Der Siebenjährige Krieg in unserer Heimat

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Reinhold Schmidt, Allendorf a. H.

Vorwort

In der hier vorliegenden Arbeit über den Siebenjährigen Krieg kann nur ein Teil des Gesamtgeschehens wiedergegeben werden. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit gilt den Abläufen im Oberen Lahntal und den angrenzenden Gebieten (Kreis Marburg-Biedenkopf). Der Schwerpunkt bezieht sich hierbei auf fünf Chroniken aus den Ortschaften Dautphe (Pfarrchronik), Elmshausen (Privatchronik), Buchenau (Pfarrchronik), Warzenbach (die Privatchronik Acker) und Gladenbach (die Chronik des damaligen Gladenbacher Amtmannes Jacob Christian Klippstein).

Die Lahn und die Landschaft mit den Ausläufern des Rothaargebirges und dem Wollenberg auf der einen Seite, auf der anderen Seite beginnend mit dem Burgberg bei Buchenau über den Roßberg, Rimberg hin zum Marburger Rücken bildeten eine natürliches Hindernis. Von der Lahn abwärts waren in Richtung Norden wenige natürliche Durchlässe/Wege vorhanden. In unserer näheren Umgebung haben wir hier die Passagen bei Brungershausen/Warzenbach und Goßfelden/Niederwetter. In diesen Orten und deren unmittelbaren Umgebung hatte die Bevölkerung gerade in dem letzten Kriegsjahr besonders zu leiden.

Einleitung: Der Siebenjährige Krieg – Ein Weltkrieg im 18. Jahrhundert

Der Siebenjährige Krieg, oder Dritte Schlesische Krieg (1756–1763), war mehr als nur der Kampf zweier Länder – Preußen und Österreich – um Schlesien.

Fasst man die globale Ausdehnung ins Auge, sieht man erst, wo überall in jener Zeit gekämpft worden ist. Von Bengalen bis nach Südindien, von den Philippinen über Afrika bis in die Karibik, von Nordamerika über die Balearen bis nach Schlesien, Ostpreußen, Westfalen und natürlich in unsere beiden Hessen reichten die Schauplätze.

Es war das Anliegen oder der Versuch Friedrichs II. in diesem Krieg gegen Österreich, das in den beiden ersten Kriegszügen (1740–1745) eroberte Schlesien zu halten und den Status Preußens als eigenständige europäische Großmacht zu festigen. Franzosen, Engländer und Spanier dagegen versuchten, ihre kolonialen Einflusszonen zu erweitern bzw. zu behaupten.

In Europa standen England, Preußen und Portugal einer breiten Koalition gegenüber.

Preußen, England, Portugal, Hannover, Braunschweig, Gotha, Hessen-Kassel

gegen

das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Österreich, Spanien, Frankreich, Russland, Schweden, Sachsen, Hessen-Darmstadt und einige weitere Kleinstaaten.

Der Beginn des Krieges auf dem europäischen Kriegsschauplatz war nicht der Einmarsch von Friedrich II. am 29. August 1756 mit seiner Armee in Sachsen, vielmehr fielen bereits im April 1756 auf den Balearen die ersten Schüsse. Frankreich plante mit einer Doppelstrategie eine Invasion in England und eine Expedition gegen die Insel Menorca, die in englischer Hand war. 
In den Tagebuchaufzeichnungen von Georg Ernst von und zu Gilsa, der in militärischen Diensten des Landgrafen von Hessen-Kassel stand, erfahren wir, wie zum Schutz von England Truppen aus Hessen-Kassel im April 1756 nach England reisten. Als das Kriegsgeschehen dann hier seinen Verlauf nahm, kamen sie im Mai 1757 wieder zurück nach Deutschland.

Die beiden hessischen Staaten im Siebenjährigen Krieg

Wenden wir nun unseren Blick auf die beiden hessischen Staaten – Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt.

Ausgangspunkt des Siebenjährigen Krieges auf hessischem Boden war die Verhinderung eines Zusammenschlusses des französischen Heeres mit den Österreichern oder dem Heer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. England wollte dadurch französische Kräfte auf dem Kriegsschauplatz Deutschland binden. Ohne diese Strategie hätte dieser Krieg für Preußen die totale Niederlage bedeutet.

Wie schon im Dreißigjährigen Krieg standen unsere beiden hessischen Staaten wieder auf verschiedenen Seiten.

Hessen-Kassel auf der Seite Preußens, Hessen-Darmstadt auf Seiten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Viele Grenzsteine dieser beiden Staaten sind heute noch sichtbar. Auf dem Rimberg bei Caldern und Damshausen oder zwischen Warzenbach und Buchenau (Schmuggelbuche) und Elmshausen/Altes Feld/Kernbach kann man heute noch die Grenzsteine sehen. Aber im Siebenjährigen Krieg haben die Beteiligten auf diese Grenzen keine Rücksicht genommen.

Vorstellung von einigen Persönlichkeiten und Truppenteilen beider Heere im Siebenjährigen Krieg

Die Landgrafen von Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt

Hessen-Kassel

Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (* 10. März 1682; † 1. Februar 1760) war von 1751 bis zu seinem Tod Landgraf von Hessen-Kassel.
Wilhelm galt als persönlicher Freund des preußischen Königs Friedrich II. von Preußen. Seine Regierungszeit als Landgraf von Hessen-Kassel war auch vom Siebenjährigen Krieg geprägt, an dem Wilhelm auf der Seite Preußens und Englands teilnahm und zu den wichtigsten Akteuren auf dem westlichen Kriegsschauplatz gehörte. Dies führte dazu, dass die Landgrafschaft zu einem wichtigen Kampfgebiet wurde und dadurch erhebliche Verwüstungen erlitt. Unter anderem besetzten die Franzosen mehrfach Kassel.[1]

Friedrich II. (* 14. August 1720; † 31. Oktober 1785) war ab 1760 Landgraf von Hessen-Kassel. Er war der erste und einzige Landesfürst Hessen-Kassels nach der Reformation, der zum katholischen Glauben übertrat. Bekannt wurde er als erster Fürst der Aufklärung in Hessen, aber auch durch seine Soldatenvermietung im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.
1760 wurde Friedrich Landgraf von Hessen-Kassel und unternahm einige erfolglose Versuche, die Grafschaft Hanau wieder mit Hessen-Kassel zu vereinigen, die aber am Widerstand Großbritanniens und der evangelischen Stände scheiterten. Am 14. Mai 1760 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt.[2]

Hessen-Darmstadt

Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt (* 5. April 1691; † 17. Oktober 1768) war von 1739 bis 1768 Landgraf von Hessen-Darmstadt.
Er stand im Siebenjährigen Krieg auf Seiten des Kaisers und erreichte den militärischen Rang eines Generalfeldmarschalls. Infolgedessen wurden vor allem Gießen und Oberhessen zum Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Im Jahr 1764 fand eine Zusammenkunft zwischen Ludwig und Kaiser Joseph II. in einem Wald bei Heusenstamm statt, die der Landgraf zu den Höhepunkten seines Lebens zählte.[3]

Johann Nikolaus Graf Luckner

Johann Nikolaus Graf Luckner, frz. Nicolas Luckner (* 12. Januar 1722 in Cham in der Oberpfalz; † 4. Januar 1794 in Paris).
Bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges trat er als Major 1757 in hannoversche Dienste. Luckner begann als Befehlshaber eines Husarenkorps von 54 Mann. Er zeichnete sich namentlich bei Krefeld, Marburg, Eisenach, Göttingen, Hameln, Kassel und Northeim gegen die Franzosen aus und führte mit seinen Husaren eine Art Partisanenkrieg im Rücken des Feindes. Er war erfolgreich im Zerstören von Nachschubkolonnen und bei nächtlichen Überfällen. Im August 1759 erbeutete er das Portefeuille des französischen Marschalls mit geheimen Anweisungen des Kriegsministeriums. Im selben Jahr wurde er zum Oberst befördert.
1761 verfügte der inzwischen zum Generalleutnant aufgestiegene Luckner über ein Regiment und besaß einen legendären Ruf. Als bei Kriegsende sein Regiment aufgelöst wurde, warf er vor dem versammelten Offizierskorps seinen mit allen Orden behängten Generalsmantel in das Kaminfeuer und bat um seine Entlassung. Nun bewarben sich Russland und Frankreich um ihn, und er trat gegen ein Jahresgehalt von 30.000 Livres 1763 als Lieutenant général in französische Dienste. Luckner wurde 1778 vom dänischen König in den Freiherrenstand aufgenommen und 1784 zum erblichen Grafen erhoben. Da jahrelang Friede herrschte, verbrachte er die meiste Zeit auf seinen ausgedehnten Gütern in Holstein.

Marschall von Frankreich

Beim Ausbruch der Revolution trat er 1790 in die Dienste der Nationalversammlung. Am 28. Dezember 1791 wurde er zum Marschall von Frankreich befördert, 1792 übergab man ihm den Oberbefehl über die Rheinarmee. In dieser Eigenschaft wurde ihm zu Ehren am 26. April 1792 das später als französische Nationalhymne Marseillaise bekannt gewordene Kriegslied der Rheinarmee von Rouget de Lisle komponiert.
In Straßburg sammelte der inzwischen 70-Jährige seine Armee, brachte aber kaum 25.000 Mann zusammen. Er rückte damit nach Norden vor, überschritt die belgische Grenze, und es gelang ihm, die Österreicher zurückzudrängen. Danach wurde er zum Befehlshaber der Nordarmee ernannt und nahm die Städte Menen und Courtrai ein. Er erhielt nach der Flucht Lafayettes den Titel eines Generalissimus mit dem Auftrag, in der Gegend von Châlons-sur-Marne ein neues Reserveheer zu bilden.
Hier kamen im Laufe der Zeit etwa 60.000 junge Bauernburschen ohne Waffen zusammen, und Luckner zeigte ihnen gegenüber einen solchen Mangel an Energie, dass ihm der Konvent den Colonel Choderlos de Laclos an die Seite setzte. Luckner forderte daraufhin seine Entlassung, welche die Regierung im Januar 1793 mit vollen Bezügen bewilligte.

Verurteilung und Hinrichtung

Da ihm seine Pension nicht ausbezahlt wurde, ging er nach Paris, um sich zu beschweren, obwohl dort gerade die Schreckensherrschaft des Aufstandes wütete. Luckner wurde auf eine Denunziation des Prinzen Carl von Hessen hin verhaftet und stand am 3. Januar 1794 vor dem Revolutionstribunal. Fouquier-Tinville stellte ihn als vorsichtigen, aber hartnäckigen Royalisten dar und warf ihm vor, als Marschall von Frankreich ohne erkennbaren Grund gewonnene Positionen wieder aufgegeben zu haben. Nach kurzer Beratung wurde er zum Tod durch das Fallbeil verurteilt und am 4. Januar 1794 guillotiniert.
Bereits ein Jahr später rehabilitierte der Nationalkonvent Marschall Luckner. Seinem ältesten Sohn Nikolaus Graf von Luckner (1750–1824) wurden der Marschallstab mit Bestallungsurkunde sowie die zurückbehaltenen Gelder ausgehändigt. Diese Erinnerungsstücke blieben bis 1967 im Familienbesitz und befinden sich heute im Armeemuseum von Paris.[4]

Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel

Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel (* 12. Januar 1721 in Braunschweig; † 3. Juli 1792 in Vechelde) war Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern und ab 1735 Prinz von Braunschweig-Wolfenbüttel. Er war einer der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und führte den entsprechenden Titel. Er war ein Generalfeldmarschall in preußischen und kurhannoverschen bzw. britischen Diensten.
Beim Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs im August 1756 führte er eine der drei in Sachsen einrückenden Heersäulen der preußischen Armee, besetzte Leipzig und brach am 13. September nach Böhmen auf, wo er in der Schlacht bei Lobositz am 1. Oktober den rechten Flügel befehligte. Bei dem Einrücken in Böhmen im April 1757 führte er die Vorhut und trug viel zum Sieg in der Schlacht bei Prag am 6. Mai bei, leitete auch später an der Stelle des Fürsten Moritz von Anhalt-Dessau die Belagerung dieser Stadt. In der Schlacht bei Roßbach befehligte er den rechten Flügel, worauf er im November nach Aufhebung der Konvention von Kloster Zeven auf Bitte von Kurhannover vom Dienst in der preußischen Armee freigestellt wurde. Er erhielt als General der Infanterie den Oberbefehl über die Alliierten in Westdeutschland. Ferdinand wusste in der Folge die gesunkene Moral seiner Soldaten so zu heben, dass sie fast immer Sieger über das weit stärkere französische Heer blieben.
Nachdem er noch im Dezember 1757 den Marschall von Richelieu nach Celle zurückgedrängt hatte, trieb er dessen Nachfolger Graf Clermont im Frühjahr 1758 auf das linke Rheinufer zurück und schlug ihn in der Schlacht bei Krefeld am 23. Juni 1758; 1759 wurde er in der Schlacht bei Bergen am 13. April geschlagen, brachte aber am 1. August dem französischen Feldherrn Marquis de Contades in der Schlacht bei Minden eine entscheidende Niederlage bei. Zwar konnte er trotz der siegreichen Schlacht bei Warburg nicht verhindern, dass die Franzosen 1760 Hessen wieder einnahmen; doch hielt er sie im folgenden Jahr durch die ihnen beigebrachte Niederlage bei Vellinghausen am 16. Juli in Schach. Den Feldzug von 1762 eröffnete er mit dem Überfall bei Wilhelmsthal am 24. Juni und beendete ihn mit der Schlacht an der Brücker Mühle am 21. September und dem dann dort geschlossenen Waffenstillstand vom 15. November.[5]

Charles de Rohan, Prince de Soubise

Charles war ein Sohn des Jules de Rohan, Prince de Soubise (1697–1724), und dessen Frau Anne Julie Adelaide de Melun (1698–1724).
Er folgte seinem Großvater Hercule Meriadec 1749 als Herzog von Ventadour und von Rohan-Rohan sowie als Fürst von Soubise und Epinoy.
Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges mit dem Kommando über ein Korps von 24.000 Mann betraut, eroberte er Wesel, besetzte Kleve und Geldern und vereinigte sich mit der deutschen Reichsarmee unter Herzog Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, um Sachsen von den Preußen zu befreien. In Gotha wurde er im September von den Truppen des Friedrich Wilhelm von Seydlitz beim Diner im Schloss überfallen und ergriff eiligst die Flucht. Am 5. November 1757 erlitt er in der Schlacht bei Roßbach eine Niederlage, trotzdem sandte ihn Ludwig XV. 1758 mit Victor-François de Broglie wieder auf den Kriegsschauplatz in Deutschland.
Obwohl zwischen beiden Kommandeuren fortwährende Eifersucht herrschte, errangen sie am 10. Oktober 1758 in der Schlacht bei Lutterberg doch einen Sieg, wodurch Hessen in ihre Hände fiel. Soubise erhielt daher den Marschallstab und behielt das Kommando bis zum Friedensschluss von 1763. Nach dem Tode von Madame de Pompadour fand er eine ebenso starke Stütze in Marie-Jeanne Bécu, Comtesse du Barry. Als Ludwig XV. starb, war er der einzige der Hofleute, der den Leichnam bis zu seiner Bestattung nicht verließ. Dieser Zug der Ergebenheit bewog Ludwig XVI., Soubise die Stelle im Ministerrat zu lassen.[6]

Verhalten und Wirkung der Armeen während des Siebenjährigen Krieges in beiden hessischen Staaten

1757

Die erste Begegnung mit französischen Truppen in der hiesigen Gegend war im Jahr 1757. In der Chronik von Dautphe werden die französischen Truppen als „Hilfsvölker des Deutschen Kaisers“ bezeichnet, die seit dem 25. Juli, dem Jakobstag,[7] auf ihren Weg Richtung Kassel und in das Hannoverische hier durchzogen und Quartier nahmen. Das gesamte Hessenland war von ihnen in Besitz genommen worden, im Falle Marburgs schon am 22. Juli 1757.

Aus der Chronik Elmshausen:

„Den 3. Juni Nachmittags entstand ein fürchterliches Gewitter, das Wetter erschlug zu Buchenau 80 Stück Schafe.
Auf den Jakobistag rückten die ersten Franzosen als Hilfstruppen des Krieges gegen den König von Preußen in Marburg ein, die Einwohner der umliegenden Orte flohen mit ihrer besten Habe hierauf ins Hinterland. Der Pfarrer zu Buchenau schreibt im Saalbuch, der Anblick war erbärmlich.“

Nach der entscheidungslosen Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 zog sich die hannoversche Observationsarmee, von den Franzosen verfolgt, über die Weser in Richtung der Festung Stade zurück. Beide Seiten ersuchten den dänischen König um Vermittlung eines Waffenstillstandes. Dieser kam dann auch zustande. Beide Kriegsseiten waren letztendlich damit nicht einverstanden und der Krieg nahm seinen weiteren Verlauf. Viel Not und Elend wäre unserer Heimat bei einem Waffenstillstand oder Friedensschluss erspart geblieben.
Nun schlug die Stunde für Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, Er war ein Generalfeldmarschall in preußischen und kurhannoverschen bzw. britischen Diensten. Auf Bitte von Kurhannover wurde er vom Dienst in der preußischen Armee freigestellt. Er erhielt als General der Infanterie den Oberbefehl über die Alliierten in Westdeutschland. Ferdinand musste in der Folge die gesunkene Moral seiner Soldaten so zu heben, dass sie fast immer Sieger über das weit stärkere französische Heer blieb.

1758

Nach der Niederlage der französischen Rheinarmee in der Schlacht bei Rossbach am 5. November 1757 durch Friedrich II. lebten die Franzosen in ständiger Angst, die Preußen würden in Hessen einmarschieren. Es war aber nicht Friedrich, der die Franzosen zum Abzug Richtung Rhein und Main veranlasste, sondern Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, der nach Hessen einrückte. In Marburg zog der Prinz von Isenburg mit seinem Heer ein.
Die Franzosen unter Prinz Soubise gingen zur Gegenoffensive über und hatten das gesamte Hessenland wieder fest im Griff. Der Prinz v. Isenburg, der mit ca. 5000 Mann in unserer Heimat weilte, zog sich vor ihnen – bis auf eine Schlacht bei Kassel – bis Minden zurück. Unser Landstrich war nun wieder in französischer Hand. 1758 lagen hier zwei französische Regimenter in der näheren Umgebung. Die Franzosen erzwangen Lieferungen von 800 Zentnern Brot, 70 Zentnern Fleisch und großen Mengen an Heu, Hafer, Stroh, Betten, Leinen und anderem. In der Elisabethkirche in Marburg hatten die Franzosen ihr großes Magazin eingerichtet. Schwer seufzte das Land über die außerordentlichen Geld-, Frucht- und Fourage-Contributionen.

1759

Der Kriegsverlauf brachte 1759 über 100.000 Landsknechte und Legionäre mitsamt einem Tross von Handwerkern, Pferden, Fuhrleuten, Sanitätspersonal, Büchsenmachern, Schmieden, Stellmachern, Metzgern, Bäckern, Feldpredigern, Musikern, Küchenpersonal sowie Marketenderinnen in das Marburger/ Biedenkopfer Land. Marburg war immer noch von den Franzosen besetzt. Als am 2. August 1759 die Franzosen Minden verloren und die Belagerung Lippstadts aufgeben mussten, zogen sie sich nach Hessen zurück. Nach dem Sieg rückten die Alliierten dem Feind nach, Franzosen lagerten auch auf den Höhen von Goßfelden und Sarnau.
Hier und da kam es zu leichten Gefechten mit den Franzosen.
Die Stadt Wetter war von den Fischerschen und Schombergschen Soldaten (Franzosen) besetzt. Es galt, den Feind aus Wetter zu vertreiben. Am 26. August rückten die Truppen des Erbprinzen vor. Zu ihnen kamen noch die hessischen Truppen (Kassel) mit etwa 3000 Mann Stärke. Die unter Oberst Fischer stehenden Truppen waren fast von allen Seiten eingekreist. Die Artillerie der alliierten Kräfte mit ihren Kanonen schoss von den Höhen westlich von Mellnau und Oberrosphe in die Stadt. Dabei wurde das Obertor zerstört, hinter dem die Franzosen einen Teil ihres Lagers aufgeschlagen hatten. Danach wurde die Stadt gestürmt. Die Franzosen flüchteten mit Ross und Reitern die Wetschaft abwärts in Richtung Niederwetter, wobei die Pferde in den sumpfigen Wiesen stecken blieben. Allein 150 Husaren sollen in den sumpfigen Wiesen stecken geblieben gefangen genommen worden sein. Der Gesamtverlust betrug ca. 500 bis 600 Mann mit Toten, Verwundeten und Gefangenen. Oberst Fischer konnte sich nach Goßfelden retten. Der herbei geeilte Herzog von Broglie konnte diese Niederlage auch nicht mehr abwenden.

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1759:

„In Wetter war das Hauptquartier des Herzogs Ferdinand. Jetzt ging hier Jammern und Not an.“

Schon am 4. September begannen die Fouragieren, auch Dautphe blieb nicht verschont. Die Fouragierer fielen in die Dörfer ein.

„Wo Offiziere waren, ließen sie sich von denen einweisen. Sie nahmen ihre Pferde mit in die Scheunen, nahmen ungedroschene Garben, wohl 10 bis 12 Ztr. schwer. Dazu Heu, Hafer, Gerste mit Stroh, Erbsen, was sie nur fanden. Sie hatten 10 bis 20 Wagen bei sich.“

„9. September 1759: Das Wangenheimische Corps brach auf bis Elnhausen. Dautphe glaubte, nun etwas Ruhe zu haben. Doch die ganze Armee blieb 8 Tage da stehen.“

1760

Die Alliierten Armeen blieben in unserer Heimat bis in den Sommer 1760. Es war gleich, ob französische Truppenteile oder Alliierte Truppen in den Dörfern oder Städten lagerten. Es war überall das gleiche Bild. Sie suchten unsere Dörfer heim und nahmen mit, was für Mann und Pferd zu gebrauchen war.
In diesem Jahr kamen die Franzosen mit einem neu formierten Heer, 95.000 Mann stark, und zogen gegen das Hessenland. Nach einer Niederlage der Alliierten am 10. Juli 1760 bei Korbach zogen sie sich zurück und sammelten ihre Armee bei Fritzlar. Marburg wurde von der Hauptarmee abgetrennt. Die Festung wurde von den Franzosen eingenommen.
Am 16. Juli 1760 kam es hier zu einem größeren Gefecht bei Emsdorf. Die Alliierten versuchten, der französischen Armee die Nachschubwege abzuscheiden. Die französische Armee bezog im Sommer 1760 ihren Nachschub über die Route Gießen–Marburg. In Marburg war die Feldbäckerei der Franzosen. Hier wollten die Alliierten zuschlagen, um einen weiteren Vormarsch zu verhindern.
Um die Nachschubroute zu sichern, errichteten die Franzosen bei Emsdorf ein Lager. Der Feind wurde von den Alliierten umstellt und aufgerieben, verfolgt bis Niederklein. Der Rest des Korps war zur Kapitulation aufgefordert, die dann umgehend erfolgte. Insgesamt hatten die Verbündeten an diesen Tag 179 Offiziere und 2482 Mann gefangen genommen. Auf der Gegenseite standen nur sieben Offiziere und 179 Gefallene oder Verwundete. Die Alliierten machten im Lager eine große Beute, allein 1000 Pferde und 13 Ochsen.
Die Zerstörung der Feldbäckerei in Marburg wurde aufgegeben. Von den Aufzeichnungen des Pfarrers Kolb wissen wir, dass dieses Unternehmen beim zweiten Versuch vom 09. auf den 10. September 1761 gelang und 14 Backöfen in Marburg zerstört wurden. Das Mehl der Magazine warf man ins Wasser, und den Wein ließ man in die Straßen laufen.

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1760:

„Im September ging ein leichter Trupp der Alliierten unvermutet nach Marburg, ja bis Butzbach, wo sie ansehnliche Beute erkämpften. Jedoch bei Hallenberg wurde ihnen dieser Streich wieder vergolten. Die Franzosen passten auf, nahmen ihnen die Beute und noch 8 Kanonen dazu wieder ab.“

Ende September ging der Erbprinz mit seinen Korps nach dem Niederrhein, um die französischen Magazine zu gewinnen. Der königl. Französische Marschall De Camp, Herzog von Chabo rückte ihm nach, zog über Wetter, Gericht Caldern nach Biedenkopf. Indessen lagen die Legion Royale 5 Wochen lang bis zum 15. November zu Caldern, Biedenkopf und hier in Dautphe.

„Ich hatte im Haus den Obristen Sicard, der später im Feldzug starb. Bei ihm war ein Major Compertz von Alzey aus der Pfalz. Er hat uns viel Freundschaft erwiesen. Es ging aber trotzdem viel drauf. Es sollten ein um den anderen Tag ein Ochs oder eine Kuh geschlachtet werden. Alles musste abgeliefert werden. Es lagen 400 Mann hier, teils Infanterie, teils Cavallerie. Der Erbprinz belagerte in der Zeit Wesel und verbrannte die Magazine. Er wurde aber am 16.10. bei Rheinbergen geschlagen.“

Truppen gingen das ganze Jahr über durch Dautphe.

1761

Im Frühjahr versuchte Ferdinand, wieder die Oberhand in Hessen zu gewinnen. Schon im Februar sollte Generalmajor Georg Carl von Breidenbach versuchen, Marburg von den Franzosen zu befreien. Doch sein Plan war den Franzosen bekannt und schlug fehl. An der Spitze der Kolonne, mit dem Degen in der Hand, wurde von Breidenbach erschossen. Dies war am 13. Februar 1761. Er wurde in der Elisabethkirche beigesetzt.
Nach Vor- und Zurückziehen der Armeen haben wir am 18. März 1761 folgendes Bild: Die Franzosen dehnten ihre Linie von den Höhen von Goßfelden über den ganzen Lahnberg bis zum Frauenberg aus und hielten die Ebene von Seelheim sowie den Ebsdörfergrund besetzt. Die Alliierten bezogen ihre Stellung von Wetter über Unterrosphe, Betziesdorf, Kirchhain bis Homburg hinaus. Die Übermacht der Franzosen war zu groß, und Ferdinand zog sich aus Hessen zurück. Den Rest des Jahres war der Kriegsschauplatz hauptsächlich in Westfalen und Hannover.

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1761:

„Am 18.02. zogen die Franzosen über die Lahn, besetzen Caldern, Michelbach, Goßfelden und Kernbach. Die Lahnbrücke bei Caldern wurde sogleich abgebrochen. Das Gleiche geschah am 21.02. in Buchenau/Elmshausen. Am 24.02. logierte Graf Salis, ein Schweizer, mit seinem Regiment im Dorf, der Graf in der Pfarrei.
Am 05.06.1761 klatschte in Buchenau ein Wolkenbruch nieder und hielt ein halbe Stunde an. Das Wasser kam ins Dorf geströmt, so dass kein Wagen mehr fahren konnte. „Das Wasser stand 2 Mann hoch, und sind 4 Schweine ersoffen.
Am 02.08.1761 ging ein zweites starkes Hagelwetter über das Dorf hernieder. Alle Sommerfrüchte wurden zermahlen. Man hat kaum die Saat bekommen können. Dies Unwetter betraf insbesondere Silberg, Mornshausen, Dautphe, Hommertshausen, Combach und Wolfgruben. Indessen kam der Winter. Die Truppen gingen auseinander. Die Franzosen bleiben im Besitz von Göttingen, Thüringen und ganz Hessen. Die Fourage-Lieferungen wurden wieder sehr groß. Die Bevölkerung klagte sehr über all das Leid.“

1762

„Dann kam das Jahr 1762, welches unserem erschöpften Volke endlich den ersehnten Frieden bringen sollte. Allein schwere Kriegswetter zogen zuvor noch über Marburg und das ganze Hessenland hin.“ – so Pfarrer Kolbe aus Marburg. Ferdinand ergriff die Offensive und schlug die Franzosen bei Grebenstein. Im Weiteren lagen Sieg und Niederlage beider Heere dicht zusammen.

Anfang Juli befanden sich Teile der Alliierten im Ederraum, von dort wurden Streifzüge in unsere Heimat unternommen. Oberstleutnant Riedesel hatte den Plan, ein Detachement, eine kleinere Truppenabteilung, bei Frankenberg zu überfallen. Am 08.07. befand sich Riedesel auf den Marsch nach Frankenberg, wo sich aber die Truppe schon aus der Stadt zurückgezogen hatte. Der Oberstleutnant beschleunigte nun seinen Marsch, erreichte auch das Detachement bei Goßfelden, griff es an und machte 83 Franzosen zu Gefangenen.

Kommen wir nun, wie ich finde, zur schlimmsten Zeit in unserer Heimat während dieses Krieges. Nach einigen Vor- und Rückzügen der Kriegsparteien kam es zur folgenden Situation: Die alliierte Armee dehnte sich von Biedenkopf und Buchenau/Warzenbach über Sterzhausen/Wetter, Oberrosphe, Mellnau, den Burgwald, Kirchhain und Niederklein bis Maulbach aus. Daher kam der Vormarsch der Franzosen ins Stocken und Allendorf und Umgebung lag mitten im Kriegsgeschehen. Den rechten Flügel der verbündeten Truppen hielt General Luckner bei Warzenbach bis hoch nach Biedenkopf, General Cornway lag westlich der Wetschaft auf dem Wollenberg und General Gilsa gegenüber Sarnau und Goßfelden. Die Linie der Franzosen ging aus von Dautphe, Allendorf/Hohenfels, Elmshausen, Kernbach-Caldern über die Höhen bei Goßfelden/Sarnau bis Cölbe, die unter dem Befehl des Prinzen Condé war. Er selbst hatte sein Quartier in Wehrda. Am 15. September versuchten die Franzosen, bei Wetter durchzubrechen, was jedoch misslang. Daraufhin wurden die Höhen gegenüber Goßfelden/Sarnau noch mehr gefestigt, weil man hier einen weiteren Versuch der Franzosen erwartete.

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1762:

„Am 15.09.1762 kamen zwei französische Unteroffiziere nach Dautphe. Sie gingen von Scheune zu Scheune und erhielten einen Überblick, wie viel Pferde im einzelnen einzustellen seien. In die Pfarrscheunen sollten 80 Pferde, die alle gefüttert werden sollten. Nachts waren schon einige Regimenter nach Hommertshausen und weiter gezogen. In Dautphe sollte die Fouragierung am 16.09. beginnen.
Abends tranken die Unteroffiziere mit dem Pfarrer Kaffee und begaben sich auf den Rückweg in Richtung Marburg. Bei Elmshausen lauerten die Deutschen ihnen auf und nahmen sie gefangen. Die Vortruppen der Franzosen und Alliierten kamen aneinander, und die Franzosen wurden zurück geschlagen. Dautphe war von den Schwierigkeiten der Fouragierung des folgenden Tages frei.“

Da der Plan der Franzosen, in verschiedenen Richtungen gegen Norden vorzustoßen, so nicht durchzuführen war, konzentrierten sie nunmehr ihre Hauptstoßkraft auf die Ohmübergänge. Dies führte am 21. September 1762 zu einem fast 14-stündigen Gefecht um den Ohmübergang an der Brücker Mühle bei Amöneburg. Die Ohmbrücke selbst war mit Balken, Steinen und Erdwerk verbarrikadiert. Eine weitere Schanze mit sechs Bückeburger 6-Pfünder Kanonen befand sich auf der Höhe des Ransberges. Die übrigen Truppenteile von Infanterie und Kavallerie befanden sich hinter den Höhen im Rückraum.
Die Franzosen begannen am 21. September schon um 5 Uhr morgens mit der Beschießung der Stadt; gegen 6 Uhr setzte der Angriff auf die Ohmbrücke und die vor dieser liegenden Schanze ein. Schon bald waren die Barrikaden hinweggefegt, da bliesen die Franzosen zum Sturmangriff. Er scheiterte jedoch am energischen Widerstand der gegenüberliegenden Schanzenbesatzung. Außerdem belegte General Zastrow von der Höhe des Ransberges das ganze Brückengelände mit dichtem Kartätschenhagel. Da die Franzosen bis dahin noch immer keinen Durchbruch erzielt hatten, richteten sie nun ihre ganze Kraft auf die Schanze hinter der Brücke, die in der Zwischenzeit von den beiden hessischen Regimentern von Gilsa und von der Malsburg besetzt worden war. Bald war das aufgeworfene Erdwerk bis auf Kniehöhe hinweggefegt, so dass die Verteidiger ihre gefallenen Kameraden als Schutzwall auftürmten. Nach erbittertem Kampf bliesen die Franzosen dann gegen 19 Uhr zum letzten Sturmangriff. Eine Kolonne konnte zwar über die Brücke bis dicht vor die Schanze vordringen, doch brach hier der Angriff im Abwehrfeuer der Verteidiger zusammen. Sie wichen zurück und gaben weitere Versuche auf. Gegen 20 Uhr setzte die eingebrochene Nacht dem Geschehen ein Ende. Das etwa 14-stündige Gefecht hatte auch beiden Seiten 527 Tote, 1363 Verletzte und 19 Vermisste gekostet.[8]

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1762:

„Am 24.09.1762 gingen von Dautphe und den Nachbarorten 10 000 Mann nach Biedenkopf und Berleburg. Im Dorf bleiben 24 Dragoner und 50 Mann Infanterie zurück. Sie ließen sich von anderen Dörfern verpflegen. Ein Hauptmann gab dem Pfarrer die Erlaubnis, was er an Frucht und Heu aus der Scheune auf dem Hausboden schaffen könne, das solle er tun. Das ist gesehen.“

Auszug Privatchronik Elmshausen 1762:

„den 16 Sept Furagirten hier zu Elmshausen 2 Reg Franzosen Orleans u Bourbon gingen mit den Einwohner barbarisch um auf eine erbärmliche Weise nahmen allen Hafer Korn Weizen u Heu weg rissen die Dächer von den Scheuern nahmen viele Schweine u alle Gänse weg und hielten solchen Lärm dass man es in Buchenau die ganze Nacht hören konnte
Am 16. Sept. nahmen die Französische Armee Stellung hier bei Elmshausen ihre Rückwärtige Posten standen bis Heschfe? (nicht zu ermitteln) General Vicomenti auf dem Scheid standen die Grenadiere de France am Roßberg Volentairs Dauphine auf dem Schießhaus die Grenadier Roi“

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1762:

„Am 29.09.1762 wurden auf Bitten und Vorstellungen der Bevölkerung 1 000 Mann nach Friedensdorf verlegt. Der Amtmann Teuthorn lag zur Zeit auch im Pfarrhaus, weil er als Amtsperson jederzeit zu sprechen sein musste, und Biedenkopf von den Deutschen besetzt war.
Am 10.10.1762 rückte ein Regiment Roter Dragoner vom Nicolai in Mornshausen ein. Dem Vorsteher Junker wurden 300 Taler unter dem Schmiedeamboss heraus gestohlen.
Am 11.10. lag das Regiment Flammarens zu Allendorf, und es war da nichts mehr zu leben.“

Laut diesem Eintrag lag dieses Regiment ab dem 11.10.1762 zwischen Allendorf und Elmshausen. Der Ort wo sie lagerten, wird das „Bäumchen“ genannt. Dies geschah zur Sicherung der Straße nach Marburg, die damals noch über Buchenau – Elmshausen – Kernbach nach Marburg ging, welche schon seit Anfang September von anderen französischen Truppenteilen gesichert gewesen ist.

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1762:

„10.11. nach der Legion Royale kam das Regiment Flammarens von Allendorf; welches Cavallerie war. 500 Mann. Der General lag bei mir in der Pfarrei, General Chally (General d’Administration). Es ging das Regiment am 16.11. nach dem Rhein.“

Der Waffenstillstand am Brücker Wirtshaus und Buchenauer Brücke

In den folgenden Tagen und Wochen tat sich auf dem Gefechtsgelände beidseitig der Ohm nichts. Die gegnerischen Truppen blieben zwar in ihren Stellungen, doch kam es zu keinen Kampfhandlungen mehr. Am 14. November erhielt dann auch Herzog Ferdinand vom englischen König die Vollmacht, mit den Franzosen über einen Waffenstillstand zu verhandeln. So trafen sie sich am 15. November im Brücker Wirtshaus und schlossen Waffenstillstand. Im Anschluss gaben die französischen Generäle den Verbündeten ein Essen aus und zwar in einem Raum des Wirtshauses, dessen östliche Wand von etwa 60 Kanonendurchschlägen durchlöchert war. Noch am gleichen Tage setzte der Abzug der französischen Truppen ein, während die Verbündeten erst zwischen dem 17. und 22. November ihre Stellungen räumten.

Auszug Privatchronik Elmshausen 1762:

„Am 15. Nov. kam ein Curier welcher den lang ersehnten Frieden verkündigte. Zuerst hier im Lager der Franzosen, tags darauf konnte man Freund und Feind friedlich beieinander beobachten.
Die Herrn Generäle hatten eine Zusammenkunft an der Brücke zu Buchenau mit einem Trunkmahl verbunden.“

Leben der Landbevölkerung während des Siebenjährigen Krieges

Anders als im Dreißigjährigen Krieg blieb die Bevölkerung von Pest und anderen Krankheiten weitgehend verschont. Dagegen wurden im Dreißigjährigen Krieg bis zu 2/3 der Bevölkerung durch Seuchen und Plünderungen in unserer hiesigen Gegend dahingerafft, ist dies im Siebenjährigen Krieg, anhand des Sterberegister des Kirchspiels Dautphe nicht ersichtlich. In Allendorf sind die Zahlen der Geburten, Heiraten und Sterbefälle vor, während und nach dem Siebenjährigen Krieg gleichbleibend.
Der Eintrag im Kirchenbuch von Dautphe: „Am 11.10. lag das Regiment Flammarens zu Allendorf, und es war da nichts mehr zu leben“ bezieht sich auf die wirtschaftliche Situation des Ortes. Wie in allen anderen Ortschaften auch, gab es bei uns im Ort kaum noch Lebensmittel. Den Berichten zufolge wurde den Pferden das Stroh von den Hausdächern zum Fressen gegeben. Es herrschte überall eine große Not. In vielen Orten unserer Umgebung versuchten sich die Bewohner im Wald zu verstecken. Im Falle von Allendorf war das nicht möglich, weil hier eine Kompanie mit 500 Soldaten und der gesamte Tross lagerte.

Auszug Chronik Kirchenbuch Dautphe 1762:

„Nun erst war die größte Not da. Die Franzosen gingen fort und hinterließen uns leere Scheunen, leere Häuser und leere Ställe. Keine Frucht, kein Hafer, weder Gerste, Heu noch Stroh. Doch Gott sorgte das künftige Jahr auf eine recht wundervolle Weise für uns.“

1763: Lebensmittel wurden von Süddeutschland hier nach Hessen-Darmstadt transportiert. Das für uns zuständige Magazin lag in Gießen und wurde von dem Kammerrat Klippstein, Advokat Zück und Kriegskommissar Adam verwaltet.

Die Folgen des Siebenjährigen Krieges

Der wirtschaftliche Schaden, den unsere Heimat durch den Siebenjährigen Krieg zu verzeichnen hatte, wirkte sich zum Ende des 18. Jahrhunderts aus. Es gab von allen Orten zwar Aufstellungen, sogenannte Schadensregister, die aber nie in vollem Umfang beglichen wurden.

Fazit

Ob im Dreißigjährigen oder Siebenjährigen Krieg, die Bevölkerung hatte grausam darunter zu leiden. Ob wirtschaftlich oder mit dem Leben. Den Kriegsherrn entstanden Schäden, aber sie hatten nie diese Sorgen und die aufkommende Ausweglosigkeit der ländlichen Bevölkerung zu ertragen.

Literaturverzeichnis

  • Wilhelm Buchenauer: Warzenbach. Mein Dorf – meine Heimat. Chronik und Heimatbuch. Marburg 1986
  • Thomas Klingebiel: Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg und die alliierte Armee im Siebenjährigen Krieg (1757–1762), 2011
  • Wilhelm Kolbe: Marburg und der Siebenjährige Krieg. 1880
  • Privatchronik Johannes Wagner (Acker), Warzenbach
  • Eike Erdel: Das Gefecht bei Emsdorf am 16. Juli 1760. (= Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte (ZHG), Band 109), 2004
  • Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte e. V.: Das Gefecht an der Brücker-Mühle am 21. Sept. 1762
  • Martin Nassauer, Festausschuss 1200 Jahre Dautphe (Hrsg.): Dautphe wie’s damals war. 1990
  • Privatchronik Elmshausen

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Wikipedia-Artikel Wilhelm VIII. (Hessen-Kassel)Wikipedia-logo.png
  2. Wikipedia-Artikel Friedrich II. (Hessen-Kassel)Wikipedia-logo.png
  3. Wikipedia-Artikel Ludwig VIII. (Hessen-Darmstadt)Wikipedia-logo.png
  4. Wikipedia-Artikel Nikolaus von LucknerWikipedia-logo.png
  5. Wikipedia-Artikel Ferdinand (Braunschweig-Wolfenbüttel)Wikipedia-logo.png
  6. Wikipedia-Artikel Charles de Rohan, prince de SoubiseWikipedia-logo.png
  7. siehe Jakobus der Ältere#GedenktagWikipedia-logo.png
  8. Alfred Schneider: 1275 Jahre Amöneburg – Die Geschichte der Stadt in historischen Szenebildern. Stadt Amöneburg, 1996. – darin Kapitel Das Gefecht an der Brücker-Mühle am 21. Sept. 1762, zitiert aus http://archive.is/kAFl