Der Ursprung der Familie Sonneborn

Aus Genealogen im Hinterland
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Verbreitet zu Ehren von Rudolf G. Sonneborn anläßlich seines 80. Geburtstages

im Juni 1978 – Das Regency Hotel – New York, N. Y.

Charles B. Sonneborn 2750 Unicorn Lane

Wie gesegnet ist doch der, der sich
seiner Vorfahren mit Stolz erinnert,
der seinen Zuhörern die Geschichte ihrer
Größe und ihrer Taten erzählt und
sich in stiller Freude darauf besinnt,
das letzte Verbindungsstück in dieser
illustren Kette zu sein!

Goethe, Iphigenia in Tauris, 1. Akt

Im deutschen Bundesland Hessen, 10 Meilen nordwestlich der Universitätsstadt Marburg, im Kreise Biedenkopf, stießen wir auf einen kleinen Ort namens Breidenbach. Dieses Dorf, das 1913 sein 1000-jähriges Bestehen feierte, war der Geburtsort der Familie Sonneborn, die Gegenstand dieser Familiengeschichte ist.

Wann kamen die Juden erstmals nach Hessen?

Es heißt, sie hätten sich bereits in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts dort niedergelassen. Im Jahre 1188 werden sie in Münzenberg erwähnt, in Friedberg Anfang des 13. Jahrhunderts. Im Jahre 1298 sollen die Juden im Raume Biedenkopf schlimmen religiösen Verfolgungen ausgesetzt gewesen sein, und in der Umgebung von Büdingen und Friedberg geschah dies im Jahre 1337.

Im Jahre 1349 sahen sich die Juden in Gießen, Homberg a.d.O., Butzbach und wiederum in Friedberg ihrer Existenz bedroht.

Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert breiteten sich die Juden in ganz Oberhessen aus. Sie sollen in Gießen (1559), Schotten (1599) und in Kirtorf (1770) gelebt haben.

Es gab jedoch auch einige Orte in Hessen, wo die Feudalherren ihre Erbrechte derart ausübten, daß sie Juden in ihren Gemeinden akzeptierten. Als Ludwig VI von Hessen die Juden 1662 aus den größeren Städten vertrieb, nahmen diese in jenen Landstrichen in bedeutendem Maße zu.

Die Hälfte des von den im Raum Breidenbach angesiedelten Juden bezahlten Schutzgeldes floß in die Taschen der Herren von Breidenbach, die andere Hälfte ging an den hessischen Staat, ihm alleine oblag das Recht, Juden offiziell zu akzeptieren.

Dies beweist, daß die „Jüdischen Verordnungen“, denen die Juden in Hessen unterlagen, auch in diesem Raum Gültigkeit hatten.

Zuerst gab es die Verordnungen von Philip dem Großmütigen, Landgraf von Hessen (1504–1557).

Diese Verordnung war 1539 ausgegeben worden und war zurückzuführen auf eine Mischung aus religiösem Haß und Staatsräson. Anschließend folgte die Judenverordnung, die 1629 von Georg II. proklamiert worden war und die bis 1778 Gültigkeit hatte.

Gemäß diesen Verordnungen lebten die Juden nur mit Einwilligung des Staates. Sowohl in ihrem religiösem als auch in ihrem Geschäftsleben waren all ihre Aktivitäten stark eingeschränkt. Die Sonderabgaben, die sie zu entrichten hatten, waren außergewöhnlich hoch; ihre Aktivitäten beschränkten sich auf das Hausieren und den Viehhandel. Diese Zustände führten im 18. Jahrhundert unweigerlich zur Verarmung der Juden.

Im Jahre 1788 widerrief der Staat sein Recht, Schutzgeld zu erheben. Die Feudalherren aber forderten weiterhin Sonderabgaben von den Juden.

Die Herren von Breidenbach übten bis 1823 ihre Erbrechte auf die Juden aus.

Es war die Zeit der Französischen Revolution. Napoleon machte Hessen zum Großherzogtum. Doch der Status der hessischen Juden änderte sich nur langsam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Theoretisch konnten die Juden durch den Erlaß von 1820 Bürgerrechte erlangen; dieses Privileg war ihnen zuvor versagt geblieben.

Der Erlaß zur Regelung der Ausbildung jüdischer Kinder erschien 1823. Eine weitere Verordnung, die vom 19. November 1830, setzte Mindestanforderungen zur Ausbildung von Beamten Jüdischer Kongregationen fest. Diese letztere wurde 1841 revidiert und blieb bis zur Zeit Hitlers gültig.

Im Jahre 1848 wurde endlich die politische Gleichheit zum Faktum.

Während des österreichisch-preußischen Krieges kämpfte das Großherzogtum Hessen auf der Seite Österreichs.

Im Friedensvertrag von 1866 wurden Hessen-Homburg und der Kreis Biedenkopf an Preußen abgetreten und mit der Provinz Hessen-Nassau verbunden.

Im Jahre 1852 gab es in der Provinz Oberhessen insgesamt 9371 Juden. Die Oberhessischen Juden waren zu jener Zeit mit dem Rabbinat Friedberg verbunden. 1842 wurde Gießen zum Hauptrabbinat für Oberhessen erklärt.

Seit 1860 unterlagen die Juden im Raum Biedenkopf dem Marburger Rabbinat.

Gemäß den Aufzeichnungen von Baltasar Zahn, dem Pfarrer der Breidenbacher Kirche in der Zeit von 1624–1661 lebten bereits in dieser Zeit einige Juden in Breidenbach und wahrscheinlich auch schon früher, zur Zeit der Reformation. Die offiziellen Archive der Stadt Marburg erwähnen für das Jahr 1745 sechs Juden, die insgesamt 45 Gulden, 16 Kreuzer und 2 Pfennige Steuern bezahlten.

Fünf Jahre später, im Jahre 1750, wurden 8 Juden gezählt, die insgesamt 83 Gulden 12 Kreuzer und 4 Pfennige Steuern zahlten. Im Einzelnen stehen folgende Namen auf der Liste:

Gulden Kreuzer Pfennige
11 27 4 Aaron Jud, Breidenbach
11 27 4 Joseph Jud (der Jüngere), Breidenbach
Joseph Jud (der Ältere) ist gestorben, die Frau geht betteln.
11 27 4 Salomon Jud, Breidenbach
11 27 4 Gompel Itzig Jud, Breidenbach
11 27 4 Herz, Jud Breidenbach
11 27 4 Aaron Loew
11 27 4 Joseph Itzig
83 Gulden 12 Kreuzer 4 Pfennige

(Die Jüdin Hanna, seit Dezember Witwe, muß erst wieder Steuern zahlen, wenn sich ihre Lebensbedingungen gebessert haben.)

Im Jahre 1858 waren von den 743 Breidenbacher Bürgern 104 Juden. In späteren Jahren nahm die jüdische Bevölkerung jedoch immer mehr ab. So gab es z. B. 1890 nur noch 18 jüdische Familien; 1913 nur noch 17 Juden von insgesamt 876 Einwohnern.

Während des Naziregimes mit Beginn 1933 schrumpfte die jüdische Bevölkerung Breidenbachs auf 3 Familien. Sie alle wanderten bis 1938 ??? in die Vereinigten Staaten aus und ließen sich in New York nieder.

Seit Beginn des 19. Jahrhunderts diente eine frühere Brauerei als Synagoge. Sie befand sich an der Hauptstraße zwischen Beiles Haus und Milchsacks. Dieses Gebäude steht heute noch.

Der jüdische Friedhof der nahegelegenen Ortschaft Roth diente als letzte Ruhestätte für die Breidenbacher Juden bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

Danach baute man sich in Breidenbach einen eigenen Friedhof, der sich gegenüber dem Laiseköppel befindet, wenn man den Altweg hinaufgeht. 1809 wurde dort als erste Miriam, die Tochter Jacobs von Helwighausen, beerdigt. Der letzte dort Begrabene war Isaak Stern, der älteste Sohn von Jacob Stern und zwar im Jahre 1930.

Es gibt keine schriftlichen Unterlagen als Beweis für das Bestehen einer jüdischen Gemeinde in Roth. Der jüdische Friedhof und ein Platz namens „Judenborn“ im Volksmund sind jedoch Indizien genug dafür, daß es eine solche Gemeinde dort gegeben haben muß.

Roth war einst eine ansehnliche Stadt, wurde aber im 30-jährigen Krieg (1618–1648) nahezu ganz zerstört.

Isaak Stern, Sohn des Jacob Stern, der 1930 in Breidenbach beerdigt wurde, berichtet vom Besuch des Friedhofes in Roth in seiner Kindheit. Er kam in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts zusammen mit Cousins aus Amerika dorthin, die die Grabstätten ihrer Verwandten aufsuchen wollten.

Grabsteine gibt es heute allerdings nicht mehr zu sehen, wahrscheinlich hat man sie beim Bauen mitverwandt. Der Friedhof selbst ist heute ein Garten. Geschützt durch einen stabilen Zaun, wird er gepflegt von einigen Familien, deren Angehörige hier begraben liegen. 1932 wurde am Amtsgericht Biedenkopf ein offizieller Antrag von Jacques und Samuel Sonneborn in das Urkundenregister aufgenommen. Dieser Antrag legte fest, daß der Friedhof in Roth niemals bebaut werden darf und in seiner jetzigen Form beibehalten werden soll.

Diese Steuerliste aus dem Jahre 1750 weist auf einen gewissen Aaron Loew hin. Dieser Aaron Loew (Arjeh) war der erste Vorfahre der Familie Sonneborn. Von mehreren Kindern sind uns 2 namentlich bekannt: Moses und Feibel.

Infolge einer Proklamation des Landes Hessen im Dezember 1808 nahmen Moses und Feibel den Namen „Sonneborn“ an. Es wird berichtet, daß sie dies auf Vorschlag eines nicht-jüdischen Geschäftsfreundes von Feibel Sonneborn taten, der diesen Namen trug und in Korbach (Waldeck) lebte. Zwei weitere Brüder Feibels, die in Wetzlar lebten, gaben sich selbst den Namen „Rosenthal“.

Samuel Sonneborn war sehr gut befreundet mit verschiedenen von Feibels Urgroßneffen namens Rosenthal, die einen Fellgroßhandel betrieben. Andere Abkömmlinge der Familie Rosenthal zogen nach Amerika und ließen sich in New York und Baltimore nieder.

Das Stammhaus der Familie Sonneborn in Breidenbach war das „Onerz Haus“ (jetzt Anneliese Bäcker). Es war nicht nur das Geburtshaus aller Kinder von Aaron Loew, sondern auch das seiner Enkel, Urenkel und Ur-Urenkel.

Feibel (Uri) hatte vier Söhne und zwei Töchter. Sein Sohn Joseph hatte vier Söhne und drei Töchter.

Der älteste Sohn Josephs, Levi Sonneborn, aus Breidenbach war zweimal verheiratet. Aus erster Ehe hatte er zwei Töchter und einen Sohn, von seiner zweiten Frau zwei Töchter und vier Söhne.

Der jüngste und einzige heute noch lebende Sohn von Levi Sonneborn, Samuel Sonneborn, schreibt folgendes:

Unser Haus in Breidenbach war bekannt als das Haus von Joseph Loew. Es befand sich am Altweg, zwischen Lawersch und Boss (jetzt Heinrich Reitz) gegenüber vom Schäfers (Ammeschäfersch).

Der Geburtsort meines Schwagers Henry Sonneborn befand sich ebenfalls am Altweg, auf der gleichen Straßenseite wie unser Haus. Unser Onkel Feibel, Vaters Bruder, lebte mit seiner Familie an der Hauptstraße. Dies war in der Nähe des Pfarrhauses, neben Stoffels Haus an der Straßenecke (Schuster Milchsack, Schefersch).

Dieses Haus, bekannt als (Josses) Joseph Feibels Haus, hatte mein Großvater Josef Sonneborn gekauft, als mein Vater heiratete. Großvater Josef Sonneborn zog dann zusammen mit Großmutter, Onkel Feibel und Tante Hannchen in das neu erworbene Haus.

Eine andere Schwester meines Vaters, Tante Bettchen, lebte ebenfalls in Breidenbach, zusammen mit ihrem Mann Abraham Leowenstein. Ihr Haus, das gegen über Ritters Laden lag, war bekannt als Liebmanns Haus.

Alle anderen Geschwister meines Vaters waren nicht in Breidenbach verheiratet, sondern in Wölfersheim (bei Friedberg) und Lauterbach; ausgenommen Onkel Aaron, der in den USA verheiratet war.

Unsere Mutter Amalie geb. Bacharach wurde in Kestrich, Hessen, geboren. Ihr ältester Bruder Samuel Bacharach lebte im hessischen Schlitz; ihr jüngerer Bruder Solli wanderte mit 17 Jahren nach Amerika aus.

Trotz zunehmender Emanzipation gab es in kleineren Orten nur sehr begrenzte Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen oder eine Ausbildung zu erhalten.

Ein in 1913 herausgegebenes Büchlein anläßlich der 1000-Jahr-Feier von Breidenbach berichtet, daß während des 19. Jahrhunderts viele Juden und Nicht-Juden in die „Neue Welt“ auswanderten. Allein zwischen 1848 und 1870 verließen mehr als 100 Einwohner Breidenbach.

Gegen Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts kam Henry, der Sohn Moses Sonneborn, in die USA. Er ließ sich in Baltimore, Maryland, nieder.

In den 70er Jahren gründete er dort eine Fabrik für Herrenmoden. Sie wurde zu einer der größten im Lande und beschäftigte mitunter mehr als 4000 Arbeiter. Sie blieb bis Ende der 30er Jahre unseres Jahrhunderts in Betrieb.

Ein Teil der Familie Sonneborn sowie manche ihrer Verwandten in Breidenbach verließen das Dorf zu Anfang der 80er Jahre. Als erste gingen Josef und Leo Stern, die Söhne von Jacob und Reichel Stern und Neffen von Josef und Miriam Sonneborn. Sie ließen sich in Köln nieder und gründeten die „Rheinische Vaselineöl- und Fettfabrik, Gebr. Stern“.

Der älteste Sohn Levi Sonneborns, Jacques (Isaak) Sonneborn, geb. 1863, trat 1886 ebenfalls in dieses Unternehmen ein. Er hatte die Realschule in Biedenkopf besucht und eine Lehre bei einer Frankfurter Bank gemacht. Nach seiner Lehrzeit blieb er noch zwei Jahre lang bei dieser Bank. Drei Jahre später wurde Jacques 1889 Firmenpartner. Später wurde die Firma zu einer Handelsgesellschaft namens „Ölwerke Stern - Sonneborn AG“ umgewandelt. Zweigstellen und Niederlassungen wurden in Hamburg, Deutschland; London, England; Paris, Frankreich und Genua, Italien gegründet.

Jacques Sonneborn und Leo Stern gingen in den späten 90er Jahren von Köln nach Hamburg. Jacques Sonneborn widmete seine Zeit in erster Linie dem Exportgeschäft der Firma, bei dem ihm seine guten Kenntnisse der französischen, englischen und italienischen Sprachen besonders von Nutzen waren. 1925 wurde die Firma an die Shell Öl-Gruppe verkauft.

Viele andere Mitglieder der Familie zogen während der 90er Jahre von Breidenbach in Städte wie Gießen, Marburg und Frankfurt/Main. Andere wanderten direkt in die Vereinigten Staaten aus.

Levi Sonneborn zog 1891 mit seiner Familie in die Universitätsstadt Marburg/Lahn. Wenige Jahre später folgte ihm sein Bruder Felbel dorthin.

Doch Feibel blieb nur bis 1906 in Marburg und beschloß dann, Deutschland zu verlassen, um sich in New York City niederzulassen.

Levi Sonneborns erstes Haus stand in der Neustadt (Marburg), von wo er ein Jahr später in die Haspelstraße umzog. 1904 kaufte er sein Haus in der Wilhelmstraße 38. Dort starb er 1911. Seine Frau Amalie geb. Bacharach verstarb 1916.

Levi Sonneborns zweiter Sohn Siegmund, geb. 1872, besuchte die Realschule in Marburg und absolvierte eine Lehre beim Kolonialwarengroßhandel Kirchberger in Weilburg/Lahn. Kurz nach Beendigung seiner Lehre folgte er seiner Schwester Auguste nach Baltimore, Maryland.

Auguste Sonneborn hatte mittlerweile den Witwer Henry Sonneborn, den Sohn Moses Sonneborns, im Jahre 1889 geheiratet.

Siegmund Sonneborn widmete sich zunächst dem Studium der Freien Künste an der Johns Hopkins Universität. Nach seinem Studium stieg er in das o. g. Herrenausstattungsgeschäft seines Schwagers Henry ein und wurde bald dessen Partner.

Der dritte Sohn Levi Sonneborns Ferdinand wurde 1874 geboren. Nach Beendigung der Schule wurde er in die „Rheinische Vaseline-, öl- und Fettfabrik Gebr. Stern“ geschickt, um dort eine dreijährige Ausbildung zu durchlaufen. Sein Wunsch nach Wissen und insbesondere sein Interesse an der Chemie trieben ihn dazu, die formale Ausbildung weiterzuführen. Er besuchte die Universitäten von Marburg und München, Deutschland, und Basel, Schweiz; dort erwarb er seinen Doktortitel der Philosophie. 1902 folgte er seiner Schwester August und seinem Bruder Siegmund nach Baltimore, Maryland.

Zusammen mit seinem Bruder gründete er 1903 in Baltimore die Firma L. Sonneborn Söhne AG. Dieses Unternehmen befaßte sich mit der Herstellung von Weißöl und anderen Petroleumprodukten sowie anderen chemischen Produkten für die Industrie.

Die Brüder wählten den Firmennamen „L. Sonneborn Söhne“ zu Ehren ihres Vaters Levi Sonneborn. Die Produktpalette an Motorölen und Schmierstoffen, die in ihrer Firma hergestellt wurde, trug die Handelsbezeichnung „Amalie“ ebenfalls in Erinnerung und zu Ehren an ihre Mutter Amalie Sonneborn.

Die Firma L. Sonneborn Söhne AG mit Hauptsitz in New York City betreibt Raffinerien in Petrolia und Franklin, Pa. eine eigene Fabrik in Nutley, N. J., und Zweigstellen in fast allen Großstädten Amerikas und Kanadas.

Das Unternehmen hat eine führende Position in der Herstellung von weißem Erdöl, Petrolatum und anderen Petroleumprodukten erreicht.

Ferdinand Sonneborn war bis zu seinem Tode 1953 Firmenchef. Siegmund Sonneborn starb 1940, und sein Sohn Rudolf ist heute Vorsitzender der L. Sonneborn Söhne AG. Joseph (geboren 1877), der vierte Sohn Levi Sonneborns, besuchte die Realschule in Biedenkopf.

Nach seiner Marburger Lehrzeit arbeitete er eine Zeit lang, wurde dann aber zu krank dazu. Er litt unter einem chronischen Leiden, das er sich wahrscheinlich nach einer Unfallverletzung im Alter von 9 Jahren zugezogen hatte. Er starb in Marburg im blühenden Alter von 30 Jahren; zu früh endete sein Leben, das er dem Studium der Sprachen und der Literatur gewidmet hatte.

Levi Sonneborns jüngster Sohn Samuel (geboren 1881) kam nach dem Tode seines Bruders Joseph 1907 nach Marburg zurück und blieb bei seinen Eltern. Vor dieser Zeit und nach Beendigung der Schulzeit in Marburg absolvierte er seine Lehre in Hamburg und studierte das Herstellen von Seife in Basel, Schweiz.

Er erweiterte sein Wissen auf diesem Gebiet in Seifenfabriken in Paris (Frankreich) und Oslo (Norwegen).

Bei seiner Rückkehr nach Marburg gründete er eine Fabrik, die Seifen herstellte und andere chemische Spezialitäten und betrieb diese bis zu seiner Ausreise. Er lebte im Hause in der Wilhelmstraße mit seiner Familie und verkaufte dieses, bevor er Deutschland verließ.

Heute dient dieses Haus als Altenheim. Von Deutschland aus ging Samuel Sonneborn nach Luxemburg, wo er bis einige Tage vor Ausbruch des 2. Weltkrieges blieb, bis er nach England flüchtete. In Luxemburg gründete er seine eigene Firma, die besondere Seifen und damit verbundene Produkte herstellte.

Er verkaufte diese Waren nach Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und in Luxemburg. Er verbrachte drei Jahre in Cambridge, England, einschl. eines Zwangsaufenthaltes von einigen Monaten in einem Straflager für feindliche Ausländer. Er kam 1942 mit seiner Familie nach Amerika und lebt heute in New York City.

Levi Sonneborns älteste Tochter Hilda war in Zwingenberg (bei Darmstadt) verheiratet.

Die zweite Tochter Nanni war in Breidenbach verheiratet, starb dort bereits im Alter von 28 Jahren.

Wie schon zuvor erwähnt, verließ Auguste Sonneborn Breidenbach und war in Baltimore, Maryland, mit dem Witwer Henry Sonneborn verheiratet.

Bertha, die jüngste Tochter, war in Zürich, Schweiz, verheiratet.

Nach dem Tode ihres Mannes 1908 ging sie mit ihrem Sohn nach Marburg/Lahn, wo sie bis 1933 blieb. Kurz nach Hitlers Machtübernahme 1941 ging sie von Deutschland aus nach Zürich und von dort aus in die USA. Sie starb 1947 in New York.

Als sich Siegmund Sonneborn in den frühen dreißiger Jahren aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzog, widmete er sich dem Studium der Philosophie und der Jüdischen Literatur. Er konzentrierte seine Studien auf die Psalmen und reinterpretierte sie im Sinne neuerer Zeiten und Kulturwerte.

Sein tiefes Interesse an der Erlangung einer Jüdischen Heimstatt und sein Wunsch nach Erlernen der hebräischen Sprache motivierte ihn zu längeren Israelaufenthalten (damals als Palästina bezeichnet) während der Jahre 1934 bis 1937.

Sein Haus in Baltimore war ein Zentrum der geistigen Begegnung und philanthroper Aktivitäten und wurde von vielen außenstehenden Persönlichkeiten des Landes besucht.

Ferdinand Sonneborn war nicht nur ein außergewöhnlicher Wissenschaftler und Geschäftsmann, sondern auch gleichermaßen wirkungsvoll tätig in diversen Wohltätigkeits-Organisationen wie z. B. der Föderation Jüdischer Philanthropien und dem Amerikanischen Roten Kreuz.

Zusammen mit seinem Bruder Samuel und seiner Schwester Bertha nahm er am fünften Zionisten-Kongreß in Basel im Jahre 1901 teil. In späteren Jahren gehörte Ferdinand zu den Gründern der Amerikanischen Gesellschaft für die Förderung des Hebräischen Institutes für Technologie in Haifa.

Siegmund und Ferdinand unternahmen beide wiederholt Reisen nach Palästina.

Ihr tiefes Interesse am Land Israel, wird heute von Rudolf G. Sonneborn, Siegmunds Sohn, weiterverfolgt.

Viele Jahre lang gehörte Rudolf zu den Führern der Bewegung „United Jewish Appeal“ (Vereinigter Jüdischer Aufruf). Auch er hat sein Verständnis für die Probleme, die sich diesem Land stellen, durch zahlreiche persönliche Reisen dorthin erweitert.

In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß Hans Sonneborn (Hanon Aynor), Enkel von Isaak Sonneborn aus Wölfersheim zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Zeilen stellvertretender Staatssekretär im Israelischen Konsulat von Rio de Janeiro (Brasilien) ist.

Während viele Mitglieder der Familien Sonneborn, Bacharach und Stern glücklicherweise den Gräueltaten des Hitlerregimes entrinnen konnten, kamen viel zu viele in den berüchtigten Konzentrationslagern der Nazis um.

Obwohl Deutschland der Geburtsort der Familie war, lebte 1945 kein einziges Mitglied mehr dort.

In der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Nachfahren von Aaron Loew aus Breidenbach fast überall auf dem Globus verstreut. Die meisten leben jedoch in den Vereinigten Staaten, wo die Familie Sonneborn seit mehr als einem Jahrhundert wie auch in Israel vertreten ist.

Siegmund, Ferdinand, Jacques, Samuel und Rudolf Sonneborn waren dabei behilflich, daß viele junge Mitglieder der Familie von der Hachschara ausgebildet wurden, um derart auf eine spätere Ansiedlung in Israel vorbereitet zu sein.

Diese hilfreiche und lebensrettende Hand wurde nicht nur ausgestreckt aufgrund des Interesses am Zionismus, sondern sicherlich auch wegen des tiefgreifenden Familiensinnes.

Es ist diese allzeit lebendige Familienliebe in Verbindung mit dem großen Interesse an dem Vorleben der gegenwärtigen Generation, welche die Zusammenstellung dieser Familiengeschichte ermöglicht hat.

Möge sie im Gegenzug die folgenden Generationen, die diesen Bericht lesen werden, dazu inspirieren, die Familientradition fortzuführen, welche erfüllt ist von Stolz, Liebe und Aufopferung für die Jüdische Gemeinde im Allgemeinen und die Familienangehörigen im Besonderen.

Im Namen der Gemeinde Breidenbach und der Arbeitsgruppe Historik-Breidenbach sage ich herzlichen Dank für die Bereitstellung dieses Textes. Mögen zukünftig noch viele solcher Dokumente unser Archiv bereichern.

Norbert Nossek