Biebighausen war einmal zweitkleinste Gemeinde in Hessen

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Alfred Schärer[1]

Blick auf das Biebighausen – drei der sieben Häuser – der 1920er Jahre.
Vorne die kleine Emmi Hoch auf dem Weg in die Reddinghäuser Schule.

Das oben stehende Bild erinnert uns an die Gebietsreform der frühen 1970-er Jahre. Biebighausen war einmal die zweitkleinste Gemeinde in Hessen und schloss sich am 1. Juli 1971 mit seinen damals 27 Einwohnern freiwillig der neuen Großgemeinde Hatzfeld an. Damit wurde ein Zustand wieder hergestellt, der über Jahrhunderte bestand. Biebighausen wird erstmals 1395 erwähnt. Armin Sieburg, Marburg, schreibt dazu in den Hatzfelder Heften, 6. Jahrgang 1995, auf Seite 10:

„Mit Urkunde vom 16. Oktober 1395 überlassen Siegfried von Biedenfeld und seine Ehefrau Gela ihren halben Hof zu Bubinghausen an Johann von Hatzfeld und dessen Ehefrau Jutta. In der Folgezeit war der ganze Hof im Besitz der Familie von Hatzfeld …“

Im Hatzfelder Salbuch von 1590 erfahren wir, dass er im Besitz des Johann Gebhard von Hatzfeld war. In den folgenden Jahrhunderten wird Biebighausen kaum erwähnt, weil es ja zu Hatzfeld gehörte, also kommunalpolitisch keine eigene selbständige Einheit war. Das gilt auch für das Battenberger Salbuch von 1711/12. In ihm werden alle Städte und Dörfer des Amtes Battenberg aufgeführt und die Stadt Hatzfeld mit Frohnhausen und Oberasphe. Doch Biebighausen finden wir nicht.

1832 eigene Gemeinde

Erst im Jahr 1832 ändert sich das völlig. Die beiden Hofbesitzer Johannes Benner und Tobias Spieß stellen in einem Schreiben vom 12. August den Antrag, Biebighausen zu einer selbständigen Gemeinde zu machen, also von Hatzfeld zu lösen. Sie begründen ihren Vorschlag mit der Abgelegenheit des Weilers und ihrer Gemarkung. Fast ein Jahr lassen sich die Behörden in Darmstadt und Biedenkopf Zeit, bis sie am 23. Mai 1832 diesem Vorschlag zustimmen.

Biebighausen wird von Hatzfeld gelöst und damit eine eigene selbständige Gemeinde. Daran hatte zuvor ein Protestschreiben der Stadt Hatzfeld nichts ändern können. Allerdings gehört der Ort schulisch und kirchlich weiterhin zu Hatzfeld und muss von der nächstliegenden Bürgermeisterei mitverwaltet werden. Doch die Biebighäuser sind wohl bald wieder anderer Ansicht. Wie Armin Sieburg (siehe oben) mitteilt, stellen bereits fünf Biebighäuser am 15. Januar 1834 den Antrag, die Loslösung von Hatzfeld wieder rückgängig zu machen. Es sind die Ortsbewohner Johannes Beuner – ein Antragsteller beim Bemühen um Selbständigkeit im Jahre 1831 – Johannes Groß L, Daniel Womelsclorf 1., Daniel Womelsdorf II. und Philipp Womelsdorf. Doch Ihr Antrag wird abgelehnt, es bleibt beim Entscheid vom 23. Mai 1832.

Im Jahr 1897 gibt es ein neues Gesetz in Preußen, das auch kleinsten Gemeinden erlaubt, einen eigenen Bürgermeister zu wählen. Dieser erste Biebighäuser Bürgermeister wird dann mit vier von sieben Stimmen am 12. November 1898 gewählt, er heißt Louis Groß.

Um die Jahrhundertwende herum ändert sich in der Beschulung der Biebighäuser Kinder etwas. Ein Forstbeamter stellt den Antrag, dass seine Kinder die Schule in Reddighausen besuchen dürfen und nicht mehr allmorgendlich nach Hatzfeld gehen müssen. Seine Begründung:

Der Schulweg ist um einen Kilometer kürzer. Die Gemeinde Reddighausen ist einverstanden. Bald gehen auch die anderen Biebighäuser Kinder nach Reddighausen zur Schule. Kirchlich ändert sich 1958 wieder etwas. Damals wird Holzhausen von Battenberg und Laisa gelöst und der Pfarrei Hatzfeld zugeschlagen. Daraufhin kommt Biebighausen von Hatzfeld weg und wird der Pfarrei Dodenau zugeteilt (zu der auch Reddighausen gehört).

Gebietsreform stellt alte Lage wieder her

Als dann zu Beginn der 70-er Jahre in Hessen die Gebietsreform begann, besannen sich die Biebighäuser nicht lange und entschieden sich freiwillig für den Anschluss an die Großgemeinde Hatzfeld. Schon Jahre zuvor war durch die Landschulreform in Hessen und die Bildung der Mittelpunktschulen Biebighausen schulisch Hatzfeld zugesprochen worden, wie übrigens Reddighausen auch. Trotz al1er organisatorischen Veränderungen hat Biebighausen immer besondere Beziehungen zu den beiden Nachbarorten Hatzfeld und Reddighausen gehabt.

Quelle

  1. Auszug aus Hinterländer Geschichtsblätter. 79. Jahrgang, Nr. 2, Juli 2000