Debus in der Bundenbergsmühle in Buchenau seit 1685 bis heute

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Günter Debus

Historische Mühle

Karte aus dem Jahre 1847 mit Markierungen der Mühlen

Die Bundenbergsmühle in Buchenau liegt am Ortsausgang von Buchenau in Richtung Marburg, rechts von der Bundesstraße auf erniedrigter Ebene der Lahnwiesen.

Auf dem Ausschnitt der Karte des Großherzogtums Hessen ist die Bundenbergsmühle neben den Mühlen in und um Friedensdorf eingetragen: die Ortmühle, die Neumühle und die Schmelzmühle.

Bislang haben Recherchen in Archiven keine Dokumente zur Geschichte der Bundenbergsmühle erbracht. Auch gibt es im jetzigen Gebäude keine aufbewahrten Dokumente. Zwar lassen sich die Generationen der Debus-Familie in der Bundenbergsmühle darstellen, es ist jedoch wegen bislang fehlender Recherche-Ergebnisse kein geschichtlicher Abriss der Mühle möglich.

Dieser Beitrag geht lediglich auf die Zeit von Matthäus Debus und kurz davor ein.

Müller der Mühle vor 1672

Die Bundenbergsmühle existierte schon, bevor Matthäus Debus aus Friedensdorf (siehe Matthäus Debus (1648–1712) als Müller in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg) sie ab 1672 betrieb.

Davor wird als Müller der Bundenbergsmühle Hartmann Kamm, der vor 1640 geheiratet haben muss (Magdalena NN) genannt († vor 1681; Müller auf der Bundenbergsmühle).

Der 1641 geborene Sohn von Hartmann Kamm, Jost Kamm, verließ 1669 die Bundenbergsmühle, denn er heiratete in die Holzhäuser Mühle ein und übernahm sie. Als Paten bei den Kamm-Nachkommen in Holzhausen befinden sich auch etliche Kamm-Bewohner aus der Bundenbergsmühle in Buchenau, z. B. Pateneintrag in Holzhausen im Jahre 1703: Johann Jacob Kamm aus Buchenau ist Pate für des Müllers Johann Jost Kamm’s Sohn. Das könnte der um 1675 geborene Johann Jacob Kamm (Familienbuch Buchenau) sein, verheiratet mit einer Magdalena (Familienbuch Buchenau).[1]

Matthäus Debus (1648–1712)

Er selbst ist der Stammfamilie der Debus in Friedensdorf zugeordnet (siehe Das Debus-Stammhaus Kaute in Friedensdorf und Graphik zu Debus-Familien in und um Friedensdorf vor und nach 1700). Zum Zeitpunkt seiner Geburt – 1648 – war der Dreißigjährige Krieg gerade zu Ende gegangen und das Stammhaus der Debus muss nach den jetzigen Recherchen zerstört oder unbewohnbar gewesen sein. Zwei seiner Geschwister heirateten in das nah gelegene Katzenbach: sein Bruder Paulus begründete mit seiner Heirat 1656 den Pahles-Hof und seine Schwester Elisabeth heiratete in den Nachbarhof Enners in Katzenbach ein.

Matthäus Debus[2] war nur vorübergehend Müller in der Bundenbergsmühle. Statt seiner übernahm sein auf der Neumühle in Friedensdorf 1685 geborener Sohn Andreas[3] die Mühle. Von diesem Zeitpunkt an bis heute ist die Bundenbergsmühle in der Hand der Debus-Familie.

Bilder aus der Zeit um 1900

Einige Bilder aus der Fotosammlung in der Bundenbergsmühle veranschaulichen uns, wie das Mühlen-Gehöft vor 100 Jahren ausgesehen hat. Der Fachwerkbau, so wie man ihn auf Fotos sieht, stammt aus dem Jahr 1836.

Vier Familiengenerationen

Die Bundenbergsmühle aus der Sicht vom hinteren Teich aus gemalt

Debus, Johannes V. (1843–1913) ⚭ 26.12.1872 Wege, Anna Gertraud (1848–1886) aus Buchenau

Von den sechs eingetragenen Geburten erreichte nur der der zweite Sohn Johannes das Erwachsenenalter. Aus der zweiten Ehe des Johannes Debus V. mit Katharina Junker aus Mornshausen/Dautphe (1854–1886) ging Katharina (1890–1967) hervor, ein zweites Kind starb nach wenigen Wochen.

  • Johannes * 25.02.1875, † 02.02.1938, übernahm die Mühle
  • Katharina * 18.04.1890, † 06.09.1967

Debus, Johannes (1875–1938) ⚭ 17.12.1904 Dersch, Anna Gertraud (1882–1906) aus Buchenau

Anmerkung: Die Mutter von Anna Gertraud Dersch, die zweite Frau des Schreinermeisters Johannes Dersch IV. (1827–1894) in Buchenau, war eine geborene Debus: Christiane Wilhelmine Debus (1855–1939), geboren in Elnhausen. Die erste Frau des Johannes Dersch IV stammte aus Engelbach (Christiane Heiliger, 1826–1874, ⚭ 1855). Die Eltern der Christiane Wilhelmine Debus waren Johannes Christian Debus IV (* 1830) aus Buchenau (FbB 0234) und Anna Catharina Groß aus Elnhausen. Verfolgt man diesen Debus weiter zurück, so kommt man über Heinrich Debus (1793–1859, FbB 0207) zu Johann Jost Debus (FbB 0200), der – aus dem Casselischen stammend – als Müllerbursche in Buchenau gearbeitet und dort geheiratet hatte. Insofern besteht eine verwandtschaftliche Verbindung zwischen den Nachkommen des Johannes Debus X (siehe Biographie) und den Bewohnern der Bundenbergsmühle.

Debus, Karl (30.07.1902–06.12.1989) ⚭ 07.01.1923 Muth, Katharina (07.07.1900–23.03.1976)

Ihre zwei Kinder waren:

  • Magdalena * 1923, verheiratete Weber
  • Karl * 1931

Debus, Karl (* 16.10.1931) ⚭ 21.05.1955 Blöcher, Marta (* 05.07.1932) aus Schullehrersch in Weifenbach

Der Großvater von Marta Debus war Lehrer gewesen. Ihre Schwester Klara heiratete auch einen Debus, Karl II Debus in Hans-Haus in Eckelshausen (siehe Hans Georg Debus (1737–1809) aus Katzenbach in Hans in Eckelshausen).

Karl Debus und Günter Debus im Gespräch, März 2013

Karl Debus und Frau Marta im April 2013

Karl Debus (* 1931) ist der gegenwärtige Eigentümer des Anwesens.

Es war an einem frühlingshaft sonnigen Sonntagmorgen im April 2013, als ich – Günter Debus – mit Karl Debus zusammensaß und über die Geschichte der Mühle sprach. Karls Frau Marta war im Hintergrund mit Küchenarbeit beschäftigt und beteiligte sich hin und wieder am Gespräch. Ich schaute durch das Küchenfenster direkt auf die sehr nah vorbeiführende Bundesstraße. Die gemütliche Atmosphäre ließ uns schnell zum Du kommen.

Marta und Karl haben 1956 geheiratet. Vor 7 Jahren haben sie Goldene Hochzeit gefeiert, die Inschrift auf der Bank auf dem Hof verrät es jedem Besucher. Für ein gemeinsames Foto haben sich beide zusammen auf die Küchenbank gesetzt.

Dort, wo wir jetzt sitzen, gab es früher – das heißt: noch in den fünfziger Jahren – keinen hölzernen oder steinernen Fußboden. Sand war ausgestreut – und das auf dem Erdboden. Die Wände waren nicht gerade wie heute.

Ich erzähle, dass es Matthias Debus (1648–1712) war, der nicht nur Müller auf der Ortmühle, aus dem seine Frau stammte, und der Neumühle, sondern auch zeitweise Müller in der Bundenbergsmühle war. Dort wurde der Sohn Andreas geboren, mit dem die Debus-Generationen als Müller auf der Bundenbergsmühle bis heute – bis Karl Debus – fortgesetzt wurden. Dass der Beginn der Debus-Familie in der Bundenbergsmühle nun geklärt sei, verdankten wir vor allem der Mitwirkung von Helmut Mankel aus Holzhausen/Dautphetal.

Karls Lehrjahre

Karl machte seine Lehre als Müller in der Neumühle in Friedensdorf, beim Ortmüller: 1945 bis 1948. Zu dieser Zeit war sein Vater in französischer Gefangenschaft. Im Brief von dort hatte er ihm die Lehre in der Neumühle empfohlen. Als der Vater 1947 zurückkam, war Karl noch in der Lehre.

Mühlrad und Turbine

Bis 1928 war die Mühle ausschließlich Mühlrad-betrieben, dann durch Turbine, was einen enormen technischen Fortschritt bedeutete. Dieser Wandel geschah schon zur Zeit von Karls Vater, Karl Debus (1902–1989). Im Maschinenraum ist die Turbine noch zu sehen, nicht mehr das Mühlrad draußen. Zwei Bilder geben einen Einblick in den Maschinenraum.

Der Aufstieg in den Arbeitsraum der Mühle geht über runde Sandsteinblöcke. Die müssen nach Karls Einschätzung sehr alt sein. Im Arbeitsraum selbst gibt es nur Weniges, das an das Getreide-Mahlen erinnert: zwei Schächte aus dem Dachboden.

Mühlgraben

Der Mühlgraben

Der Mühlgraben verlief damals aber anders, als man heute vermutet. Daran sind – so berichtet Karl – die Amerikaner schuld, als sie in 1945 nur unweit in Richtung Dorf mit ihren Panzern lagerten. Es kam zu einer riesigen Überschwemmung und das Lahnbett musste umgelegt sowie der Zufluss zur Mühle geändert werden.

Schmiede und Hühnerhaus

Nach dem Krieg hatten sie für die Behringwerke Bruthühner gehalten. Dafür hatten sie auf der anderen Straßenseite ein Hühnerhaus. Daneben war ihre Schmiede. Beide Häuschen sind auf einem Bild (oben) zu sehen.

Stilllegung der Mühle

1960 wurde die Mühle stillgelegt. Es lohnte nicht mehr, nachdem die Mühlenbäckerei in Caldern ihre Arbeit aufgenommen hatte. Karl war damals 29 Jahre alt. Seine Eltern haben das noch erlebt. Der Vater war gerade 58 geworden.

Einstellung der Landwirtschaft

1994 – Karl war 63 Jahre alt – wurde auch die Landwirtschaft eingestellt. Als sein Vater ihm 1968 das Anwesen übertrug, schaffte Karl als erste Aktion einen Schlepper an. Vorher hatten sie immer Pferde gehabt. Sie hatten 6,8 ha, die Schwester des Großvaters hatte bei ihrer Heirat einen Hektar „mitgenommen“.

Und die fünfte Generation?

Wo sind die vier Kinder von Karl und Marta Debus? Sie kommen gerne zu Besuch in die Mühle. Sie haben ihre eigenen Familien. Der älteste Sohn hat ein Kind, die drei weiteren Söhne jeweils zwei Kinder. Für die sieben Enkelkinder von Karl und Marta ist das Mühlengehöft ein gern aufgesuchter Ort. Doch wer wird die Mühle einmal übernehmen? Darauf gibt es noch keine Antwort. Karl und Marta Debus schauen dennoch zuversichtlich in die Zukunft, erkennbar getragen von dem Beistand der jungen Familien.

Anmerkungen und Nachweise

  1. Diese Angaben sind Helmut Mankel aus Holzhausen zu verdanken.
  2. Im von Anneliese Westmeier herausgegebenen Familienbuch Buchenau/Lahn ist Matthäus Debus als Matheus Debus unter der Nummer 0190 aufgeführt.
  3. Im von Anneliese Westmeier herausgegebenen Familienbuch Buchenau/Lahn ist Andreas Debus unter der Nummer 0191 aufgeführt.