Auszug aus der Chronik 700 Jahre Oberdieten

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Helmut Weigel

Oberdieten liegt ungefähr in der Mitte zwischen Biedenkopf und Dillenburg an der jetzigen Bundesstraße 253, die um 1843 als Staatsstraße ausgebaut und Mitte der 1930er Jahre zur Reichsstraße 253 erhoben und geteert wurde (vorher war sie nur mit einer wassergebundenen Decke versehen). Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde aus der Reichsstraße eine Bundesstraße.

Für die Entstehung von Oberdieten stehen keine sicheren Anhaltspunkte zur Verfügung. Der Ort ist offensichtlich nach dem ihn durchfließenden Bach Diete benannt. Die Diete entspringt in der Gemarkung von Oberhörlen (die Flurbezeichnung lautet Auf der Diete), sie versickert dann wieder und kommt in der Gemarkung Simmersbach erneut zum Vorschein. Bis zum Ausbau der B 253 auf der Simmersbacher Höhe und dem Bau der Brücke, die über die B 253 führt, floss die Diete durch den Wiesengrund und kurz vor der Wasserscheide entlang der Straße, die von Simmersbach nach Oberhörlen führt. Man brauchte sich nicht anzustrengen, um sie nach Simmersbach umzuleiten. Die Simmersbacher haben schon immer unter Wassermangel gelitten und nach dem 2. Weltkrieg an verschiedenen Stellen Tiefenbohrungen etc. im Bereich der Diete vorgenommen und dadurch der Diete Wasser entzogen.

Der Name lässt nach ältesten Überlieferungen auf ein hohes Alter schließen (Namensformen: Didnahe, später Didna, Diedenau). Doch bestehen keine Hinweise dafür, ob Oberdieten bereits in älterer germanischer Zeit (vor dem 6. Jahrhundert) als ständige Siedlung bestanden hat, oder ob es erst seit dem 8. oder 9. Jahrhundert gerechnet werden muss. (Aus Geschichtliche und soziologische Verhältnisse, aufgestellt im Juni 1963 anlässlich der geplanten Flurbereinigung in Oberdieten von Dipl.-Landwirt Riedel).

Eine alte Sage erzählt, dass eines morgens der Müller von Oberdieten aufwachte und feststellte, dass sein Mühlrad stillsteht. Beim Nachschauen sah er, dass nicht genügend Wasser vorhanden war. Er nahm eine Hacke und eine Schaufel zur Hand und machte sich auf den Weg dem Mühlgraben entlang bis auf die Wasserscheide. Dort sah er, dass die Simmersbacher die Diete nach Simmersbach umgeleitet hatten. Er machte den Graben wieder zu und ließ das Wasser wieder in Richtung Oberdieten laufen. In der Folgezeit leiteten die Simmersbacher das Wasser noch öfters um, so dass der Oberdietener sich an das zuständige Gericht wenden musste, das entschied, daß die Diete auch weiterhin nach Oberdieten fließen müsste. Seit dieser Zeit nennt man die Stelle, wo das Wasser umgeleitet wurde, Das Streitwasser. Im Wappen von Oberdieten sind neben der Einmündung des Achenbach in die Diete auch zwei gekreuzte Schwerter zu sehen, die Bezug nehmen auf den Streit über die Wasserrechte in längst vergangenen Zeiten.

Der älteste Hinweis über eine Besiedelung des Dietetales findet sich in einer Urkunde vom 24. Februar 1299, in der ein Wiegand von Ditenau als Zeuge auftritt. Er lautet folgendermaßen:

„Kraft von Hohenfels (Hohinvels), Ritter, verkauft mit Zustimmung seiner Ehefrau Elisabeth und seiner Kinder dem Kloster Caldern (Kalderin) alle Äcker zu Amönau (Amenowe), die er von der verstorbenen Inkluse Alheid geerbt hat. Siegler: Aussteller und die Stadt Wetter, Zeugen: Heinrich genannt Dreiberc, Hermann gen. Stump, Rupert von Wolfgruben, Wiegand von Dietenau (Didinahe), Milchling, Burgmannen auf Mellnau (Elinhoug); Eckehard von Sarnau (Sarnove), Gerhard Kanthe, Rudolf am Markt (in Foro), Ludwig gen. Loshart, Schöffen zu Wetter (Wetthere), und Heinrich, Sohn Reinholds, Bürgermeister zu Wetter. Datum: a. domini incarnationis 1299, 6. kalendas Martii.“

Die oberhessischen Klöster, Regesten und Urkunden. 1. Band, herausgegeben von Friedrich Schunder, Marburg 1961, N. G. Elwert Verlag (Kommissionsverlag)

Die Urkunde liegt im Hessischen Staatsarchiv, Marburg A2, Kloster Caldern, 1299 Februar 1299.

Ob es sich bei dieser Urkunde um Ober- oder Niederdieten handelt, oder möglicherweise um eine Siedlung, die zwischen beiden Gemeinden gelegen hat, ist ungewiss. Das Hessische Staatsarchiv zu Marburg teilte jedenfalls mit, daß diese Urkunde auf beide Orte zu beziehen sei. In der jetzigen Gemarkung Oberdieten gab es noch mindestens zwei weitere Dörfer oder Siedlungen, die später unbewohnt waren und verfallen sind. Sie hießen Stetenhausen und Eberbach. Noch im vergangenen Jahrhundert werden sie als Lehngüter bezeichnet. Die Flurbezeichnungen Eberbach, Herrnacker und Stetenhausen gibt es noch heute.

Die nächste urkundliche Erwähnung von Oberdieten stammt vom 11.03.1327 bzw. vom 21.03.1332. In diesen Urkunden wird berichtet, dass die Herren Heinrich von Hohenfels und Volpert von Selbach den Heinrich von Breidenbach überfallen haben und Volpert von Selbach ihn erschlagen hat. Die Urkunde vom 11.03.1327, die Guntram Schenk zu Schweinsberg gesiegelt hat, sagt u. a. aus, dass das Patronatsrecht der Kirche zu Oberhörlen an die Herren von Breidenbach fiel. Ein Nachkomme derer von Breidenbach genannt Breidenstein war der bekannte Schweizer Professor Stückelberg von Breidenbach, Genf, er hat bis zu seinem Lebensende die alte Tradition gepflegt und nahm, wenn er sich in Breidenstein aufhielt, am Gottesdienst in Oberhörlen zum Erntedankfest teil. Weiter heißt es in dieser Urkunde, daß von den Gütern in Oberdieten, welche Happlo besitzt, eine Vierdung, 2 Gänse, 2 Hühner und ein Fastnachtshuhn jährlich zu erheben sind. Diese Urkunde befindet sich im Bundesarchiv in Koblenz und wurde in den Hinterländer Geschichtsblätter vom 3. Sept. 1992 von Frau Dr. Elsa Blöcher, Wallau, veröffentlicht.

In einer anderen Urkunde vom 8. Juli 1395 wird u. a. Oberdieten als Obirndiedena erwähnt. In dieser Urkunde schließen die Brüder Gerlach und Johann von Breidenbach einen Lehnsvertrag mit dem Landgrafen Hermann von Hessen über die von ihnen gebaute Burg Breidenstein im Gericht Melsbach (Hof bei Breidenstein), unter den zu diesem Gericht gehörenden Gemeinden ist auch Ober Diedena genannt.

In Oberdieten gab es im Jahre 1577 10 Häuser und 3 Wagen
1624 17 Häuser und 24 Familien
1620 15 Häuser
1638 15 Häuser und 19 Pferde
1652 11 Häuser

Im Kirchenbuch von 1624–1713 der Ev. Kirchengemeinde Breidenbach sind im Hausbesitzerverzeichnis die Namen der Hausbesitzer von 1624 und 1652 aufgeschrieben. Durch die Ereignisse im 30jährigen Krieg – durch den Krieg und besonders die Pest – sind viele Menschen umgekommen, ja sogar ganze Familien ausgestorben.

Hausbesitzer 1624, Hausbesitzer 1652

01. Ludwig Petri, Gerlach Schartze
02. Johann Weygell, Heinz Petri
03. Hans Seybell am scheide, Christian Möller
04. Henchen Knaust, Weygand Knaust
05. Henchen Seybell, Adam Meister
06. Curtt Schneyder
07. Hanß Seybell, Henchen Seybell
08. Hanß Schmitt, Johannes Schmitt
09. Adam Wagner, Hanß Meister
10. Nikolaus Petri, Henchen Teyß
11. Paul Schuchartt + 0
12. Daum Tonies (Adam Donges), Weygand Weygell
13. Christian Klein + 0
14. Andreas Cyriax + 0
15. Rel. Jakob Steygels + 0
16. Johann Blecher, Henchen Zeunhenn
17. Hanß der Hirte

In Oberdieten gab es um 1624 drei Höfe, auf denen als Besitzer Seybel saßen und zwar: Im Hof – adliger Hof, Am Scheid und den Hof Am Wasser. Bei allen diesen Familien kam der Vorname Henchen vor, da die Altersangaben bei den Sterbeeinträgen fehlen, lassen sich – mit Ausnahme von Henchen Seybell junior – die einzelnen Namensträger schwer oder gar nicht trennen. Ein Hanß Seybel war 1624 Besitzer des Hofes Am Scheid, sein Nachfolger war Christian Möller. Henchen Seybell war auf dem 2. Hof und sein Nachfolger war 1652 Adam Meister und auf dem 3. Hof saß Hanß Seybel, dem als Nachfolger Henchen Seybel folgt (so schreibt die 1995 verstorbene Frau Dr. Elsa Blöcher aus Wallau). Mit dem adligen Hof, später hat ihn auch Frau Dr. E. Blöcher den Selbacher Hof genannt, muss das spätere Hobs-Haus gemeint sein.

Im Jahre 1704 sind in Oberdieten vier Lehnshöfe und deren Besitzer aufgeführt, und zwar:

  • Adam Weigel (Zeins)
  • Weigand Reh
  • Johann Heinrich Meurer
  • Jakob Schmidt (Hobs)

Die Lehnshöfe von Adam Weigel und Weigand Reh waren Lehen der Herren von Breidenbach, während die beiden anderen Höfe Lehen der Kirche zu Breidenbach waren.

Es gab 1704 in Oberdieten zwei Mühlen:

  • Die Johann-Heinrich-Peters-Mühle, später auch als die Obermühle oder Obermüllersch bekannt.
  • Die Nau- oder Neumühle, deren Besitzer Johann Seibel auch noch ein privates Backhaus hatte. Mit dem Tod des letzten Müllers Adolf Thomae stellte diese Mühle ihren Mahlbetrieb ein.

In dem Kirchenbuch der Kirchengemeinde Breidenbach aus den Jahren von 1774 bis 1807 ist im Hausbesitzerverzeichnis von Oberdieten folgendes eingetragen:

1642 gab es in Oberdieten 17 Häuser, dermalen – also um 1774 sind folgende Besitzer genannt:

Um 1774, 1801, 1810

01. Johannes Meier, Jost Achenbach, Joh. Jost Achenbach. Die Nachkommen waren in dem späteren Blöcherschhaus.
02. Heinricht Petri Witwe
03. Jakob Arhelger, Müller, Obermüllersch Peter Rein
04. Johann Heinrich Petri, Joh. Hch. Petri, Joh. Hch. Petri. Früher wohnten die Vorfahren von Petris in Zrauwehaus.
05. Johann Jost Blöcher (Dehenne), Adam Blöcher, Adam Blöcher
06. Johannes Krug (Schmieds), Jakob Krug, Jakob Krug
07. Johann Heinrich Schmidt (Schäfrichs), Joh. Hch. Schmidt, Joh. Hch. Schmidt
08. Adam Rau, Gerichtsschöffe (Pawels), Adam Rau, Adam Rau Witwe
09. Adam Thomas (Mitteschlössersch), Adam Thomas, Adam Thomas
10. Adam Kreck (Zlange, es muß vor dem Adam Kreck Wtw. Adam Schmidt Brand (1817) an einer anderen Stelle gestanden haben.
11. Jakob Fuchs (Morgretches?), Jakob Fuchs, Jakob Fuchs
12. Michel Weigel (Demme), Johannes Weigel, Johannes Weigel j.
13. Johann Heinrich Weigel (Annemareis), Joh. Hch. Krug, Joh. Hch. Krug
14. Joh. Weigel in Zeunhennersch (Zeins), Joh. Weigel sen., Johannes Weigel s.
15. Johannes Immel (Schneirersch), Johannes Immel, Johannes Immel
16. Johannes Weigel, junior (Orms), Joh. Weigel Wtw., Johannes Gräbe
17. Jakob Schneider (Balzersch, später Joh. Hch. Balzer, Joh. Hch. Balzer, W. in Zjokebs?), Name kommt her von Jakob.
18. Johannes Müller, jun. (Kaute), Joh. Müller Wtw., Georg Müller, Joh. Blöcher j., Joh. Blöcher j. Das Haus hat früher dort gestanden, wo heute das neue Balzerschhaus steht. Schreinersch, Jak. Schneider s. Adam Weigel, Lehr.
19. Joh. Georg Reitz (Niewes), Adam Reitz, Adam Reitz
20. Johann Heinrich Schwarz jun. (Kotches), Joh. Hch. Schwarz, Joh. Hch. Schwarz, Zjokebs, Jakob Schneider j.
21. Adam Weyrich (Weyrichs, später Schäfer), Adam Weyich, Adam Weirichs W.
22. Jakob Reitz (Kothreis), Jakob Reitz, Joh. Hch. Reitz I.
23. Georg Schwarz (Klinn), Jakob Petri, Jakob Petri W.
24. Jakob Heinzel (Gehannjerjes), Johannes Heinzel, Johannes Heinzel
25. Ludwig Weigel (Weschäfersch), Ludwig Weigel, Ludwig Weigel
26. Johann Heinrich Schwarz sen. (Ewerts), Johannes Weirich, Johannes Weirich
27. Adam Blöcher im Hof (Hobs), Adam Blöcher s. Georg Blöcher
28. Adam Blöcher in Plackshaus (Placks), Adam Blöcher m. Johannes Blöcher j.
29. Johannes Müller, Müller (Mellersch) Adam Müller, Müller Jakob Müller

Heinrich Lauber, Beisaß + 17.04.1805 O. D. 54 J. später Balzersch
Johannes Lauber, Beisaß + 23.04.1801 O. D. 45 J.

Am 5. Juli 1817 brannten fünf Wohnhäuser einschließlich Nebengebäude aus. Mit Sicherheit steht fest, dass es Schäfrichs, Pawels, Mittelschlössersch und vermutlich Zlange und vielleicht auch Ziewes waren. Die zwei Letztgenannten haben dann wahrscheinlich ihre Häuser an anderer Stelle (Auf dem Rain) wieder aufgebaut. Auf einem Balken im heutigen Stall von Zieweshaus steht folgende Inschrift:

„Das vorige verzehrt die feurige Glut/ Gott nehme dieses in seine Hut.“

Und an der Scheune lautet eine Balkeninschrift:

„Durch Gottes Hilfe erbaut von Jacob Weirich und dessen Eheweib. Zimmermeister Georg Blöcher von Achenbach 1812.“

Kann es nicht auch 1817 heißen?

Georg Blöcher in Hobshaus hat 1817 u. a. notiert:

„1817 den 5 ten Juli hat sich Feuerbrunst entstanden in 10 Bau und eine Schmitte. Das Feuer ist angegangen in einem Saustall. Gott hat noch gewacht, daß das ganze Ort nicht in einen Aschenhaufen ist gefallen. Bis hierher hat uns der Herr geholfen. Gott allein die Ehre.“

1846 gab es 96 Kühe und 42 Kuhbesitzer in Oberdieten.

Laut Schreiben des Beigeordneten Grebe von Oberdieten an Herrn Pfarrer Kobelt in Breidenbach vom 14. Februar 1862 betrug die Flächengröße damals 2.188 Morgen (547 ha.), davon waren:

a. Ackerfeld mit Wüstung (vermutlich Brachen) 1221 Morgen = 305,25 ha
b. Wiesen 405 " = 101,25 ha
c. Wald 488 " = 122,00 ha
d. Ödung, Wege u. Bäche 67 " = 16,75 ha
e. Hofreithen 7 " = 1,75 ha

Oberdieten hatte damals 52 Häuser und 295 Einwohner, 30 Personen sind ausgewandert.

Der sogenannte Deutsche Krieg (Preußen/Italien gegen Österreich/Deutscher Bund) begann am 14. Juni 1866 mit der Besetzung Holsteins durch Preußen. Er endete durch den Waffenstillstand von Nikolsburg am 26. Juli 1866.

Dieser Krieg hatte seine Wurzel im Krieg 1864 um die Elbherzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg, die ab 1848 nach dem Scheitern der Revolutionsbewegung zu Dänemark gehörten. Es war ein Erbfolgekrieg. Nach dem Sieg über Dänemark wurde in der Konvention von Gastein vom 14. Aug. 1865 die Oberhoheit über Holstein Österreich und über Schleswig Preußen übertragen. Für 2,5 Mill. dän. Taler trat Österreich seine Rechte an das Herzogtum Lauenburg an Preußen ab (Illustrierte Weltgeschichte, Band 3).

Am 1. Juni 1866 erfolgte die Ankündigung Österreichs, die Erbfolge in Holstein dem Urteil des Deutschen Bundes zu unterwerfen. Daraufhin erklärte Preußen den Vertrag von Gastein als gebrochen und besetzte Holstein. Am 14. Juni beschloss der Deutsche Bund die Mobilmachung von vier Armeekorps gegen Preußen. Gegen Preußen kämpften folgende Länder: Österreich Bayern, Sachsen, Württemberg, Hannover, Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Nassau, Meiningen, Reuß ältere Linie und Frankfurt. Italien kämpfte an der Seite Preußens, es verlor aber gegen Österreich. Preußen schlug den Deutschen Bund. Am 26. Juli 1866 kam es zum Waffenstillstand von Nikolsburg und am 23. August zum Frieden von Prag.

Hannover, Kurhessen, Nassau, die Stadt Frankfurt und Teile von Hessen-Darmstadt, darunter der Kreis Biedenkopf wurden preußisch, Venetien kam zu Italien. An Österreich wurden keine größeren Gebietsforderungen gestellt, nur die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein wurden preußisch.

In diesem Krieg fiel Adam Weirich geboren am 29.04.1845 zu Oberdieten. Er war der zweite Sohn und das zweite Kind des Schneidermeisters Jakob Werich I. und seiner Ehefrau Elisabeth geb. Reitz aus Niewes, der seit dem 1. April 1866 in der 6. Kompanie des 1. Inf.-Reg. als Wehrpflichtiger seinen Dienst tat. Er wurde bei einem Gefecht am 21. Juni 1866 in der Nähe von Frohnhofen im Königreich Bayern (Odenwald) verwundet und starb im Bürgerhospital in Aschaffenburg am 21.07.1866.

Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (Deutschland gegen Frankreich) fiel Johannes Lehmann, geboren am 2. Oktober 1844 zu Oberdieten, er war das zweite uneheliche Kind und der erste Sohn der ledigen Elisabetha, des Wilhelm Lehmann und Eva geb. Lauber eheliche ledige Tochter (Lehmanns). Er war zuletzt Soldat bei der 1. Kompanie, dem 3. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 83 in Kassel. Sechs Jahre hat er dort gedient und nahm am Krieg 1870/71 gegen Frankreich teil, wo er verwundet und am 11. August 1870 in das Reservelazarett Schwetzingen aufgenommen wurde. Dort verstarb er am 21. August 1870 im Alter von 26 Jahren an den Folgen seiner Verwundung, sowie einer hinzu getretenen Ruhr.

Dieser Krieg begann am 19. Juli 1870 mit der Kriegserklärung Frankreichs an Preußen, ganz Süddeutschland schloss sich an. So entstand durch diesen Krieg das ersehnte Deutsche Reich. Er wurde dadurch ausgelöst, dass Spanien einen neuen König brauchte. Es wurde der Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, ein Sohn des Fürsten Karl-Anton von Sigmaringen-Hohenzollern und ein Bruder König Carols von Rumänien als Thronkandidat genannt, er war ein naher Verwandter von Kaiser Napoleon III. sowie der portugiesischen Königsfamilie und als Geschlechtsvetter der königlichen Hohenzollernlinie, später zog er aber die Kandidatur wieder zurück.

Die französische Diplomatie taktierte ungeschickt. Sie spielte Bismarck einen Haupttrumpf in die Hand, indem sie von König Wilhelm, der in Bad Ems zur Kur weilte, verlangte, er möge eine Dauergarantie übernehmen, damit diese Kandidatur nicht wieder auflebe. Dies war eine Zumutung und machte die Krise unheilbar. Die Emser Depesche Bismarcks war die unvermeidliche Antwort.

Die Deutschen besiegten am 4. August die französischen Truppen bei Weißenburg, am 6. August bei Wörth und den Spicherer Höhen, am 16. August Vionville und Mars-la-Tour, am 18. August Gravelotte und St. Privat, am 30. August Beaumont, am 1. September Sedan, wo Kaiser Napoleon gefangen genommen wurde (in Kassel-Wilhelmshöhe lebte er während seiner Gefangenschaft). Am 29. September wird Straßburg erobert, am 27. Oktober kapituliert Metz, am 19. September wird Paris belagert und am 28. Januar 1871 kapituliert es.

Im Spiegelsaal zu Versailles erfolgte am 18. Januar 1871 die Kaiserproklamation:

„Uns aber und unseren Nachfolgern wolle Gott verleihen, allezeit ein Mehrer des Deutschen Reiches zu sein, nicht an siegreichen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.“

Aus Anlass des Friedensschlusses wurde am 5. März 1871 bei schönstem Wetter ein Friedensfest gefeiert, bei dem zwei Linden gepflanzt wurden. Die eine wurde unterhalb der Brücke mitten im Dorf, wo jetzt das öffentliche Telefonhäuschen steht, gepflanzt, sie war eine schöne Linde und fiel unnötigerweise dem Straßenbau im Sommer 1969 zum Opfer. Aus Protest hatten einige Jugendliche ein Lied gedichtet, das so begann:

„Am Spritzenhaus dort vor dem Tore, da stand ein Lindenbaum, er steht nicht mehr davore, …“

Die andere Linde wurde am Festplatz unter dem Rothen Seifen gepflanzt. Damals führte der alte Verbindungsweg von Ober- und Niederhörlen in Richtung Breidenbach an ihr vorbei. Eine Bank stand dort mit einem schönen Ausblick über das untere Dorf in Richtung Achenbach und Roth. Durch die neue Wegführung nach der Flurbereinigung und der Bepflanzung mit Fichten wird ihr das Licht entzogen und es ist abzusehen, wann auch sie nicht mehr existiert.