Hrsg.): Das Res.-Feldart.-Regt. [R.F.A.R.] 51 im Weltkrieg. Gebrüder Müller, Kassel 1932, DNB 575798815.
  • Günther Rückbeil: Das 1. Rheinische Pionier-Bataillon Nr. 8 und seine Kriegsverbände im Weltkriege 1914/1918. Stalling, Oldenburg 1926, DNB 362200513.
  • Udo von Rundstedt: Das 5. Badische Infanterie-Regiment Nr. 113 im Weltkriege 1914–18. Lauenburgischer Heimatverlag, Ratzeburg 1933, DNB 575934204.
  • Josef Schatz: Geschichte des badischen (rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 239. Chr. Belser A.G., Stuttgart 1927, DNB 36231411X.
  • Peter Schmitz: Golgatha. Donat Verlag, Bremen 2014, ISBN 978-3-943425-32-1.
  • Arne Schumacher: Die Kreise des Mont Cornillet. Pro Business, Berlin 2011, ISBN 978-3-86805-936-6.

Links

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. HergenrathWikipedia-logo.png ist ein Dorf in der Deutschsprachigen Gemeinschaft BelgiensWikipedia-logo.png (nahe Aachen).
  2. a b Debus-Tunnel
  3. Hertzberg-Tunnel
  4. Mont-Cornillet-Tunnel
  5. Ditfurth-Tunnel
  6. a b c d e f g Das 1. Westfälische Pionier-Bataillon Nr. 7. In: tapferes-westfalen.de. Abgerufen am 24. Oktober 2019.
  7. GarderegimentWikipedia-logo.png
  8. Es ist das Regiment, dem der aus Eupen stammende Peter Schmitz, Autor des Buches Golgatha, 2014 neu aufgelegt, angehörte (siehe Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915).
  9. Über die Geschichte des Regiments Nr. 29 berichtet das Buch Königlich Preußisches Reserve-Infanterie-Rgt. Nr.29 im Weltkriege 1914/1918, bearbeitet auf Grund der amtlichen Unterlagen des Reichsarchivs und der persönlichen Aufzeichnungen der Truppen-Angehörigen von Generalmajor a.D. Rücker, Generalmajor a.D. Toepfer, Oberstleutnant a.D. Kuhn, Leutnant d.Reserve Peters; herausgegeben von Leutnant d.Res. Hillebrand und Leutnant d.Res. Krauß. 1933, Verlag Bernard & Graefe, Berlin-Charlottenburg 1.
  10. Anna Katharina Jungbluth (02.03.1887–23.04.1964) heiratete am 22.04.1912 den Landwirt Gerhard Martin Palm (28.12.1879–21.05.1934), wohnhaft in Hergenrath, Aachener Straße.
  11. Siehe den Kriegsroman von Peter Schmitz, wiedergedruckt 2014.
  12. Im Kofferfund des Buchmanuskriptes von Karl Debus mit enthalten
  13. Leider sind nur die Briefe von Erich Asbach erhalten, nicht aber die von Karl Debus. Aus den Antwortbriefen lässt sich oft der Inhalt des letzten Briefes von Karl Debus erschließen.
  14. Brief bei den Unterlagen zum Buchmanuskript
  15. a b Westfälisches Pionier-Bataillon Nr. 7
  16. Hinweis aus französischer Quelle:

    „Du 17 au 25 avril le 8ème Corps français face au Cornillet a fait 539 prisonniers dont 7 officiers, l’Hauptmann Karcher était peut-être de ceux là.“

    „Vom 17. bis 25. April machte das 8. französische Korps, das sich der Cornillet gegenübersah, 539 Gefangene, darunter 7 Offiziere. Hauptmann Karcher war vielleicht einer von ihnen.“

  17. Bodo Karcher kann ausgeschlossen werden, u. a. nach dem Bericht des Ulanen Regiments 7 (Pfannenberg und Riedel, 1923, siehe S. 364, 371), dem er angehörte; ebenso Hans Karcher, s. S. 366)
  18. Dank an die Stadt Aschaffenburg für die Einsichtnahme der Unterlagen
  19. Dank an das Stadtarchiv Mainz für die Bestätigung der Geburtseintragung und den Hinweis auf Sterbeeintrag in Aschaffenburg
  20. a b Matthias Köhler: Festungs-Pionier-Stab 14. In: forum-der-wehrmacht.de. 29. Januar 2011, abgerufen am 25. Oktober 2019.
  21. http://forum.panzer-archiv.de/viewtopic.php?p=190012
  22. Eisernes KreuzWikipedia-logo.png
  23. Martha Piepenbreier, Schwiegertochter von Heinrich Piepenbreier, Frau seines Sohnes Helmut
  24. Mit bestem Dank an die Familie für die Einsichtnahme in das Buch
  25. a b aus der Fotosammlung von Emil Brüggeney, Dank an W. Kleine-Brüggeney
  26. Wolfgang Kleine-Brüggeney: Geschichte der Familie Brüggeney. Eigenverlag, 2008
  27. siehe Kleine-Brüggeney (2008), S. 9
  28. W. Buhr: Die Geschichte des I. Westf. Pionier-Bataillons Nr. 7 und seiner Kriegsverbände im Weltkriege 1914/1918. Stalling, Oldenburg 1938.
  29. Wir danken recht herzlich den Familien Klaus Stüber und Volker Wendeler für biographische Angaben und Bilder.
  30. Mit Dank für Auskunft und Unterstützung an Frau Nickel, Stadtarchiv Duisburg
  31. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Der Schriftenfolge 191. Band: Badisches Pionier-Bataillon Nr. 14. Oldenburg: Stalling.
  32. Erich Peters: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 28 im Weltkrieg 1914–1918. Nach den amtlichen Kriegstagebüchern. Stalling, Oldenburg 1927.
  33. siehe http://search.arch.be/eadsearch/ead/index/eadid/BE-A0531_705879_702204_FRE/node/c%3A1.c%3A1.
  34. Was daran „friedensgemäß“ war, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. (gd)
  35. siehe zu den damaligen Ortschaften: http://pagesperso-range.fr/champagne1418/circuit/circuitsouain/camp/camp.htm#al
  36. Andreas Kitz: Das königlich preussische Reserve Infanterie Regiment Nr. 68: VIII. Reserve Korps. In: reserve-infanterie-regiment-68.de. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  37. Clemens Bedbur, Franz-Joseph Kiegelmann: Der Krieg 1914–1918 wie ich ihn erlebte. Tagebuchaufzeichnungen des Sanitätsunteroffiziers Clemens Bedbur. Vindobona, Neckenmarkt 2012, ISBN 978-3-85040-162-3.
  38. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 234. In: genealogy.net. Abgerufen am 28. Oktober 2019.
  39. 51. Reserve-Division (Deutsches Kaiserreich)Wikipedia-logo.png
  40. Georg Herbrechtsmeier: Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments 238. Selbstverlag „Kameradschaft ehem. 238er“, Karlsruhe 1966.
  41. Josef Schatz: Geschichte des badischen (rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 239. Chr. Belser A.G., Stuttgart 1927, DNB 36231411X.
  42. Dank an Wim Degrande für den Hinweis
  43. Stellenbesetzungsliste der Offiziere des württembergischen Infanterieregiments 476. Archiviert vom Original am 14. April 2017, abgerufen am 10. Juli 2008.