Debus und das Scheffersch-Haus in Mornshausen: ab Johann Theiß Debus (1744–1775)

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Friedrich Debus, Günter Debus und Helmut Mankel
!!! im Aufbau !!!

Karte zum heutigen Hinterland: Mornshausen – Wolfgruben

Einordnung in die Linie der Familie

Katzenbach: Pahles
(0) Debus, Johann Theiß 1706–1774, siehe Höfe und Familien, Landgrafen und politische Strukturen in Katzenbach

Mornshausen: Scheffersch
(1) Debus, Johannes Theiß (1744–1775) ⚭ 1764 Jochum, Maria (1738–1805)
(2) Debus, Johannes (1768–1822)
(3) Debus, Hans Henrich (1810–1884)
(4) Debus, Johannes (1839–1893)
(5) Debus, Anna (1874–1945) ⚭ 1896 Werner, Johann Heinrich
(6) Werner, Elisabeth (* 1899) ⚭ 1927 Müller, Wilhelm (* 1902)
(7) Müller, Rosemarie

Scheffersch: die Vorgeschichte

Blick auf Mornshausen mit Kirche im Jahr 1953

Erbauer des Scheffersch-Hauses um 1755 war nach den Haferlisten der Schäfer Hans Henrich Jochum (1718–1789). Sein Vater stammte aus Reitz auf der Amelose und hatte nach Pahles in Mornshausen geheiratet.

Jochum, Weyandt (* 06.10.1667, Reitz auf Amelose, † 18.05.1739, Pahles in Mornshausen) ⚭ 14.10.1700 Juncker, Elisabetha (* 05.12.1680 Pahles in Mornshausen, † 25.06.1752, Pahles in Mornshausen)

Ihre Kinder waren:

  • Hans Henrich, * 10.07.1718, er erbaute Scheffersch, siehe unten
  • Henrich, * 04.10.1721, er übernahm das Pahles-Elternhaus, ⚭ 16.11.1752 Gertraud Rinck aus Schlierbach, * 12.04.1732, † 29.06.1804; Nachfolger im Pahles-Haus war Johann Adam Jochum (1758–1827)

Hans Henrich Jochum (1718–1789) wohnte mit seiner Frau vorübergehend außerhalb des Kirchspiels, das erste Kind in Mornshausen wurde am 20. Oktober 1748 geboren.

Jochum, Hans Henrich (1718–1789) ⚭ Juncker, Elisabeth (1715–1773)

Erfasst sind die Kinder

  • Maria, * 1737 außerhalb des Kirchspiels Dautphe (errechnet aus Sterbedatum 1773, 67 J.)
  • Johann Werner, * 20.10.1748

Hans Henrich Jochum war Schäfer und baute das Haus am damaligen Ende des Dorfes mit Ausgang in Richtung Hommertshausen. Er überlebte seinen Schwiegersohn Johannes Theiß aus Katzenbach. Erst der Enkel, Johannes Debus (1768–1822) übernahm 1805 das Haus.

Das Bild rechts zeigt das Fachwerkhaus von Scheffersch um die Jahrhundertwende. Der Blick auf das Haus geht in Richtung Dorfmitte.

In der Kirchenstuhl-Liste von 1851 trägt das Haus die Nummer 20. In der Darstellung der Karte von Mornshausen links ist die Lage des Hauses im heutigen Ort mit Kirchenstuhl-Nummer 20 eingetragen.

An der Stelle des Fachwerk-Wohnhauses steht heute ein modernes Wohnhaus, Steinhardtweg 5.

Johannes Theiß Debus (1744–1775)

Mit der Heirat im Jahre 1764 zwischen Johann Theiß Debus aus Katzenbach und Maria Jochum in Mornshausen entstand eine Debus-Linie, aus der viele Debus-Vertreter in und außerhalb des Hinterlandes abstammen. So gehören dazu die Autoren Jörg Debus (Kombach), Friedrich Debus (Bochum), und ich, Günter Debus (Aachen). Auch gehören dazu eine Reihe von hier besprochenen Debus-Vertretern innerhalb und außerhalb des Hinterlandes. Angesichts der wirtschaftlichen Not im Hinterland wanderten im 19. Jahrhundert viele aus, z. T. in die damaligen aufblühenden Wirtschaftsregionen, wie das Siegerland oder das Ruhrgebiet, oder auch nach Übersee.

Mornshausen war dem dort hin verschlagenen, in Katzenbach geborenen Johann Theiß Debus nicht fremd. Seine Mutter, die Frau des Johannes Theis Debus (1706–1774) aus Pahles in Katzenbach, stammte aus Mornshausen (siehe Die Zißler-Familien im Hof Wirths in Mornshausen im 18. Jahrhundert): Gertraud Zißler kam dort 1702 zur Welt. Und seine Tante Anna Katharina aus Pahles in Katzenbach war nach Mornshausen in das Zißler-Haus (Wirths) verheiratet. Die Doppelhochzeit der Debus-Zißler-Geschwister lag 38 Jahre zurück (1726). 1764, im Jahr der Heirat von Johann Theis Debus (1744–1775) lebte im Wirths-Haus sein – von Vaters und Mutters Seite verwandter – Cousin, der 1731 geborene Johannes Zißler (1731–1792); er heiratete 1748. Die Tante Anna Katharina war bereits 1740 verstorben. Deren Mann, Johannes Zißler (1710–1771) heiratete 1741 ein zweites Mal.

Schon vor der Doppelhochzeit 1726 gab es Kontakte zwischen Mornshausen und den Debus-Familien in Katzenbach und Friedensdorf (siehe unter (1) Paulus Debus (1635–1699) und (3) Johann Paulus Debus (1684–1724) in Höfe und Familien, Landgrafen und politische Strukturen in Katzenbach): Paulus Debus heiratete 1680 in seiner zweiten Ehe Elisabeth Obergärtner (1644–1694) aus Mornshausen und das Zustandekommen der Doppelhochzeit Debus/Zißler 1726 kann man über Kontakte mit dem Diwes-Haus in Friedensdorf sehen.

Heiratseintrag

(1) Debus, Johann Theiß (* 02.05.1744; † 15.07.1775) ⚭ 26.04.1764 Jochum, Maria (1737–1805, 67 J.)

Heiratseintrag

Wiedergegeben ist die Kopie einer Seite (Nr. 97) aus einem Kirchenbuch von Dautphe. Im 18. Jahrhundert verwendete man vielfach noch die lateinische Sprache, deshalb finden wir verschiedene lateinische Begriffe wie Nomina (Namen), in abgekürzter Version Copulation (Heirat), et (und), Proclamation (Bekundung), anno (im Jahre), Majus (Mai) und nihil (keine).

Der Eintrag beginnt mit:

„Johann Theiß Debus, Johann Theiß Debus, K. Senior u. Beständer des Herrschaftlichen Hof Guthes zu Katzenbach ehel. Sohn und Maria Hans Heinrich Jochums zu Mornhausen ehel. Tochter.“

Vermerkt ist der Tod von Johann Theiß Debus: „mort.: 1775, 15. Juli, alt 31 Jahr“

Unten wird für 1764 summiert:

„Summa: 2 Paar Copulationen und 1 Paar Proclamationen
April 26. De Anna 1764“

Ihre Kinder waren:

  • Andreas, 1765–1766
  • Elisabeth, * 1766, ⚭ 1793 Johann Jost Werner in Wolfgruben
  • Johannes, * 12.02.1768, ⚭ 1793 Magdalene Werner aus Schäfers in Wolfgruben; er übernahm den Hof, † 21.02.1793
  • Hans Henrich * 1770, ⚭ 1791 Elisabeth Lotz in Pitzers in Hommertshausen; † 08.05.1834; siehe Biographie Pitzers-Haus links neben der Kirche: Hans Henrich Debus (1770–1834)
Sterbeeintrag für Johann Theiß Debus 1775

1775, elf Jahre nach der Heirat, starb Johann Theiß im Alter von 31 Jahren, 2 Monaten und 13 Tagen. Der Sterbetag ist der 15. Juli. Woran er gestorben ist, ist nicht vermerkt. Er hinterließ seine um 8 Jahre ältere Frau als Witwe im Alter von 37 Jahren. Ihre Kinder waren im Alter 10, 9, 7 und 2 Jahren; Andreas war bereits 1766, ein Jahr nach der Geburt, gestorben. Der Großvater aus Mornshausen Hans Henrich Jochum (1718–1789) lebte zu jener Zeit noch, er war 57 Jahre alt, die Großmutter ist zwei Jahre vor ihrem Schwiegersohn verstorben.

Ab 1790, ein Jahr nach dem Tod des Großvaters Hans Henrich Jochum, wird in der Haferliste als Eigentümer des Scheffersch-Hauses dessen Tochter Maria Debus, geb. Jochum, geführt, nicht Johann Theiß Debus. Zu diesem Zeitpunkt wohnen noch die beiden Söhne im Haus, Hans Henrich und Johannes.

Wie ging es mit der Familie nach dem Tod des Vaters, Johann Theiß Debus, weiter?

1791 heiratete im Alter von 21 Jahren Hans Henrich, geb. 1770, nach Hommertshausen. 1793 fand die Doppelheirat von Johannes und Elisabeth mit den Geschwistern Johann Jost und Magdalena Werner in Wolfgruben statt (aus dem Haus Schäfers). Diese Heirat wurde 1792 durch Regelung der Erbschaften vorbereitet. Hierzu wurde ein Ehevertrag geschlossen, in dem festgehalten ist, dass Sohn Johannes mit seiner Braut Magdalene aus Wolfgruben im Hof verbleibt, die Mutter (Maria, geb. Jochum) versorgt und an den Bruder 350 Gulden Frankfurter Währung zahlt. Der im Vertrag gemeinte Bruder ist der nach Hommertshausen verheiratete Hans Henrich Debus. Der konnte dort mit Hilfe dieses Geldes ein Haus bauen.

Bezüglich der Tochter wird eine Tausch-Vereinbarung getroffen: Sie nimmt nichts an Vermögen von Mornshausen mit nach Wolfgruben und die Schwiegertochter aus Wolfgruben bringt nichts von dort mit nach Mornshausen. Jedoch wird der Bräutigam der Schwester verpflichtet, 100 Gulden, gestreckt über drei Jahre, seiner Schwester in Mornshausen auszuzahlen.

Johannes Debus (1768–1822)

Heiratseintrag 1793
Geburtseintrag für Hans Henrich Debus 1810

Ab 1805 ist Johannes Debus als Eigentümer des Scheffersch-Hauses in den Haferlisten geführt.

(2) Debus, Johannes (1768–1822) ⚭ 11.01.1793 Werner, Magdalene (1770–1834) aus Schäfers in Wolfgruben

  • Johannes, * 26.10.1793, † 1809
  • Hans Henrich, * 23.07.1797; er bekannte sich 1816 als leiblicher Vater des mit der unverheiratet gebliebenen Anna Burk (1791–1852) aus Herzhausen gezeugten Sohnes mit Namen Johann Georg II. (1816–1883), heiratet 1826 Margaretha Teutsch (geb. 1800) aus Holzhausen und wanderte 1835 nach Amerika aus (siehe Bescheinigung 1844 unten, auch Auswandererkartei Walter Möller); über seinen weiteren Werdegang ist nichts bekannt.
  • Johannes, * 21.12.1799; er, nochmals auf den Namen Johannes getauft, wurde Polizist und Opfer seines Berufs – siehe Pfeddersheim 1841 – Der Mord an Johannes Debus (1799–1841) aus Mornshausen.
  • Johann Adam, * 17.06.1803, vom Verbleib des Adam Debus ist nichts bekannt.
  • Elisabeth, * 30.01.1806, verheiratet mit Johann Jost Schneider aus Wolfgruben, von den drei Kinder überlebte nur eines (s. unten) und sie selbst starb nach der Geburt des dritten Kindes am 26.09.1833 in Wolfgruben.
  • Hans Henrich Debus, * 05.05.1810, † 03.11.1884 in Mornshausen, der nochmals Hans Henrich getaufte jüngste Sohn (siehe Dokument der Taufeintragung) bleibt im Scheffersch-Haus und heiratete die Tochter des in Friedensdorf tätigen und in Amelose wohnenden Lehrers Müller.

Als der Vater, Johannes Debus, 1822 im Alter von 54 Jahren starb, waren die Kinder im Alter von 12 bis 25 Jahren; der erste Sohn Johannes war bereits gestorben.

Zum Zeitpunkt des Todes der Mutter, 1834, war der Nachfolger im Haus, der 1810 geborene Hans Henrich, noch nicht verheiratet, und der ältere Hans Henrich noch im Lande.

Der Geburtseintrag für ihr siebtes Kind, den sechsten Sohn, den später im Haus verbliebenen Hans Henrich: Er wurde am 5. Mai 1810 geboren.

Paten waren:

  • Hans Henrich Debus aus Hommertshausen
  • Anna, Johann Jacob Jochums Frau aus Friedensdorf

Unterschrieben

  • vom Pfarrer,
  • dem Vater Johannes Debus,
  • Hans Henrich Debus, dem Onkel in Hommertshausen und
  • mit drei Kreuzen als Handzeichen der Anna, Jochums Frau

Hans Henrich Debus (1810–1884)

(3) Debus, Hans Henrich (1810–1884) ⚭ 1837 Margaretha Müller (1810–1860)

Die Familien-Situation in Scheffersch

Margaretha Müller war eine Lehrerstochter: Der Großherzogliche Schullehrer Johann Henrich Müller wohnte in Amelose in Reize-Haus. In der Friedensdorfer Schulchronik des Lehrers Gustav Dietz (s. Dorfchronik Friedensdorf, S. 338) lesen wir

„von einem Zimmer des Johann Jost Wege I. in dem sogenannten ‚Försters‘ Hause, das die Gemeinde im Jahre 1837 zum Schullokale gemiethet hatte. In dieser Zeit hielt ein Lehrer namens Müller dahier Schule. Er wohnte aber auf der Amelose, woselbst er ein Bauerngut besaß.“

Heiratseintrag im Kirchenbuch 1837

In einem damals vorgegebenen standardisierten Text lesen wir den Heiratseintrag:

Links am Rand:

„Hans Henrich Debus zu Mornshausen geb. daselbst 5. Mai 1810 und Margaretha Müller
von der Amelose geb. daselbst 17. März 1810.“

Der Text beginnt mit:

„Im Jahre Christi achtzehnhundert sieben und dreißig sonntags am sechzehnten April wurden, nach .........“

Es wird im Eintrag wörtlich vermerkt,

„dass nach Wahrung der ökonomischen Erfordernisse und wegen Erzeugung einiger Kinder ohne vorherige Proklamation es sind dies Johann Henrich Debus, geb. 8.11.1834, Sohn Adam, geb. 16.2.1836 und Tochter Elisabeth, geb. 21.1.1837.“

Nach der Heirat folgten noch weitere Kinder, insgesamt elf, von denen zwei schon als Säuglinge im Alter von zwei bzw. drei Jahren starben.

Unterzeichnet wird der Heiratseintrag von

  • dem Brautvater Johann Heinrich Müller
  • dem Bräutigamsvater Johannes Debus und
  • dem Pfarrer Friedrich Carl Steinfeld (o. ä.)

Im Text erfahren wir, dass der Sohn des Ackermanns und Strumpfhändlers vom Scheffersch-Hof in Mornshausen eine Lehrerstochter aus Amelose heiratet.

Die Geburt des ersten Sohnes Johann Henrich Debus (* 1834)

Drei Jahre vor der Heirat, 1834, finden wir den ersten Eintrag für die Taufe des ersten gemeinsamen Kindes:

„Im Jahre Christi achtzehnhundert vier und dreißig samstags am achten November abends um sechs Uhr wurde nach gesehener glaubhafter Anzeige dem Hans Henrich Debus Ortsbürger und Ackermann in der zur hiesigen Pfarrei gehörigen Filiale Mornshausen in Schäfers Haus von seiner verlobten Margaretha, eine geborene Müller von der zur hiesigen Pfarrei gehörigen Amelose, das erste Kind, ein Sohn, der erste Sohn geboren welcher am folgenden Tage getauft wurde, wobei er den Namen Johann Heinrich erhielt.“

Taufpaten sind

  • (1) Johann Heinrich Müller, Ortsbürger aus der besagten Amelose und Schullehrer in dem zur hiesigen Pfarrei gehörigen Filiale Friedensdorf.
  • (2) Elisabeth, des Johann Jost Werner, Ortsbürger und Ackermann zu Wolfgruben im Kreise Biedenkopf Ehefrau

welche dies Protokoll nebst dem Vater des Kindes und mir, dem Pfarrer dahier, der die Taufe verrichtete, unterschrieben haben.

Gez.

  • Hans Henrich Debus
  • Joh. Heinrich Müller, Schullehrer
  • XXX Handzeichen der Ehefrau
  • zu beglaubigen Friedrich Carl Raufeld Pf.“

Die Kinder in Überblick:

  • Johann Henrich, * 08.11.1834, ⚭ 24.12.1858 Wilhelmine Christ. Bräucker, Wellingkofen, er wanderte mit seinem Bruder Adam aus ins Ruhrgebiet, siehe Biographie
  • Adam, * 16.02.1836, mit älterem Bruder Johann Henrich ins Ruhrgebiet ausgewandert, dort ledig früh verstorben, siehe Biographie zum älteren Bruder, Johann Henrich Debus (1834–1884)
  • Elisabetha, * 21.01.1837, † 04.03.1875, ⚭ Johann Jost Wege in Hommertshausen
  • Johannes, * 18.02.1839, † 18.11.1893, ⚭ 31.03.1867 Elisabeth Kaufmann in Dautphe, übernahm das Scheffersch-Haus
  • Johann Jost, * 21.03.1841, nach Hörensagen: Er war Bergmann und soll mit einer englischen Gesellschaft nach Calcutta ausgewandert sein und dort eine Inderin geheiratet haben, er galt als „Waghals“.
  • Henrich, * 19.07.1843, nach Hörensagen: Verzogen 1867 nach Wixhausen bei Darmstadt, er war in Gießen als Schlosser bei der Bahn und ist während der Arbeit tödlich verunglückt.
  • Johann Georg, * 02.12.1845, ⚭ 1894 in Neu Ahseln bei Dortmund
  • Ludwig, * 05.06.1848, 17.08.1848
  • Andreas, * 04.10.1849, † 23.01.1850
  • Jost, * 16.03.1854
  • Ludwig Heinrich, * 21.02.1857

Ein Sohn Heinrich (welcher?) zog nach Weidenau und war dort als Gerichtsvollzieher tätig.

In meiner (Friedrich Debus, Bochum) Sammlung von Dokumenten gibt es eine „Bescheinigung“ und ein „Veräußerungsdecret“, aus denen Erbschaftsregelungen im Scheffersch-Haus hervorgehen. Beide Dokumente werden hier zur Illustration solcher Regelungen in der damaligen Zeit aufgenommen.[1]

Bescheinigung 1844[2]

Bescheinigung 1844

„Daß die Eltern des Heinrich Debus zu Mornshausen sowohl der Vater [† 1822] als die Mutter [† 1834] sowie dessen Bruder Johannes Debus [† 1809] gestorben und der älteste Bruder Hans Henrich Debus mit seiner Ehefrau [geheiratet 1826] nach Amerika ausgewandert sind [1835] auch soviel mir bekannt keine Forderungen an den benanten Heinrich Debus machen vielmehr zu machen habend auf sämtliche Güter (Haus, Hof, Acker u. Wiese) wie solches in den unter dem 24.12.1823, den seine Mutter und Geschwister übergeben, demselben im Grundbuch zugeschrieben sind, solches bescheinigt der Warheit gemäß.

Mornshausen 21. März 1844

Der Bürgermeister
Fischbach“

Veräußerungsdecret

Beginn:

„Nachdem die bereits am 13. November 1837 [Heirat von Hans Henrich Debus und Margaretha geb. Müller am 16.4.1837] dahier stattgehabte confae cognitis ergebend, dass der Übergabs-Contract

zwischen Johannes Debus Witwe und deren großjährigen Kindern Hans Henrich Debus und dessen Ehefrau Margaretha, Johannes Debus, Adam Debus aus Mornshausen, Johann Jost Schneider von Wolfgruben, letzterem für sein Kind Elisabetha einerseits“

Anmerkung: Das minderjährige Kind des Johann Jost Schneider zu Wolfgruben aus 1. Ehe ist Elisabeth Schneider, geb. 1831, einziges überlebendes Kind der Tochter Elisabeth Debus aus Schäffers-Haus. Die Mutter war 1806 geboren und bereits 1833 gestorben. Ihr erstes Kind Johann Paul Schneider (geb. am 3. Oktober 1828) starb im Alter von drei Jahren (3. Februar 1832). Sie selbst starb wenige Tage nach der Geburt des dritten Kindes (16. September 1833) am ...

„sodann Heinrich Debus und dessen Braut, Margaretha Müller des Schullehrer Müllers Tochter zu Amelose bey Mornshausen andererseits –

Wie soloches namentlich am 27ten Dezember 1833 von Gr. Landgericht in loco Mornshausen errichtet worden, für das minderjährige Kind des Joh. Jost Schneider zu Wolfgruben aus 1. Ehe nützlich und derselbe die Erbauseinandersetzung auch nothwendig erscheint, als wird dieser Übergabekontract in Bezug auf das minderjährige Kind des Johannes Jost Schneider aus erster Ehe nachträglich mit dem Vermerken ergänzeth, dass die Ertheilung zu gegenwärtigen Veräußerungen damals bis-“

Seite 2:

„her deshalb unterbliebens... bisher ... (usw)

Deshalb unter..., weil der Übernehmer Heinrich Debus zu Mornhausen, die Sache bisher auf sich beruhen lassen.

Biedenkopf den 9. März 1849

Großherzogl. Hess. Landgericht“

Scheffersch und die Familien-Situation in Wolfgruben

Wolfgruben ist aus Scheffersch-Haus in Mornshausen aus zwei Generationen mit Nachkommen bereichert worden. Die Familienereignisse in Wolfgruben betreffen die Nachkommen einer Schwester und einer Tante von Hans Henrich Debus, liegen aber in der Lebenszeit der hier berichteten Familie von Hans Henrich Debus und Margaretha geb. Müller.

Johann Jost Werner III (* 14.09.1794; † 20.10.1848) ist das einzige hinterlassene Kind der in der Geschwisterhochzeit 1793 nach Wolfgruben verheirateten und am 10. April 1836 verstorbenen Elisabeth geb. Debus. Sein Vater Johannes Jost Werner (* 16.10.1772; † 20.07.1854) ist im Alter von 81 Jahren, 9 Monaten und 3 Tagen im Gruwes-Haus in Wolfgruben gestorben.

Johann Jost Werner III hatte mit seiner Frau Magdalena Muth aus Wolfgruben 6 Kinder, davon zwei, die weiter verfolgt werden können:

Katharina Werner, * 10.03.1823, heiratete am 19.06.1842 nach Buchenau in erster Ehe Ludwig Muth (1821–1845) und bekam mit ihm zwei Kinder

  • Elisabeth Muth (1843–1912, verh. Schöbener
  • Hermann Muth (1844–1854)

Ihr Mann starb am 13. Januar 1845, „nachdem er am Tage vorher beim Holzmachen in der Drieschtal von einer umstürzenden Buche schwer verletzt worden war“.

Zwei Jahre später heiratete sie am 23. Mai 1847 ihren Schwager Johann II Muth (1823–1888) aus Buchenau und hat mit diesem in zweiter Ehe noch einmal 10 Kinder, vier sind hier aufgeführt.

Katharina Muth ⚭ Johann Muth II

  • Magdalena Muth (1847–1883), verh. Scheu
  • Johannes IV Muth (1850–1923)
  • Magdalena Muth (1854–1895), verh. Kamm
  • Anna Elisabeth Muth (1857–1916), verh. Schäfer

Katharina Muth, geb. Werner, starb 1888 am Heiligabend 65-jährig.

Elisabeth Magdalena Werner, geb. 14.04.1825, heiratete Johannes II Muth, geb. am 27.04.1828, aus Kombach und hatte dort mit diesem vier Kinder, von denen Johannes und Elisabeth nur mit Geburtsdatum eingetragen sind: 1858 und 1863.

Elisabeth Schneider (1831–1910), die Tochter der nach Wolfgruben verheirateten Elisabeth Schneider, geb. Debus, aus Scheffersch-Haus in Mornshausen und Cousine von Hans Henrich Debus, wuchs nach dem Tod ihrer Mutter 1833 beim Vater, der eine neue Heirat einging, auf. Der Vater, Johann Jost Schneider (* 26.12.1796; † 24.03.1867) heiratete Elisabeth Werner (* 05.01.1808) aus Wolfgruben, Tochter von Johann Weigand Werner aus Eckelshausen und Elisabetha Schmidt aus Wolfgruben.

Elisabeth wuchs mit einem Stiefbruder auf, Weigand II Werner (* 31.01.1828), Sohn von Johannes Fischbach und Elisabeth Werner, und sechs Halbgeschwistern. Elisabeth Schneider heiratete in erster Ehe Johannes III Becker und in zweiter Ehe Johann Jakob Becker (beide stammen nicht aus dem Kirchspiel Eckelshausen). In der ersten Ehe bekam sie zwei Kinder, in der zweiten 6 Kinder. Alle wurden in Wolfgruben geboren (1855–1873), mehr ist in den Kirchenbüchern von Eckelshausen nicht dokumentiert. Sie starb 79-jährig am 3. Mai 1910 in Wolfgruben.

Johannes Debus (1839–1893)

Johannes Debus und Elisabeth Kaufmann aus Allendorf heirateten am 31. März 1867. Elisabeth kommt aus Hans-Haus in Allendorf, beide Elternteile sind gebürtige Allendorfer, Heinrich Kaufmann und Anna, geb. Jacobi. Elisabeth war das siebte Kind.

(4) Debus, Johannes (1839–1893) ⚭ 1867 Kaufmann, Elisabeth (1840–1907) Ihre ersten beiden Kinder sind kurz nach der Geburt gestorben (1868, 1869). Weitere Kinder:

  • Adam Debus, * 14.06.1870, heiratete 1895 in Weidenau Eva Otto
  • Andreas Debus, * 1872, starb 1876 im Alter von drei Jahren
  • Anna Debus, * 23.06.1874, blieb im Elternhaus Schäffers und brachte mit ihrem Mann Johann Heinrich Werner aus Enners-Haus in Dautphe den Nachnamen Werner ins Haus
  • Elisabeth Debus, * 01.07.1876, ist weggezogen
  • Heinrich Debus, * 10.05.1878, soll nach Siegen verzogen sein
  • Jakob Debus, * 31.05.1880, soll nach ??Brlante??

Die Kinder wurden in der Zeit groß, als im nahen Siegerland Wirtschaft und Industrie blühten. Ältere Personen wissen heute noch aus erster Hand von ihren Großeltern, wie viele Männer damals ins Siegerland wanderten, für Wochen weg waren, teils zu Fuß gingen und erst mit dem Bau der Bahn von Marburg nach Siegen – 1883 bis Laasphe und 1889 bis Siegen – mit Fahrkarte zum Ziel kamen.

Als der Vater, Johannes Debus, am 18. November 1893 starb, war der älteste Sohn 23 und der jüngste 13 Jahre alt. Das erklärt, weshalb im Adressbuch des Kreises Biedenkopf 1895 kein Debus in Mornshausen verzeichnet ist. Anna Debus war erst 21 Jahre alt, noch nicht verheiratet und als Frau wäre sie sowieso nicht aufgenommen worden.

Johann Heinrich Werner (1867–1945)

Verwandtenbesuch 1932 bei Scheffersch in Mornshausen. Auf dem Bild zu sehen: im Hintergrund der Besucher Dr. Friedrich Debus aus Bochum, davor von links nach rechts: Mutter Elisabeth Müller, geb. Werner, Großmutter Anna Werner (geb. Debus) mit Enkelkind Tilli Müller, Elisabeth Debus, die Tochter von Friedrich Debus, und der Vater im Hause, Wilhelm Müller

(5) Werner, Johann Heinrich (1867–1945) ⚭ 1896 Debus, Anna (1874–1945)

  • Hermann * 1898, ⚭ nach Dautphe, † 1973 Dautphe
  • Elisabeth * 1899, ⚭ 1927 Wilhelm Müller, übernahm das Haus
  • Anna * 1904

Schon vor dem Ersten Weltkrieg kam Dr. Friedrich Debus (1888–1957) aus Bochum öfters ins hessische Hinterland und suchte auch das Scheffersch-Haus in Mornshausen auf. Aus diesem Haus stammte sein Großvater Hans Henrich Debus (1834–1884), der von Mornshausen ins Ruhrgebiet ausgewandert war (siehe oben).

Friedrich Debus hatte drei Semester (1909–1910) in Marburg studiert und es war naheliegend, die Stätten seiner Vorfahren zu erkunden. In 1932 war er wieder einmal in Mornshausen, diesmal mit Photoapparat. Das Bild zeigt ihn zusammen mit der Scheffersch-Familie auf dem Hof des Hauses.

Damals war das Wohnhaus in Fachwerk aus der Bauzeit Mitte des 18. Jahrhunderts (siehe Bild oben) schon abgerissen und durch einen Backsteinbau ersetzt worden. Der Stall ist noch in Fachwerk erhalten.

Wilhelm Müller (* 1902)

(6) Müller

Rosemarie Müller

Rosemarie Müller vor der „alten“ Scheune bei meinem Besuch 2010 (GD)

In 2010 suchte ich, Günter Debus, das Scheffersch-Haus auf und traf Rosemarie Müller auf dem Hof, wo sie alleine wohnt. Als ich mich vorstellte und vom Kontakt zu Friedrich Debus in Bochum sprach, dem Neffen von Dr. Fritz Debus, der in den 20er Jahren von seinem Studienort Marburg das Scheffersch-Haus besuchte, wusste sie sofort Bescheid.

Wir kamen ins Erzählen und vor der Verabschiedung machte ich ein Bild von ihr vor einem noch erhaltenen Fachwerk-Bau gegenüber dem Hauseingang.

Die prächtig blühenden Blumen und der Fliederbaum im Vorgarten zeugen davon, dass es Frühjahr war.

Anmerkungen

  1. Herrn Arthur Kraft, Holzhausen, sei hiermit für seine Hilfe bei der Transkription gedankt
  2. siehe auch Auswandererkartei Walter Möller