Der Debus-Tunnel und andere Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915

Aus Genealogen im Hinterland
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Autoren: Günter Debus, Fritz Debus, Siegfried Palm

Inhaltsverzeichnis

Einordnung

Buchmanuskript von Karl Debus 1941

Die Thematik ist dem Buchmanuskript von Karl Debus entnommen, das den Bau von Tunnelanlagen im Ersten Weltkrieg an der Front in der Champagne darstellt.

Das Manuskript ist erwähnt im Beitrag zu seinem Vater Carl Friedrich Debus (1860–1934): Als Steiger an Ruhr und Saar: Carl Friedrich Debus (1860–1934) – Vater von zwölf Kindern.

Dort findet sich die Aussage:

„Karl Friedrich leitete als Bergbau-Experte in einer Pionier-Kompanie eine Untertunnelung der feindlichen Linien, darüber schrieb er später das Buch Der Debus-Tunnel.“

Das Buchmanuskript mit dem Titel Der deutsche Bergmann im Weltkriege – Champagne 1915 mit Schwerpunkt in der Darstellung des nach ihm benannten Tunnels, Debus-Tunnel, wurde 2013 entdeckt und 2014 dem Deutschen Bergbau-Museum in Bochum übergeben. Wie aus den Unterlagen zum Buchmanuskript hervorgeht, war das Buchmanuskript zum Druck freigegeben, wurde jedoch wegen Absage der vorgesehenen Druckerei 1942 angesichts der Kriegssituation nicht mehr gedruckt.

  • Karl Debus: Der deutsche Bergmann im Weltkriege – Champagne 1915. 1941 (Buchmanuskript mit Plänen und Bildern, seit 2014 im Archiv des Deutschen Bergbau-Museums).

Wie heute (27.09.2016) rückgemeldet wurde, besteht wegen Umbaus zur Zeit kein Zugriff auf das Archiv des Deutschen Bergbau-Museums (DBM); siehe Das DBM baut um.

Angaben zur Person Carl Debus (1887–1946) und zur Auffindung des Buchmanuskriptes samt Unterlagen stehen im Beitrag: Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915. Dort findet sich auch eine Übersicht über alle beteiligten Personen und Truppen.

Die Aufzeichnungen von Karl Debus sind ein Zeitdokument. Wie er selbst einleitend einräumt, ist seine Sprache nicht die eines geübten Schreibers. Ihm als gelernter Steiger geht es um die „ehrliche“ Darstellung des Erlebten. Sein Denken ist national-patriotisch. An keiner Stelle findet man die Sprache Nazi-Deutschlands, es gibt keinen Verweis auf den Führer. Für uns heute erschreckend ist die Feind-Mentalität in Bezug auf den „Franzmann“ oder – noch krasser – auf die Soldaten nordafrikanischer Herkunft; abstoßend die Wertung deren Leben im Kampf auf dem Schlachtfeld. Wie zu erwarten, findet man an vielen Stellen positive Darstellungen des Erlebens von Kameradschaft: Opferbereitschaft für den anderen, furchtloser Einsatz für den Gefährdeten und Verletzten. Die eigene „Pionier“-Leistung des ersten Tunnelbaus wird – allzu oft – wiederholt und zeugt vom Ehrgeiz und Stolz des Bergmanns Debus. Trotz der vielen Einschränkungen gibt die Dokumentation sehr anschauliche und detailgetreue Einblicke in das Geschehen vor Ort und zu dieser Zeit. So werden Planung und Bau des Tunnels ausführlich und veranschaulichend beschrieben. Auch alle beteiligten Personen werden aufgeführt. Die lebensnahe Schilderung des Ablaufs der Herbstschlacht 1915 geht „unter die Haut“. Seine bohrende Frage nach der Vernunft des Menschen lässt die Verzweiflung in dieser Hölle des Kriegsgeschehen erkennen.

Im Beitrag Krieg: „Mit Gott für Vaterland“ – „Entrüstet Euch“ wird diese Verzweiflung als Ausgangspunkt für die Darstellung von Stimmen für oder gegen Krieg als Mittel der Konfliktlösung aufgegriffen. Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges haben einige wenige Menschen zu Pazifisten gemacht. Diese konnten kraft ihrer Stimme jedoch einen Zweiten Weltkrieg nicht verhindern. Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges sind inzwischen verblasst. Sind gegenwärtige Stimmen stark genug, aktuelle kriegerische Auseinandersetzungen einzudämmen und drohenden Kriegen vorzubeugen?

Champagne 1915, Ort des Geschehens

Ort des Geschehens ist die Champagne, hier insbesondere die „Lausechampagne“. Peter Schmitz[1] schreibt:

„Unter der Champagne haben wir uns, bis wir sie kennenlernten, ein weinfrohes, sonniges Land vorgestellt. Doch diesen Teil der Champagne nennen die Franzosen ‚Champagne des pusses‘, die Lausechampagne. Es ist ein welliges Hügelland, auf dem sich schier endlos dürftiges Weideflächen ausdehnen, die braun-gelb daliegen in düsterer Einsamkeit. Der Boden ist reine kreide. Teilweise schimmert der Kreideboden durch das spärliche Heidekraut und bildet flecken von schneeiger Weiße. Erika und Ginster, windzersauste und verkrüppelte Ebereschenbäumchen und kleine, dürftige Waldparzellen erhalten von dem mageren Kreideboden spärliche Nahrung … Am Rande der Anhöhe liegen ein paar armselige Dörfer: Rouvron, Ripont, Tahure, Somme-Py, St.-Marie-a-Py hinter der deutschen, Perthes, Hurlus und Massiges hinter der französischen Stellung.“

Peter Schmitz: Golgatha. Donat Verlag, Bremen 2014, S. 95
 
Karte der Kriegsregion in der Champagne
 
Detail aus einer Karte der Champagne von 1912

An der Westfront , so auch in der Champagne, hatte sich nach dem Stop der deutschen Angriffswellen ein Grabenkrieg  entwickelt. Die Region wurde unbewohnbar „verwüstet“.

Über die gegenwärtige Lage informiert der Verein La Main de Massiges.

Schlachten 1915

Winterschlacht

Nach dem Ende der Winterschlacht in der Champagne  1915, am 20. März, wird auf deutscher Seite der Start zum Bau von Tunnelanlagen gegeben.

Herbstschlacht

Unmittelbar vor Beginn der Herbstschlacht in der Champagne  1915, am 25. September, ist der Debus-Tunnel so weit fertiggestellt, dass er von Truppen bezogen werden kann.

Tunnelanlagen

Im Bergbau ist es eine Aufgabe, Stollen  zu bauen. Ein Stollen ist ein in den Berg getriebener Grubenbau . Er gleicht im Aufbau der untertägigen Strecke , hat aber im Gegensatz zu dieser eine Tagesöffnung. Stollen und Strecken bezeichnet der Bergmann als stollenförmige Baue. Stollen haben nur eine Tagesöffnung. Im Gegensatz dazu ist ein Tunnel  ein unterirdisches Bauwerk mit Ein- und Ausgang unter Tageslicht.

Der Bau von Tunnelanlagen in der Champagne begann mit dem Bau des Debus-Tunnels. Der Bergmann Karl Debus, ausgebildeter Steiger, war mit der Bauleitung beauftragt worden und wurde Namensgeber für diesen Tunnel. Wie er schreibt:

„Im Laufe der Zeit entstanden hier 7 Tunnelbauten mit dem Unterschied, dass dieser weit unter die feindlichen Linien hinwegging. Der Debus-Tunnel hatte eine Länge von weit über 800 Metern und waren in ihm die meisten Truppenverbände untergebracht, denn er glich einem Riesenarsenal bzw. einer unterirdischen Festung.“

Karl Debus: Der deutsche Bergmann im Weltkriege – Champagne 1915. 1941, S. 13

Ausführlich wird über den Bau des Debus-Tunnels berichtet. Die Darstellung ist eine Kombination erzählender Schilderung des Werdegangs und systematisierenden Baubeschreibung. Insofern sind inhaltlich zusammengehörende Angaben nicht immer an gleicher Stelle zu finden.

Neben der Darstellung des Debus-Tunnels gibt es Berichte über den Ditfurth-Tunnel, den Hertzberg-Tunnel, den Mont-Cornillet-Tunnel, den Altrock-Tunnel und den Kipsdorf-Tunnel, sowie Tunnel im Argonner Wald.

Literatur

  • Karl Debus: Der deutsche Bergmann im Weltkriege – Champagne 1915. 1941 (Buchmanuskript mit Plänen und Bildern, entdeckt 2013, seit 2014 im Archiv des Deutschen Bergbau-Museums).
Siehe auch: Der Steiger Carl Debus als Konstrukteur des Debus-Tunnels in der Champagne 1915

In den Kriegsschilderungen von Peter Schmitz  werden die Tunnelanlagen genannt:

Das Werk war zunächst ab 1931 in Fortsetzungen erschienen: „Bataillon Eupen-Malmedy“ in „L’Invalide“, 1935 als Buch mit dem Titel Golgatha im Eupener Paul-Kaiser-Verlag, nach dem 10. Mai 1940 von den Nazis vernichtet und das Grab des Autors vom Ehrenfriedhof entfernt. In der Neuauflage: Vorwort (S. 7–8) von Els Herrebout (Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens), Einleitung „Im Westen nichts Neues“ (S. 9–51) von Philippe Beck, „Kriegsroman“ (S. 53–279) von Peter Schmitz und Nachwort „Nichts Neues nach 1918 – Keine Abkehr vom Militarismus“ (S. 280–329) von Helmut Donat.

Links

Debus-Tunnel

Bericht von Karl Debus

Im Buchmanuskript von Karl Debus wird über den Debus-Tunnel berichtet: „Der Debus-Tunnel“ (S. 9–57). In den ersten Abschnitten (S. 9–30) werden Plan und Durchführung dargestellt, danach „Unser Sturm auf die Traube“ (S. 31), „Vorbereitungen auf die Herbstoffensive“ (S. 32 f.), „Die Herbstoffensive in der Champagne“ aus der Perspektive des Debus-Tunnels (S. 34–48), „Das ruhmreiche Ende des Debus-Tunnels“ (S. 49), „Nie verzagen – alles wagen“ mit Darstellung kameradschaftlicher Erlebnisse (S. 50–54) und die Namensliste der Mannschaft (S. 55–57).

Namensgeber

Karl Debus (1887–1946), Angehöriger einer Pionier-Einheit im Ersten Weltkrieg, wurde wegen seiner beruflichen Kompetenzen als Bergmann mit der Bauleitung des ersten Tunnels in der Champagne 1915 beauftragt. Der Tunnel wurde nach ihm benannt. An Bau und Betrieb weiterer Tunnel war er beteiligt: Ditfurth-Tunnel, Hertzberg-Tunnel, Altrock-Tunnel und Mont-Cornillet-Tunnel. Eigenen Angaben nach machte er in dieser Zeit Aufzeichnungen und sammelte Pläne und Bilder. Nach einem Treffen mit „Kameraden“ ab 1938 erstellte er ein Buchmanuskript, das jedoch – nach den Darstellungen in der vorliegenden Korrespondenz mit dem Kameraden Erich Asbach in Sömmerda – angesichts der Kriegssituation 1941 nicht zum Druck kam. Das Buchmanuskript mit allen zugehörigen Unterlagen (maschinenschriftliches Manuskript und handschriftliche Ergänzungen, Publikationsgenehmigungen, Baupläne, Karten, Fotos, Briefe) wurde 1942 wegen der Bombenangriffe von Karl Debus, wohnhaft in Essen, in einem Koffer zu seinem ehemaligen Stellvertreter Hubert Jungbluth in Hergenrath (jetzt deutschsprachige Gemeinschaft in Ostbelgien, nahe Aachen) gebracht und dort bis zu seiner Entdeckung 2013 aufbewahrt. Karl Debus zog 1942 mit Familie wenige Tage vor der völligen Zerstörung seiner Wohnung durch Bomben nach Sömmerda in Thüringen, dem Wohnort des befreundeten Kameraden Erich Asbach, und starb dort 1946. So blieb der Koffer bis zu seiner Entdeckung 2013 im belgischen Hergenrath.

Karl Debus: Der deutsche Bergmann im Weltkriege – Champagne 1915. 1941 (Buchmanuskript mit Plänen und Bildern, entdeckt 2013, seit 2014 im Archiv des Deutschen Bergbau-Museums).

Zitiert wird der Debus-Tunnel in: Peter Schmitz : Golgatha. Donat Verlag, Bremen 2014, ISBN 978-3-943425-32-1, S. 180 ff., 185 ff., 222.

Bauzeit, Betrieb und Ende des Tunnels

In Erwartung eines Stellungskampfes nach Ende der Winterschlacht in der Champagne, 20. März 1915, wurden Tunnelanlagen geplant. Als erster Tunnel wurde der Debus-Tunnel am 1. Mai 1915 begonnen und der Durchschlag am Südhang wurde am 15. September 1915 (S. 19) geschaffen und an diesem Tag dachte noch keiner daran, daß nur 7 Tage später, an dieser Stelle, sich die große Herbstschlacht in der Champagne in ihrer vollen Wucht und in ihrer ganzen Stärke abspielen würde" (S. 19). Der Tunnel war kurz vor Beginn der Herbstschlacht, Trommelfeuer ab 22. und Angriff ab 25. September, so weit beendet, daß Truppen aufgenommen wurden und von hier aus, nach Beendigung des 75 Stunden anhaltenden Trommelfeuers der Angriff der Franzosen mit einem Gegenangriff erwidert werden konnte.

Am 27. September 1915 wurde der südliche Ausgangsteil des Debus-Tunnels auf Befehl gesprengt, um wegen des ungünstigeren Frontverlaufs im Südwesten und der allgemeinen Zurücknahme der deutschen Truppen nicht Gefahr zu laufen, den Tunnel an die Franzosen zu verlieren.

Eine genauere Zahl, wie viele Soldaten im Debus-Tunnel aufgenommen wurden, gibt Karl Debus nicht an. Mit einer zuletzt erreichten Tunnellänge von über 800 m, wie angegeben (S. 49), hatte der Tunnel für die damals Zuständigen eine offenbar hohe Aufnahmekapazität. So ist zu verstehen, wenn Karl Debus schreibt:

„Vielen hunderttausenden von Soldaten bot diese unterirdische Anlage Schutz und Unterkommen und der Tunnel bildete den Eckpfeiler bei allen Angriffen, die sich hier auf der Höhe 196 abgespielt haben. […] Viele Truppenmassen hatten hier Stellung genommen und so überlebte der Debus-Tunnel auch die nachfolgenden Kriegsjahre 1916–1917 und 1918 – dann aber war auch das Ende für den Debus-Tunnel gekommen. […] Es kam der Waffenstillstand [Compiègne, 11. November 1918] und […] wurde auch der uns allen so lieb gewordene ‚Debus-Tunnel‘ von den 28. Pionieren, auf deutschen Befehl, gesprengt.“

– Debus 1941, S. 49

Lage des Tunnels

 
Karte zu den Stellungen zwischen Tahure und Ripont mit Nordausrichtung und der Lage des Debus-Tunnels
 
Kartenausschnitt für die Region Tahure – Ripont – Le-Mesnil-les-Hurles
 
Blick in Richtung Süden (Frontverlauf) auf das noch unzerstörte Ripont und den dahinterliegenden Kreideberg, rechts liegt das Wasserwerk Ripont-Mühle.
 
Kartenausschnitt südlich von Tahure und Ripont mit Nordausrichtung, Lage des Debus-Tunnels: links
 
Detail-Karte zur Lage des Debus-Tunnels (Tunnel schwarz gestrichelt von oben Mitte nach unten rechts verlaufend)

Der Debus-Tunnel lag südlich zwischen Tahure[2] und Ripont.[3]

„Die 3. Armee hatte folgende Stellungen besetzt: Eisenberg, Fritschberg, Wetterecke, Traube, Schiffchen, Sargdeckel, Höhe 171, 196 und Höhe 199, Kanonenberg, Altrockstellung, Stützpunkt West und Ost, Dumwaldthöhe, Sattelstützpunkt, Brigade und Oheimstellung sowie das oft umkämpfte Ripont-Mühletal. Der Dormoise-Bach mit seiner Quelle in der Nähe von Tahure durchzog das Ripont-Mühletal in Richtung Cernay. Im Stellungsgelände befinden sich nachstehend aufgeführte Schluchten und Wäldchen: Elster-, Storch-, Hasen-, Jäger-, Kanonier-, Küchen-, Artillerie-, Engelbrechtenschlucht sowie Schlucht la Coutte; Troilo-, Kibitz- und Habichtwald, Artillerie-, Halbmond-, Horch-, Jahn-, Hiepe- und Trennungswäldchen und Wäldchen auf Höhe 171.“

– Debus 1941, S. 5

„Der Ort dieser Baustelle [des Debus-Tunnels], welcher auf Höhe 196 lag, wurde ‚Wetterecke‘ genannt. […] Auf einer […] Feldbahn von Ripont-Mühle bis zur Baustelle wurde das gesamte Baumaterial herangeschafft.“

– Debus 1941, S. 9

Bauplan

Verlauf: „Der Debustunnel hatte die Form einer langen Röhre in seiner gestreckten Form […] und mehreren Ausgängen zu den Gräben.“ (S. 66) Er hatte eine Länge von „weit über 800 Metern“ (S. 49). Nach 176 m hinter dem Eingang nahm der Lauf des Tunnels eine Richtungsänderung nach links. Gegen Ende machte der Tunnel eine Rechtsschwenkung zum Südausgang. Die vertikalen roten Linien in der oberen Abbildung geben die Gräben auf der Erdoberfläche (siehe Eindellungen auf der Erdoberfläche in der unteren Abbildung) an, von links nach rechts drei deutsche Gräben (Prinz-Karl-Weg, Reservestellung, Oheimstellung) und bei etwa 350 m den feindlichen Graben. Damit wird deutlich, dass der Debus-Tunnel unter die feindlichen Linie hinaus in das feindliche Gebiet geführt wurde. Vor der Höhe 196 wurde der Tunnel vom Eingang auf gleicher Höhe vorgetrieben, so dass die Decke – Talsohle bis Erdoberfläche – bei Höhe 196 21 Meter betrug. Von Höhe 196 aus fiel das Gelände nach Süden hin ab und so mußte auch logischerweise die Tunnelsohle von hier aus auch abfallend ausgefahren werden. Die Linienführung paßte sich der Erdoberfläche an und für den Tunnel mußte immer eine granatsichere Deckung gewährleistet werden, somit betrug die niedrigste Höhe zwischen Tunnel und Erdoberfläche 13 Meter Kreidegestein.“ (S. 11).

 
Bauzeichnung des Debus-Tunnels, Profil (unten) und Aufsicht (oben)

Der Tunneleingang am Nordhang war verborgen gestaltet. Von ihm führte ein Schmalspurgleis nach innen, über das die losgebrochenen Schuttmassen herausgefahren wurden und Material hineintransportiert wurde.

 
Eingang des Tunnels mit Karl Debus in der Mitte
 
Eingang des Debus-Tunnels mit Innenräumen

In einer Abbildung zum Buchmanuskript wird die Gestaltung und Nutzung der Räume direkt hinter dem Eingang in einer frühen Phase des Tunnelbaus dargestellt. „Am Eingang des Tunnels ersieht man sämtliche Unterstände, Unterkünfte und anderes mehr. […]“ (S. ) Dazu gehört

  • Latrine
  • Küche (K)
  • Mannschaftsraum
  • Unterstand (U)
  • Tunnelbauleitung (T)
  • Pferdestall (Pf)
  • Sanitätsunterstand
  • Maschinenraum (MI)
  • Regimentsstand (R)

Dazu Laufgraben zum Karl-Prinz-Graben und Raum für Flammenwerfer .

Später mit Beendigung des Tunnels wurden vor allem Räume im mittleren Bereich eingerichtet, die absolut zu sichern waren. Dafür sorgte die Decke von 21 Metern. Die nächste Abbildung veranschaulicht diese räumliche Gestaltung.

 
Zentraler Teil für Maschinenraum

Ein mittlerer Ausschnitt aus der Gesamtdarstellung des Tunnels zeigt die Räume im sichersten Bereich, 21 Meter unter der Erdoberfläche, zwischen Reservestellung und Oheimstellung. Hier war der Wasser-Hochbehälter untergebracht, hier waren die zentralen Maschinenräume I und II vor und nach dem ersten Luftschacht eingerichtet. Vor diesem mittleren Teil befand sich der Unterstand für den Stab.

 
Luftschächte und Begleittunnel vor der feindlichen Linie

Der Luftschacht III wurde unmittelbar vor dem feindlichen Graben hochgetrieben. Eine Abzweigung vom Haupttunnel nach rechts führte zum zweiten Sicherheitsstollen in Richtung Traube. Bei dieser Abzweigung verlief auf höherer Ebene der Begleittunnel parallel zum Haupttunnel. Eine Abzweigung nach links diente als Sprengstollen.

 
Südlicher Tunnelausgang mit Sturmtreppen und Sicherungen; Luftschächte und Begleittunnel vor der feindlichen Linie

Rechts am Ende des Tunnels befinden sich die Ausgänge, eine westliche Sturmtreppe und einen Hauptausgangstunnel zur Nord-Süd-Stellung mit Sturmtreppen“ (S. 14). Zur Sicherung wurden Sicherheitstüren eingebaut, vor der Abzweiung des Haupttunnels nach rechts, vor der Verzweigung von westlicher Sturmtreppe und Hauptausgangstunnel und im Tunnelabschnitt der westlichen Sturmtreppe. An verschiedenen Stellen waren Sprengkammern eingebaut. Weiterhin gab es Raum für die Unterbringung von Flammenwerfern .

Belüftung: Der Tunnel wurde über sechs Luftschächte belüftet. An

„der höchsten Stelle der Höhe 196 [...] wurde der erste Luftschacht hochgebracht, also hochgebrochen. Die Höhe dieses ersten Luftschachtes durch das Kreidegestein von der Tunnelstrecke bis zur Tagesoberfläche betrug genau 21 Meter.“

– S. 18–20

Sicherung: (S. 26–27):

„Vor dem Tunneleingang gab es einen Verteidigungsgraben nach Osten und Westen und besondere Vorkehrungen zum Schutz des Eingangs, wie eine ganze Anzahl von spanischen Reitern davor. 176 m nach dem Tunneleingang wurde bei der Linksschwenkung des Tunnels nach rechts ein erster 84 m langer Sicherheitsstollen angelegt, nach 320 m – unmittelbar vor der feindlichen Linie – ein zweiter 124 m langer Stollen.“

– S. 26

Die Sicherheitsstollen wurden angelegt, „weil hier noch von der Winterschlacht her ein Franzosennest übrig geblieben war. Diese feindliche Stellung hatte den Namen die Traube.“

„Im Abzweig der Stollen wurde ein Aufbruch von 7 m hoch aufgetrieben und von hier aus ein Begleitstollen über dem Haupttunnel ausgebaut, denn über dieser Strecke lag oben an der Tagesoberfläche ein französischer Graben. Es konnte sehr leicht der Fall eintreten, daß der Franzose bei der geringsten Verdächtigung des unterirdischen Ausbaus uns den Tunnel abquetschen konnte. So war es eine natürliche Folge, daß eine solche Abquetschung seitens des Feindes nur den Begleitstollen getroffen hätte, aber nicht unseren Haupttunnel.“

Es wurden Sprengstollen eingebaut, einer unmittelbar vor dem feindlichen Graben und die anderen im Bereich des Tunnelausgangs im Südabschnitt.

„Somit entstanden 6 Sprengstollen, die nach ihrer Fertigstellung mit dem notwendigen Sprengstoff versehen und verschlossen wurden, nachdem die elektrische Zündung angebracht worden war. Jeder Sprengstollen wurde in genügender Weise mit tausenden von Sandsäcken mit gefülltem Kreideboden fachgemäß verdämmt, um bei Sprengungen keine Rückwirkungen in den Debustunnel zu erhalten und so die Truppen zu gefährden. Alle elektrischen Spreng- und Zündleitungen vereinigten sich im Maschinenraum und standen unter ständiger Kontrolle des Erbauers, weil nur dieser den Zündschlüssel zur freien Verfügung besaß. Jede solcher Sprengkammer hatte etwa 30 Zentner Sprengstoff in sich aufgenommen. […]“

„Weiter wurden im Haupttunnel etwa 40 m vor der Rechtsschwenkung des Südausgangstunnels zwei zweiteilige Sicherheitstüren eingebaut. Jeder Flügel einer solchen Sicherheitstür konnte nach rechts und nach links aufgeschoben werden. Die Türflügel selber liefen oben auf Rollenschienen und waren leicht zu öffnen und zu schließen. Eine solche Sicherheitstür glich einer schweren Panzertür einer Festung, denn jede Tür war beidseitig mit einem starken Eisenblech beschlagen und befanden sich außerdem noch in der tür oben, in der Mitte und unten Schießscharten für stehende, knieende und liegende Schützen im Falle eines Angriffs. Diese Schießscharten waren wieder mit Stahlplatten verschlossen. Die beiden Türhälften bestanden aus 6 cm starken Eichenbohlen und hatten sehr schwere Türverriegelungen mit Überwürfen. Ebenso wurden diese Sicherheitstüren genauestens eingepaßt, weil diese auch gleichzeitig feindliches Gas bei einem Gasangriff abhalten. Denn bei einem etwaigen Gasangriff mußte unter allen Umständen der Debustunnel gasfrei bleiben, weil dann dann hier die Tausende von untergebrachten Soldaten gefährdet wurden. Daher hatte man noch die Sicherheitstüren mit Wollstoffen abgedichtet. In unmittelbarer Nähe einer solchen Tür waren große Berge von gefüllten Sandsäcken aufgestapelt, die dazu bestimmt waren, im Falle eines Angriffes die Türen zu verschanzen, um die vielen Gewehrgeschosse abzuhalten.“

 
Querschnitt des Tunnels

Innenraum: Im Tunnelgang

„stehen die beiden schräggestellten Stempelstützen an den beiden Seiten und werden oben durch die darüberliegenden Querzug-Kappe auseinander gehalten. An beiden Seiten, wie auch oben, sieht man deutlich die Verzugsbretter hinter dem Querzug und den Stempelstützen eingeklemmt liegen. […] Die Verzugsbretter dienen dazu, den hinter den Stempelstützen liegenden Kreideschutt am Durchfallen zu verhindern. Da die Stempel nicht dicht beieinander stehen, sondern immer nur in gewissen Abständen, müssen die Zwischenräume mit Verzugsbrettern ausgefüllt werden. Die Stempelstützen sie […] schräg, also gespreizt. aufgestellt. um so alle auftretenden Drücke besser aufzunehmen. Unterhalb der Kappe rechts und links laufen die Luftrohre bis zur Vorortstellung, um immer frische Luft vor Ort zu bringen. Die Luftrohre heißen Luttenrohre. Auf der Talsohle zwischen den Stempelstützen laufen zwei Schienen vom Schmalspurgleis, auf welchen die Kippwagen fahren. Die linke seitliche Aussparung in der Sohle dient als Abführrinne des Wassers, falls sich solches hier ansammeln sollte. Die gespreizten Stempelstützen stehen noch ein gutes Stück im harten Kreidegestein, damit es auf alle Fälle eine feste und dauerhafte Tunnelzimmerung gibt. […] Durch den beschriebenen Tunnelbau werden viele unterschiedliche Räume gebildet.“

– S. 14–17

„Beim Ausbau des Tunnels ist die Türstockzimmerung angewandt worden, damit das durchfahrene Geistein gehindert wird, die gebildeten Räume oder Strecken wieder zu verschütten.“

– S. 15

„Die Rundhölzer hatten einen Durchmesser von 15 bis 20 cm […]. Die lichte Weite des Tunnels betrug an der Kappe 1,5 Meter, in der Sohle 2.1 Meter und die Höhe 2 Meter. Die Türstöcke standen 90 cm von einander entfernt, soweit dieses das Kreidegesteil zuließ, sonst auch nur 80 cm entfernt an schwachen Stellen. Für die Mannschaftsunterstände wurden naturgemäß stärkere Stempel zum Ausbau verwandt, denn hier mußten die Rundhölzer 30 bis 50 cm Durchmesser haben, […] Für die Küchen-, Maschinenräume und Pferdeställe wurden durchweg nur Stempel von 60 cm Durchmesser genommen. Bei diesen wurden die Türstöcke auch nur 60 cm entfernt aufgestellt, weil die Decken eine Spannweite von 3 bis 4 m hatten. In allen Räumen wurden die Verzugsbretter ganz dicht gelegt, damit keine Belästigungen durch Abbröckeln von Kreidestücken eintreten sollten. Viele Mannschaftsunterstände erhielten auch noch einen starken Fußboden. Im Inneren der Unterstände wurden die Wände noch mit aufgetrennten Sandsäcken bekleidet, dann mit Oelpapier und dünnen Latten gegen Haltbarkeit bedeckt. Nunmehr wurden die Räume mit Tischen und Bänken ausgestattet und wurden diese Ausfertigungen von den Schreinern der hier in Ruhe liegenden Feldgrauen vorgenommen.“

– S. 16
 
Querschnitt des Tunnels - im Vordergrund Hauptmann Nottebrock links, Karl Debus rechts
 
Querschnitt des Tunnels bei einer Abzweigung - Karl Debus links, Hauptmann Nottebrock Mitte

Bild unten links zeigt Karl Debus (rechts) in seinem Arbeitszimmer im Tunnel. Auf der Ablage an der Wand steht ein Bild (zweites von links), auf dem er zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, Vater des Mitautors Fritz Debus, zu sehen ist. Das Foto (rechts) befand sich in der persönlichen Fotosammlung von Karl Debus im Koffer der Buchunterlagen. Auf dem Foto, das in Frankreich entstanden sein muß, steht handschriftlich „Der Brüder erstes Wiederseh’n“.

 
Dienstzimmer von Karl Debus (2. v. links) im Debus-Tunnel
 
Bild im Dienstzimmer von den Brüdern Karl und Wilhelm Debus
 
Wasserwerk Ripontmühle

Wasserversorgung: Die Wasserversorgung war zur Zeit der Winterschlacht und danach desolat.

„Im Winter gab es wenigstens noch Regen- oder Schneewasser, das als Trink- und Waschwasser verwandt wurde. Die meisten Brunnen hatten stinkendes, verdorbenes Wasser oder die anderen waren versiecht. Diese noch einigermaßen wassergebenden Brunnen lagen unter schwerstem Feuer des Franzmannes, denn er wußte, daß der Deutsche einzig und allein auf diese wenigen Wasserstellen angewiesen war. […] Zunächst gab es nur die eine Lösung, unter Einsatz des eigenen Lebens, Wasser von diesen unter Feuer liegenden Brunnen zu holen. In 10 Liter Kannen wurde täglich das Wasser über 1/2 Stunde weit herangetragen. […] Auf Veranlassung des Hptm. Karchers erbaute der Utffz. Erich Asbach von der 1. Ldw.Pion.Komp. des 7. Pionier-Btl. des 7.A.K. im Ripontmühletal, etwa 2400 Meter hinter der Front ein großes Wasserwerk. Die Pumpstation wurde in einem Kreidehügel hineingebaut und hatte eine Deckung von 8 m, also lag es geschützt gegen das eintretende Artilleriefeuer des Feindes. Gegenüber dem vollständig zerstörten Dorf Ripont wurde dieser Bau errichtet und bekam eine ausgedehnte Maschinenanlage mit elektrischer Zentrale. Somit erhielten sämtliche Truppenlager außerdem noch elektrischen Strom für die Speisung der elektrischen Beleuchtungsanlagen.“

– S. 24
 
Wasserwerk Ripont-Mühle und Leitungen zu Vorratsbehältern

„Der damalige Pionier Asbach war in seinem Beruf Maschineningenieur und dieser bekam Befehl, sich in Savigny [Sitz des Baukommandos Karcher] zu melden und man beauftragte ihn mit der Leitung dieser Aufgabe.“

– S. 74

Baubeginn war der 1. Mai.

„Es war Anfang Juli, als wir das erste Wasser hochgepumpt in die dazu aufgestellten Wasserbehälter erhielten. Ein großer Segen für alle Feldgrauen, ob im Tunnel oder draußen in den Gräben, alle bekamen jetzt Wasser, denn das gewaltige Wassernetz ging bin in den Tunnel, in alle Hauptgräben, bis an die vordere Linie […] In der Feuerstellung ließ Utffz. Asbach 11 große eiserne Wasserbehälter aufstellen und faßte jeder Behälter etwa 5000 Liter Wasser. Dieser mußte nun wieder in den Kreideboden eingelassen werden, damit die später darauf einschlagenden Granaten keine Zustörungen an diesen hervorriefen. Die Grube eines solchen Reservoirs hatte eine Tiefe von 4 m und eine Breite von 5 x 3 m. Nach dem Einsetzen wurde dieser mit Kreideboden zugedeckt und erhielt eine Lage Eisenbahnschienen, dann Sand, dann eine starke Bohlenlage als Abdeckung. Diese Arbeiten konnten nur nachts ausgeführt werden, wenn es keine großen Verluste an Toten und Verwundeten geben sollte.“

– S. 24

Im Tunnel konnte ein Vorratsbehälter „nur an der höchsten Stelle des Berges eingelassen werden, damit es später nicht an genügender Gefällhöhe fehlte“ (S. 24). In der nebenstehenden Abbildung ist der Debus-Tunnel rechts oben abgebildet. In diesem war das Wasser im Hochbehälter unter der Höhe 196 untergebracht. –

„Das Wasser hatte in den Hauptgräben noch einen Druck von 1 1/2 at., also waren die Gefäße im Augenblick gefüllt. Die in den Tunnel aufgestellten Wasserbehälter zur Kühlung der Benzolmotore, für die Küchen und die Sanitätsunterstände […] wurden am Tage mehrmals gefüllt und so stellte sich heraus, daß das Wasserwerk Ripontmühle täglich 83.000 Liter Wasser durch das Rohrnetz hinauf in die Stellungen pumpte. […] Die Pumpanlage im Wasserwerk lief am Tage etwa 14 Stunden ununterbrochen, zu gleicher Zeit wurde auch elektrischer Strom erzeugt und an alle Truppenlager abgegeben. Die Länge des verlegten Wasserrohrnetzes betrug 13.000 Meter, also 13 Kilometer Rohre mußten vorerst im harten Kreideboden verlegt werden, ehe die Versorgung mit Wasser beginnen konnte. Die Rohre lagen etwa 1 m tief im Kreideboden eingebettet, damit diese einigermaßen vor Granaten sicher lagen, trotzdem noch oft genug die Rohre beschädigt wurden. Daher wurden auch Rohrtrupps eingesetzt, deren Aufgabe es war, die abgeschossenen Stellen augenblicklich zu reparieren.“

– S. 25
 
Maschinenraum, Karl Debus links, Hauptmann Nottebrock rechts

Beleuchtung (S. 21–22): „Zu Anfang behalf man sich mit Petroliumbeleuchtung […] Meist waren es Stalllaternen und später Grubensicherheitslampen. Nach vier Wochen wurden Karbidlampen aufgestellt.“ Dann kam elektrisches Licht.

„Im Maschinenraum wurden zwei Gleichstromaggregate aufgestellt. Jedes Aggregat bestand aus einem stehenden wassergekühlten Benzolmotor mit einer mechanischen Leistung von 6 PS, gekuppelt mit einer Dynamomaschine für 120 Volt Spannung […] Für die Wasserkühlung der Motore wurden Wasserbehälter aufgestellt. Die Elektriker installierten die Lichtleitungen, so daß immer in 25 m Abstand eine elektrische Lampe hing. Die Leitungen liefen unterhalb des Firstes, wodurch der gesamte Debustunnel im hellsten Licht erstahlte. […] Vor verschiedenen Steckdosen aus wurden bewegliche Handlampen an Litzedrahtleitungen mitgeführt, um überall in den wichtigsten Betriebspunkten die Arbeit erledigen zu können.“

– S. 21

Durchführung

Arbeitskommando:

„Dieses setzte sich aus den Infanterie-Regimentern der 16. Reservedivision zusammen. Es waren Kameraden der 28er,[4] 29er,[5] 65er[6] und 68er,[7] Debus als Bauleiter führte diesen regulären Bergmanntrupp und bekam zur Unterstützung noch den Utffz. Heinrich Piepenbreier[8] von der 1. Komp. des 7. Pion.-Batl. sowie den Gefreiten Paul Gerber und Wehrmann Adolf Zaroka hinzu. Nach Aufstellung betrug das Arbeitskommando 2 Unteroffiziere und 80 Mann, alles tüchtige Bergleute und Steiger aus dem Rheinisch-Westfälischen Kohlenrevier. Am 1. Mai 1915, abends 11 Uhr wurde durch Utffz. Debus vor der angetretenen Mannschaft der erste Spatenstich vorgenommen.“

– S. 9

„Der technische Bauleiter Debus teilte die Belegschaft auf 4 Schichten ein, somit hatte eine Arbeitsschicht 6 Arbeitsstunden unter Tage zu arbeiten, also wurde in 4 / 4 Schichten gearbeitet. Einige waren zum Abbau und Wegtransport des Kreidegesteins eingesetzt, andere als Tischler, Zimmermann, Schlosser und Schmiede.“

– S. 10

Später wurde

„der Bautrupp […] neu eingeteilt und auch der Bauleiter selbst bekam eine Ablösung. Bei dauernder Tag- und Nachtschicht waren 2 Bauleiter erforderlich. Als Ablöser für Debus kam der Utffz. Hubert Jungbluth[9]von der 8. Komp. des RIR 29 hinzu.[10] Wegen seiner großen Befähigung, seinen umfassenden Kenntnissen und seines Fleißes wurde dieser von Hauptm. Nottebrook als Stellvertreter bestimmt.“

 
Mannschaft mit Pferd am Eingang des Tunnels, Debus rechts

Beförderung der Erdmassen: „Zuerst wurden Wagen gebaut, in der Ausführung als Seiten- und Kopfkipper.“ Der Transport des Kreidegesteils gestaltete sich als sehr schwierig.

„Diese Arbeiten konnten nur noch durch Pferdetransport bewältigt werden, dazu hatte Hauptm. Nottebrook 4 Pferde stellen lassen. Zu Anfang dieses Pferdebetriebs gab es in dem schmalen Tunnelgang manches Kopfstoßen und die Pferde mußten sich erst daran gewöhnen, sich im Dunkeln zurechtzufinden. Weiter konnten sich die Pferde nicht allein umdrehen und es mußten stets 2 Mann behilflich sein, bis die 4 Pferde gut angelernt waren. […] Mit vieler unterschiedlicher Mühe […] verstand Fritz Krusenbaum es geradezu meisterhaft, diese guten Tiere anzulernen und anzuleiten.“

– S. 12

Später waren es 8 oder sogar 12 Pferde.

Tarnung und Wache: Die Lagerung des herausgefahrenen Kreidegesteins war ein großes Problem.

„Das Abladen dieser Massen [des Kreidegesteins] auf der Halde durfte keine Verzögerungen erleiden, damit der Franzmann durch Beobachtung vom Fesselballon oder Flugzeug aus nichts von dem Vorhaben merkte. Die Halde wuchs von Tag zu Tag ansehnlich, da ungeheure Schuttmassen auf dieser entladen wurden, daher wurde der Bau immer schwieriger. Etwaige Feindbeobachtungen hätten den gesamten Bau in Frage gestellt, weil der Gegner mit seiner Artillerie die Baustelle unter Feuer genommen hätte. Alle auf der Halde arbeitenden Leute wurden angewiesen, die allergrößte Vorsicht walten zu lassen und mußten diese den ausgefahrenen Kreideschutt sofort planieren und die Oberfläche des weißen Kreidebodens mit der vorhandenen kümmerlichen Muttererde bedecken. Wenn die Letztere nicht reichte, wurde Ocker darüber gestreut. [… oder] die frischen Stellen der Kreideschuttmassen mit Pferdemist bedeckt.“

– S. 10

„Die hochgetriebenen Luftschächte hatten auch noch einen weiteren Zweck, denn diese dienten unserer Artillerie als vorgeschobener Beobachtungsposten, weil man von hier aus, einen vollständigen Überblick über das gesamte feindliche Gelände hatte. Der Franzose hatte nicht die geringste Ahnung, daß er von hier aus Tag und Nacht beobachtet wurde, denn sein gesamtes Grabenlabyrinth wurde mit dem Scherenfernrohr abgesucht und scharf eingesehen auf jede kleinste Veränderung hin. Wie hätte wohl jemals ein Franzose geahnt, daß der Deutsche am Südhang einen Ausguck gehabt hätte oder gar in die französischen Graben eingesehen hätte? […] Wenn nur der Franzmann die leiseste Spur entdeckt hätte, daß unter ihm das Wunderwerk entstand, dann hätte dieser unter Aufbietung seiner ganzen Kräfte sofort versucht Einhalt zu gebieten und zu sprengen. […] Schon beim geringsten Verdacht hätte er begonnen, uns Minenstollen entgegen zu treiben und unsere Gänge abzuquetschen, seither hätte er durch schlagkräftige Sprengungen unseren Tunnel zerstört. Aber nichts geschah. Der Feind wußte von nichts. Es ist zur Genüge bekannt, daß durch Abhörmikrophone die Stellen abgehorcht wurden, um genau zu wissen, ob hier Stollen angelegt werden, ob der Gegner hier bohrt, sprengt oder vorbereitet. Oft mußten daher die Arbeiten kurz eingestellt und erst abgehört werden, ob der Gegner nichts von unserer Arbeit vernommen hat.“

– S. 19

Belegung mit Truppen

„Am 19. und 20. September 1915 bezogen als erste Truppen die zugeteilten Regimenter ihr Quartier im Tunnel. […] Alle verfügbaren Mannschaftsunterstände wurden zuerst belegt, damit die Förderung vor Ort noch weiter gehen konnte und die Hauptstrecke frei blieb, aber es kamen immer mehr Truppen, die alle noch untergebracht werden mußten. Somit wurde der weitere Ausbau vollständig eingestellt, denn die Soldaten lagen auch nunmehr auf der Tunnelsohle, also im Tunnelgang selbst und die Wagen mit dem auszufahrenden Kreidegestein konnten nicht mehr vorbei.“

– S. 32

Das Trommelfeuer begann am 22. September morgens um 7 Uhr und dauerte 75 Stunden, dann am 25. September erfolgte der Angriff und der anschließende Gegenangriff.

Die Herbstschlacht 1915

Siehe ausführliche Schilderung von Schmitz (2014, S. 169–187), Angehöriger des R.I.R 29: Die Herbstschlacht in der Champagne vor Ort am Debus-Tunnel

25. September bis 4. November

Es werden einige Ausschnitte aus dem Kapitel zu Die Herbstoffensive in der Champagne (S. 34–48) des Buchmanuskriptes von Karl Debus wiedergegeben. Passagen mit Menschen verachtenden Feindbilder werden bewusst nicht aufgenommen; dagegen Stellen der Reflexion, die es auch gibt und markiert offenbar zur Streichung vorgesehen waren.

Nach Karl Debus:

Feindliches Einschießen

19. bis 21. September

Schon am 19. September steigerte sich das feindliche Einschießen.

„Jeder einzelne Mann merkte, daß etwas größeres bevorstand, aber niemand ahnte, daß ein 75 stündiges Trommelfeuer einsetzte.“

– S. 32

Trommelfeuer

75 Stunden, 22.–25. September

Nach Karl Debus:

„Keiner ahnte die ungeheuren Auswirkungen dieser bevorstehenden Materialschlachten. Das Trommelfeuer brüllte los. Zum ersten Mal in der Kriegsgeschichte hören wir das Wort Trommelfeuer! Es ist schwer, einen französischen Artillerieangriff zu schildern, und noch schwerer, diesem tagelang hindurch ausgesetzt zu sein. Es ist das Schrecklichste im Krieg, was es je geben kann: das Trommelfeuer. Wo man geht, steht oder liegt, verharrt man in dieser Stellung stundenlang, ja tagelang, wenn man noch vom Tod verschont geblieben ist. Die Gräben und die Drahthindernisse sehen aus, als ob diese mit einem riesigen Pflug umgepflügt worden sind. Jetzt tobt hier in der Champagne das Trommelfeuer derart stark, daß eine Erhöhung der Wucht und die Geschoßdichte desselben nicht mehr erreicht, viel weniger noch gesteigert werden kann. Jedes Meter Land wird von den unzähligen heulenden und krepierenden Granaten tief durchfurcht, nichts bleibt unberührt, keine Stelle des Landes unversehrt.

Immer weiter heulen die Granaten leichten und schwersten Kalibers durch die Luft, alles um uns herum ist nur noch ein Brausen, Summen und Orgelton und man versteht kein Wort mehr in diesem Höllenlärm, selbst lautes Schreien ist nicht mehr vernehmbar. Unsere Ohren sind taub geworden. Was soll das alles nur bedeuten? So beschießt man sich gegenseitig mit Geschützen und noch dazu noch auf Menschen, nur weil die Regierungen sich untereinander nicht eiig werden konnten, darum stehen jetzt auf beiden Seiten die Feldgrauen sich gegenüber und müssen dabei ein solch hartes Gericht über sich ergehen lassen? Wo bleibt hier die menschliche Vernunft und der feste Wille? Die Artillerieduelle gehen weiter und weiter. Es trommelt unaufhörlich. Aber auch die deutsche Artillerie ist in keiner Weise untätig, denn sie schießt was nur aus den Rohren will. Die Artillerie geht ran an den Feind, denn ihre Losung heißt: ‚Und setzt ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein!‘

Das gesamte Stellungsfeld liegt unter einer starken undurchdringlichen Wolke von dunstigem Schwefel und Gas, Rauch und Geschoßqualm, Einschlag folgt auf Einschlag, die Hölle ist offen. Geschoßstücke klirren durch die Luft, Explosion folgt auf Explosion, eine rote Wand vom Krepieren der zu Hunderttausenden abgeschossenen Granaten vom kleinsten zum größten Kaliber, steht vor uns. Und wie sieht es nun in der deutschen Hauptstellung aus bei unseren Posten vor Gewehr? […] Sie haben keine Unterstände mehr, denn diese sind zusammengeschossen, zerfetzt vom wahnsinnigen Trommelfeuer. Wer versorgt die Feldgrauen in den Erdlöchern, die wenigen Überlebenden mit Wasser, Kaffee und Brot? Wer wagt es überhaupt zu denen zu gelangen? Wer löst diese übermüden und gepeinigten Soldaten ab […]?

[Volltreffer Eingang:] Der Eingang des Tunnels war auf die ersten Meter nur splittersicher, weil die Oberfläche nur allmählich anstieg, denn die Höhe 196 war nicht so steil, dass der Tunneleingang schon gleich zu Anfang eine starke Abdeckung gehabt hätte. Dieser Eingang wurde während der 75 stündigen Kanonade durch mehrere schwere Granaten getroffen. Am 24. September, morgens 10 Uhr waren hier die ersten Verluste zu verzeichnen, eine Granate durchschlug in etwa 4 m Länge vom Eingang aus die beginnende Tunneldecke, bohrte sich einen Meter von der Sohle in den örtlichen Stoß, also in die Wand und krepierte hier erst und als Volltreffer begrub er gleich die dort stehenden Feldgrauen und sofort begannen die Hilfsaktionen und die Kameraden wurden wieder ausgegraben und innerhalb von zwei Minuten war den ersten 4 Kameraden geholfen, wohl hatten diese von der großen Verschüttung sehr schwere Quetschungen davon getragen, aber waren am Leben. Als die Aufräumungsarbeiten fast beendet waren, fand man den fünften Kameraden tot unter den letzten Trümmern. Alle Verwundungen deuteten mit Gewißheit darauf hin, da dieser Kamerad bereits beim Krepieren des Volltreffers tot gewesen sein mußte.

[Volltreffer Luftschacht:] Kurze Zeit später kam ein Volltreffer in einem der Luftschächte. Auch hier sah es wüst aus und der Utffz. Jungbluth war wieder der erste Kamerad, der auch hier zuerst zugriff und hier war die Sache sehr verzwickt, denn die beim Einsturz der oberen Partie dieses Luftschachtes wurden auch von dem Volltreffer die hier in Freie führenden Rohre der Benzolmotoren mit weggerissen und einige Zeit später machten sich die giftigen Auspuffgase von den Ableitungen im Tunnel sehr deutlich bemerkbar, denn die Oxydgase betäuben sogleich. Daher wandte auch hier der Kamerad Jungbluth die große Gefahr ab, indem er alles sofort wieder instand setzen ließ und durch sein schnelles und entschlossenes Handeln, wurden hier größere Verluste vermieden.

Die Granaten, die als Volltreffer den Debustunnel getroffen hatten, waren reine Zufallstreffer, denn das Vorhandensein des Tunnels war nicht verraten worden, selbst die feindlichen Tiefflieger hatten nichts davon beobachtet, denn sonst wäre Salve auf Salve hier auf dem Tunneleingang gelandet. Auch die 5 bis 7 m hohe Kreidegesteinshalde war dem Gegner nicht aufgefallen. […]“

– S. 37 f.

Angriff und Nahkampf

25.–26. September

Nach Karl Debus:

„Am 25. September 1915, vormittags 9 Uhr 15 Minuten brach der Gegner nach 75 stündiger Kanonade das Artilleriefeuer ab und unübersehbare Massen rannten im Sturm gegen die zertrommelten deutschen Stellungen, ohne Widerstand zu finden. Was noch rufen konnte, brüllte aus den Erdlöchern weit durchs Gelände, daß die Rufe grell widerhallten: ‚Sie kommen, sie kommen!‘ Im Debustunnel hallte es dröhnend wieder und zu gleicher Zeit erschallten im Tunnel laute und scharfe Kommandos und im Augenblick war hastige Bewegung unter den Reservetruppen zu spüren. Wiederum ertönten neue Rufe: ‚Sie kommen – alles raus!‘ Schon wenige Augenblicke später waren alle verfügbaren Ausgänge und Sturmtreppen benutzt, im Eilschritt ging es über diese hinweg und nach dem Verlassen des Tunnels schwärmten die deutschen Truppen sofort nach rechts und links aus. Nach diesem Ausschwärmen hatten die Feldgrauen sogleich die Verbindung mit den übrigen Tunnelreserven von den anderen in der nähe liegenden Tunnel aufgenommen. So wurde jetzt ein Ring im Rücken der stürmenden Franzosen gebildet und der Nahkampf begann. Die Franzosen, sowie ihre schwarzen Hilfstruppen, waren überrascht, hier noch lebende Deutsche anzutreffen, denn ihrer Meinung nach mußte in diesem Gefechtsabschnitt alles Leben erstorben und erstarrt sein.

Die dichten Kolonnen der Franzosen laufen in wilder Hast die früheren deutschen Gräben entlang, soweit solche noch vorhanden waren. Stießen dabei selten auf Widerstand, und dringen dabei unaufhaltsam in diesen vorwärts. So überrennen sie auch das Gelände der Wetterecke und die hierbei angetroffenen deutschen Posten vor Gewehr werden einfach niedergeschlagen., da diese gegen eine solche erdrückende Mauer gar nichts ausrichten können. Die Truppenmassen des Gegners wälzen sich über die Höhe 196 hinweg, weiter über die Tunnellinie hinaus, vorbei ging es im Eilschritt an dem Debustunneleingang bis an die Küchenschlucht, hier entbrannte der furchtbarste Nahkampf, wie man diesen selten erlebt hatte. Der Franzose wurde bis an die eigene Stellung zurückgeschlagen und noch weiter zurück über seine Linie hinaus. Jetzt erst bewies der Debustunnel seinen ungeheuren Wert und seine Zweckmäßigkeit, denn er bildete gerade jetzt einen bedeutenden strategischen sowie militärischen Stützpunkt in der Champagne. Morgens am festgesetzten Angriffstage laufen die horizontblauen Sturmwellen unaufhaltsam, in mehreren Wellen folgend, vor, nichts ahnend, daß ihnen der Tod im Rücken sitzt. Von rückwärts wurde der Feind durch das R.I.R 29 angegriffen und vernichtend geschlagen. Es wird hier gekämpft mit Bajonett, Spaten, Hacken und die Deutschen verrichten hier ganze Arbeit.“

– S. 40 f.

„Der nächste Tag, der 26. September, gab an Schwere, Wucht und Ausdehnung des Kampfes dem Vortage nichts nach. Der Franzmann hatte die erste Stellung der Deutschen überrannt und gestürmt und ging jetzt erneut mit Menschenmaterial[11] allergrößten Ausmaßes gegen die zweite deutsche Verteidigungsstellung vor. Der Gegner erhoffte hier nur geringen Widerstand zu finden, aber seine ganze Berechnung war falsch […] denn unaufhörlich rückten von allen Seiten Verstärkungen heran. Truppen auf Truppen kamen in die deutsche Stellung und diese wurde sofort ausgebaut und verstärkt. Ende September war deutscherseits die Lage wieder restlos hergestellt.“

Weitere Tunnelgeschichte

Teil-Sprengung am 27. September 1915

 
Skizze des Debus-Tunnels, Rest nach Teilsprengung

Nach Karl Debus:

„[Es] hatte der Franzose das Dorf Tahure genommen und die dadurch gebildete neue Stellung wirkte sich für den Debus-Tunnel sehr ungünstig aus. Die Frontverteidigung erfolgte nun in westlicher Richtung. Die neue Linie lief vom Schiffchen aus, westlich der Höhe 196 bis nach Tahure, dadurch entstand also westlich des Debustunnels ein scharfer Knick. Der Debustunneleingang lag unter starkem Flankenfeuer von der linken Seite und selbst das Schiffchen sowohl die deutsche Grabenstellung wurden sehr in Mitleidenschaft gezogen. Die Kameraden in dieser Stellung hatten jetzt viel auszuhalten, und um größere Verluste zu vermeiden, entschloß sich die Oberste Heeresleitung die Stellungen nach rückwärts zu verlegen. Dieses wurde auch sogleich ausgeführt. Dadurch wurde der Tunnelausgang am Südhang gefährdet, weil nach der Zurücknahme der deutschen Truppen dieser Ausgang auf feindlichem Gelände lag und dieses verlassene Gelände selbstverständlich vom Franzmann besetzt wurde. Die darunterliegende Tunnelstrecke kam somit in Gefahr. Bauleiter Debus bekam vom Hauptmann Nottebrock den Befehl, den Tunnel an der infragekommenden Stelle zu sprengen, damit der Feind nicht durch den Südausgang eindringen konnte. Die große Sprengung zerfiel in zwei Sprengungen. Diese wurden am 27. September 1915 morgens 5 Uhr ausgeführt. Die erste Sprengung ging am Tunnelausgang des Südhanges hoch, dagegen die zweite im Tunnel selbst. […] Nach den beiden Sprengungen blieben noch etwa 400 Meter laufende Tunnelstrecke in unseren Händen.“

– S. 45 f.

In den folgenden Jahren bis zur weiteren Sprengung wurde der nördliche Teil des Tunnels genutzt, siehe Skizze.[12][13]

Gesamt-Sprengung im November 1918

Die Sprengung des Tunnels erfolgte nach dem Waffenstillstand am 11. November 1918.

Aus dem Bericht von Karl Debus:

„Es kam der Waffenstillstand und […] wurde auch der uns so lieb gewordene ‚Debus-Tunnel‘ von den 28. Pionieren auf deutschen Befehl gesprengt. Es war ein ganz gewaltiges Dröhnen in der Luft, die Erde erschütterte, dicke Rauchschwaden zogen durch die Luft und ein unübersehbares Feld von Geröll und Kreidegesteinen bedeckte unendliche Flächen der Höhe 196 – der Tunnel war vollständig gesprengt worden und die Höhe 196 lag wieder so still und friedlich vor uns, als wie zu Anfang des Krieges 1914, als wir diese Höhe erstmalig besetzten.“

– S. 49

Zusätzliche Hinweise zur Geschichte des Debus-Tunnels sind den folgenden Regimentsberichten zu entnehmen.

Berichte mit Erwähnungen und Bewertungen des Tunnels

Regimentsbericht R.I.R. 65 – September 1914 bis Oktober 1915

 
Küchenschlucht und Höhe 196, Detail aus Karte, Karl Debus Buchmanuskript
 
Stellung des RIR 65; Skizze 7 aus Peters (1927)

Wie Karl Debus berichtet, gehörten zu seiner Baugruppe beim Bau des Debus-Tunnels neben Kameraden der 28er und 29er auch Kameraden der 65er und 68er Regimenter.

Skizze 7 des Regimentsberichts von Peters (1927)[14] zum 29er Regiment gibt die Stellung der beiden Regimenter 65 und 68 1914/1915 wieder.

Im Regimentsbericht von Liedgens (1938) zum RIR 65 werden die Geschehnisse vor Ort dargestellt.

Nach den ersten Stellungskämpfen im Oktober 1914:

„[… Ab November 1914 …] geht der Ausbau der Stellung weiter. Die Aufnahmestellung südlichwestlich Ripont-Mühle wird vollendet. An den Hängen hart südlich der Mühle werden Quartiere für den Winter errichtet, der sich schon mit leichten Schneefällen und Nachtfrösten angekündigt hat. Ripont selbst muß wegen Typhusgefahr geräumt werden.“

Liedgens (1927): Seite 21

Nach der Winterschlacht im Februar/März 1915 wird über die Zwischenzeit bis zur Herbstschlacht September 1915 berichtet:

„Am 2. Mai bezieht das Regiment wieder seine alten Gräben auf der Höhe 196, in der es nun ohne Unterbrechung, nur in sich in regelmäßigem Wechsel ablösend, bis Mitte Oktober [1915] ausharren muß. Zu größeren Kampfhandlungen kommt es vorerst nicht. Dafür beginnt aber ein Kleinkrieg neuer und eigener Art: Der Kampf u n t e r der Erde. Maulwürfen gleich sucht man sich, nachdem man an der Erdoberfläche durch die Entwicklung der Stellung in den Kämpfen des Winters mancherorts auf Wurfnähe herangekommen war, nun unterirdisch zu nähern. Minenstollen werden beiderseits vorgetrieben bis unter den Graben des Gegners und dort gesprengt. Die Trichter werden besetzt, mit Handgranaten ringt man heftig und erbittert um jedes kleine Stückchen Land. Oft gelingt es dein einen auch nicht, bis unter die Stellung des anderen vorzukommen. Aufmerksam wird jedes Minengeräusch belauscht, Gegenstollen werden vorgetrieben und wer den günstigen Moment erwischt, quetscht den Gang des anderen ab. Die Hauptlast dieses Kampfes liegt, wenn auch die Grabenbesatzung nicht zuletzt von ihr berührt, wird bei den Pionieren, im Regimentsabschnitt bei der 6 Komp. des 8. Pionier-Bataillons.“

Liedgens (1938): Seite 26

Weder Debus-Tunnel noch Ditfurth-Tunnel werden erwähnt. Die Herbstschlacht wird ausführlich geschildert.

„Endlich kommt auch für uns das Regiment der Tag, an dem es aus der Stellung auf Höhe 196, in der es 13 Monate lang gelegen hat, endgültig abgelöst wird. In der Nacht vom 14. zum 15. Oktober [1915] übernimmt das Bayrische Infanterie-Regiment 14 den Abschnitt.“

Liedgens (1938): Seite 32

Regimentsbericht R.I.R. 29 – September 1915

Im Regimentsbericht des R.I.R. 29 (Hillebrand und Krauß, 1933) finden sich Aussagen zum Debus-Tunnel zum Zeitpunkt der Herbstoffensive:

„Nicht unbedenklich waren die Verhältnisse am Debus-Tunnel. Dieser Tunnel war auf Befehl des Generalkommandos durch ein besonderes Kommando unter Leitung des Bergmannes Debus erbaut worden. Der Tunnel sollte eine gesicherte Verbindung der Nord-Südlinie schaffen. Am 22. September [drei Tage vor Beginn der Herbstoffensive] war erst ein Ausgang fertig. Die Tunneldecke war auf einer Strecke 20 und mehr Meter stark, bot also hier Schutz auch gegen starkes Minenfeuer. Auf einer Strecke von etwa 160 Meter vom Nordeingang ab war indessen der Tunnel kaum schußsicher, da die Deckenstärke dort vielfach kaum 5 Meter betrug. Der Tunnel hat trotzdem beim Regiment gute Dienste geleistet, weil die in ihm untergebrachten Reserven Deckung fanden. Der Nordeingang wurde bis zur Ablösung des Regiments allerdings zweimal durchschlagen. Das Vertrauen der Mannschaft zur Sicherheit des anschließenden Tunnelteils ist aber dadurch nicht erschüttert worden. Trotzdem erweckte die Weiterbenutzung des Tunnels Bedenken, zumal seine Lage dem Feinde bekannt war. Daher ist er am Ausgang nach der Nord-Südlinie an zwei Stellen gesprengt worden.“

– S. 71 f.

Peter Schmitz: Golgatha – September 1915

Zum Zeitpunkt des 75-stündigen Trommelfeuers – 22.–24. September 1915 – schreibt Peter Schmitz:

„Zwei Züge unserer Kompagnie liegen zusammen mit dem größten Teil des Bataillons im Debus-Tunnel. Dieser Tunnel hat bis jetzt der Beschießung standgehalten. Von ihm weiß der Feind anscheinend nichts. Wenn er angreift, so wird er einem kampfkräftigen Truppenteil gegenüberstehen.“

Schmitz (2014): S. 180 f.

Regimentsbericht R.I.R. 239 – 1916 bis 1918

 
Skizze XXI Stellung des RIR 239 1916-17 Quelle Schatz (1927)

Das RIR 239[15] war zweimal im Bereich der Tunnelanlagen: vom 5.10.1916 bis 27.4.1917 und vom 14.8.1917 bis 28.4.1918. Weder Debus-Tunnel noch Ditfurth-Tunnel werden erwähnt.

Auf der Butte de Tahure – Oktober 1916

Für etwas mehr als drei Monate war das Regiment hier stationiert, u. a. lag eine Kompagnie in einem Bahntunnel (s. u.).

Im Dormoisetal – Ende Oktober 1916 bis Ende April 1917

Die endgültige Stellung wurde im Dormoisetal eingenommen und über den Winter gehalten:

„Res.-Inf.-Reg. 239 löste das Füs.-Reg. 40 im Abschnitt B, etwa 4 Kilometer links der Butte [von Norden aus betrachtet, also westlich], ab. Und dies blieb dann auch die Winterstellung unseres Regiments in diesem Jahr.“

– Seite 97

Abschnitt B liegt unmittelbar im Bereich des Debus- und Ditfurth-Tunnels. Beide werden jedoch im Bericht nicht genannt. Einige Auszüge aus dem Bericht machen die Lage im dortigen Bereich deutlich:

„Es war ein übler Winter. [… Vorher in Flandern] gab es wenigstens nur Dreck und Schlamm. Hier kam noch die scharfe Kälte dazu. Verschlammte Laufgräben waren ja nichts Neues, so wenig wie es als außerordentlich gelten konnte, wenn sie sich zur Regenzeit in Bäche verwandelten. Daß sie aber auch durch Schneewehen vollständig zugeschüttet werden konnten, war eine neue Erfahrung, die man erst in der Champagne machte. Und wie man sich bei länger dauerndem Glatteis in stichdunkler Nacht in einem Graben, der über Höhen und durch Schluchten führt, in beschleunigter Gangart fortbewegt, mußte man hier auch erst lernen. Im Stollen unten war der Aufenthalt auch nicht viel schöner als im Graben, denn auch da fror Offizier und Mann in einträchtiger Gemeinschaft. Öfen befanden sich in weitaus den wenigsten Stollen. Und als die kleinen Schützengrabenöfen endlich angekommen waren, da hatte man keinen Brennstoff dafür. […] Nun gab es ja allerdings Stollenhölzer, Rahmenhölzer und auch Beilpicken, um diese zu zerkleinern. [… Es] wachte der Ausbauoffizier […] sorgfältig über seine Stapel von Stollenhölzern am Pionierpark Ripontmühle, so daß die Nacht schon sehr dunkel sein mußte, wenn man auf einen erfolgreichen Beutezug hier hoffen wollte.“

– Seiten 98 f.
Nochmals Lausechampagne August 1917 bis April 1918

Berichtet wird über den Bahn-Tunnel an der Bahnstrecke Challerange – Somme-Py.

Eine Darstellung bezieht sich auf einen Kampfeinsatz in der Wetterecke, siehe Regimentsbericht R.I.R. 234 ohne Erwähnung des Debus-Tunnels:

„Sie [die Franzosen] hatten am 13. Februar 1918 einen größeren Angriff am linken Flügel der linken Nachbatdivision, an die Res.-Inf.-Regt. 239 im Anschluß lag, unternommen und die Wetterecke, die den 239ern vom Winter 16/17 noch in guter Erinnerung stand, weggenommen. Immerhin brachte dieser Vorstoß auch Unruhe in den Abschnitt J, man wußte ja nicht, ob der Gegner seinen Angriffsstreifen nicht auch noch bis hierher ausdehne. Dauernde Alarmbereitschaft wurde geboten, solange der Kampf an der Wetterecke – am 18. Februar wurde sie von den Deutschen im Gegenstoß wieder geholt, was natürlich auch wieder einen Gegenangriff beim Feind auslöste – hin und her tobte.“

– Seite 141

Ablösung im April 1918

„(Am 21. April] war die Ankündigung der Ablösung da: 52. Res.-Division wird durch 1. bayr. Inf.-Division abgelöst! […] Generaloberst v. Einem entließ die 52. Res.-Division aus dem Verband der 3. Armee […], und am 28. April erfolgte der Abtransport des Regiments in das Gebiet der 4. Armee.“

– Seiten 142 f.

Regimentsbericht R.I.R. 238

Herbrechtsmeier (1966):[16]

Champagne 1916 bis 1918

„Vom Oktober 1916 bis April 1918, unterbrochen durch 3 Wochen Flandernschlacht (29.7. bis 14.8.1917) und 5 Wochen Ruhe- und Ausbildungszeit im Januar/Februar 1918 in den Ardennen, hat unser Regiment 238 in der Champagne gekämpft. […] Nach der Dauer der Kampfzeit in der Champagne kann man diese wohl als unsere 2. Kriegsheimat betrachten, aber welcher Unterschied gegenüber unserer 1. Kriegsheimat Flandern. […] Aber die Stellungen waren meist gut ausgebaut: Kampf-, Deckungs- und Bereitschaftsgräben, dahinter Reservegräben, waren tief in den festen Kreideboden eingeschnitten und untereinander, sowie mit dem rückwärtigen Gelände durch zahlreiche Annäherungsgräben verbunden. Die vom Dormoisetal bei Ripont in die Stellung führenden Schluchten ermöglichten gedeckte Annäherung. In den Stellungen boten tiefe Stollen gute Deckung. Größere, kasernenähnliche Stollen, wie der Ditfurth- und der Debustunnel, waren in den steilen Hängen angelegt und dienten zur Unterbringung von Reserven und Material. Die Ortschaften dicht hinter der Front, wie Ripont, Gratreuil, Manre, Ardeuil und Somme-Py waren völlig zerstört. Die Ruhebataillone mußten daher in Barackenlagern untergebracht werden … Die Artillerie fand in den Mulden und Schluchten nördlich des Dormoisetales günstige Stellungen …[17]

– Seiten 101 f.
Oktober 1916

Ab Ende Oktober 1916:

„Das Regiment 238 hatte den Abschnitt D von der „Butte du Mesnil“ bis zur sogenannten „Wetterecke“, wo die Stellung in scharfem Winkel nach Norden abbiegt, mit 4 Kompagnien in vorderer Linie zu besetzen. Links im Abschnitt E schloß das RIR 240, rechts im Abschnitt B das RIR 239 an. Der Bataillonsstab befand sich im Debustunnel, wo auch noch eine vom Bereitschaftsbataillon gestellte Reservekompagnie untergebracht war. Die 3 anderen Kompagnien des Bereitschaftsbataillons lagen in der Sprungstellung, die als Riegelstellung sich von der „Butte du Mesnil“ nach Nordwesten zieht, in der Altrockstellung nördlich der „Wetterecke“ und bei Ripont-Mühle.“

– Seite 102
Weihnachten 1916 im Debus-Tunnel

„24.12.1916

20 Mann der Kompagnie sind mit einem Zugführer und einigen Unteroffizieren zum Debustunnel gepilgert. Der gute Domprobst Sander hat es sich nicht nehmen lassen, am Weihnachtsabend zu der Truppe in vorderster Linie zu kommen, um im Debustunnel eine kleine Feier zu halten. [...] Eben kommen die Leute wieder zurück, froh und hell und beladen mit Paketen und Päckchen, die der Weihnachtsmann für die 8. Kompagnie im Debustunnel abgegeben hatte.“

– Seite 106
Minensprengung am Debus-Tunnel Ende 1916

28.12.1916 bis 31.12.1916:

„Das (I.) Bataillon in vorderster Linie. Am 31.12.1916 zwischen 4.00 und 5.30 Uhr vormittags sehr lebhafte beiderseitige Artillerietätigkeit, vor allem rechts des Regimentsabschnitts. Der Gegner schoß in der Hauptsache Gasgranaten, so daß für alle Kompagnien sofort höchste Gasbereitschaft angeordnet wurde. Die Besatzung des Debustunnels wurde alarmiert. Um 11.15 Uhr vormittags fand eine Minensprengung des Gegners statt, durch welche zwei durch unsere Pioniere vom Debustunnel aus vorgetriebene Minenstollen abgequetscht wurden. 3 Pioniere wurden verschüttet und getötet, 3 weitere verwundet. Feldwebel Decker, 1. Kompagnie, wurde bei der Ronde am 1.1.1917 durch ein feindliches Schrapnell getötet…“

– Seite 106
Kämpfe um Höhe 185 Frühjahr 1917

„Im Abschnitt des XXVI. Reservekorps fanden im Februar und März des Jahres 1917 die umfangreichsten Kampfhandlungen statt, welche die Truppe während des ersten Einsatzes in der Champagne durchzustehen hatte: das Unternehmen „Schnepfenstreich“ und die anschließenden Kämpfe westlich der Maison de Champagne-Ferme um die Höhe 185, die wiederholt den Besitzer wechselte“

– Seite 106

Aus der Wiedergabe von Tagebuchaufzeichnungen ein Auszug (10.3.1917) zum Sinn des Stellungskampfes:

„Um die Höhe 185 sind noch immer blutige Kämpfe im Gange. Unser Regiment stößt mit dem linken Flügel an die umstrittene Höhe und hat bisher nur wenige Leute verloren, aber die besten und kühnsten, doch nur mit Wehmut läßt sich ahnen, was die Regimenter 235, 236 und 240 verloren haben. Viele Millionen Mark sind in den letzten Tagen und Nächten verschossen worden, Hunderte von Menschen haben ihr Leben gelassen – w o z u ? Auf die Entscheidung des Krieges hat die Verbesserung unserer Stellung keinen Einfluß. Unter der Herrschaft der jetzigen Kriegsmittel kann man keine „Teilerfolge“ mehr erzielen, denn wenn ich mit 300 Geschützen ein Stück feindliche Stellung nehme, schießt er mich ein paar Tage später mit 600 Kanonen wieder heraus …“

– Seite 108

Regimentsbericht R.I.R. 236

Der Regimentsbericht R.I.R. 236[18] berichtet über Einsätze 1916 bis 1918.

Kennenlernen der Tunnelanlagen, Oktober 1916 bis August 1917

„In ihr [der Stellung südlich Rouvroy] lernte das Regiment [RIR 236] zum ersten Male eine Stellung kennen, die nach allen Regeln der Kunst ausgebaut war, eine Stellung, die der Besatzung ein Gefühl der Sicherheit und damit auch größerer Ruhe gab. Die vordere Linie bestand aus mehreren, ungefähr parallel hintereinander liegenden in den kreidigen Boden tief eingeschnittenen Gräben mit genügend vielen vorzüglich ausgebauten schußsicheren Stollen. Eine Besonderheit dieser Stellung waren die großen Tunnels, wie z. B. der Altrocktunnel, der Debustunnel, der Ditfurthtunnel u.u.m. Diese Tunnels hatten Räume für Gefechtsstände, für Verbandstellen und Krankenstuben, für Mannschaften, für Bataillons-, Kompagnie- und Zugführer. In ihnen befanden sich ferner Küchen und Kantinen, Maschinenräume, Fernsprechzentralen, Munitionsräume, Handwerkerstuben, Schreibstuben, Brunnen, Aborte. Sie besaßen verschiedene Ausgänge, auch unmittelbare Ausgänge in die Kampfgräben. […] Diese hervorragend ausgebaute Stellung hatte nur einen Nachteil: ihr fehlte die Tiefe. Vom vordersten Kampfgraben bis zum Regimentsgefechtsstand betrug diese nur etwa 200 m, sodaß der Gegner in der Lage gewesen wäre, sie bei energischem Angriff zu überrennen. Dabei hätten die Tunnels, wie sich an anderen Fronten später erwies, geradezu als Mausefallen für die Besatzung wirken können. Niemand wäre herausgekommen, wenn die Eingänge unter feindlichem M.G.-Feuer gelegen hätten.“

– Kap. 8 Champagne 3. Oktober 1916 bis 13. August 1917. A. Stellungskämpfe südlich Rouvroy. 3. Oktober 1916 bis 14. Februar 1917. S. 238 f.
Kampfhandlungen im Februar 1918

Im Regimentsbericht des RIR 236[12] werden die „Stellungskämpfe in der Champagne südlich Ripont“ berichtet (Kap. 10, S. 299–306).

Im November 1917:

„Das Regiment wurde im Abschnitt E südlich Ripont eingesetzt, befand sich diesmal also ungefähr mitten zwischen der ersten Stellung südlich Rouvroy und der zweiten östlich Tahure.“

Im Februar 1918:

„Am 12. Februar um 11 Uhr wurde bemerkt, daß die feindlichen Gräben dicht besetzt waren. Alles war auf einen Angriff gefaßt, es erfolgte aber keiner. Am 13. Februar liegt bis 9 Uhr vorm. geringes Artilleriefeuer auf Ea und rechtem Nachbarabschnitt, das langsam zunimmt. Von 9.30 Uhr ab treten Minenwerfer hinzu, und das Feuer greift auf den ganzen Abschnitt E über. Um 11 Uhr erreicht es außerordentliche Heftigkeit, steigert sich aber bald noch weiter bis zum Trommelfeuer …“

– S. 301

„Um 6 Uhr nachm. wird festgestellt, daß der Gegener E1 in Besitz genommen hat und über ABC Graben hinaus in Richtung Fürstenbergweg vordringt. Ltn. Zangerie, Führer der 5/236, nimmt mit seiner Stoßreserve den Kampf mit diesem Gegner auf, wird jedoch plötzlich von der Altrockstellung her, wo der Franzose ebenfalls durchgestoßen war, in der Flanke gefaßt … [Rückzug mit Verlusten und Gegenangriff] flankierend über E1 zum Debustunnel vorzudringen“

„Abends um 8 Uhr war die Lage im Regimentsabschnitt folgende: E2 war vollkommen in unserer Hand, und E1 bis kurz vor dem Debustunnel in der Hand des Feindes. Vom Abschnitt E befand sich mithin nur ein kleines Stück am Debustunnel in der Hand des Feindes, E3 war nicht angegriffen worden. Dagegen war der Feind im Nachbarabschnitt bis zur 3. Linie durchgestoßen und hielt hier ungefähr die Linie Altrocksappe, 2. Linie bis zum 65er Graben, diesen Graben selbst, 3. Linie der Altrockstellung bis zum Fürstenbergweg, und diesen zurück bis zur vorderen Linie etwa 100m östlich Debustunnel besetzt. Das II/236 hatte starke Verluste erlitten und zwar 10 Tote, 21 Verwundete, 23 Vermißte. Die Vermißten erklärten sich daraus, daß die im Debustunnel untergebrachten Teile der 5/236 den Räumungsbefehl nicht mehr rechtzeitig erhalten hatten und durch den von beiden Seiten eindringenden Gegner abgeschnitten worden waren.“

– Seite 362

„Am 16. Februar morgens treibt die 10/236 eine starke Kampfpatrouille […] gegen den Debustunnel vor, um ihn wieder in unseren Besitz zu bringen. Das Unternehmen scheitert.“

„Am 18. Februar um 6 Uhr vorm. ist die Bereitstellung beendet. […] Um 6.25 Unr vorm. beginnt das Vorbereitungsfeuer unserer Artillerie und Minenwerfer. Um 6.30 Uhr vorm. treten die Kompagnien zum Sturm an. […] Im Debustunnel werden 2 Kompagnien des Feindes mit dem Batls.Stab gefangen, und es wird versucht, sie abzuführen. Dies gelingt nur teilweise, weil in diesem Augenblick ein feindlicher Gegenangriff einsetzt, dessen Abwehr setzt allem andern vorangeht. In der dabei entstehenden Verwirrung entweicht fast die ganze Tunnelbesatzung wieder; nur den gefangenen Stab gelingt es durch persönlichen Einsatz des Vizefeldw. Jung, der dabei verwundet wird, sicherzustellen. […] Der erste Gegenangriff des Feindes war abgeschlagen.“

– Seiten 304 f.

„Es war etwa 11 Uhr vorm., als aus Richtung 209 bis 215 starke französische Abteilungen hinter ihrem Zerstörungsfeuer her zum Gegenangriff antraten. [wegen Ausfall nachbarschaftlicher Hilfe und eigener Verluste] konnten dem Feind nur schwache Kräfte entgegentreten, die zurückzudrängen für den viel stärkeren Gegner nicht schwer war. […] So ging das ganze gewonnene Gelände schließlich wieder verloren, und die Kampfhandlung war […] zu unseren Ungunsten entschieden. Das war um so schmerzlicher, als uns der Sturm und der Kampf um die Stellung 16 Tote – darunter ein Kompagnieführer – und 74 Verwundete gekostet hatte.“

– Seite 305

Regimentsbericht R.I.R. 234

 
Regimentsbericht R.I.R. 234
Kampfeinsätze in der Wetterecke 1918

„Die Franzosen waren an der Wetterecke, an der Grenze zwischen Abschnitt D und E in unsere Linien eingebrochen und hatten unsere Keilstellung am 13. Februar eingedrückt; sofort wurde über den ganzen Abschnitt Urlaubssperre verhängt und unser Regiment zur Übernahme des Abschnitts E bestimmt.“

– Seiten 352 f.

„In den Tagen vom 18. – 20. Februar 1918 lösten wir das Reserve-Infanterie-Regiment 236 im Abschnitt E auf der Butte Du Mesnil ab. – Durch das mit dem Einbruch der Franzosen verbundene schwere Artilleriefeuer hatte das ganze Grabensystem erheblich gelitten. Wir mußten daher zunächst unser Augenmerk darauf richten, beschleunigt verteidigungsfähige Kampfgräben zu schaffen, zumal der begründete Verdacht bestand, daß der Gegner seine Erkundigungsvorstöße mit starken Kräften in Kürze erneuern würde. Andererseits mußte alles aufgewandt werden, um auf das gründlichste eine Zurückgewinnung der Wetterecke vorzubereiten.“

– Seite 354
 
Regimentsbericht R.I.R. 234

Innerhalb des Kampfeinsatzes am 1. März 1918:

„Von den in zweiter Linie bereitgestellten Reserve-Kompagnien des 1. Bataillons erreichte die 1. Kompagnie mit verhältnismäßig geringen Verlusten ihr befohlenes Ziel am Debus-Tunnel.“

– Seite 357
Sprengung des Debus-Tunnels März 1918

In der Darstellung des Kampfeinsatzes am 1. März 1918 heißt es

„Der Debus-Tunnel wurde durch unsere Pioniere gesprengt.“

– Seite 358

Der 1. März war für das R.I.R. verlustreich:

„Die Verluste des 1. März betrugen: 2 Offiziere, 32 Mann tot, 8 Mann vermißt, 7 Offiziere, 130 Mann verwundet.“

– Seite 358

Badische Pioniere

(1. Bataillon Badischen Pionier-Bataillons Nr. 14)

Im Buch von Ernst Eggeling und Otto Doberg (1927) Die badischen Pioniere im Weltkriege[19] wird mehrfach über Einsätze in der Champagne berichtet und der Debus-Tunnel genannt.

Pioniere des XIV Armeekorps – Juli 1915 bis Juni 1916

Nach dem Einsatz in Nordfrankreich - die erste Kompagnie bei Auchy, der Angriff auf die Lorettohöhe, die Schlacht von Barrée-Arras - nun in die Champagne, ab Juli 1915:

„Champagne“

 
Karte zur Champagne aus Regimentsbericht Badische Pioniere
 
Karte zur Champagne aus Regimentsbericht Badische Pioniere

„Die Verlegung brachte das Korps in völlig andere Verhältnisse. Die menschenleere Champagne nahm uns auf, der von hellleuchtendem Mohn überglühte Hügel in seltsamen Gegensatz standen zu dem siedlungsreichen Industriegebiet, das wir verlassen hatten [Lothringen]. Dort schweifte der Blick über die "Kolonien" der Bergleute zu den hart umstrittenenen Höhen hinüber. Hier lag die alte Krönungsstadt Frankreichs mit den hochragenden Türmen ihrer berühmten Kathedrale zu unseren Füßen. Dort Quartiere in Hülle und Fülle, hier eng belegte Dörfer und Waldlager. Dort die Tag und Nacht, Wochen und Monate rasende Schlacht, hier zunächst nur eine ab und zu von einem Schuß unterbrochene Stille. Dort waren wir die Ehrenbürger des Schlammtales, hier erfreuten uns tief und gut erhaltene Stellungen.“

– Seite 32

Die Herbstschlacht 1915 aus der Sicht der badischen Pioniere:

„Mitte September machten sich die Vorbereitungen für einen neuen Massenangriff des Feindes auch vor der Front des XIV. A.K. bemerkbar. Der linke Flügel und der Bahnhof Bazancourt erhielten starkes Art.-Feuer, sodaß der Bahnverkehr und die Versorgung mit Pion.-Gerät darunter empfindlich litten. Am 25.9. griffen die Franzosen nach 6-tägiger Artl.Vorbereitung abermals auf dem alten Schlachtfeld im östlichen Teil der Champagne an.“

– Seite 33

Im November 1915 bei Ripont:

„Am 3.11. [1915] wurde befohlen, daß das XIV. A.K. den Abschnitt des VIII R.-K. übernehmen sollte, das sich von Tahure bis Maison de Champagne erstreckte. [...] Am 18.11. [1915] wurde der Korps-Pion. Park in Ardenil, der Park der 28. I.-D. in Ripont, der der 29. I.D. in Ripont-Mühle eingerichtet. Die neue Stellung brachte dem Batl. schwierige Aufgaben. Während im alten Abschnitt verhältnismäßige Ruhe geherrscht hatte, zitterte über den schlachtübertobten Hügeln von Tahure bis zum Kanonenberg die gewaltige Nervenanspannung der beiden Gegner nach. Mit Artl.- und Minenfeuer suchten beide Parteien die gegnerischen Arbeiten dauernd zu stören und die Ortsunterkünfte zu beunruhigen. Von den Massen der Art.-Geschosse waren in der vordersten Kampfzone die Wälder niedergelegt. So mußte mit erheblicher größerer Vorsicht und mit Ausnützung jeder Deckung gearbeitet werden. Vielfach waren schon lange Tunnels angelegt worden, die einen gedeckten Verkehr mit dem vorderen Graben ermöglichten und mit zahlreichen Ausbauten für Unterkunft, Beobachtungsstellen, Küchen, Verbandsstellen und Munitions- wie Vorratslager versehen waren.“

– Seite 35

Februar 1916:

„Am 2.2.16 übernahm sie [die 3. Kompanie] den Debustunnel (siehe Skizze 5) und stellte einen Tunnelkommandanten, sowie zwei Arbeitsschichten mit 5-tägiger Ablösung. Dieser westl. der Butte du Mesnil unter die feindliche Stellung führende bergmännisch ausgeführte Stollen war vorher das Arbeitsfeld der 5. Komp. gewesen.“

– Seite 36

Juni 1916 - beidseitiges Minieren:

 
Skizze 6

„Die 1. Komp. begann den Bau eines 85 m langen Verbindungstunnels, der am 1.6. fertig war. Nach dem Ausscheiden der 3. G.I.D. übernahm sie, unter Übersiedlung in das Endreslager, die Arbeiten im früheren Abschnitt der 28. I.D. Von den 20 dort vorhandenen Stollen wurden 3 weitervorgetrieben. Im Debustunnel begann der Bau einer Horchzentrale und ein regelmäßiger Horchdienst. Die Miniertätigkeit führte bald zu einem Zusammenstoß mit den gleichen Absichten des Feindes. Im Stollen D4 (siehe Skizze 6) stieß man am 20.6. abends auf einen in gleicher Richtung unter unsere Stellung führenden franz. Horchstollen. Da gegen Mitternacht die feindlichen Posten, durch herunterfallendes Gestein aufmerksam gemacht, den Sachverhalt zu erkennen schienen, wurde an der Stoßstelle eine inzwischen vorbereitete Ladung von 120kg gezündet. Am folgenden Tage begannen auf beiden Seiten die Aufräumungsarbeiten; 5 m vorwärts der Abzweigung D4 - D5 wurde eine Barrikade errichtet, und als feststand, daß die Franzosen in einer Entfernung von 15 - 20 m dasselbe taten, schoben wir unsere Barrikade bis zum 24.6. um 8 m vor und stellten eine zweite Ladung bereit. Um 6 Uhr morgens wurden keine Aufräumungsarbeiten mehr gehört, dagegen Miniergeräusche, die von einem feindlichen Schleppschacht herrührten, der unter D4, D5 und D6 hindurchführte. Als in D5 der Kreuzungspunkt mit dem franz. Schleppschacht festgestellt war, wurde in D4 geladen und nach Räumung des Kampfgrabens gezündet. Anscheinend mit Erfolg. Unser Senkschacht blieb erhalten.“

– Seite 37-38
Die Pioniere der 28. Infanterie-Division – Oktober 1915
 
Stellung am 18. November, Foto aus der Sammlung von Emil Brüggeney[20]

Nach der Sommeschlacht folgte ein Einsatz in der Champagne:

„Wieder zurück in die Champagne! Die 28 I.-D. löste dort die 29. ab. Am 5.10. [1915] fuhren die 2. Komp., die M.W.K. 28 [Minen Werfer K], S. 297 und der D. Br. Tr. 28 [Divions Brücken-Train 28] nach St. Morel, und marschierten in das Endres- und Lirylager und nach Quatrechamps. Am 7. löste die 2. Komp. unsere 1.[21] im Debustunnel ab, stellte 20 Horchposten und baute in den folgenden Wochen die Stollen aus. Die M.W.K. übernahm am 27.10. die Werferstellungen. Im Allgemeinen herrschte Ruhe im Abschnitt; ein feindlicher Erkundungsvorstoß gegen den Entenschnabel wurde am 16.10. durch kräftiges Minenfeuer abgewehrt. Am 19.10. begann die Ausbildung der Infanterie an den leichten Werfern, die sie später übernahm.“

– Seite 43
Die Pioniere der 29. Infanterie-Division – Juli bis Oktober 1916

Feindliches Minieren und Abwehr – Sommer 1916:

„Als die 28. I.D. im Sommer 1916 aus dem Verbande des XIV A.K. ausschied, reichte der Abschnitt der 29. I.D. von der Butte de Tahure bis zur sogenannten Wetterecke, einer etwas 2.5 km südöstl. Tahure vorspringenden scharfen Ecke unserer Stellung. Wir verließen die 1. Komp. beim Minierdienst im Debustunnel. Da sie am 4.7. in den Stollen S4 und D4 feindliche Miniertätigkeit feststellte, sprengte sie am 8.7. aus D5 eine Quetschladung von 240 kg. Trotzdem schien der Feind unter S4 Fortschritte zu machen, weshalb vor Ort des Tunnels eine Ladungskammer in Beton hergestellt wurde. Als am 4.8. auch in S3 feindliche Arbeit sich hören ließ, wurde an der Kreuzungsstelle von S4 mit dem franz. Stollen geladen und von Ort bis zur Ladungsstelle verdämmt. Diese Arbeiten waren am 16.8. kaum beendet, als die Geräusche sich auch den Stollen B2 und D4 näherten und unter S4 am 21. starker Verkehr gehört wurde. Der Stollen schien von allen Seiten nahe umringt. Die Ladung wurde daher auf 480 kg verstärkt, eine weitere ebenso starke Ladung vor der Verdämmung angebracht. Dank der rastlosen Tätigkeit der Pioniere waren so alle Vorkehrungen getroffen, um den Tunnel, einen wichtigen Rückhalt der Verteidigung, gegen Minenangriffe zu sichern. Zur Sprengung kam es erst am 1.10. gelegentlich eines Erkundungsvorstoßes; der hierzu vollständig geräumte Tunnel blieb unversehrt; Miniergeräusche wurden von diesem Augenblick ab nicht mehr gehört. Der Abschnitt der 29. I.D. reichte jetzt von der Butte de Tahure ausschließlich bis zur Butte du Mesnil einschließlich.“

– Seiten 66 f.

Heutige Reste

Eric Marchal, Massiges, Frankreich, verdanken wir wertvolle Information über den Tunnel aus der damaligen Zeit (1915–1918) und seine heutigen Reste.

 
Debus-Tunnel 1916, Schild „Rauch-Verbot“
 
Debus-Tunnel 80 Jahre später, 1996, Schild „Rauch-Verbot“
 
Gravur im Kreidegestein des Debus-Tunnels

Heute befindet sich dort das Militärgelände Camp Militaire de Suippes .[22] Es wurde nach Kriegsende errichtet.

Ein Bombentrichter befindet sich an der Stelle, wo sich der Haupteingang befand. Er wurde im September 1918 durch eine Explosion zerstört.

Vor etwa 20 Jahren konnte man durch einen Seiteneingang in einen Teil des Tunnels gelangen. An den Wänden befanden sich viele Gravuren und Zeichnungen. Der Tunnel war auf einer Länge von etwa 100 Meter zugänglich. Mehrere viereckig hergestellte Horchstollen bohrten sich weit in den Kreideboden hinein. Eine große Menge Munition und Sprengstoff befindet sich noch in den Stollen.

Aus Sicherheitsgründen ließen die Militärbehörden den Eingang verschließen.

Nachhaltig wirkt in uns die Gravur im Kreidegestein des Debus-Tunnels:

„Wenn nur jemand käme und mich mitnähme.“

Links

Ditfurth-Tunnel

Bericht von Karl Debus

Im Buchmanuskript von Karl Debus wird über den Ditfurth-Tunnel berichtet: „Der Ditfurth-Tunnel auf Höhe 199“ (S. 58–62)

Namensgeber

Kurt von Ditfurth (1856–1924), deutscher Generalleutnant, war der Namensgeber; siehe Ditfurth (Adelsgeschlecht) . Er war ab 29. Mai 1915 Divisionskommandeur der 16. R.I.D.[23]

Lage des Tunnels

„Die Lage des Ditfurth-Tunnels befand sich zwischen Tahure und Butte le Mesnil [siehe Winterschlacht in der Champagne ]. Schon während der Winterschlacht in der Champagne vom 18. Februar bis zum 12. März des Jahres hatte die 16. Reservedivision ihren Gefechtsabschnitt unter großen Verlusten halten können […]. Der Franzmann richtete seinen Hauptangriff auf die Höhe 199 in ganz energischer Weise. Dabei aber hatte der Gegner derart hohe und große Verluste gehabt, daß dieser es einsah und seine Angriffsabsichten gegen die Höhe 199 aufgab. […] Aber mit einer noch größeren Heftigkeit richtete er umso mehr sein ganzes Artilleriefeuer und Minensperrfeuer auf die Reservestellungen und auf die Verbindungswege, die nach dem vorderen Graben führten, welche sich auf der Höhe 199 befanden [waren] eingeschossen, die Traversen zerfielen immer mehr und mehr und so auch jeder Schutz hier in dieser Stellung […] infrage gestellt wurde.“

– S. 58

Der Ditfurth-Tunnel lag 700 m westlich vom Debus-Tunnel.

 
Lage des Ditfurth-Tunnels 700m westlich vom Debus-Tunnel
 
Detail-Ansicht der Lage
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Skizze von Heinrich Piepenbreier zur Lage des Ditfurth-Tunnels

Zweck des Tunnelbaus

„Auf Anregung S. Exz. Generalleutnant Fleck wurde nun folgendes Projekt entworfen. Der Schmidtweg, sowohl mehrere Annäherungswege, welche zu der Kampfstellung führten und von den Ablösungsmannschaften benutzt werden mußten, sollten durch einen Gang unter der Erde ersetzt werden. Denn auch sämtliche Lebensmittelträger, Postbringer, Melder und alle Ordonanzen waren nur auf diese Zugangswege angewiesen. … Hauptmann Karcher als Führer vom Brunnenbau-Kommando hatte daher den Vorschlag gemacht, einen unterirdischen Zugangsstollen als große Anlage zu schaffen, ähnlich wie der im Ausbau befindlichen Debus-Tunnel …“

– S. 58

„Der eigentliche Zweck des Ditfurth-Tunnels war der, dass ein großer Durchgangsstollen gesetzt werden sollte, von dem aus die dort liegenden Truppen nach allen Richtungen hin, die Reservestellungen und die Bereitschaftsgräben erreichen konnten, ohne irgendwelche Verluste zu haben. Weiter sollten auch viele unterirdische Räume geschaffen werden, um hier viele Truppen als Reserven für bevorstehende Gefechte unterbringen zu können.“

– S. 62

Organisation und Durchführung

 
Bauleiter Heinrich Piepenbreier in seinem Arbeitszimmer im Ditfurth-Tunnel

„Auf Befehl wurde der Unteroffizier Heinrich Piepenbreier[24] von der 1. Landwehr-Komp. des 7. Pionier-Btls. als Bauführer und technischer Bauleiter dieses [700m westlich vom Debus-Tunnel entfernten neuen] Tunnels bestimmt und eingesetzt. Dieser übernahm nun das Baukommando, bestehend aus 4 Unteroffizieren und 80 Mann aus der 16. Reserve-Division, den Regimentern 28 und 68. Die gesamte Aufsicht über dieses Kommando wieder lag in den Händen des Leutnants Wirtz, welcher Führer der 10. Komp. des Pionier-Btls. 28 war.“

– S. 58 f.

„Am 29. Mai 1915 – begann das Arbeitskommando mit dem eigentlichen Bau“

– S. 59

„Schon am 31. Juli 1915 erfolgte hier der Durchstich des Tunnelausganges in die Vielhaberstellung, etwa 60 m vom Schnittpunkt der beiden Wege, wie Basewitzweg und Vielhaberstellung, entfernt.“

– S. 60

Es kam Besuch höherer Offiziere:

„Als Dank kamen aus dem Munde des Korpskommandeurs Fleck am 7. August die besten Anerkennungsworte für alle deutschen Bergleute, die hier am Bau mit tätig waren. Schon zwei Tage später besuchte uns der Armeeführer der III. Armee S. Exz. Von Einem, während sich unser Divisionsgeneral [Generalleutnant Kurt von Ditfurth] fast täglich sehen ließ.“

– S. 60

Merkmale

 
Heinrich Piepenbreier (links) bei Arbeiten im Tunnel
 
Profil des Ditfurth-Tunnels

„Der Ausbau des Tunnels wurde mit dem deutschen Türstock vorgenommen. … die Brüstung war so ausgearbeitet, dass die beiden Enden ineinander faßten und bildeten somit einen gemeinsamen festen Bestand. … Die lichte Weite an der Kappe, bzw. am First betrug 1,6 Meter und in der Sohle 2 Meter, die Höhe betrug ebenfalls 2 Meter. Die Stöße zwischen den beiden Hölzern waren mit 30 Millimeter starken Brettern verzogen, desgleichen auch der First, um hier das Hereinbröckeln des Gebirges zu vermeiden. Das Holz wurde rechtwinklig aufgestellt, um jeden Druck abzufangen.“

– S. 59

An Meter 200 (Mündung in den Basewitzweg, Deckenstärke von 23 Meter) und 370 (Mündung in den Vielhaberweg) wurden Luftschächte, an Meter 330 ein Beobachtungsstand hochgetrieben.

Bei der Mündung in den Vielhaberweg verzweigte sich der Tunnel in einen West-, Ost- und Südtunnel.

„So verlief der westliche Abzweig nach dem Sanitätsunterstand des Reserve-Regiments 68, dagegen der östliche Abzweig nach der Vielhaberstellung, aber dieser östliche Abzweig lief mit der Vielhaberstellung parallel und hatte dabei 6 Grad Steigung bis auf 6 Meter unter der Erdoberfläche, denn diese geringe Deckenstärke mußte der Abzweig beibehalten, damit er granatsicher blieb.“

– S. 60

Der südliche Abzweig lief zur Brigadestellung. Von diesem hier neu geschaffenen Korridor gingen immer im Abstand von 30 Metern Ausgänge in die Vielhaberstellung und in die Brigadestellung. Diese Ausgänge waren treppenartig ausgebaut und endeten dann als Stichgraben in diesen Stellungen.

Die folgenden Bilder gehörten nicht zu den Beilagen des Buchmanuskriptes im Koffer von Karl Debus, sondern sie wurden von der Association Massiges, siehe http://centenaire.org/en/main-de-massiges-association, zur Verfügung gestellt.

 
Tunnelgang im Ditfurth-Tunnel mit Hängemattenl
 
Bilder-Sammlung zum Ditfurth-Tunnel

Berichte, Erwähnungen und Bewertungen des Tunnels

R.I.R. 28

 
Stellungen der RIR 28 und 65

Skizze 14[25] gibt die Stellung des RIR 28 westlich des Eisenbergs an. Östlich davon liegt das RIR 65.

Die Herbstschlacht 1915

Der Bericht über Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 28 im Weltkrieg 1914–1918 von Erich Peters (1927)[14] beschreibt den Stellungskrieg im Bereich des Ditfurth-Tunnels. Skizze 12 zeichnet die Ortslage wieder. Der Ditfurth-Tunnel (links, vom Rand nach rechts unten verlaufend) ist schwarz gekennzeichnet, die beiden Abzweigungen nach Westen und Osten sind gestrichelt dargestellt.

In zwei Kapiteln zum Standort Ripont (S. 69–74) und Tahure (S. 74–79) werden die Ereignisse (Trommelfeuer, Angriff und Abwehr) im September und Oktober 1915 geschildert. Das erste Kapitel thematisiert genau die Stellungen um den Ditfurth-Tunnel. Es gibt zwei Verweise auf den Ditfurth-Tunnel. Der Debus-Tunnel wird nicht genannt.

Ein Verweis, am Morgen des 25. September (Tag des gegnerischen Angriffs), sei hier zitiert:

„Die Gliederung war derart, daß 5. Kompagnie (von Gabein) den ‚Stern‘, 6. Kompagnie (Hptm. Müller) die ‚Brigadestellung‘ besetzte, 11. Kompagnie war als Reserve im Bereitschaftsgraben vorgezogen, 7. und 8. Kompagnie lagen im ‚Ditfurthtunnel‘. Das 3. Bataillon war im Grenadierlager.“

Peters (1927): S. 71

R.I.R. 68

 
Stellung R.I.R 28 bei Ripont (September 1915), Skizze 12 in Peters (1927)
 
Stellung R.I.R. 68 bei Ripont (September 1915), Karte von Clemens Bidbur (Kiegelmann, 2012)

Es gibt keinen Bericht des Regiments R.I.R. 68, aber 2012 wurden die Aufzeichnungen des Bäckermeisters Clemens Bedbur aus Jülich herausgegeben (Kiegelmann, 2012),[26] der als Sanitäter dem R.I.R. 68 angehörte und in seinen Aufzeichnungen über die Ereignisse des Krieges aus seiner Sicht berichtet. Zu diesen Aufzeichnungen gehört eine Karte zur Stellung des R.I.R. 68 im September 1915. Daraus geht hervor, dass das R.I.R 68 im Umfeld des Ditfurth-Tunnels eingesetzt war, westlich im Bereich des Debus-Tunnels lag das R.I.R. 29, östlich das R.I.R. 28. Clemens Bedbur nennt die Tunnel nicht mit Namen, aber es ist offensichtlich, dass es um den Ditfurth-Tunnel geht. Im Gewirre der Herbstschlacht nutzte man offenbar auch den Debus-Tunnel, der von ihm „Tunnel der 29er“ genannt wird.

Herbstschlacht aus der Sicht des Sanitäters Clemens Bedbur

Der Herausgeber des Berichtes, Franz-Joseph Kiegelmann, hat den in Sütterlin-Schrift verfassten Text bewusst unverändert, also mit orthografischen und grammatikalischen Fehlern wiedergegeben, um die Authentizität zu wahren. Anmerkungen […] von uns.

22. September:

„Wir verschnauften im Sanitätsstand und gingen, da der Schmidtgraben unter Feuer lag, durch den Tunnel der 29. in Stellung. Am 23. September weckte Trommelfeuer uns aus dem Schlaf, die Hölle war los und ebnete unsere Gräben ein. Die Posten konnten sich im Graben nicht halten alles wurde zermalmt. Nur in den bombensicheren Stollen konnten die leichten Geschütze nichts wollen als die Eingänge teilweise verschütten. Am schwersten war die Verpflegung, wir brechen den eisernen Bestand an, der in einem Stollen untergebracht war und für vier Tage reichte. In der Nacht trugen wir die Verwundeten zum Kreideberg streckenweise über freies Feld, da der Laufgraben total zerschossen war …“

– Seite 75

25. September:

„Die ganze Nacht hielt der Feind unsere Stellung unter Feuer. Um 4 Uhr morgens wurde ich geweckt und soll Verwundete zum Kreideberg führen und wenn möglich Lebensmittel mitbringen. Der Schmidtgraben lag unter Feuer, ich mußte hindurch. – Ich beobachtete die Einschläge und zum gegebenen Augenblick stürmten wir in den Graben hinein und überwanden glücklich die erste Gefahrenzone. Hier setzten wir uns hin und verschnauften etwas – schon kam eine Lage Granaten, die uns allerdings nicht erreichten. Jetzt ging es weiter zur zweiten Gefahrenzone – hier war der Graben so breit geschossen, dass man mit einem Wagen durchfahren konnte. Auch diese wurde glücklich überwunden, wir setzten uns im alten Regimentsgefechtsstand und ruhten aus. Da am Kreideberg viel geschossen wurde, gingen wir durch die Viehfahrstellung [Vielhaberstellung] und suchten hier den Eingang zum Tunnel, den wir endlich fanden. 18 mtr tief in der Erde lag der Tunnel sicher. Er war 6.50 mtr [richtig: 650 mtr, der Ditfurth-Tunnel] lang und hatte einen Ost- und Westgang. Wir stürmten hindurch (…) heraus zum Kreideberg. Hier gab ich meine Verwundete ab. Dann kriegte ich ein Sandsäckchen mit Käse, Rauchwaren usw. und ging mit den besten Wünschen wieder los. Als ich im Tunnel die Treppe hoch ging, kamen mir zwei Melder entgegen, die morgens die Morgenmeldung von vorne gebracht hatten, sie sagten, wo willst Du hin? Nach vorne, dann geh nur, in der Viehfarstellung [Vielhaberstellung] liegt Sperrfeuer. Es war wirklich die Hölle los. Was sollen wir machen? Wir gingen durch den Tunnel zurück am Kreideberg vorbei bis zu den 29. Hier durch das [den Debus-] Tunnel durch aber auch da gings nicht mehr weiter „Sperrfeuer“. Wir warteten – die beiden Melder schliefen bald. Am Ausgang des Tunnels standen Flammenwerfer mit Gardisten zur Bedienung. Der Ausgang zur Stellung war so klein geschossen wie ein Fuchsloch. Als ich mal heraussehen wollte, ging gerade das Maschinengewehr, der Franzose hatte angegriffen. Ich rief ins (?) Tunnel hinein „Infanterieangriff“ und lief nach vorn zum Tunnelausgang um mich dann dem 29. Arzt zur Verfügung zu stellen. Das ganze Tunnel war im Nu in Alarm, aber die Franzosen waren schon darüber weg. Eine Kompanie vom 29. Regt. lag im Tunnel in Reserve. Raus und ihn nach, kurzen schweren Kampf war der Prinz Karlgraben frei. Die Franzosen, die weitergelaufen waren, wurden von der Tunnelkompanie der 68. flankiert. So ließ ich mich gegen ½ 1 Uhr eine Bescheinigung geben und sauste schnellstens zum Regiment zurück. Ich hatte dem Arzt der 29. geholfen viele schwere Verwundungen auch durch unsere Artillerie. Auf dem Weg zum Regiment zurück sah ich schreckliche Bilder – Freund und Feind. Schnell nahm ich mir einige französische Fleischbüchsen ich hatte Hunger. Ich meldete mich beim Oberstabsarzt, der sagte, Mensch hast Du Glück gehabt – Unser Bataillon vorne ist in Gefangenschaft und ich war einer von den wenigen, die durchgekommen waren. Im Sanitätsstand viele Verwundete, Deutsche und Franzosen, darunter ein Offizier.“

– Seiten 77 f.

26. September:

„Die Schlacht tobte weiter. Die Franzosen greifen auf kleineren Abschnitten an ohne weiterzukommen. Erfolg keiner, Verluste beiderseits groß. Nachdem die vordere Stellung verloren ist, hat man den Schmidtgraben abgeriegelt und Viehfahrstellung [Vielhaberstellung] zur Kampfstellung gemacht. Ich bin zum 3. Bataillon kommandiert und mach im Tunnel meinen Dienst. Hier ist die reinste Völkerwanderung. Der Tunnel ist vielleicht 3 m breit, in der Mitte liegt das Geleise der Feldbahn, zu den beiden Seiten liegen auf Stollenbretter die ruhenden Soldaten der Reservekompanie, bis auf das Kommando Alarm alles aufspringt und dem Ausgang zustürmt. Auch sind rechts und links Räume in den Berg hinein gebaut so der Sanitätsraum, der Raum wo die Lichtmaschine läuft, der Benzolraum und auch Mannschaftsräume mit Betten (Drahtpritschen) drin. Für frische Luft sorgen Ventilatoren, die gedreht werden. In der Nacht kommen die Küchen, trotz der großen Gefahr, stehen wir lange (…) [Schlange bis] die Reihe an uns kommt, aber der Hunger ist groß und das Essen ist fein. Das II. Bataillon ist nun in Gefangenschaft und die Küchen kommen doch, es finden sich schon Abnehmer genug, es bekommt aber auch jeder reichlich, wie immer wenn wir Schlamassel haben. In der Nacht musste ich in der Stellung Verwundete holen. Ein Unterarzt vom 3. Bataillon war abends mit Krankenträger von der Stellung ins Gelände gegangen und brachte Gefangene und Verwundete mit. Die Toten des Tages werden in der Nacht von den Kameraden am Kreideberg in Massengräber unter Einsetzen ihres Lebens begraben. Im Benzolraum zwischen stinkenden Fässern wurde ein Schwerverwundeter gelegt. Sein Arzt hatte mich beauftragt bei ihm zu bleiben. Der junge Mensch war sehr unruhig und sagte, ich muss sterben, grüße mir meine Mutter. Ich bete mit ihm, dann verzerrten sich seine Züge zu einer Grimasse, dann wie ein Hauch ging er hinüber.“

– Seiten 78 f.

Fünftes Badisches Infanterie-Regiment 113

Stellungskämpfe im November 1915 bis Oktober 1916

Im Regimentsbericht von Von Rundstedt (1933) wird nach dem Einsatz am Kanonenberg über die Kämpfe an der Butte de Mesnil - im Bereich des Ditfurth-Tunnels - berichtet.

Am 4.6.1916 übernimmt das Regiment die Butte de Mesnil:

„Hier hat der aus der Herbstschlacht gerettete Stellungsrest besonders groteske Form, den sogenannten Entenschnabel, zwischen dessen Spitze und dem feindlichen Graben kaum 8 Meter lagen. Ohne in die Kuppe getriebene, weitverzweigte Stollengänge, den ‚Ditfurth-Tunnel‘, in dem zwei Bataillone Platz haben, wäre die Gegend damals verloren gegangen.“

– Seite 136

„Eine Rollbahn führt in den Tunnel, der Küchen, Depots, eine elektrische Beleuchtungsanlage und dazu eine Benzollokomobile birgt. Außerdem barg der Tunnel in einem besonderen Raum eine sogenannte Arendstation. Diese bestand aus neuartigen, sehr empfindlichen Apparaten, mit denen man Telefongespräche des Feindes abzuhören versuchte. […] Die Mannschaften schlafen in Hängematten. Die scheußliche Luft wird in dringenden Fällen durch die Entlüftungsanlage abgesaugt, doch darf dies nur selten geschehen, um elektrische Kraft zu sparen. 1 Ltn., 60 Mann sind für die Instandhaltung vorgesehen. Flammenwerfer bewachen die Ausgänge.“

– Seite 137

Im Bericht wird ein weiterer Tunnel benannt:

„In der Brigadesappe ist der Posten gefallen. Ihn zu bergen kriecht abends ein Sanitäter der 3/13 durch den Donndorf-Tunnel in die Sappe. Er wird mit ‚Qui vive?‘ angerufen, kehrt schnell um und alarmiert.“

– Seite 139

     

R.I.R. 236

Die Kampfhandlungen im Februar 1918

Im Regimentsbericht des RIR 236[18] werden die Geschehnisse um und im Ditfurthtunnel dargestellt.[27]

„Am Nachmittag des 15. Februar [1918] setzt wieder starkes Feuer des Feindes auf E1, R2 und rechten Flügel von E3 ein. Hier wird der Ditfurthtunnel mit schweren Kalibern - 28 cm - beschossen. Im Tunnel sind untergebracht: die 7/236, die Stoßreserve der 9/236 und 2 Züge der 4/236, die am Tag zuvor ebenfalls zur Verstärkung der Kampflinie nach vorn gezogen worden war. Das Feuer wird durch einen feindlichen Flieger geleitet und liegt hauptsächlich auf den Tunneleingängen. Den Tunnel zu räumen und anderweitig unterzukommen, ist unmöglich. Um 4.45 Uhr nachm. wird der Grenadierweg verschüttet, und Kohlenoxyd dringt in den Aufenthaltsraum der 4/236. Gegen 5.30 Uhr nachm. trifft eine Granate den Haupteingang und schüttet ihn zu. Im dichten Pulverqualm zieht Kohlenoxydgas nun auch durch den Haupteingang des Tunnels. Der Rauch riecht stark nach Salmiakgeist, wer ihn einatmet, dem wird schwindelig, die Beine zittern, und wenn es nicht mehr gelingt, zu flüchten, der bricht bald lautlos zusammen. Sehr schwere Verluste treten ein. 2 Küchen, die Fernsprechvermittlung, die Funkstation und der Maschinenraum werden eingedrückt. Das Rettungswerk ist sehr schwierig.“

– Seiten 302 f.

„Unsere Verluste können erst jetzt [nach dem Nachlassen des Feuers mit Einbruch der Dunkelheit] voll übersehen werden. Sie sind stark und belaufen sich beim Kampfbataillon (11/236) auf 2 Tote, 1 Verwundeten, 80 Mann gaskrank, bei der 4/236 auf 14 Tote, 7 Verwundete, 1 Offizier und 40 Mann gaskrank.“

– Seite 303

Im Bericht zur Rückeroberung der verloren gegangenen Teile der Stellung am 17. Februar heißt es:

„Die 4/236, die im Ditfurthtunnel eben erst so stark gelitten hat, bleibt im Wittelsbachlager zurück.“

– Seite 304

R.I.R. 240

 
Aus Lennartz (1938), Seite 198

Im Regimentsbericht von Lenartz (1938)[28] wird berichtet in

Kapitel 6 b: Auf der Butte de Mesnil. (Höhe 199 südwestlich von Ripont)

„[…] Die Gräben auf der Butte selbst bildeten die erste Kampfzone. Hier war ein Bataillon als Gefechtsbataillon eingesetzt. Zwei Kompanien des Bereitschaftsbataillons waren in den beiden in die Butte hineingetriebenen Tunnels, dem Ditfurth- und dem Grenadiertunnel untergebracht. Der Ditfurthtunnel wurde als der Lebensnerv der Stellung angesehen.“

– Seite 197

„Die Verteilung des Regiments war nach der Ablösung am 26.10 [1916] folgende: In Gefechtsstellung III./240 mit allen 4 Kompanien in den vorderen Linien E1, E2, E3 und E4. Batls.Stab im Grenadiertunnel.

In Bereitschaftsstellung das I./240 mit einer Kompanie im Ditfurthtunnel, einer Kompanie mit je einem Zuge im Grenadiertunnel, im Küchenstollen und in der Grenadierstellung, einer Kompanie im Trottariegel und der letzten Kompanie und dem Bataillonsstab im Freiburgerlager. Dortselbst auch der Regimentsstab und die Baukompanie.

II./240 als Ruhebataillon im Teschmerlager. Hier lagen auch die Gefechtsbagagen sämtlicher Bataillone, die Fahrzeuge und die nicht eingesetzten Teile der M.G.K. Die Verpflegungsoffiziere lagen in Monthois, die große Bagage in St. Morel.“

– Seite 199
 
Aus Lennartz (1938), Tafel 33 unten

„Der Hauptstützpunkt der vorderen Kampfzone war der Tunnel mit seiner Besatzung. Er durchquerte die gesamte Butte und teilte sich etwa unter dem 2. Kampf graben in einen West-, Süd- und Osttunnel. In südlicher Richtung setzte er sich unterirdisch bis unter die 3. Fdl. Linie fort. Im nördlichen Teil befanden sich Küchen, Sanitätsunterstand und elektrische Lichtzentrale, die die gesamte Lichtanlage der Butte speiste. Vom Tunnel aus führten Ausgänge zu den Beobachtungsstellen auf der Höhe. Die Ausgänge waren mit M.G.s und Flammenwerfern besetzt. Ein Seitengang führte zum Bataillonsgefechtsstand. Außerdem war dieser mit dem kleinen Grenadiertunnel verbunden. Außen den eigenen Truppen war im Tunnel die 8. Pi.Komp. 28 untergebracht, die dort schon lange bodenständig war und sämtliche Miniersarbeiten in der ganzen Stellung leitete. Über den Wert dieser Minenkämpfe war man sehr geteilter Meinung. Die Anlage von Minenstollen als Vorbereitung zu Sprengungen löste immer Gegenmaßnahmen beim Feinde aus, dem das unterirdische Bohren und Klopfen kaum verborgen bleiben konnte; es gab daher einen ständigen Wettkampf, wer zuerst mit seinem Stollen fertig war. Wichtig war dabei, nach Möglichkeit die Stollen unter den gegnerischen Stellungen vorzutreiben, um bei den Sprengungen das ganze feindliche Stellungssystem in die Luft zu sprengen. Diese unterirdischen Arbeiten reiben aber die in Stellung befindliche Truppe auf, sie sitzt buchstäblich auf dem Pulverfaß. Solange man nur das Klopfen vernimmt, das durch die Arbeit verursacht wird, besteht keine akute Gefahr. Sobald aber Pausen eintreten und es still wird, oder wenn man gar das Heranschleppen schwerer Kisten zu vernehmen glaubt, dann wird die Sache brenzlich. Die Mineure hatten eine verantwortungsvolle und schwierige Aufgabe. Aber es muß auch an dieser Stelle gesagt werden, daß unsere Pioniere uns nicht im Stich gelassen haben.“

– Seiten 200 f.

„Die Unterbringung der Tunnelkompanie war wenig erfreulich. Die Tunnels waren feucht und zugig, die Luft schlecht. Die Besatzung schlief größtenteils in Hängematten, zum Aufschlagen von Lagern fehlte der Raum. Erkältungserscheinungen waren an der Tagesordnung. Auch mit der Standfestigkeit war es stellen weise nicht weit her, hier und da stürzte der Tunnel ein und mußte dann zeitweise geräumt werden. Bedenklich aus taktischen Gesichtspunkten war auch die Massierung der Truppen in der vordersten Kampfzone. – Würde die Besatzung bei einem fdl. Angriff rechtzeitig herauskommen? Es gab also zahlreiche Probleme. Ein Trost gegenüber allen diesen Schwierigkeiten war, daß die Stellung offenbar auch beim Gegner als eine solche zweiten oder dritten Ranges betrachtet wurde, in der er ebenso wie wir abgekämpfte Divisionen unterbrachte, daß in der Stellung seit langer Zeit nichts Ernstliches mehr passiert war und daß irgendwelche besonderen Anzeichen beim Feinde nicht zu erkennen waren. Mit Rücksicht auf die exponierte Lage besaß die Besatzung Portionen für 4 Tage. Der Tunnel stand unter Aufsicht eines besonderen Tunneloffiziers, eine Tunnelordnung regelte die Verteidigung, Unterkunft und den inneren Betrieb.“

– Seite 201

Weihnachten 1916

„Das Weihnachtsfest wurde in der bei uns im Krieg üblichen Form gefeiert. Besonders eindrucksvoll war die von Domprobst Sander abgehaltene Weihnachtsandacht im Ditfurthtunnel unter brennendem Weihnachtsbaum.“

– Seite 209

Kapitel 6 c: Die Erstürmung der Maison de Champagne-Ferme und der Höhe 185 südlich Ripont (Februar 1917)

„Der Regimentsstab hatte seinen Gefechtsstand in den Grenadiertunnel vorverlegt und bezogen.“

– Seite 213

Heutige Reste

Eric Marchal, Massiges, Frankreich, danken wir für die Information:

Wie der Debus-Tunnel so befindet sich auch der Ditfurth-Tunnel auf dem „Camp Militaire de Suippes“.[29] Ein betonierter Eingang ist noch sichtbar, aber der dahinterliegende Stollen ist nicht zugänglich. Ebenfalls vor etwa 20 Jahren konnte man nach einem langen Abstieg durch einen betonierten Schacht, der als Artilleriebeobachtungsposten diente, in das Innere des Tunnels gelangen. Der etwa 200 Meter lange zugängliche Teil des Tunnels war in einem guten Zustand. Lediglich die Zimmerung des in Kreide geschlagenen Stollens war gefault und lag am Boden. Auf halber Strecke befand sich eine gepanzerte Tür. An den beiden äußeren Enden (Kreuzungspunkte von Stollen) ist der Tunnel gesprengt.

Auch diese Anlage wurde aus Sicherheitsgründen durch die Militärbehörden verschlossen.

Links

Hertzberg-Tunnel

Bericht von Karl Debus

Das Buchmanuskript enthält ein gesondertes Kapitel „Der Hertzberg-Tunnel“ (S. 63–73).

Namensgebung

Friedrich Rüdiger von Hertzberg (1853–1928), preußischer General der Kavallerie,[30] war der Namensgeber.

Lage

 
Kartenausschnitt zur Region Cernay, Mont Têtu (Kanonenberg), Höhe 199, "Main de Massiges" ("Hand von Massiges")

"Der Hertzberg-Tunnel liegt auf der Höhe 199 bei Cernay"[31] (S. 63) in der Nähe vom Gipfelpunkt "Mont Têtu" der Hügelkette "Main de Massiges" ("Hand von Massiges"), der nach der Eroberung von der deutschen Armee "Kanonenberg" bezeichnet wurde. Die Straße von Cernay in Richtung Süden (Kanonenberg), macht vor der Hügelkette eine scharfe Biegung nach Osten. Nur wenige Meter westlich von dieser Biegung entfernt wurde der Hertzberg-Tunnel von der Höhe 175 in den Berg in südöstliche Richtung bis zur Höhe 185 getrieben.[32]

Karl Debus weist auf die militärische Ausgangslage hin, "daß am 24. September 1915 die gesamte vordere Linie unserer Hauptstellung an den Franzmann verloren ging und wir waren zurückgedrängt worden, die deutsche vordere Linie lag auf dem Südhang nördlich von Massiges. Es war sehr schwierig, diese neue Stellung zu halten, denn hinter der Höhe befand sich eine sumpfige Ebene von etwa 5 Kilometer Breite. So konnte hier keine Tiefenstellung ausgebaut werde. Die gesamten Reserven mußten sich daher mit einem kleinen Raum als Stellung auf Höhe 199, am Nordhang des Höhenrückens, der aber nur 120 m breit war, begnügen." (S. 67).

"Aus der Stellungskarte geht hervor, daß zwei Stollen bereits in der vorderen Stellung angelegt waren, der Pionier- und der Prinz-Heinrich-Stollen und diese beiden Stollen konnten schon mit als Durchgangsstollen verwandt werden. Jeder dieser Stollen hatte einen Querschnitt von rechteckiger Form, die Höhe betrug 1.8 m und die Breite 0.8 m. Hier schlug Lt. Kost dem General vor, diese beiden Stollen untereinander zu verbinden, indem zwischen diesen ein Tunnel in die Mitte gelegt wird und von diesem durch Querschläge nach rechts und links die Verbindungen geschaffen werden. " (S. 63-64).

"Der Bau des Tunnels sollte in etwa 50 m Entfernung östlich des Wegeknickes der Chausson Ferme und der Champagne Ferme beginnen. Dann sollte dieser fast senkrecht auf die Hauptstellung zulaufen. Die für den Tunnel gedachte Ausbaustelle am Hange war steil genug, um sehr bald eine granatsichere Deckung zu haben, denn diese beträgt etwa 6-8 m für gewachsenen Boden." (S. 65).

Bauzeit, Betrieb und Ende des Tunnels

 
Soldaten vor dem Eingang des Hertzberg-Tunnels am Kanonenberg, Quelle: W.Kleine-Brüggeney, Schwelm

Der Hertzberg-Tunnel wurde 1916 gebaut. "Am 2. März 1916 wurde [...] mit der Räumung des Abschnittes, wohin der Tunnel gelegt werden sollte, [...] begonnen" (S. 67). "Nach 8 monatelanger Arbeit wurde im Oktober 1916 der Hertzbergtunnel vollständig fertiggestellt." (S. 72)

Ein Bild mit Soldaten vor dem Eingang des Hertzberg-Tunnels, datiert vom 11. September 1916, Absendeort "Kanonenberg", befindet sich in der Fotosammlung von Emil Brüggeney, 2017 von Wolfgang Kleine-Brüggeney zur Verfügung gestellt.


Planung: Im Buchmanuskript von Karl Debus (siehe S. 63ff] wird die Planung dargestellt: "In der Zwischenzeit [Mai 1915-1916] hatten wir große Erfahrungen im Bau von Tunnel gesammelt und so wurden hier abermals deutsche Bergleute eingesetzt, um dieses Werk zu gestalten. General von Altrock[33] gab den Befehl, auch in dieser Stellung ein solches unterirdisches Werk zu errichten, aber noch größer als die bisher gebauten Tunnel. Es sollten hier unterirdische Kasernen entstehen zum Unterbringen der Truppen, aber nicht nur eines Batalliones, sondern es sollte Platz geschaffen werden für ein ganzes Regiment. Der General erinnerte sich, dass die berühmte Butte de Mesnil westlich der Höhe 199, die sogenannte Wetterecke, auf deren Höhe die beiden Tunnel liegen, nur gehalten werden konnte, weil hier unterirdisch im Debus- und Ditfurth-Tunnel genügend Reserven untergebracht und die zum Sturm bei dem großen Durchbruchsversuch angetreten waren. [...]

 
General Kost (rechts) in der Gruppe mit Karl Debus (vorne mit einem Blindgänger)

Bauleitung: "Im Februar 1916 wurde Leutnant Heinrich Kost [34] zum General befördert [...Es war] bekannt, daß der Leutnant Kost aus der Bergmannslaufbahn stammte und vor dem Kriege bereits als Bergreferendar tätig gewesen ist. [...] Somit wurde beschlossen, daß sich dieser Lt. vorerst die beiden bereits seit längerer Zeit fertiggestellten Tunnel besichtigen sollte, ehe hier das Werk in Angriff genommen wurde, ferner wurde zugleich die große Anlage des Regiments 80 der 21. R.Div. auf dem Kanonenberg überprüft, um eine gemeinsame Parallele zu ziehen. Dann suchte sich dieser Lt. Kost eine wohlgeeignete Stellung innerhalb seines Kampfabschnittes aus, welche am günstigsten für den Bau einer solchen unterirdischen Festung ist." (S. 63).

Karl Debus, der zwischenzeitlich sich bei seiner Kompanie in Savigny aufhielt und dort Aufzeichnungen zum Bau des Debus-Tunnels machte, wurde von Kost für dieses Projekt angefordert. "Alle Kräfte, welche zum Bau erforderlich sind, stellt die Division des 35. Füs.Regiments. Der technische Bauleiter sollte Debus wieder werden [...] Hier bei diesem Bau des Hertzbergtunnels gab es für den Bauleiter eine große Erleichterung in der gesamten Arbeit, denn hier stand neben ihm der Artillerieleutnant Kost, ein genialer Fachmann, der sein Fach in jeder Weise genau kannte, es war ein Mann von großem Wissen. Hier hatte Debus eine große Stütze und einen wirklichen Berater." (S.65).

Am 4. März [1916] nahm Ltn. Kost in Gegenwart des Kommandeurs der 35. Füsiliere, des Grafen Hertzberg, des Oberleutnants Lange, Leutnants Herz und Vizefeldwebel Debus den ersten Spatenstich vor und dieser erstehende Bau wurde amtlich: Hertzbergtunnel - genannt." (S. 67).

Während der Bauzeit (ohne genauere Zeitangabe), so berichtet Karl Debus, wurde "erklärt, daß unser Tunneloffizier Leutnant Kost abkommandiert wurde. [...] Sollte unser Lt. Kost noch nicht einmal sein begonnenes Werk vollenden?" (S. 70). Es folgt viel Lob, Anerkennung und Wertschätzung, u.a.: "er war der geistige Urheber des Baues". [...]. Leutnant Funk wurde nunmehr zum Tunneloffizier bestimmt." (S. 70). Auch die Mannschaft wurde ausgetauscht. "120 neue Kameraden waren gekommen und wieder eingeteilt und das alte Lied begann von neuem. Debus und Brüggeney arbeiteten wieder rastlos mit den Bergleuten zusammen" (S. 70).

Nach Fertigstellung im Oktober 1916: "der technische Bauleiter Karl Debus und der Gefreite Brüggeney wurden wieder nach ihrer Kompagnie in Savigny zurück gerufen und bekamen bald ein neues Kommando." (S. 72).



 
Hang mit Eingang des Hertzbergtunnels
 
Hang mit Eingang des Hertzbergtunnels

Bauplan

„Der Tunnel wurde in 32 Grad nördlicher Richtung aufgefahren. Der Ausbau war wieder der deutsche Türstockbau, regelrechte Grubenzimmerung. Der Berghang wurde in Richtung der Tunnelachse vermessen.“

 
Bauplan des Hertzberg-Tunnels

„Der Plan läßt erkennen, daß der Hertzbergunnel eine ganz andere Gestalt und Einrichtung hat als der Debustunnel. Dieser Tunnel ist ein kurzer Röhrentunnel, der mehr oder weniger eine viereckige Form besitzt. Von der Höhe aus laufen 6 Eingänge, teils größere, teils kleinere in den Berg hinein. Der ganz rechts liegende Stollengang hat auch die meisten Ausbauten und Räumlichkeiten aufzuweisen. Weiter sind die vielen senkrechten Röhren, also die Mannschaftsräume ersichtlich, es ist dieses ein ganzes Labyrinth von derartigen Querschlägen und unter diesen zieht sich noch die Galerie hin, von welcher aus die zahlreichen Sturmtreppen ausgehen. Der Ausbau dieses Hertzbergtunnels hat monatelang gedauert, denn es waren sehr schwierige Gesteinsarbeiten zu überwinden.“

Eingang: Er wurde so angelegt, daß die Förderbahn bis an den Tunneleingang heranfahren konnte. "Es wurde in Vorschlag gebracht, zuerst einen Zugangsgraben zu schanzen, denn dieser offene Graben hatte zugleich den Zweck, als verdeckter Graben bis zum Eingang eine etwas sichere Zugangsmöglichkeit zu bieten und andererseits sollte dieser weiße Graben den Fliegern keine Möglichkeit geben, den weißen Haldenschutt ersichtlich erstehen zu lassen, somit hatten die Flieger dann eine Erklärung für den vielen weißen Boden." (S. 65).

 
Eingang zum Hertzberg-Tunnel anfangs
 
Detail auf nebenstehendem Bild des Tunneleingangs, vergrößert zu sehen die Belüftung: Kurbel links zwischen Gestellhölzern, Ventilator links vom Gestell

Die Belüftung erfolgte über ein Luttenrohr. "Es wurden 150 mm starke Blechrohre als Luttenrohre verwandt von je 2 m Länge und diese Rohrlängen wurden zusammengesteckt und immer weiter vorverlegt. [...] Ein Rohr saugte die Luft ab und durch das andere Rohr wurde die frische Luft vor Ort gedrückt. [...] Am Tunneleingang war ein Ventilator, der - vor der Elektrisierung der Anlage - von Hand aus betätigt wurde.[...] Die Handbetätigung der beiden Ventilatoren am Eingang des Tunnels war eine mühselige Arbeit, die nach und nach geistestötend auf die bedienenden Kameraden einwirkte." (S. 18)[35]

 
Eingang zum Hertzberg-Tunnel später


Ausgang:

„Der Haupttunnel hatte vor dem Ausgang noch einen Quertunnel, von dem aus die Sturmtreppe ins Freie führten. Geht man den Haupttunnel entlang, dann kommt man zu einer großen langen Treppe, welche eine Länge von 125 m hat. Hier betrug die Deckung noch 23 m. Zuerst wurde ein tonnenähnlicher Gang geschaffen und auf 42 Grad Steigung aufgefahren und dann die starke Bohlentreppe eingebaut. - Auf dieser Treppe konnten zwei Mann bequem mit umgehängtem Sturmgepäck nebeneinander gehen. Oben am Ende der Treppe kam wieder ein in gleicher Richtung gebauter, weiterführender Tunnel von 7 m Länge und dieser erst mündete in einen Quertunnel und stand mit dem letzteren im rechten Winkel. Dieser hier liegende Quertunnel wurde Galerie genannt. Diese Galerie zog sich vom Westen nach Osten. Dieses Profil der Galerie war genau dasselbe wie das des Haupttunnels, die gesamte Länge betrug 25 m. [...] Von hier aus führten die vielen Ausgänge ins Freie und mündeten in den Deckungsgräben. [...] Für diese Ausgänge wurden keine Türstöcke verwandt, sondern großes Schurzholz genommen. Die Höhe betrug hier 1.8 m und die Breite 0.8 m. [...] Von der Galerie aus ging alle 10 m ein weiterer Ausgang ab, immer bis in den dazu bestimmten Deckungsgraben.“

 
Tunnelgang im Hertzberg-Tunnel, Karl Debus mit Lampe links
 
Tunnelgang im Hertzberg-Tunnel, Karl Debus mit Lampe, 2. von links[36]

Innenräume

„Der Maschinenraum wurde in Türstockzimmerung ausgeführt. Seine Höhe betrug 2 m und der First 2.8 m, die Spannweite an der Sohle 3.2 m. Die Holzstärke der Stempel betrug 35 bis 50 Zentimeter Durchmesser. Der Abstand der Hölzer, also von Holz zu Holz gemessen, betrug 80 cm. Die Stöße wurden mit zölligen Bohlen verzogen. Die Innenseiten und die Decke wurden dann mit Rollstabgeflecht bedeckt und mit Mörtel verputzt, so daß glatte Wände entstanden, diese dann geölt und so machte dieser Maschinenraum einen sehr guten und zugleich sauberen Eindruck. (S. 69)“

„Einer der vielen Räume hatte eine Länge von 12 m und eine breite von 10 m, bei 18 m Deckung, also vollkommen bombensicher. In diesen Mannschaftsräumen konnte man ohne Bedenken in Reserve liegen.“

 
Tunnelgang im Hertzberg-Tunnel, Karl Debus mit Lampe links
 
Maschinenraum im Hertzberg-Tunnel, Karl Debus in der Mitte

Zu den Räumen gehörten Küchen mit großen Herdstellen, Sanitätsräume (22 m Deckung), ein großer Baderaum, große Lebensmittelräume, Unterstände mit Tischen und Bänken.

Wasser:

„Ein Brunnen wurde gebohrt und etwa 25 m vom Tunnel angelegt, dieser ergab ein helles, klares und frisches Wasser. Die Leitungen nach diesem Brunnen wurden verlegt und nach der Küche, den Maschinenräumen und den Sanitätsunterständen, nebst dem Bad.“

Beleuchtung

„[Schon früh] wurde von den Elektrikern die elektrischen Lampen installiert und dazu ein großes Aggregat von 15 F.S.Leistung, dieses genügte nun allen Ansprüchen und es waren rund 300 elektrische Lampen am brennen.“

Durchführung

Mannschaft:

„Es wurde eine Mannschaft von 80 Mann zusammengestellt, unter denen nur 16 Bergleute vertreten waren, aber auch diese selbst hatten nicht von der Picke aus gelernt, sondern waren als Schlepper in einer Braunkohlengrube tätig gewesen, aber trotzdem mußte es gehen und diese Leute mußten erst richtig eingesetzt werden, um hier unter Tage arbeiten zu können, wie es einem Bergmann zukommt.“

Gestein-Abbruch:

„Der Tunnel mußte in einer Lettenschicht der Kreide angesetzt werden. Hier konnten anfangs die Erdmassen mit der Kreuzhacke und dem Spaten gewonnen werden, aber allmählich wurde die Lette wieder härter zu einer festen Steinbank. Wir befanden uns also in einer der festen Ton- und Mergelbänken des Kreidefelsen. Das Gestein wurde durch die atmosphärische Luft derart angegriffen, dass es sich in eine lehmige und stark quellende Schicht verwandelte, sobald es längere Zeit mit der äußeren Luft in Berührung kam.Dagegen war es vor Ort derart fest, daß hier mit Handarbeit nichts mehr zu erreichen war. Das ganze Gestein war zu naß, um es mit Meißeln und Faustel zu bearbeiten. Dabei wurde jetzt mit Schlangenbohrern gebohrt, zuerst von Hand aus, was auch sehr gut ging. Die Bohrlöcher wurden bis 2 Meter tief gebohrt und vor Ort [Mitte des späteren Türstocks, First, Stoß, Seiten und Sohle] angesetzt. […] Nachdem wurden diese Bohrlöcher der Reihe nach […] je mit 1 bis 2 Patronen besetzt und dann abgeschossen. […] Die Sprengwirkung in den lehmigen, tonigen Boden war ganz ausgezeichnet. – [Später wurde eine elektrische Bohrmaschine eingesetzt. Sie] schaffte das Bohren sämtlicher Sprenglöcher in etwa einer Stunde, wofür zuvor von Hand aus etwa 8 Stunden benötigt wurden […]“

Berichte aus der Region

Fünftes Badisches I.R. 113 – November 1915 bis Oktober 1916

Im Regimentsbericht von Von Rundstedt (1933) wird berichtet über den Einsatz am Kanonenberg, in dem Bereich, in dem zu dieser Zeit der Hertzberg-Tunnel angelegt wird.

„Der ‚Kanonenberg‘ oder ‚Sargdeckel‘ ist eine der nicht zahlreichen Höhen, die feldgraue Anhänglichkeit umgetauft hat. Die Franzosen nennen ihn Mont Têtu. Es ist von den fingerförmigen Ausläufern zwischen Tourbe und Dormoise, der Main des Massiges, der nördlichste. An ihn klammern sich hinterhang die deutschen Stellungen, denen die französischen jenseits des Kammes dicht gegenüber liegen“

– Seiten 126 f.

Es gibt Hinweise auf den Bau geheimer Anlagen noch vor Baubeginn des Hertzberg-Tunnels Anfang März 1916:

„Gardepioniere arbeiten an schmalen niedrigen Gängen feindwärts. Collmann [Hauptmann, Bataillonsführer 1/118[37]] tut geheimnisvoll. Da sind Angriffsabsichten mit Flammenwerfern.“

Rundstedt (1933): Seite 127

„Der Regimentsstab, bisher in ‚Hubertushof‘, südlich Monthois, untergebracht, bezieht einen Unterstand in der ‚Brigadeschlucht‘ südlich Ripont.“

– Seite 128

Die Positionierung für die Angriffe im Januar 1916:

„Die OHL [Oberste Heeres-Leitung] hat sich für 1916 die Wegnahme der Festung Verdun entschlossen. Damit die Franzosen nicht vorzeitig etwas ahnen, werden an der Somme bei Frise und in der Ost-Champagne mehrere größere Angriffe vorgesehen. An der Butte de Mesnil und am Kanonenberg. Ersterer fällt in den Abschnitt der 28. ID und trifft den rechten Regimentsabschnitt höchstens durch Anteil am französischen Artilleriefeuer. Letzterer dagegen startet von I/113 und greift auf den anschließenden des I.R. 35 über.“

– Seite 129

Res.-Feldart.-Regt. 51 – 1916 bis 1918

Hinweis auf den Bericht und eingescannte Seiten verdanken wir Wim Degrande.

 
Skizze der Stellungskämpfe in der Champagne, Regimentsbericht
 
Skizze 2 der Stellungskämpfe in der Champagne, 21. 11. 1916; Regimentsbericht

Der Regimentsbericht von 1932[38] beginnt mit der Landschaftsbeschreibung:

„Grundverschieden von der bisherigen [bei Verdun, im Maas und Argonnengebiet] war die Landschaft, in der das Regiment die folgenden anderthalb Jahre und somit auch sein 3. und 4. Kriegsweihnachtsfest erleben sollte. […] In unserem Abschnitt Ripont treffen die östliche ‚Champagne humide‘ und die westliche ‚Champagne pouilleuse‘ zusammen. Dieser, der ‚lausigen‘, so benannt wegen ihrer Trockenheit und Dürre und der dadurch bedingten Armut ihrer Bewohner, gehören bereits die Höhen bei Marveaur, die ‚Handhöhe‘ und der ‚Kanonenberg‘ an, die sich um rund 60 Meter aus der Niederung des Alinbachs, der Dormoise und der Aisne, und nur von wenigen Flußtälern durchschnitten als Tafelland sich hinziehen bis in unser späteres Kampfgebiet an der Suippe bei Pontfaverger.“

– Seiten 313 f.

Über die dort vorgefundenen Tunnel- und Stollenanlagen wird berichtet:

„In all diesen Abschnitten gestattete der Boden vorzüglich den Stollenbau. Die Kasemattstellungen der 2., 4. und 6. Batterie am Südhang der Handhöhe [Massiges], die weit verzweigten Bauten in den vorderen Stellungen, sowie die mit allen erdenklichen Einrichtungen versehenen großen Tunnelanlagen am Kanonenberg und der Butte du Misnel, sowie die Nahbeobachtungsstellen waren bergmännische Kunstwerke. Es bestand nur die Gefahr, daß bei Angriffen der durch das Trommelfeuer in die Stollen getriebene Verteidiger nicht mehr rechtzeitig hinauskam, wie dies die Franzosen ihrerseits beim ‚Schnepfenstrich‘, unserem Angriff auf die Champagne-Ferme und den Sektweg am 15. Februar 1917, erlebten, oder daß Volltreffer die Stollen oder ihre Eingänge verschütteten.“

– Seite 314

„Unser Gefechtsgelände bilden die Höhen von Tahure und Massiges, wo seiner-Zeit die Champagne-Offensive der Franzosen zum Stehen kam. Kanonenberg, Höhe 185 und Butte-du-Mesnil sind die bekanntesten Berge und Punkte. […] Bezeichnend für die Gegend hier sind die großen Berghänge, an denen die Reserven und Batterien meist hausen. Eine große Rolle spielt der Bau von Stollen, die bis 15 Meter tief sind und die man auf 4 – 5 Treppen von 10 Stufen und mehr gelangt. Alles Übrige ist jetzt im Herbst zäher Kreidebrei und man sieht weiß aus, wenn man aus den Gräben zurückkommt.“

Auf der Handhöhe – Am Massiges:

„21. Okt. 16. Seit heute morgen wohne ich auf der Alm. Ein nach Norden steil abfallender Champagne-Berghang, der Nordhang der sogenannten Handhöhe. Angeklebt an ihn liegen die Wohnstätten der Menschen, die hier hausen müssen. Der Blick ins Land bis zu den Argonnen ist allerdings wunderbar. Von unten bis ober sind es hundert Treppenstufen, nichts für Herzkranke. Bis zu den vordersten Stellungen, die gerade auf solchen Berg auf der Kuppe liegen, ist ein weiter Weg von etwa 5 Kilometer. – Die Unterkunft ist ganz eigenartig eingerichtet. Am besten könnte man es noch mit einem D-Zug vergleichen, mit Schlafkabinen, Küche und Speisewagen. Man braucht hier Nagelschuhe und einen tüchtigen Bergstock. Die Gefechtstätigkeit ist vorläufig gering. Die Batterien sind auf bestimmte Räume eingeschossen, um im Fall eines feindlichen Angriffs Sperrfeuer abzugeben.“

– Seite 332
 
Blick vom Kanonenberg auf die zulaufende Straße Chausson Fme, Regimentsbericht RAFR51
 
Eingang zum Hertzberg-Tunnel; Regimentsbericht RAFR51

Am Kanonenberg:

„29. Okt. 1916: Der Bau der Beobachtungsstellen in den vordersten Gräben, die 30 Meter und weniger vom Feinde abliegen, gestaltet sich äußerst schwierig, da sie auf dem Kanonenberg, einem steil aus dem Tal aufsteigenden hohen Berg in der Nähe von Cernay liegen. Hinauf gelangt man entweder auf Treppen, wegen feindlicher Minenschüsse immer gefährdet, oder durch enge Stollen, die nur mit elektrischer Taschenlampe zu begehen sind. In dem Berg, der fast völlig ausgehöhlt ist, brennt sonst elektrisches Licht. Selbst eine Kantine ist im Berg. Die von Fachleuten ausgeführte Anlage ist eine Sehenswürdigkeit.“

– Seite 333

In Ripont:

„8. November 16: Gestern war ich in Ripont, wo eine meiner Batterien steht. Man hat von dort einen guten Blick auf die Butte-du-Mesnil und das Tal von Tahure. Unglaublich öde und kahle Berghänge, voll Granatlöchern, ohne Baum und Strauch, bedeckt mit Gräben und Stacheldraht.“

– Seite 334

Kämpfe um die Höhe 185 im Februar bis Juni 1917 (Kap. 11, S. 341–368):

„Der ganze Februar stand im Zeichen unserer Unternehmung gegen Maison de Champagne-Ferme und Höhe 185. […] Am 15. Februar 17 wurde nach mustergültiger Vorbereitung das Unternehmen ‚Schnepfenstreich‘ gegen die feindliche Stellungen auf den ‚Sektweg-Höhen‘ planmäßig durchgeführt. Nach wirksamer Artillerie- und Minenwerfer-Vorbereitung stürmen 3.45 nachmittags Bataillone des Res.-Regiments 235, 236 und 240 zusammen mit Freiwilligen aller Waffen die Höhe 185 in einer Ausdehnung von 2600 Meter Breite und 800 Meter Tiefe unter geringen eigenen Verlusten. [S. 342 …] Das Unternehmen Schnepfenstreich hatte zu vollem Erfolg geführt. Auf ziemlich kleiner Basis von circa 2 Kilometern angelegt, hatte es für uns doch erhebliche Bedeutung, weil dem Feinde die Einsicht in das Talbecken und die kleinen Höhen zwischen Cernay und Monthois genommen war. [S. 351 …] Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es dem Feinde am 12. März, nachdem er mit Unterbrechungen eigentlich 5 Tage lang auf unserer Sektwegstellung herumgetrommelt hatte, die Champagne-Ferme und die Gräben auf Höhe 185 wieder zu nehmen. Der Westhang der Höhe, sowie die auf dem Nordhang liegenden Stellungen blieben in unserer Hand. [S. 347 …] Am 28. März erfolgte der Angriff [‚Kiebitzfang‘] nach zweistündiger kurzer Artillerie-Vorbereitung. Er gelang vollständig. […] Nach gleichgestellten Uhren stürmten 5.50 vormittags 3 Bataillone I und III/234 und III/236, unterstützt durch die Sturmtruppe des Regiments 240 und des Armee-Sturmbataillons, Artilleriepatrouillen des 51. Regiments, sowie Pioniere und Flammenwerfer, die im Besitz des Feindes befindlichen Teile der Sektwegstellung. Die erste Stellung wurde glatt überrannt. In der zweiten entwickelten sich heftige Handgranatenkämpfe, welche um 8.30 Uhr zur Räumung der letzten französischen Nester führten. Außer der nicht angegriffenen Champagne-Ferme ist die ganze Linie des 15. Februar in unserem Besitz. [S. 348 …]“

R.I.R. 234

Im Regimentsbericht von Knielung und Bölsche (1931)[39] wird der Einsatz des R.I.R. 234 in der Champagne von Oktober 1916 bis März 1917 (Kapitel „Champagne“, Seiten 247–323) und von Juni 1917 bis August 1917 (Kapitel „Lausechampagne“, Seiten 335–364) dargestellt. Im ersten Kapitel geht es um die Stellung in der Nähe des Hertzberg-Tunnels, im zweiten Kapitel werden Ereignisse in der Nähe des Debus-Tunnels (siehe dort) berichtet.

Champagne – Stellungsabschnitte
 
Regimentsbericht R.I.R. 234

„Unsere Division bezog am Kanonenberg und westlich davon eine Stellung und sollte in ihr bis zum nächsten Frühjahr verbleiben. Von uns 234ern war der Abschnitt des Reserve-Infanterie-Regiments 109 zu übernehmen. [Seite 257 …] Rechts von uns lag die 52. Reserve-Division in Stellung, deren Abschnitt bis nach Tahure reichte. Sie war hier in Stellung gegangen mit ihren 3 Regimentern 238-240, der Reserve-Pionier-Kompagnie 52, der 8. Feldkompagnie Pionier-Bataillon 28, Minenwerfer-Kompagnie 252 und ihrer 52er Feldartillerie. Das jeweilige Ruhebataillon unseres Regiments quartierte im Briereslager.“

– Seite 260

„Am 10. März [1917] übernahm unser Regimentsstab den Befehl im Abschnitt H und nun wechselten auch das 1. und III. Bataillon aus der alten Kanonenberg-Stellung in den neuen Abschnitt hinüber. […] Schon am 12. März [1917] mußten schwere Angriffe abgewiesen werden.“

– Seite 269

Es folgt der Kampf um die Höhe 185 unter den Worten Schnepfenstreich und Kiebitzfang (siehe auch Res.-Feldart.-Regt. 51 – 1916 bis 1918 und Altrock-Tunnel unter RIR 236). Die Skizzen Nr. 26 (links: 12. März), 27 und 28 geben die Stellungen der beteiligten Truppen wieder.

„Vom 1.–14. April wurde unser Regiment in den ruhigen Abschnitt D verlegt, der südlich von Sommepy sich befand. Er lag beiderseits der beherrschenden Butte de Souaine in einer Ausdehnung von etwa 2300 Metern. Man erwartete in diesem Abschnitt keine französischen Angriffe, und so war den Kompagnien Gelegenheit geboten, sich wieder kampffähig zu gruppieren. Es war eine ausgesprochene Ruhestellung, aus der heraus wir jedoch am 15. April [1917] erneut in den Abschnitt H zurückgerufen wurden. […] Trotzdem verliefen die nächsten Wochen relativ ruhig.“

– Seite 301

Mitte April 1917 wurde die ganze Division aus dem Abschnitt Ripont herausgenommen (S. 302).

Kanonenberg
 
Vorderer Graben, Foto aus dem Regimentsbericht
 
Stollen im Kampfgraben, Foto aus dem Regimentsbericht

„Als Kanonenberg bezeichnet man den etwa 2 Kilometer südlich der Linie Rouveroi-Cernay sich ostwestlich gekrümmt erstreckenden, etwa 1500 Meter langen Höhenzug, dessen Kuppe 199 Meter hoch ist. Dieser Höhenzug fällt nach Norden zu ziemlich steil ab, wohingegen der südliche Hang durch tiefe Schluchten gekennzeichnet ist. In diesen südlichen Einschnitten, die von der Butte-de-Mesnil zwar eingesehen, aber artilleristisch nicht erfaßt werden konnten, waren die französischen Bereitschaftsstellungen. […] Die Stellung zerfiel in 3 Linien, den K., D. und B.-Graben. Der K.-Graben, vorderer Kampfgraben, war in den gewachsenen Boden und in die Kreide etwa 2 m eingeschnitten und mit Schulterwehren, Schützenauftritten, gedeckten Postenständen und Stollen gut versehen. Vor ihm zog sich ein bis zu 5 m tiefes Drahthindernis, das allerdings wegen der Nähe der feindlichen Gräben hart vor der Brustwehr begann und dadurch das Schußfeld stark beeinträchtigte. Vom K-Graben waren verschiedene Sappen vorgetrieben. 50-100 m hinter ihm lief der D-Graben, der mit vielen Verbindungsgräben in den K-Graben mündete und ebenfalls verteidigungsfähig eingerichtet war. Zwischen dem Deckungs- und dem Kampf-Graben war ein starkes Hindernis erbaut. Die Bereitschaftsgräben verliefen etwa 100 – 150 m hinter dem Deckungsgraben, sie sind zur Verteidigung nicht eingerichtet und z. T. stark verfallen gewesen. Außerdem verlief unterhalb des rechten Bataillons-Abschnittes quer durch den Berg hindurch der Prinz-Heinrich-Stollen, in dem ein Teil der Bereitschaftskompagnien und Lebensmittel- und Munitionsdepots ihren Platz hatten. An der Stelle, an der die von Cernay kommende Straße auf den Berg stößt, war der Eingang zum Hertzberg-Tunnel, der große Unterkunftsräume hatte und bis zu vier Kompagnien aufzunehmen vermochte. Ferner lag im Abschnitt K3 der sogenannte Pionierstollen, in dem sich der Regiments-Stollen befand und der auch eine Bereitschafts-Kompagnie und kleinere Depots aufnahm. Im Abschnitt K4 lag der Füsilierstollen.“

– Seiten 258 f.
Tunnelanlagen

„Das Jahr 1916 verlief in der Champagne verhältnismäßig ruhig […]. So kam es, daß die Stellungen in aller Gründlichkeit ausgebaut werden konnten; der Kreideboden bot Gelegenheit, tiefe Tunnels in die Berge zu treiben, in denen ganze Bereitschafts-Bataillone Platz fanden. So entstanden bei Cernay der Hertzberg-Tunnel und andere, in der Butte de Mesnil der Ditfurth-Tunnel. Wer ihn betrat, glaubte sich am Eingang eines Bergwerks oder eines Eisenbahntunnels zu befinden. Stellenweise war er so breit, daß eine Kompagnie bequem in Gruppenkolonne darin Platz hatte. Auf seiner Sohle schlängelte sich ein Förderbahngleis, auf dem die Loren geschäftig hin- und herfuhren, für Munitions- und Lebensmitteltransporte. Rechts und links vom Hauptgang waren Kammern in die Kreide geschlagen, in denen der müde Infanterist sorglos ruhen konnte und der Arzt seinen schußsicheren Verbandsplatz einrichtete. Elektrisches Licht sorgte für die Helligkeit, und man hatte nicht den Eindruck, daß hart über den Köpfen die vordere Linie sich hinzog.“

– Seite 253

„Hand in Hand mit dem Anlegen von Stollen ging die Minentätigkeit unter der Erde. Freund wie Feind buddelten eifrigst, um unter den gegnerischen Graben zu kommen, und ihn unterirdisch in die Luft sprengen zu können. Horchpost waren Tag und Nacht in den Stollengalerien verteilt, um das feindliche Minensystem abzuhorchen, hieß es doch auf der Hut sein, damit man nicht selbst abgequetscht wurde.“

– Seite 255

     

R.I.R. 235

 
Skizze 4 im Regimentsbericht R.I.R. 235
Stellungsabschnitt

Die Stellung des Regiments geht aus Skizze 4 des Regimentsberichts von Hennig (1931) hervor:

„Die Stellung wurde durch die Liebertschlucht in zwei fast gleiche Teile geteilt. Die Schlucht bildete den Hauptannäherungsweg nach vorne, wenigstens bei ruhiger Gefechtslage. Von der großen Liebertschlucht gingen nach rechts und links mehrere Seitenschluchten, wie die Protzenschlucht, die kleine Liebertschlucht, Haubitzschlucht usw. aus. In diesen Schluchten waren die Stäbe, die Sanitätsunterstände und Küchen untergebracht. Den nördlichen Abschluß der Stellung bildete das Tal des Dormoisebaches, der aus der französischen Stellung bei Tahure und sich in die Aisne ergießt.“

– Seite 111

„In den Südabhang des Dormoisetales waren eine sehr große Anzahl Stollen gebaut, in denen der Regiments-Sanitätsstand, einige Küchen und der I.P.K. untergebracht waren. In diesem sogenannten Dormoiselager herrschte Tag und Nacht ein lebhaftes Treiben. Auch der Regiments-Gefechtsstand befand sich hier, solange noch der neue Gefechtsstand östlich der großen Liebertschlucht in Bau war. – Vor der Stellung erhob sich die beherrschende Höhe 185, auf welcher der Franzose saß. Er hatte von dort einen umfassenden Überblick über den Regimentsabschnitt und konnte bis auf die Schluchten fast jeden Graben einsehen.“

– Seite 111-112
Stollen und Tunnel

Der Ausbau von Stollen und Tunnel:

„Das Regiment übernahm vom Regiment 111 den Abschnitt in einer recht guten Verfassung. Die Hauptaufgabe war der weitere Ausbau der Stellung, und zwar namentlich des Leygrabens und die Vermehrung der schußsicheren Stollen und Tunnel sowie der weitere Ausbau der Nachrichtenmittel. [...] Im Laufe der Zeit wurde dieser Abschnitt zu einer regelrechten Festung ausgebaut.“

– Seite 112
Kampf um die Höhe 235

Die Stellung des Regiments 235 zu Beginn des Kampfes um die Höhe 185 ist in der Skizze 26 des Regimentsberichts im Abschnitt H eingetragen.

R.I.R. 236

Im Regimentsbericht von Meyer und Goertz (1938)[18] wird im Kapitel B (S. 247–271) berichtet über die „Erstürmung der Maisons de Champagne-Ferme und der Höhe 185 und Kämpfe um diese. 15. Februar bis 13. Mai 1917“. Hierin wird aus der Perspektive des R.I.R. 236 das Geschehen vor Ort ausführlich berichtet. Dabei wird oft der Altrock-Tunnel, siehe dort, erwähnt.

Links

Mont-Cornillet-Tunnel

Bericht von Karl Debus

Bezüglich der Tunnelanlage Mont Cornillet gibt es eine handschriftliche Darstellung des Tunnelbaus (13 Seiten) von Karl Debus. Sie trägt den Titel St. Mont Cornillet – Der verratene „Cornillet-Tunnel“ (handschriftlich als Ergänzung). Er sollte, so kann man – weil nicht maschinenschriftlich vorliegend – vermuten, (zunächst) nicht in die Sammlung von Abhandlungen zu den Tunnelanlagen in der Champagne aufgenommen werden. Die Zerstörung dieser Tunnelanlage durch Bombardierung seitens der Franzosen nur wenige Tage nach ihrer Fertigstellung und der Tod der vielen eingeschlossenen Soldaten passte nicht in das Werk, das Erstaunen und Bewunderung auslösen sollte: Der deutsche Bergmann im Weltkriege. Champagne 1915. Es finden sich keine Worte einer kritischen Hinterfragung von Sinn und Ziel der eigenen Mitwirkung im kriegerischen Einsatz. Der eigenen Darstellung wird ein Bericht einer nicht genannten Zeitung beigelegt, in dem die Sicherheit der Tunnelanlage infrage gestellt wird. Dieser kritischen Darstellung wird widersprochen. Im Vordergrund wird der „Verrat“, wie der Titel des Beitrags schon ausweist, gesehen.

Der Bericht von Karl Debus endet mit der Aussage:

„Nach dem Krieg vermauerten die Franzosen den Tunnel, in dem sie die toten Krieger beließen.“

und zitiert einen französischen Bericht über die Lage am Tunnel nach Einnahme der Festung, der mit den Worten beginnt:

„Am 20. Mai bedeckten unsere schweren Geschütze den Hügel förmlich mit Stahl und Eisen. Sie blendeten den mächtigen Gegner, indem sie die Ausgucklöcher und Beobachtungsschächte zerstörten. Schwere Granaten drangen bis in die tiefsten Stollen, zerstörten die Hauptausgänge, und bald hatten Feuer und Eisen, sowie die Giftgase der Sprengstoffe ihr Todeswerk vollbracht. Im Riesenloch schien alles Leben erloschen. Zwei zuerst eindringende Ärzte stellten fest, dass zwei Ausgänge verschüttet, der dritte zur Not noch gangbar ist.“

Dort fand man nur Leichen.

Buch von Arne Schumacher

2011 veröffentlichte Arne Schumacher ein Buch unter dem Titel Die Kreise des Mont Cornillet, in dem er ausführlich über die Geschichte der Tunnelanlage am Mont Cornillet berichtet. Sein Großvater, Carl Schumacher (1891–1980), erlebte als Angehöriger des Württembergischen Infanterieregiments 476 den Angriff auf Mont Cornillet mit und hinterließ Dokumente aus dieser Zeit. Arne Schumacher stützt sich in seinem Buch u. a. auf die gesammelten Werke von Hermann Köberl, „der einen überaus umfangreichen [unveröffentlichten] Tatsachenbericht über die geschichtlichen Hintergründe der Zeit 1914–17 und der von ihm vorangetriebenen und selbst durchgeführten Bergung der vielen württembergischen Soldaten im Mont Cornillet mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geschrieben hat.“ (S. 14), und auf die Regimentsgeschichte von Nick (1921). Der Bericht von Karl Debus stellt eine wichtige Ergänzung zu den Darstellungen im Buch Die Kreise des Mont Cornillet dar. Unser Beitrag hier beschränkt sich im Wesentlichen auf das, was Karl Debus berichtet, nur hin und wieder werden andere Darstellungen einbezogen.

Namensgebung

Der Tunnel vom Mont Cornillet ist der einzige in den Aufzeichnungen von Karl Debus, der keinen eigenen Namen trägt. Die Namen „Bärenhöhle“, „Kellerloch“ und „Daxbau“ dienten jedoch während der Bauzeit als Tarnnamen (handschriftliche Aufzeichnungen S. 6). Da der Tunnel somit nur einen Monat nach Abzug von Karl Debus in Betrieb war und bedingt durch sein schnelles Ende mit grausamem Tod unter der Erde kam es nicht zu einer „ehrenvollen“ Namensgebung.

Bauzeit, Betrieb und Ende der Tunnelanlage[40]

Karl Debus berichtet:

„Kurze Zeit später [nach Abschluß der Bauleitung am Hertzberg-Tunnel Ende Oktober 1916] erhielt der Vizefeldwebel Debus den Befehl, einen neuen Tunnel zu bauen, doch diesmal ging es weiter fort in die Stellung des Mont-Cornillet Hochberges […] nördlich von Reims. Hier sollte ich die vielen Blockhäuser, welche um den Mont-Cornilletberg herum lagen, alle der Reihe nach unterirdisch verbinden, dann vergrößern und unterirdisch völlig ausbauen, damit auch hier große Truppenreserven untergebracht werden konnten. Dieser Mont-Cornillet-Tunnel wurde auch als Drei-Tunnelanlage ausgebaut. Dieser Bau ging aber sehr bald verloren.“

– S. 73 des Buchmanuskriptes

„An dieser Tunnelanlage habe ich gearbeitet vom I. Spatenstich an, der im November 16 war bis zum 15.4.1917. Kein Mensch hatte bisher das Innere des Mont-Cornillet-Berges berührt. Dann wurde ich abberufen und der Gefreite Emil Brüggeney ebenfalls. Wir kamen zum Argonnerwald.“

– S. 13 des handschriftlichen Beitrages zum Mont Cornillet

Die traurige Wahrheit steht auf einer Gedenktafel auf dem Soldatenfriedhof in Warmeriville:

„Bei der Bombardierung der Stollen im Mont Cornillet am 20. Mai 1917 wurden 414 deutsche Soldaten der 242. Württembergischen Infanterie-Division verschüttet – die in den Jahren 1974–75 geborgenen Soldaten ruhen in diesem Gräberfeld.“

Lage der Tunnelanlage

Der Mont Cornillet ist ein 206 Meter hoher Hügel im östlich von Reims gelegenen Höhenzug von Moronvilliers.

 
Karte vom Mont Cornillet
 
Karte der Stellungen südlich vom Mont Cornillet (oben rechts)

Karl Debus bekam 1916 den Befehl, den Cornillet-Tunnel zu bauen. Er beschreibt, wie er dorthin kam und was er vorfand. Seine handschriftliche Aufzeichnung zum Buchmanuskript wirkt authentisch und sei deshalb hier in Ausschnitten wiedergegeben:

„Es ist Warmeriville, wo ich den Befehl vom Chef der 1. Landw. PI Komp.VII AR Herrn Hptm. Karcher erhalte einen Tunnel zu bauen. Hauptmann Karcher schilderte mir die Gegend und legte mir eine Karte vor, vom Mont-Cornillet-Berg. Alsdann erhielt ich den Befehl, mich in Marsch zu setzen, nach Pont-Faverger, zum Kommandeur der Pionier. Von Warmeriville ging es der Straße nach, die über Vaudetre Heutrégiville, St. Masmes nach Pont-Faverger führte. Hier im letzt genannten Orte lag der Pionier-Park und der Kommandeur der Pioniere. Der Kommandeur hielt mir einen Vortrag über die geplante Anlage. Alsdann fuhren wir zusammen zu der Stelle, an welcher der Bau des Tunnels begonnen werden soll.“

„Wir fuhren von Pont-Faverger nach Norden zu, der Chaussee entlang, die nach Nauroy (Nauheim) führt. Diese Straße war vom Feinde einzusehen. Es waren deshalb Straßenblenden aufgehängt worden. Denn die Straße wurde sehr viel befahren von allerhand Fahrzeugen. Auch lag dieselbe unter feindlichem Artilleriefeuer. Fährt man nun von Pont-Faverger zur Stellung, so befindet sich am Anfang rechts u. links der Straße Ackerland. Dann ungefähr auf halber Länge nur Waldungen. Mitten durch den Wald geht die Straße. Es ist Hochwald. Es ist der Rheinwald. [… hier Darstellung von Bauarbeiten: Lagern, Brunnen, Straßen] Wir fahren nicht in Nauroy hinein, sondern nur bis zur neuen Straße, die dort gebaut ist. Es ist die Fleckstraße. Hier steigen wir aus und nun gehts zu Fuß der Stellung zu. Die Fleckstraße steigt an und mündet vor dem Wald, also läuft aus. Sie verläuft in nördlicher Richtung. Rechts u. links der Straße sind alle 50 m Deckungsgräben ausgehoben, die als Unterschlupf für die Straße passierende Truppe dienen. Denn alle Augenblicke liegt die Straße unter feindlichem Artilleriefeuer. Besonders des Nachts ist es hier sehr lebhaft. […] Hat man nun das Ende der Fleckstraße [erreicht], so steht man wieder in einem Wäldchen. Aber man ist jetzt schon ziemlich hoch hinauf gestiegen. Ungefähr einige Minuten geht man weiter und gelangt dann an den Mont-Cornillet-Berg, (Höhe 208). Wir sind am Fuße des Mont-Cornillet.“

„Hier am Fuße des Mont-Cornillet-Berg hat unsere Artellerie gestanden, denn man sieht es an den Geschützständen. Auch sind noch gute erhaltene Unterstände von Mannschaften u. Offizier vorhanden. Der Kommandeur der Pioniere bestimmt nun den Punkt, die Stelle, wo der Tunnel gebaut werden soll. Ich merke mir die Stelle sehr gut und mache mir ein Zeichen.“

„Dieser Berg lag unberührt da! Noch nicht ein Mensch hatte an diesen Berg, um in das Innere zu kommen, Hand angelegt! Ich war der Erste, der den Mont-Cornillet-Berg aufgeschlossen hat! Ich muß diesen letzten Satz einsetzen und werde später noch darauf in dieser Geschichte zurück kommen, denn über die Tunnelanlage am Mont-Cornillet ist viel geschrieben worden in Zeitungen und Berichten. Einiges davon mag stimmen und das andere ist zusammen gedichtet und zusammen gedacht worden, oder es ist sogar vermutet worden.“[41]

„Am Südhang des Mont Cornillet-Berges vollzog sich eine Riegelstellung. An dieser Riegelstellung lagen ebenfalls noch einige Lager, so z. B. Bernhard-Lager und Constanz-Lager. Dann folgte nun die Hauptstellung mit dem Kampfgraben. Ich kann die Gräben hier nicht benennen, da sie alle eine Nummer tragen, also in Zahlen benannt sind. Nur die Laufgräben von der Riegelstellung bis zum Kampfgraben sind benannt, so will ich nun westlich anfangen, einige dieser Laufgräben der Reihe nach nennen Es ist der Hindenburgweg mit dem Ludendorf-Stützpunkt und der Düsseldorfer Weg, Hänisch-Weg, Preußen-Weg, Wald-Weg, -Weg, Charlotten-Weg mit dem Charlotten-Stützpunkt, u.s.w. Die Stellung lag in einer kleinen welligen Ebene; Also hinter der eigentlichen Stellung lag der Mont-Cornillet-Berg. Dieser Berg war ein sehr wichtiger und strategischer Berg. Denn von hier aus konnte man die ganze Stellung und das Gelände übersehen. Ebenfalls war dieser Berg für den Feind ein bedeutender Punkt. Hätte der Feind diesen Berg in Besitz, so hätte er eine vollständige Übersicht über das Hintergelände nach Norden gehabt.“

Bauplan

 
Plan der Tunnelanlage
 
Profil der Tunnelanlage

„Es lagen zirka 12–15 fertige Blockhäuser am Süd Abhang des Berges. Diese waren auch mit Maschinengewehren besetzt. Die Blockhäuser waren ja gute Stützpunkte, aber alle auf sich selbst angewiesen. Um nun diese unterirdisch zu verbinden und viele Reserven im Falle einer Offensive zur Stelle zu haben, wurde dort am Mont-Cornillet Berg eine Tunnelanlage gebaut. (Am Nordhang) Diese ganze Tunnelanlage war vorgesehen vom Hochberg aus, durch Lug ins Land (auch ein Berg) zum Mont-Cornillet Berg. Wenn dieser Plan ausgeführt worden wäre, so hätte die ganze Tunnelanlage eine Länge von 6000 m bekommen. Es wurde aber vorläufig bestimmt, zuerst den Cornillet-Berg auszubauen. [...]

Um nun etwas näher auf die Blockhäuser einzugehen, so will ich noch mit berichten, daß dieselben aus festem Eisenbeton hergestellt waren. Dann mit vielen Schießschachten versehen. Tiefe Stollen waren vom Blockhaus aus in den Berg gebaut worden. In diesen Stollen lag die Munition und das Verteidigungsmaterial. Alle Blockhäuser lagen auf verschiedenen Höhenlinien (s. Karte). Aber nochmals gesagt, es mußte zähe verteidigt werden, und ein entweichen der Insassen von Verteidigern wäre nicht möglich. Sie waren auf sich selbst angewiesen. Dieses aber kam dem Kommandeur der Pi. zum Bewußtsein und daher wurde die Tunnelanlage, am Mont Cornillet-Berg, zuerst gebaut. Sämtliche Blockhäuser, an Süd- und Ostrand des Berges, waren noch nicht fertiggestellt, wurden aber sofort in Angriff genommen und hergerichtet. Auf der beiliegenden Karte kann man die Blockhäuschen sehen und die Verbindung mit dem Tunnel. Siehe Grundriß.“

Durchführung

Aus dem Bericht von Karl Debus:[42] Sein erster Arbeitsplatz war ein verlassener Artilleriekommandeur-Unterstand mit Eisenbahnschienen, T-Träger und starkem Holz. Für leichte feindliche Granaten war er sicher. Auch waren sämtliche Möbel und Schreibtisch, sowie Zeichentisch und Betten darin, sowie eine Anschlussleitung für Telefon. Er behielt den Unterstand einige Monate, bezog danach einen gleich nebenan neu gebauten, an Deckung sichereren neuen Unterstand. Die Mannschaften des Tunnelbaukommandos, 100 Mann stark, alles Bergleute, hatten Unterkunft in den alten Artillerie-Mannschaftsunterständen bezogen.

„Denn wenn eine Tunnelanlage gebaut wird, muss man zuerst sehen, so schnell wie möglich in den Berg hinein zu kommen, ehe man mit dem Bau von Unterständen im Tunnel beginnen kann.“

Zur Mannschaft gehörten neben Bergleuten und Handwerkern, Schreiber und Zeichner oder Techniker zur Herstellung von Zeichnungen.

„Zu meiner Unterstützung hatte ich den Gefreiten Emil Bruggeney von der I. Landw. Pion. Komp. VII.A:K von Herrn Hauptmann Karcher mit bekommen. Bruggeney war sehr erfahren im Tunnelbau, denn er hatte mit mir zusammen am Hertzbergtunnel gebaut.“

Tag 1 (15.11.1916): Einteilung in drei Schichten (Morgen-, Mittag- und Nachtschicht), Beginn der Planierung; Lieferung von Handwerkszeug, Lampen, Rundholz, Bretter, Bohlen und Schienen (Feldbahngleis) mit Loren u. a. durch Fuhrparkkolonne vom Pi. Park Pont Farverger; Vorarbeiten: die Feldbahngleise werden gelegt, die Loren werden auf die Schienen gesetzt.

Tag 2 (16.11.1916): Zusammenstellung der Schichten; „mein Erster Spatenstich“ vor versammelter Mannschaft, danach die 3 Unteroffiziere und der Gefreite Bruggeney; Bergleute arbeiteten mit Kreuzhacke und Schaufeln; Handwerker (Zimmerleute, Schreiner) schnitten das für den Tunnel zum Ausbau gebrauchte Holz zurecht, die Schlosser und Schmiedeleute machten sich am Abhang des Berges zwischen Tunnel II und III einen Unterstand für die Feldschmiede und Amboss zurecht. Der Schreiber hatte seine schriftlichen Arbeiten und Raporte zu machen.

„Der Zeichner, der Gefreite und ich nahmen nun die Messungen vor. Hierzu stand mir ein Markscheidergerät zur Verfügung. Es war ein Markscheider  Kompaß mit Gradbogen in Zulegeplatte. Dann dazu ein Meßband. Ich nahm mir zuerst ein Längenprofil von allen 3 Tunnels vor, sowie die Zeichnung es darstellt. Zulegen mit der Zulegeplatte mußte ich selbst, und den Zeichner zog ich mit hinzu, um ihm dieses auch zu lernen. Ich machte die Zeichnung in Blei vollständig fertig und nach nochmaliger Prüfung übergab ich sie dann dem Zeichner, für den es ja jetzt nicht schwer war, eine ordentliche Zeichnung herzustellen. Dann mußte der Ausbau des Tunnels gezeichnet werden, ferner der Ausbau für die Mannschaftsunterstände, Maschinen-, Offz.,- Benzol-, Sanitäts-, Küchen-, Lebensmittelräume u.s.w.“

„Die Hauptsache war, daß ich die Richtung des Tunnels angeben konnte, die nun durch die Längen, Profile und Grundrisse gegeben waren. Als nun die Richtung […] projektiert war, nahm ich den Kompaß, hängte die Stunde oder Brahme bergmännisch genannt. Stunde oder Brahme heißt Richtung angeben oder festlegen. So konnten nun die Bergleute nach der ‚Stunde‘ weiter arbeiten. […] Alles mußte ich nach meinen Erfahrungen und Kenntnissen selbst entwerfen und zur Genehmigung einreichen. […] Es war aber nicht so einfach, alles auszumessen, um eine genau Zeichnung herzustellen; denn der Mont-Cornillet-Berg wurde sehr vom feindlichen Artilleriefeuer heimgesucht. Es war dem Franzosen sein Steckenpferd. Daher wurden sämtliche Messungen früh morgens gemacht.“

Später:

„Da aber auch viele Nachfragen vom Kommandeur der Pion. Kom, sowie auch von meiner Seite Bestellungen gemacht werden mußten und jedesmal eine Ordonanz geschickt werden mußte, beantragte ich ein Telefon. Auch dieses wurde sofort angelegt. Nun waren wir doch einen ganz großen Schritt weiter gekommen, denn viel wurde mündlich erledigt. Eine Telefonnummer gab es nicht. Aber immer mußte man vorsichtig am Telefon sprechen, denn ein Verrat beim Feinde hätte uns teuer zu stehen kommen können. Es wurde nun der Anruf des Tunnels ferst gelegt. Dieser Anruf richtete sich dekadenweise, so war der Ruf zum Tunnel, in der I. Dekade ‚Bärenhöhle‘ in der II. Dekade ‚Kellerloch‘ und in der III. Dekade ‚Daxbau‘. Jetzt konnte man überall hin anrufen und es war eine große Erleichterung für alle, die mit dem Tunnelbau zu tun hatten.“

„Die Pferde waren 1916+17 schon rar. Ich forderte 2 Pferde an, bekam aber in Wirklichkeit 2 kräftige Esel, Fritz und Frida wurden sie genannt. Jetzt wurde sofort ein Wagen dazu gebaut, […] Ein Eselpfleger wurde bestimmt, der die Tiere fütterte und in seine Obhut nahm, ferner die Tiere immer sauber hielt.“

„Aber der Tunnel gebrauchte mit der Zeit doch sehr viel Wasser. […] Da nun der Boden alles Kreide war, dachte ich nicht an eine Wasserader im Tal, aber es ließ mir keine Ruhe, und so machte ich mir eine Wünschelrute und durchlief das Tal mit der Wünschelrute in der Hand und siehe da, auf einer Stelle neigte sich dieselbe. Auch im Umkreis dieser Stelle zog die W-Rute noch an. Nun war ich froh und hoffte auf Wasser. Ich besann mich und faßte den Entschluß einen Brunnen hier ab zu teufen. Der Durchmesser war 1,70 x 1,20 Meter. Der Ausbau war aus Holzrahmen, die an den Enden angeblattet ineinander griffen; dann durch Stempel (Rundhölzer), die hinter den Rahmen senkrecht standen, durch die Rahmen gehalten wurden, damit sie nicht vom Seitendruck herein gedrückt werden können. Hinter diesen Stempeln wurde dann der waagrechte Verzug angebracht. Dieses ist aus der Zeichnung zu ersehen. Es wurden 17,5 m abgeteuft. Bei 13 m wurde der Schacht erweitert und die Pumpenkammer ausgebaut, die Höhe betrug 2,5 m (siehe Zeichnung). Bis jetzt war noch wenig Wasser zu sehen, aber ich gab die Hoffnung nicht auf. Als nun der Schachtstuhl gesetzt war und die Maschinen, besser gesagt Pumpenkammer, fertig ausgebaut war, wurde weiter abgeteuft bis wir auf mehr Wasser stießen, denn einmal müßte es doch kommen. Bei 17,5 Meter war nun das erreicht, was wir wollten, der Zustrom des Wassers wurde stärker aber immer zum Steigen nicht genug. Kurz entschlossen forderte ich mir dann vom Brunnenkommando Wirminghaus Rheinlager das Bohr mit Bohrgestänge. Es wurde auch sofort geliefert und ich mußte nun den Leuten zeigen, wie gebohrt wurde. […] Es wurde nun 20 Meter tief gebohrt und jedes Meter weiter erhielten wir mehr Wasser. Die Bohrsohle wurde nun mit Kieselsteinen ausgefüllt. In der Pumpenkammer wurde eine Pumpe mit zwei Schwungrädern aufgestellt. Die Pumpenrohrleitung wurde eingebaut, und somit das Wasser gehoben, welches oben am Tage in Eimer lief. Zum Pumpen waren 2 Mann bestimmt. Wir hatten nun das Übel Wassermangel beseitigt und vorläufig behalfen wir uns mit Eimer holen. Später wurde dann, wie auf der Zeichnung zu sehen ist, einen auf 40° …….ägigen Stollen gebaut zur Pumpenkammer hin. Der Stollen wurde mit Treppenstufen versehen. Von der Pumpe aus war durch den Stollen eine Wasserleitung gelegt, die in einen Laufgraben, der zu den Tunnels führte auslief. Im Graben war Zapfstelle. Als wir nun mehr Rohre erhielten, wurde die Leitung in den Tunnel gelegt. Denn die elektrische Maschine mußte auch stets Kühlwasser haben und von hier aus war nun auch Wasser für die Mannschaften zu haben, ebenso für Fritz und Frieda.“

Türstockzimmerung und Tunnelausrichtung

„Ehe das erste Tunnelholz gesetzt werden konnte, mußte an allen drei Tunnels erst ein Einschnitt gemacht werden. Nach 2 Tagen Arbeitsleistung konnte dann das erste Holz in allen drei Tunnels gesetzt werden. Es war eine Türstockzimmerung […]. Das erste Ausbauholz im Tunnel zu setzen, erfordert eine peinliche Genauigkeit. Denn am ersten Türstock wird die Stunde angebracht und 10 m rückwärts auf dem Tunnelgelände ein Visierstab aufgestellt. Visierstab und das am ersten Tunnelholz befindliche Lot müssen sich decken. Das ist dann die Richtung, die Stunde, wie der Bergmann sagt, für den zu treibenden Tunnel. Nun schritt der Tunnel schnell vorwärts. Es wurden täglich 5–7 Meter ausgefahren. Gleich am ersten Tage aber mußte auch für Nachtschicht gesorgt werden. Denn es mußten Lampen bereit gestellt werden, damit die Leute auch sehen konnten. Hierbei war natürlich größte Vorsicht geboten, damit kein Licht ins Freie kam. Es wurde daher von mir angeordnet, den Tunneleingang, bei der Dunkelheit, mit Zeltbahnen abzublenden. Verantwortlich hierfür waren die Aufsichtspersonen, also die Steiger.“

Gesteinabbruch, -abfuhr und -lagerung

„Dann wurde bisher mit Schlangenbohrer in das Kreidegestein gebohrt und das dauerte häufig sehr lange. Es wurde nun elektr. Bohrmaschinen bestellt, je nach Bedarf auch mehr, und so wurde nun elektr. gebohrt. Dieses ersparte erstens viel Menschenkraft und die Bohrzeit wurde rapide heruntergesetzt. Es mußte an verschiedenen Stellen gebohrt und dann gesprengt werden. Aber durchweg konnte das Kreidegestein mit der Kreuzhacke verarbeitet werden. – Das gewonnene Gestein, die Kreide, wurde in Loren geladen und auf Feldbahngleis hinaus zur Halde gefahren. Auch das Entleeren der Loren mußte schnell gehen, besonders bei Tage, da immer Fesselballone hoch standen und stets mit Fliegergefahr gerechnet werden konnte. Die hell, grell, leuchtende, ausgefahrene Kreide, wurde mit Mutterboden zu gedeckt. Hierfür waren extra 2 Mann bestimmt, die die Aufgabe hatten, die Halde stets fahrbereit zu halten die aus gefahrene Kreide mit Mutterboden einzudecken, dann auch Gleis, also Schienen, verbauen und Weichen legen, sowie danach einplanieren.“

Wetterführung

„[… Es wurde ein] Ventilator in der frischen Luft (Atmosphäre) aufgestellt, dann wurde eine Luttentour (Rohrleitung) angeschlossen und vorgebaut bis vor Ort im Tunnel. Die frische Luft wurde von dem Ventilator angesogen und durch die Rohrleitung, Luttentour, bis vor Ort gedrückt. Aber je länger der Tunnel wurde, genügte so eine Leitung nicht, um genügend frische Luft vor Ort zu behalten. Es wurde daher noch ein Ventilator aufgestellt und mit einer Luttentour versehen. Die bezweckte gerade das umgekehrte, was der erste Ventilator machte. Diese Luttentour (Rohrleitung) war nun eine Saugleitung, sie zog die schlechte Luft vor Ort ab. Die Ventilatoren wurden von 1 Mann abwechselnd gedreht. Es war keine schöne Arbeit, 8 Stunden immer drehen. Langweilig und immer dasselbe, das gleiche Tempo. Dieses mußte solange beibehalten werden, bis ein Luftschacht mit dem Tage hergestellt war. So war es in jedem Tunnel, es waren allerhand Rohre dazu nötig. Als nun der erste Luftschacht in Tunnel II hoch war, regelte sich die Wetterführung im Tunnel durch die Atmosphäre von selbst. Die Rohrleitungen wurden ausgebaut, ebenfalls die Ventilatoren. Bei einer Tunnellänge von [ ] Metern wurde der erste Luftschacht hoch gebrochen. Er ist [etwa 17] Meter hoch.“

 
Plan des Innenausbaus, Mont-Cornillet-Tunnel

Unterstände und Querschläge

„In der erst genannten Tunnellänge ist gleich mit dem Bau von Unterständen begonnen worden. Dann wurden auch sofort die Verbindungstunnel (Bergmännisch Querschläge) nach Tunnel I u III in Angriff genommen. So reihten sich nun die Unterstände nach der Reihe aneinander. […] Stärkerer Ausbau wurde in den Querschlägen und Unterständen gebaut. Stämme bis zu 50 cm. Mehr Verzugbretter waren nötig. Denn jedes eingebaute Holz wurde mit Bretter od. Bohlen verzogen, damit das lose Kreidegestein nicht herein brechen kann. Als nun die Unterstände im Rohbau ausgebaut waren, kamen die Handwerker an die Reihe. […] Es wurden daher eine Reihe Betten vorgestellt mit Maschendraht. Dann kam ein Platz mit Tische und Bänken, dann wieder Betten u.s. weiter, abwechselnd. Vor den Betten u. Tischen war ein 1 Meter breiter Gang gelassen. Der Raum für die Tunnelbauleitung wurde ebenfalls fertig gestellt.“

Licht

Zunächst wurde mit Karbid- und Petroleumlampen gearbeitet; später, als der Maschinenraum fertiggestellt war, wurde dort eine elektrische Maschine aufgestellt und es wurden in alle Querschläge und Räume elektrische Leitungen gelegt.

Tunnelausgänge

„Die Ausgänge wurden tonnlägig auf so u. soviel Grade aufgefahren, […] Das gewonnene Material wurde in einer an der Seite mit geführten Rusche geladen, dann nach unten gerollt bis auf die Tunnelsohle. Hier wurde es dann in eine Lore geladen und heraus zur Halde gefahren. Erst wenn der Durchschlag an der betreffenden Stelle erfolgt war, wurde der tonnlägige Schacht (Überhauen bergmännisch genannt) ganz von dem losen Geröll, also Kreidemassen, gereinigt und gesäubert. War dieses geschehen, dann kamen die Schreiner u. Zimmerleute und bauten eine Treppe darin.“

Katastrophales Ende des Tunnels am 20. Mai 1917

Karl Debus war – nach eigenen Aussagen – einen Monat vor dem 20. Mai 1917 vom Cornillet abgezogen worden, so dass er nicht Opfer oder Zeitzeuge der Katastrophe wurde. Er gibt jedoch einen deutschen und einen französischen Bericht über die Ereignisse um den 20. September wieder. Dazu fehlt jegliche Quellenangabe. Dennoch werden hieraus Ausschnitte wiedergegeben, die mit anderen Berichten (z. B. Schumacher, 2011) abgeglichen werden können.

Deutscher Bericht in der Anlage zum Buchmanuskript von Karl Debus:

„Im Mai 1917 war das württembergische Infanterieregiment 476 am Cornillet in der Champagne eingesetzt. Die vordere Linie war keine zusammenhängende Linie mehr, sondern bestand nur noch aus einer Granattrichterstellung, welche tagsüber schwach besetzt war, während sich der Hauptteil der Besatzung in einem großen Tunnel am halben Nordhang befand. Der Tunnel war ein altes französisches Kreidebergwerk und bestand aus 3 Stollen und lag bis zu 17 m unter der Erdoberfläche. Da die Stollen selbst der stärksten Artilleriebeschießung standzuhalten versprachen, wurden die Reservetruppen darin untergebracht. In der Tat war die Truppe auch dort dem feindlichen Feuer entzogen, aber einen wunden Punkt hatte diese Stollenkaserne doch. Dieser waren die Eingänge, welche dann auch der Besatzung zum Verhängnis wurden. Vom 17. Mai 1917 ab hatte das Infanterie-Regiment 476 sein 1. und 2. Bataillon in Stellung, von denen je 2 Kompagnien in vorderer Stellung lagen. Diese Kompagnien hatten tagsüber vor jeder Kompagnie 1 Offizier und 3 Gruppen in den Granatlöchern auf der Kuppe, während sich der Rest mit den übrigen Teilen der Bataillone im Tunnel befand.

An dem unglücklichen 20. Mai lagen im Tunnel Major Wintterlin, als Kommandant des Cornillet, und Hauptmann Graf von Rambaldi mit ihren Bataillonen, ferner 1 Minenwerfer-Kompagnie und 1 Offizier und 104 Mann der württembergischen Pionier-Kompagnie Nr. 376. Letztere hatte die Aufgabe, die Stolleneingänge freizuhalten. Außerdem befanden sich noch im Tunnel ein Sanitätsraum, ein Munitionsdepot, ein Lebensmitteldepot, zwei Funkstationen und Artillerie-Beobachtungsposten. Der Tunnel war mit Licht- und Luftschacht versehen. Während der Doppelschlacht Aisne-Champagne im Mai 1917 lag der Cornillet ständig unter heftigstem Artilleriefeuer. Der Boden war vollständig aufgewühlt. Die Kreide leuchtete grell im Sonnenschein. Da der Berg die ganze Gegend beherrschte, war den Franzosen an dessen Besitz viel gelegen. Vom 18. Mai ab lenkten die Franzosen schwerstes Feuer auf die Kuppe und die Tunneleingänge. Das Feuer wurde durch tieffliegende Flieger geleitet. Es gelang dem Gegner mehrmals, die Tunneleingänge zu verschütten, aber die wackeren Pioniere legten dieselben immer wieder frei. Die Nacht zum 20. Mai brachte dann die höchste Steigerung des Feuers. Ununterbrochen schlugen die schwersten Granaten, untermischt mit Gasgranaten, ein. Die Stolleneingänge wurden mit schwersten Spezialgranaten beschossen. Um Mitternacht hatte der Franzose Gas gegen den Berg abgeblasen, wodurch sich die Stollen dicht mit Gas füllten. Der Tunnel wurde aber nach 2 Stunden von der Besatzung wieder gasfrei gemacht. Major Wintterlin meldete 8 Uhr vormittags dem Regimentsstab, der in einer Kiesgrube etwa 1500 m nördlich des Berges und 500 m östlich Nauroy lag, daß der Nachschub während der Nacht gut vonstatten gegangen war. Um die tief fliegenden Artillerieflieger zu verjagen, forderte er deutsche Jagdflieger an.

Kurz nach 8 Uhr vormittags durchschlug eine 38 Zentimeter Granate neben dem ersten Luftschacht den Tunnel. Bald darauf durchschlug eine zweite Granate den anderen Luftschacht. Major Wintterlin und Hauptmann Graf v. Rambaldi, sowie viele Mannschaften wurden dabei verschüttet und verwundet. Im Stollen verbreitete sich Kohlenoxydgas, welches die Pioniere abzudämmen versuchten, jedoch ohne Erfolg, da das Kohlenoxydgas die Abdämmung durchbrach. Für den toten Major Wintterlin übernahm nun Hauptmann Süß das Kommando im Tunnel, der auch mit den Pionieren sofort Rettungs- und Aufräumungsarbeiten einleitete. Als der Regimentskommandeur von den schweren Durchschlägen des Tunnels und von dem Ausbreiten des Kohlenoxydgases erfuhr, befahl er um die Mittagsstunde die Räumung des Stollens. Die Mannschaften sollten sich in die Granatlöcher im Freien und nur die Rettungskolonnen im Tunnel bleiben. Dieser Befehl aber erreichte den Kommandanten im Tunnel nicht mehr, da der mit der Befehlsübermittlung beauftragte Hauptmann Wild unterwegs verwundet wurde. Inzwischen war der Tunnel an allen drei Ausgängen eingeschossen worden und die Besatzung fast ganz von der Außenwelt abgeschlossen. Auch an zwei weiteren Stellen war er durchschlagen. Die Besatzung war abgeriegelt und wurde durch die Kohlenoxydgase, gegen welche die Gasmaske nicht schützte, getötet.

Gegen 4 Uhr nachmittags befahl Hauptmann Süß dem noch lebenden Rest, den Tunnel zu verlassen. Dies gelang aber nur wenigen, da vor den verschütteten Ausgängen ein überaus starkes Wirkungsfeuer lag. Während sich die Katastrophe im Innern des Berges vollzog, überrannte der Franzose um 5 Uhr nachmittags die schwache deutsche Verteidigungslinie auf der Kuppe, und gelangte mühelos vor die Stolleneingänge, in die er noch Handgranaten und Brandröhren warf. So vollendete sich vollends am Cornillet. 19 Offiziere, 279 Unteroffiziere und Mann des Württembergischen Regiments Nr. 476, sowie 82 Pioniere der Württembg. Pionier-Komp. 376 wurden ihre Opfer. Nach Kriegsende vermauerten die Franzosen den Tunnel, in dem sie die toten Krieger beließen. […]“

Französischer Bericht:

Der Darstellung von Karl Debus ist ein Bericht[43] beigefügt: „Ein französischer Bericht, der den Deutschen in die Hände fiel, gibt uns Kunde, wie es im Tunnel nach seiner Einnahme aussah.“

„Zwei zuerst eindringende Ärzte stellten fest, dass zwei Ausgänge verschüttet, der dritte nur zur Not noch gangbar ist. Der Haupteingang ist etwa 3 Meter breit und 2 ½ Meter hoch, sorgfältig ausgebaut, durch Holzbalken verschalt. In der Mitte eine Feldbahn und an der Decke die Röhre, welche die Luft zuführt. Auf den ersten 30 Metern wenig Leichen, dann ein Haufen über- und untereinander liegender Körper; etwas weiter in einer Nische eine große Funkstation, daneben liegen 4 Tote, das Gesicht dem Erdboden zugekehrt. Ein fünfter auf einem Stuhl sitzend, den Kopf noch mit der Maske bedeckt, in den leblosen Händen den Sprechapparat, gibt kein Lebenszeichen mehr. Einige Meter weiter, bei der Kreuzung des Hauptganges mit einem Querstollen, ist der Weg völlig versperrt durch die Trümmer des eingefallenen Deckengewölbes. Dort hat der Tunnel den Gnadenstoß erhalten durch ein Geschoß schweren Kalibers, das auf den Lichtschacht fiel, den Unterstand, wo sich die zwei Bataillonskommandeure befanden, zermalmte und dann den Erstickungstod bis in die tiefsten Winkel der Stellung sandte. Die Leichen, welche in diesem Gang gefunden wurden, tragen alle dieselben Todeszeichen: Großes Gesichtsödem, Ruptur der Blutgefäße, verursacht durch die große Explosion. Die Leute haben nicht gelitten.

Der Eingang zur mittleren Galerie ist durch einen Haufen von Leichen vollständig versperrt. Es sind die Deutschen, welche vor dem Erstickungstod fliehen wollten und am Ausgang des Tunnels von unseren Granaten zerrissen wurden, sie liegen – es sind fast alles junge Männer – in etwa fünf Schichten übereinander; wohl hundert Feldgraue in vollständiger Ausrüstung, die Gasmasken auf dem Gesicht, die Beutel mit Handgranaten wohl versorgt, die Feldflaschen gefüllt. Einige haben das Seitengewehr aufgepflanzt, einige Erstickte sind aufrecht geblieben, ein grausiger Anblick. Auf einer Bahre liegt ein Offizier, die beiden Beine sind im Gipsverband, er wurde hierher getragen, um dann rückwärts befördert zu werden. Etwas weiter zwei Maschinengewehre, auf dem einen liegt ein Deutscher hingestreckt, die Arme hängen leblos herunter. Patronen, Munitionskisten liegen am Boden.

[… Der] Unterstand des Tunnelkommandanten […] zeugt davon, dass der Kommandant eiligst floh, nur mit dem Revolver bewaffnet, ohne sich erst Zeit zu nehmen, den Rock anzuziehen. Seine Leiche liegt wahrscheinlich unter einem Trümmerhaufen in der Nähe. So nah an der Einschlagstelle unserer Granate wird er wohl als einer der ersten dem Erstickungstod anheim gefallen sein. [… In einem anderen] Stollen: darüber die Inschrift „Verbandsplatz“. Hier sieht es übel aus. Auf den Matratzen, am Boden, auf den Bahren liegen Soldaten regungslos. Dabei eine große Anzahl Krankenträger, die Rote-Kreuz-Binde am Arm, am Boden. Hier hat der Erstickungstod sein Werk vollbracht.

[…] etwas weiter, ein senkrechter Luftschacht. Hierher waren einige Deutsche geflohen in der Hoffnung, frische Luft [für] ihre brennend heißen Lungen zu finden. Aber die Giftgase der auf die Stellung einschlagenden Geschosse waren durch den Luftschacht eingedrungen und haben den Unglücklichen den Tod gebracht. Die Luft ist noch verpestet, man muß zurück. Der Haupteingang endet in einer Sackgasse. Auch er ist versperrt durch einen Haufen von Leichen und Trümmern. Man muß den Tunnel verlassen, wie man hereingekommen ist, indem man die Leichenhaufen, der bis zur Decke reicht, erklettert. Über die leblosen Körper kommt man endlich ins Freie an das helle Sonnenlicht. Das Geheimnis des Tunnels ist gelöst.“

Bewertungen der Tunnelanlage

Das dramatische Ende der Tunnelanlage am 20. Mai 1917 mit dem Tod von über 400 eingeschlossenen Soldaten hat zu unterschiedlichen Bewertungen seiner Sicherheit geführt. Es gibt eine Vielzahl von Einschätzungen, an dieser Stelle aufgenommen von:

  • Karl Debus im Buchmanuskript
  • Französischer Bericht, zitiert von Karl Debus
  • Arne Schumacher: Die Kreise des Mont Cornillet. Pro Business, Berlin 2011. (die hierin enthaltenen Quellen)

Gesamtanlage

Der französische Bericht wird am Ende von Karl Debus mit den Worten kommentiert: „Es muss vom Feinde ja immer übertrieben werden, denn sonst kann er nichts ausrichten. Ich will deshalb nicht weiter kritisieren, denn ich könnte viel widerlegen.“ Der französische Bericht deutet verschiedene Unzulänglichkeiten an, u. a. „ein mächtiger Ventilator mit Handbetrieb“, „Munitions- und Vorratskammer enthält eine Unmenge von Handgranaten“, fragwürdige Beschilderung der Gänge und Kammern. Dem widerspricht Karl Debus: Ventilatoren ausschließlich mit elektrischem Antrieb, Unterstände und Querschläge beschildert und mit Namen belegt, Munitionsdepot und Lebensmitteldepot weit entfernt liegend. Die angesprochenen Punkte werden im französischen Bericht nur beiläufig erwähnt, im Zentrum steht die Darstellung des Todes der eingeschlossenen Soldaten aus medizinischer Sicht. Zum Bauplan sagt der Bericht nichts.

Bei Schumacher (2011, S. 27 f.) finden wir insgesamt eine positive Bewertung:

„Die deutschen Truppen haben am Nordhang des Mont Cornillet, den Blicken der französischen Beobachter entzogen und sorgfältig getarnt, eine sensationelle unterirdische Anlage geschaffen. Drei Längsstollen, in sauberer Bergmannsarbeit vorgetrieben und mit starken Holzrahmen ausgesteift, führen tief in das Berginnere und haben teilweise mehr als 20 Meter gewachsene Kreide als Deckung über sich. Die drei Stollenachsen sind unterschiedlich lang und verlaufen auch nicht genau parallel. Mehrere Ausstiege für Artilleriebeobachter in Form von Steigleitern in den Luftschächten sind auf den Stollen verteilt. Alle drei Längsstollen sind etwa 50 Meter vom Eingang entfernt durch einen Querstollen in gleicher Bauweise wie die Längsstollen untereinander verbunden. In jedem Stollen ist ein Lorengleis verlegt, das an den Abzweigungen der Quergalerie einen Drehkranz aufweist. Die gebrochene Kreide wird damit von Hand in die Loren verladen und diese nachts in den Steinbruch von Nauroy geschoben und dort entleert, um dem Feind durch den Aushub keine Hinweise auf die entstehende Stollenanlage zu geben. Hauptsächlich entlang der Mittelachse des Stollens sind verschiedene Seitenkammern für die Lagerung von Munition und Verpflegung, für den Gefechtsstand des Tunnelkommandanten und für den Verbandsplatz ausgebrochen. Ein volles Jahr soll an dieser Anlage gearbeitet worden sein.“

Karl Debus als Bauleiter verteidigt die Tunnelanlage:

„Da nun sehr viel über den Mont-Cornillettunnel geschrieben ist und vieles dabei nicht den Tatsachen entspricht, so gebe ich als Tunnelbauer der Westfront, Tunnelbauer in vorderster Linie, und über unsere Stellung weit hinaus, den aus einer Zeitung entnommenen Bericht wieder. Aber nochmals gesagt, ein altes Bergwerk war es nicht, es waren die Leistungen unserer Rheinisch-Westf. Bergleute. Die haben hier geschafft und gezeigt, was eine Harke im Stiel ist. Mit Stolz kann die nachfolgende Generation auf ihre Väter blicken.“

Tunneleingänge

Im von Karl Debus zum Cornillet-Tunnel beigefügten deutschen Bericht heißt es:

„aber einen wunden Punkt hatte diese Stollenkaserne doch. Dieser waren die Eingänge, welche dann auch der Besatzung zum Verhängnis wurden.“

Die Eingänge durften nicht erkannt werden, denn kamen sie gezielt unter feindlichen Beschuss, bestand die große Gefahr, dass die Truppen eingeschlossen wurden. Karl Debus deutet in seinem Titel zum Cornillet-Tunnel Verrat an. Nach Arne Schumacher[44] (2011, S. 61) finden sich entsprechende Hinweise:

„Die Franzosen, die von den deutschen Gefangenen Anfang Mai erste wertvolle Informationen haben, machen von allen Punkten des Mont Cornillet Luftbildaufnahmen. Am 10. Mai etwa entdecken sie auf einer Aufnahme die Stolleneingänge.“

Arne Schumacher stützt sich auf die Aufzeichnungen von Hermann Köberl (1974/75),[45] der den Bericht des Leutnants Carlier über „Die Luftaufnahmen während des Krieges“ mit den Worten zitiert:

„Die Eingänge, drei kleine schwarze Punkte, konnten erst nach genauer Betrachtung der Aufnahmen als solche erkannt werden, da sie sich am Hinterhang und an der Nordseite befanden und im Schatten lagen.“

Karl Debus äußert sich dazu:

„Sicher kann man gegen 38 cm Granaten nicht viel wollen und unternehmen. Besonders wenn erst mal der Tunnelbau verraten ist, dann von feindlichen Fliegern das Artilleriefeuer geleitet wird. Warum keine Gegenwehr von deutschen Fliegern? Darum ist stets, wie ich immer in allen, sämtlichen Berichten erwähne, die größte Vorsicht beim Tunnel bauen geboten. Ist derselbe einmal vom Feind erwischt, dann ist sicher, dass man etwas erleben wird.“

Stollendeckung

Schumacher verweist auf Moser (1927), der hinterfragte, warum man den Stollen III mit einer solch niedrigen Deckung baute.

„Es gibt dafür [die niedrige Deckung des Stollen III] keine plausible Erklärung oder erkennbare Notwendigkeit, es sei denn, dass vorher bereits ein alter Stollen (Steinbruch) vorhanden war, dessen man sich bediente. Darauf weist Moser hin. Das wäre zwar eine Erklärung, keinesfalls eine Entschuldigung für die damals Verantwortlichen. Der Nordhang des Mont Cornillet bietet genug Möglichkeiten, diesen Stollen an anderer Stelle mit genügend Deckung anzulegen.“

Schumacher (2011): Fußnote 47, S. 56

In der Darstellung von Karl Debus findet sich keine Aussage zur Deckung des Stollens III. Es gibt nur die allgemeine Feststellung:

„Dieser Berg lag unberührt da! Noch nicht ein Mensch hatte an diesen Berg, um in das Innere zu kommen, Hand angelegt! Ich war der Erste, der den Mont-Cornillet-Berg aufgeschlossen hat!“

Truppenberichte

 
Karte zum Mont Cornillet, Regimentsbericht Nick (1921) Württ.I.R. 476
Erstes Bataillon Badischen Pionier-Bataillons Nr. 14

Im Buch von Ernst Eggeling und Otto Doberg (1927) Die badischen Pioniere im Weltkriege[46] wird über einen Einsatz am Mont Cornillet berichtet:

Die Pioniere der 29. Infanterie-Division, die im Sommer 1916 in der Region um den Debus-Tunnel im Einsatz waren, sind beim Mont-Cornillet-Tunnel kurze Zeit vor dessen Einnahme tätig.

Im Regimentsbericht von 1927 ist zu lesen:

„Am 18.4. [1917, also 4 Wochen vor der „Katastrophe“ am 20. Mai] steckte die 1. Komp. einen Schutzriegel von Mont Cornillet nach dem rückwärtigen Stellungssystem ab und baute vom 22.4. ab auf unter dem stärksten Feuer liegenden Berge die Kampfgräben aus. Die am 26.4. dort in einem Tunnel untergebrachte Hälfte der Komp. geriet zwei Tage später, auf dem Marsch zur Arbeit, in Gas und mußte mit starken Ausfällen zurückkehren.“

– S. 71
Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 476

Der Regimentsbericht von Nick (1921)[47] enthält eine ausführliche Darstellung des Einsatzes des Regiments am Cornillet. Er wird hier nur insoweit zitiert, wie er wichtige Ergänzungen zum Bisherigen liefert.

 
Skizze zum Mont-Cornillet-Tunnel aus Regimentsbericht Nick (1921)

Der Mont Cornillet lag etwa zwei Kilometer südlich von Nauroy (s. Karte, Anhang).

Ankunft am Mont Cornillet:

„In der Nacht vom 14. – 15. Mai löste das I. Batl. (Kommandeur Major Wintterlin) das III./173 an der ‚Fleckstraße‘ und in der ‚Kiesgrube‘ südöstlich Nauroy ab und rückte in der nächsten Nacht, abgelöst durch unsere II. Batl. vor auf den Cornilletberg zur Ablösung des II./173. In der folgenden Nacht vom 16. – 17. Mai wurde das II. Batl. (Kommandeur Hauptmann Graf von Rambaldi) von der Fleckstraße und Kiesgrube durch das III. Batl (Kommandeur Hauptmann Winter) abgelöst und rückte ebenfalls vor auf den Cornilletberg zur Ablösung des I./173. […] Der Regimentskommandeur, Major Diez, traf am 17. Mai […] ein und übernahm das Kommando über diesen Abschnitt, der mit Xb bezeichnet war.“

– Seiten 15 f.

Die Einschätzung zur Historie der Tunnelanlage:

„Der Tunnel war ein altes Kreidebergwerk der Franzosen und bestand aus drei Stollen, die bis 17 m Deckung über sich hatten.“

– Seite 16

Die Beschreibung der Tunnelanlage:

„Das Tunnelsystem war etwa nach nachstehender Skizze [s. Bild mit Skizze] angelegt. Der Gang B (etwa 120 Meter) war 20 Meter länger als die beiden Seitengänge A und C (100 Meter). Luftzufuhr erhielt der Tunnel durch die beiden Schächte und eine durch Röhren gebaute Ventilationsanlage. Die Deckung am Mittelschacht betrug einwandfrei gemessen 17 Meter, am Eingang B etwa 10 Meter. Die Gänge waren etwa 2 Meter breit und 2 Meter hoch. […] Der Eingang C war beim letzten Großangriff der Franzosen eingeschossen worden und noch nicht ganz wiederhergestellt, einige 20 Leichen (kohlenoxydvergiftet) lagen noch in diesem Gang. Die Eingänge A und B waren gut, die Deckung aber durch die dauernde schwere Beschießung schon recht mitgenommen. An den Eingängen war ein furchtbarer Schmutz, da die Tunnelbesatzung gezwungen war, hier ihre Bedürfnisse zu verrichten.“

– Seite 16

Es folgt eine ausführliche Darstellung der Ereignisse bis zum 20. Mai, der Einnahme des Tunnels durch die Franzosen (Seiten 16–27).

Ein Jahr später, 1918, findet wieder ein Einsatz in dieser Region statt:

„Als am 15. Juli der deutsche Ansturm losbrach gegen und über die Höhen östlich von Reims hatte der Franzose dort nur schwache Postierungen und artilleristische Scheinstellungen geschaffen. – An diesem 15. Juli ist der Luginsland und der Cornillet von württembergischen Truppen gestürmt worden. […] Wir 476er hatten die Genugtuung, den bösen Cornillet wieder in deutschen Händen zu wissen. […] Aber der furchtbare Krieg, das Feuer und die Zerstörungsarbeit der Natur haben hier in 14 Monaten bewirkt, daß es nicht einmal mehr möglich war, den großen Tunnel, seine Eingänge zu erkennen oder gar von den Verschütteten auch nur eine Spur aufzufinden. […] Der Cornillet bleibt für alle Zeiten ein Massengrab vieler Helden unseres Regiments.“

– Seite 85

Die Aussage des zuletzt zitierten Satzes stimmt inzwischen nicht mehr. Es erfolgten Grabungen und Bestattungen der gefundenen Toten, wie im Buch von Schumacher (2011) berichtet.[48]

Brief des Majors Georg Wintterlin Mai 1917

Mit Dank an die Familie geben wir den Brief des Majors Georg Wintterlin wieder, den er wenige Tage vor seinem Todestag, 20. Mai 1917, an seine Tante aus der Stellung am Mont Cornillet geschrieben hat.

Literatur

  • Ernst Eggeling, Otto Doberg: Die badischen Pioniere im Weltkriege. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Der Schriftenfolge 191. (= Badisches Pionier-Bataillon. Band 14). Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362043744.
  • Nick: Die Geschichte des württembergischen Infanterie-Regiments Nr 476 im Weltkrieg 1914–1918. Chr. Belsersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1921, DNB 366940112.
  • Arne Schumacher: Die Kreise des Mont Cornillet. Pro Business, Berlin 2011, ISBN 978-3-86805-936-6.

Links

Altrock-Tunnel

Bericht von Karl Debus

Dem Buchmanuskript liegt eine handschriftliche Darstellung des Altrock-Tunnels bei, die offenbar als Ergänzung des Buchmanuskriptes gedacht war.

Namensgebung

Constantin von Altrock  war der Namensgeber. Constantin Julius Friedrich Eduard von Altrock (1861–1942) war ab Januar bis Mai 1915 Kommandeur der 16. Reserve-Division in der Champagne, danach hatte er bis Dezember 1915 das Kommando über die 14. Division.

Zusammenfassende Darstellung nach den Aufzeichnungen von Karl Debus

 
Foto vom Eingang des Altrocktunnels, freigegeben von privat

Der 1916 gebaute Altrock-Tunnel lag in der Gegend von Rouvroy, das auf der Verlängerung der gedachten Linie Tahire - Ripont liegt, zwischen Ripont und Cernay-en-Dormois (Straße D72) am Dormois-Fluß.

Der Tunnel wurde für die 56. Inf.-Division in der Gegend von Rouvroy gebaut. Nach den - wie Karl Debus schreibt - positiven Erfahrungen mit den 1915 gebauten Tunnel (Debus-Tunnel und Ditfurth-Tunnel) wurde am 15 Februar 1916 mit den Ausgrabungen in der Lothringer (?) Schlucht begonnen. Es war wie bei den vorherigen Tunnel wiederum eine Verzweigung in einen West- und einen Ost-Tunnel vorgesehen.

Leiter war Ltn. Böhm 5. Battr. ... Regt. 112

In einem handschriftlichen Beitrag zum Buchmanuskript von Karl Debus wird eine zeitdetaillierter Ablauf des Tunnelbaus beschrieben. Zunächst wurde der Eingang bis 6-7 Meter gewachsenen Bodens als Deckung gegraben,anschließend ab 29.2. die Anlage unterirdisch weiter getrieben. Die Anlage war Anfang Dezember so weit fertiggestellt, dass sie belegt werden konnte. Der Zeitplan zeigt, dass der Bau insbesondere im Vergleich mit dem Ditfurth-Tunnel aufgrund erheblicher Schwierigkeiten (Bodenbeschaffenheit, Holzmangel etc.) nur verzögert voran kam. Während beim Ditfurth-Tunnel 8 Meter pro Tag geschafft wurden, kam man beim Altrock-Tunnel nur 3 Meter pro Tag voran. Am 22. April baute man den ersten Luftschacht, am 2. Mai den zweiten (125 Meter vom Eingang), Anfang Juni den dritten im Westtunnel (210 Meter vom Eingang, 56 Meter lang). Erst Ende Oktober war der zweite Mannschaftsraum fertig, er war 42,50 Meter lang und bot Platz für 88 Betten. Ende November war der Korridor Ost (90 Meter) fertig, wurde dann als Wohnraum eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt waren auch die Inneneinrichtungen (Küche, Sanitätsraum etc.) mit Versorgung (Strom, Wasser) vorhanden.

Berichte, Erwähnungen und Bewertungen des Tunnels

R.I.R. 236

"Schnepfenstreich" und "Kiebitzfang", März 1917

Den Hinweis auf Aussagen zum Altrock-Tunnel im Regimentsbericht R.I.R. 236 verdanken wir David Murzyn[49].

Das Reserve Infanterie Regiment 236[50], das im Oktober 1914 in Köln-Deutz zusammengestellt wurde und der 51. Reserve Division (Deutsches Kaiserreich)  angehörte, war im Jahr 1917 (15.2.-13.05.) bei der "Erstürmung der Maisons de Champagne-Ferme und der Höhe 185 und Kämpfe um diese" (S. 247-271) wiederholt im "Altrock Tunnel" untergebracht.

 
Altrock Tunnel Eingang. RIR 236. 1917

Vor dem Angriff "Schnepfenstreich":

„In der Stellung wurden Bataillons-Stab, 5/236 und M.G.K. im Lager Tränke Nord, die 6/236 im nördlichen Teil des Altrocktunnels, nördlich Punkt 658, und die 7. und 8/326 im Ludwigskorridor, zwischen 658 und 707, untergebracht. [S. 248...] Eine „Kompagnie […] wurde im Altrocktunnel als Regimentsreserve bereitgehalten. [S. 249...], [S. 254 ...256 ...], die 12/236 als Bereitschaftsreserve [S. 260...], die abgelösten Gruppen rückten in den Altrocktunnel […], 9. und 11/236 begeben sich ebenfalls in den Altrocktunnel, wo sich vor allem die Verbände ordnen“

– Seite 262

„Am 15. März [1917] übergab Major Eben das Kommando über den Kampfabschnitt an den Stab des II/399 und folgte seinen Kompagnien in den Altrocktunnel nach.“

– Seite 263

Unternehmen Kiebitzfang

„Am 27. März [1917] um 6 Uhr nachm. bezog der Bataillonsstab den Gefechtsstand bei 637, und kurz vor Mitternacht trafen die Kompagnien im Altrocktunnel ein. Ihre Bereitstellung für den Angriff begann am 28. März um 3.30 früh und war um 5.25 Uhr beendet.… Die Bereitstellung wurde dem Regiment 234 um 5.26 Uhr vorm. Gemeldet. [S. 265] [...30. März] Das Bataillon blieb in Bereitschaft im Altrocktunnel. [S. 267...] Am 19. April [1917] übernahm der Regimentsstab den Befehl im Abschnitt und schlug den Gefechtsstand im Altrocktunnel-Ost auf.“

– Seite 268

Am Schluß des Berichtes eine Geschichte:

„Dies ernste Kapitel der schweren Kämpfe um Höhe 185 und Champagne-Ferme soll mit der Erzählung einer heiteren kleinen Geschichte, die der Regimentskommandeur erlebte, geschlossen werden. Er schreibt: Während die vielen wochenlangen Kämpfe war der Altrocktunnel dauernd mit Reserven und abgekämpften Truppen angefüllt, die dort verpflegt wurden und auch ihre Latrinen hatten. Als solche dienten Loren, über die ein Brett gelegt war. Waren sie voll, wurden sie bei den Feuerpausen herausgeschoben und hinter dem Tunnel einfach umgekippt. Gegen Schluß der Kämpfe hatte sich infolgedessen dort ein beträchtlich großer Teich gebildet. […] Als die den Eingang zum Tunnel gewöhnlich beschießende französische Flankenbatterie gerade einmal schwieg, ging eine größere Anzahl Regts.-Angehörige draußen vor dem Tunnel spazieren, um mal wieder frische Luft zu schöpfen. Ich kam auch an dem Teich vorbei und war mir darüber klar, daß er schnellstens beseitigt werden müsse. Da setzte plötzlich wieder die französische Batterie mit ihrem schweren Feuer ein und wir verschwanden im Tunnel. Es erfolgte der ohrenbetäubende Einschlag einer schweren Granate und unmittelbar darauf ein vielstimmiges Geschrei. Besorgt wollte ich wieder nach dem Ausgang, in der Meinung, es hätte schwere Verluste gegeben. Aber ich komme nicht weit. Eine Menge total mit Dreck bespritzter und laut schimpfender Leute stürzt mir entgegen. Eine Granate war in den Teich gegangen, hatte ihn restlos entleert und seinen Inhalt über Gerechte und Ungerechte gleichmäßig verteilt.“

– Seite 271

Links

Les tunnels français et allemands de la première guerre mondiale auf der Website „Souterrains & Verstiges“

Kipsdorf-Tunnel

Bericht von Karl Debus

Dem Buchmanuskript liegt eine handschriftliche Darstellung des Kipsdorf-Tunnels bei, die offenbar als Ergänzung gedacht war.

Namensgebung

Der Kipsdorf-Tunnel befand sich in unmittelbarer Nähe des „Lagers Kipsdorf“ bei Moronvilliers (siehe Pontfaverger-Moronvilliers ). Es ist wahrscheinlich der „Tunnel du Mont Perthois“.

Von Karl Debus wird in seiner handschriftlichen Aufzeichnung kein Bauleiter genannt, lediglich mitgeteilt: „gebaut von Pionieren u. Infanteristen“.

Lage des Tunnels

Nach Karl Debus:

„Dieser lag zirka 4–5 000 Meter östlich vom Mont-Cornillet-Tunnel entfernt [...] südlich von „Moronvilliers“. [… Es ging] in halber Höhe des hufeisen-förmigen Berges entlang, bis der Tunnel erreicht war.“[51]

Da er (zur Zeit: 2016) im Sperrgebiet „Moronvilliers“ liegt, ist eine weitere Nachforschung vor Ort zur Zeit schwierig.

Bauplan

Karl Debus beschreibt den Tunnel nach Abordnung (15. April 1917) aufgrund eines Notrufes wegen eingeschossener Truppen:

„Dieser war auch fachmännisch gebaut, nur lag der Tunnel nicht senkrecht zur Stellung, sondern […] mit der Stellung. Er diente ebenfalls zur Unterbringung von Truppen. Dann waren die Unterstände ebenfalls anders angelegt und nicht mit Namen benannt, sondern nummeriert […] Es war ebenfalls eine lange Röhre, die ungefähr dem Debustunnel gleich kam. Er war 210 m lang. [Er] hatte aber keinen einzigen ordentlichen Luftschacht, was bei einer Zuschießung des Ein- und Ausgangs, wie es geschehen war, sehr verhängnisvoll werden konnte. Das Querprofil und der Ausbau war derselbe wie in den vorgenannten Tunneln. Nur hatte dieser Kipsdorftunnel eine Höhe von 2,25 m, eine Breite an der Firste (Decke) von 1,90 m und in der Sohle (Fußboden) 2,55 Meter. Die Stösse und Decken waren mit Brettern verzogen.“

Notlage am 15. April 1916

Karl Debus beschreibt Notlage und Rettung:

„Als ich am Nachmittag mich auf dem Marsch dorthin befand, lag auf dieser Linie von Cornilletunnel–Kipsdorftunnel ein mörderisches feindliches Artilleriefeuer von allerhand Kalibern. Am Abend schoss der Franzmann mit Gasgranaten und das Tal vor dem Kipsdorftunnel war voll mit Gas gefüllt. Es war der 15.4.1917. Wir mussten eine Weile warten bis sich das Gas verzogen hatte, dann aber ging es in schnellem Tempo in halber Höhe des hufeisen förmigen Berges entlang bis der Tunnel erreicht war. Jetzt wurde sofort Hand gelegt und der Tunnel frei gearbeitet. Auch die Mannschaften im Tunnel hatten von ihrer Seite feste mitgeholfen zu arbeiten. […] Nach der Befreiung des Kipsdorftunnels begab ich mich auf den Marsch zum Kommandeur der Pionier[einheit] und meldete mich dort, wo ich Anweisung erhielt, zur Kompanie zurückzukehren. Die Kompanie trat am anderen Tag den Marsch zum Argonnerwald an.“

Ein Foto

Eine 2016 erworbene Ansichtskarte, nach Zittau in Deutschland abgeschickt am 18. Juni 1916, zeigt den Bau eines Unterstandes in Kipsdorf (Champagne).

Französischer Bericht: April 1917

Hier ein Auszug aus dem Bericht über den Kipsdorftunnel (tunnel du Mont Perthois)[52]

Nach dem 15. April überstürtzten sich die Ereignisse am Kipsdorftunnel. Die Franzosen starteten eine Offensive am Höhenzug von Moronvilliers.

Am 30. April 1917 wurden die deutschen Truppen im Kipsdorftunnel eingeschlossen. Ein Entweichen war nicht mehr möglich. Von französischer Seite wurden Sprengladungen vorbereitet, die in der Nacht vom 2. zum 3. Mai gezündet werden sollten, um den Westeingang zu zerstören. Sich Ihrer ausweglosen Situation bewusst, bittet die Besatzung des Tunnels die Belagerer am 2. Mai um 19 Uhr um eine Unterredung und gibt dann auf. 5 Offiziere, 2 Ärzte sowie 250 Soldaten, davon 30 verwundet, gehen in französische Kriegsgefangenschaft. Nur knapp entgehen sie dem gleichen Schicksal wie später ihre Kameraden am Mont Cornillet Das erbeutete Material an Waffen, Stromgeneratoren und medizinischer Ausrüstung ist bedeutend. Im Gegensatz zum Mont Cornillet ist der Kipsdorftunnel noch nicht fertiggestellt. Die Franzosen ziehen in den Tunnel ein und führen den Ausbau fort. Am 25. April 1918 bricht im Maschinenraum ein Feuer aus, welches erst 2 Tage später gelöscht werden kann. Danach verschwindet der Tunnel aus den Berichten. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Links

Argonnen-Tunnel

Bericht von Karl Debus

 
Lage der Argonnen („Argonner Wald“/„Argonne Forest“)

Tunnelanlagen werden von Karl Debus in einem handschriftlichen Beitrag Die unterminierte Stellung im Argonnerwald erwähnt. Die Tunnelanlagen in den Argonnen , dem Hügelland zwischen der Champagne im Westen und der Maas im Osten, waren bei seinem Eintreffen Ende April 1917 bereits vorhanden. Seine Aufgabe war, die weitere Minierung der Stellungen zu betreiben.

Namensgebung

Namentlich genannt sind der nach Gottlieb von Haeseler (Generalfeldmarschall)  benannte "Graf Haeseler Tunnel", "Hauptmann-Tunnel" und "Hertatunnel"

Lage

Karl Debus berichtet:

„Der Argonnerwald ist fast gleich einem Urwald. Hohe Bäume, viel Gestrüpp, viele Schlingpflanzen, tiefe Schluchten und Täler, dann hohe Berge, oft auch sehr steil. Hier und da zieht sich ein kleines Bächlein klaren Wassers durch das Tal. Große und viel Arbeit ist hier geleistet worden in diesem Argonnerwald. Ja, jede neue oder frische, hierher kommende Truppe muß staunen über das, was hier an Wegebau geleistet ist. Dann ist eine Feldbahn gebaut, längs der Stellung, die durch Täler und an den Berghängen entlang über mittlere Berge führt bis weit in den Argonnerwald hinein.

Unten im Tal, wo mehrere Berge zusammen hochgingen, war ein großer ebener, söhlig er, freier Platz. Hier war ein großer Friedhof angelegt worden für unsere gefallenen Soldaten, die vorne in der Stellung [...] gefallen waren. Sie wurden alle, wenn es eben ging und möglich war, hier auf diesem sehr gut angelegten, sauberen, gepflegten Soldatenfriedhof im Argonnerwald begraben.

Die Stellung lag teils auf den Bergen oder an deren südlichen Abhängen. Auch lag die feindliche Stellung auf verschiedenen Stellen nahe an der unsere heran. Aber auf manche Stellen waren die deutsche u. feindliche Linie weit von einander entfernt. Auch in diesem Abschnitt H „Villa Mord“ sieht man wieder [...] einige Tunnels. So den Graf Haeseler Tunnel, den Hauptmann- und Hertatunnel.“

Bauplan der Tunnel

„Auch diese Tunnel waren ähnlich so ausgebaut wie die vorher beschriebenen Tunnel. Nur einen Unterschied hatten sie gegen die anderen benannten Tunnels. Es feh(len) in diesen Tunnels die Nebenräume. Mithin waren es nur reine Durchgangstunnels, die den Zweck hatten, ungesehen und gede(ckt) in die vorderste Linie zu kommen.“

Anlegen von Minen (Minenkrieg )[53]

„[...] Dort, wo die Stellungen nahe zusammen lagen, wurde viel miniert. Es wurden vom Schützengraben aus Stollen nach der feindlichen Linie zu getrieben. Diese wurden mit kleinen Schurzholz ausgebaut. Wenn die Stollen weit genug vorgetrieben waren, dann wurden dieselben mit Sprengstoff geladen und gesprengt. [...] Andere Stollen waren wieder da um abzuhören, ob der Feind am minieren war, auf unsere Stellung zu. Danach richtete sich auch oft unsere Sprengung. Oft ist es schon vorgekommen, daß man in den feindlichen Stollen kam. Oder man hörte, wie der Feind unseren Stollen anbohrte. Dann wurde aber, um denselben zu täuschen, immer neue Felsstücke gegen das Bohr gehalten. Dann wurde der Stollen, schnell und auf Strümpfe mit Sprengstoff geladen. Alles dieses muß sehr schnell gehen, um dem Feinde zuvor zu kommen. [...] Gerade dieser Abschnitt, H und „Villa Mord (?)“ bezeichnet, war wohl(?) eins der Abschnitte, wo sehr viel miniert wurde.“

Bahn-Tunnel an der Bahnstrecke Challerange – Somme-Py

 
Übersichtskarte zu den Kämpfen in der Champagne 5.10.1916–27.4.1917
 
Übersichtskarte Lausechampagne und Lage des Tunnels
 
R.I.R. 240 – Auf der Höhe 202, südlich der Bahnstrecke mit Tunnel

Es handelt sich um einen Bahntunnel zwischen Manre und Somme-Py, der als Unterkunft genutzt wurde. Darüber berichtet der Regimentsbericht des RIR 239.[15] Im Buchmanuskript von Karl Debus wird er nicht erwähnt.

Regimentsbericht R.I.R. 239 - August 1917-April 1918

Im Kapitel IX "Die Lausechampagne" (S. 92–107) wird für die Zeit der ersten Stationierung in der Champagne (1916/1917) berichtet:

„Beim Abtransport von der Somme [Oktober 1916] hatte männiglich gehofft, das 26.R.-K. und mit ihm das Res.-Inf-Reg. 239 werde jetzt wieder zurückversetzt auf seine alte Kampfstätte in Flandern, wo es Weg und Steg, wo es jeden Graben und jeden Unterstand kannte. Nun sah man sich plötzlich in einer ganz fremden Gegend, zählte nicht mehr [...] zur IV., der man so lange angehört hatte, sondern auf einmal zu der des Generalobersten von Einem. [...] Sie hatten zwei Bataillone des Inf.-Regts. 71 abzulösen im Abschnitt F. Wo lag dieser Abschnitt F? Auf der Butte de Tahure!“

– Seite 92-93

„Das I. Bataillon besetzte mit 4 Kompagnien den Abschnitt F1, [...], das II. die eigentliche Höhe der Butte, F2, mit drei Kompagnien im vorderen Kampfgraben und einer in Reservestellung, das III. [...] mit zwei Kompagnien im Darmstadtlager als Brigadereserve, einer, der 11. im Tunnel, während die 12. in den Hauptriegel einrückte und taktisch dem Kampfbataillon unterstellt war.“

– Seite 95

Im Kapitel XIII "Nochmals Lausechampagne" (S.132-143) wird ebenfalls über diesen Bahntunnel berichtet:

„Das Bereitschaftsbataillon, dessen Stab am Ostausgang "des Tunnels" unterkam, hatte eine Kompagnie bei sich "im Tunnel" selbst, eine bildete die Sicherheitsbesatzung von Artillerieschutz- und 2. Stellung, eine ging in den Sachsen-Schwerin-Riegel und eine ins Darmstadt-Lager. Am bedenklichsten war die Unterkunft im Tunnel der Bahnstrecke Charlerange - Somme-Py. Nicht etwa, daß sie besonders unbequem gewesen wäre. Im Gegenteil. In dem langen und breiten Tunnelgewölbe, das durch seine gewachsene Erddecke Schutz gegen heftiges Artilleriefeuer gewährte, war eine Art Barackenstadt mit elektrischer Beleuchtung, Bade- und Entlausungsanstalt, Kantinen und Feldbuchhandlung entstanden. Leben konnte man hier also schon. Aber bei einem Angriff hätte der Gegner, der doch auch wußte, daß hier Reserven lagen, sicherlich die beiden Tunneleingänge derart unter Feuer genommen, daß die Bereitschaftskompagnien von 239, 238 und 240 und was sonst noch hier untergebracht war, rettungslos in der Falle gesessen hätten. Diese Bedenken, über die sich die höheren Kommandostellen den Kopf zerbrechen mochten, kamen den 239ern übrigens erst im Laufe der Zeit.“

– Seite 137

Regimentsbericht R.I.R. 240 - Oktober 1916-April 1917

Im Kapitel 6a des Regimentsberichts von Lennartz (1938) "auf der Höhe 202" wird über den Eisenbahntunnel berichtet:

 
aus Lennartz (1938) Tafel 32 unten, Seite 190

„Die vordere Kampfzone lag westlich Tahure auf einem Höhenrücken, aus dem 3 Kuppen herausragten, die für unsere Stellung entscheidend waren:

  • 1. In der Mitte die vom Regiment besetzte Höhe 202,
  • 2. Rechts von uns die Arbre-Höhe (R.I.R. 238),
  • 3. Links die Butte de Tahure (R.I.R. 239).“
– Seite 192

„Der Regimentsabschnitt mit einer Frontbreite von etwa 2000 m zerfiel in zwei Unterabschnitte E1 und E2. Jeder Unterabschnitt war von einem Bataillon mit 3 Kompanien in vorderster Linie, einer Kompanie mit Teilen im Stützpunkt und in der Riegelstellung besetzt. Diese letztgenannte war eine Hinterhangstellung. Unmittelbar dahinter befanden sich die gut eingerichteten Lager Neu-Köln und Nassau, in denen die Bataillonsstäbe mit den Bataillons- und Kompanie-Geschäftszimmern, Verbandsplätzen, Küchen, Pionierparks und Marketendereien untergebracht waren. (Die Geschäftszimmer wurden ab 9.10. [1916] in den Eisenbahntunnel verlegt.) Gedeckt durch die Höhe konnte an diese Lager alles Material herangefahren werden.“

– Seite 192

„Etwa 1 1/2 km hinter der ersten Kampfzone lag die erste Reservestellung mit dem starken Stützpunkt des etwas östlich unserer Regimentsabschnittsgrenze gelegenen Eisenbahntunnels an der Strecke Somme-Py - Callerange. Die Eisenbahnanlage als solche war zerschossen; der Bahndamm, von dem die Schienen heruntergerissen waren, boten einen Anmarschweg nach und von Somme Py. Der etwa 600 m lange Tunnel selbst bot Unterkunft für 1 1/2 Bataillon. Die Decke von etwa 8-10 m Dicke gab hinreichenden Schutz gegen Artilleriegeschosse. Eine noch von den Franzosen im westlichen Drittel vorgenommene Sprengung hatte einen großen Ventilations- und Lichtschacht geschaffen. Der Tunnel war im Inneren mit geräumigen Holzbaracken ausgestattet, hatte elektrisches Licht, Wasseranlagen und, ebenso wie die Lager, festgebaute Kompanieküchen, die auch die in vorderer Stellung befindlichen Kompanien mit warmer Kost und Kaffee zu versorgen hatten.“

– Seite 193

„Das Bataillon [II./240] war mit der 5. und 6. Komp. im Eisenbahntunnel untergebracht. Hier befand sich auch die M.G.R. und der Sturmtrupp. Die 7. und 8. Komp. in weiter rückwärts gelegenen Lagern Frankfurt [...] und Graudenz. Der Regimentsstab hatte seinen Sitz an der Böschung des östlichen Tunnelausganges.“

– Seite 193


Folgende Bilder beziehen sich auf diesen Bahn-Tunnel:

Weitere Tunnel

Namentlich genannt sind folgende Tunnel, wobei Lage und Bauzeit bislang nicht geklärt ist.

Donndorf-Tunnel

genannt in Rundstedt (1933), Seite 129, siehe #Ditfurth-Tunnel

Rheinland-Tunnel

Einziger Beleg ist das Foto des R.I.R. 68:[54]

 
Rheinlandtunnel R.I.R. 68

Einzelnachweise

  1. siehe Der Steiger Carl Debus als Konstrukteur des Debus-Tunnels in der Champagne 1915#Peter Schmitz (2014)
  2. Sommepy wurde zur Erinnerung an das im Ersten Weltkrieg zerstörte Tahure in Sommepy-Tahure umgewandelt, siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Sommepy-Tahure
  3. siehe zu den damaligen Ortschaften: Die ausradierten Dörfer
  4. R.I.R. 28
  5. R.I.R. 29
  6. R.I.R. 65
  7. In der Auflistung der Mannschaftsmitglieder werden keine der 68er genannt (S. 55–57)
  8. Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Bauleiter Heinrich Piepenbreier
  9. Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Stellvertreter Hubert Jungbluth
  10. Auch der Eupener Künstler Peter Schmitz, Autor des 2014 wieder aufgelegten Buches Golgatha gehörte zum Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 29, das in Nordfrankreich eingesetzt wurde.
  11. Auch diese Bezeichnung kennzeichnet die Einstellung.
  12. a b Ernst Eggeling, Otto Doberg: Die badischen Pioniere im Weltkriege. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Der Schriftenfolge 191. (= Badisches Pionier-Bataillon. Band 14). Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362043744.
  13. Mit Dank an Wim Degrande (http://www.argonne1418.be) verweise ich darauf, dass er es war, der mir die Skizze im Dezember 2016 zugänglich machte.
  14. a b Erich Peters: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 28 im Weltkrieg 1914–1918. Nach den amtlichen Kriegstagebüchern. Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362024847.
  15. a b Josef Schatz: Geschichte des badischen (rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 239. Chr. Belser A.G., Stuttgart 1927, DNB 36231411X.
  16. Georg Herbrechtsmeier: Geschichte des Reserve-Infanterie-Regiments 238. Selbstverlag „Kameradschaft ehem. 238er“, Karlsruhe 1966.
  17. Fußnote: Reich. Das XXVI. Reservecorps in der Champagne. Vergl. Seite 22 Fußnote zu 13.: Reich, G. (Polizeioberst a.D.): Das XXVI. Reservekorps („Grünes Korps“) in der Champagne – vom Oktober 1916 bis Mai 1917, unter besonderer Berücksichtigung der Kämpfe um die Höhe 185 südlich Ripont, Köln, Grünes Korps, 1937, 8 S. Kt.
  18. a b c Arthur Mayer, Joseph Görtz: Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 236 im Weltkriege (= Aus Deutschlands großer Zeit. Band 112). Sporn, Zeulenroda 1938, DNB 580678520.
  19. Ernst Eggeling, Otto Doberg: Die badischen Pioniere im Weltkriege. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Der Schriftenfolge 191. (= Badisches Pionier-Bataillon. Band 14). Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362043744.
  20. Dank an K. Kleine-Brüggeney für die Überlassung der Aufnahme
  21. Zuvor wird der Einsatz der 1. Kompanie nicht erwähnt – ein Hinweis darauf, dass die 1. Kompanie nach geheimem Plan beim Bau des Debustunnels eingesetzt war.
  22. Société de Chasse Militaire du Camp de Suippes. In: scm-suippes.com. Abgerufen am 29. Oktober 2019.
  23. siehe Divisionskommandeur 16. R.I.D.
  24. Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Bauleiter Heinrich Piepenbreier
  25. siehe auch Skizze 7 unter Regimentsbericht zum RIR 65 unter Debus-Tunnel
  26. Clemens Bedbur, Franz-Joseph Kiegelmann: Der Krieg 1914–1918 wie ich ihn erlebte. Tagebuchaufzeichnungen des Sanitätsunteroffiziers Clemens Bedbur. Vindobona, Neckenmarkt 2012, ISBN 978-3-85040-162-3.
  27. siehe auch Debus-Tunnel
  28. J. Lennartz: Geschichte des badischen (später rheinischen) Reserve-Infanterie-Regiments 240. Sporn, Zeulenroda 1919, DNB 1028839537.
  29. Siehe Links
  30. Hertzberg 
  31. siehe https://fr.wikipedia.org/wiki/Cernay-en-Dormois
  32. Die Lage kann auf einer Detailkarte "Am Kanonenberg, östliche Stellung K1-K4 Juli/August 1916" der Internetseite http://www.verdunschlacht.net/meeting217.htm eingesehen werden. Dort ist der Name "Hertzberg-Tunnel" zwischen K2 und K3 und zwischen Güntherweg und Königsweg eingetragen.
  33. Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Divisionskommandeur 16. R.I.D.
  34. Die Akteure beim Tunnelbau im Ersten Weltkrieg, Champagne 1915#Tunneloffizier Heinrich Kost
  35. beschrieben zum Debus-Tunnel
  36. Bild beim Buchmanuskript, wiedergegeben in den Regimentsberichten RIR 235 und RFAR 51, Seite 314
  37. siehe Rundstedt (1933), Seite 126
  38. Heinrich Riemann, Fritz Vogt (Hrsg.): Das Res.-Feldart.-Regt. [R.F.A.R.] 51 im Weltkrieg. Gebrüder Müller, Kassel 1932, DNB 575798815. 4. Teil: Die Kämpfe des Res.-Feld-Art.-Regts. 51 an der Westfront von Mitte Oktober 1916 bis zur Demobilisierung.
  39. Lutz Knieling, Arnold Bölsche: R.I.R. 234 (= Aus Deutschlands großer Zeit – Heldentaten deutscher Regimenter. Band 31). Sporn, Zeulenroda 1931, DNB 580402037.
  40. Im Buch von Schumacher (2011) wird in einer Fußnote (Nr. 19, S. 28) angemerkt: "Leider geben die Archive bisher keinen Hinweis darauf, welcher Truppenteil den Ausbau vorgenommen hat." Auch der Name Debus taucht in den Darstellungen nicht auf.
  41. Karl Debus bezieht sich auf einen Artikel, der dem Buchmanuskript beiliegt. In diesem Artikel wird auch ein französischer Bericht über die grauenvolle Lage im Tunnel nach der Bombardierung zitiert. Karl Debus hebt hervor, dass die Tunnelanlage kein „altes französisches Bergwerk“ war, sondern ein unter seiner Leitung von Bergleuten aus dem rheinisch-westfälischen Kohlerevier geschaffenes Werk. Seine Leistung und die seiner Mannschaft möchte er trotz katastrophalen Ausgangs nicht abgewertet wissen.
  42. Wiedergabe an den Wortlaut angelehnt
  43. Auch von Schumacher (2011, S. 78) wird ein „Bericht eines französischen Offiziers über die Lage im Stollen“ zitiert, dazu ein französisches Foto von toten Soldaten im Tunnel, hierzu in der Fußnote 67 angegeben „Originalaufnahme mit Blitzlicht von Dr. Forestier, Medicine Aide-Major vom 21. Mai 1917“
  44. Arne Schumacher wurde zum Schreiben seines Buches angeregt durch ein Fotoalbum seines Großvaters Carl Schumacher, „ein fast namenloser Offizier in diesem württembergischen Regiment“ (S. 12) […] „Mit der Regimentsgeschichte ‚seines Regiments‘ in der Hand konnte ich jedoch einige Rätsel lösen. Da er sozusagen ‚Gründungsmitglied‘ des Regiments war, wird er namentlich mehrmals genannt.“ (S. 13) Das Fotoalbum wurde ihm nach dessen Tod 1980 übergeben.
  45. Es handelt sich um ein nicht veröffentlichtes Manuskript, auf das sich die Darstellung von Arne Schumacher wesentlich bezieht. Oberstleutnant a.D. Hermann Köberl, ehemaliger Kommandeur des Gebirgsbataillons 8, verfasste „einen überaus umfangreichen Tatsachenbericht über die geschichtlichen Hintergründe der Zeit 1914–17 und der von ihm vorangetriebenen und selbst durchgeführten Bergung der vielen württembergischen Soldaten im Mont Cornillet in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge [1974/75]“ (Schumacher S. 14)
  46. Ernst Eggeling, Otto Doberg: Die badischen Pioniere im Weltkriege. Erinnerungsblätter deutscher Regimenter. Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents. Der Schriftenfolge 191. (= Badisches Pionier-Bataillon. Band 14). Stalling, Oldenburg 1927, DNB 362043744.
  47. siehe Auszug Martin Weigert: Württembergischer Weltkriegs-Blog: 20. Mai 1917. In: wuerttemberger-im-weltkrieg.de. 20. Mai 2017, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  48. siehe auch Arne Schumacher: Die Kreise des Mont Cornillet. Archiviert vom Original am 14. April 2017, abgerufen am 31. Oktober 2019.
  49. http://chapellefalaise.webnode.fr/
  50. http://wiki-de.genealogy.net/RIR_236
  51. Aus handschriftlicher Aufzeichnung von Karl Debus, Beitrag: Der Kipsdorf-Tunnel
  52. Quelle: http://souterrains.vestiges.free.fr/spip.php?article57.
  53. nach Duden; (franz.) unterirdische Gänge, Stollen anlegen
  54. Mit Dank an Andreas Kitz für die Freigabe, siehe Das königlich preussische Reserve Infanterie Regiment Nr. 68. Abgerufen am 29. Oktober 2019.