1880 Linientreffen bei Hanweiets in Friedensdorf – Ursprünge in Friedensdorf und Hartenrod

Aus Genealogen im Hinterland
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Autor: Heinrich Debus, Friedensdorf
Unter Mitwirkung von Helmut Mankel, Holzhausen, und Günter Debus, Gönnern/Aachen

Geschichte des Linientreffens

Dorfgeschichtliches und familiengeschichtliches Wissen

(Heinrich Debus:) Für die Friedensdorfer Chronik[1] habe ich mich mit einer Reihe von Beiträgen beteiligt, u. a. zur Landschaft und Umgebung von Friedensdorf, zur Vor- und Frühgeschichte und auch zu Geschehnissen aus der selbst erlebten Zeit des letzten Jahrhunderts. Meine Frau Eva erzählt in einem Beitrag, wie sie aus dem serbischen Raum nach Friedensdorf fand.[1]:181–185

Meine eigene Familiengeschichte ist in die Chronik nicht eingegangen. Dennoch wird von Menschen meiner Familie berichtet. Es geht aus der Chronik nicht hervor, dass es mein Vater war, Johannes Debus (1883–1960), der 1945 von den Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt wurde und der bis zur Wahl im Jahre 1948 sein Amt ausübte (siehe Beitrag zu seiner Biographie[1]:122). Auch wird in meinem Beitrag zu „Polizeidiener“ in Friedensdorf[1]:123–125 nicht ersichtlich, dass es mein Großvater, Johann Jost Debus (1837–1927) war, der um die Jahrhundertwende Polizeidiener wurde und dies Amt später an seinen Sohn aus erster Ehe, Georg Debus, weitergab, und dass es wiederum mein Vater, der Sohn aus zweiter Ehe, war, der das Amt vom wesentlich älteren Stiefbruder Georg übernahm und dies bis zu seiner Ernennung zum Bürgermeister 1945 innehielt.

Mein Großvater, Johann Jost Debus, heiratete in zweiter Ehe eine Magdalena Debus aus Herzhausen. Es trafen also zwei Debus aufeinander. Ob die beiden Großeltern verwandtschaftlich verbunden waren oder nicht, war mir nicht klar, es gab dafür keine Hinweise. Jetzt hat Helmut Mankel dies aufgeklärt. Ihm ist zu verdanken, dass ich nun berichten kann: Mit der Ehe meiner Debus-Großeltern sind zwei bis ins 16. Jahrhundert zurück verfolgbare Debus-Linien vereint: die Friedensdorfer und die Hartenroder Linie, und das über viele Zwischenstationen. Über die Recherchen zu den Debus-Familien in den letzten Jahren durchschaue ich die Zusammenhänge nun endlich.

Ausgangsbefund

Ein zentraler Ausgangsbefund des Projektes zu den Debus-Familien im Hinterland ist der, dass bislang zwei Ursprungsorte für die Verbreitung des Debus-Namens bekannt sind: Hartenrod und Friedensdorf. In Hartenrod (Debus bereits vor 1500 genannt) ist es (mit vollem Namen) Tilo Debus († 1633) und in Friedensdorf Johannes Debus (<1600–<1680). Die Friedensdofer Linie verbreitete sich im nördlichen Hinterland (z. B. Katzenbach, Engelbach, Buchenau, Dautphe, Mornshausen, Hommertshausen, Gönnern), die Hartenroder Linie im südlichen Hinterland (z. B. Schlierbach, Bottenhorn, Holzhausen).

Mit einer Heirat in Friedensdorf um 1880 treffen sich – nach der gegenwärtigen Erkenntnis – die beiden Linien:

  • der Friedensdorfer Johann Jost Debus (1837–1927) als Vertreter der Friedensdorfer Linie und
  • die Herzhäuser Magdalena Debus (1839–1905) als Vertreterin der Hartenroder Linie

heiraten und bekommen Kinder. Es sind die Großeltern von Heinrich Debus (* 1926), Erstautor dieses Beitrages, in Friedensdorf besonders bekannt wegen seiner Beiträge in der Friedensdorfer Ortschronik (2003).

Vom Ursprung zum Treffpunkt

Hartenrod: Debus-StammhausBottenhorn: DebusHolzhausen: Bottermanns; Liene-altHerzhausen: Anne-KotzFriedensdorf: Hanweiets

Friedensdorf: Debus-StammhausKatzenbach: PahlesMornshausen: SchäfersHommertshausen: PitzersFriedensdorf: Hanweiets

Hanweiets-Debus und die Friedensdorfer Linie

Der Name Debus ist in Friedensdorf eng mit dem Howe-Hof verbunden. Ich ging immer davon aus, dass keine unmittelbare verwandtschaftliche Beziehung zwischen uns und Howe (siehe Biographie) besteht. Der Vater meines Großvaters stammte nämlich aus Hommertshausen und hatte nach Friedensdorf, Haus Hanweiets, geheiratet. Doch nun erkenne ich über vorherige Generationen verwandtschaftliche Beziehungen: Der Großvater des Großvaters war in Mornshausen geboren (in Schäfers Haus, siehe Biographie und Linie Mornshausen-Hommertshausen) und dessen Vater war ein Katzenbacher (siehe Linie Katzenbach). Damit sind wir bei der Linie, zu der die Howe-Debus gehören.

Über Paulus Debus (1634–1699) im Pahleshof in Katzenbach bin ich auch mit den Debus im Howe-Hof in Friedensdorf verwandt, natürlich „weit entfernt“ – mit Paulus aber genau so wie Hermann Debus im Howe-Hof.

Anne-Kotz-Debus in Herzhausen und die Hartenroder Linie

Meine Großmutter Magdalena Debus stammte aus Herzhausen: Ihr Vater Johann Jost Debus, geboren am 2. November 1798 in Holzhausen (siehe Familienbuch Holzhausen S. 128; 468 (5) und gestorben am 1824 in Herzhausen, hatte ca. 1827 Anna Gertraud Niederhöfer in Anne-Kotz in Herzhausen (siehe Chronik Herzhausen, S. 517) geheiratet. Er war (nach Familienbuch Holzhausen) Schäfer und stammte aus dem Haus Liene-alt in Holzhausen (siehe Biographie Debusgasse Holzhausen). Magdalena ist am 5. Mai 1839 geboren (dieser Eintrag fehlt in dem Familienbuch Herzhausen, Ergänzung Helmut Mankel).

Magdalenas Debus-Großvater, Johann Werner Debus (1732–1786) hatte in Liene-alt eingeheiratet, er selbst stammte aus Bottermanns in Holzhausen (siehe Linien Holzhausen-Debusgasse). Dessen Vater, Hans Jakob Debus (1706[2]–1772) stammte aus Bottenhorn. Die Bottenhorner Debus wiederum sind auf Debus in Schlierbach und Hartenrod zurückzuführen.

Korrekturen

Ich muss eine Aussage von mir in der Friedensdorfer Chronik korrigieren. Dort[1]:125 schrieb ich, dass der „Schitze“ Johannes Debus (1836–1908) nicht verwandt sei mit den Polizeidienern Debus. Das stimmt nicht. Der Schitze, auch „Pahles Lange“ genannt, steht zu Paulus Debus in Katzenbach (Generation 1) in der 7. Generation, gleich wie Weigand Debus, der Vater meines Großvaters, des Polizeidieners Johann Jost Debus, (1837–1927). Altersmäßig gibt es hier eine Verschiebung. Der Großvater von Weigand Debus hatte von Katzenbach nach Mornshausen geheiratet, dessen Sohn nach Hommertshausen und von diesem stammte Weigand Debus ab.

Hanweiets-Familiengeschichte

Hanweiets-Haus

Ortsplan Friedensdorf mit eingetragenen Nummern der Kirchenstuhl-Liste von 1854; 35 Hanweiets

„Hann Weigets“, wie das Haus in der Kirchenstuhl-Liste 1851 bezeichnet wird, und „Hanweiets“, wie ich (HD) es in der Friedensdorfer Chronik[1]:124 geschrieben habe, ist vermutlich von meinem Urgroßvater aus Hommertshausen nach der Heirat 1837 mit seiner Frau aus Nassäuers (Johannes Arnold) im Haus 31 (Kirchstuhl-Liste) selbst gebaut worden, deshalb auch nach ihm benannt.

Nach der Kirchenstuhl-Liste 1851 von Friedensdorf ist das Haus Hann Weigets von Weigand Debus mit der Nummer 35 eingetragen, hier im heutigen Ortsplan Rosengasse 6 zugeordnet.

Weigand Debus (1808–1890)

Weigand Debus (1808–1890) hatte mit Elisabeth, geb. Arnold aus dem Nassäuers-Haus in Friedensdorf, drei Kinder:

(1) Debus, Weigand Debus (1808–1890) ⚭ 12.02.1837 Arnold, Elisabeth (1804–1882) aus Friedensdorf

  • Johannes Debus, * 22.09.1832, heiratete am 12.05.1860 die drei Jahre jüngere Anna Elisabeth Seipp aus Weifenbach, geb. 1829; die 1859 geborene Tochter Elisabeth blieb ledig († 09.05.1880); nur zwei Jahre nach der Heirat starb Johannes Debus (23.01.1862) und die Frau war mit ihrer gerade drei Jahre alten Tochter schon Witwe.
  • Johann Jost Debus, * 24.10.1837, der jüngere Bruder von Johannes, heiratete am 16.07.1864, zwei Jahre nach dem Tod seines Bruders (1862), die verwitwete Schwägerin. Somit blieb Johann Jost Debus im Haus. Aus der (ersten) Ehe stammt Georg Debus, der Polizeidiener wurde, ab (s. u.). Aus der zweiten Ehe mit Magdalena Debus aus Herzhausen stammt Johannes Debus, der spätere Bürgermeister, ab (siehe unten).
  • Johann Martin Debus, am 09.11.1835 geboren, heiratete – relativ spät – 1870 Katharina Muth aus Eckelshausen (geb. 17.08.1833). Für die Frau ist vor dieser Heirat die Geburt eines Kindes vermerkt:
    • Elisabeth Muth, geb. am 03.11.1862. Am 28.06.1875 starb Johann Martin Debus in Eckelshausen. Kinder sind im Kirchenbuch nicht vermerkt. Auch sind weitere Daten für die Witwe nicht eingetragen.

Johann Jost Debus (1837–1927)

(2) Debus, Johann Jost (1837–1927) ⚭ Debus, Anna Elisabeth, geb. Seipp (1864–1880)

Aus dieser (ersten) Ehe mit seiner verwitweten Schwägerin stammt ab:

  • Georg Debus, * 29.11.1865, noch nicht 15 Jahre alt war, als seine Mutter 1880 starb; er starb am 06.01.1943, siehe unten.

Als Witwer im Alter von 43 Jahren ging Johann Jost Debus eine zweite Heirat ein mit

⚭ (nach 09.05.1880) Debus, Magdalena (1839–1905) aus Anne-Kotz in Herzhausen

Diese Heirat haben wir als Linientreffen bei Hanweiets in Friedensdorf bezeichnet (siehe oben).
Mit ihr hat er einen Sohn:

  • Johannes Debus (1883–1960), siehe unten

Im Adressbuch für die Stadt und den Kreis Biedenkopf 1895 wird unter Friedensdorf Jost Debus, hier als „Jost 3., Tagelöhner“ in Hanweiets zur Unterscheidung von „Jost 4., Landwirt“ in Howe aufgeführt.

Ab 1899/1900 übernahm Johann Jost Debus das Amt des Polizeidieners von den Nachbarn, das zunächst Johannes Ortmüller I. und später dessen Sohn Johannes Ortmüller II innehatten. In der Kirchenbuch-Liste von 1851 wird das Nachbarhaus (Nr. 28) unter dem Namen Bergschneiders geführt, ich (HD) habe ihm in der Dorfchronik Friedensdorf Käiwegs zugeordnet.

„Das Anwesen befand sich auf dem Boden des heutigen Ottches-Hauses in der Bahnhofstraße.“

– Chronik Friedensdorf[1]:123

Wir übernehmen aus der Darstellung in der Dorfchronik Friedensdorf:

„Ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert man in der Familie diesem Amt zumaß, zeigte die Dienstbezeichnung ‚Polizeidiener‘ unter dem Namen auf seinem heute längst verschwundenen Grabstein.“

– Chronik Friedensdorf[1]:124

Georg Debus (1865–1943)

Georg Debus mit der Kappe des Polizeidieners

„Wie selbstverständlich trat nach [… dem Tod von Johann Jost Debus] [1926] der älteste Sohn Georg [aus erster Ehe] in die Fußstapfen seines Vaters. Die ganze Familie war wohl an der Ausübung des Amtes beteiligt. Zum Rappeln sprangen auch, wenn Not am Mann war, die Söhne und Töchter ein. Letztere hielten auch meistens das Backspiel ab, was auch zu den Pflichten eines Polizeidieners gehörte.“

– Chronik Friedensdorf[1]:124

(3) Debus, Georg (1865–1943) ⚭ (nicht im Kirchenbuch) Heck, Margaretha (1867–1934)

Georg Debus hatte zusammen mit seiner Frau Margaretha Kinder, zwei davon sind

  • Heinrich Debus * 1894
  • Hermann Debus (1897–1971)

In der Friedensdorfer Chronik lesen wir:

„Georg Debus starb 1943. Als man Amt und Ortsschelle aus dem Haus geben musste, soll die ganze Familie sehr traurig gewesen sein, obwohl man das Zugeständnis erhielt, weiterhin das Backspiel abhalten zu dürfen.

Nachfolger von Georg Debus wurde dessen Bruder Johannes Debus, der das Amt bis 1945 innehatte. Dann folgte für drei Jahre Karl Bickhardt (Mälis Koarl) im Amt bis 1948, das dann nochmals von Johannes Debus übernommen wurde. Inzwischen hatte die Tätigkeit, die längst von ihren Polizeibefugnissen entbunden war, ihre ursprüngliche Bedeutung verloren. Auch die Dienstbezeichnung ‚Polizeidiener‘ war längst durch das schlichtere Wort ‚Ortsdiener‘ ersetzt worden.“

– Chronik Friedensdorf[1]

Johannes Debus (1883–1960)

Johannes Debus

(3) Johannes Debus (1883–1960) heiratete 1916 Katharina Weber (1885–1972) aus Holzhausen. Im Heiratsjahr 1916 – Kriegsjahr – war Johannes Debus 34 Jahre alt.

Es verwundert nicht, dass Johannes Debus – Heirat 1916 – seine Frau in Holzhausen fand, denn nach dort hatten drei Schwestern seiner Mutter geheiratet: Elisabeth (1828–1896, verh. Leinweber, s. FB-Hlz Nr. 1415), Anna Katharina (1836–1915, verh. Bösser, s. FB-Hlz Nr. 328) und Margarethe (1842–1910, verh. Leinweber, s. FB-Hlz Nr. 1416). Die Mutter Magdalena war 1878 Patin für die zweite Tochter – Magdalena – der Schwester Margarethe geworden. Die Schwester Katharina (* 1828) hatte mit ihrem Mann, Johannes Lotz aus Schoulmesch in Herzhausen, das Haus übernommen (Heirat 1850).

Drei Kinder wurden geboren:

  • Marta (1918–1997)
  • Anna (1921–1945), 1945 beim Bombenangriff in Dautphe zu Tode gekommen
  • Heinrich, * 24.04.1926, ist der Erstautor dieses Berichts.
Anna Debus (1921–1945)

Johannes Debus war Bürgermeister von Friedensdorf in den Jahren 1945 bis 1948.

Über Johannes Debus habe ich, sein Sohn Heinrich, eine Biographie geschrieben, siehe dazu den Beitrag Mein Vater Johannes Debus (1883–1960), Bürgermeister in Friedensdorf 1945–1948

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Heimat- und Verschönerungsverein Friedensdorf e. V. (Hrsg.): Chronik Friedensdorf. Dautphetal 2002
  2. errechnet